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Bilder von Blinden und Sehbehinderten in verschiedenen Situationen

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Die aktuelle "Gegenwart" mit ausgewählten Beiträgen

Titelbild 08 /02

Die Gegenwart 08 / 02 - Inhaltsverzeichnis

Editorial:
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Grußwort von Otto Schily

DBSV-Nachrichten:

In Kürze

Leserpost

Sehbehindertentag:
Eine Nachlese

Jubiläum:
Eine starke Gemeinschaft
Altenheim in Meschede ist 75

Tag des weißen Stockes
Neu: Woche des Sehens
Von Thomas Krieger

Berichte:

Berliner Bauwerke:
Das Bundesministerium des Innern
Von Ingeburg Benthin

Kunst:
Siehste!? – ein Kunstprojekt
Erlebt von Lothar Schubert

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Aus den Ländern

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Humor statt Frust
Harald, der E-Herd
Von Daniela Opitz

Serie:
Der duftende Garten
Garten-Resede
Von Ruth Zacharias

Anzeigen

Beilage:
Hörfilm-Forum

DBSV-Nachrichten

Vier Jahre der Zukunft

Von Dr. Thomas Nicolai

Der DBSV-Verbandstag 2002 ist Geschichte. Vom 19. bis 22.06. „gehörte“ das Hotel „Dahl“ in Wachtberg-Niederbachem bei Bonn dem Spitzenverband, den Delegierten und den zahlreichen Gästen aus dem In- und Ausland. Die Gewitterstimmung mit kräftigen (Nieder)schlägen war nur draußen aufgekommen. Im Saal dagegen gab es Blitze aus Fotoapparaten und donnernden Applaus für den alten und wieder neu gewählten Präsidenten Jürgen Lubnau:

Bilanz der letzten vier Jahre

Der Tätigkeitsbericht des DBSV-Präsidenten beschränkte sich auf einige Schwerpunkte und setzte damit deutliche Akzente:
„Der DBSV-Vorstand setzte in seiner ersten Sitzung (September 1998) eine Strategiekommission ein. Diese unterbreitete Empfehlungen, die in aller Regel in Vorstandsbeschlüsse mündeten. Nicht alles konnte bis heute umgesetzt werden. In Schlagworten ausgedrückt kristallisieren sich die folgenden Schwerpunkte unseres Tuns heraus: Verbandliche Strukturen und Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit, Lobbyarbeit, Sicherung der finanziellen Ressourcen...
Unter dem Kurztitel `DBSV-Zukunft` sind Teilaspekte zu nennen:
Innerverbandliche Strukturen und Gegebenheiten der Landesvereine und –verbände, verbunden mit der Frage: Wie attraktiv sind die den Blinden und Sehbehinderten gemachten Angebote? Sind sie noch alle zeitgemäß oder müssen sie partiell verändert werden? Wie steht es um die Zusammenarbeit zwischen den Landesvereinen einerseits und dem DBSV andererseits? Positionierung des DBSV als Spitzenverband; die satzungsmäßige Festschreibung als solche genügt allein nicht...
Verstärkte Einbeziehung der Basis in Verbandsaktivitäten und in Entscheidungen. In diesem Zusammenhang muss die Überzeugung vermittelt werden, dass es sich lohnt – nicht finanziell, aber um der Sache wegen – in den diversen Gremien auf Bundes-, Landes- und Ortsebene mitzuarbeiten...
Nach den Zusammenkünften unter der Überschrift `Familiensinn` bin ich zuversichtlich, dass unsere Selbsthilfeidee eine gute Zukunft haben wird, denn wir haben viele engagierte, begeisterte und begeisterungsfähige Menschen kennen gelernt. Zu unserer Familie rechnen auch die Korrespondierenden Mitglieder, von denen es inzwischen 29 gibt. Die Kontakte zu diesen Verbänden und Einrichtungen sind deutlich verstärkt worden...
Sichtbarer Ausdruck der Solidarität in der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe war die Demonstration am 09. Juni 2001 in Bremen, an der sich auch viele Korrespondierende Mitglieder beteiligten...“ Und in diesem Zusammenhang erklärte der Redner eindringlich und erhielt dafür den Beifall der Delegierten:
„Das von unseren Vorfahren erkämpfte einkommens- und vermögensunabhängige Blindengeld, das einen Teilausgleich unseres behinderungsbedingten Mehraufwandes darstellt, ist für unsere Teilhabe am beruflichen, gesellschaftlichen und kulturellen Leben unverzichtbar!“

Ausführlich ging der Präsident auf die weitere Profilierung des DBSV und die Notwendigkeit eines klaren Marketing-Konzeptes ein:
„Wollen wir uns als Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe im sozialen Umfeld als zuverlässiger, kompetenter Gesprächspartner für Politik und Verwaltung und als engagierter, leistungsfähiger Anwalt der Blinden und Sehbehinderten in Deutschland behaupten und unsere Position noch ausbauen, müssen wir in der Öffentlichkeit präsent sein. Man muss uns kennen. Man muss uns als starke Organisationen der Selbsthilfe wahrnehmen...“

Das in den zurückliegenden Jahren erarbeitete Grundsatzprogramm und das Leitbild des DBSV lagen druckfrisch auf den Verbandstagstischen. Die beiden Broschüren wurden inzwischen verteilt. Zur Ablehnung des vorgeschlagenen neuen Erscheinungsbildes durch den Verwaltungsrat im April d. J. erklärte Jürgen Lubnau:
“Mit dieser Nichtentscheidung hat der DBSV, und ich bin sicher, darüber hinaus die Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe wertvolle Zeit verloren, uns deutlich in der Öffentlichkeit zu positionieren. Zum einen ist es uns, und diese Jacke ziehe ich mir persönlich an, nicht gelungen, unsere Intensionen eindeutig zu kommunizieren. Zum anderen bestand bei einigen Landesorganisationen gewiss die Sorge, durch die vorgeschlagene Entscheidung eigenes Profil zu Gunsten des DBSV zu verlieren. Das war und ist nicht das Ziel. Im Gegenteil – der DBSV braucht starke Mitglieder. Und umgekehrt sollten die Länder aus eigenem Interesse einen starken Spitzenverband wollen...“

Zum durch den DBSV etablierten Sehbehindertentag sagte Jürgen Lubnau, dass wir noch viel unternehmen müssten, damit am 06. Juni in besonderem Maße auf die Interessen und Bedürfnisse Sehbehinderter aufmerksam gemacht wird. Der Tag des weißen Stockes werde – auch durch die Verstärkung der Abteilung Verbandskommunikation des DBSV - neue Akzente erhalten.
Besonders erwähnt wurden Gemeinschaftsprojekte wie die bundesweite Rufnummer, EVASA, AURA-HOTELS, BIBS, EXPO-Beteiligung mit Kongress 6 Richtige sowie BIK (das ist überall in der „Gegenwart“ nachzulesen).

Lubnau: „Und vielleicht gelingt es uns, ein weiteres Gemeinschaftsvorhaben mit dem Bauprojekt in Berlin-Hirschgarten zu organisieren. Der Verbandstag 1998 hatte durch Satzungsänderung beschlossen, den Verbandssitz nach Berlin zu verlegen. Formal ist dieser Beschluss vollzogen. Die DBSV-Geschäftsstelle soll u. a. in einem Neubau in Hirschgarten ihren Sitz finden...“

Zum Sozialgesetzbuch IX und zum Bundesgleichstellungsgesetz nahm Jürgen Lubnau wie folgt Stellung:
„Die Verabschiedung beider Gesetzeswerke betrachten wir als Erfolg, weil von uns vorgetragene Vorstellungen eingeflossen sind. Wichtigster Punkt im SGB IX ist aus unserer Sicht gewiss die Finanzierung des Trainings Lebenspraktischer Fähigkeiten im Rahmen der medizinischen Rehabilitation. Die Vorschrift des Paragraphen 26, Abs. 3 ist noch mit Leben zu füllen. Der DBSV hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die Material bereitstellen wird, an dem sich die Anbieter von Trainingsleistungen, unsere Verbände, aber auch blinde und sehbehinderte Nutzer der Reha-Angebote orientieren können. Anfängliche überzogene Euphorie ist mancherorts einer zu starken Ernüchterung gewichen. Wir sollten die Chance nutzen, an der Ausgestaltung der Gesetzesanwendung aktiv mitzuwirken, damit das SGB IX wirklich ein Sprung nach vorne wird.
Auch das Bundesgleichstellungsgesetz verlangt den Verbänden viel ab, aber sie können dadurch viel bewirken. In spreche von den in vielen Bereichen abzuschließenden Zielvereinbarungen. Wir müssen bei den Zielvereinbarungspartnern, ob Deutsche Bahn AG, Telekom, Sparkassenverbände usw., unsere Forderung auf Verwirklichung eines barrierefreien Raumes versuchen durchzusetzen. Da liegt viel Arbeit vor uns, gleichwohl: Greifen wir die Chance beim Schopfe, damit das BGG in der Praxis ein Erfolg wird und nicht nur auf der politischen Bühne...
Der Hörfilm hat seit dem letzten Verbandstag dank der Tätigkeit des Arbeitskreises Hörfilm, des Projektes Hörfilm und der Hörfilm gGmbH eine rasante Entwicklung genommen. Im letzten Jahr konnten mehr als 220 Hörfilmsendetermine registriert werden. Mit der ersten Hörfilmpreisverleihung wurde dieser positiven Bilanz noch ein Glanzlicht aufgesetzt. Bei der Veranstaltung am 18. März stimmte einfach alles: Schirmherr Mario Adorf, der die Preise an den Bayerischen Rundfunk und an das Zweite Deutsche Fernsehen überreichte, hielt eine engagierte Rede, der repräsentative Veranstaltungsraum in der Deutschen Bank Berlin erfüllte unsere Erwartungen und nicht zuletzt das illustre Publikum, das in dieser Zusammensetzung wohl bisher bei keiner DBSV-Veranstaltung anwesend war. All dies brachte uns ein hervorragendes Medienecho, sodass wir uns mit großer Zuversicht der nächstjährigen Preisverleihung zuwenden können...“

Beifall bekam der Redner u. a., als er verkündete, dass es der DBSV nicht zulassen werde, dass das 8-Punkt-System der Braille-Schrift beim Lese- und Schreiberwerb in der Grundschule Priorität erhält. Es bleibt bei den sechs Richtigen; diese Schrift müsse vorrangig den Schülern vermittelt werden.

Abschließend dankte der DBSV-Präsident allen ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitern für die gute Arbeit und kündigte an: „Wir brauchen Sie auch künftig.“

Alle kamen zu Wort

In vier Arbeitsgruppen entspann sich am ersten Beratungstag eine rege Diskussion, bei der jeder zu Wort kommen konnte. Die Zeit war, wie meist, wenn es um die Verständigung über grundsätzliche Fragen geht, am Ende doch etwas knapp bemessen. Als die Moderatoren der vier Gruppen am letzten Beratungstag dann die Ergebnisse vortrugen, spürte man gleich, dass daraus ein ziemlich kompaktes Arbeitsprogramm entstehen dürfte, dem sich der neue Vorstand annehmen muss.
Zu den vier Schwerpunktthemen gibt es in den nächsten Ausgaben noch gesonderte Beiträge:

Zähe Satzungsdiskussion

Spaß macht die Diskussion der Satzung wohl den wenigsten, den meisten aber tut der Versammlungsleiter leid, der alle Wortmeldungen, Anträge, Kommas und Beschlüsse richtig sortieren muss, damit am Ende das auf dem Papier steht, was mindestens zwei Drittel der Delegierten wirklich wollen.
Hans-Joachim Krahl bekam am Ende als Leiter der Satzungskommission doch noch alles in den Griff. In die Zukunft weisend ist die neue Regelung, dass jetzt nicht nur Landesvereine, sondern auch bundesweit agierende Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfevereine Ordentliche Mitglieder des DBSV werden können. Daneben gibt es (jetzt neu) die Korporativen Mitglieder. Das sind zunächst einmal all jene Organisationen und Einrichtungen, die bisher Korrespondierende Mitglieder waren. Die Zusammenarbeit soll verstärkt werden. Der DBSV hat jetzt ein Präsidium (früher Vorstand). Die Aufgaben und Ziele wurden an einigen Stellen präzisiert. Riesengroße Veränderungen sind ansonsten nicht zu verzeichnen. In der Satzung ist festgeschrieben: Der DBSV ist Spitzenverband der Blinden und Sehbehinderten in Deutschland.

Klare Wahlergebnisse

Das beste Wahlergebnis erreichte Jürgen Lubnau mit seiner Wiederwahl zum Präsidenten. Einen Gegenkandidaten gab es nicht.
Vizepräsidentin wurde Renate Reymann. Auch um dieses Amt hatte sich kein anderer Kandidat beworben.
Für die sieben Plätze als Präsidiumsmitglieder standen acht Kandidaten zur Wahl. Sechs schafften im ersten Wahlgang die erforderliche absolute Mehrheit:

Andreas Beinert und Gerd Schäfers (beide neu) kamen im ersten Wahlgang nicht über die Mehrheitshürde. G. Schäfers trat dann nicht noch einmal an, sodass dem einzigen Kandidaten für den noch zu besetzenden Platz die einfache Mehrheit gereicht hätte.

Armin Kappallo, Norbert Müller und Dr. Alfred Preuße, die langjährig im DBSV-Vorstand mitarbeiteten, kandidierten – wie lange zuvor angekündigt – diesmal nicht wieder. Herzlichen Dank für die geleistete Arbeit.
Einige weitere Kandidaten hatten sich kurz vor der Wahl entschieden, ihre Kandidatur zurückzuziehen, sodass die Vorstandswahl von vornherein wenig Überraschungen bringen konnte.
Von der Wahlkommission sehr geschickt organisiert, dass die Zeit für die Stimmenauszählung für die Satzungsdiskussion genutzt werden konnte. So stimmte der Zeitplan auf die Minute, und das war auch nötig, denn am Nachmittag des 21.06. stand der öffentliche Teil auf dem Plan.

Prominenz und Groß-Familie

Die gewisse Spannung vor der Veranstaltung mit Bundesminister Walter Riester löste sich rasch, als die „Blinden Musiker München“ zum Auftakt bliesen. Und auch den Gästen gefiel dieser etwas aufgelockerte Rahmen. Irgendwann lief jemand durch die Reihen mit einem Schild in der Hand „1:0 für Deutschland“; es ging an diesem Tag um den Einzug ins Halbfinale bei der Fußball-WM.
Aber im Hotel „Dahl“ ging es erst einmal um Politik, und die Rede des Bundesministers für Arbeit und Sozialordnung Walter Riester war garantiert besser als das Spiel Deutschland:USA.

Eingangs würdigte der Minister den hohen Wert der Selbsthilfearbeit und nannte die Blindenselbsthilfe einen ernstzunehmenden Partner für die Politik, was sich bei der Erarbeitung der einschlägigen Gesetze gezeigt habe:

„Wir möchten nicht nur Politik für behinderte Menschen, sondern vor allem mit ihnen machen. Wir sind der festen Überzeugung, dass behinderte Menschen selbst am besten wissen, was für sie wichtig und richtig ist. Und deshalb haben wir bei allen Gesetzesinitiativen von Anfang an den engen Dialog mit allen Beteiligten gesucht, insbesondere aber mit den Organisationen behinderter Menschen...“

„Für den Geltungsbereich des Sozialgesetzbuches IX lässt sich der vollzogene Paradigmenwechsel auch so beschreiben: Weg von der institutionellen und maßnahmenorientierten Rehabilitation, hin zur individuellen, personenzentrierten und funktionalen Reha. Dementsprechend ist der behinderte Mensch die Hauptperson, ist Subjekt, nicht Objekt des Handelns der Reha-Träger. Um ihn herum bilden die Reha-Träger mit den Rehabilitationsdiensten und -einrichtungen ein Team, das gemeinsam mit dem behinderten Menschen seine Rehabilitation und Teilhabe optimal gestalten muss. Das ist in erster Linie eine Frage der Grundhaltung. Es setzt zunächst einmal die Erkenntnis voraus, dass man als einzelner Reha-Träger nicht alles weiß und nicht alles richtig macht. Zweitens setzt es den Willen voraus, die notwendigen Schritte und Leistungen mit den Beteiligten abzustimmen...“

Zum kürzlich in Kraft getretenen Bundesgleichstellungsgesetz sagte Riester u. a.:
„Es geht hier um die Gleichstellung und um Barrierefreiheit im öffentlich-rechtlich geregelten Bereich. Behinderte Menschen sollen zu allen Lebensbereichen einen umfassenden Zugang und eine uneingeschränkte Nutzung haben. Barrierefreiheit umfasst einerseits die Beseitigung räumlicher Barrieren, beispielsweise für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte und auch die barrierefreie Kommunikation in Verwaltungsverfahren durch Gebärdensprachen-Dolmetscher. Barrierefreiheit umfasst andererseits aber auch die kontrastreiche Gestaltung der Lebensumwelt für sehbehinderte Menschen oder die Beseitigung von Barrieren für blinde Menschen, wenn sie mit Schwarzschrift-Dokumenten konfrontiert sind...
Als Kommunikationshilfen kommen auch die von taubblinden und hör-sehbehinderten Menschen benutzten Kommunikationsformen, wie das Lormen oder taktil gestützte Gebärden in Betracht. Bundesdienststellen gestalten ihre Internetangebote schrittweise so, dass sie von behinderten Menschen grundsätzlich uneingeschränkt genutzt werden können...
Blinde und sehbehinderte Menschen können von Bundesdienststellen verlangen, dass ihnen Bescheide, öffentlich-rechtliche Verträge und Vordrucke ohne zusätzliche Kosten in einer für sie wahrnehmbaren Form zugänglich gemacht werden...
Ich habe am 06. Juni anlässlich des Sehbehindertentages versucht, eine Einkommenssteuererklärung unter den Bedingungen einer Sehbehinderung auszufüllen. Und ich darf Ihnen gestehen, das ist mir sehr schwer gefallen...
Jetzt sind die Länder aufgerufen, an den gemeinsamen Zielen mitzuwirken. So ist es ihre Sache, Gleichstellungsgesetze zu erlassen, um die Landesbehörden zu verpflichten, ihre Vordrucke für blinde oder sehbehinderte Menschen zugänglich zu machen...

Schließlich ging Walter Riester auf das Europäische Jahr der Menschen mit Behinderung 2003 ein und erwähnte u.a., dass beim BMA hierfür eine Koordinierungsstelle eingerichtet wurde. Zusammenfassend sagte er:
„Der Rahmen für eine vernünftige soziale Politik, die behinderte Menschen nicht ausgrenzt, ist gesetzt, ein Rahmen, der die Menschen einbezieht und am Leben in der Gesellschaft teilhaben lässt. Nun geht es darum, diesen Rahmen auch auszufüllen. Die Bundesregierung wird dabei, das kann ich Ihnen zusagen, an Ihrer Seite stehen und Sie voll unterstützen. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Verband viel, viel Erfolg.“

In launiger Manier sprach Sir John Wall, Präsident der Europäischen Blindenunion, zur Festversammlung und würdigte dabei den Beitrag, den der DBSV in der internationalen Arbeit leistet. Christian Hugentobler, Präsident des Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes, zog einen Vergleich zur Arbeit seiner Organisation, ebenso wie Roger Hoffmann, Präsident des Luxemburgischen Verbandes.
Die Ansprachen von Vertretern weiterer Bundesverbände sowie von Abgeordneten der Bundestagsfraktionen von SPD und PDS zeugten von der großen Aufmerksamkeit, die dem DBSV-Verbandstag von vielen Seiten entgegengebracht wurde. Irgendwie hatte man auch in diesem offiziellen Rahmen ein gutes Gefühl der Zusammengehörigkeit in einer großen Familie.

Ehrung und Dank

Mit der Ehrenmedaille des DBSV werden Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich Verdienste um das Blinden- und Sehbehindertenwesen erworben haben.
Bundesminister Riester und Karl Hermann Haack (Beauftragter der Bundesregierung für die Belange der Behinderten) wurde beim Verbandstag die Ehrenmedaille verliehen, insbesondere für Ihren persönlichen Einsatz bezüglich SGB IX und Bundesgleichstellungsgesetz.
Schauspieler Mario Adorf wird die Auszeichnung bei einer anderen Gelegenheit entgegennehmen.

Vier Persönlichkeiten wurden zu Ehrenmitgliedern des DBSV ernannt:

Wilma Großeberkenbusch
Die Geschichte und Entwicklung des deutschen Taubblindenwesens ist seit 35 Jahren untrennbar mit ihrem Namen (und dem ihres Mannes Günter) verbunden. 1967 nahmen beide die Taubblindenarbeit auf und wurden ein Jahr darauf zu den Taubblindenbeauftragten des Landesvereins Westfalen bestellt. 1979 nahm der DBV beide fest in den Griff, zunächst als Redaktionsmitarbeiter des Fachblattes „Der Taubblinde“. 1992 erfolgte die Wahl vom Wilma Großeberkenbusch zur stellvertretenden Taubblindensprecherin des DBSV. In dieser Eigenschaft organisierte und leitete sie zahlreiche DBSV-Taubblindenfreizeiten und –seminare. So „ganz nebenbei“ war sie Jahrzehnte lang Vorsitzende der Bezirkgruppe Hattingen-Sprockhövel des WBV. Wie vielen Menschen Wilma Großeberkenbusch das Lormen beigebracht oder wie vielen Taubblinden sie zu einer selbstständigen Lebensführung verholfen hat, weiß sie vermutlich selbst nicht exakt zu beziffern. Dafür kann man den Stenostreifen mit Tagesnachrichten und Informationen, den sie anlässlich der vielen Freizeiten täglich durch lesende Hände „ihrer Schützlinge“ gleiten ließ, gleich mehrfach um den Erdball wickeln.

Armin Kappallo
Beim DBSV trat er erstmals während seiner Referendarzeit Ende der 60er Jahre als stellvertretender Bundesjugendsprecher in Erscheinung. Schon in dieser Zeit leitete er eine hessische Bezirksgruppe, nach seiner Niederlassung als Anwalt in Bonn im Jahre 1976 den Blindenverein Bonn und von 1979 bis 1987 den Landesverband Nordrhein. Von 1986 bis 1998 war er Vorsitzender des DBSV, dessen Vizepräsident er bis 2002 war. Armin Kappallo war vor allem immer dann zur Stelle, wenn es irgendwo nicht mehr so recht voran ging und auch unangenehme und stressige Aufgaben zu erledigen waren; dafür ein Beweis ist sein erneutes Engagement im Landesverband Nordrhein. Orientierung und Mobilität, Sozialrecht und Rechtsbewusstsein, Vereins- und Verbandswesen, Ausgleich und Menschenwürde: diese und andere Begriffe hat Armin Kappallo geprägt und mit Inhalt gefüllt. Bei der Zusammenführung der Landesvereine Ost und West hat er sich bleibende Verdienste erworben.

Dr. Alfred Preuße
Er bezeichnete sich einmal selbst als der “mittlere Alte”, der er dank seiner geistigen und körperlichen Fitness geblieben ist. Er ist seit 1990 Vorsitzender des sächsischen Landesverbandes und seit 1991 Mitglied des DBSV-Vorstandes. Sein Wirken ist mit dem Begriff „Rehabilitation zur Bewältigung des Alltags“ untrennbar verbunden. Sein Engagement der letzten zehn Jahre hat nicht zuletzt im SGB IX seinen Niederschlag gefunden. Ausdauer, Zähigkeit, Zielstrebigkeit und Besonnenheit sind die Eigenschaften, die ihm zu nationaler und internationaler Anerkennung und zu einer Schar von Freunden verholfen haben.

Helmut Kahler
Über viele Jahre war er Mitglied des Vorstandes und stellv. Vorsitzender, einige Jahre Vorsitzender des Blindenbundes in Hessen e. V. Mehr als 20 Jahre gehörte Helmut Kahler dem DBSV-Vorstand an. Sein Hobby – das Schachspielen – brachte ihm ebenfalls reichlich Arbeit in der Funktion des Vorsitzenden des Blindenschachbundes. Mit seinem reichen Erfahrungsschatz in der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe sowie als Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Dresdner Bank AG setzte er sich konsequent für die Belange blinder und sehbehinderter Menschen ein.
Allen Geehrten gilt unser herzlicher Glückwunsch.

Ausblick

Ein harmonischer Verbandstag mit Aufbruchstimmung, bei dem man das Gefühl hatte, das alle am gleichen Strang ziehen und auch in die gleiche Richtung, gab gewiss auch neuen Schwung, den die Delegierten in ihre Vereine tragen und die Gäste in ihrem Verantwortungsbereich vermitteln werden.
Mit der regen Diskussion hat man sich gewissermaßen darauf geeinigt, dass die Ziele gemeinsam angepackt werden müssen.
Jürgen Lubnau: „Familie muss gelebt werden. Wir haben viel Arbeit vor uns. Wahrscheinlich sind die vier Jahre für die Fülle der Aufgaben wieder viel zu kurz.“

Beschwingter Ausklang

Am letzten Abend zeigte sich, dass die Teilnehmer nicht nur über Verbandspolitik diskutieren können, sondern auch einmal ganz andere Themen im persönlichen Gespräch behandeln wollen. Bei einem stimmungsvollen Gartenfest mit einer gut aufgelegten Jazzband und Einlagen der Blinden Musiker München ging es sehr ausgelassen und fröhlich zu. Ob es wirklich zu laut war, lässt sich, wenn man mit dabei war, nur schwer sagen. Mit der letzten musikalischen Zugabe kurz nach 23 Uhr stellte sich allerdings die Polizei vor. Vielleicht hätte man die Nachbarn mit einladen sollen?

Für die insgesamt sehr gute Organisation gilt der herzliche Dank der Delegierten den Mitarbeitern des DBSV und besonders dem Geschäftsführer Hans-Dieter Später.

Ankündigung:
In der nächsten Ausgabe stellt sich das DBSV-Präsidium vor; außerdem berichten wir über Ergebnisse der Arbeitsgruppen und informieren über den Inhalt der Verbandstagsresolutionen.


Kompromiss gescheitert

Von Martin Altmaier und Dr. Thomas Nicolai

Der Streit um die Vermittlung der Braille-Schrift an blinde Kinder in der Grundschule ist nicht beigelegt. In einer Versammlung der Leiter von Blindenschulen im Mai d. J. wurde wiederum die Empfehlung bekräftigt, zuerst die 8-Punkt-Braille-Schrift zu vermitteln.

Dabei war zwischen der Selbsthilfe und dem Verband der Blinden- und Sehbehindertenpädagogen und –pädagoginnen (VBS) eigentlich bereits ein Kompromiss erzielt worden. Danach sollte auf die Festlegung auf eines der beiden Schriftsysteme (6-Punkt- oder 8-Punkt-Braille) verzichtet werden und stattdessen die Entscheidung im Einzelfall je nach den individuellen Voraussetzungen der Schüler vor Ort getroffen werden. Diese Übereinkunft vom 10.04. d. J. setzte allerdings voraus, dass die Leiter der Bildungseinrichtungen ihren Beschluss zum Einsatz des Computer-Braille vom Mai 2001 aufheben.
Auf der diesjährigen Tagung des VBS-Arbeitskreises der Schulrektoren am 02.05. in Thun (Schweiz), an der Jürgen Lubnau für den DBSV und Ernst-Dietrich Lorenz für die Brailleschrift-Kommission der deutschsprachigen Länder teilnahmen, wurde zwar der vereinbarte Kompromiss „zustimmend zur Kenntnis genommen“, eine Rücknahme des Vorjahresbeschlusses erfolgte aber nicht. Damit muss der von der Selbsthilfe initiierte Versuch, eine interne gemeinsame Übereinkunft mit den Pädagogen in dieser Frage zu erzielen, als gescheitert angesehen werden.
Der DBSV-Vorstand war sich in seiner Sitzung am 24.05. einig darüber, dass angesichts dieser Entwicklung für die Selbsthilfe wieder die ursprüngliche Forderung nach Einsatz des 6-Punkt-Braille beim Schreib-Lese-Erwerb maßgeblich ist. Die Fachöffentlichkeit soll aufgefordert werden, die alleinige Braille-Autorität der Selbsthilfe anzuerkennen und die Umsetzung des 8-Punkt-Beschlusses der Leiter der Blindenbildungseinrichtungen zu verhindern.
Zu diesem Zweck hat der DBSV ein Schreiben an die Kultusministerkonferenz geschickt und den Landesvereinen empfohlen, sich auf dieser Grundlage an die für Bildungsfragen zuständigen Länderministerien zu wenden. In dem genannten Schreiben wird die dringende Bitte geäußert, die von den Leitern der Bildungseinrichtungen für Blinde und Sehbehinderte angestrebte Verwendung der 8-Punkt-Braille-Schrift im Schreib-Lese-Lernprozess und im Mathematikunterricht zu verhindern und diese Notwendigkeit wie folgt begründet:

Dass unter den Blinden- und Sehbehindertenpädagogen zu dieser Streitfrage das Meinungsbild keinesfalls einheitlich ist, zeigt auch eine bemerkenswerte Stellungnahme des Direktors der Deutschen Blindenstudienanstalt Marburg, Jürgen Hertlein, in der Zeitschrift „horus“, 3/2002. Darin geißelt er die Verfahrensweise u. a. mit folgenden Worten:
„Die Interessenvertreter der blinden Punktschriftanwender (DBSV-Präsident Lubnau – die Redaktion) in die Schweiz anreisen zu lassen und ihnen fertige Beschlüsse – ohne die Bereitschaft, Änderungen zu akzeptieren, zu präsentieren - ist ein Affront. Die mangelnde Kompromissbereitschaft ist einer Runde leitender Pädagogen unwürdig."

In Kürze

Seminare des DBBW

Das Deutsche Blindenbildungswerk gGmbH (DBBW) bietet nachfolgende Fortbildungsveranstaltungen an:
- 13. bis 18.10.: PC-Einführungskurs für Senioren, Bad Liebenzell.
Anmeldeschluss: 30.08.;
- 04. bis 08.11.: Auf den Punkt kommen – Fortbildungsseminar für Telefonisten, Saulgrub, Anmeldeschluss: 23.09.;
- 09. bis 16.11.: Einführung in Windows XP, Saulgrub
Anmeldeschluss: 27.09. ;
- 17. bis 22.11.: PC-Einführungskurs für Sehbehinderte: Windows und Word 2000, Bad Liebenzell, Anmeldeschluss: 04.10.;
- 16. bis 23.11.: Einführung in Excel, Saulgrub, Anmeldeschluss: 04.10.;
- 23. bis 30.11.: Einführung in das Internet, Saulgrub, Anmeldeschluss: 11.10.
Weitere Informationen bei DBBW, Tel.: (0 76 21) 79 92 30. E-Mail: info@dbbw.de.

11. Gartenfest im Storchennest

Am 01.09. findet von 14.00 bis 17.00 Uhr das Gartenfest im Storchennest in Radeberg statt. Wer noch bleiben kann und will, ist herzlich eingeladen zu einem weiteren Rundgang durch den Garten und zum anschließenden geselligen Beisammensein am Feuer.
Nähere Informationen unter Tel: (0 35 28) 43 97-0.

Tanzen

An jedem ersten und dritten Mittwoch im Monat treffen sich Blinde und Sehende zum Tanzen im Bürgerhaus Oststadt in Essen. Neben Standard- und Lateintänzen gehören auch Gruppentänze zum Programm. Interessierte Einzelpersonen und Paare können ab sofort mitmachen; Anmeldungen nimmt Matthias Brell entgegen, Tel.: (02 01) 53 00 21. Tanzlehrer Udo Dumbeck, Vorsitzender der Abteilung Tanz im Behinderten-Sportverband Nordrhein-Westfalen, bietet Vereinen auch „Schnupperkurse“ an. Er informiert unter Tel.: (01 77) 2 33 33 22.

Tanzfestival

Vom 11. bis 13.10. führt die Abteilung Tanz des Behinderten-Sportverbandes Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit der Fachgruppe Sport des BSV Westfalen e. V., zum achten Mal ein Tanzfestival im Haus des Behindertensports Winterberg-Langewiese im Sauerland durch. Geplant sind zwei Gruppen für Anfänger und Fortgeschrittene. Anmeldungen bitte nur schriftlich in Punkt- oder Schwarzschrift bis zum 14.09. an Helmut Jürgen, Am Bentenskamp 27 in 44143 Dortmund, Tel.: (02 31) 55 32 62.

Mimik, Gestik und Entspannung

Hierzu findet unter Leitung von Angela Liebig vom 18. bis 22.11. in Bad Liebenzell ein Seminar statt. Nähere Informationen und Anmeldung im Rudolf-Kraemer-Haus; Tel.: (0 70 52) 9 20 40.

Medien, Kultur und Literatur

Die „Ostseeperlen Boltenhagen“ sind ein attraktiver Ort für Begegnungen mit exponierten Akteuren aus Medien, Kultur und Literatur; deshalb schon jetzt vormerken:
03. - 06.10.: IV. Tage für akustische Medien. Thema: „Zwischen Ideal und Kompression - der gute Ton und seine Verbreitung“ (mit Toningenieuren, Regisseuren, Featureautoren und weiteren Experten aus Hörfunk und Tonträgerindustrie)
30.10. - 03.11.: Home Page Reader Anwendertreffen (Erfahrungsaustausch von Einsteigern und Fortgeschrittenen).
09. - 12.04. 2003: V. Bücherfrühling. Themenschwerpunkt wird die Arbeit der Übersetzer sein, von denen einige der namhafteren zu Werkstattgesprächen und Werkproben begrüßt werden können.
Bei inhaltlichen Fragen wenden Sie sich bitte an Dr. Jürgen Trinkus; Tel.: (0 43 47) 90 98 11; Anmeldungen bei: Aura-Hotel „Haus Seeschlösschen“; Tel.: (03 88 25) 37 00.

Highlights in BaLi

Einige Termine im Rudolf-Kraemer-Haus in Bad Liebenzell:
06. bis 12.10.: Schnupperwoche für alle, die sich durch Sport fit halten möchten
18. bis 22.11.: Mimik - Gestik - Entspannung
Weitere Informationen unter Tel.: (0 70 52) 92 04-0.
08. bis 15.03.2003, Musikwoche, u. a. mit den Themen
Elektro-/Naturdrumset, was sind die Unterschiede? Gongs, außereuropäische Trommeln und ihre Kultur. Nähere Informationen bei Roland Wahl; Tel.: (0 71 24) 10 49.

Liedertage

Vom 29.11. bis 03.12. veranstaltet der Verein Liederleute e. V. in Boltenhagen die V. Liedertage.
Engagierte Lieder, deren "Erbauer" sowie die damit verbundenen gesellschaftspolitischen Zusamenhänge stehen diesmal unter dem Motto "Ich baue Euch ein Lied".
Tagsüber gibt es Vorträge u.a. über Kinderlieder aus der ehem. DDR und über
Liedermacher aus Flandern und den Niederlanden. Live-Konzerte und die offene Bühne sorgen für belebende Abende. Wer keine Musik macht, aber kritisch hört, ist genauso willkommen. Anmeldeschluss: 10.09. Weitere
Informationen bei Richy Wagner; Tel.: (03 45) 29 400 90.

Computerseminare

Windows-Grundlagen und –Vertiefungen, sinnvolle Nutzung des Internets, elektronische Kommunikation (E-Mail), Microsoft Excel, Webseiten selbst gestalten, Arbeiten mit dem Screenreader JAWS for Windows. Zu all diesen Themen gibt es im Sommer und Herbst noch Computerkurse im Multi-Media-Center Bonn. Auch bedarfsorientierte Einzelschulungen können vereinbart werden; auch am Arbeitsplatz oder zu Hause.
Nähere Informationen unter Tel.: (02 28) 66 83-4 56.

IRIS Lehrgang

Vom 10. bis 23.11. findet eine Intensivmaßnahme für Orientierung und Mobilität für RP-Betroffene in Hamburg statt.
Das Erarbeiten von Orientierungsstrategien, die Handhabung des Langstockes und der Einsatz von optischen Hilfen werden im Einzelunterricht von erfahrenen Fachkräften vermittelt. Nähere Informationen beim Institut für Rehabilitation und Integration Sehgeschädigter; Tel.: (0 40) 2 29 30 26.

„Kundenorientierung am Telefon“

Für blinde und sehbehinderte Telefonisten bietet das Berufsförderungswerk Düren vom 04. bis 15.11. ein Intensivseminar zum Thema „Kundenorientierung am Telefon“ an.
Schwerpunkte sind: Stimm- und Sprechtechnik, Stressbewältigung und Selbstmotivation. Weitere Informationen und Anmeldung: BFW Düren, Helmut Stahl; Tel.: (0 24 21) 59 82 03.

Kulturelles in Passau

Die Sonderausstellung Faszination Mittelalter
ist bis Mitte Oktober im Museum der Veste Oberhaus einer der Höhepunkte des kulturellen Angebotes in Passau im Jahr 2002. Für die Ausstellung sind bei Voranmeldung blindengerechte Führungen möglich. Die Hörzeitung „BRK-Blindenreport Passau“ bietet eine Info-Kassette an, die über die Ausstellung und andere kulturelle Veranstaltungen informiert. Zu beziehen bei: BBSB, Bezirksgruppe Niederbayern-Süd.; Tel.: (08 71) 8 98 14.
Auch spezielle Führungen für Blinde und Sehbehinderte durch die Stadt sind möglich. Nähere Auskünfte bei Passau Tourismus e. V., Tel.: (08 51) 95 59 80.

Sehenswürdigkeiten

Auf der Homepage www.Behindertenbeauftragter-Niedersachsen.de werden unter der Überschrift "Sehenswertes für blinde und sehbehinderte Menschen" drei interessante Berichte veröffentlicht. Sie sind unter dem Link "Barrierefrei" zu finden. In diesen Artikeln geht es um Sehenswürdigkeiten der Stadt Hannover, die auch für Blinde und Sehbehinderte lohnenswerte Ziele sind. Weitere Berichte sollen folgen.

Prädikat für Museum

Die Technischen Sammlungen Dresden erhielten als erstes sächsisches Museum das Prädikat „Behindertengerecht für Rollstuhlfahrer und für Blinde und Sehschwache“ zuerkannt. Die Auszeichnung wurde verliehen von der Landesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte Sachsen e. V., dem Verband der Körperbehinderten Dresden e. V. und dem Blinden-und-Sehbehinderten-Verband Sachsen e. V..

Marburg aus anderer Sicht

So lautet der Titel der Stadtführung für Blinde und Sehbehinderte, die in Marburg angeboten wird. In enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Blindenstudienanstalt wurden zwölf Gästeführer Marburgs ausgebildet, um die speziellen Anforderungen von Blinden und Sehbehinderten an eine Stadtführung erfüllen zu können.
Nähere Informationen bei: Marburg Tourismus und Marketing Gmb; Tel.: (0 64 21) 9 91 20.

Internet mit dem Webformator

Einen leichteren Zugang zu Inhalten des Internets verspricht der Webformator. Dieses Zusatzprogramm zum Internet-Explorer von Microsoft bereitet Internetseiten für die Sprachausgabe oder Braille-Zeile auf. Es kann auch Texte erkennen, die im Grafikformat „Flash“ versteckt sind. Tabellen werden besser als früher aufbereitet. Nähere Informationen Frank Audiodata, Karin Cana; Tel.: (0 72 54) 50 51 98; E-Mail: k.cana@audiodata.de, Internet: www.webformator.de

Erhöhung der Unterhaltspauschale

Am 01.07. wurde, wie vom Landesversorgungsamt Hessen in Erfahrung gebracht, der Betrag des § 14 BVG, der der von den Krankenkassen zu zahlenden Unterhaltspauschale für Blindenführhunde entspricht, wieder turnusgemäß erhöht, und zwar auf 140 EUR in den alten bzw. 123 EUR in den neuen Bundesländern.

Jahrgangstreffen

Für alle Schüler, die von 1970 bis 1980 in der Nikolauspflege ihre Ausbildung, egal wie lange, genossen haben, findet vom 19. bis 22.06.2003 ein Jahrgangstreffen statt. Informationen und Anmeldung bei Roland Wahl;
Tel. (0 71 24) 10 49.

Neue Kalender

Der Verband der Behinderten e. V., Projekt ROSI, hält ab sofort die neuen Kalender für das Jahr 2003 mit folgenden Themen bereit:
100 Jahre Mercedes Benz
Astrid Lindgren, Ihre Märchenfiguren
Wunderbare Welt der Blumen
Nähere Auskünfte unter Tel.: (03 61) 7 92 09 41, Fax: 7 91 44 18.

Elternratgeber

Der Bundesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte e. V. hat einen Elternratgeber „Mein Kind ist behindert – diese Hilfen gibt es“ herausgegeben. Er gibt Hinweise auf finanzielle Hilfen für Familien und erwachsene Menschen mit Behinderung. Der Elternratgeber ist gegen einen Kostenbeitrag von 2,50 Euro beim Bundesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte, Stichwort „Elternratgeber“, Brehmstr. 5-7, 40239 Düsseldorf zu bestellen. Erstmals kann er auch aus dem Internet heruntergeladen werden: www.bvkm.de

BRIGITTE für Blinde

Seit einigen Wochen können auch Blinde Deutschlands meistgelesene klassische Frauenzeitschrift abonnieren. BRIGITTE ist damit das erste Magazin für Frauen in Deutschland, dessen vollständiger redaktioneller Inhalt bis hin zu den Bildunterschriften für Blinde erhältlich ist. Mit Hilfe der Stiftung Blindenanstalt Frankfurt am Main wird die BRIGITTE am Erstverkaufstag des gedruckten Heftes auf den PC oder ein spezielles Lesegerät elektronisch übertragen oder auf Diskette gespeichert zugeschickt.
Ebenfalls mit dieser Technik bei der Stiftung Blindenanstalt Frankfurt am Main zu beziehen sind: Berliner Morgenpost, Der Spiegel, Frankfurter Neue Presse, Frankfurter Rundschau, Focus und Süddeutsche Zeitung.
Die BRIGITTE für Blinde ist ausschliesslich im Abonnement über die Stiftung Blindenanstalt Frankfurt am Main zu beziehen und kostet analog zum gedruckten Heft 57,20 Euro im Jahr. Der Erlös fliesst zu 100 Prozent der Stiftung zu. Ansprechpartner für BRIGITTE-Leserinnen ist dort Martin Kirchner; Tel.: (0 69) 9 5512 40.

Mailing-Liste „Diabetes und Auge“

Auf diese Weise will Diana Droßel, ehrenamtliche Diabetesbeauftragte des DBSV, nicht nur Neuigkeiten bekannt geben; es soll auch ein reger Austausch untereinander stattfinden. Letztendlich soll das Forum auch dazu beitragen, dem Diabetiker, der gerade erst mit der Diagnose ‘Retinopathie’ konfrontiert wurde, Mut zu machen.
Bereits jetzt suchen nicht nur Betroffene, sondern auch Diabetesberater, Ärzte und Angehörige den Erfahrungsaustausch. Interessierte sind herzlich willkommen.
Die Anmeldung kann per E-Mail erfolgen (leere Nachricht ohne Betreff) an Diabetes-auge-subscribe@yahoogroups.de

Seh-Pferdchen

Aufgefallen um jeden Preis? Falsch! Dan Shaw führt sein Minipferd „Cuddles“ nicht aus Spaß durch die Straßen von Boston. Shaw ist blind und einer der ersten Menschen, die statt einem Blindenhund ein „Seh-Pferdchen“ nutzen. Das Tier wurde von Spezialisten der Guide Horse Foundation in Kitrell, North Carolina, trainiert und kann 23 Befehle seines Herrn verstehen. Shaw kann es problemlos in seine Wohnung, in Geschäfte oder Restaurants mitnehmen – mit seinen 60 Zentimetern Schulterhöhe und 27 Kilogramm Gewicht ist es einem größeren Hund vergleichbar. Großer Vorteil der Pferde: Sie werden 25 bis 35 Jahre alt und können damit ihren gehandicapten Menschen viel länger zu Diensten sein als Hunde.
(Aus Apotheken Umschau vom 02.05.)

Anmerkung: Aus ungesicherter Quelle kam der Redaktion zu Ohren, dass ein solches Führpferd auch schon in Deutschland gesehen worden sein soll, möglicherweise in Ingolstadt.

Persönliches

Ein halbes Jahrhundert Treue zur Blindenselbsthilfe

Vor 50 Jahren traten Else Bauder und Edgar Knecht in den damaligen Württembergischen Blindenverein e.V. ein und haben in fünf Jahrzehnten ihre Solidarität mit unserer Gemeinschaft bewiesen. Ein aufrichtiges Dankeschön für dieses Bekenntnis. Eine ausführliche Würdigung von Frau Bauder erfolgte im Rahmen der Frühjahrsversammlung der Bezirksgruppe Stuttgart durch unseren Verbandsvorsitzenden Hartmut Dorow. Herrn Knechts Ehrung erfolgte während der wöchentlichen Übungsstunde der Sportgruppe.

Else Bauder, Jahrgang 1933, von Geburt an blind, besuchte zunächst die Blindenschule Nikolauspflege in Stuttgart und wechselte dann an die Handelsschule der Blindenstudienanstalt in Marburg. Es folgten acht Jahre Tätigkeit als Schreibkraft bei der Papierfabrik Scheufelen. Weiterbildung zur Katechetin der Ev. Landeskirche und acht Jahre Arbeit beim Christlichen Blindendienst. Erneuter Wechsel, diesmal an die Schule am Kräherwald, Examen als Fachlehrerin für Punktschrift. 22 Jahre vermittelte sie das Kostbarste, was unser Personenkreis sein Eigen nennt, nämlich unseren geliebten „Sechser“. Seit zehn Jahren befindet sich Frau Bauder im Unruhestand, und bezeichnet lesen, singen, Freude an der Musik und wandern als einige ihrer zahlreichen Liebhabereien. Liebe Else, bewahre Deine Lebenszuversicht.

Edgar Knecht, ebenfalls 1933 geboren, mit zwölf Jahren durch einen bösen Unfall erblindet, verließ als Stenotypist und Betriebstelefonist die Blindenschule Nikolauspflege. Rund vier Jahrzehnte saß Herr Knecht am Vermittlungstisch zunächst beim Fernmeldeamt und dann bei der Deutschen Telekom, und sagte als Betriebsinspektor der Berufstätigkeit lebewohl. Er ist Familienvater, spielt mit Begeisterung Skat und gehört zu jenem „reizenden“ Quartett, das einmal im Monat die Karten mischt, um den Erlös in klingender Münze unserer Taubblindengruppe zu schenken. Edgars große Liebe gilt dem Behindertensport. Wiederholt nahm er mit Sohn Alexander als Piloten an der „Tour de Ländle“ teil und hat damit Willensstärke und Stehvermögen bewiesen. Seit Jahren leitet er die Blindensportgruppe im Behindertensportverein von Stuttgart mit seinen zahlreichen Sparten. Begünstigt durch seine frühere Arbeit an der Zentrale hat er im In- und Ausland ein weitverzweigtes Beziehungsnetz geknüpft. Er genießt in Blindensportlerkreisen hohe Wertschätzung, organisiert jeden Herbst das internationale Torballturnier, und im Gegenzug sind unsere Mannschaften willkommene Gäste bei auswärtigen Wettbewerben.
Lieber Edgar, wir wünschen dir zur Selbstverwirklichung und uns zum Nutzen auch weiterhin eine erfolgreiche Arbeit für den wertvollen Blindensport.
Richard Bastian

Nachruf für Karl-Heinz Baaske

Herr Oberstudiendirektor a.D. Karl-Heinz Baaske, geboren am 13.01.1921, ist am 14.06.2002 verstorben. Ein Leben, dass der Sorge um hörsehbehinderte und taubblinde Menschen galt, ist zu Ende.
Die Versorgung taubblinder Menschen in Deutschland wurde bis zum Zweiten Weltkrieg vom Oberlinhaus in Potsdam-Babelsberg wahrgenommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in der Bundesrepublik Deutschland keine Beschulung und Betreuung taubblinder Menschen. Die Beseitigung dieses Notstandes wurde zur Lebensaufgabe von Karl-Heinz Baaske.
Er wurde 1948 Lehrer und 1952 Taubstummen-Lehreranwärter. Nach seinem Studium arbeitete er bis 1964 als Taubstummen-Oberlehrer an der Gehörlosenschule in Hildesheim. Gleichzeitig war ihm die Erfassung und Beratung taubblinder Kinder beziehungsweise deren Eltern ein wesentliches Anliegen. 1964 begründete er mit Unterstützung des niedersächsischen Sozialministers, Herrn Kurt Partzsch und des Direktors der Blindenschule, Herrn Dr. Herbert Garbe, die Taubblindenabteilung in der Niedersächsischen Landesblindenschule. Bald wurde deutlich, dass eine bundesweite Beschulung taubblinder Kinder in dieser Abteilung nicht zu verwirklichen war. Karl-Heinz Baaske fand im Vorsitzenden des Blindenverbandes Niedersachsen e.V., Herrn Wilhelm Marhauer eine Person, die sein Anliegen unterstützte. Im Jahre 1967 wurde die gemeinnützige Gesellschaft m.b.H. "Deutsches Taubblindenwerk" als Träger für eine Taubblindeneinrichtung gegründet.
Im Jahre 1971 wurde das Deutsche Taubblindenwerk in Hannover-Kirchrode bezogen und Karl-Heinz Baaske zum Direktor der einzigen Schule für Taubblinde in der Bundesrepublik Deutschland ernannt. Gleichzeitig bestellten ihn die Gesellschafter des Deutschen Taubblindenwerks gGmbH, der Blindenverband Niedersachsen e.V., Hannover, der Deutsche Blindenverband e.V., Bonn und der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband e.V., Frankfurt, zum stellvertretenden Geschäftsführer. Im Hinblick auf das angeschlossene Wohnheim für taubblinde Erwachsene übernahm Herr Baaske die Heimleitung.
Die Bemühungen und das Wirken von Karl-Heinz Baaske fanden nicht nur in der Bundesrepublik Deutschland Beachtung. Sein Fachwissen war bei vielen Institutionen und Personen, die sich mit der Betreuung taubblinder Menschen an den verschiedensten Orten der ganzen Welt befassen, gefragt. So war er Mitglied im Präsidium der Internationalen Taubblinden-Lehrervereinigung von 1976 bis 1980 deren Vizepräsident und Mitglied im Weltrat für die Dienste für taubblinde Menschen im W.C.W.B.
Im Jahre 1980 war Karl-Heinz Baaske Leiter des Programm- und Organisations-Komitees zur Durchführung des 7. Internationalen Taubblindenlehrer-Seminars und der 2. Helen-Keller-Weltkonferenz für Taubblinde in Hannover.
Ab 1980 wurde Karl-Heinz Baaske von der Kultusministerkonferenz und dem niedersächsischen Kultusminister die Leitung eines Forschungsvorhabens mit der Universität Hamburg zur Erarbeitung der Rahmenrichtlinien für den Unterricht in der Schule für Taubblinde übertragen.
In Würdigung seiner großen Verdienste sind Karl-Heinz Baaske sowohl auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene viele Ehrungen zuteil geworden. Darunter die Verleihung des Großen Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse, des Verdienstkreuzes 1. Klasse des Nieder-sächsischen Verdienstordens und der Ehrenmedaille des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes sowie der Ann-Sullivan-Medaille, die von der internationalen Taubblindenorganisation verliehen wird.
Besondere Verdienste hat Karl-Heinz Baaske auch erworben in seinen Bemühungen und Hilfen für Kriegstaubblinde im Bund der Kriegsblinden Deutschlands.
Durch seine Initiativen wurde die Schule für Taubblinde zu einem überregionalen Bildungszentrum in der Bundesrepublik Deutschland.
Wolfgang Angermann

Oberstudienrat Ernst Löser verstorben

Am 20. April 2002 verstarb der Blindenlehrer Ernst Löser, langjähriger Direktor der
Polytechnischen Oberschule für Blinde Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz), an den
Folgen einer langwierigen, schweren Krankheit.
Im Jahre 1923 in Chemnitz-Ebersdorf geboren, verließ er vierzehnjährig sein Elternhaus, um in den damaligen Flugzeugwerken Dessau als Motorenschlosser ausgebildet zu werden. Anschließend wirkte er dort bis zum Ende des 2. Weltkrieges als technischer Lehrer.
Seine frühe pädagogische Neigung führte ihn nach dem Zusammenbruch des Hitlerstaates zur Ausbildung als Neulehrer. Danach unterrichtete er 10 Jahre an verschiedenen Schulen seiner Heimatstadt vorwiegend im Fach Geschichte.
Von 1956 bis 1959 arbeitete Ernst Löser als praxisbewährter Lehrerbildner am RochIitzer Institut für Lehrerbildung.
Dann folgte die große Wende in seinem Berufsleben: Er übernahm die Direktorenstelle an der voll ausgebauten Blindenschule mit Berufsschulteil und Internat in Karl-Marx-Stadt.
Ernst Löser nahm mit ungebrochenem Optimismus diese Herausforderung an und
absolvierte als Vierzigjähriger die Sonderpädagogische Zusatzausbildung zum
Blindenlehrer an der Humboldt-Universität Berlin. Dort fand der historisch interessierte
Pädagoge ein neues Sachgebiet, das ihn bis zu seinem Lebensende nicht mehr losließ.
Nach 1966 folgten fruchtbare Jahre des Auf- und Ausbaus einer polytechnischen Oberschule mit Vorschul- und Hilfsschulteil, einem differenzierten Internat und arbeitsfähigen Elternbeirat. Seine Leitlinie war: blinde Kinder und Jugendliche für die Gesellschaft der Sehenden erziehen, in der sie künftig leben würden. Es kam ihm darauf an, solche Bedingungen zu schaffen, um die Lehrpläne der Regelschule zu realisieren. Als Direktor sorgte er dafür, mittels Psychodiagnostik und gezielter Fördermaßnahmen die bei blinden Kindern so häufig zu beobachtenden Entwicklungsrückstände auszugleichen. Oft warnte der „Historiker Löser“ seine Kollegen vor der Gefahr einer verengenden
Fachroutine. Gerade die Sonderpädagogik müsse ihre Quelle in den bewährten
Grundsätzen der allgemeinen Pädagogik suchen.
Nach erfolgreicher 24-jähriger Leitungs- und Lehrtätigkeit ist Ernst Löser 1983 in den Ruhestand getreten. Seinem nimmermüden Geschichtsinteresse ist es zu danken, dass der umfangreiche Fundus an Fachliteratur im heutigen Rehabilitationszentrum und Berufsbildungswerk für Blinde und Sehbehinderte aufgearbeitet und bewahrt worden ist. Wir verdanken ihm zahlreiche Publikationen sowie Jubiläums- und Gedenkschriften zum Blindenbildungswesen. Alle, die Ernst Löser gekannt haben, wissen, dass er durch sein humanitäres Wirken ein gutes Stück dieser Geschichte mitgestaltet hat.
Dr. Günther Thiele

Abschied von Alois Fesseler

Ein wacher Verstand und ein fröhliches Herz zeichneten ihn aus. Alois Fesseler, der 13 Mal die weit über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus beliebte Singwoche im Rudolf-Kraemer-Haus in Bad Liebenzell leitete, ging von uns. Am 5. April 2002 wurde Alois Fesseler in Stuttgart unter großer Anteilnahme, besonders von blinden und sehbehinderten Freunden, zur letzten Ruhe getragen.

Schon im Jahre 1949, damals gerade 19 Jahre alt, trat Alois Fesseler in den damaligen Württembergischen Blindenverein e. V. als Mitglied ein. Er erkannte sehr rasch, dass es erforderlich war, sich ehrenamtlich für unsere Gemeinschaft zu engagieren, beispielsweise auch wegen der Blindenhilfe, die es damals zu erstreiten galt. Von 1969 bis 1979 leitete er die Bezirksgruppe Stuttgart des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Ost-Baden-Württemberg e. V. Von 1988 an war er stellvertretender Vorsitzender des BSVOBW.
Die Vertreterversammlung des BSVOBW verlieh Alois Fesseler im September 2000 die Ehrenmitgliedschaft. Damit wurde er als eine herausragende Persönlichkeit der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe im Verbandsgebiet gewürdigt.
Seine besondere Liebe und Passion galt der Musik, besonders der von Johann Sebastian Bach. Im Jahre 1967 produzierte er mit Erwin Wieland eine Benefizschallplatte für das damals in Bau befindliche Rudolf-Kraemer-Haus. Er konzertierte mit seiner leider viel zu früh verstorbenen Ehefrau Inge Fesseler bei Veranstaltungen des BSVOBW, aber auch bei anderen Gelegenheiten. Es ging ihm darum, anderen Menschen seine Liebe zur Musik nahe zu bringen.
Das Leben von Alois Fesseler war geprägt von stiller Fröhlichkeit und befreiendem Humor. Das, was er für Blinde und Sehbehinderte einfach getan hat, weil es erforderlich war, wird durch die Blinden und Sehbehinderten im BSVOBW nicht vergessen, sondern in der Erinnerung bewahrt.
Hartmut Dorow

Der duftende Garten

Garten-Resede
(Reseda odorata)

Von Ruth Zacharias

Zum Sommer gehören die sogenannten Sommerblumen, einjährige Pflanzen, die im Frühjahr, draußen im Beet gesät werden, schnell wachsen, blühen, Samen und Früchte bilden und im Herbst wieder vergehen. Eine Vielzahl von Blütenduftern sind unter ihnen, auch besonders gute Nachtdufter.

Wer einen Garten hat, sollte diese einjährigen Dufter säen, beobachten, kennen- und lieben lernen. Wer nur einen Balkon hat, hat kleinere „Beete", einen Kasten oder kleine Töpfe - 8 cm hoch und 10 cm im Durchmesser - mit je nur einer Pflanze.
Ich hantiere sehr gerne mit Sämereien und danach mit kleinen Pflanzen, ein Erleben, bei dem ich vom Samenkörnchen bis zum Vergehen eigene Pflanzenerfahrungen und -kenntnisse sammle.
Wie gesät, gegossen, pikiert werden kann, welche Pflanzen und wie viele von einer Art gepflegt werden können - muss gut überlegt werden; ich weiß inzwischen, dass wir mit unseren tastenden Händen das alles selbständig bewerkstelligen können. Ich hatte öfter 40 kleine Töpfe mit zehn bis zwölf verschiedenen Pflanzenarten.
Aus der Fülle der Pflanzen wähle ich vier mit sehr angenehmen Düften aus, auch wenn das Duftvergnügen erst im nächsten Sommer erlebt werden kann.

Garten-Resede (Reseda odorata) - Eine verzweigte niedrige Pflanze bis zu 30 cm Höhe, die wegen ihrer unscheinbaren gelblich-grünen Blütentrauben in Vergessenheit geraten ist. Ihr Duft ist edel, wohltuend, beruhigend - in Richtung Veilchen; bei Sonnenschein stärker als am Abend, aber auch im Halbschatten noch angenehm wahrnehmbar. Bienen lieben sie sehr. Weil sie nicht auffallend wirkt, ist sie zur Unterpflanzung im Rosenbeet oder auch in einem anderen Staudenbeet als Zwischenpflanze gut geeignet. Ihr Duft bleibt immer dezent, auch unter Rosen niemals störend.

Garten-Levkoje (Matthiola incana) - Wild wächst sie an den Küsten des Mittelmeeres bis zu einem Meter hoch. Bei den alten Griechen war sie schon bekannt, denn ihr Name kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Weißveilchen“; heute wird sie allerdings in vielen Farben angeboten. Eine Wildart aus Griechenland trägt nach der Form ihres Samenstandes den Namen Gemshorn (Matthiola bicornis). Der Blütenduft der im Winter „produzierten“ Pflanzen ist mit dem Sommer-Draußen-Duft nicht vergleichbar. Levkoje duftet in der Nacht wesentlich stärker als im Sonnenschein. Von Schnecken wird sie nicht gefressen.

Vanillepflanze (Heliotropium arborescens) - Die aus Samen gezogenen Pflanzen sind stabiler und duftsicherer als die angebotenen in Gärtnereien und Garten-Centern. Als Staude sollte sie immer nur blühend gekauft werden, damit der starke Vanilleduft Tag und Nacht erlebt werden kann. Auf sonnigen Balkonen und in mittelgroßen Töpfen gedeiht sie besser als im Gartenbeet. Ihre Heimat ist in Peru - daher auch peruanischer Vanillestrauch genannt. Wer viel Geschick im Umgang mit Pflanzen und eine gute Überwinterungsmöglichkeit hat, kann sie durch Stecklinge vermehren.

Ziertabak (Nicotiana alata) - lm Handel sind leider oft nur duftlose, zwar sehr farbige, Pflanzen bis zu 40 cm Höhe. Der duftende Ziertabak wird jedoch. bis zu einem Meter hoch, hat große Tabakblätter, blüht in einem warmen Sommer bis in den Oktober hinein. Am wohlsten fühlt er sich in einem Kübel von etwa 25 cm Höhe und 30 cm im Durchmesser. Mit einer Kübelpflanze kann der Duftplatz verändert werden. Ziertabak duftet nicht vor 18.00 Uhr.
Damit der nächste Sommer nicht duftlos vorüber geht, empfehle ich die Samenbeschaffung (auf jeden Fall für Heliotrop und Nicotiana) bei Syringa – Duft- und Würzkräuter, Bachstr. 7, 78247 Hilzingen-Binningen, Tel.: (0 77 39) 14 52.
Wir hatten immer wieder duftlose Pflanzen aus irgendwelchen Einkaufszentren, und diese Enttäuschungen können allen anderen erspart bleiben, die Düfte lieben.
Es dauert nur wenige Monate...dann kann das Säen nach guter Vorbereitung oder auch nach einem Kontakt mit uns wieder beginnen...
Nähere Informationen bei der Autorin; Tel.: (0 35 28) 39 70.

Kunst

"Siehste!?" – ein Kunstprojekt

Von Lothar Schubert

Als ich das erste Mal davon hörte, dass Künstler ihre Bilder tastbar
machen wollten, war ich ehrlich gesagt etwas skeptisch.
Solange früher mein Sehvermögen noch ausreichte, habe ich gerne
Ausstellungen besucht und in meiner Wohnung Drucke aufgehängt, von
Gaugin, van Gogh, Kandinski, Chagall und Picasso.
Doch allmählich konnte ich immer weniger von meiner Umgebung
erkennen. Es hieß, sich neu zu besinnen.
Deshalb habe ich später gern Austellungen in Düren, Duisburg, Köln
oder Bonn besucht, um unter sachkundiger Leitung von Frau Gerhads
oder Herrn Denecke gemeinsam mit anderen Blinden und Sehbehinderten Reliefs, Skulpturen und Objekte ertasten und begreifen zu können.
Sehr beeindruckt haben mich ebenso die Werke von Frau Lilli Ende,
die als eine der ersten Bilder tastbar machte, um Blinden auch
einen Zugang zur modernen Malerei zu verschaffen.

Eine Woche nach der Eröffnung bot nun Frau Elvira Kubiak dem
Blinden- und Sehbehindertenverein Düren an, ihr Kunstprojekt
"Siehste!?" in einer speziellen Führung kennen zu lernen. Wir waren
insgesamt begeistert. Gleich zu Beginn mußten auch die sehenden
Begleiter sich in drei Fühlkästen nur auf ihr Tastvermögen verlassen,
um verschiedene Formen und Materialien zu erkennen.
Moderne Kunst ist nicht immer einfach zu verstehen und nicht jedem
gefällt alles gleichermaßen. Man muss sich als Blinder besonders
von der Neigung frei machen, möglichst viel Bekanntes,
Gegenständliches wiedererkennen zu wollen. Wie der Sehende Farben
und Formen als Gesamteindruck auf sich wirken lassen kann, sollten
auch wir offfen, mit allen Sinnen und idealerweise im Dialog mit
sehenden Begleitern auf diese ansprechende Kunst zugehen.

„Siehste!?“

Besonders auffallend war zunächst das Bild "Siehste!?", das der
Ausstellung den Namen gegeben hat. Auf der überwiegend gelben
Grundfläche sind 3 runde vorwiegend dunkel gehaltene
Scheiben aufgebracht. Es könnte eine riesige Armbinde darstellen,
aber auch andere Deutungen sind möglich.
Kennzeichnend für die Bilder von Frau Kubiak ist, dass bereits
der abwechslungsreiche Untergrund der Hand durch verschiedene
Farbschichten und Spachteltechniken unterschiedlichste
Tasteindrücke bietet. Man findet eine Vielzahl an Materialien,
Formen und Motiven, die der Phantasie manche Anregungen geben. Aus
vielen Werken spricht Witz und Humor. Die Objekte sind so reich an
Details, dass man immer wieder Neues entdecken kann.
Wir spüren in dieser Ausstellung an vielen durchdachten Einzel-
heiten das besondere Engagement der Künstlerin, Blinden und
Sehbehinderten ihre Kunst nahe zu bringen, nicht zuletzt durch den
Aufbau von Podesten zur besseren Erreichbarkeit großer Kunstwerke
und günstig angebrachter Titel und Erläuterungen in Punktschrift.

Sehr aufschlussreich ist die 7-teilige Serie "Dem fehlt ja ein
Ohr!". Hir konnten wir von Tüchern verhüllt die Wandlung eines
Porträts von der naturalistischen zur zunehmend abstrakten
Darstellung nachvollziehen.
Zu bewundern waren auch zu diesem Thema die Arbeiten der Kinder
der Blindenschule Düren, bei denen sie unter Anleitung von Frau
Kubiak, der Kunstpädagogin Susanne Lochner und der Sozialpädagogin
Manuela Knors lernten, ihr Gesicht mit unterschiedlichsten
Materialien und Techniken darzustellen.

„Kennste“

Bemerkenswert waren auch mit dem Titel "Verstehste" etwas
abstrakte und witzig gestaltete frei schwingende Figuren. Auf
dieser "Serie von Sprücheklopfern" waren interessante Äußerungen
zum Thema "Sehen" in Schwarz- und Blindenschrift zu lesen.
Unter dem Titel "Kennste" konnte man einen bunt bemalten
16-fächerigen Schrank bewundern, in dem verschiedenste Gegenstände
zu finden waren, die auf das "Schubladendenken" hinweisen, mit dem
sich Blinde und Sehende häufig begegnen.
Es ist sehr zu begrüßen, dass der Landschaftsverband Rheinland dieses
Kunstprojekt so großzügig gefördert und in diesem Rahmen erst
möglich gemacht hat.

Dass ein Künstler nicht nur sein Schaffen Behinderten zugänglich
macht, sondern ihnen eine Ausstellung widmet, sie einbezieht und
die verschiedenen Welten für einander öffnet, ist das
Außerordentliche dieses Kunstprojektes.
Auch wenn Blinden der optische Genuss fehlt, bereitet das
Wahrnehmen mit der Fingerspitze, der Handfläche, das Ermessen
durch die Arme, dem Verstand und dem Gefühl auf einer anderen
Ebene ebenso einen Genuss wie dem Sehenden und gibt verschiedenste
Anregungen.

„Thank you Louis“

Besonders begeistert haben alle die 26 Arbeiten zur Serie "Thank
you Louis". Mit phantastischem Einfallsreichtum wurde jeder
Buchstabe des Blindenschriftalphabets auf Holztafeln mit Liebe zum
Detail gestaltet. Dabei wird eine ideale partnerschaftliche
Kunsterfahrung erreicht. Blinde und Sehende müssen sich
gegenseitig ihre Wahrnehmung mitteilen und kommen erst dadurch zu
einem einmaligen gemeinschaftlichen Kunsterlebnis.

Ich weiß nicht, ob es von mir anmaßend ist, einem Künstler
Verbesserungs- oder konkrete Bildvorschläge zu machen. Doch hätte
ich mir nachträglich zu sehen gewünscht, dass in dieser Ausstellung,
die sich an Blinde und Sehende richtet, in einem Bild auch etwas
aus unserer Lebenssituation dargestellt wird. So könnte ich mir
z. B. ein Bild mit einem erfreut lächelnden Blinden vorstellen,
der unterwegs angesprochen wird, um ihm Hilfe anzubieten oder eine
Skizze beim versunkenen Lesen eines Punktschriftbuches, vielleicht
auch die Darstellung der Verlorenheit, die man allein in einer
unbekannten Menschenmenge empfinden kann.

Im Namen der blinden, sehbehinderten und auch sehenden Besucher der
Ausstellung möchte ich in Abwandlung ihres Titels
"Thank you Louis" abschließend einfach sagen: "Danke Elvira"!

Die Ausstellung ist noch bis zum 10.10.2002 geöffnet. Als Wanderausstellung wird sie 2003 in Berlin und 2004 in Soest mit verschiedenen Gastkünstlern präsentiert; ideel auch unterstützt durch den DBSV.
Die Künstlerin ist interessiert, ihre Ausstellung in weiteren Städten
auch mit neuen Gastkünstlern zu präsentieren.
Zum umfangreichen Rahmenprogramm gehörten in Düren u. a. ein
Vortrag über die Gründung der Blindenschule in Tibet durch Sabriye
Tenberken, das Konzert eines blinden Sängers, die Vorführung einer
Führhundschule, eine Hilfsmittelausstellung des VzFB anlässlich der
75-Jahrfeier des Blindenvereins Düren und der Tag der Offenen Tür
im BFW Düren. Vergleichbare Rahmenprogramme an anderen Orten
bieten eine gute Gelegenheit, unsere Situation und unsere Anliegen
in die Öffentlichkeit zu tragen. Bemerkenswert war, dass in Düren
auch viele Schulklassen die Ausstellung besucht haben.

Das "Rurecho", die Kassetttenzeitung des Blinden- und Sehbehindertenvereins Düren, hat Informationsmaterial und einen Hörkatalog mit Bildbeschreibungen und Begleittexten auf Kassette für 2,00 EUR erstellt. Ein kostenloser Flyer in Schwarzschrift und
eine Kurzfassung in Punktschrift stehen auch zur Verfügung.

Bestellungen bei: Lothar Schubert; Tel.: (0 24 21) 5 98-2 20
Die Künstlerin ist zu erreichen unter (0 21 75) 67 62.

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