Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Krieg
zerstört
Augen-
licht!
Ihr Dr. Thomas Nicolai
29 Korrespondierende Mitglieder des DBSV wurden mit Satzungsänderung beim DBSV-Verbandstag zu Korporativen Mitgliedern, deren Vertreter jetzt Sitz und Stimme im Verwaltungsrat haben. Die "Gegenwart" sprach mit den drei Vertretern Jacqueline Boy, Andreas Bethke und Dieter Feser:
J. Boy (Verband der Blinden- und Sehbehindertenpädagogen und
-pädagoginnen (VBS):
Wir haben jetzt nicht nur Rede-, sondern auch Stimmrecht. Wir werden die Wünsche
und Vorstellungen der Korporativen Mitglieder hier einbringen.
D. Feser (Nikolauspflege Stuttgart):
Der DVBS, der VBS und die Nikolauspflege wurden gewählt. Unsere Aufgabe
wird es sein, die 29 Korporativen Mitglieder zu vertreten.
A. Bethke (Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium
und Beruf):
Ich denke, dass dadurch die Blindenselbsthilfe und die Blindeneinrichtungen
näher zusammenrücken, gemeinsames Arbeiten auf gleicher Augen- oder
Ohrenhöhe. Wir bitten alle anderen Korporativen Mitglieder, ihre Wünsche
und Anliegen gegenüber dem DBSV uns wissen zu lassen, damit wir das aufgreifen
und einbringen können.
"Gegenwart": Das neue Corporate Design (CD) des DBSV wurde mit der Empfehlung und der Bitte beschlossen, dieses neue "Bild" im Erscheinungsbild auch der Korporativen Mitglieder deutlich zu machen. Wird das möglich sein?
D. Feser: Es wird für die einzelnen Organisationen nicht einfach sein, die Vorstellungen des DBSV in das eigene Design einzubringen. Wir werden uns aber bemühen, das einfließen zu lassen. Erschwert wird es dadurch, dass viele Organisationen in mehreren Dachverbänden Mitglied sind. Jeder hat seine eigenen Vorstellungen. Uns ist die Zusammenarbeit mit dem DBSV wichtig, und deshalb auch dieses Anliegen.
J. Boy: Wir sehen das ähnlich. Dem Wunsch des DBSV, das CD in die Briefköpfe mit einzubeziehen, versuchen sicher auch die anderen Korporativen Mitglieder nachzukommen. Ich sehe aber ein Problem bei der einen oder anderen Organisation, das in die Tat umzusetzen.
A. Bethke: Die Korporativen Mitglieder sind gebeten worden, das umzusetzen.
Da konnte ich problemlos zustimmen. In der heutigen Zeit ist es wichtig, dass
möglichst zusammengefasst wird, wie man nach außen auftritt, ich
sehe das aber nicht als Einbahnstraße. Bei der Vielzahl der Publikationen,
die der DBSV herausbringt, sollte die Möglichkeit geschaffen werden,
dass die Korporativen Mitglieder darauf zurückgreifen können, indem
ansprechend gestaltete Felder vorgesehen werden, in die man ein "überreicht
durch den Verband XY" einfügen kann.
(Das Gespräch führte Dr. Thomas Nicolai; Kassetten- und DAISY-Version
Originalton.)
Seit Ende letzten Jahres bietet das Berufsförderungswerk Halle sein
Know-how auch für Sehbehinderte und Blinde im Großraum Berlin an.
Damit sollen lange Wege für berufsbezogene Beratung und Qualifizierung
wegfallen.
Die Beratungsstelle für Sehbehinderte des Bezirksamtes-Mitte in Berlin
in der Reinickendorfer Straße ist als idealer Kooperationspartner gewonnen
worden.
Je nach Bedarf wird der Ratsuchende an ein bis zwei Tagen augenärztlich
untersucht und ein erster Überblick über notwendige und mögliche
Hilfsmittel geschaffen, danach wird ein individueller Rehabilitationsplan
aufgestellt.
Nähere Informationen beim BFW Halle (Saale),
Herrn Kunnig, Tel.: (03 45) 13 34-3 18,
bei Herrn Kießling, Tel.: (03 45)13 34-3 23,
oder direkt in der
Beratungsstelle für Sehbehinderte,
Reinickendorfer Str. 60 b, 13347 Berlin,
Frau Groß, Tel.: (0 30) 2 00 94-52 46.
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Vom 9. bis 11.9. veranstaltet der Beauftragte der Bundesregierung für
die Belange behinderter Menschen ein Literaturfest im Kleisthaus in Berlin
unter dem Motto "Nehmt mich beim Wort". International bekannte Autorinnen
und Autoren werden zu Lesungen einladen. Im Rahmen dieser Veranstaltung gibt
es auch einen Literaturwettbewerb, bei dem Preise für gelungene Prosaarbeiten
verliehen werden. Wir hatten in der "GW" 02/2003, in der Rubrik "In Kürze",
darauf hingewiesen. Einsendeschluss ist der 31.5.
Nähere Informationen beim
Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen
Tel.: (0 18 88) 5 27 18 22
Fax: (0 18 88) 5 27 18 03
E-Mail: litfest@behindertenbeauftragter.de
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Mit einer auf freiwilliger Basis angelegten Fragebogenerhebung will das Bonner
Medizintechnikunternehmen IIP-Technologies den Entwicklungsprozess eines elektronischen
Implantats für Erblindete begleiten. Gesucht werden Personen, die von
einer Degeneration der Netzhaut betroffen sind.
Nähere Informationen bei
IIP-Technologies GmbH
Frau Miriam Dargel
Niebuhrstr. 1a
53113 Bonn
Tel.: (02 28) 9 69 55-0
E-Mail: dargel@iip.tec.com
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Vom 18.7. bis 1.8. wird diese an der Universität Bremen stattfinden
und sich mit neuem Denken zum Thema Behinderung befassen.
Nähere Informationen bei
Gisela Hermes, bifos e.V.
Kölnische Str. 99 in
34119 Kassel
Tel.: (05 61) 7 28 85-42
Fax: (05 61) 7 28 85-44
E-Mail: g.hermes@bifos.de oder
www.sommeruni2003.de
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Für viele Menschen mit Behinderungen ist künstlerische Betätigung
Ausdrucksweise ihrer Empfindungen. Der Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter
sucht Künstler/Freizeitmaler, die den farbigen Kunstkalender "Kleine
Galerie 2004" mitgestalten. Die Bilder sollten möglichst im Hochformat
sein. Von einer Jury werden die 12 Monatsbilder und das Titelbild ausgewählt.
Jedes veröffentlichte Gemälde wird mit 100 Euro und Freiexemplaren
honoriert. Den Einsendungen sollte eine Kurzvorstellung des Künstlers
und des Gemäldes beiliegen sowie Name und Maltechnik des Bildes.
Einsendeschluss: 25.4.2003 an den
BSK, Kennwort "Kalender"
Altkrautheimer Straße 20
74238 Krautheim.
Nähere Informationen unter
Tel.: (0 62 94) 6 82 25
E-Mail: peter.reichert@bsk-ev.de
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19. bis 26.5. Schlemmer- und Genießerwoche (Anmeldeschluss 15.4.);
31.5. bis 1.6. Tage der offenen Tür, jeweils von 11 bis 18 Uhr.
Nähere Informationen:
Tel.: (0 52 34) 9 04-0
Fax: 904-284
E-Mail: info@aura-zentrum.de
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6. bis 12.4.: "Die Schnäppchenwoche"
12. bis 26.4.: "Osterferien" in Mündersbach
Nähere Informationen bei
Aura-Pension "Haus Hubertus" Mündersbach
Tel.: (0 26 80) 95 10-0
Fax: (0 26 80) 95 10-57
E-Mail: aura-muendersbach@blindenbund-hessen.de
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Das Bar-Restaurant "blindekuh" in Zürich bietet u.a. folgende Veranstaltungen:
10.5.: "Heisshunger" - ein Musiktheater Projekt mit Songs, die vom Volkslied
über Pop, Rock, Blues und Chanson bis zum Reggae reichen.
21.6.: "Cod bai frends" - Tessinergeschichten aus der weiten Welt.
Alle Veranstaltungen mit anschließendem Nachtessen.
Nähere Informationen:
blindekuh
Mühlebachstr. 148
8008 Zürich-Seefeld
Tel.: 0041/1/4 21 50 50.
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Das bereits angekündigte Seminar der vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft
wurde auf die Woche vom 20. bis 24.10. verschoben. Veranstaltungsort ist das
Aura-Hotel Timmendorfer Strand. Außerdem sucht der Veranstalter immer
noch nach Blinden, Sehbehinderten oder auch sehenden Kolleginnen und Kollegen,
die alternierende Arbeit zu Hause leisten. Ihre verbindliche Anmeldung für
das Seminar reichen Sie über Ihre zuständige Ver.Di-Bezirksverwaltung
ein, Kolleginnen und Kollegen, die sich zum Thema "Arbeit zu Hause" äußern
können, wenden sich bitte an
Willi Kürpick
Dollersweg 36
44319 Dortmund
Tel.: (02 31) 90 64-4 22 (dienstlich)
E-Mail: muw.kuerpick@t-online.de
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Erstmals gibt es einen Tageskalender in Punktschrift, der Fakten und Termine
zum Thema Sport enthält. So erfährt man z.B., dass am 9. Juli 1877
das erste Herrentennisturnier in Wimbledon war.
Der Sportkalender ist bei der
Deutschen Blindenstudienanstalt e.V.
Tel.: (0 64 21) 6 06-4 17
E-Mail: bestellservice@blista.de
zu beziehen.
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Das Team der Hörzeitung Retina-Gespräch hat einen Teil seines Ton-Archivs
ins Internet gestellt. Hier stehen Referate zu medizinischen Themen "rund
ums Auge" zum Herunterladen bereit. Die Homepage enthält außerdem
Hinweise und Anregungen zu anderen Sachgebieten, die Blinde und Sehbehinderte
betreffen.
Internet: www.augenpatient.de
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Die Hörbuchtipp-Redaktion bietet einige Hörbuchrezensionen von
der Leipziger Buchmesse sowie einen akustischen Jahresrückblick von Carsten
Heller, MDR u.v.m. unter der Internetadresse
www.hoerbuchtipps.de
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Ein neues Internetangebot soll es blinden und sehbehinderten Internetbenutzern
ermöglichen, Anzeigen zu verschiedenen Gebieten ohne technische Probleme
zu lesen und auch selbst aufzugeben. Die zur Benutzung notwendige Registrierung
ist in der Anlaufphase noch ohne Kosten möglich.
Internet: www.pinwand-online.de
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Der Bundesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte e.V. hat seine
aktualisierte Ausgabe des Steuermerkblattes (2002/2003) herausgebracht. Unter
der Rubrik "Recht und Praxis" im Internet www.bvkm.de
ist der Text kostenlos herunterzuladen. Die gedruckte Version ist mit einem
frankierten Umschlag 0,55 Euro, DIN lang Umschlag bei dem
Bundesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte e.V.
Stichwort "Steuermerkblatt"
Brehmstr. 5-7 in
40239 Düsseldorf
abzufordern.
Von Dr. Herbert Demmel
Neben den Mehraufwendungen müssen zur Wahrung der Chancengleichheit auch die Nachteile, soweit sie sich materiell auswirken, berücksichtigt werden: Solche Benachteiligungen ergeben sich vor allem im beruflichen, familiären oder partnerschaftlichen Bereich. Sie betreffen aber auch die Lebensqualität.
Berufswelt
Die Berufsmöglichkeiten sind für blinde Menschen trotz des Schutzes
durch das Schwerbehindertenrecht (SGB IX Teil 2) sehr stark eingeschränkt.
In der Industrie und im Bürodienst, Bereiche, in welchen früher
blinde Menschen häufig eine Existenz finden konnten, gibt es kaum noch
geeignete Arbeitsplätze. Die strukturellen Veränderungen der Arbeitswelt
wirken sich für blinde Menschen äußerst negativ aus. Die Quote
der berufstätigen Blinden liegt im Vergleich zum allgemeinen Bevölkerungsdurchschnitt
nur etwa bei 50 Prozent. Selbst bei guter Ausbildung werden blinde Mitarbeiter
häufig nicht ihrer Qualifikation entsprechend beschäftigt. Aufstiegchancen
sind kaum vorhanden. Das führt zu einem niedrigeren Arbeitseinkommen.
Belastungen für Familie und Partnerschaft
Erfreulicherweise leben viele blinde Menschen in einer Familie oder Partnerschaft.
Die notwendigen Betreuungs-, Wartungs- und Hilfeleistungen werden dann häufig
von den Eltern, Ehegatten, Kindern oder Partnern übernommen. Das führt,
wie immer wieder beobachtet werden kann, dazu, dass die Betreuungsperson auf
eigene Erwerbstätigkeit ganz oder teilweise verzichten muss. Die Betreuung
in der Familie oder Partnerschaft, die, wie gesagt, mit finanziellen Einbußen
verbunden sein kann, erspart auf der anderen Seite oftmals hohe Heimkosten.
Einbuße an Lebensqualität
Blindheitsbedingte Nachteile ergeben sich auch aus dem durch die Erblindung
hervorgerufenen Verlust an Lebensqualität. In einer Welt, die überwiegend
auf optische Erscheinungen und visuelles Erleben eingerichtet ist, in welcher
der Sehsinn dominiert, bedeutet die Einbuße dieses Sinnes einen herben
Verlust. Neben den daraus resultierenden Problemen für die Lebensbewältigung
handelt es sich deshalb auch um eine immaterielle Beeinträchtigung. Hier
einen Ausgleich zu schaffen, ist, ohne dass es sich dabei um ein Schmerzensgeld
im Sinne einer Genugtuung handeln würde, nach der Rechtsprechung ebenfalls
Sinn des Blindengeldes; denn "zu den Bedürfnissen, für die diese
Mittel gedacht sind, gehören insbesondere auch Bedürfnisse immaterieller
Art, wie das Bedürfnis, sich mit der Umgebung vertraut zu machen, Kontakte
zur Umwelt zu pflegen und am kulturellen Leben teilzunehmen". Das Blindengeld
soll mithelfen, dem Leben neue Inhalte zu geben, um verlorene Inhalte auszugleichen
und dadurch die verlorene Lebensqualität so weit wie möglich wieder
herzustellen.
Das Blindengeld als Rehabilitationsleistung
Der Ausgleich der blindheitsbedingten Mehraufwendungen und Nachteile ermöglicht
die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft und damit ein menschenwürdiges
Leben. Blinde Menschen werden nicht auf ein rein physisches Existenzminimum
eingeschränkt. Soziale Chancengleichheit wird eingeräumt. Das bedeutet,
dass die durch Rehabilitationsleistungen und -Maßnahmen erreichbare
gesellschaftliche Eingliederung durch das Blindengeld gesichert wird. Durch
seine rehabilitationssichernde Funktion ist das Blindengeld selbst eine hervorragende
Rehabilitationsleistung.
Dr. Herbert Demmel
Von Karl Thomas Drerup
Die öffentlichen Haushalte kranken, überall. Darum muss gespart werden, überall.
Auch beim Blindengeld? Wir haben bereits in den letzten Jahren drastische
Kürzungen hinnehmen müssen, Kürzungen, die keiner anderen Personengruppe
in diesem Ausmaß zugemutet wurden. Jetzt aber muss endlich Schluss sein
mit weiteren Kürzungen! Denn in einem Sozialstaat müssen die Bürger
auf die Gewährung elementarer Hilfen vertrauen können und dürfen
nicht ständig mit dem Entzug von Leistungen bedroht werden.
Gerade reichlich eineinhalb Jahre ist es her, dass 4.000 Demonstranten in
Bremen forderten: "Das Blindengeld muss erhalten werden!" und mit diesem Ruf
die Politiker zur Umkehr bewegten. Doch schon wieder wurden, diesmal in Brandenburg
und in Baden-Württemberg, Diskussionen über Streichung des jeweiligen
Landesgesetzes geführt. Aus diesem Anlass verabschiedete der DBSV-Verwaltungsrat
auf seiner außerordentlichen Sitzung eine Resolution (veröffentlicht
in der März-Ausgabe).
Inzwischen - so scheint es - konnte zwar das Allerschlimmste vorerst verhindert
werden. Aber jetzt kommen Kürzungen auf uns zu, die schier unerträglich
sind:
Brandenburg will den Blindengeldbetrag auf 267 Euro absenken, Sachsen-Anhalt
auf 350 Euro, Rheinland-Pfalz (bei Neuanträgen) auf 410 Euro. Vom jeweiligen
Ausgangsbetrag ausgehend sind das 20, 18 und 22 Prozent. Das ist ein Dammbruch,
dem wir gemeinsam entgegentreten müssen, denn, so hieß es einmütig
im Verwaltungsrat: Das Blindengeld darf nicht länger nur als Ländersache
betrachtet werden.
Karl Thomas Drerup
33. Kongress für Blinden- und Sehbehindertenpädagogik
"Qualitäten" - Rehabilitation und Pädagogik bei Blindheit und Sehbehinderung
ist das Motto des Kongresses, der
vom 4. bis 8.8.2003 an der Universität Dortmund stattfindet.
Organisiert wird der Kongress vom Verband der Blinden- und Sehbehindertenpädagogen
und -pädagoginnen (VBS) e.V. in Kooperation mit der Fakultät Rehabilitationswissenschaften
der Universität Dortmund und mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe.
Schirmherr ist der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Peer Steinbrück.
Der alle fünf Jahre stattfindende Kongress soll Gelegenheit zu wissenschaftlicher
Diskussion, fachlichem Diskurs, zum Sammeln neuer Erkenntnisse und Erfahrungen
und zum persönlichen Austausch bieten. Das Thema "Qualitäten" wurde
gewählt, um eine erneute Diskussion über die spezifische Qualität
einer Rehabilitation und Pädagogik bei Sehschädigung vor dem Hintergrund
gesellschaftlicher Veränderungen und gewandelter Vorstellungen von Unterstützung
und Begleitung, Erziehung und Bildung anzustoßen und weiterzuführen.
Das umfangreiche Programm spiegelt in über 170 Vorträgen, Workshops,
Poster- und Videopräsentationen den aktuellen Stand der Diskussion im
Feld der Pädagogik und Rehabilitation wider. Inhaltlich orientieren sich
die Beiträge an Themen aus den Bereichen: – sonderpädagogische
Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Sehschädigung–
schulische, soziale und berufliche Integration– Sehverlust im Alter–
berufliche Bildung und Berufstätigkeit– Selbstbestimmung und Partizipation–
Mehrfachbehinderung und Sehschädigung– Low Vision– Frühförderung–
Qualitätsentwicklung– europäischer Integrationsprozess–
Aus- und Weiterbildung.
Referenten nicht nur aus Deutschland sondern auch aus Bulgarien, Finnland, Großbritannien, Italien, Österreich, Russland, Schweden, der Schweiz und Ungarn werden zu diesen Themenkreisen über die neuesten Erkenntnisse, Strömungen und Forschungsergebnisse berichten.
Das komplette Kongressprogramm mit Anmelde- und Teilnahmekonditionen kann
angefordert werden bei:
Kongressbüro, von-Vincke-Schule
Hattroper Weg 70
59494 Soest
Tel.: (0 29 21) 68 41 20
Fax: (0 29 21) 68 42 69
E-Mail: kongress@vbsnrw.de
Internet: www.kongress.vbsnrw.de
In zwei individuellen Kursen schulte Werner Krauße Herrn Wolfgang L. aus Erding bei München an einem offenen Blindenlesegerät und in der Anwendung von PC-Programmen:
Hör- und sehbehinderte Menschen leben in einer sehr "kleinen Welt",
da für sie viele für uns selbstverständliche Kommunikationsmittel
wie Radio, Fernsehen, Fortbildungsmaßnahmen, Vorträge usw. nicht
möglich sind. Wie kann man aber Taubblinden das notwendige Wissen vermitteln,
um sie in die Lage versetzen zu können, selbstständig den Computer
als vielseitige Kommunikationshilfe zu nutzen.
Herr L. hatte bereits im vorigen Jahr den Umgang mit seinem Leseprogramm und
darüber hinaus Grundfunktionen des Textprogramms "Wordpad" erlernt. Kostenträger
für das Gerät und den Aufenthalt war die Siemens-Betriebskrankenkasse.
Der gesamte Stoff wurde durch Lormen (Tastalphabet) buchstabenweise vermittelt.
Sehr hilfreich für die Verständigung zwischen Herrn L. und mir sowie
anderen Personen, war ein Gerät, das mir die Firma Handy Tech für
die Schulung kostenlos zur Verfügung gestellt hatte. Es handelt sich
um das sog. "TABLI", ein mobiles Taubblindenverständigungsgerät.
Es besteht aus dem "Braille Wave/Braille Star" (40-stellige Braille-Zeile
und Notizgerät), einer angeschlossenen Laptop-Normalschrifttastatur und
einem Display. Hatte ich Probleme, Herrn L. zu verstehen, ließ ich mir
das von ihm Gesagte auf diesem Gerät in Blindenschrift schreiben. Es
ist ferner eine Verständigung sehender mit taubblinden Personen möglich,
da alles, was der Taubblinde auf der Blindenschrifttastatur schreibt, der
Sehende in Normalschrift auf dem Display lesen kann. Der Sehende kann dann
auf der Normalschrifttastatur antworten, dies wiederum kann der Taubblinde
auf der Braille-Zeile lesen. So war eine zusätzliche Kommunikation möglich,
ohne die es häufig nicht gegangen wäre, weil die Aussprache bei
Menschen, die ihre Stimme selbst nicht hören können und nie gehört
haben, manchmal kaum oder nur sehr schwer verständlich ist. Durch den
mobilen Einsatz konnte das Gerät im Speisesaal ebenso genutzt werden,
wie an jedem anderen Ort, an dem seine stationäre PC-Anlage nicht zur
Verfügung stand.
In einem zweiten Schritt stellte ich mich vom 11. bis 25.1. d.J. der Aufgabe,
Herrn L. in den Programmen "Outlook Express" und "Internetexplorer" auszubilden.
Die Maßnahme, die je zur Hälfte von der Siemens Betriebskrankenkasse
und der Finni-Straubinger-Stiftung finanziert wurde, umfasste die Themenkreise
"E-Mail" und das "Internet". Auch diese Schulung wurde von mir ehrenamtlich
durchgeführt.
Warum ich das hier berichte? Es soll eine Ermutigung für andere taubblinde
Menschen sein, nicht nur die Möglichkeiten eines Blindenlesesystems zu
nutzen, sondern auch ihre Kommunikation per E-Mail und bedingt durch das Internet
mit anderen Menschen wesentlich zu erweitern.
Die Erfahrungen der beiden Schulungen zeigen mir, dass die beschriebenen und
von Herrn L. erlernten Funktionen schon ein gut Stück weitere Freiheit
und Befreiung von einer von uns unvorstellbaren Isolation von der Außenwelt
darstellt und neue Selbstständigkeit und Integrität ermöglichen.
Gerne stehe ich für weitere Auskünfte zur Verfügung:
Tel.: (09 91) 9 91 25 50
E-Mail: info@werner-krausse.de
Werner Krauße
Der Gemeinsame Fachausschuss für Umwelt und Verkehr (GFUV) hat sich neu konstituiert und trat am 24. und 25.1. zu seiner ersten Sitzung in Bonn zusammen. Er ist wie folgt besetzt: DBSV: Wolfgang Schmidt-Block, Berlin (Leiter des Ausschusses), Hans-Peter Engel, Weißenthurm, Bernhard Claus, München; DVBS: (Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf): Jens Hellenschmidt, Bonn, Dr. Helmut Vollert, Schleswig; BOMBS: (Berufsverband der Rehabilitationslehrer/-innen für Orientierung und Mobilität für Blinde und Sehbehinderte): Petra Kieburg, Berlin; PRD: (Pro Retina Deutschland): Elke Lehning-Fricke, Berlin; VBS: (Verband der Blinden- und Sehbehindertenpädagogen und -pädagoginnen): Dietmar Böhringer, Stuttgart.
Die dringendste Aufgabe, mit der sich der Ausschuss terminbedingt sofort
zu befassen hat, ist die Erarbeitung einer Stellungnahme zu dem DIN-Entwurf
18030: Barrierefreies Bauen - Planungsgrundlagen -. Diese in Vorbereitung
befindliche DIN-Vorschrift soll die bisherigen DIN-Bestimmungen 18024, Teil
1 und 2 sowie 18025, Teil 1 und 2, ersetzen. Ein wichtiges und vorrangiges
Anliegen des Ausschusses wird es außerdem sein, die Sicherheit für
Blinde und Sehbehinderte im Straßenverkehr zu erhöhen. Ferner wird
der Ausschuss verstärkt den Kontakt zur Deutschen Bahn suchen, um das
Reisen per Bahn für Blinde und Sehbehinderte zu erleichtern, insbesondere
Erschwernisse, wie sie gegenwärtig in einzelnen Bereichen zu beobachten
sind, zu verhindern. Weiterhin ist zu überlegen und zu prüfen, auf
welchen Gebieten im Bereich Umwelt und Verkehr Zielvereinbarungen nach dem
Bundesgleichstellungsgesetz anzustreben sind. Schließlich sollte im
Jahre 2004 wiederum ein Wochenendseminar stattfinden.
Vorschläge und Anregungen hierfür sind uns bereits jetzt sehr willkommen.
Dr. Helmut Vollert
Dass Tandem nicht nur etwas mit Radfahren zu tun haben muss, ist Sprachkundigen bekannt, und wir wissen es seit dem ersten Tandem-Fallschirmsprung, spätestens aber seitdem das Projekt Tandem-Kids geboren worden war.
Vor der EXPO 2000 kreiert, gibt es im Jahr 2003 zehn Wochenendveranstaltungen
unter dieser Überschrift - also keine Eintagsfliege. Das integrationsfördernde
Projekt, getragen vom Blinden- und Sehbehindertenverein Mecklenburg-Vorpommern
e.V. bietet inhaltsreiche Begegnungen blinder, sehbehinderter und sehender
Jugendlicher.
Beim Berlinwochenende vom 21. bis 23.2. war die "Gegenwart" direkt betroffen,
denn sie war Bestandteil des Programms. Die 14- bis 16-Jährigen von der
Brandenburgischen Schule für Sehgeschädigte Königs Wusterhausen,
von der Blindenschule Berlin-Steglitz sowie von der Ev. Schule Berlin-Neukölln
wollten zum Abschluss am Sonntag die Redaktionsarbeit kennen lernen. Die eigentliche
Überraschung bestand darin, dass die Tandem-Kids selbst eine kleine Zeitung
herstellen durften. Das war möglich, weil die Agentur pusch:mann:schaft,
die die Schwarzschrift-"Gegenwart" und zahlreiche Publikationen des DBSV gestaltet,
ihr Büro für die jungen Leute geöffnet hatte und mehrere Mitarbeiter
beim Zeitungmachen assistierten. In kleinen Gruppen wurden Berichte über
Berlin-Erlebnisse des Wochenendes verfasst, digital aufgenommene Erinnerungsfotos
am Computer bearbeitet, Gestaltungsvorschläge diskutiert. Am Ende konnte
jeder das vierseitige Extrablatt mit nach Hause nehmen. Darin hielten die
"Projektjournalisten" ihre Eindrücke vom Besuch der "Berlin-Ausstellung",
von einem Stadtrundgang sowie vom Essen im Dunkeln im Restaurant Nocti vagus
fest. Dieses Dunkelrestaurant hat sich inzwischen recht gut auf junge Gäste
eingestellt (Malen, Bauen mit Legosteinen und Vorlesen einer Gruselgeschichte)
und bietet auf Wunsch auch einfache Gerichte zu vertretbaren Preisen.
Die "Gegenwart" und weitere DBSV-Publikationen fanden bei den Jugendlichen
und ihren Betreuern reges Interesse. Absolut cool fanden die Jungs aus Königs
Wusterhausen die DAISY-"Gegenwart", nicht zuletzt das schnelle Aufspüren
interessanter Angebote im Anzeigenteil. Probeexemplare wollen sie anderen
weitergeben. Die sehenden Schüler beschäftigten sich "ganz nebenbei"
mit der Punktschrift.
Bei der Verabschiedung meinten einige, jetzt müsste es eigentlich erst
richtig losgehen, denn nach den beiden Tagen wüssten alle, wie sie aufeinander
zugehen könnten, wo gegenseitige Hilfe angebracht sei und was man vom
Anderen erwarten könne. Ob der Austausch von Telefonnummern und Adressen
zu weiteren Kontakten führt, bleibt abzuwarten.
Projektleiterin Edith Schmitt ist mit dem Erreichten mehr als zufrieden, denn
ganz selbstverständlich ist der unbefangene Umgang zwischen blinden und
sehenden Jugendlichen ja nicht. Tandem-Kids hat in den letzten drei Jahren
aber schon viel zu einer solchen Normalität beigetragen.
Dr. Thomas Nicolai