"Die Gegenwart" erscheint monatlich (Juli/August als Doppelnummer)
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Zu unserem Titelbild: Das Bild "Ein Wegweiser mitten im Weg" von Angelika Walter-Maihold wurde beim Fotowettbewerb "Berlin durch die Hintertür" mit dem Spezialpreis für Menschen mit Sehbehinderung ausgezeichnet - initiiert von der Berliner Zeitung und der Fürst Donnersmarck-Stiftung.
wann war das eigentlich, als wir begannen, nur noch zu runden Geburtstagen zu gratulieren? Wahrscheinlich fehlte es uns damals an Zeit und an Ideen, jedes Jahr einen neuen Gedanken mit dem Glückwunsch zu verbinden. Oder wollten wir den Jubilar nur schonen? Egal, heute will ich zum alten Brauch, nämlich jährlich an einen Geburtstag zu denken, zurückkehren.
Fast Dein ganzes Leben hast Du ohne Augenlicht zugebracht, dabei waren Deine Augen gesund - vor diesem unnötigen Unfall. Aber Du musstest ja schon als kleines Kind alles ausprobieren. Messer, Gabel, Schere, Licht ... und Nadeln gehören auch dazu ... Aber meine Gratulation soll nicht in einer Moralpredigt enden. Dein persönliches Unglück hatte, wie wir noch heute wissen, so makaber das klingt, auch etwas Gutes. Wärest Du sonst auf Deine geniale Erfindung gekommen? Wohl nicht.
Ich wünsche Dir zu Deinem Geburtstag am 4. Januar, dass alle Punkte, die Dir selbst lieb und teuer geworden sind, noch lange auch vielen anderen hilfreich sein werden. Sei gewiss, dass an Deinem Ehrentag viele Menschen an Dich denken und ein Gläschen auf Dein Wohl leeren. Manche denken neuerdings sogar an Dich, wenn sie ihre bittere Medizin schlucken müssen. Und als die DZB in Leipzig am 12.11.2004 ihren 110. Geburtstag mit der Eröffnung der Ausstellung "Punkt für Punkt zum Erfolg" und mit vielen kleinen Gästen, die handgelesenen Geschichten lauschten, feierte, wurde natürlich auch viel über Dich geredet.
Du siehst also - oder sollte ich sagen, Du fühlst - dass Du hoch geschätzt wirst, auch wenn Du keinen Verdienstorden bekommen hast.
Alles Gute verbinden wir mit Deinem Namen.
Dr. Thomas Nicolai
Die Teilnahme am DBSV-Jugendseminar vom 12. bis 14.11.2004 hat mich veranlasst, die Jugendarbeit einmal etwas näher zu beleuchten.
Wie man in der Gegenwart in letzter Zeit ja nun des Öfteren lesen konnte, ist die Aktivität unserer jüngeren Mitglieder seit etwa zwei Jahren wieder stärker in Gang gekommen. Das festzustellen und zu erleben erfreut hinsichtlich der Mitgliedergewinnung für die Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe besonders.
Vor ein paar Monaten ist zu diesem wichtigen Thema von einer extra hierfür gebildeten Kommission ein Papier herausgegeben worden, in welchem sehr anschaulich Richtlinien zur Mitgliederwerbung und -gewinnung erarbeitet wurden. Durch eine aktive Arbeit von Jugendgruppen ist es sicher leichter auf neue jüngere Mitglieder zuzugehen und sie für eine Mitgliedschaft oder sogar zur Bereitschaft, später einmal für die Organisation ehrenamtlich tätig zu werden, zu gewinnen.
Es soll natürlich keinem Späterblindeten abgesprochen werden, sich genauso gut in die aktive Arbeit im DBSV einzubringen, aber es ist schon wichtig auf das Potenzial, welches junge Mitglieder mitbringen, zuzugreifen.
Wir wissen, dass die Zahl der Jüngeren wesentlich niedriger ist als die der im Alter erblindeten Menschen. Um so wichtiger ist es, möglichst alle auf geeignete Weise persönlich anzusprechen. Denn auf die Energie und die Aktivitäten junger Leute mit Sehbehinderung können unsere Vereine auf keinen Fall verzichten, weil die Jungen diejenigen sind, die unsere Arbeit in die Zukunft tragen können. Gerade während des Jugendseminars konnte man doch wieder feststellen, dass es junge Leute gibt, die bereit sind sich dafür zu engagieren. Auch wenn nicht alle Landesvereine teilgenommen haben, lässt mich diese Veranstaltung im Nachhinein optimistisch sagen, die Jugend ist aktiv in der Gegenwart und wird es auch für die Zukunft sein.
Nicht vergessen möchte ich, auf die mit Absicht in der Überschrift ans Ende gesetzte Zeitform einzugehen.
Die Jugendarbeit gibt es ja schon seit langem im Verband. Sie wurde aber immer wieder durch Hochs und Tiefs gezeichnet. Hierfür sind Dinge wie z.B. das Nichtweiterleiten von Veranstaltungsangeboten und nichtfunktionierende Jugendvertretungen verantwortlich. Letzteres habe ich leider selbst miterlebt.
Hier können die DBSV-Landesvereine im Erfahrungsaustausch manches voneinander lernen. In diesem Sinne konnte ich den Teilnehmern am Schluss der Veranstaltung neben lobenden Worten für die Qualitative und disziplinierte Durchführung des Seminars Folgendes mit auf den Weg geben:
Es ist wichtig durch sinnvolle Organisation von Veranstaltungen, und Motivation junger Menschen eine existierende und gut laufende Jugendgruppe zu erhalten. Zu diesen Themen hat Herr Reiner Delgado (Mitarbeiter der DBSV-Geschäftsstelle) als Referent agiert und Hervorragendes geleistet.
Ein für die Zukunft auch sehr wichtiges Thema ist die Arbeit mit mehrfachbehinderten Jugendlichen.
Fazit: Es gilt die Jugendarbeit zu unterstützen, damit diese Qualität auch für die Zukunft erhalten werden kann.
Das Präsidium des DBSV wird dies im Rahmen seiner Möglichkeiten sicher tun.
Andreas Beinert
Ein Blindengeld, unabhängig von Einkommen und Vermögen und reduziert auf 300 Euro, soll es ab 2005 nach dem Willen der CDU-Landtagsfraktion in Niedersachsen nur noch für Anspruchsberechtigte unter 27 Jahren geben.
Ansonsten sollen nur noch Bedürftige Anspruch auf den blindheitsbedingten Nachteilsausgleich haben. Diese Kahlschlagpolitik, beschlossen am 29.11.2004 in der Fraktion, wird auch dadurch nicht gemildert, dass man einen so genannten Härtefallfonds einführen will.
Über 90 Prozent der blinden Menschen in Niedersachsen werden leer ausgehen und in ein tiefes Loch der Abhängigkeit und der gesellschaftlichen Isolation fallen. Sie werden zu Bittstellern, die ihre Teilhabe am öffentlichen Leben "erbetteln" müssen. Auch 140.000 Unterschriften für den Erhalt des Blindengeldes, die Ministerpräsident Wulff am 17.11. übergeben wurden, konnten nichts am unsozialen Kurs, der knallhart von der Sozialministerin (man sollte dass Ressort umbenennen) vertreten wird, ändern.
Appelle, Mahnwachen, Demonstrationen und sachlich ausgewogene Argumente des BVN, des DBSV und aller Bündnispartner wurden von den CDU-Politikern ignoriert, denn die jetzt von der Landesregierung als Kompromiss "verkaufte" Regelung ist faul und vergiftet das soziale Klima nicht nur an der Leine, sondern in ganz Deutschland.
Wer nicht davor zurück schreckt, blinde Menschen um ein selbstbestimmtes Leben zu bringen, dem sind noch ganz andere Entscheidungen zuzutrauen.
Die Redaktion der "Gegenwart" wäre sehr froh, wenn sie sich irrte und im Landtag Mitte Dezember das Vorhaben der Regierungsfraktion scheiterte. Bei Redaktionsschluss sah es leider nicht so aus.
Dr. Thomas Nicolai
Das DBSV-Präsidium tagte am 26.11. in Berlin; letzte Sitzung im Jahr 2004. Ich bin im Gespräch mit Hans-Joachim Krahl:
Mit welchen Aussichten geht das Präsidium, geht der DBSV in das Jahr 2005?
Hans-Joachim Krahl: Es gibt vieles, was für das Jahr 2005 zu regulieren war. Es tagte nicht nur das Präsidium; am 24.11. fand eine gemeinsame Sitzung des Kuratoriums und des Vorstandes der Blindenstiftung Deutschland statt. Dort wurden zukunftsweisende Beschlüsse gefasst. Mit einer Satzungsänderung wurde die Grundlage gegeben, um die Stiftung für die Zukunft noch besser zu gestalten, insbesondere, um den Zustiftern den Zugang zu erleichtern.
Am 25.11.2004 war die Gesprächsrunde der Korporativen Mitglieder des DBSV. Es waren mehr als 20 Vertreter von Einrichtungen und Verbänden anwesend; das zeigt doch, dass diese Gesprächsrunde als bedeutsam angesehen wird. Wir sind übereingekommen, dass die Dinge besser untereinander abgestimmt und dass die Zusammenarbeit weiter ausgestaltet werden sollen. Zum Beispiel müssen wir gemeinsam eine Tendenz abwehren, dass Träger von Berufsbildungseinrichtungen mitunter nur Teilabschlüsse der Rehabilitanden favorisieren wollen. Das geht zu Lasten der Arbeitsmarktfähigkeit unseres Klientel, deshalb können wir das als Selbsthilfe nicht zulassen.
Wo werden vom Präsidium im neuen Jahr die Akzente gesetzt? Was wird als nächstes in Angriff genommen?
Die Sicherung des Blindengeldes in den einzelnen Ländern ist natürlich wieder zentrales Thema gewesen. Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir als Länderverbund weiter aktiv werden können, wie wir kampagnenfähiger werden, als das in der Vergangenheit war. Wie wir mehr auf uns aufmerksam machen können und wie wir den Entscheidern in den Ländern noch besser klarmachen können, wofür das Blindengeld eigentlich notwendig ist und dass wir Blinden darauf angewiesen sind, um Teilhabe am öffentlichen Leben zu haben. Wir haben uns auch Gedanken gemacht, wie es möglich werden könnte, ein einheitliches Leistungsgesetz zu erreichen. Das wird allerdings ein sehr, sehr langer Weg sein. Deshalb wollen wir nicht überstürzt Hoffnungen wecken, aber jeder Weg hat einen Anfang und irgendwo auch ein Ende.
2004 war das erste komplette Jahr in Berlin. Wie schätzt das Präsidium die Wirksamkeit der Geschäftsstelle und die Arbeit nach dem Umzug ein?
Die Geschäftsstelle hat sich etabliert. Die Ergebnisse zeigen, dass sich hier ein sehr gutes Team zusammengefunden hat, das die Basis für die künftige Arbeit bildet. Das Präsidium wird seinen Einfluss geltend machen, um die Geschäftsstelle zu einer schlagfähigen Größe zu machen und sie auch als kompetenten Ansprechpartner für die Landesvereine weiter zu entwickeln.
Was leider immer wieder verschoben werden musste, ist die Qualifikation ehrenamtlicher Funktionäre. Kann man damit rechnen, dass das im Jahr 2005 über die Bühne geht?
Ich gehe davon aus. Wir sind dabei sehr unglücklich, denn wir hatten das ja vor mehr als einem Jahr angeschoben. Die Qualifizierung der Mitarbeiter ist aber nicht zum Nulltarif zu machen. Und das ist letztendlich der Grund, weshalb diese Maßnahme noch nicht begonnen werden konnte. Wir hoffen, dass unsere Anträge jetzt von der Aktion Mensch akzeptiert werden, sodass wir im zweiten Halbjahr die Schulungen durchführen können. Es besteht auch Qualifizierungsbedarf bei hauptamtlichen Mitarbeitern, sodass das ein gemeinsames Programm werden wird.
Stichwort Finanzen: Ist die Basis für 2005 gesichert? Wo kann man einsparen? Wo kann man mit Geld rechnen?
Der Haushaltsplan ist im Verwaltungsrat mit einer schwarzen Null am Ende verabschiedet worden. Das wird eine gute Basis sein, aber im Laufe eines Jahres wird es auch immer wieder einmal Verschiebungen geben, denn nichts läuft 100-prozentig planmäßig. Das Präsidium wird darauf achten, dass sich die finanzielle Basis des DBSV weiter verbessert.
Wie geht es den ordentlichen Mitgliedern des DBSV, den Landesvereinen?
Es gibt in den Landesvereinen unterschiedliche finanzielle Ressourcen. Es gibt Landesvereine, die sich über die Maßen gut entwickelt haben, es gibt Landesvereine, die um das Überleben kämpfen. Wir werden vom Präsidium, sofern das gewünscht wird, Unterstützung geben. In diesem Sinne werden wir auch irgendwann unseren Familiensinn verwirklicht wissen, nämlich, dass sich alle Landesvereine auf einem bestimmten Mindestlevel darstellen können.
Gibt es eine Botschaft an das einzelne Mitglied, an blinde und sehbehinderte Menschen im ganzen Land?
Ja, insbesondere sollten sich die Blindengeldempfänger darüber im Klaren sein, wofür das Blindengeld da ist. Sie sollten es bestimmungsgerecht verwenden. Nur so können wir den Politikern beweisen, dass es notwendig ist als Grundlage für eine uneingeschränkte Teilnahme am öffentlichen Leben. Darüber sollte sich jeder Gedanken machen. In den Landesvereinen wird ja viel darüber diskutiert, und dieses Wissen sollte wach gehalten werden.
Vielen Dank für das Gespräch; das Präsidium trifft sich ja bereits Ende Januar wieder - dann sicher mit weiterem Schwung für das Jahr 2005.
(Das Gespräch führte Dr. Thomas Nicolai; Kassetten- und DAISY-Version Originalton.)
Sinne - das ist das Schwerpunktthema des DBSV-Jahrbuches 2005. Und wiederum erweist sich diese traditionsreiche Publikation als bewährtes Mittel für die Öffentlichkeitsarbeit des DBSV, der Landesvereine und ihrer Untergliederungen sowie der Korporativen Mitglieder.
Gerade zu Beginn des neuen Jahres ist die 96-seitige, attraktiv aufgemachte Broschüre sehr gut für die Übergabe an Freunde und Bekannte, an gesellschaftliche Partner und Politiker geeignet. Neben den interessanten Beiträgen profilierter Autoren dürften für manchen Leser auch das detaillierte Anschriftenverzeichnis und der Ferienkalender von besonderem Interesse sein.
Komfortabel für Computer-Nutzer ist die Jahrbuch-CD-ROM mit den Beiträgen zum Hören (DAISY-Format) mit den Texten für das eigene Archiv und mit einer PDF-Datei, die das Jahrbuch Seite für Seite mit allen Bildern am PC darstellt.
Die CD kostet nur 8 Euro und ist zu bestellen bei der
DBSV-Geschäftsstelle
Rungestraße 19, 10179 Berlin
Tel.: (0 30) 28 53 87-0
E-Mail: publik@dbsv.org
Die Schwarzdruck-Ausgabe kostet pro Heft 1,70 Euro und ist bei den DBSV-Landesvereinen erhältlich.
Ab einer Mindestbestellmenge von 50 Exemplaren kann das Jahrbuch (Schwarzschrift) auch beim DBSV bestellt werden.
Das DBSV-Präsidium hat beschlossen, dass private Kleinanzeigen ab März 2005 kostenpflichtig sind.
Bis zu einer Länge von 180 Zeichen, einschließlich Leerzeichen, kostet eine solche nichtkommerzielle Anzeige dann pauschal 5 Euro. Jedes Wort über diesen Umfang hinaus kostet zusätzlich 50 Cent.
Die Redaktion
Am bundesweiten Frauenseminar des DBSV in Bad Liebenzell beteiligten sich im Oktober 2004 60 Teilnehmerinnen aus allen Teilen Deutschlands, ein Resümee der Frauenbeauftragten im DBSV:
Das Seminar richtete sich an alle Frauen in den Verbänden und Vereinen des DBSV, die an der Frauenarbeit interessiert sind. Und dank der finanziellen Unterstützung durch das BMFSJ war die Teilnahme auch den Personen möglich, die nur über geringe finanzielle Mittel bzw. kein eigenes Einkommen verfügen.
Mit dem Thema "Lobby-Arbeit für blinde und Sehbehinderte Menschen in Europa" fand Hans Kaltwasser, Referent für internationale Angelegenheiten beim DBSV, interessierte Zuhörerinnen. Sehr lebendig stellte er die Arbeit der Europäischen Union und der Europäischen Blindenunion (EBU), die ihren Sitz in Paris hat, dar. Die EBU hat z.Z. 44 Mitgliedsverbände, und es leben etwa 30 Mio. blinde und sehbehinderte Menschen in diesen Mitgliedsstaaten. Die Unterschiede zwischen den ärmeren und den reicheren Ländern sind gravierend, ebenso wie zwischen Ost und West. Die so wichtige Annäherung der Lebensverhältnisse benötigt Zeit.
In drei Arbeitsgruppen wurden Themen, wie "Braille-Schrift auf Medikamentenverpackungen", "Freier Postversand für Blindensendungen", "Novellierung der Busrichtlinien" diskutiert und Vorschläge dazu erarbeitet.
Das Thema "Einführung in die Gesprächstherapie und Gesprächspsychologie" verlangte ein besonders sensibles Herangehen. Die Referentin hatte lange Jahre in diesen Bereichen gearbeitet und konnte anhand von Beispielen aufzeigen, wie wichtig das "Zuhören" ist, also auch ein möglicher Arbeitsbereich für blinde Personen sein kann. Die Überleitung zur Arbeit in den Gruppen der Vereine, speziell in den Frauengruppen, war schnell hergestellt, und Frau Boy konnte manchen guten Rat erteilen.
Das Thema: "Welche Möglichkeiten der Altersvorsorge haben Frauen, die nicht oder nicht ständig berufstätig waren?" wurde von Frau Petra Locher, Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, referiert. Es ging um die "Riesterrente", Geldanlagen, Lebensversicherungen, aber auch um dubiose Geldanlagen. Das eigentlich etwas trockene Thema wurde so zu einem besonders interessanten und brisanten Vormittag. Frau Locher riet den Teilnehmerinnen auch, die Verbraucherzentralen in ihren Bundesländern anzusprechen, wenn es um Themen geht, die neutral in ihren Gruppen vorgetragen werden sollten.
"Wege zur beruflichen Teilhabe für Frauen mit Behinderung - Umsetzung der frauenfördernden Dimensionen des SGB IX" lautete das Thema, das Frau Dr. Phil. Elke Schön vortrug. Sie zeigte das breite Spektrum der Möglichkeiten für Frauen mit Behinderung auf, eine Reha-Maßnahme anzunehmen, Hilfe für die Kinderbetreuung während einer Umschulung zu erhalten, überhaupt alle Möglichkeiten, wieder in das Arbeitsleben integriert zu werden. Die Teilnehmerinnen waren angesichts der hohen Arbeitslosigkeit in Deutschland insgesamt aber eher skeptisch, was die Erfolgschancen angeht.
Berichte aus der Arbeit der Frauenvertreterinnen in den Landesvereinen, eine Manöverkritik und eine Vorschau auf das nächste Seminar im Jahre 2005 rundeten das Programm ab. Einig waren sich alle darüber, dass es besonders wichtig ist, viel Zeit für den Erfahrungsaustausch zu haben und mit neuen Anregungen nach Hause zu fahren.
Im Rudolf-Kraemer-Haus in Bad Liebenzell waren wir sehr gut untergebracht und wurden ausgezeichnet versorgt.
Helga Neumann
Die Kammerspiele in München laden zu einer besonderen Vorstellung ein. Am 13. Februar, 20.00 Uhr, steht Lessings Stück "Miss Sara Sampson" mit Audiodeskription auf dem Programm; ein bürgerliches Trauerspiel, das bis heute, knapp 250 Jahre nach der ersten Aufführung, nichts an Aktualität eingebüßt hat.
Spannend, aktuell und mitreißend und durch die zusätzliche Beschreibung der "nicht-zu-hörenden" Details des Stückes ist ein umfassendes und komplexes Theatererlebnis zu erwarten. Das Stück läuft ohne Pause durch!!!
Möglich wurde das Projekt durch die Unterstützung der Sponsoren Rotary-Club-Germering, Blinden- und Sehbehindertenstiftung Bayern, Katholisches Blindenwerk Bayern, Hörfilm e.V. und Münchner Bildungswerk.
Weitere Informationen zur Bestellung von Karten und Kopfhörern sowie zur Anreise wie auch zur Regelung für Blindenführhunde erhalten Sie bei Frau Franzis Kramer; Tel.: (0 89) 33 04 08 75.
Kartenvorbestellungen mit Kopfhörerwunsch und Angabe, ob ein Blindenführhund mitgebracht wird, direkt bei den Kammerspielen; Tel.: (0 89) 54 81 81 81 (Führhunde werden außerhalb des Zuschauerraumes betreut).
Ausführlichere und aktuelle Informationen sind zu finden unter:
www.hoertheater.info
Dazu ein Bild: 1755 kam mit "Miss Sara Sampson" das erste Bürgerliche Trauerspiel deutscher Sprache auf die Bühne.
Das Berufsförderungswerk Düren bietet seit einiger Zeit - in Kooperation mit dem BFW Hamburg - in der Hansestadt eine spezielle einjährige qualifizierte Weiterbildung für blinde und sehbehinderte Arbeitslose an. Schwerpunkt der Qualifikation ist ein betriebliches Praktikum, das sechs bis neun Monate umfasst.
Nähere Informationen bei
Jutta Spormann und Heidi Tobola
Tel.: (0 40) 41 43 50-187/188
E-Mail: isb@bfw-hamburg.de
Um blinden und sehbehinderten Wählerinnen und Wählern die Möglichkeit zu geben, ohne Hilfe anderer Personen an der Sozialversicherungswahl am 1.6.2005 teilzunehmen, wird ihnen für das Kennzeichnen des Stimmzettels gemäß §54 Satz 2 der Wahlordnung für die Sozialversicherung (SVWO) auf Antrag vom Versicherungsträger kostenfrei eine Wahlschablone zur Verfügung gestellt. Auf diese Möglichkeit weist der Bundeswahlbeauftragte die blinden und sehbehinderten Wählerinnen und Wähler ausdrücklich hin. Aus organisatorischen Gründen sollte man sich bis Ende Januar 2005 bei dem jeweils zuständigen Versicherungsträger melden, sofern man sich im Falle einer Wahl mit Wahlhandlung (Urwahl) beabsichtigt, von ihrem Wahlrecht unter Benutzung einer Wahlschablone Gebrauch zu machen.
Vom 28.4. bis 1.5. trifft sich der Arbeitskreis "Sehbehinderter und blinder Schreibender Deutschlands" im AURA-Zentrum Bad Meinberg und setzt damit eine 13-jährige Tradition regelmäßiger Arbeitstreffen fort. Die schreibfreudigen AK-Mitglieder aus Berlin, Pirna, Köln, München und anderen Gegenden Deutschlands würden sich über Nachwuchs und Mitstreiter freuen. Zu den Treffen bringen die Schreibbegeisterten ihre individuell gefertigten Texte zu gemeinsam festgelegten Themen mit, um sie kritisch und anerkennend zu betrachten.
Wer sich näher interessiert, sollte mit der AK-Sprecherin Ines-Kathrin Pape Kontakt aufnehmen
Tel.: (0 33 61) 34 56 28.
Noch einige freie Plätze:
2.1.-8.1.2005 - Aktiver Winter
14.1.-16.1.2005 - Ruhe und Kraft - Yoga und Rückenschule
15.1.-29.1.2005 - Kochen-Haushalt-Umweltschutz
28.1.-30.1.2005 - Didgeridoo-Workshop
30.10.-5.2.2005 - Handwerken - Töpfern - alles aus Ton
Nähere Informationen beim
AURA-Hotel
Tel.: (0 88 45) 99-0
E-Mail: saulgrub@bbsb.org
Internet: www.bbsb.org
21.2.-27.2. - Kennen lernen - Woche im AURA Zentrum, lernen Sie das AURA Zentrum und die Region rund um das Staatsbad Meinberg kennen.
7.5.-13.5. - Wandern im Teutoburger Wald, erwandert wird eine Strecke von ca. 60 km.
Nähere Informationen und Anmeldung unter Tel.: (0 52 34) 90 40.
4. Mord in Timmendorf, 26.1. bis 30.1.: Krimitage mit Produktion eines eigenen Hörspiels und Krimiwochenende.
Anmeldung unter
Tel.: (0 45 03) 6 00 20
E-Mail: timmendorfer-strand@aura-hotels.de
11.4.-17.4. - Pfundskur, in Zusammenarbeit mit der AOK Sachsen können die Teilnehmer lernen, wie man genießen und gleichzeitig sein Gewicht halten oder gar abnehmen kann.
18.4.-1.5. - Rochsburger Wanderwochen im Frühling mit kurzen und längeren Strecken sowie manchem kulturellen Erlebnis.
4.5.-8.5. - Himmelfahrt in Rochsburg mit Kremserfahrt, geselligem Beisammensein und einem nicht ganz ernsten Seminar "Rund um den Wein" einschließlich Verkostung.
3.6.-5.6. - Singletreffen, wer auf Partnersuche ist, sollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.
Anmeldungen und nähere Informationen bei
AURA-Pension "Villa Rochsburg"
Tel.: (03 73 83) 8 34 01
E-Mail: villa-rochsburg@gmx.de
31.1.-4.2. - Schneeschuhwanderung - wie die Trapper in Kanada quer durch den Hochwald im Pulverschnee wandern und frische Winterluft tanken.
Anmeldeschluss: 8.1.2005
5.2.-13.2. - Wintererlebnis pur im Thüringer Wald - Urlaubserlebnis besonders geeignet für Familien
14.2.-18.2. - Skilanglauf für Anfänger und Fortgeschrittene in getrennten Gruppen zu acht Personen.
Anmeldeschluss: 15.1.2005
24.4.-28.4. - Osterurlaub in Georgenthal - vier Übernachtungen buchen, nur drei bezahlen.
Anmeldeschluss: 28.2.2005
6.3.-12.3. - Musikworkshop im Rudolf-Kraemer-Haus, Bad Liebenzell
Anmeldeschluss 15.2.2005
Viele Menschen lieben die Musik, haben aber selber kaum die Gelegenheit, sie aktiv zu betreiben. Andere spielen vielleicht ein Instrument und freuen sich über die Möglichkeit, mit anderen Musikern zusammen spielen zu können. Für das Jahr 2005 ist der Schwerpunkt "Saiteninstrumente" gewählt. Die Palette reicht von Streich- über Zupfinstrumente bis hin zum Klavier.
Nähere Informationen und Anmeldung
Bildung ohne Barrieren
Tel.: (0 76 21) 79 92 30
E-Mail: info@bob-institut.org
Die Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. führt ihre Hilfsmittelausstellung am 11.3. von 9 bis 17 Uhr in der Sporthalle der Carl-Strehl-Schule, Am Schlag 8, 35037 Marburg, durch.
Weitere Informationen unter
Tel.: (0 64 21) 6 06-0
E-Mail: behrens@blista.de
Zu ihrem 100. Geburtstag lädt die Hamburger Blindenbibliothek zu einem Schreibwettbewerb ein. Thema ist die Blinden-Punktschrift, und natürlich sollen die eingesandten Werke auch in Braille geschrieben sein. Die literarische Form - vom Gedicht bis zur Kurzgeschichte - ist frei, es sollen attraktive Preise ausgesetzt werden.
Einsendungen zum Wettbewerb "Punkt für Punkt die Welt erobern" sind zu richten an die
Stiftung Centralbibliothek für Blinde
Herbert-Weichmann-Str. 44-46 22085 Hamburg
Tel.: (0 40) 22 72 86-11
E-Mail: cb@blindenbücherei.de
Einsendeschluss ist Ende Januar.
9.6.-11.6.2005 - "Die Umwelt sehfreundlich gestalten - Intervention durch Umweltgestaltung"
22.9.-24.9.2005 - "Sehbehindertenspezifische Fertigkeiten - Intervention durch Vermittlung von Fertigkeiten und Handlungsstrategien in O&M und LPF".
Nähere Informationen und Anmeldung bei
Fokus e.V.
Tel.: (0 64 21) 3 42 70
E-Mail: info@fokus-ev.de
Online-Anmeldung: www.fokus-ev.de/fortbild.html
Das Projekt "Tandem-Hilfen" ruft blinde und sehbehinderte Jugendliche im Alter von 14 bis 16 Jahren zur Teilnahme auf. Als Preis für die beiden Erstplatzierten stiftet die private Initiative die kostenlose Teilnahme am 1. Internationalen Tandem-Camp für blinde und sehbehinderte Jugendliche, das vom 15.7. bis 23.7.2005 in Köthen bei Berlin stattfindet. Gefragt sind Kurzgeschichten (maximal 4000 Zeichen).
Einsendeschluss: 30.3.2005 (möglichst digital).
Nähere Informationen im
Internet: www.tandem-hilfen.de oder bei
Jutta Balzert; Tel.: (0 23 02) 5 04 52
Die Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. bietet wieder verschiedene Fort- und Weiterbildungen, wie z.B. "Diagnostik und Förderung des visuellen Verhaltens", "Hilfsmittel und Nützliches für den Alltag", "Richtig Scannen und Formatieren", "Ran an den Speck - Arbeiten mit Speckstein", "Integration eines mehrfachbehinderten sehgeschädigten Kindes im Kindergarten" u.v.m., an.
Nähere Informationen und Anmeldung bei der
Deutschen Blindenstudienanstalt e.V.
Tel.: (0 64 21) 6 06-0
E-Mail: fortbildung@blista.de
Bildung ohne Barrieren (BOB) gibt unter der Redaktion von Dr. Rose-Marie Lüthi Kreibich und Norbert Müller die Zeitschrift "Vollzeichen" heraus. Sie bringt literarische Beiträge, Kochrezepte, praktische Tipps für blinde Menschen, Lesebeiträge u.v.m.
Die Probenummer, 29 Seiten im DIN A4-Format, ist kostenlos zu erhalten bei
BOB
Tel.: (0 76 21) 79 92 30 (Anrufbeantworter)
E-Mail: info@bob-institut.org
"Barrierefreies Webdesign", das neue Praxishandbuch zur BITV von Jan Hellbusch und 15 weiteren Autoren, ist im dpunkt-Verlag bereits in 2. Auflage erschienen. Das Buch bietet eine Fülle von illustrierten Gestaltungs- und Programmierbeispielen sowie Arbeitshilfen zur Überprüfung der gesetzlichen Richtlinien. Auch Flash, PDF und Windowsprogramme werden behandelt. Angesprochen sind in erster Linie Webgestalter, Informatiker und Designer, aber auch Redakteure und andere IT-Verantwortliche. Im Buchhandel erhältlich, ISBN 3-89864-260-7.
Beim DVBS können blinde und sehbehinderte Nutzer, die das Buch ihr eigen nennen, gegen eine Schutzgebühr eine HTML-Version beziehen, demnächst auch eine gesprochene Ausgabe im DAISY-Format.
Tel.: (0 64 21) 9 48 88-24
Ab 2005 erscheint die Monatszeitschrift "Ratgeber aktuell" als Hör- und Punktschriftausgabe ca.14 Tage früher als bisher, letztere neu im handlichen A4-Format. Praktische Tipps und Tests der Stiftung Warentest über Produkte, Dienstleistungen, Versicherungen, Geldanlagen usw. werden hier veröffentlicht, ebenso wie Auskünfte über steuerliche, rechtliche und soziale Fragen.
Nähere Informationen unter
Tel.: (03 41) 71 13-120
E-Mail: info@dzb.de
Die Firma geophon aus Berlin bietet zahlreiche Reisehörbücher, z.B. Berlin, Dresden, London, New York, Paris, Kreta usw., als CD an.
Nähere Informationen und Bestellungen
geophon, Urlaub im Ohr
Kober + Morgenroth GbR
Tel.: (0 30) 20 64 49 85
E-Mail: info@geophon.de
Internet: www.geophon.de
Kostenlose Bestellnummer 08 00-4 36 74 66.
Erhältlich auch beim Landeshilfsmittelzentrum Sachsen, Tel.: (03 51) 8 09 06 24.
Der 1000ste Ruhrstadtbote - eine Hörzeitung für blinde und sehbehinderte Leser gibt es seit 1985. Jeden Dienstag treffen sich eine von fünf Gruppen im Tonstudio. Die ausgewählten Lokalnachrichten werden aus beiden Wittener Zeitungen ausgewählt. Der blinde ehemalige Vorsitzende Karl Blume kennt die Nöte und Bedürfnisse: "Wer Lokalnachrichten hören will, muss sich immer noch von Freunden, Ehepartnern oder Verwandten vorlesen lassen, oder man hört den Ruhrstadtboten." (Aus WAZ Witten)
Herzlichen Glückwunsch!
Die Stiftung Blindenanstalt Frankfurt am Main teilt mit, dass jobline-reha und der dazugehörige Stellenservice für blinde und sehbehinderte Arbeitsuchende endgültig eingestellt werden musste. Die Finanzierung von öffentlichen Kostenträgern war bereits Ende 2003 ausgelaufen.
Die jetzt entstandene Lücke soll möglicherweise durch ein neues Projekt geschlossen werden.
BlindCycle Tour 2005/06 Frankfurt Singapur; wer gerne Information zu dieser non-profit Tandemreise auf zwei Tandems von Frankfurt nach Singapur haben möchte, findet unter www.globetreter.net/blind Texte. Es werden noch interessierte blinde Mitfahrer gesucht.
Nähere Informationen bei
Sebastian Burger
Tel.: (0 22 22) 9 48 58 88 39.
Mit Genehmigung des Katholischen Bibelwerks (Stuttgart) bietet die Westdeutsche Blindenhörbücherei e.V. Münster nun das "Neue Testament" in der Einheitsübersetzung als DAISY-Hörbuch an. Die Fassung erscheint in einer Neuaufsprache von Günther Rohkämper und ist nach den einzelnen Schriften und jeweiligen Kapiteln navigierbar. Blinde und sehbehinderte Hörer können die DAISY-CD direkt bei der WBH erwerben.
Für weitere Informationen:
Westdeutsche Blindenhörbücherei e.V.
Tel.: (02 51) 71 99 01
E-Mail: wbh@wbh-online.de
Seit dem 1.1.2004 ist die älteste und traditionsreichste Blindenführhundschule Deutschlands wieder geöffnet.
Nähere Auskünfte erhalten Sie unter
Tel.: (03 65) 55 15 80
Herr Hartwig
E-Mail: info@contes-gsc.de
Das Weingut Vina Extremena aus der Extremadura in Spanien bedruckt alle Vorderetiketten seiner Weine zusätzlich mit Braille-Schrift.
Durch die Angabe der Weinbezeichnung, des Jahrgangs und der Region erhalten nun auch blinde und sehbehinderte Kunden die Möglichkeit, ihre bevorzugte Weinsorte zu finden. Im Lebensmittel- und im Fachhandel ist der anspruchsvolle Rebensaft erhältlich.
Bestellungen sind auch über das Internet möglich
www.viva-vinum.de
Welche Erfahrungen haben Sie im Umgang mit der Versicherungswirtschaft unter dem Aspekt ihrer Sehbehinderung gesammelt? Bitte teilen Sie uns Ihre Erfahrungen mit!
Zum Ende der letzten Legislaturperiode des Deutschen Bundestages war von der damaligen Bundesregierung die Verabschiedung eines weitgehenden "zivilen Antidiskriminierungsgesetzes" (ZAG) geplant. Dieses Gesetz wurde leider nie verabschiedet. Anstatt dieses für Menschen mit einer Behinderung wichtige Projekt nach der Bundestagswahl 2002 wieder in Angriff zu nehmen, wurde bei der Umsetzung der europäischen Antidiskriminierungsrichtlinie nach dem Wechsel an der Spitze des Bundesjustizministeriums von Frau Däubler-Gmelin zu Frau Zypries jedoch die Berücksichtigung von Belangen behinderter Menschen zunächst vollständig verworfen. Nach Intervention des Deutschen Behindertenrates (DBR) beim Kanzler wurde von diesem dem Bundesjustizministerium die Erarbeitung eines Entwurfes zu einem Antidiskriminierungsgesetz (ADG) aufgegeben, welches auch die Belange von Menschen mit einer Behinderung berücksichtigen sollte. Das Ergebnis dieses Arbeitsauftrags ist nunmehr seit Mai dieses Jahres bekannt, ohne allerdings wirklich offiziell gemacht worden zu sein. Neben einigen anderen substantiellen Mängeln werden in diesem ADG-Entwurf Versicherungsverträge ausdrücklich vom Regelungsbereich ausgeschlossen. Gespräche von Vertretern der Selbsthilfe mit Politikern, Vertretern der Versicherungswirtschaft und insbesondere ein Termin mit Vertretern des maßgeblichen Gremiums für die privaten Krankenversicherungen haben gezeigt, dass durchaus Interesse und ein gewisses Maß an Verständnis für die berechtigten Belange behinderter Menschen besteht.
Ein Problem taucht für die Selbsthilfevertreter aber regelmäßig auf, wenn die Gesprächspartner nach konkreten Einzelfällen von Diskriminierung und nach der Häufigkeit einschlägiger Sachverhalte fragen: Uns sind zu wenig Fakten und Zahlen bekannt. Um dieses Problem für die Zukunft abzumildern, brauchen wir Ihre aktive Mithilfe, d.h. Ihre Berichte bezüglich der eigenen Erfahrungen im Umgang mit der Versicherungswirtschaft unter dem speziellen Aspekt Ihrer Sehbehinderung/Blindheit. Da Mitte Februar 2005 ein weiteres Gespräch mit wichtigen Vertretern der privaten Krankenversicherungen ansteht, benötigen wir bis spätestens Ende Januar Erfahrungsberichte zu den Fragen:
1. Sind Sie von einer privaten Krankenversicherung als Versicherungsnehmer bereits schon einmal abgelehnt worden und wenn ja, von welcher, wann und mit welcher Begründung?
2. Waren oder sind Sie privat krankenversichert und sind bei Ihnen Leistungen im Zusammenhang mit Ihrer Sehbehinderung/Blindheit vom Leistungsumfang ausgeschlossen?
3. Waren oder sind Sie privat krankenversichert und zahlen Sie wegen Ihrer Sehbehinderung/Blindheit einen Risikozuschlag und wenn ja, wie hoch war oder ist dieser?
4. Hatten Sie schon einmal Probleme beim Abschluss einer Berufshaftpflicht- oder einer anderen, dringend erforderlichen Versicherung (z.B. Lebensversicherung, allgemeine Haftpflicht-, Reiserücktrittversicherung etc.)
Bitte helfen Sie uns bei unserer Arbeit für die Durchsetzung einer sachgerechten Regelung auch im Rahmen des Zivilrechts, in dem Sie einen kurzen Erfahrungsbericht verfassen und diesen per E-Mail oder konventionell übersenden an:
DBSV-Geschäftsstelle
Rungestr. 19, 10179 Berlin
E-Mail: k-t.drerup@dbsv.org
In den Mitteilungen der DBSV-Rechtsabteilung 20/2004 wird auf folgenden Sachverhalt hingewiesen: Wie sich bereits herumgesprochen hat, vertritt die Bundesagentur für Arbeit den Standpunkt, dass Blindengeld im vollen Umfang auf das Arbeitslosengeld II anzurechnen sei. Hiergegen hat der DBSV mit Schreiben an Bundeswirtschaftsminister Clement, an die (für die Sozialhilfe zuständige) Bundesgesundheitsministerin Schmidt sowie an die Spitzen des Verwaltungsrates der Bundesagentur Frau Engelen-Kefer und Herrn Clever sofort protestiert. Der DVBS hatte bereits an den Vorstand der Bundesagentur geschrieben. Wichtig ist nun aber auch, dass die einzelnen Betroffenen sich wehren können. Die DBSV-Landesvereine helfen bei Widerspruchsverfahren.
In den Mitteilungen der DBSV-Rechtsabteilung 18/2004 heißt es dazu einleitend: "Mit dem Urteil des Landessozialgerichts Rheinland-Pfalz vom 26.8.2004 - L 5 KR 59/04, das die Versorgung mit einer Braille-Zeile betrifft, wurde das positive erstinstanzliche Urteil des SG Trier aufgehoben und die Klage wurde abgewiesen. Die Revision wurde nicht zugelassen.
Ein Wettbewerb der EU soll Tüftler animieren, Innovationen für Menschen mit Handicap zu ersinnen.
Über acht Jahre arbeitete Matthias Fuchs, blinder Psychologiestudent der Uni Wuppertal, an seiner Idee, dem "Bücherfuchs". Das Gerät scannt umfangreiche Bücher automatisch ein. Sein Dozent Jürgen Schlingensiepen realisierte das Projekt, und bei der Messe Rehacare International in Düsseldorf erhielt es eine Auszeichnung - von der EU.
Insgesamt 14 Preise hat Brüssel verliehen, um Anbieter von Waren und Dienstleistungen in den Mitgliedsländern zu animieren, ihre Produkte für Menschen mit und ohne Behinderungen gleichermaßen erkennbar, erreichbar und benutzbar zu gestalten.
Von den über 200 aus 17 Ländern eingereichten Beiträgen kamen 47 in die engere Wahl. Deutschland stellt sieben der 14 Preisträger.
Ausgezeichnet wurden unter anderem die Firma Binom Produkt-Design in Aachen für ihr lokalisierbares Senioren-Handy und die Livereader GmbH aus Hoppstädten-Weiersbach in Rheinland-Pfalz für das multifunktionale Bildschirm-Lesegerät, das Texte vergrößert und gleichzeitig auch in Sprache umsetzt.
Die Polytechnische Universität Mailand holte sich mit der Erfindung "Listening to the Clothes" ebenfalls eine Auszeichnung. Dabei handelt es sich um einen Chip, der Merkmale wie Kleiderfarbe, -größe oder Pflegehinweise speichert und in Sprache wiedergibt. Ein weiterer Preis ging an Ploemeur in Frankreich für Hippocampe, einen Sportrollstuhl, der in schwierigem Gelände besteht und sogar schwimmen kann.
Acht Projekte, die Jungen und Mädchen bis 21 Jahre im Rahmen des Wettbewerbs "Jugend forscht" zur Lebenserleichterung behinderter Menschen ausgetüftelt haben, bekamen den Sonderpreis der Düsseldorfer Messe. So haben Schüler des Sally-Bein-Gymnasiums in Beelitz (Brandenburg) ein Gerät konstruiert, mit dem die Höhe des Rollstuhls automatisch geändert werden kann.
Eine andere Erfindung hilft Rollstuhlfahrern mit Gedächtnisschwäche beim Einkaufen. Auf dem Touchscreen sehen sie, was ihnen die Verkäufer in den Korb gelegt haben und was die Waren kosten.
Falls sie vorher den Betrag, den sie ausgeben wollen, dem Gerät anvertraut haben, sehen sie, wie viel noch übrig ist.
Der österreichische Kfz-Meister Helmut Kneth hat einen "Sockenanzieher" für ältere Menschen ersonnen, außerdem eine Hilfe für das langwierige An- und Ausziehen von Stützstrümpfen. Aus Italien kommt das zusammenfaltbare Dreirad "R33", aus Japan stammt eine transportable und vollautomatische Toilette.
Die Firma Reinecker Rehatechnik aus Alsbach-Hähnlein präsentiert eine elektronische Leselupe, die Schriftstücke bis 15-fach vergrößert auf dem Mini-Bildschirm wiedergibt.
Eine bedeutende Neuheit für blinde Computernutzer stellt der Hilfsmittelhersteller Handy Tech aus Horb im Schwarzwald vor. Mit Blindenschriftzeilen, auf denen der Bildschirminhalt ertastet wird, können sehgeschädigte Menschen künftig ohne Kabel über Bluetooth-Technologie den PC bedienen.
Für Menschen, die von Kopf an gelähmt sind, stellten mehrere Firmen Hilfen aus, mit denen sie selbstständig ins Auto einsteigen und es fahren können.
Dabei ersetzen Joystick und Hebel Lenkrad und Pedale. Die Zusatzeinrichtungen kosten etwa 25.000 Euro.
(Aus Süddeutsche Zeitung Wirtschaft, Keyvan Dahesch)
Am 20.10.2004 stellte der Präsident der Europäischen Blindenunion, Colin Low, im Europäischen Parlament die EBU-Broschüre "Integration - eine Vision" vor; nachstehend Auszüge aus seiner Rede:
Die EBU wurde im Jahre 1984 gegründet. Wir sind jetzt also 20 Jahre alt geworden.
Am heutigen Abend wollen wir Ihnen unsere Broschüre "Integration - eine Vision" vorstellen, um dieses Ereignis feierlich zu begehen, aber auch um Ihnen etwas über die EBU zu erzählen, da im neuen Parlament auch neue Abgeordnete sitzen werden. Gleichzeitig begrüßen wir bei dieser Gelegenheit alte Freunde, mit denen wir in den vergangenen zwei Jahrzehnten ausgezeichnete gemeinsame Beziehungen aufbauen konnten. Dass so viele Menschen heute hier versammelt sind, ist ein Zeichen des Fortschritts, den wir erzielt haben, und unser Dank gebührt all jenen Mitgliedern des Europäischen Parlaments, Kommissaren und Mitarbeitern der Europäischen Kommission, die die Argumente, die wir vorbringen, bereitwillig aufgreifen und uns helfen, unsere Ziele zu erreichen.
In der Europäischen Union leben 10 Millionen blinde und sehbehinderte Menschen und diese Zahl nimmt zu, weil die Bevölkerung Europas altert. Sehprobleme sind mit fortgeschrittenem Alter eng verknüpft. In allen EU-Ländern gibt es starke nationale Blinden- und Sehbehindertenorganisationen. Die EBU vertritt diese auf europäischer Ebene im Bewusstsein der wachsenden Bedeutung, die die europäischen Institutionen für den Alltag blinder und sehbehinderter Menschen haben, und um ihre Interessen zu vertreten und ihre Rechte auf der europäischen Bühne zu fördern. Unser Ziel ist kein geringeres als die volle Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen in der Gesellschaft als gleichberechtigte Bürgerinnen und Bürger. Unsere Arbeit stützt sich auf eine Reihe wichtiger Grundsätze. Zunächst einmal ist es wichtig, die Aufmerksamkeit auf die speziellen Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Menschen zu lenken. Es gibt die zunehmende Tendenz, sich beim Herangehen an die verschiedenen Behinderungsformen eines allgemeinen Ansatzes zu bedienen. Behinderte Menschen haben nun in der Tat manches gemeinsam - die Notwendigkeit der Integration, die volle Teilhabe an der Gesellschaft und den Schutz vor Diskriminierung. Aber wir haben auch bestimmte Bedürfnisse, die ganz unverwechselbar uns zu eigen sind - Information und Kommunikation ohne Barrieren und die besonderen Mehraufwendungen, die sich aus unserer Behinderung ergeben. Die Bedürfnisse der Menschen ohne Hörvermögen und jener ohne Sehvermögen sind so verschieden wie Tag und Nacht. Unsere Aufgabe ist es, eben diese Unterschiede darzustellen und deutlich zu machen.
Zweitens treten wir ein für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Dienstleistungen der allgemeinen Gesellschaft und speziellen Angebotsformen für behinderte Verbraucher. Behinderte Menschen möchten offensichtlich, dass ihren Bedürfnissen neben anderen Verbrauchern so weit wie möglich im Rahmen allgemeiner Angebote entsprochen wird. Aber es gibt immer wieder Gelegenheiten, bei denen spezielle, passgenau auf ihre besonderen Bedürfnisse zugeschnittene Angebotsformen ihrer besonderen Situation und ihren Bedürfnissen besser entsprechen - eine Punktschriftbücherei beispielsweise oder ein spezielles Hilfsmittel, das den Zweck hat, blinde und sehbehinderte Menschen beim Lernen oder am Arbeitsplatz zu unterstützen.
Drittens bedienen wir uns eines ausgewogenen Politikansatzes, dessen Grundlagen die Rechte behinderter Menschen, Nichtdiskriminierung und positive Maßnahmen sind. Wie schon die Madrider Deklaration aus dem Jahre 2003 feststellt, Antidiskriminierungsmaßnahmen allein reichen nicht aus. Sie bedürfen der Ergänzung durch positive Maßnahmen. Die berufliche Beschäftigung ist ein Politikbereich, wo dies der Fall ist, wenn man den Beschäftigungsgrad behinderter Menschen wesentlich verbessern will.
Deshalb unterstreichen wir die Bedeutung der Quotenregelungen und geschützten Beschäftigungsverhältnisse in sozialen Firmen und Behindertenwerkstätten, deren Zweck die nachhaltige Förderung der Beschäftigung behinderter Arbeitnehmer ist.
Wir kämpfen für Veränderungen bei den wichtigsten Fragen, die sich für die blinden und sehbehinderten Europäer stellen. Hier nur einige wenige Beispiele für die Herausforderungen, vor denen wir stehen:
Im Bildungsbereich befürwortet die EBU die integrative Beschulung blinder und sehbehinderter Kinder mit der Bereitstellung der notwendigen Unterstützung. Für manche Kinder kann indessen ein sonderpädagogisches Erziehungsumfeld angemessener sein, beispielsweise für Kinder, die zusätzliche Behinderungen haben, oder dort, wo die Unterstützung in der Regelschule von ungenügender Qualität ist.
Bei der beruflichen Beschäftigung ist festzustellen, dass drei von vier blinden oder sehbehinderten Menschen im erwerbsfähigen Alter keine bezahlte Arbeit haben. Arbeit ist der Schlüssel zur sozialen Integration und Arbeitslosigkeit der Weg in die soziale Ausgliederung. Blinde und sehbehinderte Menschen haben jedoch gezeigt, dass es mit der richtigen Unterstützung, Ausbildung und Technologie nur wenige berufliche Aufgaben gibt, die sie nicht bewältigen können.
Von grundlegender Bedeutung sind ferner die Barrierefreiheit und die Grundsätze der Gestaltung für alle. Die Informationstechnologie birgt das Potenzial, das Leben blinder und sehbehinderter Menschen von Grund auf zu revolutionieren, indem sie in einem historisch nicht bekannten Maße den Zugang zu Information erschließt. Wenn die Informationstechnologie jedoch nicht zugänglich ist und blinde Menschen auf der falschen Seite der digitalen Gesellschaft stehen, dann ist die soziale Ausgrenzung größer als jemals zuvor.
Ebenso müssen Produkte und Dienstleistungsangebote den Grundsätzen einer Gestaltung für alle verpflichtet sein, um zu gewährleisten, dass blinde und sehbehinderte Menschen von den Vorzügen des technischen Fortschritts nicht ausgeschlossen werden. Um dies in einen breiteren Kontext zu stellen: Diskriminierungen und Barrieren im Sinne gesellschaftlicher Einstellungen und des Unvermögens, die notwendigen Anpassungen zu schaffen, bedrohen die volle Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen. Unter dem Strich bleibt, dass blinde und sehbehinderte Menschen zu den schwächsten und vernachlässigsten Mitgliedern der Gesellschaft zählen und ein größeres Risiko haben, sozial ausgegrenzt zu werden.
Wissenschaftliche Forschungen haben gezeigt, dass Blinde und Sehbehinderte seltener als andere behinderte Menschen allein ausgehen; 90 Prozent der Arbeitgeber sagen, dass es schwieriger oder nicht möglich ist, einen blinden Mitarbeiter einzustellen; und blinde Menschen haben nicht immer im selben Umfang Zugang zu Nachteilsausgleichen wie andere behinderte Menschen.
Soziale Ausgrenzung und Armut sind untrennbar durch eine komplexe Kombination von Faktoren miteinander verwoben, wie z.B. Bildung und Wohnen, Arbeitslosigkeit und unzureichender sozialer Schutz, Barrieren in Umwelt und Verkehr sowie negative Einstellungen der Gesellschaft und Vorurteile.
Aus allen diesen Gründen führen wir eine Kampagne für europaweite, umfassende Antidiskriminierungsmaßnahmen wie z.B. eine horizontale Behindertenrichtlinie für den Schutz behinderter Menschen in solchen Bereichen, die bereits existieren. Beispiele: die Richtlinien zum Verbot ethnischer Diskriminierungen und zur Gleichstellung von Männern und Frauen. Ein Beispiel für die Notwendigkeit einer entsprechenden Behindertenrichtlinie auf europäischer Ebene ist die Tatsache, dass die nationalen Behindertengesetze den Herstellern wegen der Regeln des gemeinsamen Marktes keine Verpflichtungen auferlegen können. Es ist häufig jedoch viel sinnvoller, wenn der Hersteller die notwendigen Anpassungen vornimmt oder die zugänglichen Informationen an der Quelle bereitstellt, anstatt diese Verpflichtung Tausenden von Einzelhändlern aufzuerlegen, die hierzu sehr viel schlechter ausgerüstet sind. Ein weiteres Thema, bei dem Sie von uns hören werden, ist die Notwendigkeit, die kostenlosen Blindensendungen zu schützen, weil die Postdienste zunehmend liberalisiert werden.
Der Dialog zwischen der EBU und dem Europäischen Parlament ist durchaus nicht der einzige Weg. Wir bieten viele Dienstleistungen, Schulungsmaßnahmen und Beratung an. Wir führen Forschungen durch, sensibilisieren das öffentliche Bewusstsein und fördern die Möglichkeit blinder und sehbehinderter Menschen, ihre Rechte eigenständig wahrzunehmen. Unsere Leitlinien, wie man Informationen barrierefrei gestaltet, wurden von allen europäischen Institutionen gut angenommen. Deshalb verfügen wir über ein großes Fachwissen, das wir Ihnen gerne zur Verfügung stellen.
Ich könnte viele Beispiele für eine gemeinsame fruchtbare und effektive Zusammenarbeit aufzeigen - die Änderung des Vertrags, mit dem eine Haushaltslinie für die Herausgabe von barrierefrei gestalteten europäischen Publikationen geschaffen wurde, das blinden und sehbehinderten Menschen zugänglich ist; die Anerkennung der Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Verbraucher in der Urheberrechtsrichtlinie; die Änderung der Richtlinie über die Vergabe öffentlicher Aufträge sowie die Änderung der Richtlinie zur Beschriftung von Arzneimittelverpackungen, mit der die Kennzeichnung aller Medikamentenpackungen in Blindenschrift jetzt erforderlich wird.
Das sind nur einige wenige von vielen Beispielen, die sich für die bestehende erfolgreiche Partnerschaft zwischen EBU und dem Europäischen Parlament anführen ließen, und ich freue mich darauf, diese Liste in den kommenden Jahren noch um viele weitere positive Beispiele ergänzen zu können.
Das von der deutschen IIP Technologies entwickelte Retina-Implant, mit dem blinden Menschen mit bestimmten Netzhaudegenerationen wieder ein gewisses Sehvermögen verschafft werden kann, ist erfolgreich einem klinischen Test unterzogen worden.
19 von 20 Patienten, die an einer Studie von vier europäischen Kliniken teilnahmen, berichteten über eine durch elektrische Stimulation ausgelöste Sehwahrnehmung.
Beim Akuttest mit Patienten, die an der so genannten Retinitis pigmentosa leiden, wurde für weniger als eine Stunde ein Teil der von IIP entwickelten Prothese (Chip) ins Auge eingeführt und geprüft, ob und unter welchen Bedingungen sich Sehwahrnehmungen durch eine elektrische Stimulation der Netzhaut auslösen lassen. Diese klinische Prüfung war die bisher weltweit bedeutendste Studie zur systematischen Untersuchung einer derartigen Netzhaut-Stimulation. Die von den Patienten beschriebenen Sehwahrnehmungen als auch die für die Auslösung dieser Wahrnehmungen erforderlichen Simulationsparameter stellen eine gute Grundlage für die Weiterentwicklung einer dauerhaft implantierbaren Sehprothese dar.
Die Durchführung einer weiteren klinischen Studie mit Patienten, die von einer Makuladegeneration betroffen sind, ist von der zuständigen Ethikkommission bewilligt worden. Sie wird während den nächsten Monaten in Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik Hamburg durchgeführt und im Laufe des Jahres abgeschlossen werden.
Ein Erfahrungsbericht über den Umgang mit dem Navigationssystem "TREKKER" - eine Hilfe für blinde und sehbehinderte Menschen.
Der TREKKER ist ein neues Navigationssystem, das mit Hilfe von GPS und digitalem Kartenmaterial blinden und sehbehinderten Menschen eine bessere Orientierung in der Stadt und in ländlicher Umgebung ermöglicht.
Mit seiner Hilfe kann man sich einfacher in einem bekannten Umfeld (Wohnort, nähere und weitere Umgebung davon) orientieren. Er ist eine sinnvolle Ergänzung zu Langstock und Führhund. Als Ersatz dieser Führungshilfen ist TREKKER nicht geeignet und auch nicht vorgesehen.
Man schaltet den TREKKER beim Abmarsch ein. Das System braucht kurze Zeit um die Satellitenverbindung zu bekommen und nennt dann den momentanen Ort (Straße). Vor jeder Kreuzung oder Abzweigung wird man auf die folgende Kreuzung oder Abzweigung aufmerksam gemacht und hingewiesen, welche Straßen (Namen derselben) links, geradeaus und rechts weitergehen. In Orten mit bereits voreingestellten markanten Punkten (Sehenswürdigkeiten usw.) wird man auf diese aufmerksam gemacht. Hat man sich selber markante Punkte programmiert, wird man selbstverständlich auch auf diese hingewiesen. So kann man wesentlich lockerer seinen täglichen Weg gehen. Man benötigt nicht mehr die hohe Konzentration, um nicht versehentlich in eine Seitenstraße oder Abzweigung zu kommen. Die Möglichkeit erachte ich als besonders wertvoll.
Um eine Route einzugeben, muss man einen festgelegten Ausgangspunkt haben. Von diesem aus gibt man nun das Ziel (Ort, Straße, Hausnummer) über die Braille-Tastatur ein. Geht man daraufhin los, wird man an Abzweigungen, Kreuzungen usw. vorher aufmerksam gemacht, wie man zu gehen hat. Dies funktioniert gut, soweit man eine "Abdeckung" hat - d.h., solange man eine Satellitenverbindung bzw. eine relativ gute Satellitenverbindung hat.
Probleme kann es an Kreuzungen geben, die versetzt oder schräg aufeinander zulaufende Straßen haben.
Ferner muss man dort überqueren, wo das System hinführt. Ist einem die Umgebung bekannt, kann man einen besseren Weg wählen und "neu berechnen" lassen. Das bedeutet, man gibt dem System eine Neuberechnung auf, nachdem es signalisiert hat, dass die erreichte Kreuzung nicht die erwartete ist.
Hat man eine Route eingegeben, so ist es sehr ratsam, diese vorher einmal "virtuell" zu Hause zu erkunden. man erfährt dabei die Straßenkreuzungen, an denen man abbiegen muss. So kann man sich schon auf den Weg vorbereiten und geht ihn nicht mehr so "unbekannt".
Zu den letzten Punkten sind noch Verbesserungen erforderlich. z.B. eine so genannte dynamische Neuberechnung. Das bedeutet, dass das System eine Neuberechnung der Route vornimmt, wenn es feststellt, dass man falsch geht. Es würde zur Folge haben, dass man nicht erst eine große Strecke falsch geht, bis man darauf aufmerksam gemacht wird und dann umkehren oder die Route von Hand neu berechnen lassen kann. In engen Straßen oder dichten Wäldern kann es durchaus passieren, dass man die Abdeckung (Satellitenverbindung) zwischendurch verliert. Dann muss man "blind" - wie man das ja ohne ein solches System immer macht - weitergehen, bis die Verbindung wieder einsetzt. Bei einem geführten Weg kann das störend sein, vor allem dann, wenn der Weg völlig unbekannt ist.
Etwas erleichternd ist, wenn man die Route vorher erkundet hat (virtuell).
Man legt den TREKKER im Auto so, dass der Empfänger an der Scheibe ist und somit eine Verbindung aufgebaut werden kann. Dann stellt man auf "Fahrzeugmodus" und bekommt alle Straßen, auf denen man fährt, die man überquert usw., angesagt. Diese Funktion ist sicherlich auch beim Tandemfahren sehr interessant.
Begibt man sich von Fahrstraßen/-Wegen weg auf Wiesen- oder Wanderwege, so schaltet der TREKKER in den freien Modus. Auch hier ist es möglich, sich markante Punkte zu programmieren (z.B. bei Wegkreuzungen und bei gefährlichen Stellen). Im freien Modus werden diese markanten Punkte beim erneuten Gehen dieser Strecke gefunden und angesagt.
Wenn man eine Route plant/programmiert, muss man mit der Braille-Tastatur die Namen des Ortes, der Straße sowie die Hausnummer eingeben. Hierzu hat man auf dem kleinen Bildschirm des PDA eine Folie, die insgesamt 12 tastbare kleine "Löcher" hat. Die rechten und linken vier dienen für die Braille-Eingabe. Man fährt mit dem Finger über die "Löcher" und tippt bei dem gewünschten Punkt kurz darauf. Ein kleiner Signalton quittiert die Eingabe. Nachdem alle Punkte eines Zeichens so eingegeben sind, drückt man noch Enter. Der Buchstabe wird wiederholt. Dies ist eine gewöhnungsbedürftige Eingabe, aber eine zusätzliche Tastatur noch mitzunehmen ist sicherlich noch weniger gut. Wenn man geübt hat, lässt sich diese Eingabe gut bewerkstelligen.
Es ist auch zu erwähnen, dass außerdem eine Eingabe wie beim Handy möglich ist; dann sind die "Löcher" wie die Handytastatur angeordnet. Die Buchstaben können dann durch mehrmaliges Drücken der entsprechenden "Taste" eingegeben werden. Das gilt auch beim Bearbeiten von markanten Punkten, die man unterwegs gesetzt hat und zu Hause dann bearbeitet.
Insgesamt möchte ich urteilen, dass es ein zum Stock sehr gutes ergänzendes Hilfsmittel zur Orientierung ist. Es kann auf keinen Fall den Stock oder in manchen fällen die Begleitperson ersetzen. Ich glaube aber, dass es ein gutes Stück unabhängiger macht und beim Gehen durch weniger Konzentration auch nervenschonender ist.
Abschließend möchte ich noch bemerken, dass die Genauigkeit, mit der geführt wird, oder mit der markante Punkte angezeigt werden, selbstverständlich von der Qualität der Satellitenverbindung abhängig ist.
Der Vertrieb erfolgt über die Firma Papenmeier, Schwerte.
Werner Krauße
Bildtext: Der TREKKER - ein sehr gutes, den Stock ergänzendes Hilfsmittel zur Orientierung.