|
Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e. V. |
Inhaltsverzeichnis mit Links zu ausgewählten Beiträgen der aktuellen "Gegenwart"
Titelbild:
Demonstration am 9. Juni 2001 in Bremen - lesen Sie dazu unseren
Bericht auf Seite 3.
Vom Weserstadion bis zum Goetheplatz beherrschte diese Forderung die Freie und Hanse-Stadt Bremen am 09. Juni zwischen 11 und 14 Uhr. Über 4.000 blinde und sehbehinderte Demonstranten sowie Begleiter, Angehörige und Freunde aus allen Teilen Deutschlands riefen, sangen und trommelten diese vier Worte, auf das sie den Bremischen Senat und die Bürgerschaft "5 vor 12" noch erreichen:
Unzählige Gespräche mit der SPD-CDU-Regierung in Bremen
waren geführt, die guten Argumente der Blinden- und
Sehbehindertenselbsthilfe für den Erhalt eines einkommens- und
vermögensunabhängigen Blindengeldes lagen auf den Tischen
der Politiker: Kein Einsehen, keine Bewegung, keine soziale Regung im
Bremer Rathaus.
"Bremen soll sich schämen, uns das Blindengeld zu nehmen!". Der
Aufruf des DBSV und des BSV Bremen zu einer Demonstration wurde zu
einem offenbar längst erwarteten Signal in der Blinden- und
Sehbehindertenselbsthilfe.
Ein überraschendes, in dieser Form selten erlebtes Gefühl
verbreitete sich, als die einzeln eintreffenden Gruppen
allmählich und dann ziemlich schnell den Platz am Weserstadion
füllten: Zusammengehörigkeit, Gemeinschaft,
Entschlossenheit, Familiensinn. Große Luftballons,
Spruchbänder und Losungen auf Bauch oder Rücken angebracht,
Tausende weiße Stöcke und gelbe Armbinden, nicht
gezählte Blindenführhunde - ein buntes Bild, das noch nie
vorher so zu sehen war und das trotz der sozialpolitischen Brisanz
des traurigen Anlasses überwältigende Lebensfreude
widerspiegelte.
Mit Polizeieskorte, Lautsprecherwagen und Samba-Gruppe voraus setzte
sich der kilometerlange Demonstrationszug in Bewegung.
Viele Passanten in den Geschäftsstraßen glaubten wohl
ihren Augen nicht, einen solch ungewöhnlichen Aufzug zu erleben.
Ganz unvorbereitet dürften sie allerdings nicht gewesen sein,
denn Presse, Hörfunk und Fernsehen hatten in den Tagen zuvor auf
die Problematik aufmerksam gemacht. Zudem wurden Flugblätter
verteilt, die darüber aufklärten, was es bedeutete,
würde das Landespflegegeldgesetz in Bremen - wie vorgesehen -
abgeschafft.
Die Abschlusskundgebung begann mit einem Stromausfall, so dass die
ersten Redner durch eine "Flüstertüte" schreien mussten, um
wenigstens in nächster Nähe verstanden zu werden. Moderator
Uwe Boysen sagte mir als alles gelaufen war, dass er eine der
aufregendsten Stunden seines Lebens hinter sich habe. Mit Bravour und
unter Aufbietung all seiner Stimmkraft überbrückte er die
technische Panne. Seine sieben Fragen an den Bremischen Senat, die er
pointiert einstreute, fanden bei den 4.000 ein begeistertes Echo.
Eine Frage lautete: "Warum, Frau Senatorin Adolf, verbringen Sie
nicht einmal die nächste Woche unter der Augenbinde, um zu
erfahren, was es bedeutet, seine Umwelt nur akustisch wahrzunehmen
und um zu verstehen, warum wir auch finanzielle Hilfe zum Ausgleich
dieser Nachteile brauchen?"...
Mit herzlichen Worten begrüßte der Vorsitzende des BSV
Bremen, Karl-Heinz Weiser, die Teilnehmer, von denen einige bereits
am Abend zuvor mit dem Bus ihre Reise angetreten hatten, um
rechtzeitig in Bremen sein zu können; unsere Hochachtung. "Die
Solidarität mit den Blinden Bremens gibt uns Kraft für
weitere Aktionen", erklärte er sichtlich beeindruckt. Bei der
Organisation der Demonstration hatte der BSV Bremen als kleiner
Verein viele Hürden zu nehmen. Um so mehr freute sich der
Vorsitzende, dass im Großen und Ganzen alles so gut geklappt
hat. Sein Dank geht an die vielen Helfer in Bremen und an den DBSV
sowie an den Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen und
alle anderen Landesvereine, die tatkräftige Unterstützung
gaben.
Sachlich und zugleich kämpferisch der Auftritt des
DBSV-Präsidenten Jürgen Lubnau: "Was geht hier in Bremen
eigentlich vor? Der Senat und die Koalitionsparteien SPD und CDU sind
entschlossen, den behindertenbedingten Nachteilsausgleich, der im
Landespflegegeldgesetz festgelegt ist, nur noch für die
sogenannten `Bestandsfälle` zu gewähren. Neuerblindete
haben dann keinen Anspruch mehr. Wir haben dann zwei Klassen von
Blinden: diejenigen die das `Glück` haben, jetzt schon blind zu
sein, diejenigen, die das Pech haben, erst später blind zu
werden. Der Nachteilsausgleich ist Voraussetzung für blinde
Menschen, Teilhabe am gesellschaftlichen und beruflichen Leben zu
erreichen und unsere Integration zu ermöglichen. In allen
Bundesländern sind in den letzten 50 Jahren Blinden- bzw.
Pflegegeldgesetze verabschiedet worden; auch in den ostdeutschen
Ländern, die nun wahrlich nicht auf Rosen gebettet sind.
Fällt das Blinden- bzw. Pflegegeld weg, zerplatzen die Begriffe
Teilhabe und Integration wie Seifenblasen. Dass ein Anspruch auf
Blindenhilfe nach dem Bundessozialhilfegesetz besteht,
selbstverständlich einkommens- und vermögensabhängig,
ist bekannt. Wir wollen aber nicht zum Sozialamt, um unsere
monatliche Fürsorge oder `Stütze` abholen... Was in Bremen
geplant ist, ist nicht Umbau, sondern Abbau des Sozialstaates. Es
sind keine Einschnitte in das soziale Netz, sondern das soziale Netz,
das in den letzten Jahrzehnten begründet worden ist, soll in
Bremen zerrissen werden... Es soll keine pauschalierten Leistungen
mehr geben, diese seien nicht mehr zeitgemäß. Das ist
lachhaft...
Ist etwa Missgunst oder Neid im Spiel, weil eine Hand voll blinder
Menschen ein relativ gutes Einkommen erzielen? Auch diese haben
gegenüber ihren sehenden Kollegen den blindheitsbedingten
Mehraufwand zu bestreiten...
Anfang des vorigen Jahrhunderts existierte in Deutschland die USPD,
eine Abspaltung von der SPD. Ist die Bremische SPD auch zu einer
USPD, zu einer Unsozialdemokratischen Partei geworden? Und führt
die CDU, wenn sie ein solch unsoziales Vorhaben unterstützt,
noch zurecht das C in ihrem Namen?...
Haben Sie den Mut, den falschen Schritt zurück zu ziehen! Haben
Sie den Mut nicht, und gehen den eingeschlagenen falschen Weg weiter
und verstecken sich; wir sind zwar blind, aber wir werden Sie finden!
Und wir werden Sie immer wieder zur Rede stellen und Sie mit unseren
Argumenten konfrontieren!
Wir sind froh, dass wir Verbündete an unserer Seite haben, die
unsere Forderungen unterstützen, ich nenne beispielhaft die
BAGH, den Bund der Kriegsblinden Deutschlands, den Sozialverband
(ehemals Reichsbund) den VdK, andere Verbände werden noch
folgen...
Ich appelliere eindringlich an Senat und Bürgerschaft:
"Hände weg vom Blindengeld! Wir werden unnachgiebig für das
Pflegegeld in Bremen und für andere Landesgesetze kämpfen,
und dass wir bereit zum Kampf sind, beweist unsere heutige Demo,
Dankeschön.
Erfreulich, dass auch weitere Verbände ihre Solidarität mit
den Forderungen der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe
erklärten.
Mit viel Sympathie und Kooperationswille wurden daher auch die
Ansprachen des Vorsitzenden der BAGH Friedel Rinn und der LAGH,
Dieter Stegmann, aufgenommen; Resümee: Gemeinsam sind wir stark.
Angemessene Nachteilsausgleiche muss es für alle
Behindertengruppen geben, und zwar unabhängig von Einkommen und
Vermögen der Betroffenen.
Die Abgeordnete der Grünen in der Bremischen Bürgerschaft,
Karoline Linnerd brachte anschauliche Beispiele dafür, dass
Bremen das Geld, dass durch die Abschaffung des Landespflegegeldes
vermeintlich eingespart werden soll, mit vollen Händen in
umstrittene Projekte stecken will.
Den Schlusspunkt setzte Joachim Steinbrück, dessen Stimme
bereits aus dem Lautsprecherwagen zu hören war.
Unmissverständlich seine Ankündigung: Sollte auch die
Demonstration die Politiker nicht umgestimmt haben, so dass das
Pflegegeldgesetz in Bremen tatsächlich abgeschafft wird (die
Entscheidung in der Bürgerschaft sollte am 20./21. Juni fallen),
sagen wir "Jetzt erst recht".
Joachim Steinbrück: "Wir werden eine neue Form der politischen
Öffentlichkeitsarbeit entwickeln, indem wir eigene
spektakuläre Aktionen machen... Wir werden nach der
Verabschiedung des Gesetzes (gemeint ist das Aufhebungsgesetz) erst
recht zusammen mit allen Behindertengruppierungen und allen anderen
von der Sozialpolitik negativ Betroffenen arbeiten und auf die
Entwicklung einer außerparlamentarischen Kraft hinwirken, die
möglicherweise auch den Ausgang der nächsten
Bürgerschaftswahlen mit entscheiden kann. Sie geben uns Kraft
mit Ihrer Präsenz... Ich persönlich plädiere, wie der
Luftballon hier zeigt, für eine Politik mit Herz und
wünsche dies auch dem Senat und der Bürgerschaft:
"Hände weg vom Blindengeld!"
(Die Luftballons steigen in den zu dieser Zeit blauen Himmel
über Bremen.)
Der 09. Juni 2001 ist schon jetzt zu einem historischen Datum
geworden. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik
Deutschland gab es eine bundesweit organisierte Demonstration Blinder
und Sehbehinderter. Die Bereitschaft der Betroffenen, selbst für
ihre Rechte einzutreten, fand überzeugenden Ausdruck. Wenn es
darauf ankommt, steht die "Familie" zusammen. Das ist gut zu wissen,
denn es kommt in der Zukunft wohl öfter darauf an...
(Kassetten-Ausgabe Originalton)
Bild: Verschiedene Bilder des Demonstrationszuges.
"Die Gegenwart" fragte im Demonstrationszug nach den Gründen für die Beteiligung und danach, warum das Blindengeld so wichtig ist, hier einige Antworten:
"Meine Mutter ist blind, und da hab ich mir gedacht, protestiere ich mal mit."
"Man würde wesentlich unmobiler werden. Man könnte sich Sachen, die andere als selbstverständlich ansehen, nicht mehr leisten."
"Es geht eigentlich sehr scharf um unsere Zukunft. Wenn das Blindengeld nicht mehr da ist, dann bedeutet das für uns, dass wir wesentlich weniger Möglichkeiten haben, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, weil wir z. B. keinen Ausgleich mehr haben, um Dinge zu finanzieren, die uns mehr kosten als nichtbehinderten Menschen."
"Meppen ist ja nun sehr ländlich, ich brauche Taxis, wer bezahlt das, kostet ja ein Schweinegeld, auch Hilfen, Begleitung, man braucht ja auch Betreuung, das muss ja auch bezahlt werden. Und das kann man vom Gehalt sicher nicht alles bestreiten."
"Wir kommen vom Ostalpkreis, Schwäbisch-Gmünd. Wir wollen, dass auch hier den Blinden das Geld, die Unterstützung erhalten bleibt. Ich bin auch stark sehbehindert, und wenn irgendwie das Gesetz greift, dann muss man damit rechnen, dass es auch in anderen Bundesländern durchgesetzt werden könnte. Blinde und Sehbehinderte sind aber darauf angewiesen, sie brauchen eine Begleitperson und zum Vorlesen oder wenn sie zum Einkaufen gehen. Viele können das nicht allein machen."
"Wir kommen aus Augsburg, gestern abend um halb neun sind wir losgefahren. Um eins haben wir angefangen zu schlafen. Solidarität wollen wir üben. Wenn das Blindengeld wegfiele, wäre das in der Tat dramatisch. Wenn jemand mit mir einkaufen geht in die Stadt, dann geht man ja auch Essen, und das zahle ich natürlich. Oder wenn jemand mit mir wegfährt, muss ich ihm die Reise zahlen und das Essen. Laufen Sie mal mit Ihrem Mikrophon und zugebundenen Augen, was meinen Sie, wie schnell Sie Ihre Schuhe kaputt haben. Oder laufen Sie mal über einen Fußweg, wo die Autos geparkt sind, da haben Sie bald Ihre Kleidung versaut."
"Wenn die in Bremen hier anfangen, dann wird der Rest ja kommen; das dürfen wir nicht zulassen. Ich brauche das Geld für rechnische Hilfsmittel, die Sachen sind halt sehr teuer."
"Wir wollen die Aktion unterstützen. Wenn das Blindengeld wegfällt, sind die Blinden wesentlich schlechter gestellt als andere gesellschaftliche Gruppen. Das Landespflegegeld ist auch in Potsdam gekürzt worden um 150 Mark, und hier soll es ganz wegfallen. Ich denke, das ist ganz schlimm."
"Wir sind aus Thüringen gekommen, um mit den Bremern Solidarität zu üben, damit das Blindengeld für die Neuerblindeten nicht gestrichen wird, denn das könnte auch für unsere blinden Mitbürger eines Tages zum Schaden gereichen."
"Wir sind acht Leute, wir mussten leider alles selber
organisieren, weil unser Blindenverein Südbaden hat es
überhaupt nicht für nötig befunden, etwas zu
organisieren. Es gab nicht mal ein Rundschreiben, es gab keinen Bus.
Es wäre zu aufwendig, so eine Fahrt zu organisieren, hieß
es."
Blinde öffnen
Politikern die Augen!
Landespflegegeldgesetz bleibt bestehen
Am 18.06. konnte der DBSV mit folgender Presseerklärung der Öffentlichkeit mitteilen, dass die Demonstration in Bremen nicht ohne Wirkung geblieben ist:
Der Bremer Senat hat am 18.06. seine Pläne fallen lassen, das
Landespflegegeldgesetz aufzuheben. Beeindruckt von der
überzeugenden Demonstration am 09. Juni, bei der mehr als 4.000
blinde und sehbehinderte Menschen aus allen Teilen Deutschlands in
der Hanse-Stadt die Forderung bekräftigten "Hände weg vom
Blindengeld!", sah sich der Bremische Senat gezwungen, seinen
behindertenfeindlichen Beschluss zu revidieren.
Solidarität und Geschlossenheit, mit der die Blinden- und
Sehbehindertenselbsthilfe in Bremen auftrat, und die stichhaltigen
Argumente für den Erhalt des Landespflegegeldgesetzes haben den
Verantwortlichen in letzter Minute die Augen geöffnet.
Den blindheitsbedingten Nachteilsausgleich gibt es - wie in allen
anderen Bundesländern - also auch in Bremen weiterhin; und zwar
unabhängig von der Höhe des Einkommens und des
Vermögens der Betroffenen. "Das ist ein riesengroßer
Erfolg", erklärt Jürgen Lubnau, Präsident des
Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes, der auch nach der
Bremer Demo mit den Politikern im Gespräch geblieben war. Den
Ausschlag gab letztlich die Intervention des CDU-Landesvorsitzenden
Bernd Neumann.
"Die Kürzung der Leistung um 100 DM ist unser solidarischer
Beitrag für Staat und Gesellschaft", betont Lubnau, wohl
wissend, dass damit die Bremer Blinden wie Brandenburg und Sachsen
mit 650 DM am unteren Ende der Blindengeldskala stehen.
Die Blinden und Sehbehinderten in Deutschland lassen keinen Zweifel
daran, auch künftig für ihre Rechte selbst einzutreten; der
Bremer Erfolg gibt neue Kraft. Und es bleibt dabei: "Hände weg
vom Blindengeld!"
Ein Seminar mit den Sehbehindertenbeauftragten der DBSV-Landesvereine fand vom 25. bis 27. Mai in Osterode statt. Im Anschluss sprachen wir mit Hans-Peter Engel, der als DBSV-Vorstandsmitglied das Seminar leitete:
Ein Sehbehindertenseminar des Deutschen Blinden- und
Sehbehindertenverbandes - Hans-Peter Engel, ist das eigentlich
notwendig? Machen wir nicht ständig etwas für
Sehbehinderte?
Sicher machen wir ständig auch etwas für Sehbehinderte.
Aber es gibt trotzdem Unterschiede zwischen blind und sehbehindert,
und diese werden herausgearbeitet und natürlich auch spezielle
Angebote für Sehbehinderte gemacht. Leider ist es so, dass man
die eigentlich Betroffenen oft selten erreicht, weil sie in unseren
Verbänden und Vereinen noch zu wenig vertreten sind.
Es waren 13 Landesvereine vertreten, 7 haben gefehlt. Das zeigt, dass
immer noch nicht flächendeckend Sehbehindertenbeauftragte
vorhanden sind.
Nun hat dieses Seminar ja schon eine gewisse Tradition. Was war
diesmal das Schwerpunktthema?
Das war diesmal vor allem das Licht. Licht brauchen wir ja alle. Und
gerade Sehbehinderte brauchen gutes Licht und ausgewogenes Licht,
damit die Farben und auch die Kontraste erhalten bleiben.
Was ist denn nun eigentlich das richtige Licht?
Das richtige Licht muss letzten Endes jeder doch für sich auch
finden. Aber wir haben Anregungen dazu bekommen, wie man das macht.
Ob man gelbes, weißes oder blau eingefärbtes Licht
benutzen sollte, muss jeder allein entscheiden. Entscheiden muss man
auch die Helligkeit. Viele Menschen meinen, wer schlecht sieht,
braucht einfach nur hell; und genau das ist falsch. Ein optimales
Licht ist ein Licht, welches das Farbenspektrum relativ
natürlich wiedergibt. Da muss man eventuell mit zwei oder drei
verschiedenen Lampen gleichzeitig arbeiten.
Wo kann ich das nun eigentlich ausprobieren? Wenn ich in einen
großen Lampenladen gehe, flimmert mir überall reichlich
Licht entgegen...
Der Referent, Herr Eikhorst aus Hamburg, hat uns gesagt, im normalen
Lampenladen hat man kaum eine Chance, das auszuprobieren. Gerade wenn
man spezielles Licht zum Arbeiten braucht, muss man sich schon eines
Lichttechnikers bedienen.
Man sehe sich nur einmal die Auslagen in Kaufhäusern an oder
gerade mal beim Metzger. Da wird Lichttechnik so eingesetzt, um die
Ware zu präsentieren, dass sie dem Kunden auch gefällt.
Nehmen sie das Stück Fleisch mal mit nach Hause, dann werden sie
schon sehen, dass es nicht mehr so rot ist, wie es im Metzgerladen
war.
Wiederum brauchen Zahnärzte, Zahntechniker, Graveure, Uhrmacher
für ihre kleinen Arbeiten natürlich auch spezielles Licht.
Und so braucht der Sehbehinderte für das, was er tun
möchte, das ist ja oft das Lesen, spezielles Licht. Der Kontrast
muss einfach wieder da sein, Licht und Schatten.
Was kann ich jetzt meinem Arbeitgeber sagen, wenn ich der Meinung
bin, ich habe an meinem Arbeitsplatz nicht das richtige Licht? Kann
man da überhaupt etwas machen? Und wer bezahlt so etwas
dann?
Wer das bezahlt, kann ich nicht beantworten. Aber letzten Endes kann
man schon etwas tun. Manchmal genügt auch schon, dass man den
Schreibtisch oder auch den Monitor um 90 Grad dreht, damit eben kein
indirektes Licht oder Fensterlicht darauf fällt, was viele ja
auch verkehrt machen; mit dem Rücken zum Fenster sitzen, oder
viele machen sich selber Schatten. Also diese Dinge kommen ja alle
noch dazu.
Wo finde ich eigentlich diesen Lichttechniker, von dem gesprochen
wurde? Wer kann mich da wirklich beraten?
Wahrscheinlich im Branchenbuch; Elektrotechnik, Lichttechnik;
eventuell auch in Zusammenarbeit mit Optikern.
Low-Vision-Zentren, wo es die schon geben mag, haben sicher auch
solche Angebote. Soviel zum Licht. Grünes Licht sollte es ja
auch schon geben für den Sehbehindertentag 2002. In welche
Richtung könnte es denn mit dem Sehbehindertentag gehen?
Fest steht, dass alle inzwischen erkannt haben, dass dieser Tag
nötig ist. Alle möchten ihn auch erhalten. Schwieriger wird
es wohl werden, immer ein Motto zu finden, unter dem man spezielle
Sehbehindertenthemen ausarbeitet. Vieles ist eben fließend
zwischen sehbehindert und blind.
Wir haben in den letzten zwei Jahren die Kontraste gehabt. Das Thema
kam gut an, kommt gut an. Für 2002 wollten wir ein Motto finden,
sind aber noch ein bisschen in den Kinderschuhen. Ich möchte
gleich zu einem Ideenwettbewerb aufrufen: Wer einen Vorschlag hat,
sollte sich an uns oder an die "Gegenwart" wenden.
Etwas Zeit verbleibt ja noch, bis der Verwaltungsrat im Oktober
dieses Motto beschließen muss, damit man noch alles gut
organisiert kriegt.
Ja, das war das Seminar 2001. Wann gibt es das nächste?
Wir haben uns darauf verständigt, dass wir im Jahr 2003 das
nächste Seminar für die Sehbehindertenbeauftragten machen
wollen, und zwar in Boltenhagen.
Vielen Dank für das Gespräch, für die
Seminarleitung. Wünschen wir allen, dass sie die Erfahrungen von
hier mit nach Hause tragen und dann auch an die Sehbehinderten in
ihren Vereinen weitergeben.
(Das Gespräch führte Dr. Thomas Nicolai; Kassetten-Ausgabe
Originalton.)
Abbildung einer Leuchte.
Kontraste halfen auch starken Augen
Ein erstes Resümee des Sehbehindertentages 2001 fällt
außerordentlich positiv aus. Das Referat
Öffentlichkeitsarbeit des DBSV hatte im Vorfeld eine breit
angelegte Pressekampagne gestartet. Rund 450 Redaktionen erhielten
ein vorzüglich handhabbares Medienpaket, das gern aufgegriffen
worden ist. Die Präsentation im Internet erlaubte den Medien
professionellen Zugriff auf alle wichtigen Informationen. Diese
Angebote führten zu vermehrten Recherche-Rückfragen von
Journalisten beim Referat Öffentlichkeitsarbeit. Mit drei
Fernsehbeiträgen (ZDF, B1) ist es gelungen, den
Sehbehindertentag und sein Anliegen in der Öffentlichkeit
wesentlich bekannter zu machen. Das Thema "Kontraste" half also auch
"starken" Augen zu mehr Verständnis und Sensibilität. Drei
Fernsehbeiträge (ZDF und SFB) brachten das Anliegen des
Sehbehindertentages deutlich zum Ausdruck.
Bei der Pressekonferenz im Restaurant LÖWENBRÄU in Berlins
Mitte fanden auch die vielfältigen Bemühungen des DBSV um
die Vorbereitung blinder und sehbehinderter Menschen auf den Euro
starkes Interesse. Ein herzliches Dankeschön an das Restaurant,
welches Speisen und Getränke während der Pressekonferenz
kostenlos zur Verfügung stellte. Mit einer Speisekarte in
Punktschrift bietet das Restaurant jetzt zusätzlichen
Service.
Großer Nachfrage erfreute sich auch die Ausgabe 5/2001 der
"Gegenwart" und insbesondere die Beilage "Kontraste helfen schwachen
Augen", die auch nach dem Sehbehindertentag als qualifiziertes
Informationsmaterial zur Verfügung steht.
Über Aktionen der DBSV-Landesvereine zum Sehbehindertentag
informieren wir in der nächsten Ausgabe.
Dr. Thomas Nicolai
Die DBSV-Rätselkarte, herausgegeben anlässlich der
Aktion "Sechs Richtige" stellte kaum jemanden vor Probleme. Auf den
680 eingegangenen Karten waren die in Punktschrift dargestellten
Worte richtig "übersetzt" worden: "Sechs Richtige".
Auf der DBSV-Pressekonferenz am 06.06. in Berlin wurden die drei
Hauptpreise und danach weitere 100 Kleinpreise ausgelost.
1. Preis: Reise für zwei Personen nach Mallorca, gesponsert von
TUI auf dem DBSV-Kongress "Sechs Richtige" in Hannover:
A. Wallbrecht, Heeßen
2. Preis: Gutschein für einen DVD-Player im Wert von 800 DM:
Horst Moeller, Stendal
3. Preis: 2 Hörfilme (DVD oder VHS-Videokassette):
Jessica v. d. Heidt, Wiesbaden
Als Kleinpreise wurden vergeben:
15 mal CD "LUST", gesponsert von John-Silver-Prodaction
70 mal CD "Lebenslust" (Aufnahmen mit dem DBSV-Ensemble)
15 mal Handtuch mit tastbarer Punktschriftzeile "Sechs Richtige"
Wir gratulieren den Preisträgern und danken allen, die
mitgemacht haben. Manchen hat die Rätselkarte, die auch im
Jahrbuch 2001 enthalten war, erstmals angeregt, sich mit der
Punktschrift zu beschäftigen.
Die Redaktion
Das Grußwort des Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse
stimmt die Leser auf das DBSV-Jahrbuch 2002 ein und empfiehlt den
Leserinnen und Lesern die Lektüre der abwechslungsreichen
Publikation. Porträts, Erfahrungsberichte, ein informatives
Mosaik, literarische Arbeiten und überraschende Begebenheiten
blinder und sehbehinderter Menschen machen die 96-seitige
Broschüre zu einem kurzweiligen und sensibilisierenden
Begleiter. Das umfangreiche Anschriftenverzeichnis hilft Ratsuchenden
weiter.
Das DBSV-Jahrbuch wird Anfang September 2001 ausgeliefert und steht
dann wieder für eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit zur
Verfügung. Die DBSV-Landesvereine sind aufgerufen,
Sammelbestellungen aufzugeben. Einzelexemplare sollten über die
jeweilige Bezirksgruppe, den Ortsverein bzw. die Kreisorganisation
erworben werden. Das Jahrbuch kostet 3 DM (LV und Untergliederungen 2
DM). Der Text ist ab September beim Referat
Öffentlichkeitsarbeit auch auf Diskette erhältlich (Preis:
3 DM).
Eine Kassetten-Ausgabe wird in den Blindenhörbüchereien zur
kostenlosen Ausleihe bereitstehen. Auch in den Erholungseinrichtungen
(Aura-Hotels und Pensionen) der DBSV-Landesvereine kann ein
"Gesprochenes Jahrbuch" ausgeliehen werden.
Viel Spaß mit dem bald erscheinenden Jahrbuch 2002 und gute
Ideen für die Verbreitung dieser Publikation wünscht die
Redaktion.
Das ist der Titel der gerade fertig gestellten CD des
DBSV-Kulturensembles. Die Titelauswahl zeigt die Breite des
Repertoires der Sänger und Instrumentalisten unter Leitung von
Reinhard Tschache.
Experimentierfreudig wie immer präsentiert sich das Ensemble mit
interessanten Arrangements von "besinnlich" bis "heiter", ja
"ausgelassen".
Aufgenommen und abgemischt wurde alles von Reinhard Walter, der
(selbst blind) seine Erfahrungen und sein Können aus jahrelanger
qualifizierter Arbeit als Toningenieur beim Rundfunk einbringen
konnte.
Die CD kostet 10 DM zzgl. Versandkosten (bei Einzelversand jeweils 5
DM) und ist beim Referat Öffentlichkeitsarbeit des DBSV,
Rungestr. 19, 10179 Berlin, erhältlich. Sammelbestellungen
verringern Versandkosten.
(Kassetten-Ausgabe mit Hörbeispiel)
Bild: Interessante Arrangements bietet das DBSV-Kulturensemble auf seiner neuen CD.
In Kürze:
Das Deutsche Blindenbildungswerk (DBBW) bietet nachfolgende
Fortbildungsveranstaltungen an:
04. bis 10.11.: Elektrizität und Elektronik, Hotel Silverio,
Gallspach,/Österreich, Zielgruppe: Funkamateure, Blinde und
Sehbehinderte, die
ihre Sachkompetenz auf diesem Gebiet erhöhen möchten;
Fernkurs "Living English" (lebendiges Englisch) - Englisch für
Anfänger - ab
sofort verfügbar, Kurs für Einsteiger.
Nähere Auskünfte erteilt: DBBW gGmbH; Tel.: (0 76 21) 79 92
30.
Nützlich für den beruflichen und privaten Alltag sind
Übungen zum
Gedächtnistraining. Der Blindenbund in Hessen bietet dazu ein
Seminar an: 07.
bis 09.12. im Haus Hubertus (Aura-Pension).
Weitere Informationen und Anmeldung bei: BBH, Eschersheimer
Landstraße 80, 60322
Frankfurt a. M.; Tel.: (0 69) 15 05 96-6.
Tipps und Tricks zum schnelleren Lesen für Sehbehinderte
Unter diesem Motto findet vom 27.10. - 01.11. in Saulgrub ein
Seminar statt. Es
richtet sich an Sehbehinderte, denen das Lesen mit optischen
Hilfsmitteln (noch)
möglich ist und die in Beruf, Ausbildung oder im Alltag mit viel
Text
zurechtkommen müssen.
Nähere Informationen und Anmeldung bei: Kur- und
Begegnungszentrum Saulgrub;
Tel.: (0 88 45) 9 90.
Das Institut für Rehabilitation und Integration
Sehgeschädigter (IRIS) Hamburg
bietet auch in diesem Jahr verschiedene Lehrgänge für
Blinde und Sehbehinderte
an, u. a. Ausbildung zur Rehabilitationsfachkraft für Blinde und
Sehbehinderte
im Bereich Orientierung und Mobilität sowie Lebenspraktische
Fertigkeiten und
Kommunikation vom 17.09.2001 bis 16.05.2003.;
Lehrgang zur Förderung der Orientierung und Mobilität
für RP-betroffene
Schüler/innen vom 28.10. bis 04.11.
Nähere Auskünfte bei: IRIS; Tel.: (0 40) 2 29 30 26.
Leipzig zum
Hören, Tasten und Lesen
Tag der offenen Tür
Editionen der DZB (Deutsche Zentralbücherei für Blinde
zu Leipzig), die nützlich
für einen Stadtbummel sein können:
Hauptbahnhof Leipzig, Reliefkarte + Kassette oder
Großdruck;
- Autobahnanschlüsse A9, 1 Broschüre mit 1 Relief,
Vollschrift, Miniformat;
- Citykarte, 1 Reliefkarte mit Legenden + Kassette + 1
Schwarzschriftkarte;
- LVB (Leipziger Verkehrsbetriebe)Orientierungsplan, Reliefkarte mit
Legenden
und Schwarzschriftkarte
14 Straßenbahnlinien und 5 Stadtbuslinien der LVB, je 1 Heft in
Vollschrift
- Blindenpark Leipzig, ein akustischer Parkführer, 1
Broschüre + 5 Reliefs + 2
Kassetten;
Einige dieser Produkte sind auch ausleihbar. Und vieles ist zu
erleben beim Tag
der offenen Tür der DZB am 08.09., von 10 bis 17 Uhr. An diesem
Tag werden u. a.
Führungen durch die DZB, eine kleine Hilfsmittelausstellung und
eine Diskussion
mit Leitern von Blindenbibliotheken und Mitgliedern des
DBSV-Vorstandes zu
Gegenwart und Zukunft der Blindenbüchereien angeboten.
Weitere Informationen unter (03 41) 71 13-0 oder info@dzb.de.
DZB, PSF 100245, 04002 Leipzig.
Susanne Siems
Der Blindenbund in Hessen feiert am 24. August ab 15.00 Uhr das
50-jährige
Bestehen des Hauses Hubertus - Ferien- und Tagungsstätte in
Mündersbach mit
einem Tag der offenen Tür.
Neben Essen, Trinken und Musik sind im und um das Haus interessante
Dinge zu
erleben u. a. eine Dunkelbar.
Alle sind recht herzlich eingeladen!
Hilfsmittelausstellung des VzFB
12.09., 09.00 bis 17.00 Uhr in Nümbrecht im Blindenaltenheim
der CBM, Ernst-
Christoffel-Haus, Höhenweg 4, 51588 Nümbrecht.
Nähere Auskünfte unter Tel.: (05 11) 9 54 65-0.
Der Braunschweiger-Blinden-Hilfsmittel-Versand veranstaltet am
07.07. von 11.00
bis 17.00 Uhr in Berlin, Auerbacher Str. 7, gemeinsam mit der Fa.
Tieman GmbH
eine Hilfsmittelverkaufsausstellung aus den Bereichen Beruf, Haushalt
und
Freizeit.
Weitere Informationen unter Tel.: (05 31) 2 84 24 12.
Der "Große Garten" in Hannover-Herrenhausen ist ein
Barockgarten. Martin Rembeck
bietet für Blinde und Sehbehinderte Führungen durch den
Garten an und stellt den
Garten als Gesamtkunstwerk vor.
Der Garten ist (be-)greifbar durch das Ertasten von Skulpturen, durch
die
Orientierung mittels tastbarer Karten.
Anmeldungen bei: Martin Rembeck; Tel.: (05 11) 55 04 17.
04. bis 07.10. : III. Tage für akustische Medien, Thema:
Rundfunkfernempfang im
Wandel;
21. bis 25.11.: Liedertage, Thema: Dorn im Ohr;
06. bis 09.12.: Boltenhagener Audioklub, Hörvergnügen aus
erster Hand;
09. bis12.05.2002 : IV Boltenhagener Bücherfrühling.
Details über alle Veranstaltungen finden Sie ständig
aktualisiert im Internet
unter www.ostseeperlen.de
Aktuelle Damenmoden für den Herbst bietet wieder eine
Modenschau für blinde und
sehbehinderte Modeinteressierte am 08.09. Natürlich können
die Modelle wie immer
betastet und auch aus der Nähe betrachtet werden.
Einkaufsmöglichkeit wird
geboten.
Anmeldungen und Informationen bei: Blinden- und
Sehbehindertenverein
Gelsenkirchen; Tel.: (02 09) 5 8 22 77.
Am 02.09. feiert der Taubblindendienst in Radeberg - Storchennest
- von 11.00
bis 17.00 Uhr das 10. Gartenfest unter dem Thema "Kleine Galerie der
Sinne". Es
gibt viele Aktivitäten unter dem genannten Thema.
Nähere Informationen bei: Storchennest; Tel.: (0 35 28) 43
97-0.
Ab sofort hat der Verein der Telefonfreunde e. V. eine
Telefontarif-Infobox
geschaltet, auf dieser Box werden der günstigste aktuelle
Telefontarif im
offenen Call-by-Call angesagt. Die Box erreichen Sie unter der
Rufnummer: (05
11) 55 93 58. Wer sich für weitere günstige Tarife
interessiert, sollte den
Verein beitreten, der Jahresbeitrag beträgt für 2001 12 DM
und ab 2002 7 Euro.
Nähere Informationen bei: Detlev Jost; Tel.: (05 11) 5 51 03
64.
Der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg hat die
Diabetes-Leitlinien der
Deutschen Diabetes Gesellschaft auf Audiokassette lesen lassen.
Interessierte wenden sich an: BSV Hamburg; Tel.: (0 40) 2 09 40
40.
"Herzensweisheiten" - erschienen bei Knaur, München 1991
Pütz, Jean/Kirschner Monika: "Ayurveda - Lebenselixiere aus
Indien" - erschienen
bei Verlagsgesellschaft, Köln 2000;
Ravensburger: "Das Goldene Spielemagazin", Erklärungen der
Regeln von
Würfelspielen.
Diese Titel können Sie auf Hörkassetten erwerben.
Nähere Auskünfte unter Tel.: (0 89) 5 59 88-1 34.
Die aktuelle Version der REHADAT-CD-ROM - das Informationssystem
zur beruflichen
Rehabilitation behinderter Menschen - kann von allen Interessenten
kostenfrei
angefordert werden. Sie bietet Betroffenen als auch Mitwirkenden auf
dem Gebiet
der Rehabilitation umfassende Hilfestellung im beruflichen und
persönlichen
Alltag.
Die CD-ROM kann unter Tel.: (02 21) 49 81-8 44 (Frau Gall) bestellt
werden.
Der Verband der Behinderten - Projekt ROSI - bietet für das
Jahr 2002 taktile
Kalender für blinde und sehbehinderte Menschen in drei Motiven
an:
Blumenkalender, Kinderkalender mit Tiermotiven und Hauptstädte
Europas.
Nähere Auskünfte und Bestellungen bei: Verband der
Behinderten; Tel.: (03 61) 7
92 09 41.
Abbildung der Kalender.
Die schönsten deutschen Volkslieder - ein Liederbuch mit CDs
zum Hören und
Mitsingen erhalten Sie bei: Readers Digest Deutschland, Verlag Das
Beste GmbH,
70160 Stuttgart; Tel.: (0 18 05) 61 99 81.
Abbildung des Covers der CD.
Im Hamburger Rathaus liegen für sehbehinderte Touristen
tastbare Pläne aus, die
leihweise im Rahmen der Führungen durch das Rathaus zur
Verfügung gestellt
werden.
Informationen unter Tel.: (0 40) 4 28 31-0.
Rechtsauskunft:
Ein "Videotextlesegerät" ist ein von der Krankenkasse zu gewährendes Hilfsmittel; ein "Notebook" dagegen nicht. In den Mitteilungen der DBSV-Rechtsabteilung 10/2001 kommentiert Karl Thomas Drerup zwei Urteile:
Videotextlesegerät
Das Urteil des Landessozialgerichts Niedersachsen vom 21.2.2001 -
L 4 KR 9/99 habe ich vom Blindenverein Ostfriesland zugeschickt
bekommen. Der Kläger beantragte bei seiner Krankenkasse, von der
er bereits ein Farberkennungsgerät und ein Blindenlesegerät
(Reading Edge) erhalten hatte, Gewährung eines
"Videotextlesegerätes" der Firma Novotech, was die Krankenkasse
ablehnte. Die dagegen erhobene Klage hatte in der ersten Instanz
keinen Erfolg. Die zweite Instanz kam jedoch mit dem hier
vorliegenden Urteil zu einer positiven Entscheidung. Das LSG
hält das Videotextlesegerät für "erforderlich, denn
durch das vom Kläger derzeit von der Beklagten zur
Verfügung gestellte Lesegerät wird sein Grundbedürfnis
auf umfassende Information nicht in ausreichendem Maße
befriedigt... Nach seinen Ausführungen in der mündlichen
Verhandlung kann der Kläger mit dem von der Krankenkasse zur
Verfügung gestellten Lesegerät nur großgeschriebene
DIN-A-4 Texte in Originalschrift, aber keine Arzneibeipackzettel oder
Kopien lesen. Es ist ihm nach seinem schriftlichen Vorbringen auch
nicht möglich, die Tageszeitung zu lesen, da das vorhandene
Lesegerät bereits eine üblicherweise formatierte
Tageszeitung nicht bewältigen kann. Dieser Vortrag des
Klägers wird durch das vom BSG zitierte Rundschreiben des
Bundesministers für Arbeit und Soziales vom 9. August 1994
bestätigt. Das Lesen der Tageszeitung ist jedoch elementarer
Bestandteil des oben geschilderten Grundbedürfnisses auf
Information (BSG SozR 3 3-2500 § 33 Nr. 26 S 152). Mit Hilfe des
Videotextlesegerätes ist es dem Kläger jedoch möglich,
Informationen und Nachrichten, wie sie sonst in Tageszeitungen zu
lesen sind, abzurufen. Auf die Hilfe anderer Personen, die ihm
vorlesen würden, kann der Kläger nach der Rechtsprechung
des BSG nicht verwiesen werden. ... Auch der Verweis auf Rundfunk ist
nicht zulässig. ... Das begehrte Videotextlesegerät ist
auch wirtschaftlich im Sinne einer begründbaren Relation
zwischen Kosten und Gebrauchsvorteil des Hilfsmittels. ... Der
Kläger benötigt das Videotextlesegerät, um
Informationen und Nachrichten aus allen Bereichen (u. a. Politik,
Sport, Kultur, Wirtschaft, Produktinformationen, Kochrezepte etc) zu
erhalten, die Sehende aus der Tageszeitung entnehmen können.
Darüber hinaus ist der zeitliche Umfang der beabsichtigten
Nutzung und die Bedeutung der jeweils erschließbaren
Informationen maßgebend. ... Dazu hat der Kläger in der
mündlichen Verhandlung vor dem Senat glaubhaft dargelegt, dass
er das Videotextlesegerät durchschnittlich 3 Stunden
täglich benutzen werde und er auch bereits schon Erfahrungen
damit habe, da ihm schon heute Videotexte von einem Freund vorgelesen
würden."
Kommentar: Mit diesem Urteil wird das LSG der zunehmenden Bedeutung der elektronischen Medien gerecht. Das LSG hält ein Hilfsmittel für (medizinisch) erforderlich, das allein dem Zugang zum Videotext dient und den fehlenden Zugang zu Tageszeitungen kompensiert. Mindestens ebenso erforderlich müssten Hilfsmittel sein, mit denen der Blinde Zugang zum Internet findet, wobei dies allein schon den Anspruch auf das Gerät ausreichend begründen würde. Bedenklich stimmt hingegen die Darstellung der geringen Brauchbarkeit des bereits vorhandenen Lesegeräts. Ist dies tatsächlich so wie beschrieben, so können die Krankenkassen demnächst die bisher gewährten Lesegeräte als unwirtschaftlich ablehnen.
Dem Urteil des Bundessozialgerichts vom 30.1.2001 - B 3 KR 10/00 R
(das ich von Herrn Demmel bekommen habe) lag ein Fall zugrunde, in
dem ein hochgradig Sehbehinderter mit zusätzlichen schweren
körperlichen Behinderungen bei seiner Krankenkasse ein
"Diktiergerät inklusive einem Konferenzmikrofon sowie einem
sehbehindertengerechten
Notebook inklusive Zubehör" beantragt hatte. Nachdem die
Krankenkasse abgelehnt hatte, erhielt der Behinderte die
gewünschten Geräte als Vorleistung von der Sozialhilfe,
die nun ihrerseits die Krankenkasse auf Regress verklagte. An diesem
Prozess nahm der betroffene Behinderte als Beigeladener teil. Das
Sozialgericht gab der Klage im Hinblick auf das Diktiergerät
statt. Das Notebook hielt es jedoch für unwirtschaftlich.
Dagegen legte der Beigeladene (und nur dieser) Berufung ein, und da
diese keinen Erfolg hatte, ging er in die Revision. Doch auch das BSG
lehnte die Finanzierung des Notebooks durch die Krankenkasse ab. In
seiner Begründung geht das BSG kurz auf die Frage ein, ob das
Notebook ein "allgemeiner Gebrauchsgegenstand des täglichen
Lebens" ist. Es lässt diese Frage dann jedoch offen, weil die
Beklagte eindeutig aus anderen Gründen nicht leistungspflichtig
sei. Diese anderen Gründe sind: "Das LSG hat zutreffend erkannt,
dass der Beigeladene das von ihm benutzte sehbehindertengerecht
ausgestattete Notebook nicht benötigt, um etwa das allgemeine
Grundbedürfnis des täglichen Lebens auf Kommunikation
mit
anderen Menschen sicherzustellen oder wesentlich zu erleichtern. Nach
den Feststellungen des LSG steht dem Beigeladenen für diesen
Zweck ein behindertengerecht ausgestatteter stationärer PC zur
Verfügung. ... Der Beigeladene ist zur Verständigung nicht
auf den Einsatz eines Notebooks angewiesen. Es dient dem Beigeladenen
vielmehr allein der Organisation seines Jurastudiums. Das Aufzeichnen
des Inhalts von Vorlesungen oder die schnelle Verfügbarkeit
juristischer oder spezieller studienrelevanter Texte mit Hilfe eines
Notebooks ist, worauf das LSG bereits hingewiesen hat, für den
mehrfach behinderten Kläger eine erhebliche Erleichterung.
Hierbei handelt es sich jedoch nicht um Grundbedürfnisse eines
Menschen, sondern um die Ermöglichung einer Ausbildung, die der
Ausbildung qualifizierter Berufe dient und nicht jedermann
zugänglich ist."
Kommentar: Das BSG setzt hier konsequent seine schon Jahrzehnte
alte Rechtsprechung fort, wonach das Beschaffen, nicht aber das
Speichern von Informationen ein elementares Grundbedürfnis
darstellt, so dass die Krankenkasse zwar Lesegeräte, aber keine
Hilfsmittel zum Schreiben (und zu anderen Formen der Textspeicherung)
gewähren muss. Die letztgenannten Geräte fallen
ausnahmsweise nur dann in die Leistungspflicht der
Krankenkasse, wenn der (auch sprachlich) Behinderte sie braucht, um
überhaupt eine Verständigung mit anderen Menschen
führen zu können. Dieser Fall war hier nicht
gegeben. Insoweit ist das vorliegende Urteil auch nicht weiter
interessant. Für uns von Bedeutung sind jedoch die
Ausführungen zum Begriff des "Gebrauchsgegenstands". Ich
verweise zunächst auf das in den Mitteilungen der
DBSV-Rechtsabteilung 8/2001 besprochene neue Urteil des BSG. Danach
ist nicht nur ein PC, sondern sind auch andere Komponenten eines
offenen Lesesystems Gebrauchsgegenstände und sind daher von der
Krankenkasse nicht zu finanzieren. Das BSG geht jetzt noch einen
Schritt weiter (obwohl auch dieser Schritt durchaus auf der Linie
schon älterer Rechtsprechung liegt, zum Beispiel der zum
"orthopädischen Schuh"). Jetzt nämlich lässt das BSG
erkennen, dass auch Komponenten eines geschlossenen (!) Systems
Gebrauchsgegenstände sein können und vom Versicherten
anteilmäßig zu zahlen sind. Konkret heißt es: "Auch
wenn das vom Kläger benutzte Notebook über zusätzliche
Ausstattungen verfügt, die speziell auf die Bedürfnisse
erheblich Sehbehinderter abgestellt sind, so enthält es doch als
wesentlicher Bestandteil wie jedes andere handelsübliche
Notebook einen in kompakter Bauweise zusammengesetzten PC." Daraus
folgt: Die Blinden und Sehbehinderten werden sich generell darauf
einstellen müssen, dass sich die Hilfsmittelversorgung auf die
behindertenspezifischen Elemente ihrer elektronischen Ausstattung
beschränken wird.
Im Beruf:
Von Simone Tolle
Simone Tolle sprach mit Bruno Kuhn, Integrationsberater im BFW Würzburg, über Ergebnisse einer Stellenanalyse des Bundesinstituts für Berufsbildung (BiBB):
Die Studie fand heraus, dass Arbeitgeber den größten
Wert auf Qualifikationen wie Leistungsbereitschaft, Motivation,
Engagement, Selbständigkeit und Belastbarkeit legen. Können
Sie diese Erfahrungen bestätigen?
Bruno Kuhn: Ja, denn Bewerber, die diese Eigenschaften aufweisen,
werden sehr schnell vermittelt. Gerade bei Blinden und Sehbehinderten
mache ich immer wieder die Erfahrung, dass Leistungsbereitschaft und
Engagement Handicaps kompensieren können.
Für sehr bedeutend halte ich auch die persönliche
Motivation. Die landläufige Meinung ist ja oft, dass sich
Arbeitgeber - wenn sie die Wahl haben - den Bewerber aussuchen, der
keine Behinderung hat, oder dessen Behinderung ihnen am geringsten
erscheint. Meine Erfahrung ist eine andere: Arbeitgeber stellen den
ein, der - hohe Fachkompetenz vorausgesetzt - die stärkste
Motivation aufweist.
Die Studie sagt auch, dass bestimmte emotionale Grundhaltungen wie
"freundlich", "gewinnend" sowie Aussehen und Attraktivität von
Bewerbern eine große Rolle spielt. Wie sehen Sie diese
Ergebnisse vor allem im Hinblick auf die Bewerbungschancen von
blinden und sehbehinderten Menschen für die alles Visuelle eher
von untergeordneter Bedeutung ist?
Bruno Kuhn: Ich denke mit "Aussehen" und "Attraktivität" ist
nicht gemeint, dass Bewerber bzw. Bewerberinnen aussehen müssen
wie Claudia Schiffer. Wichtig ist aus meiner Sicht die Ausstrahlung
der Gesamtpersönlichkeit: z. B. ein Blinder mit einer
"attraktiven" Stimme, der ein hohes Maß an
Einfühlungsvermögen beim Bewerbungsgespräch z . B. um
eine Stelle als Call-Center-Agent rüberbringt. Oder einer, der
nach einem Unfall spät erblindet ist und sich seinen neuen Beruf
mit Konsequenz und Durchhaltevermögen erarbeitet hat - solche
Menschen können im Vorstellungsgespräch
überzeugen.
Arbeitgeber legen laut der Studie auch großen Wert auf
Teamfähigkeit, Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit.
Was muss in der Ausbildung in den Berufsförderungswerken
geleistet werden, damit auch diese Fähigkeiten optimal trainiert
werden?
Bruno Kuhn: Wir haben im Berufsförderungswerk Würzburg auf
diese veränderten Anforderungen durch Einführung der
handlungsorientierten Ausbildung reagiert. Wichtig ist, dass der
Anteil des Frontalunterrichtes zurückgeht und die Teilnehmer
sich Lerninhalte selbständig und in der Gruppe erarbeiten und
Ergebnisse entsprechend präsentieren. Dies muss gerade in der
Ausbildung von Anfang an berücksichtigt werden.
Auch auf Fremdsprachenkenntnisse wird - laut Studie -
verstärkt Wert gelegt. Entspricht das Ihren Erfahrungen?
Bruno Kuhn: Ich halte je nach Berufsbild Grundlagen in Englisch
für wichtig. Ein Bewerber sollte allerdings, falls es der
Arbeitgeber wünscht, seine Bereitschaft bekunden, seine
Kenntnisse zu erweitern.
Das BiBB kommt auch noch zu einem weiteren interessanten Ergebnis:
Frauen müssen im Beruf besser sein als Männer. Sehen Sie
das genauso?
Bruno Kuhn: Ja, auch diese Aussage kann ich voll bestätigen.
Meine Erfahrung sagt mir aber, dass Frauen mindestens genauso
belastbar, motiviert und leistungsbereit sind, wie Männer. In
der Kommunikation sind sie aus meiner Sicht sogar verbindlicher und
geschickter.
Sie betreuen in der Qualifizierungsmaßnahme "IBS"
(Integration Blinder und Sehbehinderter in den Beruf") einen
Personenkreis, der als schwer vermittelbar gilt, weil die Teilnehmer
schon lange arbeitslos sind. Wie gelingt es Ihnen dort, die
Teilnehmer optimal auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten?
Bruno Kuhn: Neben der fachlichen Qualifikation - wie die Auffrischung
der EDV-Kenntnisse - haben wir einen wöchentlichen Jour fix mit
Integrationsberatern, Psychologen und den Teilnehmern. Dort werden
die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmer abgefragt und
ernstgenommen. Wir bieten auch ein spezielles Kommunikationstraining
an, das vor allem die Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch
zum Ziel hat. Wichtig ist es auch, bei jedem Einzelnen die
Kritikfähigkeit zu erhöhen: d.h. Kritik angemessen und
konstruktiv zu äußern, aber auch annehmen zu
können.
Was raten Sie blinden und sehbehinderten Bewerbern aufgrund der
Ergebnisse der Studie und Ihren eigenen Erfahrungen?
Bruno Kuhn: Zunächst einmal gilt hinsichtlich der Bewerbung ein
hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit. Eine Top-Bewerbungsmappe
ist unerlässlich und das Bewusstsein, dass jeder mit seinen
Unterlagen im wahrsten Sinne des Wortes für sich selbst werben
muss. Im Bewerbungsgespräch selbst gilt es, authentisch
aufzutreten und sich und seine Stärken gut zu verkaufen.
Viele Bewerber denken leider nur bis zu den Prüfungen,
berufliche Integration ist jedoch mehr. Ich vergleiche das immer mit
dem Dreisprung im Sport: Der erste Sprung ist die fachliche
Qualifikation. Gute Prüfungsergebnisse , also ein hohes
Maß an Fachlichkeit, sind Voraussetzung für den zweiten
Sprung: Die berufliche Integration. Hierzu gehört vor allem ein
intensives Bewerbungstraining. Und der dritte Sprung
schließlich ist die dauerhafte berufliche Integration - die
Karriere!
Bild: Frau Tolle und Herr Kuhn
Von Paul Schuster
Rund 90 Rehabilitationsberater der BfA von Beratungsstellen aus
dem gesamten Bundesgebiet waren zu einer zweitägigen
Weiterbildungsveranstaltung zum Thema "Berufliche Rehabilitation von
Blinden und Sehbehinderten" in das
Berufsförderungswerk Halle (Saale) gekommen. Für einen
großen Teil der Gäste war es die erste Gelegenheit, sich
spezielle Kenntnisse über dieses Thema zu erarbeiten.
Ein anspruchsvolles Tagungsprogramm, das von Rehabilitanden,
Mitarbeitern, Arbeitgebern und verschiedenen Kooperationspartnern des
Berufsförderungswerkes gestaltet wurde, bot zahlreiche Einblicke
in die verschiedensten Tätigkeitsbereiche. Aspekte des
Mobilitätsunterrichts, Blindenführhundtraining, Sehhilfen
und Hilfsmittelvorführungen erweiterten das Wissensspektrum der
interessierten Gäste.
Einen besonderen Schwerpunkt der Schulungsveranstaltung bildeten die
Erfahrungsberichte zur gutachterlichen Tätigkeit der
Universitäts-Augenklinik Halle, Tendenzen in der Entwicklung
neuer Bildungsleitlinien und die Problematik beruflicher Integration
von Absolventen des BFW Halle. In einem regen Meinungsaustausch, in
den neben den Partnern BfA und BFW auch Vertreter von Arbeitgebern
einbezogen waren, konnten zahlreiche Vorschläge für die
zukünftige Zusammenarbeit unterbreitet werden.
Die Teilnehmer brachten zum Abschluss der Tagung ihre
Überzeugung zum Ausdruck, mit dem speziellen Wissen über
die Möglichkeiten
der beruflichen Rehabilitation blinder und sehbehinderter
Antragsteller, die Bearbeitung in Zukunft noch zielgerichteter zu
realisieren.
Integration:
Eine CD mit Punktschrift auf der Hülle macht Lust zum Hören; Dieter Kindl, ehrenamtlicher Redakteur der Sendung Liederleute im offenen Kanal Kassel, sprach mit Herrn Zebisch, der die CD kürzlich herausbrachte:
Ich habe seit 20 Jahren einen Freund, der ist blind, der steht
eigentlich so auf diese Musik. Und ich hab` mir gesagt, normalerweise
müsste man an diese Jungs und Mädels ein bisschen denken.
So entstand die Idee, dort Blindenschrift einprägen zu lassen,
so dass auch Nichtsehende sofort erkennen, was sie in der Hand
haben.
Natürlich musste ich mir von meinem Freund Jürgen Trinkus
erst die Blindenschrift schicken lassen, und dann haben wir das
raufgeprägt. Dabei ist übrigens noch ein schöner
Spaß entstanden. Als mein Freund das erste Muster in der Hand
hielt, rief er mich an und fragte, warum die CD LUFT heißt; ich
sollte es ihm erklären. Sie heißt aber nicht LUFT, sie
heißt LUST (was ein Pünktchen so ausmacht).
Können Sie noch etwas zu der Gruppe sagen, die man auf der CD
hört...
"Der wilde Garten", gegründet vor vier Jahren von drei relativ
bekannten Musikern: Tino Eisbrenner, Sänger und Texter; Tobias
Morgenstern, ein genialer Akkordeonspieler; Georgi Gogow, der
"Teufelsgeiger" von City, als Komponist und Mitspieler,
Multiinstrumentalist und Sänger Matthias (Felix) Lauschus,
Manfred Henning, Keyboard.
Die fünf Leute machen Musik, bei der wir immer Schwierigkeiten
haben, sie einzuordnen, ob das nun Soft-Rock ist oder Deutsch-Pop
oder eben Weltmusik. Auf jeden Fall machen sie etwas Neues, und wenn
wir damit Erfolg haben, werden sie damit die Ersten sein. Sie
verarbeiten so scheinbar kubanische und bulgarische Einflüsse.
Sie haben für mich erfolgreich eine deutsche Version des Chan
Chan von Buena Vista Social Club gemacht.
Wie kann man nähere Informationen bekommen?
"Der-wilde-Garten.de" ist im Internet zu finden. Unter
www.John-Silver.com haben wir eine eigene Seite, und es war für
uns natürlich selbstverständlich, dass wir auch eine von
allem Schnick-Schnack bereinigte Seite machen, die auch so angelegt
ist, dass sie zugänglich ist; das haben wir auch abgestimmt mit
dem DBSV, mit dem wir auch zusammenarbeiten inzwischen, von dem wir
hoffen, dass wir auch weitere Anregungen bekommen.
(Kassetten-Ausgabe Originalton mit Musikbeispiel.)
Nachbemerkung:
Von der vorgestellten CD stellte Herr Zebisch dem DBSV 15 Exemplare
kostenlos zur Verfügung, die als Preise für richtige
Einsendungen der Rätselkarte "Sechs Richtige" verlost werden;
vielen Dank.
Bestellungen bei: John Silver Production; Tel.: (0 30) 44 37 35
29.
Bild: Eine Abbildung des Covers der CD.
Hörfilm-Forum
von Martina Wiemers
Neu auf DVD:"Die Stille nach dem Schuss"
Regie: Volker Schlöndorff (D 2000)
Zum Inhalt:
Deutschland in den 70er Jahren. Über die heitere Anarchie kommt
Rita Vogt zum Terrorismus, verführt durch ihren
Gerechtigkeitssinn und durch die Liebe zu Andi. Als sie das Scheitern
der Bewegung erkennt, taucht sie in der DDR unter. Mit Hilfe der
Stasi-Mitarbeiters Hull beginnt für sie dort unter falschem
Namen eine neue Existenz.
Rita führt ein normales Leben als Arbeiterin. Sie will ankommen,
während ihre junge Kollegin Tatjana weg will, in den Westen.
Zwischen beiden beginnt eine Freundschaft, der eine Fahndungsmeldung
im Westfernsehen ein abruptes Ende setzt. Wieder muss Rita
untertauchen. Mit einem neuen Namen in einer neuen Stadt scheint sie
mehr Glück zu haben. Doch dann wird Rita von ihrer Vergangenheit
eingeholt, es ist das Jahr 1989 - die Mauer fällt, die DDR
hört auf zu bestehen ...
Mit Bibiana Beglau (Rita Vogt), Martin Wuttke (Erwin Hull), Nadja Uhl
(Tatjana), Alexander Beyer (Jochen), Jenny Schily (Friederike)
Audiodeskription: DBSV / Projekt Hörfilm mit freundlicher
Unterstützung von Media Markt.
Kinowelt Home Entertainment, Bestell-Nr. 500 182, DM 49,95. Auch
erhältlich beim Hörfilm-Versand des DBSV, Bestell-Nr. HKD
00 09.
DVD und DVD-Player - Was ist wichtig?
Eine DVD (Digital Versatile Disc) ist ein digitaler
Bild-Ton-Datenspeicher. Sie sieht aus wie eine CD, hat aber eine ca.
zehnfache Speicherkapazität. Auf einer DVD kann man einen ganzen
Spielfilm mit einer aufwändigen Tonabmischung (z.B.
Dolby-Digital) unterbringen, außerdem weitere Tonspuren
für die Originalsprache etwa oder die Audiodeskription. Hinzu
kommt in der Regel zusätzliches Material zum Film wie z. B.
Hintergrundberichte, Interviews mit den Machern, biografische
Informationen usw.
Nutzer prophezeien dem DVD-Player einen baldigen Siegeszug bei
Blinden und Sehbehinderten, ähnlich dem Erfolg des CD-Players,
der bei Nichtsehenden im Handumdrehen den Plattenspieler
verdrängte.
Derzeit gibt es 8 DVDs mit Audiodeskription - jeder Titel kann als
Blindenhilfsmittel angesehen werden, das im regulären Handel
erhältlich ist. Neben der blindengerechten Version ist immer
auch die gesamte Originalversion zu hören und zu sehen.
Derzeit ist eine erste DVD mit akustischer Menüsteuerung auf dem
Markt ("Dancer in the Dark", VCL) - ein wichtiger Schritt in Richtung
einer blindengerechten Bedienbarkeit, die nur digital erreicht werden
kann.
Lothar Rhedes vom Förderzentrum für Blinde und
Sehbehinderte gibt Basis-Tips zum Kauf eines DVD-Players
DVD-Player werden inzwischen in großer Vielfalt und erstaunlich
preiswert angeboten. Markengeräte erhalten Sie zu
Angebotspreisen bereits um die 600 DM.
Die derzeit im Handel befindlichen DVD-Player sind reine
Abspielgeräte, erste Recorder sind erst seit kurzem auf dem
Markt und noch sehr teuer.
DVD-Player sind auch zum Abspielen von CDs geeignet, einige
können sogar CDs im MP3-Format wiedergeben. Ein besonderer
Bedienkomfort im Vergleich zum Video: Man kann - ähnlich wie
beim Übergang von der Tonbandkassette zur CD - sich das Spulen
sparen und von Szene zu Szene springen. Manche DVD-Player geben beim
langsamen Suchlauf auch den Ton wieder, was für Blinde besonders
günstig ist.
Wenn sich auch die Ausstattungsmerkmale ähneln, so
können die Bedienkonzepte spürbar voneinander abweichen.
Eine übersichtlich strukturierte Fernbedienung erleichtert die
Handhabung.
Es wird kaum einen DVD-Player geben, der ohne Menüs bei den
Einstellungen auskommt. Bei manchen DVD-Playern (z. B. Panasonic
DVD-RV 20) wurde die Möglichkeit vorgesehen, anstelle der
Menüauswahl auch eine Einstellung mittels Zahlencodes
vorzunehmen, die auf der Fernbedienung eingetippt werden.
Weitere Auskünfte erhalten Sie beim Förderzentrum für Blinde und Sehbehinderte gGmbH, Tel. 030 - 79 01 369 36, oder bei der Deutschen Hörfilm gGmbH i.G., Tel. 030 - 23 55 73 40.
Alle derzeit erhältlichen DVDs mit Audiodeskription können bei der Deutschen Hörfilm gGmbH i.G. zum Preis von je 39,95 DM bestellt werden:
Alles über meine Mutter (HKD 00 04)
Dancer in the Dark (HKD 00 07)
Der Dritte Mann (HKD 00 003)
Der talentierte Mr. Ripley (HKD 00 05)
Die Stille nach dem Schuss (HKD 00 09)
Frequency (HKD 00 08)
La Strada (HKD 00 02)
Leoparden küsst man nicht (HKD 00 06)
"Hörfilme auf DVD" - Seminar für Multiplikatoren
Audiodeskription auf DVD ist Gegenstand eines Seminars, das vom 26.
bis 28. Oktober in Bad Meinberg stattfindet. Die Veranstaltung
richtet sich an Interessierte, die das neue Medium DVD als
Multiplikatoren innerhalb der Blindenselbsthilfe bekannt machen
wollen. Die Themen: 1. Wie funktioniert eine DVD, was bietet sie? 2.
Zur Handhabbarkeit von DVD-Playern
3. Blinde Hörfilm-Multiplikatoren berichten aus ihrer Arbeit. 4.
Kontakt zu lokalen Sponsoren. - Die Teilnahme am Seminar ist
kostenlos. Fahrtkosten sowie die Kosten für Unterbringung und
Verpflegung (ca. 200.- DM) sind von den Entsendestellen zu tragen.
Den Teilnehmern werden für geplante Info-Veranstaltungen DVDs
mit Audiodeskription zur Verfügung gestellt.
Veranstalter ist die Deutsche Hörfilm gGmbH i.G.. Anmeldungen
werden nach der Reihenfolge des Eingangs angenommen unter Tel. 030 -
23 55 73 40 (Anmeldeschluss: 30. August 2001).
Hörfilm-Sendetermine:
* So, 08.07.01, 20.45 Uhr, Arte
Jenseits der Stille (D 1995)
Regie: Caroline Link, mit Sylvie Testud u. a.
Die junge Lara übersetzt für ihre gehörlosen Eltern in
allen möglichen Lebenslagen. Als sie eine Klarinette geschenkt
bekommt und so in die Wunderwelt der Musik eingeführt wird,
zeigt der Vater wenig Verständnis für die Musikbegeisterung
seiner Tochter. Lara muss sich entscheiden, für die Welt der
Stille oder die der Musik.
* Mi, 11.07.01, 18.00 Uhr, ZDF
SOKO 5113: Todessprung (D 1999)
WH 03.30 Uhr
Aufregung am Bungee-Point: Das Raver-Event rund um den erstmaligen
Sprung aus 140 m Höhe nimmt ein tragisches Ende, als das
Bungee-Seil reißt.
* Mo, 16.07.01, 00.55 Uhr, Arte
Jenseits der Stille (D 1995)
* So, 22. 07.01, 22.30 Uhr, BR
Die Volksschule (CR 1991)
* Mi, 25.07.01, 18.00 Uhr, ZDF
SOKO 5113: Das Münchner Madl (D 1999)
WH 03.10 Uhr
Die attraktive Studentin Cynthia ist in ihrer Wohnung ermordet
worden. Sie trug ein Hochzeitskleid aus dem vorigen Jahrhundert. Bald
wird eine weitere Schönheit ermordet ...
* Mo, 30.07.01, 20.45 Uhr, Arte
Bullets over Broadway (USA 1994)
Regie: Woody Allen, mit John Cusack u. a.
New York in den wilden 20ern. Ein miserabler Stückeschreiber
will ein sozialkritisches Drama am Broadway aufführen. Als
Geldgeber fungiert ein Mafiaboss, der als Gegenleistung die Besetzung
der Hauptrolle mit seiner Geliebten verlangt.
Woody Allen inszeniert mit leichter Hand eine Komödie mit
geschliffenen Dialogen um Kunst und Künstler, Verbrechen und
Verbrecher, Moral und Liebe.
* Mi, 08.08.01, 18.00 Uhr, ZDF
SOKO 5113: Verwischte Spuren (D 1999)
WH 03.05 Uhr
Gert Klinger verliert seine Frau durch einen Autounfall. Einiges
spricht für ein Fremdverschulden, aber wer könnte ein Motiv
haben?
* Mi, 15.08.01, 22.30 Uhr, 3-sat
Kinderspiele (D 1992)
Regie: Wolfgang Becker
Micha, ein aufgeweckter elfjähriger Junge, wächst in einem
von Lieblosigkeit und Gewalt geprägten Elternhaus auf. Als die
Mutter mit dem jüngeren Bruder die Familie verläßt,
bahnt sich ein Drama an. - Mit dieser im Arbeitermilieu der sechziger
Jahre angesiedelten Geschichte einer schwierigen Jugend zeichnet
Wolfgang Becker ein stimmiges und differenziertes Bild von jenen
fatalen Macht- und Gewaltverhältnissen, welche Opfer zu
Tätern werden lassen.
* So, 19.08.01, 22.30 Uhr, BR
Kleine Haie (D 1992)
Regie: Sönke Wortmann, mit Jürgen Vogel, Merit Becker
u.a.
"Kleine Haie", das sind all die Jungs und Mädels, die sich
alljährlich aufmachen, die Aufnahmeprüfung an einer der
wenigen staatlichen deutschen Schauspielschulen zu bestehen. Es ist
eine Geschichte über Freundschaft zwischen Hoffnung, Bangen und
zerstörter Illusion.
* Mi, 22.08.01, 18.00 Uhr, ZDF
SOKO 5113: Die Jäger (D 2000)
WH 03.10 Uhr
* Mi, 29.08.01, 22.25 Uhr, 3-sat
Bella Block - Die Kommissarin (D 1993)
Regie: Max Färberböck, mit Hannelore Hoger als Bella
Block
Bella Block, Kommissarin der Hamburger Mordkommission, fährt in
den wohlverdienten Urlaub aufs Land. Doch hier wird Kommissarin Block
in die Tragödie ihrer Nachbarn hineingezogen. Bauer Petersen
musste seinen Hof verkaufen. Er vermutet, dass Schatthauer, ein
Freund der Familie, dahintersteckt. Doch niemand glaubt ihm. Petersen
läuft Amok. Für die örtliche Polizei ist der Fall
klar: Affekthandlung, aufgrund von Depressionen. Aber Block
weiß aus Erfahrung, dass mehr hinter der ganzen Sache steckt.
Die Ermittlungen beginnen.
* So, 02.09.01, 22.30 Uhr, BR
Die unteren Zehntausend (USA 1961)
Regie: Frank Capra, mit Bette Davis, Glenn Ford, Peter Falk u.a.
Die unansehnliche und schlampige Broadway-Obsthändlerin Annie
hat ausgezeichnete Beziehungen zur New Yorker Unterwelt. Ihre Tochter
Louise weiß davon nichts. Sie wird in einer europäischen
Klosterschule erzogen und kennt ihre Mutter nur aus Briefen, in denen
diese sich als elegante Gesellschaftsdame dargestellt hat. Nun aber
droht der ganze Schwindel aufzufliegen, denn Louise will heiraten.
Kurzentschlossen bittet Annie den Gangsterboss David um Hilfe.
* Mi, 05.09.01, 18.00 Uhr, ZDF
SOKO 5113: Eine Nummer zu groß (D 2000)
WH 02.55 Uhr
* Do, 20.09.01, 23.00 Uhr, NDR
Ein Mann steht auf (1) (D 1999)
Regie: Michael Lähn, mit Robert Atzorn
Kommissar Stein führt von seinem Rollstuhl aus einen
verzweifelten Kampf gegen den Waffenhändler Janot, der immer
einen Schritt voraus zu sein scheint. Doch dann erscheint aus dem
Nichts ein Konkurrent Janots und zwingt die beiden zu einer schweren
Entscheidung: Sie müssen miteinander kooperieren.
* So, 23.09.01, 23.45 Uhr, NDR
Ein Mann steht auf (2) (D 1999)
Das Hörfilm- Service-Telefon des DBSV informiert unter 030 -
21 99 77 11 über die aktuellen Sendetermine.
Hörfilme werden in Zweikanalton ausgestrahlt. Zum Empfang sind
Stereogeräte erforderlich. Sie hören die
Audiodeskriptions-Tonspur, wenn Sie über Fernbedienung oder
Display den 2. Tonkanal anwählen.
Über Satellit können nur die Hörfilme von 3-sat, Arte
und BR empfangen werden.
Die Hörfilme von B1, MDR, NDR, ORB und SWR sind in der Regel nur
im unmittelbaren Sendegebiet zu empfangen.
Ein Info-Blatt mit Hinweisen zum Empfang von Hörfilmen ist bei
der Deutschen Hörfilm gGmbH i.G. erhältlich.
Fragen, Anregungen und Wünsche richten Sie bitte an die
Deutsche Hörfilm gGmbH i. G.
Zietenstr. 25 A,
10783 Berlin,
Tel. 030 / 23 55 73 40,
Fax 030 / 23 55 73 433,
e-mail: info@hoerfilm.de,
Internet: www.hoerfilm.de
Zum 01.05.2001 ist das Projekt Hörfilm des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes übergegangen in die Deutsche Hörfilm gGmbH i.G.
Bildunterschriften:
1. Micha (Jonas Kipp, l.) und Kalli (Oliver Bröcker) liegen auf der Lauer und versuchen, den Frauen auf die Schliche zu kommen ("Kinderspiele", Mi, 15.08., 22.30 Uhr, 3-sat).
2. Bella Block (Hannelore Hoger) richtet ihre Dienstwaffe auf den Bauern Petersen, der mit seinem Gewehr in das Gemeindehaus eingedrungen ist. Seine Tochter Lissi (Lisa Karlström, re.) wird unfreiwillig Zeugin beim Amoklauf ihres Vaters. ("Bella Block - Die Kommissarin", Mi, 29.08., 22.25 Uhr, 3-sat)
3. Die Stille nach dem Schuss (Regie: Volker Schlöndorff)
4. Der Star ist nicht bei Laune (Woody Allens "Bullets over
Broadway" (Mo, 30.07., 20.45 Uhr, Arte).
Beilage zur Gegenwart 7/8/2001
Tätigkeitsbericht
des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes e.V.
für das Jahr 2000
Präsident: Jürgen Lubnau
Geschäftsführer: Hans-Dieter Später
Zunächst einige Abkürzungen, die im Text des Öfteren gebraucht werden:
________________________________________________________________________
Verbände und
Vereine, die im Text mit Abkürzungen genannt werden:
AGQ - Arbeitsgruppe zur Umsetzung der Qualitätskriterien
der
Krankenkassen für Blindenführhunde
AGTB - Arbeitsgemeinschaft der Taubblindeneirichtungen
Deutschlands
AK EDV - Arbeitskreis Elektronische Datenverarbeitung
AK ER - Arbeitskreis Elementarrehabilitation
BAR - Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation
BFS - Bund zur Förderung Sehbehinderter
BEBSK - Bundeselternvertretung
BKD - Bund der Kriegsblinden
BMFSFJ - Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend
BOMBS - Berufsverband der Rehabilitationslehrer/innen für
Orientierung
Und Mobilität für Blinde und Sehbehinderte
DBS - Deutscher Behindertensportverband
DBBW - Deutsches Blindenbildungswerk
DIN - Deutsches Institut für Normung
DTW - Deutsches Taubblindenwerk
DVBS - Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium
und
Beruf
EDbN - Europäisches Taubblindennetzwerk
ER - Elementarrehabilitation
EVASA - Erschließung von Arbeitsplätzen für
sehgeschädigte Arbeitslose
mit geringer fachlicher Qualifikation
FBJJ - Forum behinderter Juristinnen und Juristen
FBS - Gemeinsamer Fachausschuss für die Belange
Sehbehinderter
ISCB - Interessengemeinschaft Sehgeschädigter Computernutzer
GFaH - Gemeinsamer Fachausschuss für allgemeine Hilfsmittel
GFTB - Gemeinsamer Fachausschuss für die Belange taubblinder
und
hörsehbehinderter Menschen
GFUU - Gemeinsamer Fachausschuss für Umwelt und Verkehr
KS - Koordinationsstelle
OBZ - Ostdeutsches Blindenzentrum gGmbH
PRD - Pro Retina Deutschland
RBA - Rehabilitation zur Bewältigung des Alltags
VBS - Verband der Blinden- und Sehbehindertenpädagogen
________________________________________________________________________
Einleitung
Das mit fast mystischer Spannung erwartete Millenniumsjahr 2000
(oder war es doch erst das Jahr vor dem Millennium?) war für den
Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) im Hinblick auf
die zu bewältigenden Aufgaben ein Jahr der Superlative.
Verbandspolitisch war deutlich zu spüren, dass das Tempo von
Veränderungen im 21. Jahrhundert zugenommen hat, dass nicht nur
die Datenautobahn rasant ausgebaut wird, sondern das olympische Motto
"schneller, höher, weiter" nicht nur für den Leistungssport
gilt. Die Anforderungen, die eine kurzlebige Leistungs-, Multimedia-
und Freizeitgesellschaft an einen Spitzenverband der
Behindertenselbsthilfe stellt, sind immens. Sie stellen uns aber
nicht nur vor neue Aufgaben, ohne dass die alten an Bedeutung
verlören, sondern zeigen auch, dass der DBSV als Partner von
Politik, Medien, Verbänden und Mitgliedern gefragt und gefordert
ist. Das Sozialgesetzbuch IX, Projekt "DBSV Zukunft", Familiensinn,
Sechs Richtige, EVASA, Hörfilm und Antidiskriminierung sind nur
einige Schlagworte, welche die Verbandsarbeit 2000 prägten.
Blindheit und Sehbehinderung berühren alle Lebensbereiche vom
Einkaufen über das Internetcafe bis zur Arbeitssuche.
Dementsprechend vielfältig und komplex sind die Aufgaben, denen
sich der DBSV verpflichtet fühlt und von denen in diesem
Tätigkeitsbericht bei weitem nicht alle genannt werden
können. Die Änderung des SGB IX und das geplante
Antidiskriminierungsgesetz sind wichtige gesetzliche Grundlagen, bei
denen die Interessen blinder und sehbehinderter Menschen
Berücksichtigung finden müssen. Aber auch die Etablierung
des Hörfilms im Fernsehen, die immer mehr ins Medieninteresse
rückenden Paralympics und das Jubiläum der Blindenschrift,
die 1825, also vor 175 Jahren von Louis Braille entwickelt wurde,
sind wichtige Meilensteine für Blinde und Sehbehinderte. Die
teils mit Skepsis, teils mit Euphorie erwartete Weltausstellung in
Hannover konnte auch der DBSV für seine
Öffentlichkeitsarbeit nutzen. Als Partner der EXPO wurde ein
Begleitservice für blinde und sehbehinderte Expo-Besucher
organisiert, die Eintrittskarten waren mit Braille-Schrift versehen,
und auch der große Kongress "Sechs Richtige" zum Tag des
weißen Stockes, dem 15. Oktober, fand hier einen würdigen
Rahmen. Personell und räumlich gerieten die DBSV-Büros in
Bonn, Berlin und Weil immer mehr an die Grenzen ihrer
Kapazitäten. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer
Zusammenführung in dem neu zu errichtenden
Mobilitätszentrum für Blinde und Sehbehinderte in
Berlin-Hirschgarten. Die Weichen für diese vielseitige
Einrichtung wurden 2000 gestellt, um in der Metropole Berlin ein
Zentrum zu schaffen, in dem Hotelbetrieb und Erholung,
Veranstaltungen und Seminare, Mobilitäts- und LPF
(Lebenspraktische Fertigkeiten)-Training, Administration, Beratung
und Geselligkeit für Blinde, Sehbehinderte und Nichtbehinderte
angeboten werden.
Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. ist ein Verband
der freien Wohlfahrtspflege im Sinne des § 23
Umsatzsteuerdurchführungsverordnung (UstDV) und Mitglied im
Paritätischen Wohlfahrtsverband, Gesamtverband Frankfurt e. V.,
sowie der Bundesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte e. V.,
Düsseldorf. Der Verband hat die Erhaltung und Verbesserung der
sozialen Stellung sowie die gesellschaftliche und berufliche
Eingliederung der Blinden und Sehbehinderten zum Ziel. Diese Aufgaben
erfüllt er insbesondere durch:
a ) Einflussnahme auf
die Gesetzgebung und Gesetzesanwendung,
b ) Rechtsberatung und
Rechtsvertretung in behinderungsbedingten Angelegenheiten im
zulässigen
Umfang,c )
Förderung der sozialen Rehabilitation,
d ) Förderung der
beruflichen Rehabilitation und Mitwirkung bei der Erschließung
neuer Berufsmöglichkeiten,
e ) Förderung der
medizinischen Rehabilitation und von Maßnahmen zur
Verhütung von Blindheit und Sehbehinderung, Förderung,
Entwicklung und Bereitstellung geeigneter Blinden- und
Sehbehindertenhilfsmittel,
f ) Förderung der
Erziehung und Bildung blinder und sehbehinderter Kinder und
Jugendlicher, Förderung von Maßnahmen zur Verbesserung der
Sicherheit von Blinden und Sehbehinderten im öffentlichen
Verkehr,
g ) Unterstützung
kultureller und sportlicher Bestrebungen für Blinde und
Sehbehinderte, Unterhaltung von Einrichtungen bzw. Beteiligung an
deren Trägerschaft,
h ) Erstattung von
Gutachten und Erteilung von Auskünften in allen Angelegenheiten,
die Blinde und Sehbehinderte betreffen,
i ) Herausgabe von
Zeitschriften und anderen Publikationen,
j )
Öffentlichkeitsarbeit unter Benutzung aller geeigneten
Medien,
k ) Zusammenarbeit mit
anderen Organisationen im In- und Ausland.
Im Berichtszeitraum fanden folgende Sitzungen von Verbandsorganen
statt:
Verwaltungsrat: 12. - 13. Mai in Osterode, 20. - 21. Oktober in
Heidelberg
Vorstand: 21. - 22. Januar in Bonn,
07. - 08. April in Bonn, 15. - 16. Juni in Berlin, 08. - 09.
September in Bonn, 01. - 02. Dezember in Bonn
Rechtspolitische Aktivitäten
a) Blindengeld
Der Plan des Bremer Senats, das Landespflegegeldgesetz abzuschaffen,
und die Absicht der Thüringer Landesregierung, das
Landesblindengeld radikal zu kürzen, machten es notwendig, dass
nicht nur die betroffenen Landesvereine des DBSV tätig wurden,
sondern dass auch der DBSV selbst wegen der bundesweiten Bedeutung
unmittelbar eingriff. In Bremen nahmen vom DBSV die Herren Demmel und
Drerup an Gesprächen mit Vertretern aus Politik und Verwaltung
teil. In Thüringen wandte sich der DBSV schriftlich an den
Petitionsausschuss. Während in Thüringen erreicht werden
konnte, dass das Ausmaß der Kürzung deutlich gemindert
wurde, wurden in Bremen im Berichtsjahr keine Fortschritte
erzielt.
b) Schwerbehindertengesetz und Ausführungsregelungen
Das Schwerbehindertengesetz wurde durch das sog. "Vorschaltgesetz"
geändert. Abgesehen von der heiß diskutierten Neuregelung
der Ausgleichsabgabe lagen die Probleme hier weniger beim
Gesetzestext als bei der konkreten Anwendung des Gesetzes bzw. bei
den Ausführungsbestimmungen - was dann zum Teil auch erst
später sichtbar wurde. Der DBSV forderte
* eine Neuregelung der Finanzierung von (internen)
Arbeitsassistenzen,
* die Berücksichtigung des speziellen Beratungsbedarfs Blinder
und Sehbehinderter im Rahmen der neu einzurichtenden
Integrationsfachdienste und
* die Klärung von Auslegungsfragen im Zusammenhang mit der
Anwendung der neuen Regelungen zu den Eingliederungszuschüssen
für besonders betroffene Schwerbehinderte. Zu all diesen Punkten
gab es jeweils einen Briefwechsel mit den zuständigen
Stellen.
Der DBSV nahm ferner Stellung zum Entwurf der Gesamtvereinbarung der
Reha-Träger über trägerübergreifend vernetzte
Auskunft und Beratung für Rehabilitation.
c) SGB IX
Die Arbeiten am SGB IX, das die Regelungen über die
medizinische, berufliche und soziale Rehabilitation Behinderter und
die Regelungen des Schwerbehindertengesetzes in einer neuen
Kodifikation zusammenfassen und modernisieren soll, zogen sich
über das ganze Jahr hin. Alle paar Wochen legte das BMA einen
neuen Vorentwurf zur Diskussion vor. Der DBSV setzte sich in einem
Werkstattgespräch mit Abgeordneten des Bundestags für eine
Regelung der Elementarrehabilitation ein (siehe dazu unten den
Bericht des AK Elementarrehabilitation), und nahm auf verschiedenen
Wegen, zuletzt in der Anhörung des BMA zum Referentenentwurf,
auf eine Reihe von Formulierungen Einfluss. Konkret verhindert werden
konnten Verschlechterungen bei den Regelungen zur
Hilfsmittelversorgung und zu den Blindenwerkstätten.
d) Artikel 3 Grundgesetz/Gleichstellungsgesetz
Zum Gleichstellungsgesetz siehe unten den Bericht des AK
Antidiskriminierung.
Der DBSV
- veranlasste die Regierungsparteien, ihre Beschlussempfehlung
"Teilhabe von Gehörlosen und Ertaubten an der
Informationsgesellschaft" zu erweitern und Blinde und Sehbehinderte
einzubeziehen; entsprechend dieser Empfehlung beschloss der
Bundestag, dass Bund und Länder aufgefordert sind, sich u.a.
für die Erweiterung des Hörfilmangebots der
öffentlich-rechtlichen Sender einzusetzen,
- forderte in einem Schreiben an die Arbeitsgruppe der EU-Kommission
zur Verbesserung des Verbraucherschutzes im Flugverkehr die Aufhebung
diskriminierender Sicherheitsvorschriften,
- übersetzte und versandte die Stellungnahmen der EBU zur
Antidiskriminierungs-Richtlinie der EU und zum
Antidiskriminierungs-Aktionsprogramm der EU an die deutschen
Mitglieder in den betreffenden EU-Ausschüssen.
e) Gesundheitswesen
Aus Anlass des Streites zwischen Augenärzten und Krankenkassen
über die Finanzierung der Glaukom-Früherkennung wies der
DBSV in einer Presseerklärung eindringlich auf die Notwendigkeit
einer Glaukom-Prävention hin und forderte die Krankenkassen zur
Finanzierung der notwendigen Maßnahmen auf.
f) Steuerrecht
Aus Anlass der gestiegenen Benzinpreise forderte der DBSV in einem
Schreiben an den Bundesfinanzminister die Anhebung der für die
Schwerbehinderten geltenden Kilometer-Pauschalen, die kurz darauf
auch vorgenommen wurde. Der DBSV nahm ferner Stellung zur Neuregelung
der Lohnsteuertabellen.
g) Urheberrecht
Die EBU-Verbindungskommission setzte sich erfolgversprechend für
Verbesserungen im Entwurf der EU-Urheberrechts-Richtlinie ein. Der
DBSV unterstützte diese Aktivitäten mit Briefen an die
deutschen Mitglieder in den beteiligten EU-Gremien.
h) Sonstiges
Der DBSV
- nahm Stellung zum Entwurf eines 33. Änderungsgesetzes zur
Straßenverkehrsordnung,
- nahm teil an Diskussionen zur Reform des
Sozialgerichtsgesetzes,
- erinnerte an die Forderung nach Einführung eines international
geltenden Behindertenausweises und
- führte erneut Gespräche mit Bundesministern (u.a. mit
Kanzleramtsminister Bury), Abgeordneten des Deutschen Bundestages und
leitenden Beamten der Bundesministerien.
Zu den Aktionen des DBSV gegen den Maulkorb- und Anleinzwang für
Blindenführhunde im Zusammenhang mit der Gesetzgebung zum Schutz
vor Kampfhunden siehe unten den Bericht des AK der
Führhundhalter.
Rechtsberatung und -vertretung wurde in einer Vielzahl von
Einzelfällen den Landesvereinen und ihren Mitgliedern
gewährt. Fachauskünfte wurden erteilt unter anderem an
Gerichte, Verwaltungsbehörden und Rechtsanwälte.
Arbeitskreis "Antidiskriminierung"
Für den AK gab es im Jahr 2000 zwei Arbeitsschwerpunkte:
- Stellungnahme zum Entwurf eines Bundesgleichstellungsgesetzes
des Forums behinderter Juristinnen und Juristen (FBJJ),
- Teilnahme am Kongress "Gleichstellungsgesetze jetzt" in
Düsseldorf.
Dem AK war es auf Grund massiver Terminschwierigkeiten zwar nicht
gelungen, sich im Jahr 2000 zu einer Sitzung zu treffen; dank
intensiver Nutzung moderner Kommunikationsmedien konnte er aber seine
Aufgabe fortsetzen und einen intensiven Informationsaustausch
pflegen. Es gab eine Fülle interessanten Materials aus
verschiedenen Bereichen, die zu bewältigen war.
Auf Grund der bestehenden Beschlusslage, keinen eigenen Entwurf
für ein Gleichstellungsgesetz zu erarbeiten, prüfte der AK
im Frühjahr den Entwurf des FBJJ. Er beschloss, diesen Entwurf
zu unterstützen und gab eine qualifizierte Stellungnahme hierzu
ab. Sie floss in den im Herbst vorgelegten FBJJ-Entwurf ein.
Am 20. und 21.10.2000 fand im Rahmen der Messe "Reha-Care" in
Düsseldorf der Kongress "Gleichstellungsgesetze jetzt" statt.
Initiator war der Beauftragte der Bundesregierung für die
Belange der Behinderten, Karl Hermann Haack. Auf diesem Kongress
wurde vor allem der Entwurf des FBJJ in seinen Einzelheiten beraten.
Wegen des gleichzeitig in Heidelberg tagenden Verwaltungsrats konnte
nicht der gesamte AK an dem Kongress teilnehmen; er wurde durch die
Herren Hahn und Seuß vertreten. Dank intensiver Zusammenarbeit
mit dem DVBS und guter Koordination durch die
DVBS-Geschäftsstelle waren Expertinnen und Experten aus dem
Blindenwesen in allen fünf Diskussionsforen auf dem Podium und
im Plenum vertreten. Der AK hat einen ausführlichen Bericht
über den Kongress in der "Gegenwart" veröffentlicht.
Der AK-Leiter Klaus Hahn wurde wiederum zur Sitzung des
Arbeitskreises "Nachteilsausgleiche" des DVBS eingeladen, konnte aus
Termingründen jedoch nicht teilnehmen. Dennoch hat sich die
Zusammenarbeit mit der DVBS-Geschäftsstelle und dem AK
Nachteilsausgleiche intensiviert. Insbesondere der
DVBS-Geschäftsstelle gebührt Dank für ihre sehr
sorgfältige und umfassende Informationsversorgung auch des AK
"Antidiskriminierung".
Sicherung von Arbeitsplätzen und Findung neuer Beruf
Der Stellenwert von Arbeitsplätzen wächst in der
modernen Industrie- und Leistungsgesellschaft stetig, und gerade
für schwerbehinderte Menschen haben eine Ausbildung und eine
berufliche Laufbahn hohen integrativen Stellenwert. Anerkennung,
soziale Kontakte, finanzielle Sicherheit hängen oft am
Arbeitsplatz, der jedoch für Blinde und Sehbehinderte immer
schwerer zu finden und zu halten ist. Obgleich der Gesetzgeber durch
finanzielle Unterstützung wie durch Sanktionen (Pflichtquote)
die Beschäftigung Schwerbehinderter zu fördern sucht, ist
die Arbeitsmarktlage für Blinde und Sehbehinderte schlecht.
Wachsende Anforderungen an die Flexibilität des Arbeitnehmers,
hohes Qualifikationsprofil und Veränderungsprozesse erschweren
die Situation für viele. Besonders dramatisch wirkt sich
für Blinde und Sehbehinderte die Entwicklung der Informations-
und Telekommunikationstechnik im Büro aus. Behinderungsbedingt
ist das Spektrum möglicher Berufsfelder stark
eingeschränkt, und gerade der Telefon- und Schreibdienst bot als
Büroarbeitsplatz bislang eine solide Berufsperspektive. Mit dem
Multimediazeitalter sind die Anforderungen an diese
Arbeitsplätze jedoch immens gewachsen: Call-Center-Agents
bedienen den Telefonkunden schnell und PC-gestützt, hohe
Belastbarkeit und Stressresistenz sind Voraussetzungen. Die
Datentypisten von einst sind heute Sachbearbeiter, die weit mehr
können müssen als schreiben: Die stets zu aktualisierende
Kenntnis der gegenwärtigen Generation von Windows-Programmen ist
die mindeste Voraussetzung, die Bereitschaft, zusätzliche
Aufgaben zu übernehmen, wird vorausgesetzt. Diese Entwicklung
bietet denjenigen Blinden und Sehbehinderten, die über gute
PC-Kenntnisse verfügen und beständige Lernbereitschaft
mitbringen, neue Berufs- und Qualifikationsperspektiven, doch nicht
jeder und jede kann mit dem rasanten Fortschritt der Bürotechnik
Schritt halten. So klafft derzeit eine Lücke zwischen
High-Tech-Büro und Werkstatt für Behinderte, für die
es auf dem Arbeitsmarkt keine passenden Berufsbilder gibt. Um dieses
Problemfeld zu untersuchen, ist der DBSV seit 2000 gemeinsam mit dem
BFW Düren und der Nikolauspflege Stuttgart Partner im Projekt
EVASA (Erschließung von Arbeitsplätzen für
sehgeschädigte Arbeitslose mit geringer fachlicher
Qualifikation). Das vom Bundesministerium für Arbeit und
Sozialordnung für 30 Monate geförderte Projekt untersucht
die Arbeitsmarktsituation wissenschaftlich und sucht nach neuen
Impulsen und Konzepten für die Ausbildung blinder und
sehbehinderter Menschen.
Durch den Geschäftsführer des Bayerischen Blinden- und
Sehbehindertenbundes, Herrn Christian Seuß, ist der DBSV im
Beratenden Ausschuss der Bundesanstalt für Arbeit vertreten.
Ferner besteht regelmäßiger Kontakt zum Institut für
Berufsbildung in Bonn. Außerdem haben der DBSV und das Deutsche
Blindenbildungswerk beim Projekt "NESIS-Jobline" der Stiftung
Blindenanstalt Frankfurt mitgewirkt.
Um den verschiedenartigen Bedürfnissen und Anforderungen der
Berufsgruppen, in denen Blinde und Sehbehinderte überwiegend
beschäftigt sind, Rechnung zu tragen, unterhält der DBSV
den Arbeitskreis EDV, drei Koordinationsstellen und den Gemeinsamen
Fachausschuss für Informationsverarbeitungs- und
Telekommunikationssysteme. Die Koordinationsstellen bündeln als
bundesweite Anlaufstellen die Arbeit der Fachgruppen in den einzelnen
Landesvereinen und bieten neben dem Erfahrungsaustausch auch eine
Vernetzung der regionalen Zusammenschlüsse der Berufsgruppen. In
den gemeinsamen Fachausschüssen sind neben dem DBSV auch andere
Bundesverbände des Blinden- und Sehbehindertenwesens vertreten.
Ihre Aufgabe ist die verbandsübergreifende, sachkundige
Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Fachgebiet, um
Beschlussgrundlagen zu liefern und auf aktuelle Entwicklungen
reagieren zu können.
Im Arbeitskreis Elektronische Datenverarbeitung (AK EDV, Leitung:
Lothar Huge) sind blinde und sehbehinderte Programmierer und
Datenverarbeitungskaufleute vertreten. Er gibt monatlich die
Kassettenzeitschrift "DV-Report" heraus, pflegt eine
Präsenzbibliothek auf Kassette mit ausleihbarem Fachbuchbestand
und redigiert die EDV-Beilage zur Fachzeitschrift "Das Büro".
Der AK EDV fördert den Erfahrungsaustausch und informiert seine
Mitglieder über aktuelle Entwicklungen und Hilfsmittel im
IT-Bereich. Hierzu führt er jährlich eine Fachtagung durch,
die mit Workshops und Fachreferaten Einblick in EDV-Programme oder
Neuheiten gibt. 2000 standen neben einer Hilfsmittelausstellung
Informationen über das Projekt DAISY (die neue, digitale
Hörbuchgeneration), Programmieren in Pascal unter Windows,
Windows 2000 und die Gestaltung von HTML-Seiten im Mittelpunkt.
Die Koordinationsstelle der Fachgruppen für Büroberufe (KS
Büro, Leitung: Willi Homeier) in den Landesvereinen im DBSV
vertritt die Belange der blinden und sehbehinderten Telefonisten,
Schreibkräfte und Sachbearbeiter. Als berufsbezogenes Netzwerk
fördert die Koordinationsstelle den Erfahrungsaustausch und den
Informationsfluss über Veränderungen im Bereich der
Büroarbeitsplätze. Blinde und sehbehinderte Telefonisten
und Schreibkräfte haben behinderungsbedingt einen spezifischen
Schulungs- und Informationsbedarf. Die ständige Anpassung der
Kenntnisse an die aktuelle Informationstechnik und die aktuelle
Generation der Hilfsmittel wie Braille-Zeile, Screenreader oder
Vergrößerungssoftware sind Voraussetzung, um den
Arbeitsplatz zu erhalten. Über die Herausgabe des
Kassettenmagazins "Bürojournal", das im zweimonatigen Turnus
erscheint und über alle Aspekte der Entwicklungen im
Bürobereich informiert, wird gewährleistet, dass Blinde und
Sehbehinderte gegenüber ihren sehenden Kollegen nicht ins
Hintertreffen geraten. 2000 führte die Koordinationsstelle
wieder eine bundesweite Fortbildung durch, die über Projekte zur
beruflichen Integration, Internet und Intranet, Umschulungs- und
Weiterbildungsmaßnahmen und neue Berufsbilder wie die Fachkraft
für Telefonmarketing und den Disponenten in einer Taxizentrale
informierte.
Die Belange der in technisch-gewerblichen Berufen tätigen
Blinden und Sehbehinderten vertritt die Koordinationsstelle (KS) der
Fachgruppen für Industriearbeiter und Handwerker der
Landesvereine im DBSV (Leitung: Hubert Pützfeld). Die zunehmende
Rationalisierung im Industriebereich und der Mangel an qualifizierten
Blindenhandwerkern waren auch 2000 wieder das zentrale Thema für
die Fachgruppenarbeit. Auf der Fachgruppenleitertagung wurde offen
über die Problematik und die Entwicklungen auf dem
technisch-handwerklichen Arbeitsmarkt diskutiert. Durch Fachreferate
informierten sich die Fachgruppenleiter über Projekte, die sich
um bessere Berufschancen für Blinde und Sehbehinderte
bemühen. Das Förderzentrum für Blinde und
Sehbehinderte in Berlin berichtete über die Initiative zur
Förderung neuer Berufsperspektiven. Man versucht, individuell
jeweils passende Arbeits- oder Ausbildungsplätze zu finden und
Kontakte zu Arbeitgebern zu knüpfen. Auch das Projekt EVASA (s.
o.) stellte seine Aufgaben und den derzeitigen Stand der
Untersuchungen vor.
Die Koordinationsstelle (KS) der Fachgruppen für
physiotherapeutische Berufe der Landesvereine im DBSV (Leitung:
Siegfried Volkert) vertritt die Belange blinder und sehbehinderter
medizinischer Bademeister, Masseure und Physiotherapeuten. Neben dem
fachlichen Erfahrungsaustausch und der Organisation von
Fortbildungsveranstaltungen über neue Methoden in der
physiotherapeutischen Behandlungspraxis stehen auch die
Gesundheitsreform und ihre Auswirkungen für die
physiotherapeutischen Anwendungen im Mittelpunkt der
Fachgruppenarbeit. Eine Verunsicherung bei den Ärzten führt
nicht selten zu einer restriktiven Verschreibung von Massagen, was
für viele Physiotherapeuten existenzbedrohende Folgen hat. Zudem
trifft man immer wieder auf die falsche Vorstellung, Massagen dienen
lediglich dem Wohlbefinden und hätten keinen medizinischen Wert.
Die Koordinationsstelle sieht es auch als Aufgabe, durch
Öffentlichkeitsarbeit und Information über nachweisbare
Heilerfolge von Massagetherapien diesem populistischen Vorurteil
entgegenzuwirken. Höhepunkt der Fachgruppenarbeit war die
Planung und Durchführung des 6. Mainzer Kongresses vom 1. bis 3.
Dezember in Zusammenarbeit mit der Elisabeth-Dicke-Schule, der unter
der Thematik "Periphere Gefäßerkrankungen" stand.
Im Gemeinsamen Fachausschuss für Informations- und
Telekommunikationssystem (FIT, Leiter: Karsten Warnke, DVBS) sind
neben dem DBSV Vertreter des DVBS, des VBS (Verband der Blinden- und
Sehbehindertenpädagogen), des Bundes der Kriegsblinden
Deutschlands (BKD), der Interessengemeinschaft Sehgeschädigter
Computernutzer (ISCB) und von Pro Retina Deutschland e. V. (PRD)
vertreten. Der Fachausschuss befasst sich mit allen relevanten
Entwicklungen, die mit der rasant voranschreitenden
Computertechnologie zusammenhängen. Er ist bemüht, Trends
und Innovationen auf ihre Anwendbarkeit für Blinde und
Sehbehinderte hin zu überprüfen. Die Problematik der
Bedienbarkeit von EDV-Technik gewinnt im Multimediazeitalter immer
mehr an Bedeutung. Der Computer wird als Schnittstelle für
Information und Kommunikation zum Schlüssel für
gesellschaftliche Teilhabe und immer mehr Selbstverständlichkeit
für die Arbeitswelt. Der FIT setzt sich dafür ein, dass
Blinde und Sehbehinderte die Möglichkeit haben, mit der neuen
IT-Welt, mit Multimedia und Netzen Schritt zu halten. Der FIT
vertritt hierbei die Auffassung, dass es keine Sonderlösungen
für Blinde und Sehbehinderte geben darf, sondern dass diese
insbesondere im Hinblick auf den Erhalt von Arbeitsplätzen im
Bürobereich durch die geeigneten Hilfsmittel in die Lage
versetzt werden müssen, die Windowsprogramme und den heutigen
PC-Standard zu bedienen. Der FIT erarbeitete im Jahr 2000 daher drei
Papiere, die Anforderungen an die technische Zugänglichkeit
nennen, nämlich Anforderungen an Internetseiten
(Webanforderungen), Anforderungen an grafische
Benutzeroberflächen wie CD-ROMs (GUI-Anforderungen) und
Anforderungen an die Software, die Blinden und Sehbehinderten die
Bildschirmoberfläche erschließt
(Screenreader-Anforderungen). Darüber hinaus befasste sich der
FIT mit dem Thema "Qualität von EDV-Schulungen".
Hilfsmittel und Mobilität
Eine weitere wesentliche Aufgabe, der sich der Deutsche Blinden-
und Sehbehindertenverband verpflichtet fühlt, ist, sich
dafür einzusetzen, dass blinde und sehbehinderte Menschen ein
weitgehend selbstständiges Leben führen können. Hierzu
sind Hilfsmittel und eine barrierefreie Gestaltung des
öffentlichen Raums notwendig. Hilfsmittel und Mobilität
sind ein fundamentaler Bereich, dem sich insbesondere die Gemeinsamen
Fachausschüsse für allgemeine Hilfsmittel sowie für
Umwelt und Verkehr annehmen. Neben der Beobachtung des Marktes bzw.
der Normungsarbeit der fachkundigen Ausschussarbeit erfordert dieser
Aufgabenbereich auch eine enge Kooperation mit Herstellern,
Forschungs- und Bildungseinrichtungen, Verkehrsträgern, anderen
Behindertenverbänden und nicht zuletzt mit den Anwendern.
Der Gemeinsame Fachausschuss für Umwelt und Verkehr (GFUV,
Leitung: Joachim Haar, DBSV), setzt sich aus Vertretern des DBSV,
DVBS, VBS, der PRD und des Berufsverbandes der
Rehabilitationslehrer/-Innen für Orientierungs und
Mobilität für Blinde und Sehbehinderte (BOMBS) zusammen. Er
befasst sich schwerpunktmäßig mit Fragen, welche die
Sicherheit und Mobilität im Verkehr und im öffentlichen
Raum berühren. Hierbei waren bestehende oder in
Überarbeitung befindliche Normen, Ampeln, Rillenplatten, die
Deutsche Bahn und der Öffentliche Personennahverkehr wichtige
Themen. Der GFUV stellte eine Bibliographie zur blinden- und
sehbehindertengerechten Gestaltung des öffentlichen Bereichs
zusammen. Diese nennt als Nachschlagewerk Normen, Handbücher und
wichtige Schriften aus dem Bereich barrierefreie Umwelt- und
Verkehrsraumgestaltung. Auch die inhaltliche und konzeptionelle
Vorbereitung des alle zwei Jahre stattfindenden
Umwelt-und-Verkehrs-Seminars des DBSV war ein Arbeitsschwerpunkt.
Der Gemeinsame Fachausschuss für allgemeine Hilfsmittel (GFaH,
Leiter: Ernst-Dietrich Lorenz, DVBS), ist mit Vertretern der
Bundesverbände DBSV, DVBS, VBS und BKD besetzt. Der Ausschuss
setzt sich mit den verschiedensten technischen und nichttechnischen
Hilfsmitteln und Produkten auseinander, sofern sie nicht
(unmittelbar) mit dem Computer zusammenhängen. Die Einforderung
der Ansprüche, die Blinde und Sehbehinderte an Design,
Ausstattung und Bedienbarkeit von Geräten stellen, ist eine
Aufgabe, die der GFaH gegenüber Herstellern und Entwicklern
wahrnimmt. Hierzu sind stetige Marktbeobachtung und die
produktspezifische Formulierung der Anforderungen beständige
Aufgabe. Auch im Jahr 2000 gab es zahlreiche Informationen und
Vorführungen von Hilfsmitteln und nützlichen
Gebrauchsgegenständen aus den verschiedensten Bereichen. Viele
Erfinder oder Entwickler von Hilfsmitteln wenden sich an den DBSV, um
Auskunft über den Nutzen ihrer Idee oder ihres Produkts für
blinde und sehbehinderte Menschen zu erhalten. Hier gibt der GFaH als
zuständiges Expertengremium Hinweise oder Anregungen.
Weiße Stöcke, die taktile und kontrastreiche Markierung
von Chipkarten, DVD-Player, Landkarten und elektronische
Orientierungshilfen waren nur einige der vielen Themen, denen sich
der Ausschuss annahm. Mit dem "Schaufenster" (Redaktion: Regina Haar,
DBSV) gibt der GFaH alle drei Monate eine Beilage zur "Gegenwart"
heraus, in der blinde und sehbehinderte Leser und Leserinnen eine
Auswahl nützlicher Gebrauchsgegenstände finden.
Über das Deutsche Institut für Normung (DIN) sind
DBSV-Vertreter auch in Normenausschüssen auf europäischer
und Weltebene tätig (CEN und ISO).
Durch das Vorstandsmitglied Hans-Peter Engel ist der DBSV in der
Arbeitsgruppe "Behindertengerechte Umweltgestaltung" der
Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) vertreten.
Dieses Gremium beschäftigte sich vor allem mit Fragen zur
behindertengerechten Gestaltung von Bahnanlagen und Reisezugwagen.
Vertreter der Arbeitsgruppe wurden in die Arbeitsgruppe "Behinderte
im Bahnverkehr" und in die Projektgruppe "Informationsgestaltung in
Bahnhöfen" bei der Deutschen Bahn AG in Frankfurt eingebunden.
Die Interessen unseres Verbandes werden hier ebenfalls von Herrn
Engel vertreten.
Durch Werner Schend ist der DBSV im Sachverständigenrat der BAR
vertreten. Die zeitaufwendige Mitwirkung des DBSV in Gremien der BAR
ist zwingende Voraussetzung dafür, dass bei der Koordinierung
von Forderungen und Wünschen aller Behindertengruppen die
spezifischen Interessen Blinder und Sehbehinderter
Berücksichtigung finden.
Arbeitskreis der Führhundhalter
Diesem Arbeitskreis gehören Leiterinnen bzw. Leiter der
entsprechenden Arbeitskreise, Fach- oder Sondergruppen und deren
Stellvertreter oder Führhundbeauftragte der DBSV-Landesvereine
an.
Nachdem die vom IKK-Bundesverband 1999 auf nachhaltiges Drängen
des DBSV vorgelegten Entwürfe von gemeinsamen
Zulassungsempfehlungen der Spitzenverbände der Krankenkassen
für Blindenführhundausbilder den Forderungen des DBSV nicht
gerecht werden konnten, hatte dieser bereits im Oktober 1999 eine in
wesentlichen Punkten ablehnende schriftliche Stellungnahme abgegeben
verbunden mit der Forderung nach Wiederaufnahme der Beratungen in der
"Arbeitsgruppe zur Umsetzung der Qualitätskriterien der
Krankenkassen für Blindenführhunde" (AGQ), in der der DBSV
durch Renate Kokartis sowie Vorstandsmitglied Erwin Roth vertreten
ist. Gleichwohl ist es auch im Jahre 2000 nicht gelungen, in dieser
Frage mit den Krankenkassen wieder ins Gespräch zu kommen.
Die Initiative des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes
(BBSB), die Regelungen in den Qualitätskriterien über die
nach Durchführung der Einarbeitungslehrgänge von
Führhundhaltern und ihren Hunden abzulegenden
"Gespannprüfungen" wenigstens auf Landesebene zu konkretisieren
und zu modifizieren, unterstützte der DBSV durch im
Frühjahr 2000 abgegebene Stellungnahmen.
Die Jahrestagung des Arbeitskreises der Blindenführhundhalter im
DBSV fand vom 31.3. bis 2.4.2000 in Valbert statt. Kynologisches
Fachthema waren Augenerkrankungen beim Hund. Der Arbeitskreis erhob
unter anderem folgende Forderungen, die der DBSV-Vorstand in seiner
Aprilsitzung billigte:
* Die bundes- und möglichst auch landesrechtlichen Bestimmungen
betreffend Blindenführhunde (weißes Führgeschirr als
Verkehrsschutzzeichen, kostenfreie Mitnahme des Führhundes im
öffentlichen Verkehr, Zutritt zu Geschäften etc.) sollen in
einer Art "Führhundausweis" zusammengefasst werden, der
mitgeführt und im Bedarfsfall vorgelegt werden kann.
* Alle Führhunde sollen künftig seitens der
Führhundschulen mit einem zur Identifizierung dienenden
Mikrochip versehen werden, der u.a. für die Einreise nach
Großbritannien, Norwegen und Schweden erforderlich ist.
* Die immer noch ausstehenden gemeinsamen Zulassungsempfehlungen der
Krankenkassen für Blindenführhundausbilder sollen mit
Nachdruck angemahnt werden.
* Im Rahmen der Bestrebungen nach einem Antidiskriminierungsgesetz
soll auch das Recht auf Haltung eines Blindenführhundes in der
Mietwohnung berücksichtigt werden.
Im Hinblick auf die vom DBSV-Vorstand im Dezember 1999
verabschiedeten "Voraussetzungen für die Tätigkeit als
Gespannprüfer/in" wurden im Juni 2000 die Absolventen
früherer Gespannprüferlehrgänge des DBSV
angeschrieben.
Die im Sommer 2000 auf Grund mehrerer tragischer Zwischenfälle
mit Kampfhunden wieder verstärkt aufgeflammte Diskussion
über geeignete Sicherungsmaßnahmen hat auch zu - zwar von
der Zielrichtung her verständlichen - Aktivitäten von
Verordnungs- und Gesetzgebern sowie Ordnungsbehörden auf
verschiedenen Ebenen geführt, deren Resultat aber zum Teil
Regelungen oder Regelungsentwürfe waren, die nicht nur
berechtigte, sondern elementare Interessen von
Blindenführhundhaltern verletzten oder zu verletzen drohten. Im
Schreiben vom 10.7.2000 wandte sich deshalb der DBSV mit der
Forderung "Kein Maulkorb- und Leinenzwang für
Blindenführhunde" an den Bundesinnenminister sowie an die
Bundesverbände der Landkreise und Kommunen und unterstützte
ein entsprechendes Vorgehen der DBSV-Mitgliedsorganisationen auf der
Landesebene durch das Zurverfügungstellen von Musterschreiben.
Diese Aktivitäten waren überwiegend erfolgreich; soweit
nicht, werden sie weiter verfolgt.
Die Arbeitskreisleitung setzte im Berichtszeitraum in Zusammenarbeit
mit den übrigen Arbeitskreismitgliedern die umfangreiche
Beratungstätigkeit für Blindenführhundhalter und
-interessenten sowie Krankenkassen, andere Kostenträger und
Führhundschulen fort. Auch waren nationale sowie internationale
Anfragen zu beantworten.
Die DBSV-interne und -externe Öffentlichkeitsarbeit in
verschiedenen Medien nahm auch im Berichtszeitraum einen wichtigen
Platz ein.
Die Kassettenzeitschrift "Wir Führhundhalter" erschien wiederum
sechsmal jährlich im Umfang von neun Kassetten (jeweils drei
Einzel- und Doppelausgaben im Wechsel) unter der redaktionellen
Leitung von Hans-Dieter Seiler, dem als weitere Mitglieder des
Redaktionsausschusses Hannelore Gebhardt und Renate Kokartis zur
Seite standen.
Dieser Redaktionsausschuss - ergänzt durch Erwin Roth - stellte
auch eine vom DBSV im Oktober 2000 publizierte Informationskassette
zusammen, die in erster Linie für Blinde und Sehbehinderte
bestimmt ist, die sich erstmals für die Anschaffung eines
Führhundes interessieren.
Erwin Roth vertrat - wie in den Vorjahren - den Bereich Orientierung
und Mobilität und damit auch die Belange der Führhundhalter
weiter im Verbandsvorstand, im gemeinsamen Fachausschuss für
Umwelt und Verkehr sowie auf internationaler Ebene in der
EBU-Kommission für Mobilität und Blindenführhunde.
Förderung sehbehinderter Menschen
Besonderes Gewicht kommt der Interessenvertretung sehbehinderter
Menschen zu. Im Gegensatz zur Blindheit ist die Sehbehinderung in der
Öffentlichkeit kaum als Behinderung bekannt. Sehbehinderten
sieht man ihre Behinderung oft nicht an, und es ist noch zu wenig
bekannt, dass es Beeinträchtigungen des Sehvermögens gibt,
die nicht durch Brillen oder Operationen zu korrigieren sind und eine
Behinderung darstellen. Das Sehvermögen und die
Beeinträchtigungen können sehr verschieden sein; einige
sehen verschwommen, andere haben ein kleines, aber noch scharfes
Gesichtsfeld, oft wechselt die Orientierungsfähigkeit mit den
Lichtverhältnissen oder den örtlichen Gegebenheiten. Um
diese Situation zwischen Sehen und Blindheit bewusster zu machen und
so eine Sensibilisierung gegenüber Sehbehinderten zu erzielen,
arbeiten mehrere Bundesverbände im Gemeinsamen Fachausschuss
für die Belange Sehbehinderter (FBS, Leitung: Rita
Schwörer, DVBS) zusammen. Im FBS sind neben dem DBSV die
Bundesverbände DVBS, VBS, BFS und die PRD vertreten. Der
Ausschuss sieht seine Hauptaufgabe im Bereich der
Öffentlichkeitsarbeit. Ein wichtiges Forum hierfür ist der
"Tag der Sehbehinderten", der auf Anregung des FBS jedes Jahr am 6.
Juni begangen wird, um vor Ort durch Workshops, Aktionen,
Infostände oder Pressemitteilungen auf das Thema Sehbehinderung
aufmerksam zu machen. Im Jahre 2000 konnte der FBS über die
Präsenz auf dem Kongress der Augenärztlichen Akademie den
Kontakt zu den Augenärzten als wichtige Ansprechpartner
festigen. Ein weiteres zentrales Ausschussthema waren Kontraste.
Diese waren nicht nur Motto für den Sehbehindertentag 2000 (und
werden es auch 2001 sein), sondern sollen auch in einer Norm
"Kontraste im öffentlich zugänglichen Bereich" basierend
auf den wissenschaftlichen Untersuchungen von Professor Echterhoff
festgeschrieben werden. Der FBS wird diese Norm begleiten und ist
durch seine Vorsitzende im zuständigen Normenausschuss
vertreten.
Arbeitskreis Elementarrehabilitation
Im Zentrum der Tätigkeit des Arbeitskreises standen in
Übereinstimmung mit den entsprechenden Beschlüssen des
DBSV-Vorstandes umfangreiche Aktivitäten auf Grund des Vorhabens
der Bundesregierung, in überschaubarer Zeit ein Sozialgesetzbuch
IX auf den parlamentarischen Weg zu bringen.
Es musste gelingen, die uns bewegenden Probleme im Hinblick auf die
Rehabilitation neuerblindeter Menschen - und hier insbesondere jener,
für die weder eine schulische noch eine berufliche
Rehabilitation infrage kommt - mit größtmöglicher
Eindeutigkeit zu benennen und zum Gegenstand gesetzlicher Regelungen
zu machen.
Im Prozess dieser Anstrengungen wurde zunehmend deutlich, dass der
traditionelle Begriff "Elementarrehabilitation" (ER) allein deshalb
nicht mehr den Anforderungen entsprach, weil er in der Diskussion mit
der Politik, mit Krankenkassen, Rententrägern, Behörden
u.a. zu viel zusätzlichen Erklärungsbedarf benötigte.
In vielfältigen Beratungen innerhalb des Arbeitskreises, im
Verwaltungsrat und im DBSV-Vorstand kristallisierte sich der Begriff
"Rehabilitation zur Bewältigung des Alltags" (RBA) als am
zutreffendsten heraus.
Zugleich ist darauf zu verweisen, dass sich an den
grundsätzlichen Inhalten der ER nichts geändert hat - die
Inhalte werden durch die veränderte Begriffswahl auf alle
Fälle deutlicher sichtbar. Insofern war auch für den
Arbeitskreis klar, dass die Arbeit mit dem Handbuch der ER nach wie
vor Bestandteil der Arbeit auf diesem bedeutsamen Gebiet sein
muss.
In zwei Beratungen im Juni und Dezember 2000 hat der AK eingehend die
Schritte beraten, die gegangen werden müssen, um die o.a.
Zielstellung zu erreichen.
Diese Schritte lassen sich mit ihren Ergebnissen wie folgt
zusammenfassen:
1. In enger Zusammenarbeit mit dem Büro des Beauftragten der
Bundesregierung für die Belange der Behinderten wurden vor allem
die inhaltlichen Probleme beraten, die in entsprechenden
Gesetzestexten auch ihren Niederschlag finden müssen. Das
Interesse der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe, der
Ausbildungseinrichtungen für Orientierungs- und
Mobiltätstrainer bzw. RehabilitationslehrerInnen musste darin
bestehen, Wege zu finden, die die Rehabilitation zur Bewältigung
des Alltags so nahe wie irgend möglich an den Bereich der
medizinischen Rehabilitation heranführt. Zugleich erwies es sich
als erforderlich, die soziale Rehabilitation inhaltlich so genau wie
möglich zu bestimmen und sie dort - wo irgend möglich -
auch zu quantifizieren.
2. Mitglieder des Arbeitskreises nahmen aktiv - und auch hier mit
entsprechender Unterstützung des Büros des Beauftragten der
Bundesregierung für die Belange der Behinderten - an mehreren
Anhörungen auf der parlamentarischen Ebene bzw. auf der Ebene
des BMA im Prozess der vielschichtigen Arbeit am SGB IX teil. Es
wurde verdeutlicht, dass es uns um Rechtssicherheit für alle
Gruppen neu erblindeter Bürger geht, unabhängig vom Alter,
von der Ursache der Erblindung oder der hochgradigen Sehschwäche
oder von Einkommen und Vermögen. Dabei wurde immer wieder darauf
aufmerksam gemacht, dass von den etwa 28.000 jährlich in
Deutschland neu erblindenden Menschen immerhin 72 Prozent 60 Jahre
und älter
sind, dass es sich also um eine ernst zu nehmende Zahl von Personen
handelt, die hier betroffen
ist.
3. Breiten Raum in der Arbeit des AK nahm die inhaltliche und
organisatorische Vorbereitung der für März 2001
vorgesehenen 6. Arbeitstagung (vormals: Seminar) zur RBA ein. Im
Zentrum standen dabei zwei Themenkomplexe, die ebenfalls unmittelbar
unserer Mitwirkung am Zustandekommen des SGB IX dienen sollten:
a) Qualitätssicherung der RBA unter Berücksichtigung
folgender Überlegungen:
Die Leistungen der RBA erfolgen je nach Leistungsinhalt im Rahmen
einer von einem öffentlichen Träger oder einer privat (vom
Betroffenen selbst oder vom Verein) finanzierten Maßnahme.
Leistungserbringer sind je nach Fachgebiet speziell ausgebildete
Fachkräfte (O&M, LPF) sowie erfahrene Personen aus der
Selbsthilfe (Erstberatung, Punktschrift und
Hauswirtschaftslehrgänge u.a.). Es muss darum gehen, bestehende
Standards genauer zu beschreiben und fehlende zu entwickeln, um das
gesetzliche Gebot der Qualitätssicherung umfassend erfüllen
zu können.
b) RBA in Alten- und Pflegeheimen:
Blinde und Sehbehinderte in Alten- und Pflegeheimen das bedeutet: In
einem spezifischen Heim-Umfeld (Heimpersonal, Mitbewohner, bauliche
Gegebenheiten) leben Menschen mit spezifischen Problemen auf Grund
eingeschränkten oder verlorenen Sehvermögens. Wie ist unter
diesen besonderen Bedingungen RBA möglich? Mit welchen
Besonderheiten sind die Betroffenen (Blinde, Sehbehinderte,
Angehörige, Mitbewohner, Heimpersonal) konfrontiert? Welche
typischen Probleme gibt es, und wie können sie gelöst
werden?
Zu diesen Fragen sollen Fachreferenten - insbesondere auch Vertreter
der Fachgruppe Ruhestand im DVBS - gehört werden.
4. Schließlich war es das Anliegen des AK, gemeinsam mit dem
DBBW die Arbeit mit dem ER- Handbuch weiter zu aktivieren. Es ist im
Grunde für die Weiterbildung der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter und auch für hauptberufliche Tätige im
Bereich der RBA ein wertvolles Material für die Fort- und
Weiterbildung. Das Deutsche Blindenbildungswerk und der Arbeitskreis
werden sich mit der Notwendigkeit, das Handbuch zu überarbeiten
und zu ergänzen, zu beschäftigen haben.
Hilfen für blinde und sehbehinderte Frauen
Auch im Jahre 2000 hat der DBSV unter der Leitung seiner
Beauftragten für die Belange blinder und sehbehinderter Frauen,
Helga Neumann, die Aktivitäten zu Gunsten dieses Personenkreises
fortgesetzt. Ziel der vielfältigen Angebote ist die
Unterstützung blinder und sehbehinderter Frauen bei der
Bewältigung ihrer besonderen Lebensumstände und somit eine
Verbesserung der gesellschaftlichen und beruflichen
Integrationsbedingungen. Dabei erfolgt die von Frau Neumann
geleistete Arbeit stets in enger Kooperation mit den
Frauenbeauftragten der Landesvereine im DBSV. Folgende Schwerpunkte
sind im Berichtszeitraum zu nennen:
* Durchführung des offenen bundesweiten Frauenseminars vom 2.
bis 5. November in Saulgrub. Eingeladen waren in diesem Jahr nicht
nur die Leiterinnen der Frauenfachgruppen in den DBSV-Landesvereinen,
sondern alle in der Frauenarbeit tätigen Personen der Blinden-
und Sehbehindertenselbsthilfe. Die insgesamt 62 Teilnehmerinnen aus
15 Landesvereinen beschäftigten sich u. a. mit den
Themenschwerpunkten: Psychosomatik von Wahrnehmung und Sehen,
Angebote des BIT-Zentrums für blinde und sehbehinderte Frauen,
Zeitmanagement, Low-Vision Rehabilitation für sehbehinderte
Frauen, ehrenamtlicher Einsatz in der EBU und in der WBU. Die
Veranstaltungsreihe wurde auch in diesem Jahr vom Bundesministerium
für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) finanziell
gefördert.
* Redaktion und Herausgabe der in Punktschrift und auf Kassette
erscheinenden Verbandszeitschrift "RITA" mit Tipps und Informationen
für blinde und sehbehinderte Frauen.
* Herausgabe der Handarbeitsbeilage zur "RITA" in Punktschrift.
* Einflussnahme auf die Entwicklung von Hilfsmitteln für den
Haushalt durch den gemeinsamen Fachausschuss für allgemeine
Hilfsmittel und Berichterstattung in der Beilage zur "Gegenwart" "Das
Schaufenster" durch die Redakteurin Regina Haar.
* Unterstützung blinder und sehbehinderter Frauen durch
Teilnahme von Frau Neumann an Frauenseminaren der Landesvereine,
Beantwortung unterschiedlichster Anfragen sowie durch Einzelberatung
in persönlichen Anliegen.
Aktivitäten für blinde Kinder und Jugendliche
Die Förderung der Bildung und Erziehung blinder und
sehbehinderter Kinder und Jugendlicher gehört zu den wichtigsten
und satzungsgemäß verankerten Aufgaben des DBSV. Mit dem
Ziel, die Interessen dieser Personengruppe innerhalb der Selbsthilfe
zu vertreten und Vorschläge zur Ausgestaltung der künftigen
Verbandsarbeit auf diesem Gebiet zu unterbreiten, unterhält der
DBSV eine z. Z. zweiköpfige ehrenamtliche Jugendvertretung, die
von den Jugendsprechern der Landesvereine gewählt und abberufen
wird. Für das Engagement zu Gunsten der Betroffenen von
besonders großer Bedeutung ist außerdem die
Zusammenarbeit mit anderen Organisationen des Blinden- und
Sehbehindertenwesens. Die verbandsübergreifende Kooperation
findet vor allem im "DBSV-Ausschuss für Bildungsfragen" statt,
dem Vertreter des DVBS, der BEBSK (Bundeselternvertretung), des VBS,
der universitären Ausbildungsstätten für Blinden- und
Sehbehindertenpädagogik sowie des DBBW und des DBSV
angehören. Darüber hinaus ist der Verband auch in Gremien
anderer Verbände und Einrichtungen vertreten, die Angebote
für junge blinde und sehbehinderte Menschen vorhalten.
Schließlich sind die verbandseigenen nationalen und
internationalen Jugendprogramme für junge Erwachsene mit
überwiegendem Begegnungscharakter zu nennen, die sich seit
vielen Jahren großer Beliebtheit erfreuen.
Im Berichtszeitraum wurden u. a. die folgenden Aktivitäten
durchgeführt:
* Der DBSV-Ausschuss für Bildungsfragen beschäftigte sich
in seinen Sitzungen am 10. Februar in Soest und 4. Oktober in Marburg
u. a. mit den Themen "Wohnortnahe Berufsausbildung" und der aktuellen
Situation im Bereich der gymnasialen Ausbildung Blinder und
Sehbehinderter in Deutschland. Zum erstgenannten Themenkomplex wurden
den Ausschussmitgliedern die Inhalte des entsprechenden Projekts des
BBW Soest erläutert und zur Diskussion gestellt. Da zum
Zeitpunkt der Berichterstattung noch keine Praxiserfahrungen
vorlagen, wird sich das Gremium zu einem späteren Zeitpunkt
erneut mit dem Vorhaben eingehend befassen.
* Die aktuelle Situation blinder und sehbehinderter
Gymnasialschüler stand in der Herbstsitzung in Marburg im
Mittelpunkt. Dabei zeichneten die Vertreter der Deutschen
Blindenstudienanstalt für die Zukunft ein insgesamt eher
negatives Bild vor allem hinsichtlich der Vermittlung der blinden-
und sehbehindertenspezifischen Kultur- und Kommunikationstechniken im
Bereich der Integration. Der in einigen Regionen zu beobachtenden
Tendenz, die Frage nach Ausbildungsort und -form auf rein
ökonomische Gesichtspunkte zu reduzieren, müsse dringend
entgegengewirkt werden. Nicht das Grundsatzkonzept der Integration
sei zu diskutieren, sondern Qualitätsstandards und -kontrollen
ausgehend von den individuellen Erfordernissen im Einzelfall. Auf
Vorschlag des Bildungsausschusses wird das Thema im
DBSV-Verwaltungsrat im Mai 2001 mit dem Ziel behandelt, den Einfluss
der Selbsthilfe auf Länderebene zu verstärken.
* In der Zeit vom 15. bis 29. Juli fand im oberbayerischen Inzell
eine bundesweite Jugendbegegnung statt. An der Veranstaltung, die vom
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
(BMFSFJ) finanziell gefördert wurde, nahmen 17 blinde und
sehbehinderte junge Erwachsene im Alter von 18 bis 26 Jahren teil.
Die Gruppe wurde von fünf sehenden Personen im Alter der
Teilnehmer begleitet. Das umfangreiche Kultur-, Sport- und
Freizeitangebot, das große Engagement der Begleiter und die
Kommunikations- und Kontaktfreudigkeit aller Teilnehmer sorgten
für einen erfolgreichen und harmonischen Verlauf der
Jugendbegegnung. Selbst das Interesse an den obligatorischen
Diskussionsrunden zu blinden- und sehbehindertenspezifischen
Fachthemen war außergewöhnlich groß.
* Die Ende September vorgesehene Arbeitstagung für die
Jugendvertreter der Landesvereine im DBSV musste abgesagt werden. Die
Zahl der Anmeldungen war zu gering, um die Ziele der
Veranstaltungsreihe erreichen zu können. Vor diesem Hintergrund
wurde die Frage nach der Zukunft der Jugendarbeit innerhalb der
Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe auf der Herbstsitzung des
DBSV-Verwaltungsrates eingehend diskutiert. Dabei waren sich die
Verwaltungsratsmitglieder einig darüber, dass dem Aufbau bzw.
Erhalt von Jugendgruppen eine große Bedeutung beizumessen ist
und dazu auch die modernen Kommunikationswege über E-Mail und
Internet stärker einbezogen werden müssen.
* Förderung des europäischen Projekts "Low Vision in der
Frühförderung blinder, mehrfachbehinderter und
sehbehinderter Kinder". Ziel des vom VBS initiierten und unter der
Federführung der Universität Dortmund durchgeführten
EU-Projektes ist die Standardisierung und Verbesserung der
Frühförderangebote in Europa sowie die Vernetzung der
Frühförderzentren über das Internet. Zu dem auf die
Projektträger entfallenden Eigenkostenanteil gewährte der
DBSV auch im Jahr 2000 einen beträchtlichen Zuschuss.
* Finanzielle Beteiligung des DBSV an den Erstellungskosten der
Zeitschrift "Die Brücke", die von der Arbeitsgemeinschaft
"Jugendschrifttum für Blinde" beim VzFB in Punktschrift
erscheint. Aufgabe dieser Publikation ist es, die besonderen
Informationsbedürfnisse blinder und hochgradig sehbehinderter
Kinder, Jugendlicher und junger Erwachsener zu befriedigen.
Taubblindenbetreuung
Taubblindheit und Hörsehbehinderung sind völlig
eigenständige Behinderungsarten, die sich nicht allein aus der
Addition von Blindheit und Gehörlosigkeit herleiten lassen. Zur
Beurteilung der Interessen und Belange der einzelnen Betroffenen ist
es erforderlich, zunächst die Frage nach dem Eintritt der
Erblindung bzw. Sehbehinderung und der Gehörlosigkeit bzw.
Schwerhörigkeit zu stellen; denn nur in den seltensten
Fällen liegt Geburts-Taubblindheit vor. Früherblindeten
Personen, deren Hörvermögen im Laufe ihres Lebens
nachlässt, sind i. d. R. die blindenspezifischen Techniken
vertraut. Sie lesen und schreiben die Blindenschrift und
kommunizieren über das Lorm-Alphabet. Frühertaubte,
späterblindete Menschen orientieren sich hingegen eher an den
Techniken der Gehörlosen und kommunizieren mittels
Gebärdensprache.
Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse muss das Angebot für
Taubblinde und Hörsehbehinderte ein breites Spektrum umfassen.
Ein wesentlicher Teil der inhaltlichen Arbeit konnte in die
Hände des im Mai 2000 gegründeten "Gemeinsamen
Fachausschusses für die Belange taubblinder und
hörsehbehinderter Menschen" (GFTB) gelegt werden. Über
Zusammensetzung und Ziele des Gremiums sowie die im Berichtszeitraum
durchgeführten Aktivitäten wird an anderer Stelle
berichtet.
Selbstverständlich wurden die vielfältigen Dienstleistungen
des DBSV für taubblinde und hörsehbehinderte Menschen auch
im Berichtszeitraum angeboten. Hervorzuheben sind die speziell
für diesen Personenkreis produzierten und kostenlos abgegebenen
Publikationen, die der verbesserten Informationsvermittlung dienen.
Außerdem wurden die Angebote der selbst betroffenen
Taubblindensprecherin des DBSV, Frau Annette Simmet, fortgesetzt. Im
Einzelnen handelt es sich um folgende Aktivitäten:
* An der Taubblindenfreizeit des DBSV vom 2. bis 16. Oktober in Bad
Meinberg nahmen insgesamt 50 Personen aus ganz Deutschland teil. Die
Vorbereitung und Durchführung des Kultur- und Freizeitprogramms
wurde von Annette Simmet und den Eheleuten Wilma und Günter
Großeberkenbusch übernommen. Ziel der Veranstaltung war
es, unter den taubblinden und hörsehbehinderten
Vereinsmitgliedern den Zusammenhalt zu festigen und freundschaftliche
Beziehungen zu fördern. Darüber hinaus stand die
Kommunikation über behinderungsbedingte Alltagsprobleme im
Mittelpunkt. Zu den Unterbringungs- und Verpflegungskosten der
Teilnehmer gewährte der DBSV - wie in den Vorjahren - einen
beträchtlichen Zuschuss und übernahm die
Programmkosten.
* In der Zeit vom 10. bis 12. November fand in Bad Meinberg die
Arbeitstagung für die Taubblindenbeauftragten der Landesvereine
im DBSV statt. Teilgenommen haben insgesamt 20 Personen aus neun
Verbänden. Ziel des Angebotes ist es, die vielfältigen
Aktivitäten zu Gunsten taubblinder und hörsehbehinderter
Menschen auf Landesebene zu koordinieren und die Beauftragten durch
Fachreferate und Diskussionsforen weiterzubilden. Auf dem Programm
der diesjährigen Tagung standen u. a. die Frage nach der
Bewältigung psychischer Probleme bei nachlassendem Seh- und/oder
Hörvermögen, Informationen über das Patiententestament
sowie die Vermittlung von Kommunikationstechniken an die Betroffenen.
Außerdem fand turnusgemäß die Neuwahl der
DBSV-Taubblindenvertretung statt mit dem Ergebnis, dass Frau Annette
Simmet, die selbst taubblind ist, für weitere vier Jahre in
ihrem Amt als DBSV-Taubblindensprecherin bestätigt wurde. Zu
ihrem Stellvertreter wählten die Tagungsteilnehmer Herrn Andreas
Schenk aus München. Die bisherige Stellvertreterin, Frau Wilma
Großeberkenbusch, schied auf eigenen Wunsch aus dem Amt aus.
Für ihr jahrzehntelanges Engagement für den DBSV sei ihr
und ihrem Ehemann auch an dieser Stelle nochmals gedankt.
* Redaktion und Herausgabe des "Tagesnachrichtenblattes für
Taubblinde" in Blindenschrift. Dabei handelt es sich um die
Punktschriftübertragung von aktuellen Nachrichten aus
Tageszeitungen, den Videotext-Seiten von ARD und ZDF sowie dem
Internet. Das Tagesnachrichtenblatt wird von Montag bis Freitag -
wahlweise in Voll- oder Kurzschrift - an taubblinde Punktschriftleser
kostenlos abgegeben.
* Kostenloser Versand des von Annette Simmet redigierten Fachblattes
"Der Taubblinde". Die alle zwei Monate erscheinende Publikation wird
in Punktschrift, für Sehrestler und Taubblindenberater in
Schwarzschrift herausgegeben und informiert über aktuelle Themen
aus dem Taubblinden- und Hörsehbehindertenwesen.
* Kostenlose Bereitstellung der Verbandszeitschrift "Die Gegenwart"
in Punktschrift für taubblinde Mitglieder der
DBSV-Landesvereine.
Förderung blinder und sehbehinderter Diabetiker
Unter der Leitung der seit dem 1. Januar 2000 offiziell durch den
DBSV-Vorstand eingesetzten ehrenamtlichen Diabetesbeauftragten, Frau
Diana Droßel, hat der Verband die Arbeit auf diesem Gebiet
weiter intensiviert. Ziel der Aktivitäten ist die Förderung
der Belange blinder, von Blindheit bedrohter und sehbehinderter
Diabetiker, insbesondere durch Einflussnahme auf die Hersteller von
Geräten und Medikamenten zur Blutzuckerregulierung sowie auf die
Herausgeber von Fachinformationen zum Diabetes. Durch die
Bereitstellung von blinden- und sehbehindertengerechten Hilfsmitteln
(z. B. Blutzuckermessgeräte mit Sprachausgabe, Insulinpumpen,
Pens usw.) und von Zeitschriften und Büchern in Punktschrift
oder auf Kassette kann sichergestellt werden, dass die Betroffenen zu
einer eigenständigen Versorgung in der Lage sind und sich damit
ihre Lebensqualität entscheidend verbessert.
Das ehrenamtliche Engagement von Frau Droßel erfolgt in enger
Kooperation mit den Diabetesbeauftragten der Landesvereine im DBSV.
Zur Verbesserung der Kommunikation zwischen der Mehrzahl dieser
Ansprechpartner steht seit Anfang des Jahres eine Mailing-Liste zur
Verfügung, über die aktuelle Informationen ohne Zeitverlust
verbreitet werden können. Außerdem wird das umfangreiche
Literaturverzeichnis des DBSV mit Fachzeitschriften und
-büchern, die in blinden- und sehbehindertengerechter Form
erhältlich sind, regelmäßig aktualisiert.
Vom 18. bis 20. Februar fand im "Haus Hubertus" in Mündersbach
die dritte Arbeitstagung für die Diabetesbeauftragten der
Landesvereine im DBSV statt. Teilgenommen haben 28 Personen aus 12
Landesverbänden. Seit Beginn der Arbeit speziell für diesen
Personenkreis im Jahre 1996 hat sich die Zahl der Beauftragten damit
kontinuierlich erhöht. Zu den Schwerpunktthemen gehörten u.
a. die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Diabetikerbund, Bluthochdruck
bei Diabetikern und spezielle Hilfsmittel für diesen
Personenkreis. Da sich die Arbeit zu Gunsten blinder und
sehbehinderter Diabetiker noch im Aufbau befindet und der
persönliche Austausch unter den Beauftragten als
außerordentlich wertvoll erachtet wird, soll die Tagungsreihe
künftig nicht mehr im Zweijahres-Rhythmus, sondern jährlich
durchgeführt werden.
Auf der Verwaltungsratssitzung im Oktober 2000 war das Problem der
Förderung blinder und sehbehinderter Diabetiker eines der
Schwerpunktthemen.
Kultur, Freizeit, Sport
Der DBSV veranstaltet und fördert zahlreiche
Aktivitäten, die es blinden und sehbehinderten Menschen
erleichtern bzw. ermöglichen ihren individuellen Interessen und
Neigungen in den Bereichen Kultur, Freizeit und Sport nachzugehen.
Dabei liegt einer der Aufgabenschwerpunkte auf Programmen, die durch
das Zusammenkommen blinder, sehbehinderter und sehender Menschen
einen wesentlichen Beitrag zur Integration der Betroffenen in die
Gesellschaft leisten. Im Berichtszeitraum sind folgende
Aktivitäten hervorzuheben:
* Zusammenarbeit mit dem Deutschen Behindertensportverband (DBS): Der
DBSV ist u. a. durch seine ehrenamtlichen Sportbeauftragten Heinz
Beier, Wilfried Schwellnus und Olaf Schmiedeck im DBS-Beirat sowie in
den Ausschüssen Leistungs-, Breiten- und Rehabilitationssport
vertreten, um die Interessen blinder und sehbehinderter Sportler
wahrzunehmen. Der DBS-Beirat, der am 15. März in Duisburg und
am14. Dezember in Frankfurt zusammentrat, hat überwiegend
politische Aufgaben und soll auf dieser Ebene den Behindertensport
insgesamt fördern. Er fungiert außerdem als Plattform
für die vertretenen Verbände, um aktuelle Fragen und
Probleme der Einzelmitglieder zu behandeln. Die letztjährigen
Beiratssitzungen standen im Zeichen der Paralympics 2000 in Sydney
und der EXPO in Hannover.
* Durchführung der 29. Bundespokal-Kegelmeisterschaft für
Blinde und Sehbehinderte vom 12.. bis 14. Mai in Gelsenkirchen. An
der Veranstaltung nahmen 150 aktive Keglerinnen und Kegler aus den
Schadensklassen B1 = blind, B2 = praktisch blind und B3 =
sehbehindert teil. Spielberechtigt waren diejenigen Sportler, die
sich im Rahmen der Landeskegelmeisterschaften für die Teilnahme
an der Endausscheidung qualifiziert hatten. Die Schirmherrschaft
wurde vom Oberbürgermeister der Stadt Gelsenkirchen Oliver
Wittke übernommen, der die Siegerehrung gemeinsam mit dem
DBSV-Kegelwart Norbert Stolte und dem DBSV-Sozialreferenten Martin
Altmaier vornahm.
* Förderung des ersten EBU-CUP im Kegeln. Vom 29. Oktober bis 1.
November fand in St. Wolfgang-Ried/Österreich das erste
internationale Kegelturnier der EBU für Blinde und Sehbehinderte
statt. An der Veranstaltung, die auf Initiative und unter der Leitung
von Wilfried Schwellnus durchgeführt wurde, nahmen 36 aktive
Kegler aus Österreich und Deutschland teil. Zukünftig soll
das Turnier als regelmäßige Veranstaltung unter
Beteiligung weiterer EBU-Mitgliedsländer angeboten werden.
* Durchführung des 3. "Skat-Marathons für Blinde,
Sehbehinderte und ihrer sehenden Freunde" vom 25. bis 31. März
in Boltenhagen. An der Veranstaltung nahmen insgesamt 26 Skatspieler
teil. Organisation und Leitung lagen in Händen des
DBSV-Skatwartes Wilfried Schwellnus.
* Durchführung des 2. Skatturniers für Anfänger vom 4.
bis 6. August in Moers. Im Rahmen dieser Veranstaltung hatten die
Teilnehmer die Möglichkeit, das Skatspiel unter blinden- und
sehbehindertengerechten Bedingungen zu erlernen und zu trainieren.
Mit dem Angebot, das in den nächsten Jahren fortgesetzt werden
soll, kommt der DBSV dem Wunsch einer immer größer
werdenden Zahl von Interessenten nach.
* Durchführung der 7. Deutschen Pokalskatmeisterschaft des DBSV
vom 17. bis 19. November in Osterode. Teilgenommen haben 52
Skatspieler aus der gesamten Bundesrepublik, die sich zuvor im Rahmen
der Vorrundenturniere in den vier Spielbezirken Nord, Ost, West und
Süd im Frühjahr qualifizieren mussten.
* Förderung der vom Blinden- und Sehbehindertenverband
Niedersachsen ausgerichteten 10. bundesweiten Tandemwoche des DBSV im
Rahmen der EXPO 2000 in Hannover. An der Veranstaltung, die in der
Zeit vom 26. August bis 3. September stattfand, nahmen insgesamt 26
Tandemteams, die sich aus jeweils einem sehendem Fahrer und einem
blinden bzw. sehbehinderten Beifahrer zusammensetzen, teil. Neben den
obligatorischen Halb- und Ganztags-Touren standen in diesem Jahr
Besuche der Weltausstellung einschließlich eines offiziellen
Empfangs- und Pressetermins auf dem Programm.
* Förderung des DBSV-Kulturensembles zur Herausgabe einer
Musik-CD mit Auszügen aus dem umfangreichen Repertoire des
Chores. Auf Initiative der Ensemble-Mitglieder hat der DBSV die
Produktion der CD ermöglicht, um das seit Jahrzehnten
erfolgreiche Wirken der blinden und sehbehinderten Vokalisten und
Instrumentalisten dauerhaft zu dokumentieren und ausgewählte
Musikstücke einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu
im Rupprecht-Tonstudio ging eine Probewoche vom 15. bis 20. November
in Berlin voraus.
Förderung der Braille-Schrift
Im 175. Jahr nach der Erfindung der Blindenschrift durch den
Franzosen Louis Braille hat der DBSV der Förderung dieses
wichtigsten Kommunikationsmittels blinder und hochgradig
sehbehinderter Menschen wiederum höchste Priorität
beigemessen. Dabei lag neben der Öffentlichkeitsarbeit in diesem
Bereich das Hauptaugenmerk auf der Fertigstellung des Projektantrags
zur Darstellung von 6-Punkte-Basisbraille, Voll- und Kurzschrift auf
Braille-Zeilen, der im Mai beim Bundesministerium für Arbeit und
Sozialordnung eingereicht und im Oktober als vollfinanziertes
Vorhaben bewilligt wurde. Ziel des Projekts, das zum 31.05.2001
abgeschlossen sein wird, ist es, das bisher in der EDV verwendete
8-Punkte-Eurobraille für Standardanwendungen
überflüssig zu machen und durch die Schriftsysteme der
traditionellen 6-Punkte-Blindenschrift zu ersetzen.
Als Ergebnis des Vorhabens soll eine kostenlose Software zur
Verfügung stehen, die in alle heute verwendeten
Hilfsmittelprogramme für blinde und sehbehinderte
Computerbenutzer integrierbar ist und die Punktschrift auf der
Braille-Zeile nach den Regeln des "Systems der deutschen
Blindenschrift" abbildet. Dabei sollen zum Schreiben von Texten die
sogenannte Basis-Braille-Schrift (Vollschrift ohne jede Kürzung)
und zusätzlich zum Lesen wahlweise die Voll- und Kurzschrift
bereit stehen. Die Vorteile für den PC-Anwender im beruflichen
und schulischen Alltag liegen in der Erhöhung der
Lesegeschwindigkeit und der Verwendung eines einheitlichen, in sich
geschlossenen Blindenschriftsystems auf Papier und Braille-Zeile. Der
Vorteil des Euro-Braille, dass sehende Personen die Texteingabe am
Bildschirm unmittelbar nachvollziehen machen. Den Aufnahmen
können, bleibt bei der neuen Software in vollem Umfang
erhalten.
Am 6. September fand auf Einladung des DBSV-Präsidenten
Jürgen Lubnau ein Expertengespräch zur Braille-Schrift und
insbesondere zum Thema Mathematikschrift für Blinde in Bonn
statt. Dabei wurde u. a. nochmals die Frage nach einer
Vereinheitlichung der unterschiedlichen Mathematik-Schriftsysteme
diskutiert. Der Braille-Experte der Deutschen Blindenstudienanstalt,
Volker Hahn, unterstrich die Bedeutung des Marburger
6-Punkt-Mathematikschrift-Systems in der schulischen Ausbildung und
präferierte das Computer-Programm und Schriftsystem "Latex"
für den Hochschulbereich. Letzteres kann im Gegensatz zu anderen
Lösungen ebenfalls mit sechs Punkten auf der Braille-Zeile
dargestellt werden. Die Besprechungsergebnisse haben den
DBSV-Vorstand in seiner Sitzung am 8./9. September veranlasst, sich
den Vorschlägen von Herrn Hahn anzuschließen und
künftig für die Verbreitung beider Schriftsysteme
einzutreten.
Auf Initiative des DBBW wurde eine Expertengruppe eingesetzt, die
einen Qualifikationstest für Punktschriftlehrer erarbeitet hat.
Der DBSV hat das erste und entscheidende Treffen finanziert. Der Test
selbst soll im Jahr 2001 erprobt und endgültig abgefasst
werden.
Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und Institutionen
Dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband gehören als
korrespondierende Mitglieder an:
1) Arbeitsgemeinschaft der Einrichtungen für taubblinde
Menschen,
2) Berufsbildungswerk für Blinde und Sehbehinderte Chemnitz
GmbH,
3) Berufsbildungswerk für Blinde und Sehbehinderte Soest,
4) Berufsförderungswerk Düren gGmbH,
5) Berufsförderungswerk Halle (Saale) gGmbH,
6) Berufsförderungswerk Würzburg gGmbH,
7) Berufsverband der Rehabilitationslehrer/innen für
Orientierung und Mobilität für Blinde und Sehbehinderte e.
V.,
8) Berufsverband der RehabilitationslehrerInnen für Blinde und
Sehbehinderte e. V.
- Lebenspraktische Fertigkeiten -,
9) Blista-Brailletec gGmbH für Blinden- und
Sehbehindertentechnik,
10) Bund zur Förderung Sehbehinderter e. V.,
11) Bundesverband der Eltern blinder und sehbehinderter Kinder e.
V.,
12) Deutsche Blindenstudienanstalt e. V.,
13) Deutscher Verein der Blinden- und Sehbehinderten in Studium und
Beruf e. V.,
14) Deutsches Katholisches Blindenwerk e. V.,
15) Deutsches Taubblindenwerk gGmbH,
16) Esperanto Blindenverband Deutschlands e. V.,
17) Evangelischer Blinden- und Sehbehindertendienst in Deutschland e.
V.,
18) Hamburger Blindenstiftung,
19) Institut für Rehabilitation und Integration
Sehgeschädigter e. V.,
20) Interessengemeinschaft Sehgeschädigter Computernutzer e.
V.,
21) Nikolauspflege, Stiftung für Blinde und Sehbehinderte,
22) Pro Retina Deutschland e.V.
23) Stiftung Blindenanstalt Frankfurt am Main,
24) Taubblindendienst e. V. Fachverband im Diakonischen
Werk der EKD für Taubblinde und mehrfachbehinderte Blinde,
25) Verband der Blinden- und Sehbehindertenpädagogen e. V.
26) Verband für das Blindenhandwerk,
27) Verein zur Förderung der Blindenbildung e. V.,
28) Zentrum für Physikalische Therapie, Elisabeth-Dicke-Schule
gGmbH
Beteiligungen und Mitgliedschaften
Der DBSV ist Gesellschafter folgender Gesellschaften mit
beschränkter Haftung:
OSTDEUTSCHES BLINDENZENTRUMS gGMBH (OBZ), dessen Aufgabe die Planung,
Durchführung und das Controlling über das neu zu
errichtende Mobilitätszentrum für Blinde und Sehbehinderte,
das als modernes Rehabilitationszentrum ein zentraler Anlaufpunkt in
Deutschland werden soll.
ZENTRUM FÜR PHYSIKALISCHE THERAPIE (ELISABETH-DICKE-SCHULE) in
Mainz: Diese in ihrer Art einzigartige Einrichtung bietet beste
Voraussetzungen für eine qualifizierte Ausbildung zum Masseur
und medizinischen Bademeister sowie zum Physiotherapeuten. Die
Einzigartigkeit besteht in der gemeinsamen Ausbildung von Blinden,
Sehbehinderten und Sehenden und ist deshalb Beispiel für ein
gelungenes Integrationsmodell. Bedingt durch die verlängerten
Ausbildungszeiten und den großen Bedarf an Maßnahmen zur
Nachqualifizierung (vom Masseur zum Physiotherapeuten) wurde 1997 mit
den Baumaßnahmen zur Modernisierung und Erweiterung der
Einrichtung begonnen.
DEUTSCHES TAUBBLINDENWERK (DTW) in Hannover: Das DTW ist Träger
des Deutschen Taubblindenzentrums in Hannover (Sonderschule,
Internat, Wohnheim), das in Heidenoldendorf-Fischbeck eine Wohnanlage
mit Werkstätten für Taubblinde und mehrfachbehinderte
Blinde unterhält. Das DTW ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft
der Taubblindeneinrichtungen Deutschlands (AGTB).
BLISTA BRAILLETEC in Marburg: Diese 1994 gegründete
Gesellschaft, die sich vornehmlich mit der Herstellung und dem
Vertrieb von Braille-Druckmaschinen und Braille-Bogenmaschinen
befasst, setzte ihr Konzept zur Konsolidierung durch bauliche
Maßnahmen (Verkleinerung) und Personalabbau erfolgreich fort.
Die gute Auftragslage von 1996 hatte auch 1997 Bestand und lässt
hoffen, dass die Erwartungen, die die Gesellschafter in die
Konsolidierung des Unternehmens gesetzt haben, in Erfüllung
gehen.
DEUTSCHES BLINDENBILDUNGSWERK (DBBW) mit Sitz in Bonn: Diese vom DBSV
mit dem Verband der Blinden- und Sehbehindertenpädagogen
betriebene Einrichtung war im Januar 1996 erstmals mit zwei
hauptamtlichen Mitarbeitern ausgestattet worden und konnte ihr
Bildungsangebot zwischenzeitlich stark ausbauen. Das DBBW, dessen
Büro in Weil am Rhein ist, bot wiederum eine Vielzahl von
Seminaren an, die ein vielfältiges Themenspektrum, von Kursen
über Beratungsgespräche bis zu berufsbezogenen Seminaren,
z. B. für Telefonisten, abdeckten. Als neuer Fernkurs kam 2000
ein Fernlehrgang zur neuen Rechtschreibung hinzu. Erfreulich
groß war die Nachfrage bei der Fortbildung für blinde und
sehbehinderte Schwerbehindertenvertrauensleute und bei den
Internetkursen. Fester Bestandteil des Programms blieben (und
bleiben) die Punktschrift- und Computerkurse.
Die Zusammenarbeit mit den vier weiteren Bundesverbänden der
Blinden und Sehbehinderten in Deutschland - neben dem DBSV sind dies
der BUND DER KRIEGSBLINDEN DEUTSCHLANDS (BKD) sowie der DEUTSCHE
VEREIN DER BLINDEN UND SEHBEHINDERTEN IN STUDIUM UND BERUF (DVBS),
die PRO RETINA Deutschland e. V. (PRD) und der BUND ZUR
FÖRDERUNG SEHBHINDERTER (BFS) dokumentierte sich auch im Jahr
2000 in vielerlei Abstimmungsgesprächen, in der Arbeit ihrer
gemeinsamen Fachausschüsse und in der inhaltlichen Abstimmung
von Eingaben, Stellungnahmen und Resolutionen, die gemeinsame Belange
berühren.
Da der Zugang zur Literatur für Blinde und Sehbehinderte
erschwert ist, haben die Hörbüchereien und
Blindenschriftdruckereien einen großen Stellenwert in der
Förderung des kulturellen Lebens. Auch im Jahre 2000 stand hier
das weltweite Projekt "Digital Audiobased Information System" (DAISY)
im Vordergrund, das von der ARBEITSGEMEINSCHAFT DER
BLINDENHÖRBÜCHEREIEN E. V. betreut wird. Ziel von DAISY ist
die Entwicklung einer neuen Hörbuchgeneration, die sich nicht
mehr wie bisher des Mediums der Audiokassette bedient, sondern eines
verschleißfreien, digitalen Mediums wie der CD-Rom. Ein solches
Medium bietet große Speicherkapazitäten und die
Möglichkeit, gesprochene Literatur nach Hörerwunsch
zusammenzustellen und durch elektronische Marken Lesezeichen zu
setzen, die einen schnellen Zugriff auf die gewünschten Stellen
ermöglichen. Hierzu soll ein handliches, leicht bedienbares
Abspielgerät geschaffen werden. An dem deutschen Beitrag
für DAISY beteiligte sich der DBSV.
Zur Klärung der lizenzrechtlichen Fragen zur Umsetzung von
Literatur in Hör- und Braille-Büchern wurde die
Mediengemeinschaft für Blinde und Sehbehinderte (MEDIBUS)
gegründet. Mitglieder sind die Hörbüchereien,
Blindenschriftbibliotheken, -druckereien und -verlage sowie der DBSV.
MEDIBUS ist der alleinige Ansprechpartner für Verlage und
Autoren bezüglich der Beschaffung von Aufsprache- und
Drucklizenzen.
In den Organen der Deutschen Blindenstudienanstalt, des Vereins zur
Förderung der Blindenbildung, des Berufsbildungswerkes Soest,
des Berufsförderungswerkes Düren, des Zentrums für
Physikalische Therapie in Mainz, des Deutschen Taubblindenwerkes, der
Blista Brailletec, des Verbandes für das Blindenhandwerk, der
Deutschen Blindenarbeit, der Arbeitsgemeinschaft der
Blindenhörbüchereien, der Bundesarbeitsgemeinschaft "Hilfe
für Behinderte", des Deutschen Vereins für öffentliche
und private Fürsorge, der Bundesarbeitsgemeinschaft für
Rehabilitation, der Bundesvereinigung für Gesundheitserziehung,
des Kuratoriums zur Verhütung von Blindheit, der
Bundesarbeitsgemeinschaft "Werkstätten für Behinderte", des
Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes (Gesamtverband), der
Deutschen Behindertenhilfe/Aktion Mensch, der Hans-Calwer-Stiftung
und des Deutschen Normeninstitutes wirken ehren- und hauptamtliche
DBSV-Mitarbeiter verantwortlich mit. Vorstehende Aufzählung
könnte ergänzt werden durch Mitwirkungen in weiteren
Organisationen, die absprachegemäß durch Mitarbeiter des
BKD oder des DVBS sichergestellt werden.
Öffentlichkeitsarbeit
Der Sehbehindertentag am 06. Juni ist auf dem Weg, zu einer
Tradition zu werden. Gemeinsam mit dem Allgemeinen Blinden- und
Sehbehindertenverein Berlin gegründet 1874 e.V. sowie mit den
Regionalgruppen des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten
in Studium und Beruf e.V. und der Pro Retina Deutschland e.V. und der
Arbeitsgruppe "Vergrößernde Sehhilfen" gestaltete der DBSV
auf dem Wittenbergplatz in Berlin einen "Informativen Biergarten" in
Verbindung mit einem Pressegespräch.
Zahlreiche Passanten nutzten die Gelegenheit, sich über die
Belange Sehbehinderter zu informieren und einen kostenlosen Sehtest
zu machen.
Um bei künftigen Aktionen im öffentlichen Raum noch mehr
Aufmerksamkeit zu erreichen, müssen erheblich größere
Mittel für die Werbung eingesetzt werden.
Das Schwerpunktthema "Kontraste helfen schwachen Augen" wurde
bundesweit auf unterschiedliche Weise der Öffentlichkeit
näher gebracht.
Mit Postern, Postkarten, Informationsblättern sowie mit der
Broschüre "Besser sehen" hat der DBSV hilfreiches Material
erarbeitet und für die Verbreitung vor Ort angeboten. Der
Verwaltungsrat sah es als notwendig an, das Thema im Jahr 2001 in
modifizierter Form noch einmal zum Schwerpunkt zu machen.
"Sechs Richtige" war das Motto des Tages des weißen Stockes.
Mit dem gleichnamigen Kongress auf dem Gelände der EXPO 2000 in
Hannover ist es gelungen, das Anliegen einer breiten
Öffentlichkeit vorzustellen und innerhalb der Blinden- und
Sehbehindertenselbsthilfe zu propagieren.
Das Thema Punktschrift war sehr geeignet, um die Medien zu
interessieren. Aktionen in den Landesvereinen, insbesondere auch
Punktschrift-Lesewettbewerbe, fanden gebührende
Aufmerksamkeit.
Der DBSV stellte Druckvorlagen des Punktschriftalphabetes zur
Verfügung, gab Poster und Postkarten, eine Rätselkarte und
ein Lesezeichen mit Punktschrift-Alphabet heraus, gestaltete eine
ansprechende 16-seitige Beilage der "Gegenwart" und sorgte für
eine interessante Internetpräsentation zum Thema
Punktschrift.
Der DBSV-Verwaltungsrat stimmte der Einschätzung zu, dass das
Thema "Sechs Richtige" den Auftakt für eine Kampagne zur
stärkeren Verbreitung der Punktschrift sein müsse. Für
den Tag des weißen Stockes 2001 wurde als Schwerpunktthema
beschlossen: "Immer eine Stocklänge voraus".
Bei der Augenärztlichen Akademie Deutschland in Düsseldorf
gestaltete der DBSV gemeinsam mit den Berufsförderungswerken
einen Informationsstand. Außerdem traten Vorstandsmitglied
Dr.
Alfred Preuße sowie Elke Schaafhausen in Workshops auf.
Für die Beteiligung im Jahr 2001 beschloss der DBSV-Vorstand,
einen gemeinsamen Stand der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe zu
gestalten.
Bei der REHA-Care International 2000 war der DBSV nicht vertreten, da
er sich für die Beibehaltung des Zweijahresrhythmus
ausgesprochen hatte, während die Messe jetzt jährlich
stattfindet. Bei der REHA-Care 2001 bietet der DBSV seinen
Korrespondierenden Mitgliedern die Möglichkeit, sich an einem
Gemeinschaftsstand zu beteiligen. Bewährt hat sich die Regelung,
dass der DBSV bei regionalen Messen durch die Präsenz von
Landesvereinen vertreten wird. Dies sollte weiter ausgebaut
werden.
Das DBSV-Jahrbuch 2001 fand wiederum großen Anklang bei den
Leserinnen und Lesern. Die Vielfalt der Beiträge macht diese
Publikation zu einer geschätzten Informationsquelle. Die Auflage
von 25.000 Exemplaren war Ende 2000 weitgehend verkauft. Dem
Spenden-Mailing wurde es, wie auch schon im Vorjahr, nicht mehr
beigelegt. Über erweiterte Verbreitungsmöglichkeiten des
Jahrbuches sollte nachgedacht werden.
Die Fotoausstellung "Wer nicht sieht, wird nicht geseh´n!" war
u. a. in Berlin, im Saarland und in Sachsen zu sehen.
Neben den Medien zu den oben genannten Aktionstagen und zahlreichen
aktualisierten Broschüren und Aktionsmitteln erschien die neue
Publikation "FIT im Beruf", die Arbeitgeber darüber informieren
soll, wie Blinde und Sehbehinderte am PC arbeiten.
Stark zugenommen haben die Anfragen von Journalisten zum Thema
Blindheit und Sehbehinderung. Die häufigsten Recherchen beziehen
sich auf den Zugang von Menschen mit Sehproblemen zu den neuen
Medien.
Mit der Erweiterung der DBSV-Homepage wurde ein wichtiger Beitrag
dafür geleistet, dass Interessenten sehr schnell den Kontakt zum
DBSV herstellen konnten. Bekanntheit und Image des DBSV haben durch
den verbesserten Internet-Auftritt gewonnen. Die DBSV-Homepage sollte
weiter qualifiziert werden. Sie muss noch stärker
nutzerorientiert gestaltet werden.
Das pünktliche Erscheinen und die inhaltliche Vielfalt der
"Gegenwart" sowie das Bemühen der Redaktion um Aktualität
und Leserfreundlichkeit sorgten für ein waches Interesse
für das Organ des DBSV. Seit Ausgabe 1/2000 wird die "Gegenwart"
in Punktschrift in der Deutschen Zentralbücherei für Blinde
zu Leipzig (DZB) gedruckt. Der Grund für die Neuvergabe des
Auftrages war die damit verbundene erhebliche Kostenreduzierung. Die
Aufsprache der Kassetten-Version erfolgt seit Ausgabe 6/2000
ebenfalls in der DZB, was zu einer spürbaren
Qualitätsverbesserung führte. Das neue Layout mit
sehbehindertenfreundlicher Schrift in der Schwarzdruck-Ausgabe fand
bei den Leserinnen und Lesern allgemein Zustimmung.
Audiodeskription
Hörfilme im Fernsehen: Eigenproduzierte
Hörfilm-Tonspuren realisieren die Sender BR (12 Filme), arte (12
Filme), NDR (6 Filme). Der MDR lässt seine
Audiodeskriptionsmanuskripte beim Projekt Hörfilm ausarbeiten (6
Filme), der SWR lässt die komplette Hörfilm-Produktion beim
Projekt Hörfilm durchführen (8 Filme). Hinzu kommen
Wiederholungen über den Programmaustausch. Im Oktober 2000 war
die Satellitenausstrahlung des BR für drei Wochen gesperrt;
Ursache waren Beschwerden sehender Fernsehteilnehmer. Heftige
Proteste der Hörfilm-Nutzer führten zur Wiederherstellung
der Satellitenausstrahlung.
Das Hörfilm-Angebot des ZDF wird vom Projekt Hörfilm
realisiert. Ein Teil der Produktion wird bei 3-sat ausgestrahlt,
wodurch sich eine größere Reichweite ergibt (empfangbar
auch über Satellit) sowie Sendeplätze in der Hauptsendezeit
(20.15 Uhr) zur Verfügung stehen. Im Jahr 2000 zeigte das ZDF 25
Folgen der Serie "Ein Fall für Zwei", hinzu kamen 14 lange
Spielfilme (5 ausgestrahlt bei 3-sat, 9 im ZDF).
Insgesamt hat sich das Angebot an Filmen mit Audiodeskription im
deutschen Fernsehen im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt: 144
Hörfilm-Sendetermine in 2000, 78 im Jahre 1999. Die Steigerung
des Angebots ist im Wesentlichen auf die neuen Produktionsmethoden
des DBSV sowie die Ausstrahlung von Wiederholungen
zurückzuführen.
Das Projekt Hörfilm des DBSV hat im Jahr 2000 61 Hörfilme
realisiert. Davon wurden 50 Audiodeskriptionen komplett produziert
inklusive Umsetzung im Tonstudio, vier Filme wurden öffentlich
aufgeführt und für sieben weitere wurden die Textfassungen
erstellt. Bei den 61 Hörfilmen handelt es sich um 32 lange
Spielfilme und 29 Serienfolgen bzw. Kurzfilme mit einer Laufzeit von
45-50 Min. Im Vorjahr belief sich die DBSV-Produktion auf 38
Hörfilme (19 lange Spielfilme und 19 Serienfolgen). Das
Gesamtangebot der vom DBSV erstellten Audiodeskription belief sich im
Jahr 2000 auf rund 73 Stunden (1999: 45 Stunden), das bedeutet einen
Zuwachs von gut 60%.
Ausbildung der Filmbeschreiber: Das Wochenend-Seminar-Konzept ist
ergänzt worden um praxisorientierte Ausbildungseinheiten. Dabei
wurden die in den vorangegangenen Jahren gemachten Erfahrungen
umgesetzt. Der Einsatz von Dreierteams ist weitgehend alternativ. Als
unabdingbar hat sich die Mitarbeit von blinden und sehbehinderten
Filmbeschreibern erwiesen. Durch diese Umstrukturierungen hat sich
die Anzahl der erstellten Audiodeskriptionen bei steigender
Qualität deutlich erhöhen lassen. Für
Ausbildungsseminare werden die Räumlichkeiten der Deutschen
Film- und Fernsehakademie Berlin genutzt.
Filmbeschreiber haben seit Anfang des Jahres die Möglichkeit,
ihre Zweitverwertungsrechte durch die VG Wort wahrnehmen zu lassen
und auf diesem Wege Wiederholungshonorare einzutreiben.
Das Medium DVD stellt aktuelle Kino-Produktionen mit
Hörfilm-Tonspuren bereit, außerdem auch Filmklassiker.
Über die Kooperation mit "Kinowelt" sind derzeit fünf Titel
im Handel, drei weitere (u.a. "Dancer in the Dark") sind bereits
produziert und werden im Laufe des Jahres zunächst in
öffentlichen Videotheken als Leih-DVDs erhältlich sein und
dann in den regulären Handel kommen. Derzeit wird in Kooperation
mit dem DBSV daran gearbeitet, das Medium DVD durch eine spezielle
Sprachsteuerung des gesamten Menüs noch attraktiver für
Blinde und Sehbehinderte zu machen. Alle erhältlichen
deutschsprachigen Hörfilm-Fassungen auf DVD sind vom Projekt
Hörfilm produziert worden.
Die Pläne zur Digitalisierung der Fernsehlandschaft
konkretisieren sich. Der DBSV ist auf Kongressen zum Thema
präsent ("Digitalisierung und Konvergenz", "Startszenario 2000")
und bringt dort die Interessen Blinder und Sehbehinderter ein.
Im Dezember verabschiedete der Bundestag einen Antrag von
SPD/Bündnis 90-Die Grünen zum Thema "Barrierefreier Zugang
Blinder und Sehbehinderter, Gehörloser und
Hörgeschädigter zum Fernsehen". Gefordert wurde eine
Ausweitung des Angebotes von Filmen mit Audiodeskription. Die
Einführung einer Quote wurde thematisiert für den Fall,
dass die Programmanbieter nicht eigenverantwortlich für
behindertengerecht aufbereitete Programmanteile Sorge tragen. Die
Bundestagsdebatte wurde vom Sender Phönix live
übertragen.
Öffentlichkeitsarbeit / Info-Service: Das bisherige Angebot
wurde hier um ein Info-Service-Telefon mit leicht einprägsamer
Anwahl ergänzt, das neben den aktuellen
Hörfilm-Sendeterminen auch kommuniziert sowie Hinweise zum
Empfang von Hörfilmen und das Angebot des Hörfilm-Versandes
bereithält. Zum Standard gehört die Verbreitung der
Sendetermine über diverse Verteiler in zwei verschiedenen
Text-Fassungen sowie die Belieferung der Videotexte von ARD und ZDF.
Das seit 4/98 erscheinende "Hörfilm-Forum" der "Gegenwart" ist
in eine vierseitige Beilage überführt worden.
Um den Hörfilm-Nutzern auch aktuelle Hörfilm-Kaufmedien
anbieten zu können, hat der DBSV einen Hörfilm-Versand
etabliert. Dort werden Videoproduktionen des DBVSV vertrieben sowie
die im regulären Handel erhältlichen Hörfilme auf
DVD.
Im Bereich der externen Öffentlichkeitsarbeit sind besonders
hervorzuheben die Aufführung der Hörfilm-Fassung der
Dokumentation "Mit anderen Augen - Sabriye Tenberken" im Rahmen des
DBSV-Expo-Kongresses in Hannover sowie die
Hörfilm-Aufführung des DEFA-Märchen-Klassikers "Drei
Haselnüsse für Aschenbrödel" beim
Märchen-Film-Festival in Rheine.
Die Hörfilm-Aufführungen der Berlinale haben zu einer
besonders vielfältigen Berichterstattung in Presse, Radio und TV
geführt (Berlinale 2000: Wettbewerbsbeitrag "Die Stille nach dem
Schuss" von Volker Schlöndorff und im Kinderfilmfest "Die Farbe
des Paradieses". Diese Aufführungen wurden realisiert vom DBSV
aus Mitteln vom Deutschen Kinderhilfswerk, DeutschlandRadio,
Media-Markt und ZDF.
Zeitschriften des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes
Trotz gestiegener Herstellungskosten konnte der DBSV die
Abonnementgebühren weiter stabil halten. Die Kassettenausgabe
"Die Gegenwart" besteht seit März 1996 in der Regel aus drei
Kassetten. Die Abonnentenzahlen haben insgesamt leicht steigende
Tendenz.
Der DBSV gab 2000 folgende Zeitschriften heraus:
* Die Gegenwart, Organ des DBSV, Magazin für Blinde,
Sehbehinderte und ihre Freunde; erscheint 11mal jährlich
(Juli/August als Doppelnummer);
Jahresbezugspreis : 66 DM. Sonderregelung: Schwarzschrift-Ausgabe
für Bezieher in den neuen Bundesländern und im Ostteil
Berlins 55 DM.
Abonnenten unter 21 Jahren zahlen bei Vorlage des Schwerbehinderten-
bzw. Personalausweises jeweils die Hälfte des
Jahresbezugspreises.
Ab Jahrgang 1993 ist die "Gegenwart" beim Referat
Öffentlichkeitsarbeit Berlin auch als Jahrgangsdiskette
erhältlich; Preis: 10 DM.
Die "Gegenwart" wendet sich an alle Blinden und Sehbehinderten, aber
auch an deren Freunde und Bekannten sowie an diejenigen, die sich
beruflich oder ehrenamtlich mit den Problemen blinder oder
sehbehinderter Menschen befassen. Die Themenpalette reicht von
Rechtsinformationen über die Vorstellung von Hilfsmitteln,
über Erfahrungs- und Erlebnisberichte aus Freizeit und Beruf bis
hin zur Debatte über verschiedene Aufgaben in der
Rehabilitation.,Wissenswertes aus der Tätigkeit des Deutschen
Blinden- und Sehbehindertenverbandes sowie seiner 20 Landesvereine.
Sportmeldungen, Kurzinformationen, Historisches, Literatur und Kunst
sowie Rätsel und Humor gehören ebenso zum Profil der
"Gegenwart".
* RITA, Zeitschrift für die blinde Frau; erscheint
zweimonatlich;
Punktschrift: 36,- DM
Kassette: 36,- DM
* Die Handarbeitsbeilage zu RITA erscheint viermal
jährlich;
Punktschrift: 11,- DM
* Der Taubblinde erscheint zweimonatlich; Punktschrift und Schwarzschrift; Abgabe nur an taubblinde Mitglieder, kostenlos.
* Tagesnachrichtenblatt für Taubblinde erscheint an jedem Werktag; Punktschrift; Abgabe nur an taubblinde Mitglieder, kostenlos
* Wir Führhundhalter erscheint zweimonatlich
Kassette: 24,- DM
* Bürojournal erscheint zweimonatlich;
Kassette: 36,- DM
* Pulsschlag, Zeitschrift für Masseure und medizinische
Bademeister sowie Physiotherapeuten; erscheint zweimonatlich;
Kassette: 24,- DM
Internationale Arbeit
International vertritt der DBSV das deutsche Blinden- und
Sehbehindertenwesen in der Weltblindenunion (World Blind Union, WBU)
und auf europäischer Ebene in der Europäischen Blindenunion
(European Blind Union, EBU), die ein Regionalmitglied der WBU ist.
Mitglieder dieser Organisationen sind die Länder. Vertreter des
DBSV arbeiten in den Kommissionen und Arbeitsgruppen der EBU mit;
Vorstandsmitglied Norbert Müller ist Generalsekretär der
EBU.
Einen besonderen Schwerpunkt der internationalen Arbeit bildete im
Jahre 2000 die Vorbereitung blinder und sehbehinderter Menschen in
Deutschland auf den Euro. Der DBSV setzte seine Mitwirkung in der
Euro-Arbeitsgruppe der EBU fort und nahm am EU-Programm "PRINCE"
teil. Zweck dieses Programms ist es, Verbrauchergruppen mit
erschwertem Zugang zu Informationen durch Entwicklung und
Bereitstellung von Informations- und Trainingsmaßnahmen in
geeigneter Weise auf die Währungsumstellung vorzubereiten, um zu
verhindern, dass die Einführung der Euro-Münzen und
-Scheine zu einem Faktor der sozialen Ausgrenzung wird. Der DBSV
entwickelte ein Seminarkonzept, erstellte eine Seminarmappe mit
Schulungsunterlagen in einem für Blinde und Sehbehinderte
zugänglichen Format, die jeder Multiplikator zur Nachbereitung
erhielt, und bildete in Zusammenarbeit mit seinen Landesvereinen und
Korrespondierenden Mitgliedern 464 Euro-Trainer aus. Inhaltliche
Schwerpunkte der primär an den praktischen Bedürfnissen
blinder und sehbehinderter Verbraucher orientierten Schulung waren
neben der Vermittlung grundlegender Fakten zum Euro (z. B. der
Umrechnungskurs, Auswirkung auf Preise, Gehälter, Renten),
Kenntnisse der Gestaltungsgeschichte des Euro und der hierbei
beteiligten europäischen Gremien unter Einschluss der Rolle der
EBU, das Kennenlernen der Euro-Münzen und -Scheine sowie
Probleme der neuen Währungssprache. Zweck der Seminare war es
ferner, die Euro-Trainer mit einem Informations- und Medienpaket
vertraut zu machen, das die Euro-Arbeitsgruppe der EBU erstellt hatte
und das für die Beratungstätigkeit zur Verfügung
stehen wird. Dieses Material umfasst neben einer Broschüre mit
dem Titel "Vision Euro", die eine Anleitung zum Unterscheiden der
Münzen und Scheine enthält und als Punktschrift- und
Großdruckausgabe sowie als Hörkassette erscheinen wird,
sogenannte Übungskits (Münz- und Notenmuster),
Reliefdarstellungen der Noten mit Informationskassette und eine Reihe
Euro-Spiele zur Gewöhnung an die neuen auf Euro und Cent
lautenden Preise.
Das DBSV-Seminarangebot stieß bei den DBSV-Landesvereinen,
Korrespondierenden Mitgliedern und Medien auf ein lebhaftes
Interesse.
Ein weiteres herausragendes Ereignis im Jahr 2000 war die Teilnahme
an der V. Generalversammlung der WBU in Melbourne, die unter dem
Rahmenthema "Verändern, was es heißt, blind zu sein"
stand. An den Verhandlungen nahmen 256 Delegierte aus 108
Ländern teil. Der DBSV war vertreten durch seinen
Präsidenten Jürgen Lubnau sowie wichtigste Aufgabe der
regelmäßig im Abstand von vier Jahren zusammentretenden
Generalversammlung ist die Festlegung der allgemeinen Richtlinien,
die sich die Union zur Erreichung ihrer Ziele setzt, die Wahl des
Präsidiums ("Table Officers") sowie die Entgegennahme der
Arbeitsberichte des Präsidenten, Generalsekretärs,
Schatzmeisters und der Komitees.
Bei den Wahlen zum Präsidium gab es folgende Ergebnisse:
Präsidentin: Kristina Nordström, Schweden
1. Vizepräsident: Arne Husveg, Norwegen
2. Vizepräsident: William Rowland, Südafrika
Schatzmeister: Geoffrey Gibbs, Neuseeland
Generalsekretär: Enrique Sanz, Spanien.
Der von den Delegierten verabschiedete WBU-Aktionsplan 2000 - 2004
gliedert sich in drei Schwerpunktbereiche: 1.) Stärkung der
Zusammenarbeit mit der UNO und deren Sonderagenturen sowie
Bekanntmachung der WBU auf breitester Basis. 2.) Förderung der
Bildung und Aufbau der Kapazitäten der Mitgliedsorganisationen
unter Einschluss von Schulungsmaßnahmen für blinde und
sehbehinderte durch die Vorstandsmitglieder Helga Neumann und Norbert
Müller. Die weibliche Führungskräfte. 3.) Verbesserung
der internen Organisationsstrukturen der WBU und Unterstützung
von Entwicklungsländern.
Zur Erreichung dieser Ziele sieht der Aktionsplan eine Neuordnung der
Komitees und Arbeitsgruppen vor. Künftig wird es fünf
Komitees (Frauen, ältere Menschen, Jugend, Kinder und
eingeborene Bevölkerungsgruppen) und drei Arbeitsgruppen geben
(Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen, Erziehung/Empowerment/
Strukturen/Grundsatzfragen und Organisation/Strategie).
Darüber hinaus werden je nach Erfordernis sogenannte
Ad-hoc-Gruppen gebildet, die sich mit speziellen Fragen wie z.B.
Diskriminierung, Technologie und Sport befassen.
Der WBU-Generalversammlung war auch im Jahre 2000 ein Frauenforum
vorgeschaltet, an dem Vertreterinnen aus 96 Ländern teilnahmen.
In Diskussionen berieten die Delegierten Probleme der Gleichstellung
der Geschlechter in den Gremien der WBU und der Gesellschaft. In
zwölf Resolutionen wurden Eckpunkte einer künftigen
Gleichstellungsstrategie festgelegt.
Eine immer wichtigere Aufgabe der internationalen Arbeit bildet die
Einflussnahme auf die EU-Gesetze. Der DBSV unterstützte im Jahre
2000 die Lobbyarbeit der EBU insbesondere in Bezug auf den
Richtlinienentwurf zum Urheberrecht und verwandten Schutzrechten in
der Informationsgesellschaft. Blinde und Sehbehinderte haben heute
Zugriff zum Informationsangebot des Internets, indem sie sich
bestimmter Software bedienen. Die Rechtsinhaber gesetzlich
geschützter, ins Internet gestellter Werke bedienen sich jedoch
häufig technischer Schutzmaßnahmen (Kopiesperren), die die
Anwendung der Bildschirm- Lesetechnologie erschweren bzw. die
Konvertierung in ein für Blinde und Sehbehinderte lesbares
Format verhindern. Der DBSV unterstützte hier nachhaltig die
Forderung der EBU, dass die Richtlinie bestimmten Nutzergruppen wie
z. B. Blinden und Sehbehinderten ein Ausnahmerecht einräumen
muss, das den ungehinderten Zugang zu den Informationen
ermöglicht.
Mit einer Eingabe beim Bundesminister für Verkehr, Bau und
Wohnungswesen unterstützte der DBSV ferner die Forderung der
EBU, dass die Belange blinder und sehbehinderter Menschen in dem
EU-Richtlinienentwurf über besondere Vorschriften für
Kraftomnibusse aufgenommen werden und weitergehende nationale
Vorschriften möglich bleiben sollten.
Der Austausch von Erfahrungen und Informationen zwischen den
Spitzenverbänden der Blinden und Sehbehinderten in aller Welt
gehört mit zu den wichtigen Aufgaben des DBSV. Der
wechselseitigen Konsultation und Erörterung gemeinsamer Probleme
dient das alljährlich stattfindende Vierländertreffen der
Spitzenverbände der Blinden und Sehbehinderten Deutschlands,
Luxemburgs, Österreichs und der Schweiz, zu dem im Jahre 2000
der DBSV nach Marburg eingeladen hatte. Beraten wurden neuere
sozialpolitische Entwicklungen, die Jugendarbeit, der Euro, die
Vorbereitung der WBU-Generalversammlung und wichtige
Forschungsvorhaben (Internet).
Der DBSV konnte darüber hinaus auch im Jahre 2000 eine Vielzahl
von internationalen Anfragen beantworten.
Eine deutsche Ausgabe des "EBU-Newsletter" erschien auch im Jahr
2000. Der "EBU-Newsletter" ist die Verbandszeitschrift der
Europäischen Blindenunion und informiert vierteljährlich
über wichtige Ereignisse und Termine des europäischen
Blindenwesens. Seit Juli 1999 kann die Vierteljahresschrift
außerdem auf der Webseite der EBU (www.euroblind.org) abgerufen
werden. Die deutsche Ausgabe erhalten die DBSV-Vorstandsmitglieder
und Landesvereine sowie die deutschsprachigen EBU-Mitglieder
Österreich, Luxemburg und die Schweiz.
Die Arbeit des EBU-Büros in Paris und dessen Brüsseler
Kontaktstelle förderte der DBSV im Jahre 2000 erneut mit 30.000
DM.
Im Jahre 2000 wurden auf internationaler Ebene die folgenden
wichtigen Termine wahrgenommen:
- Arbeitsgruppe der EBU-Kommission für mehrfachbehinderte Blinde
am 21. Januar in Bonn (Schlegel)
- Gespräch mit der australischen Blindenorganisation "Vision
Australian Foundation" am 21. März in Bonn (Altmaier,
Kaltwasser)
- Gespräch mit dem Exil-Präsidenten des Verbandes blinder
Albaner im Kosovo, Berisha, am 23. März in Bonn (Kappallo,
Kaltwasser)
- EDbN-Mitgliederversammlung mit Seminar, 17. bis 19. Mai in Ancona
(Hepp)
- EBU-Vorstandssitzung, 20. und 21. Mai in London (Müller)
- Gespräch mit der belgischen Blindenorganisation "Licht en
Liefde" am 23. Mai in Bonn (Später, Kaltwasser)
- Vierländertreffen, 2. bis 6. Juni in Marburg (Lubnau,
Kappallo, Später)
- EBU-Kommission Mobilität und Führhunde, 10. bis 11. Juni
in Liège (Roth)
- EBU-Kommission für Rehabilitation am 14. Juni in Helsinki
(Cory)
- Gespräch mit Blindeninstitutsstiftung Ungarn am 28. Juni in
Bonn (Altmaier, Kaltwasser)
- Informationsbesuch bei der Italienischen Blindenunion (UIC), 29.
Juni bis 2. Juli in Rom (Lubnau, Reymann, Kaltwasser)
- EBU-Sehbehindertenkommission, 7. bis 9. Juli in Antwerpen
(Reymann)
- EBU-Bildungskonferenz, 18. bis 20. Juli in Padua (Müller)
- DBSV-Seminare für Euro-Multiplikatoren, 28. August bis 15.
Dezember (Kaltwasser)
- - EU-Podiumsdiskussion SIREN, 8. September in Marburg
(Kaltwasser)
- EBU-Präsidium, 15. bis 17. September in Rom (Müller)
- Fachgespräch der EU-Kommission zum Euro am 18. September in
Berlin (Kaltwasser)
- EBU-Kommission für mehrfachbehinderte Blinde und
Sehbehinderte, 2. bis 5. November (Dr. Neugebauer)
- 2. WBU-Frauenforum, 16. bis 18. November in Melbourne (Neumann,
Kaltwasser)
- 5. Generalversammlung der WBU, 20. bis 24. November in Melbourne
(Lubnau, Müller, Neumann, Kaltwasser)
- EBU-Kommission für Mobilität und Führhunde, 1. bis
3. Dezember in Angers (Roth)
- EU-Verbindungskommission der EBU, 9. bis 10. Dezember in Osterode
(Angermann)
Förderung der Entwicklungshilfe
Durch seine Mitgliedschaft in der Weltblindenunion (WBU) und in
der Europäischen Blindenunion
(EBU) ist der DBSV in die Solidargemeinschaft des internationalen
Blindenwesens eingebunden.
Er beteiligte sich daher erneut an den Bemühungen, die
Lebensbedingungen für Blinde und Sehbehinderte in den
Ländern der Dritten Welt und Osteuropas nachhaltig zu
verbessern. Hierzu ist anzumerken, dass es nach Angaben der
Weltgesundheitsorganisation gegenwärtig weltweit ca. 45 Mio
blinde und 200 Mio sehbehinderte Menschen gibt, von denen etwa 80
Prozent in den Entwicklungsländern leben.
Im Jahre 2000 förderte der DBSV Maßnahmen der
Entwicklungshilfe mit einem Gesamtvolumen von über 52.000 DM.
Dies entspricht einer Steigerung von 10 Prozent im Vergleich zum
Vorjahr. Die Aufwendungen setzen sich wie folgt zusammen:
- Anschaffung und Transport eines Kleinbusses für die
moldawische
Blindenorganisation Salus Oculi im Wert von annähernd 12.000
DM
- Bereitstellung von 20 Punktschrift-Bogenmaschinen im Wert von
über 11.400 DM
für Blinde und Sehbehinderte in verschiedenen
Entwicklungsländern
- Zuschuss für die Teilnahme osteuropäischer Delegierter an
den Verhandlungen
der WBU-Generalversammlung in Höhe von über 11.000 DM
- Zuschuss zur Mitfinanzierung der Blindenschule in Lhasa (Tibet) in
Höhe von
10.000 DM
- Unterstützung Blinder und Sehbehinderter in den Philippinen
durch Bereitstellung
von Punktschrift-Bogenmaschinen im Wert von über 5.000 DM
- Spende an die EBU in Höhe von 2.000 DM für blinde Serben
im Kosovo
- Anschaffung einer Punktschrift-Bogenmaschine im Werte von 800 DM
für die
Ausbildung einer blinden Schülerin des Blindenverbandes
Bosnien-Herzegowina
Durch die Mitarbeit von Gerda Kloske im Vorstand des Komitees in der
Bundesrepublik Deutschland zur Verhütung von Blindheit ist der
Verband an dessen Entwicklungsprojekten wie der Weiterentwicklung der
augenärztlichen, vor allem apparativen Versorgung der
Bevölkerung in Entwicklungsländern beteiligt.
Dank für gute Zusammenarbeit
Am Schluss dieses Berichtes sagen wir allen herzlich Dank, die an
der Erfüllung unserer Aufgaben mitgewirkt haben. Dies sind
einerseits die Freunde und Förderer, die uns im vergangenen Jahr
ideell durch Öffentlichkeitsarbeit oder Know-how und materiell
durch Spenden und Erbschaften unterstützt haben, andererseits
die ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter des Deutschen Blinden- und
Sehbehindertenverbandes, seiner Landesvereine und ihrer
Untergliederungen. Als Selbsthilfeverband ist die ehrenamtliche
Tätigkeit eine tragende Säule unserer Verbandsarbeit im
Dienste blinder und sehbehinderter Menschen. Die Bedeutung des
Ehrenamts ist jedoch nicht nur für den DBSV, sondern für
die gesamte Gesellschaft immens, weshalb 2001 als "Internationales
Jahr der Freiwilligen" das Jahr des Ehrenamts geworden ist. Für
den DBSV ist indessen seit seiner Gründung jedes Jahr ein Jahr
des Ehrenamts.
Der kurzgehaltenen Dank am Ende dieses Tätigkeitsberichts steht
in keinem Verhältnis zu der Bedeutung und dem Anteil an der
zumindest ansatzweise skizzierten Verbandsarbeit. Ohne Freunde,
Förderer, Helfer und Mitarbeiter auf allen Ebenen könnte
unsere Selbsthilfeorganisation nicht existieren, weshalb die
Kürze des Dankwortes nicht über seine Tragweite
hinwegtäuschen sollte. Der DBSV bedankt sich aber auch bei den
Vertretern anderer Verbände und Institutionen, von Behörden
und Ministerien für die vertrauensvolle und konstruktive
Mitwirkung in vielen Sachfragen und für das Verständnis,
das sie den berechtigten Interessen blinder und sehbehinderter
Menschen entgegengebracht haben.
Hinweis zum Schluss
Dieser Tätigkeitsbericht kann nur einen kleinen Einblick in die vielfältige Arbeit des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes geben. All denjenigen, die sich regelmäßig und detailliert über unsere Tätigkeit informieren möchten, empfehlen wir die Lektüre unserer Verbandszeitschrift "Die Gegenwart".
Genehmigt vom DBSV-Verwaltungsrat
12. Mai 2001