Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e. V.

Die Gegenwart 04 / 02 mit ausgewählten Beiträgen

Editorial:
Meinungsstreit

DBSV-Nachrichten:

In Kürze

Rechtsauskunft:
Dürfen Blindenführhunde mitfahren?
Wie ist das in Taxis und bei Reiseunternehmen?

Aus aller Welt:

Freizeit:
...da ist auch Aura drin
Ein Gespräch mit Christian Seuß über neue Vorhaben der Aura-Hotels und -Pensionen

Bildung:
Blinde und sehbehinderte Kinder und allgemeine Schule (Teil 1)
Über Ideal und Wirklichkeit integrativer Beschulung im Land Brandenburg

Serie:
Der duftende Garten
Skimmie (Skimmia)
Von Ruth Zacharias


Editorial:
Meinungsstreit

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

dieser Ausgabe der "Gegenwart" wird der Redaktion eine Menge Post bescheren; und ich freue mich auf Ihre Sichtweise unterschiedliche Themen betreffend. Mit der Überschrift "Vom analogen zum digitalen Hörbuch" finden Sie diesmal einen für die "Gegenwart" ungewohnt langen Beitrag, der aber keineswegs langweilig sein dürfte. Denn es geht um die Zukunft der Hörbüchereien, jener Einrichtungen, die, lange bevor sich das Hörbuch auf dem Markt etabliert hatte, blinde und sehbehinderte Menschen mit Literatur versorgten und heute mehr als 50.000 Titel zur kostenlosen Ausleihe bereit halten. Aber wie wird die Blindenhörbücherei im Jahre 2010 aussehen? Ohne dies zu wissen, muss gewährleistet sein, dass Blinde und Sehbehinderte "ihre" Bücher hören können, und zwar noch komfortabler und bei größerer Vielfalt als heute.
Heftig diskutiert werden im Lande auch Bildungsfragen. Welcher ist der geeignete "Schulweg" für Kinder mit Sehproblemen? Hierzu werden wir in den nächsten Ausgaben weitere Beiträge bringen, ohne - das scheint bereits jetzt sicher zu sein - Patentrezepte anbieten zu können.
Schließlich steht der DBSV-Verbandstag vor der Tür, und die "Gegenwart" ruft zum Meinungsstreit über die Schwerpunktthemen auf...
Gute Ideen und der Erfahrungsschatz einer großen Gemeinschaft können zum Reichtum werden, der zwar nicht über finanzielle Engpässe hinweg hilft, aber den Blick für die Realität schärft und künftige Projekte auf stabiler Basis ansiedeln hilft.
Schreiben Sie uns. Wir erwarten Ihre Post in der für Sie bequemsten Form. Sprechen Sie auch mit Ihren Freunden, die die "Gegenwart" noch nicht beziehen, über diese Themen. Vielleicht bekommt der eine oder andere ja dadurch Lust auf ein Abonnement.

Ihr Dr. Thomas Nicolai

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DBSV-Nachrichten:
Vor dem Verbandstag

Vom 19. bis 22. Juni 2002 findet der DBSV-Verbandstag statt. Die Leserinnen und Leser der "Gegenwart" sind aufgerufen, sich an der Diskussion zu den Themen der vier Arbeitsgruppen zu beteiligen. In dieser und in der nächsten Ausgabe geben die AG-Moderatoren deshalb Anstöße zum mitdenken. Alle Einsendungen dazu werden den jeweiligen Moderatoren übergeben und so in die Arbeit des Verbandstages einbezogen.

Rehabilitation zur Bewältigung des Alltags - eine neue Chance?

Unter dieser Themenstellung sollte darüber diskutiert werden, welche neuen Möglichkeiten die Einführung des Sozialgesetzbuches IX (SGB IX) am 01.07.2001 (insbesondere seine Paragrafen 26, 31 und 55) für die Rehabilitation neu erblindeter oder von hochgradiger Sehschwäche betroffener Menschen eröffnet. Zugleich ist zu überlegen, welche Konsequenzen sich daraus für die Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe sowie für jene Institutionen und Einrichtungen ergeben, die auf diesem Gebiet tätig sind. Äußerst hilfreich wäre es, wenn dazu bereits in Vorbereitung auf den Verbandstag eine breite Diskussion in Gang kommen würde.
Probleme und Fragen gibt es ausreichend - einige sollen hier angedeutet werden:

In der Bundesrepublik erblinden jährlich etwa 28.000 Menschen, und es ist davon auszugehen, dass mit der dramatischen Veränderung der Altersstruktur der Bevölkerung jährlich zusätzlich etwa eine Million Menschen von einer Sehbehinderung betroffen werden.
Etwa 70 Prozent der Neuerblindeten sind älter als 60 Jahre. Warum gelingt es der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe und den anderen Beteiligten trotz angestrengter Arbeit im Bereich der Rehabilitation stets nur einen Bruchteil der Betroffenen mit entsprechenden Maßnahmen zu erreichen? Wie kann es uns unter Berufung auf Gesetzestext und Gesetzesbegründung gelingen, die noch immer gängige Praxis zu überwinden, dass neu erblindete ältere Bürger keinen Rechtsanspruch auf eine einkommens- und vermögensunabhängige Rehabilitation zur Bewältigung der alltäglichen Dinge des Lebens haben? Sind wir uns in der inhaltlichen Bestimmung der Rehabilitation zur Bewältigung des Alltags (RBA) als sehr differenzierten, komplexen und zugleich individuellen Prozess einig? Und auch darüber, dass er im Rahmen der Vermittlung lebenspraktischer Fähigkeiten und des Trainings von Orientierung und Mobilität zugleich psychotherapeutische, heilpädagogische, pädagogische, kommunikative, motorische und zahlreiche weitere Hilfen umfasst? Welche neuen Anforderungen an alle mit der Rehabilitation befassten ergeben sich aus der Notwendigkeit den spezifischen Beratungs- und Hilfebedarf für die Rehabilitation mehrfach behinderter Blinder und Sehbehinderter sowie für die wachsende Zahl sehbehinderter Menschen zu formulieren und umzusetzen. Wie sichern wir, dass Leistungen, die der medizinischen Rehabilitation § 26, SGB IX zugeordnet werden, von dafür qualifizierten Personen, Einrichtungen/Institutionen erbracht werden, die in der Lage sind, vorgegebenen Qualitätsstandards, einschließlich vorgeschriebener oder selbst formulierter Kontrollen, zu entsprechen und wie gewährleisten wir, dass Qualitätsansprüche und Kontrollmechanismen auch für die "traditionellen" Bereiche der RBA durchgesetzt werden? Welche Konsequenzen ergeben sich aus der absehbaren dramatischen Entwicklung der Altersstruktur der Bevölkerung mit ihren Wirkungen auf die Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe - und wie werden wir zugleich der spezifischen Verantwortung gegenüber Blinden und Sehbehinderten in Senioren- und Pflegeeinrichtungen gerecht?

Gefragt sind Meinungen, Erfahrungen und selbstverständlich auch
Widerspruch!
Dr. Alfred Preuße (Moderator der Arbeitsgruppe 2)
Bild: Mit gut geputzten Schuhen zum Verbandstag.

Erziehung und Bildung - nicht ohne uns!

Der Welttag der Behinderten, der auf europäischer Ebene bereits seit etlichen Jahren begangen wird, steht am 03. Dezember 2002 unter dem Motto "Bildung für alle", Anlass genug, dieses wichtige Thema in der Selbsthilfe zu diskutieren und unsere soziale Kompetenz einzubringen. In der Bundesrepublik Deutschland werden separierte und integrierte Formen der Erziehung und Bildung blinder und sehbehinderter Kinder gleichwertig nebeneinander angeboten. Die Sicherung der Qualität von der Frühförderung bis hin zur verschulten Berufsausbildung obliegt dem Staat. Sein bildungspolitisches Ziel ist in jedem Fall die Integration behinderter Kinder in die Gesellschaft. Diesem Ziel fühlen auch wir uns verpflichtet. Neben Elternhaus und Pädagogen bieten wir als dritte Kraft im Erziehungsfeld unsere soziale Kompetenz an.

Der Zusatz im Thema "- nicht ohne uns!" bringt zum Ausdruck, dass wir als Interessenvertretung der Kinder und der Eltern gegenüber den Bildungseinrichtungen, den Schulbehörden und in den erziehungs- und bildungspolitischen Prozessen kompetent auftreten. Durch die eigene Betroffenheit verfügen wir über soziales Fachwissen, dass für eine umfassende Beratung der Eltern und ihrer heranwachsenden Kinder notwendig ist. Wir nehmen ihre Interessen wahr und vertreten sie in der Öffentlichkeit. Für das Gelingen von Erziehung und Bildung fühlen wir uns mit verantwortlich.

Bei der Schaffung gesetzlicher Rahmenbedingungen in der Erziehung und Bildung behinderter Kinder hat sich die Behindertenselbsthilfe ein Mitspracherecht erkämpft. Ein gelungenes Beispiel der aktiven Mitgestaltung bei der Betreuung von Kindern mit sonderpädagogischem Frühförderbedarf ist die Abschaffung des Elternbeitrages zu den Kosten der Frühförderung durch das SGB IX. Mit Beginn der Schulpflicht legen die Länder in ihren Schulgesetzen den Rahmen für die Bildung behinderter Kinder fest. Die Landesvereine und -verbände wirken bei der Gestaltung dieser Gesetze ebenfalls aktiv mit.

Die Arbeitsgruppe sollte für die einzelnen Erziehungs- und Bildungsabschnitte folgende Schritte diskutieren:

1. Analyse des Ist-Zustandes in den Ländern,
2. Alternativen zum Ist-Zustand,
3. Angebote der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe,
4. Forderungen an Staat und Politik.

Dazu sind Thesen kritisch zu bewerten und Fragen zu beantworten:

* Wie werden die politischen Forderungen und Vorgaben durch die Administration (Kommunen, Kostenträger usw.) umgesetzt?
* Worüber beraten wir in den einzelnen Entwicklungsphasen wen?
* Was erwarten wir von einem Sonderpädagogen?
* Steht die Existenz der Sonderschule über dem Interesse des behinderten Kindes?
* Bedeutet Integration gleich Isolation?
* Welche Stellung wollen wir im Dreieck Lehrer - Eltern - Schüler einnehmen?
* Wie gewinnen wir neue Mitglieder unter den Heranwachsenden?
Renate Reymann ((Moderatorin der AG 4)
Bild: Bildung für alle - Integration oder Förderschule?

Hinweis:
Die Moderatoren der Themen
"Die Eigenständigkeit und die Vernetzung von Verbänden" (Hans-Werner Lange, Arbeitsgruppe 1) und
"Der DBSV in Europa; unsere Ziele, unser Beitrag"
(Wolfgang Angermann, Arbeitsgruppe 3)
kommen in der Mai-Ausgabe zu Wort.
 

Euro-Münzen mit abweichenden technischen Merkmalen

Einen Hinweis des Landesblindenverbandes Rheinland-Pfalz, wonach Anfang Januar falsch geprägte 20-Cent-Münzen in Italien und 1-Euro-Münzen in Spanien aufgetaucht waren, hatte der DBSV zum Anlass genommen, die Europäische Zentralbank (EZB) um Stellungnahme zu bitten. Im Antwortschreiben wird darauf verwiesen, dass es trotz sehr strenger Gütestandards für die Herstellung der Münzen in Einzelfällen zu Abweichungen von den vorgeschriebenen technischen Merkmalen kommen könne, weil Münzen immer in Massenproduktion hergestellt werden, bei der die 100-prozentige Kontrolle jedes einzelnen Aspekts nicht möglich sei. Bislang seien jedoch nur einige sehr wenige Fälle solcher Fehlprägungen bekannt geworden, sodass ein ernsthafter Grund zur Besorgnis bzw. zu einem konzertierten Vorgehen mit der Europäischen Blindenunion einstweilen nicht bestehe.
Die EZB habe zudem die betreffenden nationalen Münzprägeanstalten über den Vorfall informiert, damit diese künftig geeignete Vorkehrungen treffen können, soweit es sich tatsächlich um Fehlprägungen handelt.
Andererseits will die EZB jedoch nicht ausschließen, dass es sich bei den betreffenden Münzen um Fälschungen gehandelt haben könnte. In diesem Fall empfiehlt es sich, "verdächtige" Münzen den zuständigen nationalen Münzprägeanstalten zu melden.
(Informationen aus dem DBSV-Rundschreiben 8/2002) 

Doch auf das Abstellgleis?

Wie die Deutsche Bahn AG auf die vielfach geäußerten Belange blinder und sehbehinderter Reisender reagieren wird, bleibt abzuwarten. Fakt ist, dass mehrere Neuerungen des "Unternehmens Zukunft" Fahrgäste mit Sehproblemen auf das Abstellgleis schieben. Deshalb wandte sich der DBSV jetzt erneut mit einem eindringlichen Schreiben an Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und zugleich an den Herrn Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, Kurt Bodewig, um auf aktuelle Probleme hinzuweisen.
Erneut scharf kritisiert wird darin der Wegfall der Ansage der wichtigsten Anschlussverbindungen in IR-, IC/EC- und ICE-Zügen.
Unterstrichen wird die Bedeutung der Bahnhofsmissionen, die Umsteigehilfen für alleinreisende Blinde gewähren. Die Bahn AG wird dringend ersucht, das Gesamtkonzept der Bahnhofsmissionen nicht kaputt zu machen.
Mit Einführung des neuen Tarifsystems im Herbst 2002 kostet die BahnCard 2. Klasse nur noch knapp die Hälfte des jetzigen Preises, allerdings wird dann auf den normalen Fahrpreis nur noch ein Nachlass von 25 Prozent (jetzt 50 Prozent) gewährt. Eine Ermäßigung des BahnCard-Preises für Senioren und Schwerbehinderte soll es dann nicht mehr geben.
Der DBSV würde eine solche Verschlechterung sehr bedauern und ersucht Herrn Mehdorn deshalb, im Interesse eines der treuesten Kundenkreise eine bessere Lösung zu finden.
Schließlich wird auf die Nichtbedienbarkeit von Automaten aufmerksam gemacht, So werden in immer mehr Fernzügen die Speisewagen, Bistros und Minibars abgeschafft und durch Automaten ersetzt, die von Menschen mit Sehproblemen, aber auch von vielen älteren Fahrgästen nicht genutzt werden können.
Immer öfter sind auch Fahrkartenautomaten anzutreffen, die nur über Touch-Screen bedienbar sind und bei denen nicht mehr mit Bargeld bezahlt werden kann. Und genau hier liegt das Problem. Ein Blinder oder Sehbehinderter müsste seinem Begleiter die PIN seiner EC- oder Kreditkarte nennen, wenn er mit dessen Hilfe eine Fahrkarte löst. Steigt er mit Begleiter und ohne Fahrkarte in den Zug, muss er nach jetzt geltender Regelung Nachlösegebühr bezahlen. Das kann nicht sein, deshalb wird die Bahn ersucht, eine entsprechende Regelung zu finden.
Schließlich wird auf ein technisches Problem aufmerksam gemacht, dass sich bei der Buchung von Liegeplätzen ergeben kann und dazu führt, dass der Blinde und sein Begleiter nicht im gleichen Abteil reisen können, weil Fahrkarte und Liegeplatz durch einem Buchungsvorgang ausgegeben werden, der Begleiter aber keine Fahrkarte hat.
Gern würde der DBSV-Präsident dem Bahn-Chef die Belange Blinder und Sehbehinderter in einem persönlichen Gespräch vortragen. Wenn es dazu kommt, wird die "Gegenwart" natürlich aktuell berichten.

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In Kürze:

Institut eröffnet

Am 01.03.2002 wurde in Berlin das Institut Mensch, Ethik und Wissenschaft eröffnet. Neun Verbände bzw. Organisationen der Behindertenselbsthilfe und -hilfe sind Gesellschafter der gemeinnützigen GmbH. Das Institut wird u. a. Auswirkungen der modernen Biomedizin untersuchen, ethische Gesellschaftskonzepte entwickeln sowie Bürgerinnen und Bürger, Medien, Verbände, Forschungseinrichtungen und Politik beraten. Geleitet wird das IMEW von Frau Dr. Katrin Grüber.

Reha Komm Berlin

Vom 12. bis 14.09. findet diese nationale Messe mit internationaler Beteiligung in den Messehallen am Funkturm statt. Das Schwerpunktthema, insbesondere auch des umfangreichen Rahmenprogramms lautet. "Behinderung - Arbeit - berufliche Rehabilitation".Nähere Informationen unter Tel.: (0 30) 6 71 66 02.

Computercamp

Beim International Computer Camp (ICC) in Loughborough (Großbritannien) können sehbehinderte und blinde Jugendliche in ausschließlich englischsprachigen Workshops den Umgang mit den Computer erlernen oder ihre Kenntnisse verbessern. Das Camp für die 15 bis 17-jährigen findet vom 21. bis 28.07. und das für die 17 bis 20-jährigen vom 31.07. bis 07.08. statt.
Infos und Anmeldeunterlagen:
Universität Karlsruhe (TH), Studienzentrum für Sehgeschädigte SZS, Angelika Scherwitz-Gallegos, Engesserstr. 4, 76128 Karlsruhe;
Tel.: (07 21) 6 08-27 60; I
nternet: http://www.icc-camp.info

Tag der offenen Tür

Der Badische Blinden- und Sehbehindertenverein V.m.K. lädt am 06.06. von 10. bis 17 Uhr in seine Geschäftsstelle, Augartenstr. 55 in Mannheim ein. Dabei sind auch der VzFB, zwei Mobilitätstrainer sowie der Brillenladen der Stadt.
Nähere Informationen unter Tel.: (06 21) 40 20 31.

Hilfsmittelausstellung

Technische und lebenspraktische Hilfsmittel werden auf einer Ausstellung des BSV Westfalen e. V. am 13.06. von 09 bis 18 Uhr im Dietrich-Keuning-Haus, Leopold-Str. 50 - 58, Dortmund (direkt am Hbf) präsentiert. Nähere Informationen unter Tel.: (02 31) 55 75 90-0.

Hilfsmittelausstellungen des VzFB 

20.04., 12 bis 17 Uhr, Krefeld
Begegnungsstätte des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Mühlenstr. 42,
25.05., von 10 bis 17 Uhr, Mainz
Blinden-Zentrum Mainz, Untere Zahlbacher Str. 65.

Wanderwoche in Bad Meinberg

Vom 13. bis 21. Mai geht es bei der Wanderwoche des BSV Westfalen kreuz und quer durch das Lipperland. Auch Kegeln, Schwimmen und Schießen stehen auf dem Programm.
Nähere Informationen bei Helmut Frenz; Tel.: (0 52 25) 93 21.

Selbsterfahrungsseminar

Atem-, Entspannungs- und Bewegungsübungen sowie Arbeit an der eigenen Stimme stehen auf dem Programm eines Selbsterfahrungsseminars, das vom 25. bis 28.04. im Aura-Hotel Osterode geplant ist. Weitere Informationen Monika Augustin, Tel,; (0 41 71) 7 34 32.

Fit durch Herbst und Winter

Mit Gymnastik-Übungen, Ausdauer- und Krafttraining, Walking, Powerwalking und vielen anderen Fit-Machern ist die Aktivwoche des Blindenbundes in Hessen vom 03. bis 08.11. angereichert, für die keine sportlichen Vorkenntnisse nötig sind.
Zum Entspannen und Regenerieren kann man Schwimmen oder auch mal in die Sauna gehen. Weiterhin ist eine intensive Rückenschule geplant.
Nähere Informationen und Anmeldung bei:
Haus Hubertus, Ferien- und Tagungsstätte des Blindenbundes in Hessen, Koblenzer Straße 23, 56271 Mündersbach; Tel.: (0 26 80) 9 51 00.

Angebote in Bad Liebenzell

Das Rudolf-Kraemer-Haus in Bad Liebenzell bietet vom 19. bis 21.04. ein Wochenende für Familien mit dem Thema Blickkontakte, vom 30.05 bis 02.06. Wohlfühlen, Entspannen und Informationen austauschen mit Pro Retina sowie vom 06. bis 11.10. eine Sportwoche. Weitere Informationen unter Tel.: (0 70 52) 92 04-0. 

Ferienwohnungen an der Ostsee

Das Bauvorhaben des Blinden- und Sehbehindertenvereins Mecklenburg-Vorpommern e.V. ist endlich abgeschlossen. In der Villa "Waldfrieden" direkt am Ostseestrand in Boltenhagen und nur wenige Fußminuten vom "Seeschlösschen" entfernt, befinden sich neben 10 Zweiraumwohnungen für Dauermieter auch 5 Ferienwohnungen, in denen blinde und sehbehinderte Menschen beste Voraussetzungen zur Erholung finden können. Das Haus hat einen Fahrstuhl, so dass alle Wohnungen barrierefrei zu erreichen sind.
Die Ferienwohnungen, bestehend aus Schlaf-, Wohnzimmer und Küche, sind bequem, gemütlich und mit vollem Komfort eingerichtet. Auf Wunsch können die Urlauber im "Seeschlösschen" ihre Mahlzeiten einnehmen. Ab Mitte April werden die ersten Gäste erwartet.
Für Kurzentschlossene empfehlen wir das Lastminute-Angebot im Internet unter www.ostseeperlen.de.
Nähere Informationen unter Tel.: (03 88 25) 37 00.

Bungalows im Pfälzer Wald

Am Rande des Dorfes Wilgartswiesen, im Naturpark Pfälzer Wald (zwischen Landau und Pirmasens) erwarten modern ausgestattete Ferienbungalows des Landesblindenverbandes Rheinland-Pfalz naturbegeisterte und wanderfreudige Urlauber. Nähere Informationen unter Tel.: (0 27 41) 2 15 51.

Villa an der Mulde

Urlaub in der Aura-Pension "Villa Rochsburg" ist zu jeder Jahreszeit Urlaub für die Sinne. Im Frühling, Sommer und Herbst lockt nicht nur das stilvolle Haus, sondern vor allem auch die reizvolle Umgebung. Nähere Informationen unter Tel.: (0 73 83) 8 34 01.
 

Maßgeschneiderte Phonosoftware für die Ausbildung

Dem einen oder anderen Surfer sind sie wohl bekannt: MP3-Dateien machen es leicht, sich Musik aus dem Internet bequem herunterzuladen. Im Berufsförderungswerk Würzburg hat man sich diese Technik zunutze gemacht und die Phonoausbildung der angehenden Fachkräfte für Textverarbeitung entscheidend verbessert. Die Lösung erforderte einigen Programmieraufwand: Ein blindengerechter MP-3Player sowie eine Verteilungssoftware sorgen dafür, dass jeder User mittels Fußschalter oder einfacher Tastenbedienung auf 16 verschiedene Texte zugreifen kann. Der Unterricht kann nun differenzierter und zielgruppengerechter ablaufen; die Qualität der aufgespielten Ansage ist bedeutend besser als bei vergleichbaren Hardwarelösungen und bleibt trotz häufigen Abspielens immer gleich.Auch das Aufsprechen ist einfach: Mittels eines Mikrofons diktieren die Lehrer ihre Texte direkt in den Computer. Die Anlage ist seit 4 Wochen störungsfrei in Betrieb.

Kultur im Dunkeln

Das Restaurant "blindekuh" hält auch in den nächsten Monaten ein reichhaltiges Angebot bereit so z. B. am 27.04. ein Soloprogramm mit Cristina de Simoni, Einflüsse aus Klassik; Jazz und Folklore.
Nähere Auskünfte bei: blindekuh, Mühlebachstr. 148, 8008 Zürich-Seefeld, Schweiz: Tel.: (00 41/1) 4 21 50 50.

Neue Theatertermine

Das Freie Werkstatt Theater Köln spielt das Stück "Molly Sweeney" neben den in der März-Ausgabe genannten Terminen (27./28.04) im Hinblick auf den Sehbehindertentag auch am 31.05. sowie am 01., 02. und am 06.06. Weitere Informationen unter Tel.: (02 21) 32 78 17.

Projekt

An der Kreisvolkshochschule Osnabrück gibt es das Projekt "Weiterbildung für Menschen mit Behinderungen". Ziel ist es das Kursangebot näher zu bringen und den Zugang zu den Kursen zu erleichtern. Für Blinde und Sehbehinderte wird das Veranstaltungsprogramm auf Kassetten aufgelesen. Weitere Informationen gibt Tanja Schmelzer; Tel.: (05 41) 5 00 56 13.

Wien-Reise

Vom 12. bis 19.10. bietet der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg eine Reise in die Hauptstadt Österreichs an.
Auf dem Programm stehen u.a. eine Stadtrundfahrt, Besuch des Schlosses Schönbrunn, Sonderführung im Marionettentheater, Ausflug in den Wienerwald, Besuch des Louis-Braille-Hauses Wien, Donaufahrt und viele andere Attraktionen.
Die Reise wurde so konzipiert, dass jeder Teilnehmer auch Zeit hat Wien auf eigene Faust zu erkunden, deshalb ist eine Begleitung in jedem Fall erforderlich.
Nähere Informationen bei Annette Ginap; Tel.: (0 40) 20 94 04 55.

Studienreisen

Einige freie Plätze gibt es noch bei folgenden Reisen des Ev. Blinden- und Sehbehindertendienstes: Iran (05. bis 16.10.) und Ägypten (31.10. bis 05.11.). Nähere Informationen bei Carla M. Arning; Tel.: (0 57 33) 62 10.

Punktschriftbeschilderungen für Handläufe

Der VzFB fertigt schon seit langer Zeit Punktschriftbeschilderungen für Handläufe an. Der Hauptbahnhof in Hannover und sehr viele S-Bahnhöfe in der Umgebung Hannovers sind bereits damit ausgestattet. Die Informationsschilder befinden sich jeweils ca. 30 cm von Anfang und Ende eines Handlaufs auf der dem Körper abgewandten Seite, sodass sie wahrgenommen werden, wenn man den Handlauf umfasst.
Weitere Informationen erhalten Sie beim
Verein zur Förderung der Blindenbildung gegr. 1876 e. V.; Tel. (05 11) 9 54 65-0.

BIT-TIPP

Blume, Jacob:
"Bier - Was die Welt im Innersten zusammenhält"
Erschienen bei Die Werkstatt, 2001.

Dies ist die Kulturgeschichte des erstaunlichsten Gebräus der Menschheit: Bier war antiker Naturallohn, germanisches Heidengesöff, mittelalterliches Grundnahrungs-mittel und klösterliche Geldquelle.

Dark, Jason:
"John Sinclair"
Erschienen bei Weltbild, Augsburg.

Mein erster Fall.
2. Band - Doktor Tod.
7. Band - Anruf aus dem Jenseits
Diese Titel sind auf Hör-Kassette lieferbar.
Über weitere Produktionen können Sie sich informieren beim BIT-Team, Frau Elmer, Tel.: (0 89) 5 59 88-134.

DZB-aktuell

Als die winzige Wühlmaus Wanda ...
26 fabelhafte ABC-Geschichten in einem farbigen Reliefband. Verse vom dummen
Dackel Dodo, dem neugierigen Nashorn Nanni, dem verliebten Vogel Valentin
und vielen anderen. Ein Siebenzeiler für jeden Buchstaben des Alphabetes.
Weitere Informationen unter Tel.: (03 41) 7 11 31 19.

Hörbuchladen im Internet

Eine spezielle Version des Hörbuchladens ist unter www.blindenhoerbuchladen.de zu finden. Die Informationen sind gut und schnell zugänglich, weil auf Grafik verzichtet wird. Das Angebot ist sehr umfangreich und erspart Blinden und Sehbehinderten die oft nicht ganz einfache Suche in Buchhandlungen. Hier kündigen Verlage ihre Neuerscheinungen an, sodass man frühzeitig bestellen kann. Nähere Informationen auch unter Tel.: (06 21) 72 73 91 20.

BSV Nordrhein jetzt per E-Mail

Der BSV Nordrhein hat nun auch eine E-Mailadresse: bsv-nordrhein@t-online.de. 

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Rechtsauskunft:

Dürfen Blindenführhunde mitfahren?
Herr Mike Dallmann aus Leipzig fragt: Sind Taxis und Reiseunternehmen verpflichtet, Blindenführhunde zu befördern?
Die "Gegenwart" bat den DBSV-Rechtsreferenten, Herrn Karl Thomas Drerup um Auskunft; hier seine Antwort:

Taxis
Paragraph 22 Personenbeförderungsgesetz (PbefG) lautet:
,,Der Unternehmer ist zur Beförderung verpflichtet, wenn
1. die Beförderungsbedingungen eingehalten werden,
2. die Beförderung mit den regelmäßig eingesetzten Beförderungsmitteln möglich ist und
3. die Beförderung nicht durch Umstände verhindert wird, die der Unternehmer nicht abwenden und denen er auch nicht abhelfen kann."
Daraus folgt, dass Taxiunternehmen grundsätzlich verpflichtet sind, auch einen blinden Fahrgast mit Blindenführhund zu befördern. Ein genereller Ausschluss in den Beförderungsbedingungen wäre rechtswidrig. Zulässig ist jedoch, dass das Unternehmen in seinen Beförderungsbedingungen die Regelung trifft, dass die Beförderung von Fahrgästen mit Hunden nur in extra dafür eingerichteten Kraftdroschken stattfindet, die das Unternehmen dann auch vorhalten muss. Es ist deshalb sinnvoll, bei der Bestellung des Taxis anzugeben, dass ein Führhund mit befördert werden soll.

Reiseunternehmen
Für diese gibt es keine staatlichen Regelungen, die sie verpflichten, den Zugang für Blindenführhunde zu ermöglichen. Wenn dass jetzt noch im Entwurf vorliegende Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) in Kraft tritt, besteht allerdings die Chance, in noch unter den Verbänden auszuhandelnden "Zielvereinbarungen" gemäß Paragraph 5 BGG regeln zu lassen, in welcher Weise die Angebote der Reiseunternehmen barrierefrei sein müssen. Zur Barrierefreiheit gehört nach unserer Auffassung auch der ungehinderte Zutritt für Blindenführhunde. Der DBSV setzt sich zur Zeit dafür ein, dass dies im BGG noch deutlicher, und zwar durch eine ausdrückliche Regelung, formuliert wird.

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Aus aller Welt:

EBU-Frauenkommission tagte

Am 16. und 17.02. trafen sich die Mitglieder der EBU-Frauenkommission zur ersten Sitzung d. J. 2002. Maria José Sanchez, Kommissionsmitglied für Spanien, hatte im Auftrag ihres Landes zu diesem Treffen ins Confortel Hotel in Madrid eingeladen. Es berichtet Helga Neumann:

Als Gäste konnte Birgitta Blokland, Leiterin der EBU-Frauenkommission, Tiina Nummi Södergren, Schweden, begrüßen. Sie ist Mitglied des EBU-Boards und nahm an der Sitzung teil. Tiina berichtete ausführlich über die Aktivitäten der schwedischen Frauengruppen und beantwortete Fragen, das EBU-Board betreffend.
Als weiteren Gast konnte Birgitta Sonja, Mitglied einer Delegation aus Peru, begrüßt werden, die zur gleichen Zeit im Confortel Hotel in Madrid tagte. Sie ist eine der wenigen blinden Anwältinnen ihres Landes und berichtete über Schwierigkeiten und Erfolge in ihrem Land und ihrer Arbeit.
Zunächst wurde der umfangreiche Aktionsplan abgearbeitet, der in jeder Sitzung erstellt - und nicht immer von allen Mitglieder so prompt erfüllt wird, wie Birgitta es erwartet. Eine Fragebogenaktion, die von möglichst vielen blinden und sehbehinderten Frauen in Europa mitgetragen werden sollte, lässt sich nicht so mühelos durchführen, wie erwartet. Hinzu kommt, dass natürlich der Lebensstandard, die Wünsche und Erwartungen und die Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten innerhalb Europas sehr unterschiedlich sind.
Das EBU-Frauenforum, das der EBU-Generalversammlung im Jahre 2003 in Griechenland vorgeschaltet sein wird, wurde von zwei auf drei Tage erweitert. Das Programm, das bereits im letzten Jahr von Ria Decoopman und Helga Neumann ausgearbeitet worden war, musste jetzt noch einmal neu erstellt werden.
Für jeden Tag war ein spezielles Thema vorgegeben, und in drei Arbeitsgruppen wurde das Programm für das Forum neu erarbeitet. Besonders wichtig und interessant wird ein Managementtraining, für das entsprechende Trainer gefunden werden müssen.
Eine Grundsatzerklärung über die Rechte der Frauen wurde gemeinsam von der Frauenkommission und der Kommission für Menschen- und Sozialrechte erarbeitet und vom EBU-Board verabschiedet. Es trägt die Unterschrift von Sir John A. Wall, Präsident der EBU.
Die Berichte aus den einzelnen Ländern, die ein fester Bestandteil jeder Agenda sind, bieten Gelegenheit, Anregungen zu bekommen und ggf. im eigenen Land umzusetzen.
Viel Freizeit bleibt bei solchen Arbeitstagungen bekanntlich nicht. Diesmal gab es aber einen besonderen Höhepunkt. Am Samstagabend hatten die Vertreter der ONCE in ein sehr typisches spanisches Restaurant eingeladen, das Touristen sicher nicht ohne weiteres finden würden. Erstaunt hat mich, das die Stadt auch nach Mitternacht noch voll belebt ist, während in unseren deutschen Großstädten um die Zeit häufig schon niemand mehr auf der Straße anzutreffen ist.
Am Sonntagnachmittag, nachdem die Arbeit getan war, hatten wir Gelegenheit, das ONCE-Museum zu besuchen. Es wurde extra für unsere Kommission geöffnet und Miguel Moreno, Leiter des Museums und selber blind, und David, sein Dolmetscher, führten uns und konnten hervorragend alle Fragen beantworten.
Das Museum ist faszinierend. Viele große Baudenkmäler der Welt sind originalgetreu nachgebildet und können ertastet werden. Maßstab: 1:50 oder 1:90. Es ist unmöglich, alle aufzuzählen: Taj Mahal, Tower Bridge, Eiffelturm, das Brandenburger Tor u. v. m. Ferner hängen im Museum viele Bilder, die von blinden Künstlern gemalt wurden. Madrid ist schon wegen dieses Museums eine Reise wert.
Leider konnte sich noch kein Kommissionsmitglied entschließen, zum nächsten Termin, der allerdings bereits für November d. J. festgelegt wurde, einzuladen. Schließlich geht es dabei ja um nicht geringe Kosten, die das Gastgeberland zu übernehmen hat.
Bild: Helga Neumann im ONCE-Museum.

Mosaik

Blinde Konferenzdolmetscher bei der EU

Die Europäische Kommission geht in ihrer Gleichstellungspolitik mit gutem Beispiel voran. Im Konferenzzentrum Albert Borschette in Brüssel wurde jetzt ein erster behindertengerechter Arbeitsraum für blinde Konferenzdolmetscher eröffnet. Der Arbeitsplatz verfügt über Laptops und Desktops mit Braille-Zeile und Sprachausgabe, die blinden Dolmetschern Zugriff zu allen Dokumenten, Redetexten und Tagesordnungen der Konferenzen geben, bei denen sie eingesetzt werden. Konferenzunterlagen, die nur in Schwarzschrift vorliegen, können eingescannt und anschließend in Braille übertragen werden. Zur technischen Ausstattung gehört auch ein leistungsfähiger Braille-Drucker.
Vizepräsident der EU-Kommission Neil Kinnock, der den neuen Blindenarbeitsplatz im Februar offiziell eröffnete, betonte in seiner Ansprache, dass die EU-Kommission den Grundsatz der Gleichstellung behinderter Menschen sehr ernst nehme. Kinnock zeigte sich dabei sehr zuversichtlich, dass die Politik zu einer nachhaltigen Verbesserung der Effizienz der Institution und ihrer Arbeit für Europa führen werde. Zudem stärke die EU-Kommission durch ihre Einstellungspraxis die Glaubwürdigkeit ihres Anspruchs, die Chancengleichheit behinderter Menschen zu schützen. Einfache und kostengünstige Maßnahmen wie der Arbeitsraum für blinde Dolmetscher verbesserten die Chancen behinderter Menschen, einen Arbeitsplatz zu finden, der ihrer beruflichen Qualifikation entspricht, sagte Kinnock. Bei den EU-Institutionen gelte ein Kodex vorbildlicher Verfahrensweisen, dem man mit der Schaffung des neuen Blindenarbeitsraums voll entsprochen habe. Kinnock ermutigte die anwesenden EU-Vertreter, den Blindenarbeitsplatz zu besichtigen und ähnliche Einrichtungen in ihren Institutionen zu schaffen.
Quelle: Weekly Mailing 5/2002

Konvent für die Zukunft Europas - Kontaktgruppe Zivilgesellschaft gegründet

Vertreter der wichtigsten sektoriellen Nichtregierungsorganisationen Europas haben gemeinsam mit der Europäischen Konföderation der Gewerkschaften (ETUC) die Bildung einer "Kontaktgruppe Zivilgesellschaft" angekündigt. Ziel der neuen Gruppe wird es sein, gute und regelmäßige Beziehungen zum Präsidium des Konvents für die Zukunft Europas zu entwickeln.
Die vier Nichtregierungsorganisationen, denen die großen Sozialverbände sowie Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen angehören, vertreten das gesamte Spektrum der Interessenverbände auf europäischer, nationaler und lokaler Ebene, während die ETUC für die Belange von Millionen von Arbeitnehmern in ganz Europa spricht. Die Europäische Blindenunion ist über die sogenannte Soziale Plattform an der Arbeit der neuen Gruppe beteiligt.
In einem gemeinsamen Schreiben an den Präsidenten des Konvents, Valéry Giscard d'Estaing, haben die konstituierenden Verbände das Präsidium zu regelmäßigen gemeinsamen Sitzungen aufgefordert, um die Belange der Zivilgesellschaft und ihrer vielfältigen Gruppen im Konvent zur Sprache zu bringen.
EDF-Präsident Yannis Vardakastanis, der Vizepräsident der Sozialen Plattform und gleichzeitig Mitglied des EBU-Präsidiums ist, wird gewährleisten, dass die Stimme europäischer Bürger mit Behinderungen bei den anstehenden Beratungen zwischen Konvent und Kontaktgruppe Gehör findet.
(Zusammengestellt von Hans Kaltwasser)

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Freizeit:

...da ist auch Aura drin

Aura-Hotels und Pensionen sind inzwischen auch vom Begriff her den meisten unserer Leserinnen und Leser bekannt. Die Aura-Gruppe traf sich Ende Februar in Timmendorfer Strand. Die "Gegenwart" sprach am Ende mit Christian Seuß, einem der Initiatoren des Aura-Projektes:

Herr Seuß, worum ging es an diesen beiden Tagen?
Es wurde höchste Zeit, dass wir wieder zusammengekommen sind nach über einem Jahr, um erst einmal über den Status quo zu reden. Es hat sich gezeigt, dass die meisten auch offiziell als Aura-Hotel oder als Aura-Pension firmieren. Und jetzt geht es natürlich darum, diesen neuen Namen, die Dachmarke Aura nicht nur unter unseren Stammgästen bekannt zu machen, sondern dieses Angebot "Urlaub für die Sinne" - ausgerichtet für sehbehinderte und blinde Menschen und ihre Angehörigen - auch einem neuen Kundenstamm nahe zu bringen.

Als der Begriff "Aura" aufkam, hatten wir ja darüber gesprochen, dass nun auch eine neue Zeit in den Erholungseinrichtungen anbricht. Ist eigentlich schon überall zu spüren, dass sich nicht nur der Name, sondern auch der Inhalt verändert hat?
Wir haben in diesen Tagen im übertragenen Sinne von Hard- und Software gesprochen. Ich denke, dass viele Häuser mittlerweile eine Raumausstattung haben, die durchaus einem gehobenen Hotel-Standard genügt. Wir haben auch noch kleinere Häuser, die hier gewisse Abstriche machen müssen. Es geht sicher auch noch darum, diese Standards, die die Angebote für unsere Gäste betreffen, zu verankern und auch das Personal sozusagen auf Aura-Standard zu bringen.

Es gibt eine Reihe von Ideen, wie man an neue Kundenkreise herankommt; vielleicht ein paar Stichworte dazu, was in der Zukunft geplant ist...
Wir haben zum einen überlegt, Mailings zu machen im Kreise unserer Mitglieder, die zwar das Angebot rudimentär kennen, aber bisher in Aura-Hotels oder -Pensionen nicht gegangen sind. Wir wollen aber auch ganz neue Wege gehen, über Augenarztpraxen, Sehbehindertenambulanzen oder Seniorenzeitschriften Kontakte zu bekommen, um eben solche Kundensegmente zu erreichen, die in keiner Weise organisiert sind.

Nun gibt es auch Kundenkreise, die sagen: Früher in den schönen alten Heimen war alles besser, wir hatten uns daran gewöhnt. Was sagen wir eigentlich diesen Gästen, die wir ja nicht verlieren wollen?
Es darf ja Aura-Hotels und -Pensionen nicht so verstanden werden, dass die Menschen sich da nicht mehr wohlfühlen würden. Eigentlich ist ein gutes Stück dessen, was wir in unseren guten alten Blindenheimen hatten, auch so ein Stück Aura, und die soll erhalten bleiben. Wir werden das, was in Heimen bisher für viele unangenehm war, nämlich so reklementierte Dinge, wo man sich teilweise schon entmündigt vorgekommen ist, diese alten Zöpfe schneiden wir ab oder haben sie abgeschnitten, sodass man einfach freier Urlaub machen kann, so wie es der Mensch von heute für sich erwartet. Und ich glaube, da haben sich auch viele unserer Stammkunden gerne daran gewöhnt, dass man zum Beispiel nicht um 12 Uhr Mittag essen muss, sondern kann. Das ist ja auch ein Stück Qualität des Urlaubs.

Es haben sich einige Produkte herauskristallisiert, die besonders gern angenommen werden, und zwar nicht nur in dem einen oder anderen Hotel oder Pension, sondern durchgängig. Ich denke an Aktiv-Wochen...
Ja, sportliche Ausrichtungen, Wandern, und zwar in verschiedenen Regionen, am Strand, im Mittelgebirge oder in die Alpen hinein. Aktiv-Angebote ist das eine. Kultur ist vielleicht ein zweites Stichwort, Besichtigungen, CD-Wochen oder eben der Bereich Wellness, Beauty, etwas für den Körper tun, und natürlich die Möglichkeit, Gemeinschaft zu finden, Feiertage nicht allein verbringen zu müssen, sondern in einer schönen angenehmen Gemeinschaft.

Ich habe den Eindruck, dass natürlich jedes Haus zunächst an seine eigenen Interessen denkt, dass aber vermehrt auch der Gedanke dieser Gemeinschaft, dieser Aura-Gruppe zum Tragen kommt, dass man also durchaus auch Angebote in anderen Häusern mit empfehlen möchte. Wie sehen Sie das auch bayerischer sicht?
Ich denke, wir wachsen zusammen. Das ist ein Prozess. Wir hatten uns im letzten Jahr ein Stück vermisst, weil wir uns da nicht getroffen haben. Das ist schon mal ein gutes Zeichen.
Ein erster Schritt der künftigen Zusammenarbeit wird sein, dass wirklich jedes Haus auch die Prospekte, die Jahresprogramme der anderen mit auslegt und nicht in der Schublade lässt. Die Gästebetreuer sollten auch auf Angebote anderer Häuser hinweisen. Bisschen Zukunftsmusik könnte sein, dass das Aura-Hotel A die Buchung für einen späteren Urlaub des Gastes in der Aura-Pension B vornimmt.

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Bildung

Kinder wie alle...
...Bildung für alle
Blinde und sehbehinderte Kinder
und allgemeine Schule (Teil 1)

Ideal und Wirklichkeit

Da muss schon alles stimmen, wenn Integration nicht nur ein hohler Begriff bleiben soll. Und wenn es um Kinder geht, braucht es besonders viel Sensibilität und besonders wenig Bürokratie.
Die integrative Beschulung von Kindern mit Behinderungen darf man zurecht als bedeutenden Fortschritt, nicht aber als Allheilmittel ansehen.
"Die Gegenwart" berichtet in Zusammenarbeit mit dem überregionalen sonderpädagogischen Förder- und Beratungszentrum an der Brandenburgischen Schule für Blinde und Sehbehinderte - Förderschule für Sehgeschädigte - Königs Wusterhausen über verschiedene Aspekte der schulischen Integration. Dabei kommen Schüler, Eltern, sonderpädagogische Lehrkräfte sowie Lehrer im gemeinsamen Unterricht zu Wort.
Und obwohl die Situation im Bundesland Brandenburg nicht 1:1 übertragbar ist auf andere Regionen, eignen sich die Erfahrungsberichte, Rat und Hilfe zu vermitteln und Denkanstöße zu geben. Auch wenn in den Schulgesetzen der einzelnen Bundesländer manche Verfahrensweisen anders geregelt sind.

Integration auf den Weg bringen

Ein blindes oder sehbehindertes Kind macht den Eltern, die in der Regel auf die Situation in keiner Weise vorbereitet sind, von Anfang an Sorgen. Der medizinische Befund "Ihre Tochter wird nie sehen können" oder "Das Sehvermögen Ihres Sohnes wird sich nicht verbessern" ist eine Offenbarung mit vielen Fragezeichen. Fachlicher Rat wird gesucht, denn man will ja auch "nichts falsch machen". Baldige Kontakte zu Fachleuten sind angeraten und ersparen den Eltern oft viele Umwege.

Was ist der richtige Weg?
Wenn das Schulalter naht, drängt die Entscheidung: "Soll unser Kind eine Förderschule besuchen oder soll es gemeinsam mit nicht behinderten Kindern in eine allgemeine Schule gehen?"
Im Land Brandenburg hat der Wunsch der Eltern nach integrativer Beschulung, wo immer möglich, Vorrang. Damit aus dem Wunsch Wirklichkeit werden kann, müssen alle Beteiligten am gleichen Strick ziehen, und auch in die gleiche Richtung. Doch auch wenn alle äußeren Voraussetzungen stimmen, gibt es keine Garantie für erfolgreiche Integration; denn jedes Kind, jede Klassengemeinschaft ist anders. Beispiele lassen sich deshalb nur bedingt verallgemeinern.

"Normalität" durch sonderpädagogische Förderung
"Wie wird mein Kind in der Schule zurecht kommen?", spätestens jetzt kommen die Eltern ohne Rat und fachliche Entscheidungshilfe nicht mehr aus. Schule für Blinde und Sehbehinderte oder die allgemeine Schule am Wohnort - was ist für das Kind das Beste?
Die Blinden- und Sehbehindertenschule bedeutet in der Regel Trennung vom Elternhaus und wohnen im Internat. Der Vorteil: Alle sonderpädagogischen Bedingungen sind in der Spezialschule gegeben.
Welche Voraussetzungen sind aber nötig, damit blinde und sehbehinderte Kinder "ganz normal" in eine allgemeine Schule gehen können?

Zuerst etliche Wege gehen...
Die Grundschule, die für das jeweilige Wohngebiet zuständig ist, sollte der erste Anlaufpunkt sein. Stellt sich im sogenannten Feststellungsverfahren heraus, dass diese Schule nicht über die besonderen Bedingungen für den gemeinsamen Unterricht eines blinden oder sehbehinderten Kindes mit nicht behinderten Kindern verfügt und diese auch nicht geschaffen werden können, muss eine andere geeignete Schule gesucht werden.

Das Feststellungsverfahren
Mit der Anmeldung des Kindes in der zuständigen Grundschule sollte ein Feststellungsverfahren beantragt werden, das an das zuständige Schulamt weitergeleitet wird. Ein solches Verfahren ist auch nötig, wenn ein behindertes Kind bereits eine allgemeine Schule besucht, bisher aber kein sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt worden ist.
Ein speziell einzurichtender Förderausschuss, dem neben den Eltern Vertreter der Schulleitung und des Schulträgers, ein Sonderpädagoge, je eine Lehrkraft aus der bisher besuchten Einrichtung und der künftigen Schule angehören, erarbeitet eine Bildungsempfehlung, insbesondere zum Lernort, zur Jahrgangsstufe, zum Rahmenplan, zum Förderumfang, ggf. zur außerunterrichtlichen Betreuung sowie zu Möglichkeiten des Nachteilsausgleiches.
Viele Einzelmaßnahmen müssen durch die Eltern gesondert beantragt werden, weil verschiedene Kostenträger zuständig sein können.

Die Schule passt sich an:
Der Unterricht in Gruppen und in möglichst kleinen Klassen erleichtert das gemeinsame Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern. Eine zweite Lehrkraft kann dem Kind für einige Stunden pro Woche unterstützend zur Seite stehen. Erforderliche Hilfsmittel werden beschafft. Die Pädagogen lernen dazu und eignen sich spezielle Lehrmethoden an.
Leider hapert es aufgrund knapper finanzieller Mittel nicht selten an den materiellen und personellen Rahmenbedingungen. Bürokratie tut mancherorts ein Übriges, um Eltern und Lehrer zu entmutigen.
Jeder wird verstehen, dass stationäre Hilfsmittel wie beispielsweise Bildschirmvergrößerungsgeräte nicht in jedem Fachunterrichtsraum stehen und natürlich auch nicht mitgenommen werden können. Also? Hat die sehbehinderte Schülerin in diesen Fächern dann einfach Pech? Oder ist die Schule so flexibel, dass der Fachunterricht der Klasse mit der sehbehinderten Schülerin nach Möglichkeit in dem Raum stattfindet, in dem die erforderlichen Hilfsmittel stehen? Auch in einem solchen Fall kann der Wille (des Direktors und der beteiligten Pädagogen) "Berge versetzen", sprich: den Unterricht entsprechend organisieren; die Schule fit machen auch für ein Kind mit einer Behinderung.
Was kann zum sonderpädagogischen Förderbedarf für ein blindes oder sehbehindertes Kind gehören? Der Katalog ist umfangreich, beginnt aber bei "Kleinigkeiten", an die jedoch nicht immer gedacht wird (z. B. große und kontrastierende Schrift, sagen, was an die Tafel geschrieben wird, Einhaltung von Ordnungsprinzipien, Akzeptanz eines größeren Zeitbedarfs u. a .m). Optimale Beleuchtung, Orientierungshilfen, Beseitigen von Gefahrenquellen, Ausstattung mit den erforderlichen Hilfsmitteln, Bewältigung des Schulweges, zusätzliche Unterstützung, wo nötig - diese und viele andere Dinge kosten Geld und müssen im Vorfeld abgeklärt sein.

Fakten aus Brandenburg
Seit 1991 werden im Land Brandenburg blinde und sehbehinderte Kinder gemeinsam mit nicht behinderten Kindern unterrichtet. Derzeit sind rund 120 Kinder bekannt, die integrativ beschult werden. Man kann davon ausgehen, dass an allgemeinen Schulen weitere Kinder mit einer Sehbehinderung lernen, ohne dass sie umfassende sonderpädagogische Förderung erfahren.
Für die integrative Beschulung ist im Land Brandenburg ein System entwickelt worden, das drei Ebenen umfasst:

* vor Ort durch allgemeine pädagogische Hilfen,
* regional durch blinden- und sehbehindertenspezifische pädagogische Unterstützung,
* überregional durch sonderpädagogische Kompetenz (z. B. Diagnostik, Fortbildung, Entwicklung und Bereitstellung von Unterrichtsmaterial und spezifischen Medien).

Mit dem Brandenburgischen Schulgesetz ist die rechtliche Grundlage gegeben. Das Recht auf integrative Beschulung durchzusetzen und vor allem optimale Lernbedingungen für ein Kind mit Sehbeeinträchtigung zu erreichen, verlangt von allen Beteiligten, insbesondere aber von den Eltern viel Engagement und Durchsetzungswillen.

Die Bilanz nach mehr als zehn Jahren ist positiv, aber: Hemmnisse und Schwierigkeiten sollen nicht verschwiegen werden:
- Im Gegensatz zur Situation in anderen Bundesländern wird im Land Brandenburg im Vorschulbereich die Fachkompetenz der Schulen nicht mehr in Anspruch genommen. Betroffene Familien können sich an freie Träger wenden (z. B. Behindertenwerk Spremberg, Ev. Jugend- und Fürsorgeverein Potsdam).
- Es fehlen Sonderpädagogen mit dem Schwerpunkt "Sehen" in 5 von 14 Landkreisen.
- Den regionalen Förder- und Beratungsstellen steht oft zu wenig Zeit für die Beratung zur Verfügung.
- Nicht selten sind Lehrer mit der sonderpädagogischen Förderung eines blinden oder sehbehinderten Kindes überfordert, und die zur Verfügung stehenden Förderstunden reichen häufig nicht aus.
- Die materielle und räumliche Situation an vielen Regelschulen ist unzureichend.

Probieren geht über studieren...

Fabian ist blind. Seit Beginn des Schuljahres 2000/2001 geht er in die Bruno-H.-Bürgel-Grundschule Eberswalde. Die beiden unterrichtenden Lehrerinnen erinnern sich an die Anfänge:

Im September 1999 besuchte ich Fabian in der Kindertagesstätte. Seine Eltern wünschten eine integrative Beschulung; also suchte ich einen ersten persönlichen Kontakt zur verantwortlichen Pädagogin aus der Förderschule in Königs Wusterhausen.
Noch nie vorher hatte ich einen blinden Menschen kennen gelernt. Um so mehr war ich erstaunt, als ich einem Jungen begegnete, den ich nicht sogleich als blind erkannt hätte. Besonders beeindruckte mich Fabian durch seine Sicherheit, mit der er sich im Raum bewegte. Meinen Rucksack, der neben dem Stuhl stand bemerkte er sofort. Bald zeigten sich sein umfangreiches Vorwissen, seine sprachliche Gewandtheit, seine Fähigkeit Formen zu unterscheiden, die Anzahl von Gegenständen zu benennen. Kurz, er war ein Fast-Schulkind.
Nachdem verschiedene Lehrer und Lehrerinnen unserer Schule ihre Bereitschaft signalisiert hatten, bei dem Integrationsversuch mitzuwirken, und das Förderausschussverfahren gelaufen war, stand fest: Fabian kommt an unsere Schule.
Eine Woche Hospitationen in Königs Wusterhausen sollte uns einen ersten Eindruck von der Tragweite unseres Vorhabens vermitteln. Mit vielen Ideen stürzten wir uns in die Vorbereitungen. Es folgten Wochen, in denen sich die Gedanken und Gefühle überschlugen, Pläne geschmiedet und wieder verworfen wurden, und bald bekamen die Kinder der Klasse 1c ihre Schultüten. Nun war auch Fabian ein Schulkind.

Die ersten Schultage

Fabian wird jeden Morgen mit dem Fahrdienst gebracht und von mir vor der Schultür abgeholt. Sein Platz im Klassenraum, und die Haken für die Sportsachen und Jacke haben wir mit einem Marienkäfer aus Holz gekennzeichnet, sodass er bereits nach wenigen Tagen diese selbständig findet. Und plötzlich tauchen doch kleine Probleme auf, die wir nicht auf unserer "Liste" haben. Fabian isst kaum etwas in der Frühstückspause und wenn, dann nur weiche Sachen, die kaum gekaut werden müssen. Da wir das Thema "Gesundes Frühstück" ohnehin in unserer Planung haben, bietet sich diese Gelegenheit zu Beginn des Schuljahres an, um Fabian, aber auch alle anderen Kinder damit vertraut zu machen.
Alle Kinder decken gemeinsam einen großen Tisch. Fabian sagt uns sofort, dass er kein Brot isst und keinen Kakao trinken möchte. Jetzt sind Überzeugungskünste gefragt, die uns alles abverlangen. Mit der "ein-Stück-für-Opa-Methode" klappt es am Ende.
An jedem Montag sitzen die Lehrer, die in Fabians Klasse unterrichten, zusammen und planen die Stunden für die Woche. Was kann Fabian im Klassenverband mitmachen? In welchen Phasen arbeite ich mit ihm allein? Welche Anschauungs- und Arbeitsmaterialien, Spiele usw. müssen für ihn angefertigt oder adaptiert werden? Diese Absprachen sind für uns sehr wichtig. Im Erfahrungsaustausch kommen wir auf praktikable Lösungen auch bei kniffligen Fragen.
Im Unterricht arbeitet Fabian gut mit. Da wir uns dazu entschlossen haben, dass er die Buchstaben in der gleichen Reihenfolge lernt wie alle anderen sehenden Kinder (also nicht gemäß der Logik des Braille-Alphabetes), kann er bei Lern-Spielen wie die anderen mitmachen, Schreibübungen und Angebote in offenen Phasen des Unterrichts bewältigt Fabian in den ersten Wochen mit mir. Besonders das Schreiben mit der Punktschrift-Bogenmaschine und das Ertasten der Punktschrift auf dem Papier benötigen viel Zeit, Ausdauer und Konzentration. Ich muss sämtliche "Tricks" aus meinem kleinen Erfahrungsschatz hervorkramen, um Fabian immer wieder zum Schreiben und Ertasten zu motivieren. Und irgendwann, als ich schon nahe dran bin, aufzugeben, "platzt der Knoten" bei dem Kleinen. Er schreibt und liest seine ersten Buchstaben richtig.

Kinder wie alle...
...Bildung für alle (Teil 1)
Beilage zur Ausgabe 4/2002 der Zeitschrift "Die Gegenwart", Magazin für Blinde, Sehbehinderte und ihre Freunde; Organ des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes e. V. (DBSV);

Bearbeitung und Zusammenstellung:
Dr. Thomas Nicolai
Redaktion "Die Gegenwart"
Rungestraße 19
10179 Berlin
Tel.: (0 30) 28 53 87-0; Fax: (0 30) 28 53 87-20; E-Mail: gegenwart@dbsv.org.

und die Mitarbeiter des
Überregionalen sonderpädagogischen Förder- und Beratungszentrums
an der Brandenburgischen Schule für Blinde und Sehbehinderte
Luckenwalder Straße 64
15711 Königs Wusterhausen
Tel:: (0 33 75) 24 29-0; Fax: (0 33 75) 24 29-25; E-Mail: blischul@t-online.de; Homepage: www.sehgeschaedigtenschule.de

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Serie:

Der duftende Garten
Skimmie
(Skimmia)

Von Ruth Zacharias

Zehn Skimmien gedeihen inzwischen in unserem Garten. Drei sind so gepflanzt, dass sie zu jeder Jahreszeit im Vorbeigehen, im Stehenbleiben oder gar im Sitzen auf der Sandsteinmauer mit den Händen, mit der Nase, mit den Augen wahrgenommen werden können. Ich denke, wie schon seit Jahren, Skimmien sind so etwas wie "Star-Pflanzen" für blinde Leute.
Ihre vorteilhaften Eigenschaften sind: immergrün, Blütenduft, Berührungsduft, Beerenschmuck.
Frider Plenzat empfiehlt sie vorwiegend als Zimmerpflanze bzw. im Wintergarten kühl und hell stehend. Die Literatur beschreibt sie als frostharte Kleinsträucher in der Größe von 0,60 m bis 1,50 m Höhe, im Alter breiter als hoch. Sie lieben absonnige Standorte, gedeihen aber noch im tiefsten Schatten in nährstoffreichen humosen Böden. In Japan, China bis zum Himalaja wachsen sie zahlreich in großen Wäldern.
Es gibt nicht so sehr viele Pflanzen, die zugleich Blüten- und Berührungsdufter sind. Skimmien sind es!
In den immergrünen, ledrigen, elliptischen Blättern sitzen winzige Öldrüsen, sodass die Blätter durchscheinend punktiert wirken. Beim Berühren und Erwärmen mit den Händen entströmt diesen Öldrüsen ein feierlich-wohlriechendes Aroma mit beinahe festlichem Duft. Diese Pflanzeneigenschaft wird nie mit den Augen wahrgenommen, sondern immer nur durch die Kontaktaufnahme mit den Händen erlebt: am besten alle zehn Finger langsam durch das Blattwerk bewegen oder einige Blätter mit der Hand umschließen, bis der Duft für die Nase zu riechen ist. Für tastende Hände sind Berührungsdufter außerordentlich wertvoll, denn Tasten und Riechen sind wie "Duft ist Farbe". Berührungsduft ist abhängig von Wetterverhältnissen, bleibt aber bei vielen Pflanzen auch im vertrockneten und erfrorenen Zustand erhalten. Farben fehlen weitgehend im Winter, Berührungsdüfte sind reichlich vorhanden. Wer oft mit seinen Händen mit Pflanzen zusammen ist, findet bald heraus, wie es am besten und angenehmsten funktioniert: mit einer oder beiden Händen, mit einem oder mehreren Fingern, einzelne Blätter umschließen und erwärmen, Pflanzenteile vorsichtig bewegen...
Die Blüten der Skimmien sind meistens weiße endständige Rispen, die im April/Mai durch warme Frühlingswinde als "Umherdufter" weit vom Standort entfernt zu riechen sind. Wenn Buchsbaumblüten in der Nähe sind, gibt es ein "Fest für die Nase".
Die Beeren, meistens rot, bleiben fast ganzjährig am Strauch hängen, bilden sich aber nur aus, wenn weibliche und männliche Pflanzen vorhanden sind, denn Skimmien sind zweihäusig.
Beim Einkauf von Skimmien in Gartencentern gibt es ganz sicher Probleme, denn einige Arten mit ihren vielen Sorten sind vollkommen duftlos. Wenn jedoch der aromatische Duft bei erwärmender Berührung aus den Blättern ausströmt, handelt es sich ganz bestimmt auch um eine blütenduftende Skimmie. Pflanzenhandbücher beschreiben vier bis acht Arten mit vielen Sorten, erwähnen aber nur sehr ungenau, ob sie Blüten- und Berührungsduft haben.
Sichere Dufter, die in einer guten Baumschule eingekauft werden sollten, sind:
Skimmia japonica (kleiner immergrüner Strauch),
Skimmia anquetilia (kleiner immergrüner kriechender Strauch).
Freuen würde ich mich, wenn jemand aus dem Leserkreis mir Erfahrungen mit Skimmien in Zimmerkultur mitteilen könnte, denn bei uns gedeihen und erfreuen sie bisher nur im Garten.
Gut vorstellen kann ich mir Skimmien in einem größeren Kübel auf dem Balkon, auf einer Terrasse oder in der Nähe der Haustür.
Da der Duft so angenehm ist, habe ich ihn mit getrockneten Blättern in einer Alabasterdose, die in Handnähe am Schreibtisch steht, eingefangen. Wenn ich telefoniere, öffne ich oft den Deckel, bin mit einem oder mehreren Fingern in der Dose, zerkrümmele die Blätter mehr und mehr zu Mehl und genieße das immer noch wohlriechende Aroma... Duft ist wirklich Farbe...
Nähere Informationen bei der Autorin unter Tel.: (0 35 28) 43 97-0.

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