Inhaltsverzeichnis der Gegenwart 01 / 04

Editorial:
In den Medien zu Hause?

DBSV-Nachrichten


In Kürze

Leserpost

Im Beruf

Rechtsauskunft
Was bringt uns das Gesundheitsreformgesetz?

Urlaub
Familienzeit ohne Barrieren

Berliner Bezirke
Streifzug durch Pankow

Sport

Aus den Ländern

Persönliches

Unterwegs
Alkoholfrei oder nicht

Rätsel

Schmunzelecke

Serie
Blinde Musikerpersönlichkeiten - Francesco Landini

Anzeigen

Beilage
Aktuelle Hörfilm-Sendetermine

"Blindfisch" ist zum Imageträger von Aktionen der Selbsthilfe geworden. Mit Humor will Blindfisch auf ernste Themen "auf einen Blick" aufmerksam machen.

Editorial

In den Medien zu Hause?

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
niemand kann genau sagen, wie viele blinde und sehbehinderte Kollegen im Medienbereich tätig sind. Dass es hier unterschiedlichste Arbeitsfelder für uns gibt, bewiesen die V. Boltenhagener Tage für akustische Medien im Herbst 2003. Redakteure aus öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunksendern, wissenschaftliche Dokumentare, Auszubildende und Praktikanten beim Hörfunk, Redakteure von hörbaren Zeitschriften, Medienschaffende, die derzeit ohne Arbeit sind, und interessierte Radio- und Zeitschriftenhörer hatten sich versammelt, um Erfahrungen auszutauschen. Haben wir in den Medien auch künftig Berufschancen?
Rund 25 wissende und wissbegierige Leute waren sich einig darin: Selbst wer derzeit einen Job hat, sitzt keineswegs auf einem Ruhekissen. Man muss mithalten können, die Technik beherrschen, Kompetenz zeigen und möglichst genauso schnell sein wie der sehende Kollege. Seine Stärken ausspielen; das ist auch das a und o, wenn man sich auf eine Stelle bewirbt. Fast durchgängige Erfahrung: Meist konnten sich die Verantwortlichen nicht vorstellen, wie ein Blinder seine Arbeitsaufgaben bewältigen soll. Diese Barrieren werden niedergerissen, wenn ein Chef da ist, der sagt: "Versuchen wir es doch einfach einmal".
Dann sind wir an der Reihe, etwas zu beweisen, etwas zu leisten, damit unser Markenzeichen nicht lautet "Kollege blind", sondern "Kollege Fachmann". Sicher müssen wir hier und da kreativer sein und sehr effektiv arbeiten. Wir sollten uns nicht von vornherein Grenzen setzen, aber auch erkennen, wo uns das fehlende Sehvermögen Grenzen aufzeigt. Zu Hause in den Medien können wir sein, wenn wir am richtigen Platz sind.
Ihr Dr. Thomas Nicolai

DBSV-Nachrichten

Gute Argumente haben gesiegt!

Keine Blindengeldstreichung in Bremen/Kompromiss bei der Blindengeldkürzung in Hessen

In Bremen verhinderte eine gemeinsame medienwirksame Kampagne von DBSV und DVBS sowie die Lobbyarbeit des Sozialreferenten Joachim Steinbrück vom Blinden- und Sehbehindertenverein Bremen und des DBSV-Präsidenten Jürgen Lubnau die geplante Streichung des Blindengeldes. Steinbrück und Lubnau hatten sich persönlich an die verantwortlichen Personen aus SPD und CDU gewandt und waren insbesondere bei dem CDU-Landesvorsitzenden Bernd Neumann mit ihren Argumenten auf offene Ohren gestoßen. Herr Neumann, dessen Einsatz bereits die Rücknahme der geplanten Abschaffung des Blindengeldes im Jahre 2001 bewirkte, überzeugte auch dieses Mal wieder die Entscheider der großen Koalition in Bremen. Alle anderen geplanten Einschnitte werden dagegen weiterverfolgt. Herr Neumann ließ es sich dann auch nicht nehmen, den DBSV-Präsidenten persönlich über den Ausgang der Verhandlungen zu informieren.
Am 10. November 2003 schrieb er an Jürgen Lubnau:
"Sie hatten sich im Sommer dieses Jahres erneut mit großem Engagement und guten Argumenten gegen die im Juni in der Koalitionsvereinbarung beschlossene Streichung des Landespflegegeldes gewandt. Dies hat mich sehr beeindruckt.
Ich habe deshalb in der Sitzung des Koalitionsausschusses am 9. November 2003 diese Thematik erneut zur Sprache gebracht und konnte erreichen, dass der schon während der Koalitionsverhandlungen im Juni dieses Jahres gefasste Beschluss, das Blindengeld zu streichen, rückgängig gemacht wurde. Das ist im Übrigen der einzige von vielen Sparbeschlüssen, der korrigiert wurde. Damit wurde Ihrem Anliegen Rechnung getragen. Mit freundlichen Grüßen
Bernd Neumann"

Auch in Hessen zahlte sich das beharrliche und ruhige Verhandeln des Blinden- und Sehbehindertenbundes in Hessen (BSBH) mit Vertretern der Regierung aus. Hier waren die CDU-Regierung und die CDU-Mehrheitsfraktion der Gegner, während die Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfeverbände von den Oppositionsparteien unterstützt wurden. Das Ergebnis des Ringens war ein Kompromiss, der trotz aller Härten sicherlich als ein Erfolg der Selbsthilfe in Hessen bezeichnet werden darf: – Das Blindengeld wird nicht, wie ursprünglich geplant, um 30,09 Prozent gekürzt, sondern "nur" um 14 Prozent auf 503 Euro.
– Die einkommens- und Vermögensunabhängigkeit bleibt erhalten.
– Die Dynamisierung bleibt erhalten.
– Jugendliche unter 18 Jahren erhalten weiterhin 292,50 Euro.
– Bei der Anrechnung von Leistungen aus der Pflegeversicherung auf das Blindengeld wird bei der Stufe III wie bei der Stufe II verfahren, d.h.: Anrechnungsbetrag Stufe I: Monatlich 123 Euro, Anrechnungsbetrag Stufe II und III: Monatlich 164 Euro (also 40 Prozent) werden angerechnet.

Der BSBH dankte nach Abschluss der Verhandlungen allen, die in den vergangenen Wochen ihre Solidarität mit den Blinden und Sehbehinderten im Bundesland gezeigt hatten. Insbesondere hätten sich die direkt an den Verhandlungen Beteiligten von der großen Teilnehmerzahl auch älterer blinder und sehbehinderter Menschen an der Demonstration in Wiesbaden am 18. November 2003 beeindruckt gezeigt.
Ausschlaggebend für das Verhandlungsergebnis sei nicht zuletzt die Zusammenarbeit des Blinden- und Sehbehindertenbundes in Hessen mit dem DVBS und dem hessischen Landesbehindertenrat gewesen.
Thomas Krieger

50.842 Unterschriften gegen Blindengeldkürzung

Am 20.11.2003 fand im Berliner Abgeordnetenhaus vor dem Fachausschuss für Gesundheit, Soziales und Migration die Anhörung zum Landespflegegeldgesetz und damit zum Blindengeld statt. Der Senat will mit seinem Gesetzentwurf die Leistungen für Blinde um 20 Prozent und die für Sehbehinderte sogar um bis zu 50 Prozent senken.
Ca. 160 Blinde und Sehbehinderte waren der Aufforderung des Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenvereins Berlin (ABSV) gefolgt und waren ins Abgeordnetenhaus gekommen. Die Sitzung musste in zwei Räume übertragen werden, damit alle zuhören konnten.
Der Vorsitzende des ABSV, Dr. Manfred Schmidt, hielt das Plädoyer.
Danach übergab er an die Ausschussvorsitzende Dr. Stefanie Schulze (PDS) einen eindrucksvollen Beweis für das Engagement der Betroffenen: Die Blinden und Sehbehinderten hatten in den vergangenen Monaten 50.842 Unterschriften gegen die geplanten Kürzungen des Blindengeldes gesammelt!
Die anschließende Fragerunde offenbarte teilweise erschreckende Informationsdefizite auf Seiten der Ausschussmitglieder. Ein Beschluss zum Landespflegegeldgesetz wurde noch nicht gefasst.
Aktuelle Informationen gibt es auf der Homepage des ABSV: www.absv.de.

Blind sein heißt kämpfen

"Warum fährst Du heute mit nach Wiesbaden?", wollte Gunilla Wolff wissen. 53 Sekunden ihres Radiobeitrags für den Hessischen Rundfunk (HR) widmete die Hörfunkjournalistin am 18. November den Blinden. Gemeinsam mit zahlreichen anderen Personengruppen protestierten sie an diesem "Tag der Verweigerung" in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden gegen die Sparpolitik des Ministerpräsidenten Roland Koch. "Ausgekochte Sparaktionen sollen sich für Koch nicht lohnen", skandierten die Demonstrierenden. Kurz nach 8 Uhr waren 50 Blinde und Begleitpersonen mit einem Bus von Marburg nach Wiesbaden aufgebrochen. Nach gut zweieinhalb Stunden erreichten sie dort die Rhein-Main-Halle. Auf dem Schlachthofgelände sollten sich die 700 blinden Demonstranten treffen. Die Marburg-Gruppe indes verirrte sich zum Luisenplatz und landete dort zwischen Studierenden und Lehrkräften.
Von ganz ferne hörte man Stimmen über Lautsprecher. Was da auf der Auftaktkundgebung gesagt wurde, war nicht zu verstehen. So sangen die Marburger Blinden zur Melodie von Meister Jakob: "Roland Koch, wir fragen Sie: Sollen Blinde betteln, oder wie?" und "Weine nicht, wenn der Roland fällt. Es gibt, keinen, der zu ihm hält. Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unser Widerstand nicht." Dazwischen ertönten Rufe wie "Vorleser und Taxifahren möchte Roland Koch einsparen. Verärgert ruft der Blinden-Chor: Roland, dann lies Du uns vor!" Eine andere Parole lautete: "Köche, die uns Blinde quälen, darf kein Hesse wiederwählen!" Die geplante Kürzung des hessischen Blindengeldes um 30,09 Prozent hatte die Betroffenen aufgebracht. 176 Euro monatlich weniger – darin sahen sie ein unzumutbares Sonderopfer. Zudem sind Blinde auch von den anderen Kürzungen betroffen, gegen die Lehrer und Beamte, Vertreter sozialer Einrichtungen und Studierende in Wiesbaden demonstriert haben. Mit Verspätung setzte sich der Zug vom Luisenplatz aus in Bewegung. Langsam ging es voran in Richtung Landtag. Die Abschlusskundgebung sollte gegen 13 Uhr auf dem Dernschen Gelände unweit des Schlosses beginnen. 35.000 Menschen seien unterwegs, verkündete ein Lautsprecherwagen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Als die Blindengruppe sich dem Dernschen Gelände näherte, waren schon 45.000 Demonstrierende auf den Beinen. Es war unmöglich, auf den Platz zu gelangen. Was dort gesprochen wurde, war nicht zu hören. Das Wort "Blinde" oder "Blindheit" sei nicht ein einziges Mal gefallen, berichtete ein blinder Marburger, der früh im Zug nach Wiesbaden gefahren war und dort schon einen Platz auf dem Dernschen Gelände ergattert hatte. Alle waren reichlich geschafft, als sie am Abend im Bus wieder gen Marburg reisten. Dennoch – oder vielleicht gerade wegen des geringen Niederschlags der blindenspezifischen Thematik – beschlossen sie weitere Aktionen.
Am 21. November erhielten die Marburger Blindengeldbezieher Unterstützung von Oberbürgermeister Dietrich Möller (CDU). Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Vertretern der örtlichen Blindenorganisationen forderte er seine Parteifreunde in Landesregierung und Landtag auf, die geplante Kürzung des hessischen Blindengeldes noch einmal zu überdenken. Gleichzeitig verhandelten Vertreter der Blindenselbsthilfe in Wiesbaden mit den Politikern. Sie waren erfolgreich (darüber informiert die "Gegenwart" zu Beginn der DBSV-Nachrichten). Dieser schmerzliche Erfolg hat viele Väter, er zeigt jedoch, dass es sich lohnt, für seine Interessen zu kämpfen. Dies wird auch weiterhin notwendig bleiben. Die Regelung zum hessischen Blindengeld ist bis 2009 befristet; was danach wird, ist unklar.
Aber wie schreibt doch der portugiesische Literaturnobelpreisträger Rosé Saramago: "Blind sein, heißt kämpfen!"
Franz-Josef Hanke

In Bayern drohen drastische Einschnitte

Am 2.12.2003 informierte die Bayerische Staatsministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen, Christa Stevens MdL Vertreter des Bayer. Blinden- und Sehbehindertenbundes (BBSB) über die Vorgabe des Bayerischen Ministerpräsidenten, dass das Sozialministerium im Jahr 2004 10 Prozent des Haushalts einsparen muss und von der Absicht des Sozialministeriums, das Blindengeld in Bayern im Jahr 2004 um 30 Prozent zu kürzen.
"Eine derart drastische Kürzung werden wir – das haben wir im Gespräch mitgeteilt – nicht hinnehmen. Wir halten eine 30-prozentige Kürzung für ein unzumutbares Sonderopfer zulasten blinder Menschen", erklärte der BBSB am 4.12. in einem Schreiben an die Ministerin.
"Wir werden uns im Interesse der 17.000 blinden Menschen im Freistaat mit allen Mitteln gegen dieses unzumutbare Sonderopfer wehren", heißt es in dem Schreiben, in dem viele Argumente gegen eine Blindengeldkürzung aufgeführt werden, weiter. Als äußersten Kompromiss sieht der BBSB eine Kürzung um 14 Prozent (wie in Hessen).

Fachausschüsse contra Barrieren

Über eine Tagung der vier gemeinsamen Fachausschüsse GFUV, GFaH, FBS, FIT:

Am 20.9.2003 trafen sich die vier Gemeinsamen Fachausschüsse im Aura-Zentrum Bad Meinberg unter der Leitung von Hans-Peter Engel, Mitglied des DBSV-Präsidiums, um über das Thema "Zielvereinbarungen" nach § 5 des Gesetzes zur Gleichstellung behinderter Menschen (BGG) nachzudenken und gemeinsam Vorschläge zur möglichen Aufnahme von Verhandlungen mit Unternehmen zu erarbeiten.
Andreas Bethke gab als Vorsitzender des Lenkungsausschusses Zielvereinbarung (LAZ) zu Beginn einen Gesamtüberblick über das Thema Zielvereinbarungen, Katrin Auer ging auf rechtliche Aspekte ein und Maike Gattermann-Kasper erläuterte die Vorgehensweise gegenüber solchen Unternehmen, die für derartige Vereinbarungen in Frage kommen könnten.
Die vier Fachausschüsse berieten in getrennten Sitzungen über anzustrebende Zielvereinbarungen aus ihrem jeweiligen Fachbereich. Im Ergebnis entstand eine Liste mit 25 interessanten Vorschlägen zur Beseitigung von vorhandenen Barrieren. Diese reicht von elektronischen Nachschlagewerken über die Unterhaltungselektronik und Bankautomaten bis hin zu Schulungsmaßnahmen. In Auswertung dieser engagierten Tagung wird der LAZ eine Prioritätenliste der Vorschläge aufstellen und künftig in engem Kontakt zu den Fachausschüssen Empfehlungen für die Aufnahme konkreter Zielvereinbarungsverhandlungen geben.

Gemeinsamer Fachausschuss für Umwelt und Verkehr (GFUV)

Es wurde begrüßt, dass die Zusammenarbeit mit der Stiftung Warentest fortgesetzt wird. Handys für Sehbehinderte, Sprach-Handys, Notizgeräte und Screen- bzw. Web-Reader sollen getestet werden. Das Projekt BIK (Barrierefrei Informieren und Kommunizieren) erarbeitet gegenwärtig ein Schulungskonzept zur Zertifizierung von "externen BIK-Beratern", um so immer mehr noch vorhandene Barrieren auf diesem Gebiet beseitigen zu können.

Fachausschuss für Informations- und Telekommunikationssysteme (FIT)

Es wurde begrüßt, dass die Zusammenarbeit mit der Stiftung Warentest fortgesetzt wird. Handys für Sehbehinderte, Sprach-Handys, Notizgeräte und Screen- bzw. Web-Reader sollen getestet werden. Das Projekt BIK (Barrierefrei Informieren und Kommunizieren) erarbeitet gegenwärtig ein Schulungskonzept zur Zertifizierung von "externen BIK-Beratern", um so immer mehr noch vorhandene Barrieren auf diesem Gebiet beseitigen zu können.

Gemeinsamer Fachausschuss für allgemeine Hilfsmittel (GFaH)

Der GFaH stellte die Bedienbarkeit und die Einsatzfähigkeit von modernen MP3- und DAISY-Abspielgeräten sowie die immer weniger barrierefrei produzierten Geräte der modernen "Unterhaltungselektronik" in den Mittelpunkt der Tagung und suchte nach Lösungen, um diese Barrieren zu beseitigen. Weitere Stichworte der Arbeit des Fachausschusses waren: barrierefreie Bankautomaten, Handhabbarkeit von Spielen und Bedienbarkeit von unterschiedlichsten Haushaltsgeräten.

Fachausschuss für die Belange Sehbehinderter (FBS)

Der Themenkreis "Low Vision" und das Qualitäts-Zertifikat der Wissenschaftlichen Vereinigung für Augenoptik und Optometrie (WVAO) standen im Mittelpunkt.
Des Weiteren wurden der Sachstand zu "Sehhilfen in der Gesundheitsreform" und mögliche Auswirkungen der Reform auf Sehbehinderte erörtert.

Koordinationsstelle Industriearbeiter und Handwerker

Der Vorsitzende dieser Koordinationsstelle (KS) im DBSV, Ulrich Seufert, hatte die Fachgruppenleiter Industriearbeiter und Handwerker zur Jahrestagung vom 16. bis 19.10.2003 nach Bad Liebenzell eingeladen. Informationen über die Blindengemeinschaft Esslingen sowie über die Nikolauspflege Stuttgart fanden viel Interesse.
Die OKIN GmbH in Endersbach, ein Tochterunternehmen der Stiftung Nikolauspflege, bietet derzeit 50 Arbeitsplätze für Schwerbehinderte, vor allem für blinde und sehbehinderte Menschen. Nach einem Qualitätssicherungssystem werden unterschiedlichste hauswirtschaftliche Dienstleistungen angeboten, im Bereich Metallverarbeitung und Montage werden vom Bau von Sondermaschinen bis zur Herstellung von Schweißkonstruktionen verschiedenste Arbeiten ausgeführt. Diese Einrichtung ist nach Meinung der KS, die sich bei einem Besuch vom guten Betriebsklima überzeugen konnte, nachahmenswert.
Besonderes Interesse fand auch der Beitrag von Herrn Stieger vom Ostschweizerischen Blindenfürsorgeverein St. Gallen über die geschützten Werkstätten in der Schweiz. Bemerkenswert ist, dass es in der Schweiz keine Einrichtungen gibt, die ausschließlich Blinde und Sehbehinderte beschäftigen. Damit wird es möglich, eine wesentlich größere Vielfalt an Arbeit anzunehmen und auszuführen. Die Berichte aus den Landesvereinen beschlossen diese Tagung. Die nächste Fachgruppenleitertagung der Industriearbeiter und Handwerker wird vom 22. bis 24.10.2004 in Bad Meinberg stattfinden.
Hans-Karl Peter

25 Jahre Bundesfachgruppe Informationstechnologie

Vom 14. bis 16.11.2003 fand im Hotel Berghof in Petersberg-Almendorf bei Fulda die Jahrestagung der Bundesfachgruppe Informationstechnologie des DBSV statt.
Zu Beginn hatten die zahlreichen Teilnehmer die Möglichkeit, in einer umfangreichen Hilfsmittelausstellung die neuesten Produkte verschiedener Hersteller auszuprobieren und kennen zu lernen.
Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Bundesfachgruppe, kurz BFG-IT, erinnerte der Leiter Lothar Huge an die rasante Entwicklung im EDV-/IT-Bereich, der sich auch blinde und sehbehinderte IT-Fachkräfte schnell anpassen mussten. Auch in Zukunft wird von den Fachkräften Flexibilität in neuen Systemprozessen erwartet. Den Grußworten des DBSV-Präsidiumsmitglieds Erwin Roth folgte eine Tombola mit Preisen vom Mauspad bis hin zum DAISY-Rekorder, die von diversen Hilfsmittelfirmen und weiteren Stiftern zur Verfügung gestellt wurden.
Ein Solution-Manager der Firma SAP AG referierte über die Produktstrategie der SAP-Systeme. Ein weiterer Vortrag befasste sich mit der geschichtlichen Entwicklung und der Zukunft des im World Wide Web weit verbreiteten Textformats XML.
In der Mitgliederversammlung wurde Lothar Huge in seiner Funktion als Leiter der BFG-IT bestätigt, zum stellvertretenden Leiter wurde Martin Leutwein gewählt. In den Ausschuss wurden Edeltraud Stephan, Gabriele Pinnow, Heiko Folkerts und Gregor Cordes gewählt.
Weitere Informationen über die Arbeit der Bundesfachgruppe IT, ihrer monatlichen Audio-Zeitschrift und ihrer Mailingliste finden Interessierte im Internet auf der Homepage www.bfg-it.de.
Gregor Cordes

EBU-Präsidium neu gewählt

Vom 25. bis 30.11.2003 fand die VII. Generalversammlung der Europäischen Blindenunion (EBU) in Athen statt.
Das neu gewählte, zehnköpfige Präsidium, das die Geschäfte der EBU in der Arbeitsperiode 2003 bis 2007 lenken wird, setzt sich wie folgt zusammen:

Präsident: Colin Low (England)
1. Vizepräsident: Alexandre Neumyvakin (Russland)
2. Vizepräsident: Tommaso Daniele (Italien)
Generalsekretär: Vaclav Polasek (Tschechien)
Beisitzer:
Birgitta Blokland (Niederlande)
Yannis Vardakastanis (Griechenland)
Xavier Grau Sabater (Spanien)
Ann-Christin Fast (Schweden)
Wolfgang Angermann (Deutschland)
Vasil Dolapchiev (Bulgarien)

Einen ausführlichen Bericht über die Generalversammlung finden Sie in der Februarausgabe Ihrer "Gegenwart".

Mobilität auf der Straße

Die Straße der Mobilität vereinte auf der REHACare in Düsseldorf zusammen mit dem DBSV einige Organisationen, Einrichtungen und Firmen. Jetzt piept die Ampel am Fußgängerüberweg; es ist Grün:
Der Gemeinschaftsstand war nicht zu übersehen und auch nicht zu überhören. In seiner Offenheit machte er einen recht geschlossenen Eindruck. Und auf der Straße war allerhand zu entdecken und zu erleben.
Am "Zeitungskiosk" des DBSV gab es vielschichtige Informationen, Broschüren, Postkarten, kompetente Gesprächspartner und DAISY-CD's, das Jahrbuch 2004 sowie die "Gegenwart". Wenn auch etwas klein geraten, bot der DBSV-Stand komprimierte Sachkunde und hatte eine Ratgeberfunktion für die ganze Straße.
In guter Nachbarschaft die Berufsverbände der Rehabilitationslehrer/innen für Lebenspraktische Fertigkeiten sowie für Orientierung und Mobilität und der Verband der Blinden- und Sehbehindertenpädagogen und –pädagoginnen. Wer Fragen zur Finanzierung von O & M- bzw. LPF-Schulungen hatte oder mehr wissen wollte über mögliche Schulformen für ein blindes bzw. sehbehindertes Kind stellte diese an die Fachleute der Berufsverbände.
Traditionell dicht umlagert die "Marktstände" des VzFB sowie des Landeshilfsmittelzentrums Sachsen. In den Wühlkisten wurden den suchenden Händen Alltagshilfsmittel geboten. Und es gab wohl niemanden, der hier für sich nichts Neues entdeckte.
Berufsförderungswerk Düren und Berufsbildungswerk Soest sowie die BliStA (letztere leider ohne Standbesetzung) komplettierten das Straßenbild. Einladend auch die Schilder, die auf eine Weinstube und auf die Bar "Chez Marlène" aufmerksam machten (warum waren beide Häuser an den Messetagen geschlossen?).
RTB hatte die Idee zur "Straße der Mobilität", die Firma setzte diese mit beträchtlichem Aufwand und Engagement um, sicher ein neuer Weg, gemeinsame Anliegen einem großen Publikum nahe zu bringen, zugleich eine Möglichkeit, Know-how und finanzielle Mittel zu konzentrieren.
Dr. Thomas Nicolai

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In Kürze

Fachmesse

Altenpflege, die Fachmesse mit Kongress für Pflege, Therapie und Betreuung findet vom 17. bis 19.2. in Hannover statt. Besonders interessant für Entscheidungsträger und Leiter von Einrichtungen dürfte das dort präsentierte Projekt "Lebensräume - Fokus Architektur + Design" in der Messehalle 4 sein. Im Aktionsforum werden an drei Tagen drei Themen im Mittelpunkt stehen: Ausbildung in Pflegeberufen; Gesundheitsreform in der Krankenpflege sowie Ehrenamt und Angehörige.
Nähere Informationen unter
Tel.: (05 11) 9 90 95-10.

Hörfilm-Matineen

Die Hörfilm-Matinee findet immer am 1. Sonntag im Monat um 13 Uhr in den City-Kinos München, Sonnenstr. 12 statt. Ob sich dieses Angebot etabliert, hängt davon ab, ob die Zuschauer es nutzen.
Nächste Aufführung: 4.1. "Cinema Paradiso".

Eltern-Kind-Treffen

Die Fachgruppe Eltern des BSV Sachsen lädt ein zum 1. Eltern-Kind-Treffen des Jahres 2004 nach Rochsburg ein: 19. bis 21.3. Anmeldeschluss ist der 15.2.
Nähere Informationen und Anmeldung
Aura-Pension "Villa Rochsburg"
Schlossstr. 17
09328 Lunzenau, OT Rochsburg
Tel.: (03 73 83) 8 34 01
Fax: 8 34 99
E-Mail: villa-rochsburg@gmx.de

"Sams in Gefahr" als Hörfilm

Erstmals in Deutschland war ein aktueller Kinofilm schon wenige Tage nach dem Start auch für Blinde und Sehbehinderte zu erleben.
Der Bayerische Rundfunk präsentierte den Kinderfilm "Sams in Gefahr", der am 11.12.2003 bundesweit anlief, am 16.12. in den City-Kinos München. Weitere Aufführungen folgten am 17.12. in Marburg und am 18.12. in Hamburg. Bis Ende Januar sind weitere Vorstellungen u.a. in Nürnberg, Würzburg sowie in Berlin geplant.
Der Bayerische Rundfunk unterstreicht mit diesem Projekt seine Vorreiterstellung und herausragende Kompetenz in der Produktion von Hörfilmen.
Die Hörfilmfassung entstand mit freundlicher Unterstützung von Constantin Film und Collina Film, die Finanzierung übernahm der Bayerische Rundfunk gemeinsam mit dem Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund.

Ferienspaß und Computer Know-how

Die Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (Blista) veranstaltet vom 3. bis 8.4. einen Ferienspaß und Computer Know-how für blinde und sehbehinderte Kinder und Jugendliche. Schüler im Alter von 12 bis 18 Jahren aus Blinden- und Sehbehinderten- bzw. Regelschulen, die zu Hause bzw. in der Schule einen PC-Arbeitsplatz haben, sollten später täglich Erlerntes anwenden können.
Nähere Informationen und Anmeldung - bis 15.1. - bei der
Blista, Fortbildungsbüro
Tel.: (0 64 21) 60 60 oder
E-Mail: info@blista.de

LowVision-Kongress in Würzburg

Vom 1. bis 2.10. findet in Würzburg der Interdisziplinäre LowVision-Kongress, Diagnostik, Therapie, Rehabilitation sehbehinderter Menschen statt. Wichtige Hauptthemen werden Referate über Sehstörungen bei Kindern und Erwachsenen sowie vielseitige Workshops und Beiträge sowie wissenschaftliche Veröffentlichungen sein.
Nähere Informationen bei der
LowVision-Stiftung gGmbH
Marktplatz 11
97070 Würzburg
Tel.: (09 31) 3 04 78 96
E-Mail: info@lowvision-stiftung.de
Internet: www.lowvision-stiftung.de

Englischlehrgang

"Can I help you? Alle Welt spricht Englisch - und Du?" ...
Englischlehrgang für Fortgeschrittene Anfänger bzw. anfänglich Fortgeschrittene vom 15. bis 20.3. im Aura-Hotel Osterode.
Nähere Informationen und Anfragen bei
Wolfgang Hrusch
Tel.: (0 22 33) 70 91 29.

Managementseminare für Ehrenamtliche in der Selbsthilfe

Um die vielfältigen Beratungsaufgaben, die behindertenpolitische Interessenvertretung, die Weiterentwicklung und Durchsetzung von Rechten bzw. die Förderung und Stärkung der Selbsthilfekräfte und des Ehrenamtes in der Arbeit ihres Verbandes "professionell" zu managen, Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit zu betreiben und ihre Anliegen in unterschiedlichen Situationen effektiv zu kommunizieren, bietet der Paritätische Wohlfahrtsverband drei Informationsveranstaltungen zu den Bereichen

- "Verbandsorganisation" (Management und Verwaltung) 30. bis 31.1.

Nähere Informationen und Anmeldung bei
Ulrike Wipprecht
Paritätische Akademie gGmbH,
Heinrich-Hoffmann-Str. 3
60528 Frankfurt a.M.
Tel.: (0 69) 67 06 - 2 74
E-Mail: ulrike.wipprecht@paritaet.org

Informationsveranstaltungen

Die Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung des Deutschen Studentenwerkes wird drei Informationsveranstaltungen für behinderte und chronisch kranke Studieninteressierte sowie Studierende in den ersten Semestern und deren Berater in Zusammenarbeit mit den örtlichen Studentenwerken anbieten.
Am 11.2. in Rostock, 18.2. in Darmstadt, 9.3. in Dresden.
Nähere Informationen und Anmeldung unter
Tel.: (0 30) 29 77 27-64
E-Mail: studium-behinderung@studentenwerk.de

1. Platz bei Brandenburgischer Jugendmeisterschaft

Andre Menz, Auszubildender im 2. Lehrjahr im Berufsbildungswerk im Oberlinhaus (BBW), Potsdam, ist Brandenburgischer Meister der Helfer im Gastgewerbe!
Bei der 4. Brandenburgischen Jugendmeisterschaft der Beiköche und Helfer im Gastgewerbe aus Einrichtungen zur Ausbildung behinderter Menschen belegte er am 15.11.2003 in Pätz den ersten Platz. Insgesamt waren im Technologie- und Berufsbildungszentrum Königs Wusterhausen zwölf Auszubildende zum Helfer im Gastgewerbe angetreten, um den Wanderpokal als "Zeichen des Sieges" mit nach Hause nehmen zu können. Gleichzeitig wurden die besten Beiköche prämiert.

Kostenlose Broschüren und Ratgeber

Das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS) stellt auf seiner Internetseite interessante Links zur Verfügung. In der Rubrik "Publikationen" werden meist kostenfreie Broschüren und Ratgeber angeboten, die für Integrationsfachdienste, für Arbeitgeber oder für die Kollegen des schwerbehinderten Menschen von Nutzen sein können. Themenschwerpunkte sind: Umsetzung der teilhabe behinderter Menschen, Empfehlungen für Arbeitgeber im Umgang mit schwerbehinderten Mitarbeitern, aber auch einige Integrationsbeispiele für eine erfolgreiche Beschäftigung schwerbehinderter Arbeitnehmer.
Internet: www.bmgs.bund.de

Bewegungstraining mit Kassettenanleitung

Dr. Sonja Bernard, die bereits früher ein Gedächtnistraining für blinde Senioren auf Tonbandkassetten entwickelt hat, bietet jetzt ein Trainingsprogramm für den ganzen Körper an. Die Übungen können im Sitzen, Liegen oder Stehen durchgeführt werden. Die seniorengerechten Bewegungsanleitungen sind in unterhaltsame Texte eingebettet und trainieren dadurch nicht nur die Bewegungssicherheit, sondern auch die Vorstellungskraft.
Das Training auf zwei Tonbandkassetten kann bei bestellt werden bei
Dr. Bernard
Tel.: (0 94 07) 81 28 40

Wegweiser für Begleitpersonen

"Führen oder Begleiten" - Wegweiser für Begleitpersonen - nimmt den Hintergrund und die Eigengesetzlichkeit des besonderen Miteinanders von Blinden und Begleitpersonen in den Blick. Erfahrene Autorinnen und Autoren aus Theorie und Praxis, so Walter Harth, aus seiner Perspektive als blinder Mensch, über "ideale Begleitpersonen - perfekte Helfer". Prof. Dr. Hudelmayer - anerkannter Blindenpädagoge - gibt Tipps zum richtigen Beschreiben usw. Nähere
Informationen und Bestellung bei der
Blindenseelsorge im Bistum Speyer
Walburga Wintergerst
Landschreiberstr. 11
67433 Neustadt
Tel.: (0 63 21) 3 29 37
E-Mail: wintergerst@behindertenseelsorge-speyer.de

Kalender "Kleine Galerie 2004"

Der Kunstkalender mit Bildern von 12 Freizeitmalern mit zum Teil schwersten Körperbehinderungen ist vom Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. herausgegeben worden. Aus über 300 eingesandten Werken wurden von der Jury 12 Gemälde für die "Kleine Galerie 2004" ausgesucht.
Nähere Informationen und Bestellungen beim
Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V.
Postfach 20
74236 Krautheim oder
Tel.: (0 62 94) 42 81-0

Neues Funk-Kolleg

Im neuen Funk-Kolleg mit dem Thema "Ernährung heute" geht es um Hunger und Überfluss, um Geschmack und Moral, um Ernährungsstörungen, Heilmittel, Biotechnik, Sport, die gute Butter und noch vieles mehr. In einem Zusammenspiel von o-Tönen, Gesprächen, Reportagen und Hörspielszenen wird sinnlich erfahrbar, was uns alle betrifft.
Unverbindliche Infokassette und Mitschnitte im Abo sind erhältlich bei:
Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V.
Frauenbergstr. 8
35039 Marburg
Tel.: (0 64 21) 9 48 88 22
E-Mail: adw@dvbs-online.de

Unbehindert "zweisam" auch mit Behinderung

"2sames" lautet der Titel einer Dokumentation über Paare mit einem behinderten und einem nicht behinderten Partner. Die Paare erzählen die Geschichte ihres Zusammenkommens. Die Dokumentation soll zeigen, dass solche Beziehungen häufiger vorkommen und "funktionieren", als oft angenommen wird, und will dadurch Schwellenängste abbauen. Die Dokumentation erscheint zunächst im Internet, soll aber später zur Ausstellung und vielleicht zu einem Buch werden. Es werden noch weitere Paare zum Mitmachen gesucht. www.2sames.de

Buchtipp

Lothrop, Hannah: Das Stillbuch. München, Kösel-Verlag, 27. aktualisierte Auflage, 2002.
Der Klassiker der Baby- und Kinderernährung liegt in einer Neuauflage vor.
Warum sich Stillen lohnt, wie sich Mütter auf ihr Baby einstimmen können, wie die Bindung zwischen Eltern und Kind entsteht, Probleme von Mutter oder Baby mit dem Stillen, das Ende der Stillbeziehung und ein ausführlicher Anhang mit Arzneimitteln und Adressen lassen das Buch zu einem Nachschlagewerk werden.
Belletristische Aufsprache ohne Fußnoten, Bestellnummer 6056, 11 C-90 Kassetten.
Zu bestellen beim
Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V.
Frauenbergstr. 8
35039 Marburg
Tel.: (0 64 21) 9 48 88 22
E-Mail: adw@dvbs-online.de

DZB-aktuell

Seit Juli 2003 läuft die Ausleihe der Blindenschriftbibliothek der DZB mit Hilfe eines computergestützten Programms. Die Bibliothek hält ca. 10.000 Titel in Blindenvoll- bzw. -kurzschrift zur Ausleihe bereit. Neben zahlreichen spannenden Romanen finden interessierte Leser Bücher zu verschiedenen Sachthemen und Kinder- und Jugendliteratur.
Alle, die das vielfältige Angebot testen möchten, melden sich bitte unter
Tel.: (03 41) 71 13-114 oder
bibliothek@dzb.de

Neue Mailing-Liste für Frauen mit und ohne Behinderung

Angesagt heißt die neue Mailingliste vom Hessischen Koordinationsbüro für behinderte Frauen. Es ist eine Liste zur Information, Kommunikation und Diskussion für Frauen mit und ohne Behinderung.

Um sich anzumelden, schicken Sie einfach eine leere Mail an:
join-angesagt@kbx.de
Für weitere Informationen oder Rückfragen steht Ihnen
Rita Schroll vom
Hessischen Koordinationsbüro für behinderte Frauen
Tel.: (05 61) 7 28 85-22
E-Mail: hkbf@fab-kassel.de jederzeit gerne zur Verfügung.

BliTZ sucht Redaktion und Sprecher

Lokales aus der Berliner Presse bildet den Inhalt der wöchentlichen Hörzeitung BliTZ. Die Berliner Blinden-Tonband-Zeitung sucht Sprecherinnen und Sprecher, die ehrenamtlich Texte auswählen und aufsprechen.
Wer helfen kann und möchte erfährt Einzelheiten bei:
Aktion Tonband-Zeitung für Blinde in Holzminden
E-Mail: hermann.dremel@blindenzeitung.de oder in Berlin bei
Dr. Detlef Friedebold
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DBSV-Broschüren

"Wenn Diabetes ins Auge geht" - das ist der Titel einer neuen Broschüre des DBSV; Autorin Diana Droßel, Diabetesbeauftragte des DBSV.
Wenn Diabetes und Sehprobleme zusammenkommen, vervielfachen sich die Schwierigkeiten, die zu überwinden sind, um ein selbstständiges und weitgehend "normales" Leben führen zu können. Das beginnt bereits, wenn Medikamente ohne ausreichende visuelle Kontrolle sortiert, gekennzeichnet und richtig dosiert eingenommen werden müssen.
Der Betroffene steht oft hilflos vor einem Berg von Alltagsproblemen, die ihm Angst machen, ihn entmutigen können, wenn ihm niemand hilft, die großen und kleinen Berge zu "versetzen". Nicht selten "kapitulieren" Menschen in jedem Lebensalter, weil sie nicht wissen, wie das Leben weiter geht.
Geeignete Hilfsmittel, praktische Tipps und Erfahrungswerte, Ansprechpartner und Hinweise auf weiterführende Informationen machen die Broschüre zu einem nützlichen Begleiter für Diabetiker mit Sehproblemen und ihre Angehörigen, aber auch für Fachkräfte in Beratungsstellen.
"Wenn Diabetes ins Auge geht", 24 Seiten, A5, mit zahlreichen farbigen Abbildungen.
zu beziehen beim DBSV
Mindestbestellmenge 50 Exemplare
Einzelpreis: 0,70 Euro.

"Führen und Stützen" - diese DBSV-Publikation erschien jetzt in neuer Auflage; Autoren: Ilse Lewerenz und Ralf Wilcke.
Das 28-seitige Heft gibt insbesondere Fachkräften in der Altenpflege, aber auch Angehörigen, in Wort und Bild wertvolle Hinweise zum Umgang mit blinden und sehbehinderten Menschen mit Gehbehinderungen.
Die Broschüre ist zu beziehen beim DBSV
Mindestbestellmenge 50 Exemplare
Einzelpreis: 1,15 Euro

Im Beruf

Riesenbildschirm für große Aufgaben

Beratender Ingenieur trotz Sehbehinderung im Qualitätsmanagement tätig. Eine individuelle Arbeitsplatzausstattung macht es möglich.

Zschopau im Mittelerzgebirge. Hier arbeitet seit sechs, sieben Jahren Enno Postler als beratender Ingenieur. Infolge eines stark verringerten Sehvermögens war eine operative Tätigkeit für ihn nicht mehr möglich, der Schritt ins Rentnerdasein schien unausweichlich. Doch das wollten weder Enno Postler noch seine Firma. Also machte man sich auf die Suche nach Lösungen, die eine sinnvolle Weiterbeschäftigung ermöglichen sollten.
Vieles wurde ausprobiert: ein Lesegerät und Bildvergrößerungssoftware wurden angeschafft. Jedoch stellte sich bald ein Nachteil heraus, der die Arbeit zunehmend behinderte: man hatte nie den gesamten Bildschirminhalt des Monitors im Blick, d.h. man bearbeitete beispielsweise einen Text wie mit einer Lupe ohne ihn in seiner Gesamtheit sehen zu können. Aber gerade das war für Enno Postler überaus wichtig, schließlich verlangt seine Tätigkeit im Ingenieurbüro Qualitätsmanagement Zschopau viel Individualität, Flexibilität und Darstellungsvermögen.
Seit neun Jahren beschäftigt sich die Firma erfolgreich mit der Beratung von mittelständischen Unternehmen bei der Einführung von Qualitätsmanagementsystemen. Mehr als 100 Betriebe haben die Hilfe und Unterstützung des Teams von Dipl. Ing. Simone Reuther bereits in Anspruch genommen. Sieben Mitarbeiter erarbeiten anwendungs- und zertifizierungsreife Verfahrensanweisungen, firmenspezifische Qualitätsmanagementhandbücher und nehmen den Kontakt zu Zertifizierungsstellen auf.
Weitere Tätigkeitsfelder sind Maschinen- und Prozessfähigkeitsuntersuchungen, statistische Prozessüberwachung sowie Prüfmittelüberwachung und –verwaltung.
Über eine Ausstellung im Berufsförderungswerk Halle (Saale) im Jahr 1998 entstand schließlich der Kontakt zur SIE-media GmbH mit Sitz in Möser bei Magdeburg und seit 2003 auch in Seefeld bei Berlin. Dieses Unternehmen bietet individuelle raumintegrierte oder mobile Lösungen zur Einrichtung von Konferenz-, Seminar- oder Medienräumen an.
Auch für das Ingenieurbüro Zschopau war bald eine passende Lösung gefunden: ein sehbehindertengerechter Arbeitsplatz, der die speziellen Bedürfnisse und Anforderungen berücksichtigt. Für Enno Postler war wichtig, den gesamten Bildschirminhalt sehen zu können. Dieser Wunsch wurde auf einer Fläche von ca.870 x 600 mm erfüllt. Texte, Formulare und Symbolleisten können vollformatig in der notwendigen Größe dargestellt werden. Die Arbeit wird damit erleichtert, anstehende Aufgaben können in guter Qualität vor allem schneller realisiert werden, so die Einschätzung der Firmeninhaberin Frau Simone Reuther.
Der Arbeitsplatz ist im Wesentlichen eine mobile Rückprojektions-Box mit 40 Zoll Bilddiagonale (874 x 604 mm). Rückprojektions-Box mit 40 Zoll Bilddiagonale (874 x 604 mm). Das integrierte Bildgebersystem besteht aus einer leistungsfähigen Projektionseinheit mit Weitwinkelobjektiv, einem Umlenkspiegel und einer speziellen Rückprojektionsscheibe zur Darstellung hochauflösender Datenbilder.
Der Arbeitsplatz ist seit April 2002 in Zschopau im Einsatz und sowohl Enno Postler als auch die Firmenchefin Simone Reuther sind sich einig: die Anschaffung hat sich bewährt und bezahlt gemacht.
Letzteres nicht nur durch die Förderung der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte und des Amtes für Familie und Soziales Chemnitz. Die gesamte Arbeitsausführung ist schneller geworden, ein ruhiges Bild ohne Flimmern, Flackern und sprunghafte Bewegungen mindern Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen, der Arbeitsplatz erlaubt mehr Überblick über das zu bearbeitende Dokument und erleichtert besonders bei Querformaten die Arbeitsausführung in hohem Maße.
"Nichts ist so gut, dass man es nicht verbessern könnte" – so lautet das Leitmotiv des Ingenieurbüros für Qualitätsmanagement in Zschopau. Das trifft nach mehr als 2-jährigem Einsatz auch für den sehbehindertengerechten Arbeitsplatz zu. Dem Hersteller wurden z.B. Hinweise zur Verbesserung des Belüftungssystems und der Gestaltung der Fernbedienung übermittelt. Diese wurden aufgegriffen und künftige Anwender können davon profitieren.

Wolfgang Loos

Nähere Informationen zu dieser Arbeitsplatzlösung gibt die Herstellerfirma:
SIE-media GmbH
Akazienstraße 7, 16356 Seefeld
Tel.: (03 33 98) 7 84 00.

Begegnung am Tag des weißen Stockes

Linuxserver, Datenbankprogrammierung und Netzwerkverwaltung waren bevorzugte Themen, als 17 junge angehende Systemkaufleute, Systeminformatiker und Fachinformatiker dem Kurs der Informatikkaufleute im Berufsförderungswerk Würzburg (BFW) einen Besuch abstatteten. EDV-Fachleute unter sich, könnte man meinen, doch handelte es sich um eine Begegnung der ganz besonderen Art, denn die 9 Rehabilitanden des BFW sind alle blind bzw. stark sehbehindert.
Dennoch fiel es ihnen nicht schwer, den sehenden Fachkollegen, die ihre Ausbildung bei der Deutschen Telekom in Würzburg absolvieren, zu zeigen, dass sie trotz ihres Handicaps effektive Leistungen an modernen Arbeitsplätzen erbringen können.
Im Mittelpunkt des Besuchs stand neben einer professionellen Präsentation des Berufsbildes vor allem die Information über Hilfsmittel, die Blinde und Sehbehinderte brauchen, um die anspruchsvolle Ausbildung zum Informatikkaufmann zu absolvieren. So ließ man sich das System der Blindenschrift erklären, beobachtete Blinde bei der Arbeit am PC und erfuhr viel Interessantes über das Leben mit einem Blindenführhund.
Möglichkeiten zur Selbsterfahrung wurden reichlich geboten: Mit verbundenen Augen wagten die jungen EDV-Fachkräfte einen Rundgang über das BFW-Gelände und erlebten in der Lehrküche, wie schwierig einfache Verrichtungen im Haushalt ohne Augenlicht sind. Geradezu abenteuerlich gestaltete sich das gemeinsame Mittagessen, das ebenfalls mit der Schwarzbrille über den Augen eingenommen wurde.
Der fachliche Austausch wurde von beiden Seiten als äußerst fruchtbar eingestuft und soll deshalb auch fortgesetzt werden. Wie BFW-Ausbilder Stefan Barwanietz mitteilte, steht der Termin für einen Gegenbesuch bei der Telekom schon fest.

Wieder im Berufsleben: Ein gutes Gefühl

Noch immer sind Arbeitgeber unzureichend darüber informiert, wie blinde und sehbehinderte Menschen ihre Arbeitsaufgaben meistern. Auch über finanzielle Fördermöglichkeiten bei der Einstellung Schwerbehinderter herrscht oft Unwissenheit.
Aber es gibt auch ermutigende Beispiele beruflicher Integration: Angela Fischer ist vollblind und seit März 2003 bei dem Hallenser Unternehmen 3 w phone, einem Anbieter für komplexe Kommunikationsdienstleistungen, beschäftigt. Nachdem die gelernte Telefonistin ihre Fortbildung zur Fachkraft für Telefonmarketing im Berufsförderungswerk Halle (BFW) abgeschlossen hatte, wurde sie zunächst in ein Probearbeitsverhältnis übernommen. Im Juni 2003 dann die unbefristete Einstellung.
Am Arbeitsplatz der 39-jährigen fallen einige Besonderheiten auf: Angela Fischer arbeitet u.a. mit einer Braille-Zeile, mit Hilfe derer sie die Informationen auf dem Bildschirm ihres PC's erkennen kann. Das elektronische Notizgerät, das sie immer bei sich trägt, ermöglicht es ihr, Mitschriften anzufertigen, die – in den Computer eingegeben – auch für sehende Kollegen verwendbar sind.
Angela Fischers Arbeitsplatz wurde ihren Bedürfnissen entsprechend individuell eingerichtet, die Kosten dafür übernimmt selbstverständlich der Träger der Rehabilitation.
"Viele Arbeitgeber sind der Meinung, dass sehbehinderte Menschen nicht am PC tätig sein können. Im Gegenteil: Der Rechner ist das größte Hilfsmittel der Blinden", stellt Integrationsberaterin Ingrid Schilling die Sachlage richtig und fügt hinzu: "Dank moderner Technik erledigen Sehbehinderte ebenso zuverlässig wie andere Arbeitnehmer ihre Aufgaben am Computer."
Neben der professionellen Integrationsarbeit des BFW hat im Fall von Angela Fischer das große Engagement des Arbeitgebers wesentlich zum Erfolg beigetragen. Die 3 w phone-Geschäftsführung zeigte sich gegenüber den Problemen blinder Menschen sehr aufgeschlossen, sodass eine intensive Zusammenarbeit entstand. "Wir konnten uns im BFW Halle von der Leistungsfähigkeit sehbehinderter Arbeitnehmer überzeugen", betont Geschäftsführer Torsten Kamenz.
Angela Fischer ist glücklich: "Die Arbeit macht mir Spaß. Es ist ein gutes Gefühl, beruflich wieder aktiv zu sein."

Robert Bonan

Rechtsauskunft:

Was bringt uns das Gesundheitsreformgesetz?

Das GKV-Modernisierungsgesetz wurde am 19.11.2003 im Bundesgesetzblatt verkündet (I 2190) und tritt im Wesentlichen am 1.1.2004 in Kraft. Wir informieren über einige wichtige Neuerungen:

Hausarztsystem, § 73 b SGB V
Alle volljährigen Versicherten können sich freiwillig verpflichten, mindestens ein Jahr lang an der "hausarztzentrierten Versorgung" teilzunehmen. Das bedeutet: Man sucht sich einen Hausarzt aus, nachdem die Krankenkasse mitgeteilt hat, welche Ärzte aus der näheren Umgebung dafür zugelassen sind, und legt sich mindestens 1 Jahr auf diesen Arzt fest. Braucht man einen Facharzt, so wird der Hausarzt den Patienten an diesen überweisen. Der Facharzt wiederum kann weiter verweisen an einen anderen Facharzt oder gegebenenfalls zurück an den Hausarzt. Ein Wechsel des Hausarztes, an den man sich gebunden hat, ist vor Ablauf der Jahresfrist nur "bei Vorliegen eines wichtigen Grundes" möglich. Die Teilnahme am Hausarztsystem ist freiwillig. Sie spart dem Versicherten eine Reihe von Praxisgebühren (siehe weiter unten), und die Krankenkasse kann zusätzlich damit werben, dass sie einen Bonus zum Beispiel in Form von Ermäßigungen bei den Zuzahlungen gewährt. Da die minderjährigen Patienten keine Zuzahlungen zu leisten haben, gilt das Angebot nur für Erwachsene.

Praxisgebühr, § 28 Abs. 4 SGB V
Versicherte über 18 Jahre müssen ab 2004 grundsätzlich für jede Inanspruchnahme eines Arztes, und sei es nur eine telefonische Beratung, eine Praxisgebühr von 10 Euro bezahlen. Genauer: Der Betrag wird fällig: "je Kalendervierteljahr für jede erste Inanspruchnahme eines an der ambulanten ärztlichen, zahnärztlichen oder psychotherapeutischen Versorgung teilnehmenden Leistungserbringers, die nicht auf Überweisung aus demselben Kalendervierteljahr erfolgt." und das bedeutet: Geht man im Januar zu einem Arzt, zahlt man 10 Euro Praxisgebühr. Sucht man denselben Arzt im März noch einmal auf, fällt keine neue Praxisgebühr an. Setzt sich die Behandlung in den April fort – zum Beispiel Medikamente werden weiter verschrieben – , so fällt eine neue Praxisgebühr an. Geht man im Januar zum Hausarzt und im Februar zum Ohrenarzt, ohne dass man eine Überweisung des Hausarztes hat, so muss man sowohl beim Hausarzt, als auch beim Ohrenarzt jeweils 10 Euro zahlen. Das kann teuer werden, wenn man ohne Überweisung auch noch zum Augenarzt, zum Zahnarzt und zu anderen Fachärzten geht. Im Falle einer Überweisung ist jedoch keine zweite und keine weitere Praxisgebühr innerhalb des Quartals zu zahlen.
Das heißt: Geht man Ende März zum Hausarzt und lässt sich von ihm zum Augenarzt überweisen, bekommt dort aber erst im April einen Termin, so ist wiederum sowohl dem Hausarzt als auch dem Augenarzt die Praxisgebühr zu zahlen. Die dann dem Augenarzt gezahlte Praxisgebühr gilt dann allerdings mit für den Hausarzt und man hat für dieses zweite Quartal seine Praxisgebühr gezahlt. Unter die Gebührenpflicht fallen grundsätzlich alle ärztlichen Leistungen. Ausnahmen: Leistungen an minderjährige Patienten, ferner bestimmte Leistungen wie Vorsorge-Untersuchungen, Schutzimpfungen und Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt. Keine Ausnahme gilt hingegen für Notfälle, zum Beispiel nach einem Unfall die Behandlung in der Ambulanz eines Krankenhauses. Auch hier ist die Praxisgebühr zu zahlen. Ferner gibt es keine Befreiung für Sozialhilfeempfänger. Sie müssen die Praxisgebühr aus ihrer Hilfe zum Lebensunterhalt bestreiten.

Zuzahlungen und Belastungsgrenze, §§ 61 und 62 SGB V
Die Praxisgebühr gilt als neue "Zuzahlung". Daneben gibt es die bisherigen Zuzahlungspflichten bei Arzneimitteln, bei Heilmitteln (Krankengymnastik, Massage, Ergotherapie) und bei stationärer Behandlung, die aber allesamt neu geregelt wurden. Ganz neu ist ferner die Zuzahlung bei Hilfsmitteln (speziell dazu informieren wir in der Februar-Ausgabe).
Kurz gefasst gelten am 1.1.2004 folgende Zuzahlungsregelungen: Arzneimittel (§ 31 Abs. 3 i.V.m. § 61 Satz 1 SGB V): 10 Prozent des Abgabepreises, mindestens jedoch 5 Euro und höchstens 10 Euro, allerdings jeweils nicht mehr als die Kosten des Mittels;

Heilmittel (§ 32 Abs. 2 i.V.m. § 61 Satz 3 SGB V):
10 Prozent der Kosten sowie 10 Euro pro Verordnung; stationäre Behandlung (§ 39 Abs. 4 i.V.m. § 61 Satz 2 SGB V): 10 Euro pro Tag bis maximal 28 Tage.
Ausgenommen von der Zuzahlung sind alle Leistungen an Minderjährige. Bei den Erwachsenen unterliegen jetzt aber auch die Sozialhilfeempfänger den Zuzahlungspflichten. Die Obergrenze für die Belastungen mit Zuzahlungen innerhalb eines Kalenderjahres (§ 62 SGB V) beträgt 2 Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt (zu denen das Blindengeld natürlich nicht zählt) bzw. bei chronisch kranken Patienten 1 Prozent. Der Betrag der maßgeblichen Einnahmen wird gemindert, wenn im Haushalt der Ehegatte und/oder weitere Angehörige leben. Bei Sozialhilfeempfängern gilt als maßgebliches Einkommen pauschal der Regelsatz des Haushaltsvorstandes nach der Regelsatzverordnung. Wie bisher gilt: Um die Überschreitung der Obergrenze belegen zu können, muss man alle Quittungen über die geleisteten Zuzahlungen aufbewahren!

Fahrtkosten, § 60 SGB V
Bei den Fahrtkosten wird eine Leistungseinschränkung vorgenommen, die 500 Mio. Euro jährlich an Einsparungen bringen soll, die also ganz beträchtlich ist. Dabei ist der Leistungsumfang hier schon nach geltendem Recht sehr eingeschränkt, nämlich (verkürzt dargestellt) auf Fahrten zur stationären Behandlung sowie auf Rettungsfahrten und Krankentransporte mit besonderen Fahrzeugen. In all diesen Fällen muss der Versicherte von den Kosten die ersten 13 Euro selber tragen. Im Übrigen erstattet die Krankenkasse die Fahrtkosten nur im Rahmen der Belastungsregelung, das heißt: Der Versicherte kann die Taxiquittungen aufbewahren und nach Ablauf des Kalenderjahres mit den anderen Belegen über Zuzahlungen bei seiner Krankenkasse einreichen. Der die Belastungsgrenze überschreitende Betrag wird erstattet. Ab 1.1.2004 wird nun aber Folgendes gelten: Die Krankenkassen übernehmen Fahrtkosten grundsätzlich nur noch dann, wenn die Fahrten "aus zwingenden medizinischen Gründen" notwendig sind. Bei Fahrten zu ambulanten Behandlungen wird das in seltenen Ausnahmefällen der Fall sein. Diese Ausnahmefälle sollen in Richtlinien noch im Einzelnen beschrieben werden. Dafür entfällt die Berücksichtigung der Kosten im Rahmen der Belastungsregelung. Bei Fahrten zur stationären Behandlung sowie bei Rettungsfahrten und Krankentransporten bleibt es im Prinzip bei der geltenden Regelung (neu geregelt wird der Fall der Verlegung in ein anderes Krankenhaus). Die Zuzahlung des Versicherten wird (praktisch) auf 10 Euro gesenkt (dies gilt auch für die Ausnahmefälle bei den Fahrten zu ambulanten Behandlungen).

Karl Thomas Drerup

Hinweis: Weitere Einzelheiten zum Gesundheitsreformgesetz veröffentlichen wir in der Februar-Ausgabe.

Urlaub

Familienzeit ohne Barrieren

Ein Gespräch mit Margrit Kozdon nach der Verleihung eines Preises an das Aura-Hotel in Boltenhagen:

Willkommen im Urlaub – Familienzeit ohne Barrieren; das ist der Titel eines Wettbewerbes, ausgeschrieben vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie vom Deutschen Tourismus-Verband. Einer der Preisträger ist das Aura-Hotel in Boltenhagen. Über 160 Bewerber gab es, da waren die Kriterien sicher sehr hoch gesteckt ...
Die Kriterien umfassen ein kleines Buch, kann man fast sagen, 150 Fragen mussten beantwortet werden. Eine Kommission aus ca.20 Mitgliedern ist durch das Haus gegangen und hat auch die Umgebung analysiert. Die Rollstuhlfahrer aus der Kommission haben sogar bei uns gewohnt, weil man in Boltenhagen keine andere Unterkunft für sie gefunden hatte. Das Seehotel hatte zwar gesagt, es sei rollstuhlgerecht, aber die Türen waren zu schmal.

Nun kommen ja vorwiegend blinde und sehbehinderte Gäste ins Haus "Seeschlösschen". Woran ist im Hinblick auf diese Urlaubergruppe besonders gedacht worden?
Barrierefrei heißt ja, Barrieren für möglichst viele Behinderungen aus dem Weg räumen. Wir müssen darauf achten, dass alles möglichst kontrastreich ist, dass möglichst viele Dinge mit Sprachausgabe sind. Wir müssen dafür sorgen, dass der Service am Büffet, im Speisesaal so klappt, dass die Gäste das vorfinden, was sie wünschen. Es ist einfach eine diskrete Betreuung im Hintergrund nötig.

Seeheilbad Boltenhagen und das Aura-Hotel haben den Preis gemeinsam bekommen. Welche Konsequenzen und möglichen Kooperationen gibt es dadurch?
Das ist eine Besonderheit, dass die Kooperation zwischen dem Ort und unserer Einrichtung gewürdigt wurde. Wir haben es geschafft, mit den örtlichen Partnern gemeinsam Barrieren aus dem Weg zu räumen, nicht nur in unserem Haus, sondern auch davor und im Ort überhaupt.

Kann man sagen: Boltenhagen ist blinden- und sehbehindertenfreundlich?
Freundlich auf jeden Fall. Die Gäste mit Sehbehinderung haben hier seit über 40 Jahren nicht nur Hausrecht, sondern auch Ortsrecht. Sie gehören zum Bild von Boltenhagen.
Die Freundlichkeit habe ich betont, aber die Blinden- und sehbehindertengerechtigkeit muss natürlich permanent weitergeführt werden.

Ein Beispiel ist die Umgestaltung der Strandpromenade, das ist der Weg, der genau zwischen dem Haus und der Ostsee liegt. Was tut man hier, damit sich Blinde und Sehbehinderte gut orientieren können? Und wo gibt es dabei noch Schwierigkeiten?
Wir haben mit dem Kurdirektor und mit den Architekten zusammengesessen, um zu überlegen, was man verbessern kann. Wichtig für die Stockgänger ist, dass die Tastkante da ist; wichtig für die Leute mit Sehrest, dass Kontraste eingearbeitet werden. Hier wird man versuchen, unterschiedliche Bodenbeläge zu verwenden. An den Strandabgängen sollen Tasttafeln angebracht werden, und, und, und. Es sind viele Dinge, die wir angeregt haben, aufgenommen worden und werden jetzt schrittweise umgesetzt.

Im Wettbewerb ging es speziell um Urlaubszeit für Familien. Im "Seeschlösschen" trifft man aber vorwiegend Gäste ohne Kinder an. Wieso dann dieser Preis?
Wir haben ja unsere Ferienwohnungen im Haus "Waldfrieden", und dort ist es ideal, mit Kindern Urlaub zu machen. Über das ganze Jahr kann dort in großzügig eingerichteten, behindertengerechten Wohnungen Urlaub gemacht werden.

Eine Besonderheit sollte noch erwähnt werden. Hier im unteren Foyer ist ein sogenannter Strandrollstuhl zu sehen. Was hat es damit auf sich? Vielleicht können wir ihn einmal kurz beschreiben ...
Der Strandrollstuhl sieht aus wie der Thron von einem Herrn in Badehose. Recht groß sind die Räder, prall gefüllt mit Luft. Sie tragen diesen Strandrollstuhl im Wasser. Aber um da erst einmal hinzukommen, sind diese Räder perfekt. Man sinkt nicht im Sand ein. Angeschafft haben wir uns diesen Strandrollstuhl, weil Menschen mit Gehbehinderungen mit dem üblichen Rollstuhl den Sand nicht befahren können. Die Barriere Strand für den Rollstuhlfahrer ist damit aus dem Weg geräumt.

Der Rollstuhl wird nicht allein dort hinfahren. Wie kommt der Rollstuhlnutzer dort hin?
Die meisten Rollstuhlfahrer kommen ja mit Begleitung und machen gemeinsam Urlaub. Allein anreisende brauchen unsere Hilfe. Da wurden im Sommer Termine vereinbart, sodass wir gemeinsam in die Ostsee reinfahren konnten.

Barrierefrei Urlaub in Boltenhagen, das Schild, das die Preisverleihung dokumentiert, ziert den Hauseingang. Welche Wünsche bleiben offen für das Jahr 2004?
Viele Wünsche. Wir stellen uns vor, dass wir unsere Türen mit Türöffnern ausrüsten, dass wir noch mehr Licht in die Bäder bringen. Wir haben eine Wunschliste, und wir werden versuchen, sie Schritt für Schritt umzusetzen, auch gemeinsam mit unserem Förderverein, der uns tatkräftig zur Seite steht, und natürlich auch mit den Ideen unseres Vorstandes.

Noch einmal herzlichen Glückwunsch zu dieser schönen Auszeichnung. Willkommen in Boltenhagen, so könnte man die Überschrift des Preises etwas abändern. Vielen Dank.

(Das Gespräch führte Dr. Thomas Nicolai; DAISY- und Kassetten-Version Originalton.)