Ausgewählte Beiträge der Gegenwart 04 / 04

Inhaltsverzeichnis

Editorial
Ein Europäisches Jahr reicht nicht

Blindengeld

Kontrovers

Konferenz
Viel Verständnis, kaum verbindliche Zusagen

Leserpost

In Kürze

Aus aller Welt

Im Beruf
Behinderte in Arbeit

Kultur

Kunst
"Der Ort, an dem Prinzessinnen gewaschen werden"

Rehabilitation
Ganzheitliches Sehen

Medien
Der DaisyLeser Version 1.0

Sport

Aus den Ländern

Persönliches

Unterwegs

Rätsel

Schmunzelecke

Serie
Blinde Musikerpersönlichkeiten - Jacob van Eyck

Beilage

Anzeigen

Zu unserem Titelbild:
An der Demonstration gegen die Kürzung des Blindengeldes in Bayern nahmen 2500 Menschen teil.

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Editorial

Ein Europäisches Jahr reicht nicht

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Kampagnen beginnen und enden; behinderte Menschen bleiben. Und was bleibt vom Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen (EJMB)? Mitte Februar zog man auf einer zweitägigen Konferenz in Berlin Bilanz des EJMB. Und diese Bilanz fällt - je nach Standpunkt des Betrachters - recht unterschiedlich aus, wie wir einem Beitrag von Keyvan Dahesh in dieser Ausgabe entnehmen.

Schon bei der Pressekonferenz ging es angesichts drastischer Auswirkungen von auf Einsparungen zielende Reformen kontrovers zu. Wer die Schuhgröße 48 braucht passt nun mal nicht in eine 38. Wenn die behindertenpolitische Zielstellung "Selbstbestimmung und Teilhabe" heißt, müssen auch die Voraussetzungen dafür vorhanden sein.

Der DBSV wird sich neben dem permanenten Kampf um die Sicherung des Blindengeldes verstärkt einbringen müssen, wenn die Interessen blinder und sehbehinderter Menschen bei wichtigen Vorhaben gebührende Beachtung finden sollen. Das wird insbesondere notwendig sein im Hinblick auf das nun wohl doch zu Stande kommende Antidiskriminierungsgesetz, beim Entstehen eines Kompetenzzentrums der Behindertenselbsthilfe sowie bei der Ausgestaltung und Verwirklichung eines Teilhabeplanes, ausgehend vom Vorschlag der EU-Kommission für einen Aktionsplan zur Förderung der Chancengleichheit von Menschen mit Behinderungen.

Die Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe sollte eine Forderung des EJMB zu ihrem unumstößlichen Grundsatz machen: "Nichts über uns ohne uns".
Ihr Dr. Thomas Nicolai  

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Blindengeld

"Hände weg!"

2500 Menschen demonstrierten in München

"Hände weg vom Blindengeld!" - das war der am meisten skandierte Slogan bei der Abschlusskundgebung zur Demonstration gegen die beabsichtigte 15-prozentige Kürzung des bayerischen Blindengeldes, von derzeit 585 Euro auf 497,25 Euro pro Monat. Dies entspricht 1053 Euro im Jahr.

Zur Demonstration am 14. Februar hatte der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund (BBSB) aufgerufen und rund 2500 Menschen, blinde und stark sehbehinderte mit ihren sehenden Begleitungen, waren diesem Ruf gefolgt. Sie kamen aus allen Regionen Bayerns und auch aus vielen anderen Bundesländern. Selbst aus dem hohen Norden aus Hamburg und aus Bremen waren blinde Menschen angereist, um den bayerischen Freunden ihre Solidarität zu bekunden.

Von der Theresienwiese bis hin zum Odeonsplatz bewegte sich der etwa 800 m lange Demonstrationszug durch die Stadt. Nicht nur die regionale Vielfalt war bemerkenswert. Neben recht flott daher marschierenden jüngeren Langstockgängern waren auch auffallend viele ältere Menschen zu sehen, denen das Gehen zum Teil schon sichtlich Mühe bereitete. Es waren aber auch Eltern mit ihren blinden Kindern gekommen und auch einige mehrfachbehinderte blinde und sehbehinderte Menschen.

Judith Faltl, die Landesvorsitzende des BBSB, hob in ihrer Ansprache auf dem Odeonsplatz hervor, welche Einschränkungen blinde Menschen hinnehmen müssen, wenn das Blindengeld so drastisch gekürzt wird - z.B. die so notwendigen sehenden Begleitpersonen, die ein blinder Mensch zum Arzt, zu Behördengängen oder auch zum Spazierengehen braucht, können nicht mehr bezahlt werden. Ebenso wenig die Haushaltshilfe und auch die Taxifahrten. Sie betonte ferner, dass der BBSB die Demonstration auch und gerade wegen der vielen Betroffenen durchführe, die sich aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters oder ihres schlechten Gesundheitszustandes nicht mehr wehren können.

Dr. Herbert Demmel, BBSB, ging besonders auf die Bedeutung des Blindengeldes als "elementare Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben" blinder Menschen ein. Er prangerte an, dass die beabsichtigte Kürzung nicht konform mit der Bayerischen Verfassung gehe, nach deren Artikel 118a behinderten Menschen ein gleichberechtigtes Leben in der Gemeinschaft ermöglicht werden müsse. Dr. Demmel rief die Fraktionen aller Parteien des Bayerischen Landtags auf, entsprechend dem Geist des Artikels 118a der Bayerischen Verfassung die geplante Kürzung des Blindengeldes nach dem Bayerischen Blindengeldgesetz abzulehnen.

Mit kämpferischen Worten stellte er außerdem heraus, dass die Politik die einzelnen Behindertengruppen nicht gegeneinander ausspielen dürfe, indem sie behaupte, durch die Kürzung des Blindengeldes werde eine "Gerechtigkeitslücke" geschlossen. Selbstverständlich haben auch Menschen mit anderen Behinderungen, z.B. gehörlose und geistig behinderte Menschen, einen Anspruch auf den Ausgleich behinderungsbedingter Mehraufwendungen. Hier sei die Politik aufgefordert, endlich zu handeln.

"Will Bayern wieder in der Champions League spielen?", fragte Jürgen Lubnau, Präsident des DBSV. Er hält die geplante Blindengeldkürzung nicht nur für ungerecht und unsozial, sondern sogar für willkürlich, habe doch der Bundesgesetzgeber gerade in seinem Sozialgesetzbuch XII (SGB XII) den Betrag mit dem der blindheitsbedingte Mehraufwand zu decken sei, auf mindestens 585 Euro festgesetzt. Der Bundesrat, also auch Bayern, habe diesem Gesetz zugestimmt.

Als Vertreter des Sozialverbandes VdK sprach dessen Vorstandsmitglied Joachim Werner (MdL) und stellte fest, dass der VdK Sozialabbau auf Kosten der Schwächsten ablehne. Werner betonte auch, dass der VdK die Aktionen des BBSB stets unterstützt habe und bei eigenen Veranstaltungen auf die ungerechten Kürzungspläne eingegangen sei.

Reinhard Kirchner, Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft "Hilfe für Behinderte" in Bayern, sah in seinem Grußwort gar den viel gerühmten Paradigmenwechsel gefährdet, demzufolge behinderte Menschen gleichberechtigte und aktive Bürger in der Gesellschaft sein sollen. Dies sei auch Tenor im "Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen 2003" gewesen.

Christian Seuß, Landesgeschäftsführer des BBSB, schloss die Kundgebung mit herzlichem Dank für die gezeigte Solidarität innerhalb und außerhalb Bayerns und dankte ganz besonders den sehenden Menschen für ihre Unterstützung sowohl als Begleiter während der Demonstration als auch als sehende Begleiter im Leben blinder Menschen.

Begleitet von den "Blinde Musiker München" endete die Demonstration mit einem gemeinsamen Lied auf die Melodie "Theo spann den Wagen an": "Wehrt euch, leistet Widerstand gegen den Sozialabbau im Land. Schließt euch fest zusammen, schließt euch fest zusammen."
Elke Schaafhausen

Wende an der Weser

Einige Gründe, warum es in Bremen gelang, das Blindengeld zu erhalten:

Dass wir es in Bremen nicht nur geschafft haben, das Blindengeld zu erhalten, sondern auch um weitere Kürzungen herumgekommen sind, erfüllt uns in der zweitgrößten Hansestadt der Republik mit Freude, aber auch ein wenig mit Stolz. Dabei wissen wir indes sehr genau, dass wir auch immens viel Glück bei diesem Ausgang des Konflikts gehabt haben. Es ist nötig, über die Folgen aus unseren Erfahrungen nachzudenken; denn keiner soll glauben, mit den Kürzungsstürmen, wie sie im letzten Jahr durch die Länder gefegt sind, sei das Problem nun auf längere Zeit beerdigt. Um so wichtiger ist neben einer langfristigen Strategie zur Erhaltung des Blindengeldes, wie sie auf der Tagung des DBSV in Osterode Ende Januar 2004 beraten worden ist, die Auswertung der verschiedenen Erfahrungen aus den letzten Monaten.

Die schlechte Ausgangslage

In Bremen regiert seit Langem eine Große Koalition aus SPD und CDU. Das Land Bremen gehört seit Mitte der 90er Jahre zu den Haushaltsnotlageländern, dessen Finanzsituation an Dramatik nur noch knapp zu überbieten ist. Die nach der Bürgerschaftswahl im Mai 2003 verabschiedeten Kürzungspläne sahen und sehen drastische Einschnitte bei viel stärkeren Interessengruppen als den blinden und sehbehinderten Menschen vor. Die Stadt besitzt in Henning Scherf eine weitgehend unumstrittene Führungsperson. Im Gefolge dieser Situation verhalten sich auch die Bremer Medien entsprechend unterwürfig. viele Ansatzpunkte zu einer erfolgreichen Gegenstrategie waren da nicht leicht zu sehen.

Einige Gründe, warum es dennoch geklappt hat, will ich benennen:

1. Hilfeleistungen der Bundesebene

Schon nach der großen Demonstration in Bremen aus dem Jahr 2001 war angeregt worden, eine Art spezialisierter Eingreiftruppe für Blindengeldkonflikte zu schaffen. Sie sollte zwei Aufgaben erfüllen: einerseits die Landesverbände in aktuellen Blindengeldkonflikten beraten, andererseits konzeptionelle Überlegungen zur Weiterentwicklung des Blindengeldes vorlegen. Leider kam die Task force Blindengeld, wie wir sie als "schnelle Eingreiftruppe" nannten, erst recht spät, nämlich erst 2003, auf die Beine, als die Konflikte sich schon wieder zuspitzten. Auch deshalb wurde sie sehr schnell aus einer fast ausschließlich aus Juristen bestehenden Gruppe um die Öffentlichkeitsarbeiter von DBSV, DVBS und Deutscher Blindenstudienanstalt erweitert.

Wir in Bremen haben die Unterstützung durch die Task force als sehr hilfreich empfunden und gern in Anspruch genommen. Ihre Hilfe war für den kleinen BSV Bremen, der über keine hauptamtliche Geschäftsführung verfügt, außerordentlich wichtig. So konnten über Mitglieder der Task force ein erstes Flugblatt entworfen und produziert, das Anschreiben aller Abgeordneten der Bürgerschaft organisiert, die Internetplattform "Augen auf in Bremen" eingerichtet und der Blindfisch als Erkennungssymbol für unser Anliegen konzipiert werden.

Dass sich andere Bundesländer der Task force nicht in gleicher Weise als Ideengeber bedient und deren Erfahrungen nicht ausgewertet haben, halte ich für bedauerlich. Konflikte um das Blindengeld sind zu wichtig, als dass man sie allein durchstehen sollte.

2. Setzen auf Öffentlichkeitsarbeit und die Hilfe von Medienprofis

Bis zum Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts (und teilweise noch darüber hinaus) bestand bei Gefährdungen des Blindengeldes die Strategie, sie durch Gespräche mit einflussreichen Sozialpolitikern und -politikerinnen in der Regierung oder mit wichtigen Ministerialbeamten abzuwehren. Das funktionierte nach dem Motto: "Ich werde dem Staatssekretär unsere Anliegen schon erläutern." Dieses Verfahren war damals immer erfolgreich. Ich halte es heute als ausschließliches Vorgehen für praktisch aussichtslos. Es hätte auch in Bremen mit Sicherheit nichts gebracht. Drei der wahrscheinlichen Gründe dafür will ich benennen: Einmal haben Sozialpolitikerinnen und -politiker heute einen viel geringeren politischen Einfluss als noch vor 10 oder 20 Jahren. Zum anderen werden sie von immer mehr Anspruchstellern umzingelt, die für ihre gerechte Sache werben. Und schließlich hat in den rauer werdenden Zeiten auch ihr Mitgefühl gelitten.

Folgerung daraus kann nur sein, heute Blindengeldkämpfe auf zwei Ebenen zu führen: Die eine Ebene bleibt das Gespräch mit einflussreichen politischen Persönlichkeiten; denn - auch wenn man es manchmal schon gar nicht mehr glauben mag - Politik wird immer noch von Menschen und nicht von Robotern gemacht, die man gelegentlich (noch) davon überzeugen kann, dass ihre Kürzungsvorschläge sozial unausgewogen und damit ungerecht sind. Hinzu kommen muss aber heute eine Strategie des öffentlichen Drucks auf Politik. Lange haben sich die Blindenverbände gescheut, auf diesem Klavier zu spielen, aus Angst, wir könnten den Sozialneid wegen unserer letztendlich guten Versorgung gegenüber anderen Behindertengruppen hervorrufen und weil sie befürchteten, unbedachte Äußerungen einzelner blinder Menschen könnten der Sache insgesamt schaden. Unsere Bremer Erfahrungen sagen mir: Es geht heute nicht mehr ohne diese "Veröffentlichung" unserer Situation und unserer Bedürfnisse. Die genannten Gefahren müssen wir schlicht in Kauf nehmen, und - jedenfalls in Bremen - haben sie sich auch nicht verwirklicht. Zu einer solchen Öffentlichkeitsarbeit gehört auch ein wenig Mut und Lust zur Provokation, wie es uns mit der Verleihung des Großen Blindfischordens an Bürgermeister Scherf bei der Eröffnung der Sommeruniversität für behinderte Menschen im Juli vergangenen Jahres gelungen ist.

Eine derartige Öffentlichkeitsarbeit ist gleichwohl eine durchaus riskante Strategie. Es kann nämlich sein, dass man zu einem falschen Zeitpunkt zu viel oder zu wenig tut und dass auch die beste Öffentlichkeitsarbeit wegen anderer die Medien mehr interessierender Ereignisse plötzlich verpufft.

Um solche Gefahren so gering wie möglich zu halten, war es für uns sehr hilfreich, in der zweiten Phase unserer Auseinandersetzung ab Ende September 2003 auf professionelle Medienhilfe zurückgreifen zu können. Nicht nur kannten unsere Kooperationspartner die wichtigen Journalisten persönlich. Sie konnten auch besser als wir abschätzen, wann welche Aktion von den Medien aufgegriffen werden würde. Dass dafür ebenso wie für die gesamte Kampagne auch Geld investiert werden muss, halte ich für eine Selbstverständlichkeit. Aber wo wären unsere Finanzmittel besser eingesetzt als zur Erhaltung des Blindengeldes!

3. Informieren mittels einer Internetplattform

Das Internet bietet heute die Möglichkeit, erheblich mehr Menschen persönlich anzusprechen. Diese Kanäle müssen auch von uns genutzt werden. Wir haben das schon 2001 getan, als wir viele blinde Menschen aufforderten, sich an einer Umfrage der Bremer Tageszeitung "Weser-Kurier" zu beteiligen. 2003 haben wir dann die Internetplattform "Augen auf in Bremen" geschaffen, die wir auch bei länger andauerndem Konflikt noch weiter aktiviert hätten. Hier gibt es sowohl Informationsmaterial über den aktuellen Konflikt, aber auch darüber, was uns das Blindengeld bedeutet und wofür wir es brauchen. Hier wäre auch der Ort für die geplante Unterschriftenaktion gewesen, ähnlich wie Berlin und Bayern sie praktiziert haben.

4. Schmieden eines Aktionsbündnisses

Wir haben in Bremen ganz bewusst unsere Aktionen nicht so sehr als solche des BSV Bremen herausgestellt, sondern betont, dass es sich um ein Aktionsbündnis zur Erhaltung des Blindengeldes handelt. Das hat in meinen Augen mehrere Vorteile: Vereine geraten ähnlich wie Gewerkschaften oder andere Interessenverbände heute sehr schnell in Misskredit. Man wirft ihnen bornierte Vertretung von Einzelinteressen ohne Blick auf die gesamtgesellschaftliche Situation vor und kann sie und ihr Anliegen dadurch sehr schnell verunglimpfen, ohne sich mit ihren inhaltlichen Positionen überhaupt auseinander zu setzen. Demgegenüber kommt ein Aktionsbündnis aus der Mitte der Gesellschaft, stellt sich als offen dar und entgeht der Gefahr der Verkrustung dadurch, dass es sich nur für einen Zweck zusammenschließt. Endlich zieht es auch Personen an, die sich potenziell nicht zu einem unserer Vereine hingezogen fühlen. Entsprechend haben wir in Bremen die Erfahrung gemacht, dass unsere Pressemeldungen als Aktion "Augen auf in Bremen" teilweise erheblich mehr Verbreitung gefunden haben als Presseerklärungen des BSV Bremen.

Wäre der Konflikt weiter gegangen, hätten wir auch sehr stark auf Öffentlichkeitsarbeit durch prominente Bremer und Bremerinnen gesetzt. Sie sollten es nach unseren Vorstellungen sein, die unsere Unterschriftenaktion als Erstunterstützer angeführt hätten. Unsere Erwartung war, dadurch einen Sogeffekt zu erzielen und auch bei unseren Gegnern Verunsicherung zu schaffen. Vielversprechende Kontakte zu prominenten Bremern und Bremerinnen aus Politik, Kultur und Wissenschaft waren bereits geknüpft.

Der Offenheit für andere Vereine und Personen entspricht es, die Leitung der Kampagne nicht zwingend dem Vorstand unseres Verbandes zu übertragen. Selbstverständlich muss er in die Aktionen eingebunden sein und sie auch billigen. Aber es gilt in solchen Krisensituationen auch, die Kräfte aller an Blindheit interessierten Personen und Gruppen zu bündeln, sei es nun eine Blinden- oder Sehbehindertenschule, eine karikative Einrichtung oder eine andere Organisation, die keine oder keine reine Selbsthilfeorganisation ist usw.

Wir haben uns in Bremen entschlossen, einen aktiven Unterstützerkreis für unsere Arbeit zu schaffen, der etwa 12 Mitglieder hatte und sich zwischen September und November 2003 alle zwei Wochen getroffen hat, um weitere Aktionen zu besprechen und Verantwortlichkeiten abzustimmen. So wurde die Arbeit nicht nur auf mehr Schultern verteilt. Die Mitglieder dieser Gruppe waren auch Multiplikatoren in ihre Verbände und Vereine hinein. Diese Öffnung hat unseren Aktionen sehr gut getan und gleichzeitig die Macher an die Basis zurückgebunden.

5. Einsatz von Aktionsmitteln

Ob eine Kampagne hehre sozialpolitische Ziele verfolgt oder nur ein Waschmittel in die Waschmaschine bringen möchte, sie braucht Aktionsmittel, die in der Öffentlichkeit wieder erkannt werden. Dazu fiel Mitgliedern der Task force der "Blindfisch" ein. Die Vorzüge dieser Figur sind unbestreitbar: Der Blindfisch ist witzig-ironisch. Er ist quasi Geschlechtsneutral. Man kann ihm fast jede Sprechblase zwischen die Kiemen legen, und er kann, wenn man ihn richtig darstellt, einen hohen Wiedererkennungsgrad erreichen. Schade, dass andere Landesverbände, auch wenn sie nicht an der Küste liegen, diese Möglichkeiten nicht genutzt haben!

6. Durchhalten einer mehrmonatigen Kampagne mit Verunsicherung der Gegenseite

Unsere Arbeit in Sachen Blindengeld dauerte von Anfang Juni bis Mitte November 2003. Das sind ca.5 Monate, in denen unzählige Gespräche geführt, Telefonkonferenzen der Task force abgehalten, Aktionen geplant, verworfen oder geändert und durchgeführt wurden, in denen Medienauftritte vorbereitet werden mussten, Rundfunk- und Fernsehinterviews zu geben waren und deren Wirkung ausgewertet wurde. Außerdem waren die Mitglieder der Vereine und die uns nahe stehenden Gremien zu unterrichten und um Unterstützung zu bitten. Durchhalten lässt sich das nur, wenn die oben beschriebenen Voraussetzungen gegeben sind, vor Ort genügend hohes Engagement besteht und man sich trotz allen Ernstes der Lage auch einen Anteil Humor und Lust an Provokation und Kampfgeist erhält. Bei einem guten Team - und das waren wir, so glaube ich, sagen zu dürfen - verlässt nicht alle im gleichen Moment die Lust und die Hoffnung. Deshalb kann man sich gegenseitig wieder auf die Beine helfen und gemeinsam weitermachen.

Auf der Gegenseite hat unser Beharrungsvermögen und unsere bewusste Unberechenbarkeit zu einer gewissen von uns beabsichtigten Verunsicherung geführt. Wir haben uns stets bemüht, mit Überraschungseffekten zu arbeiten. Ein kleines Beispiel soll das verdeutlichen: Am 15. Oktober, dem Tag des Weißen Stockes, sind wir nicht zur Sozialsenatorin gepilgert (womit sie vielleicht gerechnet hatte), sondern haben uns zum Finanzsenator begeben, um ihn in den Konflikt hineinzuziehen und zu erläutern, dass das Einsparpotenzial bei Abschaffung des Blindengeldes verhältnismäßig gering ist. Verunsicherung lässt sich auch gut dadurch erzeugen, dass man sich sehr genau überlegt, wann man eine Auseinandersetzung verschärft, am besten bei repräsentativen Veranstaltungen, wo die Verantwortlichen sich eher gefeiert als kritisiert sehen möchten.

Fazit: Ich hoffe, dass meine Ausführungen auch detaillierte Beschreibung des Konfliktablaufes in Bremen genügend Anregungen für diejenigen gegeben haben, die einen Blindengeldkonflikt noch vor sich haben.
Uwe Boysen

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Konferenz

Viel Verständnis, kaum verbindliche Zusagen

Die Bilanz des Jahres der Menschen mit Behinderungen fällt mager aus.

Sigrid Arnade muss oft um ihre Flugreisen kämpfen. Viele Gesellschaften weisen die Rollstuhlfahrerin ab, weil sie keine Begleitperson hat oder weil sie einen medizinischen Fragebogen, den sie als unsinnig und diskriminierend ansieht, nicht ausfüllen will. Einmal wurde die Journalistin erst mitgenommen, als sie am Check-In um ein Telefon bat, um ihren Auftritt im Fernsehmagazin "Panorama" abzusagen.

Über Erschwernisse, die sie trotz des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) vor allem auf Reisen erleben, berichteten Behinderte bei der Bilanz- und Perspektivtagung der Bundesregierung zum abgelaufenen "Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen" in Berlin. Die Belange behinderter Menschen könnten durch Zielvereinbarungen zwischen ihren Verbänden und den Luftverkehrsgesellschaften geregelt werden, heißt es im BGG. Doch da sich die Unternehmen bislang um solche Vereinbarungen gedrückt hätten, solle aus der Kann- eine Mussbestimmung werden, forderten die Behinderten. Obwohl damit lediglich Empfehlungen der europäischen Luftfahrtvereinigung von 2001 bindend gemacht werden würden, blieben Bundestagsabgeordnete und Vertreter des Verkehrsministeriums die Antwort schuldig.

Kritik bekam auch das Justizministerium ab, weil es die EU-Antidiskriminierungsrichtlinie noch nicht in deutsches Recht umgesetzt hat.

Ein Referatsleiter bemerkte, behinderte Menschen trügen mit Schuld an der Verzögerung der Umsetzung, "weil sie auch in das Gesetz aufgenommen werden möchten". Diese von der Versammlung als diskriminierend empfundene Äußerung bedauerte die Sprecherin des Bundesjustizministeriums Eva Schmierer später als "missverständlich".

Die Leiterin der Bahn-Kontaktstelle für Menschen mit Behinderungen, Ellen Engel, kündigte an, künftig werde Bahn-Personal ständig im Umgang mit den Schwierigkeiten Behinderter bei Reisen geschult. Viel Verständnis, aber ebenfalls keine Zusage erntete die Forderung, Informationen im öffentlichen Verkehr sollten über Lautsprecher angesagt und in gut erkennbarer Schrift angezeigt werden.

Erfahrungen gehandicapter Menschen will die Bundesregierung laut ihrem Behindertenbeauftragten, dem SPD-Bundestagsabgeordneten Karl Hermann Haack, in einem neuen Kompetenzzentrum bündeln. Die behinderten Menschen sollen bei der Gesetzgebung und in Gremien wie dem Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen als Experten in eigener Sache auf Augenhöhe darüber verhandeln.

Eine Tendenz zur Einschränkung der Menschenwürde bei Behinderten beklagte die Vizechefin der Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung, Ingrid Körner. Ihre geistig behinderte Tochter, gelernte Gastronomiehelferin, schüttelt "verständnislos ihren Kopf und winkt mit ihren Steuer- und Sozialversicherungskarten, wenn bei Diskussionen Wissenschaftler behinderten Menschen wie ihr das Lebensrecht bestreiten", erklärte Körner. Betroffene hätten oft den Eindruck, sie müssten sich für ihre Existenz rechtfertigen. "Deshalb lehnen wir alles ab, was zur Selektion und Aussonderung dieser Menschen beitragen könnte", betonte Körner, "dazu gehören die Präimplantations- und Pränataldiagnostik." Jeder habe das Recht, sich ein gesundes Kind zu wünschen. "Aber die Betonung des Rechts auf gesunde Kinder beeinträchtigt das Lebensrecht von Kindern mit Behinderungen", sagte Körner im Namen des Deutschen Behindertenrates.
Keyvan Dahesh

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In Kürze

DZB aktuell

Gemeinsam mit dem Landeshilfsmittelzentrum (LHZ) des BSV Sachsen und der Multitech gGmbH ist die Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig auf der vom 12. bis 14.5. in Frankfurt a. M. stattfindenden Messe SightCity.

DAISY ist Schwerpunkt der DZB-Präsentation. Vorgestellt werden neue Hörbücher, die Zeitschriften "DZB-Nachrichten" und "Leipziger Bücherliste" auf CD-ROM und das neue deutschsprachige Abspielprogramm DaisyLeser, welches in der DZB entwickelt wurde.

Das LHZ stellt vor allem elektronische Alltagshilfen aus, die Multitech gGmbH Punktschriftmaschinen. Darüber hinaus gibt es am Stand natürlich jederzeit Informationen zum gesamten Angebot von Verlag und Bibliothek aus Leipzig sowie zu den Angeboten des LHZ und der Multitech Dresden.

Berufsbilderdatenbank im Aufbau

EU-Luxor ist eine Eigeninitiative, die sich mit zukünftigen beruflichen und gesellschaftlichen Perspektiven für blinde und hochgradig sehbehinderte Menschen in Europa beschäftigt. Das Projekt richtet u.a. eine Berufsbilderdatenbank ein, die für blinde und hochgradig sehbehinderte Arbeitssuchende als Kommunikations- und Informationsquelle dienen soll. Die Datenbank wird in Form von Visitenkarten aufgebaut, sodass auf diese Weise persönliche Erfahrungen weitergegeben werden können. Gesucht werden blinde und hochgradig sehbehinderte Berufstätige, die bereit wären, ihre Berufsbilder in diese Datenbank eintragen zu lassen. Personen, die mitwirken wollen, erhalten vom Projekt einen Fragebogen zugesandt (in der Regel per E-Mail).

Weitere Information über EU-Luxor im Internet: www.eu-luxor.org

3. Internationaler Forschungspreis

Die spanische Blindenorganisation ONCE schreibt zum dritten Mal den internationalen Forschungspreis in Biomedizin und zur Entwicklung neuer Technologien für Blinde und Sehbehinderte aus. Gefördert werden wissenschaftliche Studien und technische Entwicklungen, die einen wesentlichen Beitrag zur Integration von blinden und sehbehinderten Menschen in die Gesellschaft leisten. Einsendeschluss ist der 31.05.2004.

Nähere Informationen unter
Burson-Marsteller GmbH & Co. KG
Sybille Homann
Untermainkai 20, 60329 Frankfurt a. M.
Tel.: (0 69) 2 38 09-35
E-Mail: Sybille_Homann@de.bm.com
Ausführliche Informationen unter www.once.es/R+D

Angebot und Aufruf zur Mitarbeit

Das Würzburger Institut für Humangenetik plant ein Forschungsprojekt zur Zapfen-Stäbchen-Dystrophie (ZDS). Allerdings besteht nur dann Aussicht auf Durchführung des Projekts, wenn eine ausreichende Zahl geeigneter Familien gefunden wird, die sich hierfür zur Abgabe einer Blutprobe z.B. bei ihrem Hausarzt bereit erklären. Das Projekt soll einen wichtigen Beitrag zur Ursachenforschung bei dieser Erkrankung leisten. Eine besondere Hürde für dieses ZDS-Forschungsprojekt besteht darin, dass im Projekt Blutproben von eindeutig betroffenen und eindeutig nicht betroffenen Personen aus ZDS-Familien untersucht werden sollen, wobei mindestens 2 bis 3 betroffene und ebenso viele nichtbetroffene Familienmitglieder vorkommen sollten.

Falls in Ihrer Familie diese Bedingungen möglicherweise gegeben sind und Sie eine Unterstützung des Projekts durch eine Blutprobe erwägen, bitten wir möglichst umgehend um telefonische Kontaktaufnahme unter Tel.: (09 31) 8 88- 4084, Frau Bendig.

Wir teilen Ihnen dann gerne weiter Einzelheiten mit.

FC St. Pauli für die Ohren

Ab März gibt es nun auch beim FC St. Pauli eine Spielbeschreibung für blinde und sehbehinderte Fußballfreunde. Es stehen max. 20 Plätze zur Verfügung.

Wer Interesse an einer Teilnahme hat, wendet sich an den
Veranstaltungsorganisationsleiter des FC St. Pauli
Sven Brux
Tel.: (0 40) 31 78 74 24
E-Mail: sven.brux@fcstpauli.de

Fahrschulen und blinde Passagiere

Am 09.05. ist es wieder so weit: Auf dem Flugplatz in Waldpolenz kann man wieder "abheben".

Rund 150 blinde und sehbehinderte "Fahrschüler" waren im vergangenen Jahr der Einladung gefolgt, 20 Fahrschulen unter Leitung von Andreas Grünwald, Bezirksvorsitzender des Landesverbandes Sächsischer Fahrlehrer e.V. waren dabei, und die Veranstalter hoffen auf ähnliche Resonanz.

Teilnehmermeldungen sind zu richten an:
BSV Sachsen e.V.
Kreisorganisation Muldental
Markt 1, 04683 Naunhof
Tel.: (03 42 93) 4 21 49
Zwischen dem Bahnhof Brandis und dem Flugplatz Waldpolenz wird wieder ein Bustransfer eingerichtet.

Dialog im Dunkeln

Von Januar bis Dezember 2004 findet in Leipzig auf der Alten Messe/Halle 14 der Dialog im Dunkeln statt. Blinde und sehbehinderte Guides führen das Publikum in kleinen Gruppen von bis zu 10 Personen durch die lichtlosen Erlebnisräume. Die Vorzeichen sind gedreht: die blinden Begleiter sind in der Dunkelheit sehend, während die im Alltag sehenden Besucher blind sind.

Nähere Informationen und Anmeldung unter
Tel.: (03 41) 96 28 63-0
E-Mail: dialog@kulturpunkt13.de
Weitere Informationen unter www.ausstellungen-leipzig.de

Sport und Begegnung in Saulgrub

31.07. - 07.08. Familienfreizeit mit mehrfachbehinderten Kindern

07.08. - 14.08. Familienbegegnung

28.08. - 04.09. Reiten für Erwachsene

04.09. - 11.09. Bergwandern in höheren Lagen

11.09. - 18.09. Sehbehindert - Blind - so lebe ich damit

18.09. - 25.09. Bergwandern in mittleren Lagen

Neu: AURA-Hotel Saulgrub auf Kassette: kostenlos erhältlich ist die Kassette Urlaub für die Sinne, die Informationen über das Haus und die nähere Umgebung gibt.

AURA-Hotel Saulgrub
Kur- und Begegnungszentrum Saulgrub
Alte Römerstr. 41-43, 82442 Saulgrub
Tel.: (0 88 45) 99-0
E-Mail: saulgrub@bbsb.org
Internet: www.bbsb.org

Information, Aktion und Erlebnisse in Bad Liebenzell

"Den Schwarzwald hautnah erleben - auf Tuchfühlung mit Mühlengeistern und Bollenhut" vom 08. bis 15.08.

Eine Kunsthistorikerin führt in die volkskundlichen Hintergründe der Schwarzwälder Geschichte ein.

Das gemeinsame Backen einer Schwarzwälder Kirschtorte sowie das Tonen von Sagenfiguren sollen das Erlebte auf erholsame Weise reflektieren.

Vom 29.05. bis 03.06. kann man eine Wohlfühlwoche in BAL'i buchen. Yoga, Kosmetikbehandlung, Massagen, Schmink- und Hautreinigungskurse sowie gemeinsame Aktionen und Ausflüge werden alles bieten, was Frau braucht um sich pudelwohl zu fühlen.

Spezielle Angebote gibt es zum Bad Liebenzeller Jazzsommer.

Nähere Informationen zu allen Angeboten unter
Tel.: (0 70 52) 9 20 40
Internet: www.rudolf-kraemer-haus.de

Lehrgang Orientierung und Mobilität

Vom 14. bis 27.11. bietet IRIS einen Intensivlehrgang für Orientierung und Mobilität für speziell Usher-Typ-I-Betroffene oder andere Personen an. Vom 21. bis 04.12. für RP- und Uhser-Betroffene. Die erste Woche findet jeweils in Timmendorfer Strand, die zweite Woche in Hamburg statt.

Qualifizierte, erfahrene Mobilitätslehrerinnen, begleitet von professionellen Dolmetschern, vermitteln Orientierungsstrategien, die Handhabung des Langstockes und eventuell den Einsatz von optischen Hilfen. Die Vermittlung findet im Einzelunterricht statt.

Nähere Informationen und Anmeldung beim
Institut für Rehabilitation und Integration Sehgeschädigter (IRIS)
Bachstr. 30, 22083 Hamburg
Tel.: (0 40) 2 29 30 26
E-Mail: iris-ev@hamburg.de

Fastenseminar in Österreich

In Zusammenarbeit mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband Steiermark und einem ausgebildeten Fastengruppenleiter findet vom 23.04. bis 02.05. ein erstes Fastenseminar am Stubenberger See statt.

Nähere Informationen und Anmeldung bei
Alexander Graffi
Tel.: (00 43) 67 66 19 13 91
E-Mail: xander@fastenfueralle.com
Internet: www.fastenfueralle.com

Behindertengerechter Wanderweg

Der blinden- und sehbehindertengerechte Wanderweg in Schleiz/Thüringen Park Heinrichsruh ist ein ca. 3 km langer Rundwanderweg mit verschiedenen Stationen. Anhand von Blindenschrifttafeln kann sich der nichtsehende Besucher einen Überblick über die Pflanzenwelt verschaffen.

Nähere Informationen bei
Ökoland Landschaftsgestaltung e.V.
Heinrichsruh 10, 07907 Schleiz
Tel.: (0 36 63) 40 10 24

Ferienwoche Harmonie

Die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs lädt herzlich zu einer Ferienwoche in das Blinden-Erholungsheim "Harmonie" in St. Christophen bei Neulengbach in Niederösterreich ein. Gedacht ist an ein Gruppen-Arrangement. Eine Woche Halbpension überwiegend in Einbettzimmern und dazu ein abwechslungsreiches Besichtigungs-Programm mit einem Mitglied der Hilfsgemeinschaft als ortskundigen Begleiter.

Nähere Informationen bei der
Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs
z.H. Edith Hudelist
Treustr. 9, A-1200 Wien
Tel.: (00 43) 1 330 35 45-0
E-Mail: wohnen@hilfsgemeinschaft.at

Wanderwoche im Oktober in Südtirol

Rustikale Erholung verspricht eine blindengerecht gestaltete Wanderwoche im Hinteren Maschertal in Südtirol. Begleitet von erfahrenen Wanderführern erschließt sich die Reisegruppe die Berglandschaft zwischen den Geräuschen der Bewässerungskanäle und echtem Apfelduft.

Nähere Informationen bei
Susanne Hahn
Urbanstr. 8, 96047 Bamberg
Tel.: (09 51) 2 97 10 80
E-Mail: suhahn@web.de

Informationen für Eltern

Welche Kontakte, Informationen und Adressen brauchen Eltern, die ein Sehbehindertes oder blindes Kind haben? Gibt es medizinische Behandlungsmöglichkeiten? Welcher Kindergarten oder welche Schule soll ausgewählt werden? Wie können Eltern ihre jugendlichen Kinder bei der Berufswahl unterstützen?

Hilfen zu diesen Fragen finden Eltern unter www.integrationskinder.org

Die Internetseite entspringt einer Privatinitiative von Elisabeth Krych, selbst betroffene Mutter. Hier finden sich persönliche Erfahrungsberichte, Adressen und auch ein Forum zum persönlichen Austausch.

BIT-TIPP

Johnston, Anita: "Die Frau, die im Mondlicht aß"
Erschienen bei Knaur, München, 2002.

Mehr Frauen als je zuvor kämpfen gegen Magersucht und Bulimie, jedes Jahr sterben Tausende an den Komplikationen dieser und anderer Ess-Störungen - ein Ende der heimlichen Epidemie ist nicht abzusehen. Anita Johnston schickt ihre Leserinnen auf eine Reise durch die Welt der Märchen und Mythen. Dabei lernen sie, ihre Lebensgeschichte, den eigenen Körper und ihre Gefühle neu wahrzunehmen, um so die Wurzeln ihrer Ess-Störungen entdecken zu können.

Mohr, Bärbel: "Bestellungen beim Universum"
Erschienen beim Omega-Verlag, Aachen, 2003.

Ein Handbuch zur Wunscherfüllung. Bärbel Mohr zeigt, wie man sich den Traumpartner, den Traumjob oder die Traumwohnung und vieles mehr einfach "herbei-denken" und quasi beim Universum "bestellen" kann. Sie bringt dem Leser bei, wie er sich selbst gegenüber eine stärkere Verpflichtung eingehen und sein Leben positiver gestalten kann. Zahlreiche kleine Anekdoten und Parabeln durchziehen das humorvoll geschriebene Büchlein, das durch Lebenstipps für jeden Tag abgerundet wird.
Dr. Strunz, Ulrich/Jopp, Andreas: "fit mit fett"
Erschienen bei Heyne, München, 2002.

Fett ist nicht gleich Fett, lautet die Botschaft von Dr. Ulrich Strunz. Gewohnt spannend erklärt der bekannte Arzt, warum Killerfette krank und depressiv machen und wie wir mit den richtigen Fetten gesünder, länger und besser leben.

Alle Titel sind auf Hör-Kassetten lieferbar.

Über weitere Produktionen können Sie sich informieren beim
BIT-Team
Frau Elmer
Tel.: (0 89) 5 59 88-134
Arnulfstr. 22, 80335 München

Fortbildung für Beratende mit Sehbehinderung

Sehbehinderte Menschen, die ehrenamtlich andere Menschen mit Sehbehinderung beraten, können sich in einem Seminar des Ev. Blinden- und Sehbehindertendienstes Westfalen vom 11. bis 13.06. in Horn-Bad Meinberg, fortbilden.

Nähere Informationen bei
Erich Zabbee
Tel.: (0 57 03) 37 02

Textdateien in digitale Sprache umwandeln lassen

Textdateien im Computer in synthetische Sprache umwandeln - das können mittlerweile etliche Programme, die Blinde auf dem eigenen PC verwenden können. Wer den Aufwand scheut, kann Texte jetzt auch per E-Mail an die Firma datadevel schicken und erhält gegen Bezahlung eine automatisch erzeugte Sprachdatei im MP3-Format zurück.

Infos und Anmeldung im Internet: www.txt2phone.de

Merkblatt zur Grundsicherung

Der Bundesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte e.V. informiert Menschen und ihre Familien in seinem aktualisierten Ratgeber über das am 01.01. in Kraft getretene Grundsicherungsgesetz. Nach diesem Gesetz erhalten erwachsene behinderte Menschen, die dauerhaft voll erwerbsgemindert sind, Leistungen zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes, soweit sie diesen nicht mit ihrem eigenen Einkommen und Vermögen bestreiten können.

Bestellung bei
Bundesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte e.V.
Stichwort: "Merkblatt Grundsicherung"
(bitte adressierten Rückumschlag mit 0,55 Euro frankiert mitschicken)
Brehmstr. 5-7, 40239 Düsseldorf
Kostenloses herunterladen unter www.bvkm.de Rubrik "Recht und Praxis", PDF-Format.

Seminarausschreibung

Vom 20. bis 23.05. Vogelkundliches Seminar - Kennenlernen von Vogelstimmen, Hotel Silverio, Gallspach, Oberösterreich. Dieses Seminar richtet sich an alle, die sich darin trainieren möchten, Singvögel an ihrem Gesang zu erkennen oder sich ein intensiveres Naturerleben wünschen. Anmeldeschluss ist der 20.04.

Nähere Informationen bei
Bildung ohne Barrieren
Bildungsinstitut für Blinde und Sehbehinderte e.V.
Norbert Müller
Hauptstr. 40, 79576 Weil am Rhein
Tel.: (0 76 21) 79 92 30
Fax: 79 92 31
E-Mail: info@bob-institut.org

Ausstellung

Im Stadtmuseum Düsseldorf findet bis 16.05. die Ausstellung "Fühlen, tasten und begreifen" statt. Die Künstlerin Margot Ende, LILI, entwickelte Tastbilder, die beginnend bei einfachen Motiven sich zu anspruchsvolleren steigern, um blinden und sehbehinderten Menschen den Zugang zur Kunst zu ermöglichen.

Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr, Mittwoch 11 bis 21 Uhr.

Termine und nähere Informationen beim
Stadtmuseum Düsseldorf
Berger Allee 2, 40213 Düsseldorf
Claudia Bender
Tel.: (02 11) 8 99 61 72

Geschäftsführer der "Aktion Mensch" zu Gast beim DBSV

Als einen der ersten Gäste in der neuen DBSV-Geschäftsstelle in Berlin begrüßte Präsident Jürgen Lubnau am 5. März den Geschäftsführer der "Aktion Mensch", Dieter Gutschick.

Im Mittelpunkt des etwa einstündigen Gesprächs standen Projektvorhaben, die der DBSV in den nächsten Jahren verwirklichen und von der Lotterie fördern lassen möchte. Bereits in der Vergangenheit hat die "Aktion Mensch" gerade DBSV-Veranstaltungen immer wieder gefördert. "Wir sind uns einig, diese bereits gute Zusammenarbeit nun weiter auszubauen", resümierte Jürgen Lubnau den Besuch.

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Im Beruf

Behinderte in Arbeit

50.000 neue Jobs für Schwerbehinderte - Integrationsämter ziehen Bilanz - weniger Pflichtplätze - mehr beschäftigte Behinderte - mehr Einnahmen aus der Ausgleichsabgabe

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen (BIH) resümiert in ihrem Jahresbericht 2002 die Ergebnisse des Aktionsprogramms der Bundesregierung "50.000 neue Jobs für Schwerbehinderte". Mit neuen Arbeitsplätzen für Behinderte sollte deren Arbeitslosigkeit um ein Viertel gesenkt werden. Zum Anreiz und Lohn wurde die Zahl der mit Behinderten zu besetzenden Arbeitsplätze von 6 auf 5 Prozent gesenkt. Auch müssen vorerst nur Betriebe ab 20 und nicht mehr schon ab 16 Beschäftigten auch Behinderte einstellen.
Tatsächlich stieg die Beschäftigungsquote von Schwerbehinderten auf 3,8 Prozent aller Arbeitnehmer an. Die Arbeitslosigkeit Schwerbehinderter sank um 23,8 Prozent, womit das Ziel des Aktionsprogramms fast erreicht wurde. Die Zahl der schwerbehinderten Arbeitnehmer stieg um 12.171 auf 768.388. Ein herber Rückschlag ist allerdings, dass seit Ablauf des Aktionsprogramms die Zahl der arbeitslosen Behinderten wieder stark gestiegen ist. Leider kann also von Nachhaltigkeit keine Rede sein. Durch die Änderungen bei der Pflichtquote gibt es nun ca. 190.000 beschäftigungspflichtige Arbeitgeber gegenüber vorher 150.000. Die Zahl der Pflichtplätze sank von knapp 1,2 Mio. auf ca. 1 Mio.

Bei den öffentlichen Arbeitgebern ist die Quote der Behinderten Beschäftigten auf 5,1 Prozent gesunken aber damit immer noch erfüllt. Bei den Privaten Jobanbietern stieg die Quote auf 3,4 Prozent. Insgesamt haben 121.000 Betriebe - und damit 4/5 die Beschäftigungsquote nicht erfüllt. Von diesen hatte die Hälfte gar keine Behinderten Mitarbeiter. Etwa 31.000 Unternehmen und damit nur 1/5 sind ihre Beschäftigungspflicht nachgekommen.

Obwohl die Quoten gelockert und mehr Behinderte angestellt wurden, stiegen die Einnahmen aus der Ausgleichsabgabe, die für nicht besetzte Pflichtplätze entrichtet werden muss um 60 Mio. auf 588 Mio. Die Integrationsämter konnten deshalb mehr Geld verbuchen, weil nach der neuen Regelung Betriebe tiefer in die Tasche greifen müssen, wenn sie weiter von der Quote von 5 Prozent behinderten Arbeitnehmern entfernt sind. 55 Prozent der Mittel aus der Ausgleichsabgabe stehen den Integrationsämtern für die Förderung einzelner Arbeitsplätze oder von Beschäftigungsprojekten zur Verfügung. Den Rest verwendet das Gesundheitsministerium für Reha-Projekte. Auch der DBSV und andere Organisationen führen mit diesen Mitteln Integrationsmaßnahmen für blinde und sehbehinderte Arbeitnehmer durch.
Reiner Delgado

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Medien

Der DaisyLeser Version 1.0

Ein deutschsprachiges Computerprogramm für das Abspielen von DAISY-Hörbüchern bzw. -Zeitschriften:

Um DAISY-Hörbücher abspielen zu können, benötigt man entweder ein entsprechendes Abspielgerät oder einen Computer. Bislang standen für den PC-Einsatz lediglich englischsprachige DAISY-Wiedergabeprogramme zur Verfügung. Jetzt ist ein deutschsprachiges Produkt auf den Markt gekommen, welches von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde in Leipzig (DZB) als kostenloses Programm (Freeware) entwickelt wurde. Die Systemvoraussetzungen für den DaisyLeser sind Windows 98 und höher. Die Installation des Programms ist windowsgemäß und relativ einfach. Als blinder Computernutzer sollte man jedoch einen Screenreader (Bildschirmausleseprogramm) einsetzen können, um die einzelnen Installationsschritte nachvollziehen zu können. Ansonsten sollte eine sehende Person bei der Installation behilflich sein. Alles Weitere wird durch die deutsche Sprache des DaisyLesers unterstützt; ein Screenreader ist also bei der Nutzung des Programms nicht mehr erforderlich. Er kann an manchen Stellen sogar hinderlich sein, da einige Tastenkombinationen mit dem DaisyLeser kolidieren können.

Aktiviert wird der DaisyLeser entweder über Start und Programme, dann DaisyLeser auswählen, oder über die Auswahl des Icons DaisyLeser auf dem Desktop. Wenn man den DaisyLeser das erste Mal startet, ertönt kurz darauf der deutschsprachige Hinweis, dass eine DAISY-CD in das Laufwerk eingelegt werden soll, welches als DAISY-Laufwerk zukünftig verwendet wird. Will man später ein anderes Laufwerk festlegen, so kann dies über das Menü bzw. mit ALT + I bewirkt werden.

Die Navigation im Hörbuch, das Springen bzw. Blättern, ist mit den vier Cursortasten möglich.

Zu beziehen ist der DaisyLeser Version 1.0 aus dem Internet unter www.dzb.de/daisy oder als CD-ROM von der DZB Leipzig. Auf der CD ROM der "Gegenwart" ist ab Ausgabe Mai das Programm DaisyLeser verfügbar.

Für Fragen bzw. Hinweise stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.
Ulrich Jander
Tel.: (03 41) 71 13-145
E-Mail: Ulrich.Jander@dzb.de

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Rehabilitation

Ganzheitliches Sehen

Der Beruf eines Sehlehrers klingt gar nicht so fremd, ist aber allgemein nicht so geläufig. Gisela Wesche-Nielsen hat sich diesem Berufsfeld zugewandt. Wir kamen mit ihr ins Gespräch:

Was versteht man unter der Bezeichnung Sehlehrer:

Der Sehlehrer beschäftigt sich damit, wie man auf natürliche Weise das Sehen erhalten und verbessern kann.

Wahrscheinlich ist er immer dann gefragt, wenn das Sehen irgend einen Defekt, ein Manko oder eine Krankheit aufweist ...

Die meisten Sehlehrer beschäftigen sich mit dem Thema Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit oder Altersweitsichtigkeit. Im Moment bin ich jetzt diejenige, die versucht, das ganzheitliche Sehtraining auf den Bereich der Sehbehinderten auszudehnen. Wir schauen, in welchem Bereich können Sehbehinderte mit Übungen, mit Entspannungen ihr Sehvermögen erhalten und pflegen, indem sie liebevoller und achtsamer mit ihren Augen umgehen. Wie können sie den Sehrest besser nutzen? Und es gibt auch noch eine seelische Komponente, indem man versucht, Schwierigkeiten, die sich aus der Sehbeeinträchtigung ergeben, besser zu bewältigen.

Der Begriff Sehtraining fiel schon einmal; den hört man ja auch im Zusammenhang mit Low Vision, mit der Anpassung von Sehhilfen ... Das ist aber wohl nicht der Schwerpunkt in der Tätigkeit eines Sehlehrers?

Nein. Ich bin nicht Optikerin, ich bin Sozialpädagogin und Heilpraktikerin; und insgesamt ist der Beruf des Sehlehrers noch kein geschützter Begriff. Man kann Psychologe, Sozialpädagoge, Heilpraktiker sein. Optiker gibt es inzwischen auch, die sich mit diesen Dingen beschäftigen. Da gibt es auch unterschiedliche Variationen. Bei mir geht es z.B. überhaupt nicht um die Anpassung verschiedener Sehhilfen, sondern um ein umfassendes Angebot von Entspannungs- und Sehübungen.

Dabei geht es wohl darum, dass man ein Körperbewusstsein entwickelt und merkt, dass das Sehen nicht nur ganz direkt etwas mit den Augen zu tun hat, oder?

Ja, ganzheitlich bedeutet für mich, dass wir die Zusammenhänge kennen zwischen Augen und Körper, dass z.B. eine verspannte Nackenmuskulatur auch zu einer schlechten Durchblutung der Augen führt. Wenn ich es also lerne, die Schultermuskulatur zu lockern, kann ich die Durchblutung der Augen verbessern. Solche Zusammenhänge zwischen Körper und Augen gibt es ja sehr viele.

Die wenigsten Sehbehinderten haben sich damit beschäftigt, wie sich ihre Augen anfühlen, die meisten haben noch nicht versucht, die inneren Heilkräfte anzuregen, die Augen zu fragen, was sie selber brauchen. Und das scheint mir ein ganz wichtiger Punkt zu sein. Dann muss man auch lernen, darauf zu hören, was die Augen sagen.

Viele Sehbehinderte arbeiten mit dem Computer, sind dadurch noch stärker belastet als andere Menschen. Man muss spüren, was die Augen für Signale geben. Wenn meine Augen stopp sagen, wenn sie weh tun, dann muss ich Möglichkeiten kennen, um Übungen zu machen, die meine Augen entspannen, um dann wieder weiter machen zu können. Wir sollten unsere ohnehin schon angestrengten Augen durch den Computer nicht noch mehr schädigen.

Der Sehlehrer bringt mir also nicht bei, besser zu sehen, denn meine Augen werden ja voraussichtlich nicht besser, geht es also mehr um Einstellungen.

Visusverbesserungen gibt es hauptsächlich bei so genannten Brechungsanomalien, wie Kurz- und Weitsichtigkeit.

Ich selbst hatte eine Hornhauttrübung, die so stark war, dass ich gar nichts mehr lesen konnte. Dann bin ich auf das ganzheitliche Sehen gestoßen, habe Selbsterfahrungen gemacht und konnte dann wieder 60 Prozent sehen. Das war eine sogenannte Spontanheilung, aber ich würde niemals irgendwelche Heilungsversprechen machen. Es ist sehr individuell, und so möchte ich auch damit umgehen. Es ist auch für mich erst einmal ein Lernfeld, was überhaupt möglich ist, wer dafür offen ist. Was aber für jeden wichtig ist, sich mehr mit seinen Augen zu beschäftigen und die Stimme der Augen verstehen zu lernen. Und wenn ich das tue, kann ich wirklich etwas bewirken, dass ich mich wohler fühle, dass ich meine Sehkraft besser ausnutze und dass ich mit der großen Überforderung, die sehbehinderte Menschen haben, da sie meinen, sie müssten noch mehr tun als andere, was zu schlimmen Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich führen kann, wahrnehmen und auflösen kann.

Nun gibt es vielleicht erst eine Sehlehrerin, die sich speziell mit den Belangen sehbehinderter Menschen ganz direkt befasst. Was kann ein man tun, wenn man sich näher dafür interessiert?

Ich habe beim DVBS bereits mehrere Seminare gehalten. Möglicherweise werden mich auch andere Landesvereine einladen. Man kann mich auch anrufen, Tel.: (0 89) 7 69 40 79, und in München kann man auch Einzelstunden nehmen.

Gespräch in einer Workshoppause

Was nimmt man aus einem Seminar als Teilnehmer mit nach Hause? Das fragten wir Rita Schwörer, Teilnehmerin am Workshop "Ganzheitliches Sehen" beim Seminar "Nicht sehend - nicht blind" des DVBS Ende Januar auf der Burg Fürsteneck:

Das ist eine Herangehensweise, die für viele von uns neu ist; seinen Augen, sagen wir, neutral zu begegnen. Wir sprechen ja oft von Sehrest, sind manchmal traurig, ja deprimiert, weil wir eben vieles nicht sehen. Aber das ganzheitliche Sehen will dem ja auch etwas entgegenwirken ...

Es ist eine positive Herangehensweise. Ich erlebe meine Augen als einen Teil von mir. Ich beziehe auch Atmung sowie Entspannung von Kopf, Nacken und Schultern mit ein, die Energiezentren. Dies ermöglicht, den Augen anders zu begegnen.

Was macht man eigentlich in einem solchen Workshop?

Das sind zum einen Phantasiereisen, Visualisierungen, indem ich als kleines Männchen in die Augen gehe und wahrnehme, was ich dabei empfinde. Dazu gehören aber auch Entspannungsbilder. Wir haben viel mit Farben gearbeitet.

Ich sah verschiedenfarbige quadratmetergroße Tücher an den Wänden hängen. Wofür waren diese gut?

Das waren alles einfarbige Tücher, die die Netzhaut auf eine bestimmte Art stimulieren. Jede Farbe tut das unterschiedlich.

Was nimmt man mit für den Alltag? Was kann man fortführen?

Das meiste ist zum Mitnehmen. Wir haben Übungen gemacht, wo wir die Meridianpunkte, die Augenpunkte kennen gelernt haben, um ein trockenes Auge zu behandeln. Es sind in erster Linie einfache Übungen, um das Auge zu entstressen, zum Beispiel die Abwechslung zwischen Nah- und Fernsehen.

Ich denke ein Low Vision-Training bezieht Entspannungsübungen ein, aber das ganzheitliche Sehen hat mit der Anpassung von Hilfsmitteln nichts zu tun.

Abschließend ein Rat, wie wir mit dem Gefühl für unsere Augen umgehen sollten ...

Es ist gut, sich bewusst zu machen, dass Organe, denen ich ein negatives Gefühl entgegenbringe, es schwerer haben. Das heißt, ich kann die Heilung beeinflussen.

Wünschen wir, dass möglichst viele sehbehinderte Menschen einmal in den Genuss eines solchen Workshops kommen und dann selbst erfahren, wie sie mit ihren Augen etwas bewusster und freundlicher umgehen als vorher.

(Das Gespräch führte Dr. Thomas Nicolai; Kassetten- und DAISY-Version Originalton.)

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