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Bilder von Blinden und Sehbehinderten in verschiedenen Situationen

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Die aktuelle "Gegenwart" mit ausgewählten Beiträgen

Titelbild 08 /02

Editorial

Eine neue Ära bricht an

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die „Gegenwart“ gibt es ab 2003 endlich auch im DAISY-Format. Was bedeutet dies für Sie , liebe Leserinnen und Leser? Für all diejenigen, die bei Punktschrift, Kassette oder Schwarzschrift bleiben wollen, ändert sich nichts, es sei denn, sie wollen ebenfalls die Vorteile dieser modernen Version unserer Zeitschrift nutzen. Wer „umsteigen“ will, kann ein kostenloses Probeexemplar der September-Ausgabe auf CD-ROM anfordern.
Die Disketten-Abonnenten erhalten mit dieser Ausgabe automatisch eine solche, denn nach einer Übergangszeit von sechs Monaten wird die Disketten-Version nicht mehr angeboten werden.
Und was bietet die DAISY-Gegenwart auf CD-ROM? Und welche Technik ist nötig, um sie zu lesen oder zu hören?
Die gesprochene „Gegenwart“ kann man abspielen

DBSV-Nachrichten

Nachlese zum DBSV-Verbandstag

In zwei Resolutionen bestimmt der DBSV-Verbandstag die Positionen des Spitzenverbandes zu aktuellen Fragen:
Die in beiden Dokumenten erhobenen Forderungen werden nicht im Selbstlauf Realität; sie verlangen zielgerichtetes Engagement des DBSV, der Landesvereine und weiterer Partner.

Resolution

zum Thema: „Umsetzung des neuen Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG), Herstellung einer barrierefreien Umweltgestaltung durch das Instrument der Zielvereinbarung“

Der DBSV-Verbandstag fordert öffentliche und private Stellen auf, in Umsetzung des seit 02.05.2002 geltenden Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) für Barrierefreiheit zu sorgen.

Der DBSV strebt in Kooperation mit dem DVBS und anderen Selbsthilfeverbänden den Abschluss von Zielvereinbarungen gemäß § 5 BGG insbesondere in folgenden Bereichen an:

Barrierefreier Zugang zu kulturellen Veranstaltungen

Dem Zugang Blinder und Sehbehinderter zu kulturellen Veranstaltungen dürfen keine Hindernisse im Wege stehen. Herstellung von Barrierefreiheit bedeutet beispielsweise:

Barrierefreie Umweltgestaltung

Innerhalb eines festgelegten Zeitraums sollten insbesondere bestehende Ampelanlagen RiLSA-gemäß umgerüstet sein. Neue Ampelanlagen müssen durchweg RiLSA mit Zusatzeinrichtungen für Blinde gestaltet werden.

Barrierefreie Gestaltung des Personenverkehrs

Barrierefreier Zugang zu Kommunikations- und Informationssystemen

Begründung:
Das aus dem US-amerikanischen Recht stammende Instrument der „Zielvereinbarung“, wie es in § 5 BGG verankert ist, stellt die Behindertenverbände in Deutschland vor neue Herausforderungen. Der DBSV muss in der Geschäftsstelle die Voraussetzungen dafür schaffen, dass der DBSV für die neue Aufgabe gerüstet ist und entweder selbst Zielvereinbarungen startet oder sich bei laufenden Zielvereinbarungen einschaltet.

Mit dieser Resolution bekräftigt der DBSV-Verbandstag den Willen der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe in Deutschland, dieses Instrument aktiv zur Durchführung unserer Ziele zu verwenden.

Resolution zum Thema: „Bildung für blinde und sehbehinderte Menschen“

Die Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe in Deutschland vertritt zum Thema Bildung für blinde und sehbehinderte Menschen folgende Position:

  1. Blinde und sehbehinderte Schülerinnen und Schüler haben ein Recht auf gleiche Bildungschancen. Ihnen müssen die gleichen Bildungsangebote offen stehen wie Nichtbehinderten.
  2. Die schulische Bildung an der allgemeinen Schule (integrierte Beschulung) hat den gleichen Rang wie die Bildung an der speziellen Schule für Blinde und Sehbehinderte.
  3. Eltern von blinden und sehbehinderten Kindern muss ein Wahlrecht eingeräumt werden, welche der beiden Schularten ihr Kind besucht. Ein Wechsel von der einen zur anderen Form muss ohne besondere Begründung möglich sein und kann zu einer normalen Schullaufbahn gehören.
  4. Die einzelnen Bundesländer der Bundesrepublik Deutschland werden aufgefordert, diese Grundsätze in Landesbehindertengleichstellungsgesetze und/oder in Schul- bzw. Unterrichtsgesetze auf Landesebene aufzunehmen, soweit dies nicht bereits erfolgt ist. In den Ausführungsbestimmungen ist Sorge dafür zu tragen, dass die Rahmenbedingungen der schulischen Integration und der speziellen Schule für Blinde und Sehbehinderte in organisatorischer und finanzieller Hinsicht so ausgestaltet sind, dass Blinde und Sehbehinderte ihren Neigungen und Fähigkeiten entsprechend mit der erforderlichen auf Qualitätsstandards beruhenden sonderpädagogischen Fachlichkeit gefördert werden.
    Dies bedeutet insbesondere:

Begründung:
In vielen Ländern der Bundesrepublik Deutschland wird derzeit an Behindertengleichstellungsgesetzen gearbeitet. Von zahlreichen Verbänden und von politischer Seite wird häufig der Vorrang einer integrierten Beschulung von behinderten Kindern gefordert. Die Erfahrungen mit der schulischen Integration blinder und sehbehinderter Kinder und Jugendlicher zeigen, dass viele betroffene Schüler nach Jahren der Integration das dringende Bedürfnis haben, unter „gleichen Wettbewerbsbedingungen“ mit blinden und sehbehinderten Schülern unterrichtet zu werden. Häufig muss auch festgestellt werden, dass wichtige Kulturtechniken, wie das Lesen und Schreiben der Blindenschrift (insbesondere der Kurzschrift) nicht oder nur unzureichend vermittelt werden. Auf der anderen Seite sind viele Eltern daran interessiert, ihr blindes oder sehbehindertes Kind zumindest in der Grundschule integrativ beschulen zu lassen, um einen Internatsaufenthalt zu vermeiden.

Vor diesem Hintergrund muss sich die Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe klar dafür aussprechen, dass beide Wege gleichberechtigt nebeneinander stehen und dass die Eltern über den Weg ihres sehbehinderten oder blinden Kindes entscheiden sollen.
Angesichts der starken Pro-Integrationsstimmung ist es daher wichtig, dass die Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe in Deutschland eine klare Position bezieht mit der Forderung, dass die Spezialschulen für Blinde und Sehbehinderte als gleichwertige Bildungseinrichtungen erhalten bleiben.
Ähnlich wie Gehörlose und Schwerhörige sowie sprach- und psychisch Behinderte haben blinde und sehbehinderte Schüler einen speziellen sonderpädagogischen Förderbedarf.

Vorgestellt

Dem neuen DBSV-Präsidium gehören neun Mitglieder aus neun verschiedenen Bundesländern an, vier von ihnen kommen aus den neuen Bundesländern, vier haben noch einen unterschiedlich verwertbaren Sehrest; drei Frauen sind dabei; und mit der Neuwahl wurde das Präsidium jünger. Damit Sie, liebe Leserinnen und Leser, liebe Hörerinnen und Hörer einen Eindruck von den Menschen bekommen, die sich für den DBSV und für den Familiensinn innerhalb der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe engagieren, sollen hier alle kurz zu Wort kommen (Kassetten-Ausgabe Originalton):

Zu Beginn die Stimmen der drei neu gewählten Präsidiumsmitglieder Andreas Beinert aus Brandenburg, Susanne Siems aus Sachsen und Hans-Joachim Krahl aus Sachsen-Anhalt:

Andreas Beinert: „Ich komme aus Cottbus, Land Brandenburg; bin dort in der dritten Wahlperiode im Landesvorstand tätig. Meine Schulbildung: Ich habe die 10. Klasse an der Blindenschule in Königs Wusterhausen abgeschlossen, anschließend den Beruf Zerspanungsfacharbeiter gelernt und jetzt vor kurzem noch einmal eine Umschulung gemacht, die habe ich am 15. Januar d. J. beendet zum Kaufmann für Bürokommunikation. Ich möchte in diesem Gremium, auch wenn ich jetzt im November die eigentliche Tätigkeit als Jugendsprecher abgeben werde – da ist das bundesweite Jugendseminar – trotzdem mein Herz den jüngeren Mitgliedern widmen. Ich bin 37 Jahre alt. Meine Hobbys sind Musik machen, Musik von der Konserve spielen (als D.J.) und seit einiger Zeit PC.“

Susanne Siems: „Ich habe nach dem Abitur in Königs Wusterhausen Bibliothekswesen studiert und als Bibliothekarin gearbeitet, zunächst in Leipzig in der Deutschen Bücherei und bin seit 12 Jahren in der Deutschen Zentralbücherei für Blinde. Habe dort natürlich Beziehungen zum Blindenwesen, aber die Hauptbeziehung ist natürlich die eigene Betroffenheit und die Arbeit in der Selbsthilfe, was ich seit 1986 mache, zuerst Jugendarbeit, und seit 1990 habe ich mich im Landesvorstand in Sachsen für die Sehbehinderten engagiert, seit 1994 auch für die Elternarbeit. Ich möchte mein Möglichstes geben, um mich hier einzubringen, gerade auch im Bereich Bildung, Erziehung, weil ich denke, dass ich durch meinen Hintergrund eine Menge einbringen kann. Ich möchte, dass ich im Präsidium auch immer den Kontakt zur Basis behalte und vielleicht noch verstärken kann.
Ich höre sehr gerne Musik und singe auch sehr gerne, bin im Ensemble des DBSV.“

Hans-Joachim Krahl: „Ich habe eine integrative Schulbildung erfahren, ohne dass dies damals so üblich war, habe dann in Ingenieurökonomie studiert, bin bei einem großen deutschen Kommunikationsunternehmen tätig, bin jetzt in Bonn beschäftigt, sodass ich nur am Wochenende zu Hause bin. Zu meinen Hobbys gehört auch Haus und Grundstück. Ein großes Hobby ist auch mein Landesverband.
Mit meiner Wahl ins Präsidium denke ich, dass ich meine Kraft dafür einsetzen kann, dass die Zukunftsideen, die bisher noch Papier sind, in der neuen Strategiekommission vorbereitet werden können für die Umsetzung in der Praxis. In diesem Bereich möchte ich tätig sein, das heißt, dass die Landesvereine durch den DBSV unterstützt werden und die Vorschläge aus den Arbeitsgruppen umgesetzt werden.“

Hören wir als nächsten Gustav – oder wie die meisten sagen – Gustel Doubrava aus Bayern und Erwin Roth aus Hessen:

Gustav Doubrava: „Ich würde mich als Allrounder in der Selbsthilfe bezeichnen, bin sehr lange im Bayer. Blinden- und Sehbehindertenbund tätig gewesen, in verschiedenen Funktionen. Ich habe beizeiten erkannt, dass es wirklich notwendig ist, dass wir unsere Dinge selber in die Hand nehmen und sie auch betreiben und uns nach besten Kräften einbringen. Wenn man erst einmal eine Funktion hat, noch dazu einen Landesvorsitz eines so großen Landesverbandes wie der Bayer. Blinden- und Sehbehindertenbund ist, dann bleiben andere nicht aus, und man muss sich um einiges kümmern.
Ich bringe das immer auf den Nenner: Ich bin für alles verantwortlich und an allem schuld.
Von Beruf war ich Diplom-Verwaltungswirt, habe bei dem gleichen Unternehmen, das der Achim nicht nennen wollte, bei der Deutschen Telekom gearbeitet. Jetzt, da ich im Ruhestand bin, habe ich erst recht keine Zeit.“

Erwin Roth: „Ich freue mich darüber, dass ich das noch einmal mitmachen kann, weil wir ja im Moment wieder Zeiten eines Wandels haben. Ich werde dann vielleicht doch noch den endgültigen Umzug nach Berlin miterleben. Den ersten großen Einschnitt, den ich miterlebt habe, war ja die deutsche Vereinigung; ich war damals gerade in den Vorstand reingekommen. Ich bin 62 Jahre alt, verheiratet, habe zwei große Kinder. Ich war Richter am Landgericht in Frankfurt am Main, bin pensioniert seit August 2001. Ich habe mich immer sehr interessiert für Orientierung und Mobilität, mit oder ohne Führhund. Alles, was damit zu tun hat, interessiert mich sehr, und dafür setze ich mich gern wieder ein.
Ein Hobby ist das Klavierspielen. Außerdem singe ich zusammen mit meiner Frau in einem Chor. Musikhören interessiert mich auch sehr, Klassik, Jazz...“

Nun kommen zu Wort Hans-Peter Engel aus Rheinland-Pfalz und Helga Neumann aus Niedersachsen:

Hans-Peter Engel: „Ich bin 41 Jahre und kam Ende der 80er Jahre zur Selbsthilfe, habe erst einmal Jugendarbeit gemacht, kam – ähnlich wie Andreas Beinert – 1994 als stellvertretender Bundesjugendsprecher in den damaligen DBV-Vorstand. Die Sehbehindertenarbeit habe ich mit beeinflusst und fortgeführt. Mein Hobby sind aber Busse, Bahnen usw. In Zukunft wird hier noch einiges auf uns zukommen, denn es ist nicht leicht, die bestehenden Normen überall durchzusetzen. Zu den Aufgaben, die ich gern übernommen habe, gehörte die Gestaltung des Jahrbuches.
Ich war bis 1992 als Verwaltungsfachangestellter im Bereich Wohngeld tätig, bin dann umgezogen und habe arbeitsmäßig nie wieder Fuß gefasst; vielleicht daher die viele Zeit für die Selbsthilfe. Und seit zwei Monaten gelte ich als Rentner.
Hobbys: Musik, Computer, Radio, Tonband, alles, was mit Technik zusammenhängt.“

Helga Neumann: „In der Selbsthilfe aktiv seit 1969, seit längerer Zeit Vorsitzende in Niedersachsen. Wer in das Präsidium des DBSV gewählt wird, ahnt gar nicht, welche Aufgaben man sich damit einhandelt. Man übernimmt sehr viel. Bei mir gehört u. a. die Frauenvertretung im In- und Ausland, also auch in der Europäischen Blindenunion, dazu. Damit verbunden ist die Erstellung der Zeitschrift RITA, Strategiekommission, Jahrbuch... Seit 1 ½ Jahren bin ich nicht mehr berufstätig, was nicht bedeutet, dass ich mehr Zeit habe.
Mein Haupthobby ist die Literatur, ich bin auch Vorsitzende der Norddeutschen Blindenhörbücherei. Musik gehört dazu. Ich bin verheiratet, habe eine erwachsene Tochter.

Bleiben noch die neu gewählte Vizepräsidentin aus Mecklenburg-Vorpommern und Präsident Jürgen Lubnau aus Berlin:

Renate Reymann: „Ich habe als Vizepräsidentin jetzt den Platz von Armin Kappallo eingenommen, und das sind recht große Schuhe, in die ich da schlüpfen muss. Ich werde versuchen, den Präsidenten in mancher terminlicher Hinsicht ein wenig zu unterstützen. Ich werde auch in der Strategiekommission tätig sein.
Ich arbeite im Sozialministerium Mecklenburg-Vorpommern und bin dort zuständig für Apothekenwesen und Medizinprodukte. Meine Hobbys müssen oft etwas zurückstehen. Ich liebe die Literatur, man kann auch gut im Zug Bücher hören oder mit den Fingern lesen. Weiterhin fahre ich mit meinem Mann sehr gern Fahrrad, und wir besuchen einen Tango-Kurs. Ein ganz wichtiges Hobby sind meine Enkelkinder.“

Jürgen Lubnau: „Ich bin Jahrgang 42, habe die Blindenschule in Berlin besucht, war dann im Öffentlichen Dienst tätig, habe ein Studium an der Verwaltungsakademie erfolgreich abgeschlossen und bin seit 20 Jahren Geschäftsführer im Blindenhilfswerk Berlin. Von 1989 bis 98 war ich Vorsitzender des ABV/ABSV, im Vorstand des DBSV seit 1990, seit vier Jahren Präsident des DBSV.
Meine Hobbys sind Lesen; ich bin ein begeisterter Freizeitsportler. Ich liebe die langen Strecken, das verschafft auch Ausdauer in der Selbsthilfe; bin 10 Marathonläufe zu Ende gelaufen, den elften habe ich vor meiner Haustür aufgegeben bei 32 Kilometern. So weit ich dazu komme, laufe ich zwei bis drei Mal in der Woche, aber nicht so lange Strecken. Ich bin verheiratet. Wir haben zusammen drei erwachsene Kinder.“

Alles ohne Quoten
Im Gespräch mit DBSV-Präsident Jürgen Lubnau

Die Zusammensetzung des Präsidiums ist aus vieler Sicht optimal und ausgewogen, ein Zufall?
Jürgen Lubnau: Es ist von mir gewollt, auch unterstützt, keine Frage. Es macht sich dabei auch deutlich, dass wir bewusst keine Quoten eingeführt haben. Wenn man sieht, wie das Präsidium jetzt zusammengesetzt ist, gibt uns diese Entscheidung recht, fünf Mitglieder aus den alten Bundesländern, vier aus den neuen; ein harmonisches Zusammenwachsen. Und ich glaube, es unterstreicht sehr deutlich, dass der DBSV mit seinen Landesverbänden Ost und West sehr gut zusammengewachsen ist. Eine bessere Demonstration können wir uns eigentlich nicht vorstellen.

In der Satzung wurden die korrespondierenden Mitglieder zu korporierenden Mitgliedern. Wird das ein formaler Akt bleiben? Oder wohin geht die Entwicklung?
Jürgen Lubnau: Oh nein, dann hätten wir es auch so lassen können. Wir wollen mit dieser Satzungsänderung ganz eindeutig dokumentieren, dass wir eine engere Verflechtung mit den anderen Verbänden und Einrichtungen wollen. Das setzt natürlich gegenseitiges Tun voraus. Unsere Bereitschaft zu einer sehr engen Zusammenarbeit ist damit deutlich geworden. Wir werden sie auch ganz entschieden anstreben und umzusetzen versuchen und hoffen, dass die anderen Verbände auch mitspielen. Man muss dazu auch sagen, dass es sehr unterschiedliche Verbindungen sind. Die Verbindung zum DVBS ist über die letzten Jahre, Jahrzehnte immer sehr gut gewesen. Und wir haben manche Felder, in denen wir unsere gemeinsame Arbeit noch intensivieren können. Es ist nichts so gut, dass es nicht auch verbessert werden könnte, und das wollen wir mit den anderen korporativen Mitgliedern auch tun.

Ich hatte den Eindruck – auch in den Arbeitsgruppen -, dass Vertreter der korporativen Mitglieder intensiver als in den Vorjahren mitgewirkt haben. Andererseits wurde aber auch deutlich, dass sich zwischen den DBSV-Landesvereinen die Unterschiede doch eher etwas verschärft haben, sodass die starken Vereine noch stärker geworden sind und die schwachen mit ihren Problemen noch immer nicht richtig fertig sind. Wie kriegt man das in den Griff?
Jürgen Lubnau: Das ist eine Aufgabe, die wir noch zu lösen haben werden, wobei man sicherlich fragen muss, lässt sich diese Frage überhaupt komplett lösen? Es wird einen engeren und regeren Meinungsaustausch geben. Es ist Aufgabe der Strategiekommission, die vorhandenen Vorschläge zu wichten, zu ordnen, Vorschläge an das Präsidium zu unterbreiten, die wir dann auch umsetzen wollen. Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit ist in den Landesvereinen vorhanden, man muss nur schauen, in welchen Bereichen ist das tatsächlich möglich. Das ist ein Haufen Arbeit, der vor uns liegt, aber wir müssen diese Arbeit angehen, um die Chance zu nutzen, die Minderung der Unterschiede herbeizuführen. Es wird da natürlich auch darauf ankommen, dass die starken Verbände Bereitschaft zeigen, von ihrem Know-how, von ihrer Stärke ein Stück abzugeben, zu helfen, damit die etwas schwächeren Verbände davon auch profitieren können. Aber diese Bereitschaft ist, wenn ich die Diskussion recht verfolgt habe, auch vorhanden.

Es klang mehrfach an, dass Berlin eines Tages auch Sitz der Geschäftsstelle sein wird. Wagt der Präsident schon eine Prognose, ob das beim nächsten Verbandstag schon der Fall sein wird?
Jürgen Lubnau: Eindeutig ja. Das ist ja nicht nur eine wage Prognose. Wir sind in Hirschgarten mit unserem Bauvorhaben ja relativ weit gediehen. Wenn alles glatt läuft, werden wir demnächst auch tatsächlich mit den Bauarbeiten loslegen können, wenn einige Hindernisse aus dem Weg geräumt sind. Es ist ein politischer Zwang, den wir haben, in Berlin präsent zu sein. Im Augenblick ist es für mich ein Heimvorteil als Berliner, dort vor Ort zu sein, wo die Politik agiert. Wir haben auf diese Weise sehr schnelle Kontakte zur Bundesregierung, zu Ministern, zu Abgeordneten. Das müssen wir nutzen, und die Geschäftsstelle sollte dann schon relativ bald, wenn die baulichen Maßnahmen vollzogen sind, umziehen, um auch präsent zu sein. Das machen ja sehr viele Spitzenverbände und haben es auch schon vor uns getan, aus gutem Grund.

Ich bedanke mich bei der ganzen Runde für das informative Gespräch und wünsche dem Präsidium für die viele Arbeit gutes Gelingen, gute Ideen und immer auch die notwendige Kraft dafür.
(Das Gespräch führte Dr. Thomas Nicolai, Kassetten-Ausgabe Originalton.)

Standpunkt

Am Rande des Verbandstages fragte ich Bundesminister Walter Riester (und im Hintergrund sind Klänge von der „Blinden Musiker“ aus München zu hören). Hier also sein Standpunkt zur beruflichen Eingliederung von Schwerbehinderten:

Walter Riester: „...dass Behinderte besondere Qualifikationen haben und nicht nur gleichwertig, in einigen Teilbereichen sogar mit außerordentlich wichtigen Qualifikationen ihre Frau und ihren Mann am Arbeitsplatz stehen. Nehmen Sie als Beispiel ein Call-Center; Menschen, die Auskunft geben, die kommunizieren. Das ist eine Tätigkeit, die in der einen oder anderen Frage ein Mensch mit Sehbehinderung besser kann, als ein Mensch, der sehr gut sehen, aber nicht gut kommunizieren kann.“

Frage: „Die persönliche Überzeugung der Arbeitgeber ist sicher ganz wichtig. Aber könnten nicht die Medien, gerade die öffentlich-rechtlichen, dafür auch noch ein bisschen mehr tun, dieses Bild, nicht nur des perfekten Menschen, auch der Gesellschaft zu vermitteln?“

Walter Riester: „Doch, das ist mir auch sehr wichtig. Ich habe vor wenigen Tagen eine große Veranstaltung gemacht im Innenhof des ZDF, dass das voll unterstützt hat und mitmacht bei dieser Aktion und bei dieser Kampagne zur Verringerung der Arbeitslosigkeit Schwerbehinderter. Und mir wurde auch von der Intendanz zugesagt, dass das ZDF in seinem Programm darauf hinwirkt.“

In Kürze

Jahrbuch 2003

Gerade erschienen ist das DBSV-Jahrbuch 2003. Informativ und unterhaltend begegnet es dem interessierten Leser. Auf 96 Seiten geht es aus ganz unterschiedlicher Sicht um dass Sehen und um die Blindheit. Fußball und Sehbehinderung ist eines der Themen, zu denen ganz persönliche Erfahrungen berichtet werden. Möglichkeiten der Kommunikation mit taubblinden Menschen werden beschrieben und Blindengärten unter die Lupe genommen – eine Themenvielfalt, die neugierig macht, ebenso wie das Punktschriftalphabet, das vom Umschlag abgetrennt werden kann. Wir danken dem Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck, für sein ermutigendes Grußwort.
Das Jahrbuch ist zu beziehen über die DBSV-Landesvereine; Einzelpreis: 1,50 Euro. Die Hörbüchereien bieten eine gesprochene Version zur Ausleihe an. Auch den Erholungseinrichtungen der Landesvereine steht je ein Kassetten-Exemplar zur Verfügung.

Die Zukunft liegt im Dunkeln: unsicht-Bar Berlin eröffnet am 5. 9.

Die unsicht-Bar Berlin, das einzigartige Dunkelrestaurant mit Dunkelbühne, wird am 05.09. eröffnet.
Zur Premiere werden zahlreiche prominente Gäste erwartet, die sich auf ein Festival der Sinne im Dunkeln freuen dürfen.
Die unsicht-Bar Berlin ist ein gemeinsames Projekt des Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenvereins Berlin gegr. 1874 e.V. (ABSV) und des Blindenhilfswerks Berlin. Die beiden Trägerorganisationen haben damit die größte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Blinde und Sehbehinderte in Berlin seit Jahrzehnten auf die Beine gestellt. Bis zu 17 von ihnen werden in der Service-Brigade von Restaurant und Bühne einen Arbeitsplatz finden.
Die unsicht-Bar Berlin befindet sich in der Gormannstr.14, Berlin Mitte; Service-Telefon: (0 30) 24 34 25 00.
Näheres im Internet: www.unsicht-bar-berlin.de.

Nachtschwärmer schon unterwegs

Bereits am 12. Juni d. J. eröffnete das privat geführte Dunkelrestaurant „Nocti vagus“ – Der Nachtschwärmer in Berlin-Prenzlauer Berg, Saarbrücker Str. 36 – 38. Zwölf Blinde bzw. Sehbehinderte fanden hier Voll- oder Teilzeitbeschäftigung. Die kulinarischen Angebote werden gewürzt durch klassische Musik, Jazz, Literatur und durch Erlebbares für alle Sinne. Service-Tel.: (0 30) 74 74 91 23.

Kultur im Dunkeln

Das Bar-Restaurant „blindekuh“ in Zürich hält für die nächsten Monate wieder viele kulturelle Genüsse für Sie bereit so z. B. Piano a la Carte – mit Andre Desponds, Rabenschwarz – Geschichten und Lieder aus dem Sarg, Molly Sweany – Kein Grund zum unglücklich sein - das Erfolgsstück der letzten Theatersaison (GW berichtete), Die Weisheit der Märchen - Autorenlesung mit Jens Gottschalk u. v. m.; Tel.: 0041/1/4 21 50 50.

Fachtagung

Vom 15. bis 17.11. findet die 10. Soester Fachtagung „Wege der Qualifikation für die Arbeit mit blinden und sehbehinderten Menschen“ statt. Sie steht in diesem Jahr unter dem Thema „Wege der Qualifizierung für die Arbeit mit blinden und sehbehinderten Menschen“. Kooperationspartner des BFW Soest sind in diesem Jahr die AG Braille und die AG Low Vision des Verbandes der Blinden- und Sehbehindertenpädagogen und -pädagoginnen. Nähere Informationen unter www.berufsbildungswerk-soest.de oder Tel.: (0 29 21) 68 42 28.

Integrative Angebote

Das „Haus der Begegnung“ Frankfurt am Main bietet im zweiten Halbjahr 2002 wieder viele Seminare und Exkursionen wie z. B. „Nix wie raus – fit in den Winter“, „Mit allen Sinnen – Bewegung, Meditation und Körperentspannung erleben“, Schnupperkurs Gewaltfreiheit, Ausdrucksmalen usw. an. Nähere Informationen unter Tel.: (0 69) 72 88 39, Internet www.hdb4you.de.

Aktionstag Bergisches Land

Die Blindenvereine der Städte Remscheid, Solingen und Wuppertal veranstalten gemeinsam am 12.10. in der Zeit von 10 bis 18 Uhr in den Räumen der St. Antonius-Gemeinde, Bernhard-Letterhaus-Str. 10, Wuppertal-Barmen, den Aktionstag Bergisches Land. Verschiedene Hilfsmittelfirmen bieten Produkte des täglichen Bedarfs an. Als besonderes Highlight wird ein „Café im Dunkeln“ demonstriert. Hier können sehende Personen selbst durchleben, eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen bei völliger Dunkelheit zu verzehren. Bedient werden die Gäste durch Blinde und Sehbehinderte der ausrichtenden Vereine. Nähere Informationen unter Tel.: (02 02) 8 90 44 88.

Modellprojekt

Ein NRW-weites Modellprojekt, das auf 2 Jahre angelegt ist, zum Thema „Mütter mit Behinderungen“ wurde mit Mitteln der „Aktion Mensch“ ins Leben gerufen. Das Hauptanliegen ist, Frauen, die mit einer Behinderung leben und Kinder haben bzw. sich wünschen, zu unterstützen, gesellschaftlich zu integrieren und zu vernetzen. Nähere Informationen unter Tel.: (02 31) 4 70 78 10 oder 47 70 78 11.

WYHIWYG - 42 Pfund für die Sterne

Was ist das?
3048. Zwei Menschen begegnen sich zur falschen Zeit am falschen Ort. Die Summe ihrer Körpermassen hat fatale Auswirkungen. Zwei sind einer zuviel an Bord, sagt ein Dritter namens WYHIWYG. Ene, meine, muh – und raus bist ...? Eine spannende, tragikkomische und völlig unglaubliche Weltraumgeschichte.
Das Künstlerkollektiv plasmagroup stellt seine neueste Produktion vor und präsentiert ein Live-Theater-Hörspiel, das durch seine akustische Konzeption für sehbehinderte, sehende und blinde Menschen geschaffen ist. Es geht ganz bewusst nicht darum, inhaltlich die sicher vielfältigen Probleme blinder und sehbehinderter Menschen in unserer allzu visuellen Welt zu thematisieren, sondern Menschen in unserer mit unterschiedlichen Wahrnehmungsfähigkeiten erhalten die Gelegenheit eines gemeinsamen Kulturgenusses. WYHIWYG (sprich waihiwig) ist eine deutsch-englische Koproduktion und wird im Theaterlabor in deutscher Sprache aufgeführt. Führhunde sind natürlich willkommen! Weiter Informationen unter www.plasmagroup.de/blind/wyhiwyg.html oder Tel.: (05 71) 9 73 23 36.

Hilfsmittelausstellungen des VzFB

Wuppertal, 12.10., 10 bis 18 Uhr, anlässlich des Aktionstages „Blinde und sehbehinderte Menschen im Bergischen Land“; St. Antonius Gemeinde Wuppertal-Barmen, Bernhard-Letterhaus-Str. 10.

Düsseldorf: 23. bis 26.10., REHACARE International auf dem DBSV-Gemeinschaftsstand, Messegelände Düsseldorf.
Nähere Informationen unter Tel.: (05 11) 9 54 65-0.

Hilfsmittelausstellung des VzFB

07.09., Leipzig, 10 – 17 Uhr, Tag der offenen Tür der DZB;
26.09., Weißenfels, 14 – 16 Uhr, Gaststätte Stadt Weißenfels, Merseburger Str. 67. Nähere Informationen unter Tel.: (03 51) 8 09 06 21.

Bewerberleitfaden

Die Publikation "Leitfaden zur erfolgreichen Bewerbung" der Stiftung Blindenanstalt ist jetzt in einer aktualisierten Ausgabe auf CD-ROM wieder bei der Stiftung Blindenanstalt zu beziehen.
Der Leitfaden enthält u.a. allgemeine Tipps zur Analyse von Stellenanzeigen, zur Erstellung der Bewerbungsunterlagen und zum Verhalten beim Vorstellungsgespräch. Darüber hinaus sind Formulierungsbeispiele zur Beschreibung der Behinderung im Anschreiben und Informationen zu den finanziellen Leistungen für Schwerbehinderte enthalten.
Der Text ist auf der CD ROM in verschiedenen Dateiformaten verfügbar. Bei Bestellung einer CD kann der Leitfaden zusätzlich in Schwarz- oder Punktschrift erworben werden.
Nähere Informationen bei
Stiftung Blindenanstalt Frankfurt am Main; Tel.: (0 69) 95 51 24 -0.

BIT-TIPP

"Rätselkalender 2000" - auszugsweise"
Erschienen bei Bassermann, 2000.
Es werden zuerst alle waagerechten und alle senkrechten Suchbegriffe angesagt. Die nicht besetzten Felder werden angegeben.

Deutsche Telekom:
"Das kleine Lexikon"
Erschienen September 1999.
Telekommunikation - von A wie Anklopfen bis Z wie Zielwahlspeicher.

Deutscher Diabetiker Bund (Herausgeber):
"Mehr Wissen über Typ-2-Diabetes"
Erschienen bei Kirchheim, Mainz, 1999.
Ohne Signalton, ohne Seitenzahlansage.
(Diese Titel sind alle auf Hör-Kassette lieferbar.)
Weitere Information unter Tel.: (0 89) 5 59 88-134.

DZB-aktuell

"Kinderland" - Das Schülermagazin für Mädchen und Jungen im Alter von 10 bis 16 Jahren beantwortet jeden Monat in Blinden- oder Schwarzschrift viele Fragen, ist ein Leseabenteuer mit Reiseberichten aus aller Welt, spannenden Reportagen über Tiere, geht auf Entdeckungsreise in die Welt des Wissens, wandelt auf Pfaden der Geschichte, begeistert Sportfans, hält seine Leser mit Infos aus der Welt des Rock und Pop auf dem Laufenden, gibt Buch- und Film-Tipps, besänftigt Ratewütige mit Rätseln, liefert Witze und Rezepte.

"Ketchup - Das Jugendmagazin"
Spannende Reportagen, Porträts, Informationen zu brisanten politischen und
gesellschaftlichen Themen, Fakten und Background-Informationen,
Reiseberichte, aktuelle Infos aus der Musikszene, Plattentipps, Computer,
Internet und Co, Wissenschaft und Technik, Kontaktwünsche, Such- und
Tauschangebote. Diese Zeitschrift erscheint monatlich auf Kassette.
Weitere Informationen und kostenlose Probeexemplare unter Tel.: (03 41) 71 13-120.

Internet-Recherche per Telefon:

Eine neue Form des Internetzugangs bietet die Firma PocketNet. Per Handy nennt man eine Anfrage und persönliche Berater suchen sofort an 365 Tagen im Jahr von 9 - 19 Uhr im kostenfreien Internet nach den gewünschten Informationen. Die Ergebnisse werden am Telefon vorgelesen. Damit könnte der neue Dienst ein interessantes Angebot für Blinde und Sehbehinderte werden, die keinen Internetzugang haben oder die Recherchen von unterwegs aus durchführen möchten.
Die Gebühren für die Internetrecherche per Handy sind nach Auskunft des Anbieters recht überschaubar. Neben den Telefonkosten für netzinterne Handygespräche fallen pauschal rund 11 Cent pro Tag an, und zwar unabhängig davon, wie oft man Informationen aus dem Netz benötigt. Der Zugang für jeweils zwei Monate zum Preis von 6,49 € kann unter www.pocketnet.de eingerichtet werden. Für Blinde und Sehbehinderte besteht die Möglichkeit der telefonischen Anmeldung. Alles hierzu ist unter der mobilen Hotline 0160-4077988 zu erfragen.

Wahlinformationen

Ein Paket mit Wahlinformationen aller im Bundestag vertretenen Parteien auf Kassette (PDS auf CD) ist kostenlos so lange der Vorrat reicht beim BIT-Zentrum erhältlich; Tel:: (0 89) 5 59 88-134.

Reliefkalender Höxter

Anlässlich ihres 75-jährigen Bestehens im Jahr 2003 gibt die Bezirksgruppe Höxter einen Reliefkalender mit dem Titel „Mit Augen und Händen“ heraus. Die einzelnen Blätter zeigen historische Gebäude. In Punkt- und in Schwarzschrift werden die Gebäude vorgestellt. Informationen und Bestellung bei Hans-Peter Heger; Tel.: (0 52 71) 3 64 80.

Audioführer durch Aachen

Auf Initiative des Blindenvereins Aachen Stadt und Land e. V. wurde mit Unterstützung von vielen Seiten ein Leitsystem für Blinde und Sehbehinderte durch die historische Innenstadt entwickelt. Die Wegbeschreibung mit Straßenquerungen und Signalanlagen, sowie die Erklärung der Brunnen, Denkmäler und historischen Gebäude werden über Kassette per Walkman vermittelt. Nähere Informationen beim o. g. Blindenverein; Tel.: (02 41) 55 32 82, oder beim Verkehrsverein Bad Aachen e. V.; Tel.: (02 41) 1 80 29 61.

Projekt

Weg mit den Barrieren

Kürzlich haben wir über ein Projekt mit der Abkürzung BIK berichtet. Was steckt dahinter? Ich spreche mit Karsten Warnke, dem Projektkoordinator:

Karsten Warnke: BIK steht für „Barrierefrei Informieren und Kommunizieren“. Das Projekt wird vom Bundesarbeitsministerium für drei Jahre gefördert.
Es geht darum, einerseits Internetseiten zugänglich zu machen, aber auch Intranets in Betrieben, CD-ROMs und auch grafische Programme – also auch Windows-Applikationen - zugänglich zu machen, die für die berufliche Eingliederung oder für die Sicherung von Arbeitsplätzen für Blinde und Sehbehinderte besonders wichtig sind.

Zugänglich machen heißt doch nicht, eigene Seiten gestalten, sondern ihr seid doch eher so eine Art Tür, oder?
Karsten Warnke: Ja, einerseits ist Tüv ein guter Vergleich. Wir testen die Seiten, stellen fest, wo es Zugangsprobleme gibt, wo es Barrieren gibt. Und wir beraten die Anbieter, die Web-Designer, die Programmentwickler, wie sie die Barrieren abbauen können.
Wir gucken uns die Seiten an, haben natürlich entsprechende Richtlinien im Hindergrund, das sind die WAI-Richtlinien (Web Content
Accessibility Guidelines), die weltweit Standards vorschreiben, wie man Web-Seiten so gestaltet, dass alle Behinderten einen Zugang haben. Wir sagen dann den Anbietern, hier sind Eure Barrieren und die könnt ihr mit diesen oder jenen Lösungswegen dann auch abbauen.

Ich weiß nicht, wie viele Web-Seiten es weltweit gibt, aber es sind wohl eine ganze Menge. Wo fangt ihr da eigentlich an?
Karsten Warnke: Wo fängt man an? Wo hört man auf? Es werden jetzt Prioritätenlisten erstellt. Das Projekt soll ja in erster Linie berufsrelevante Informationen zur Verfügung stellen, im weitesten Sinne heißt das auch, die Seiten der Deutschen Bahn oder der Telefonauskunft, aber auch Bereiche, wo Juristen die neuesten Gerichtsurteile recherchieren, wo sie auf CD-ROMs zurückgreifen müssen, um ihrer Arbeit nachkommen zu können.

Kann ich als Journalist von dem Projekt profitieren?
Karsten Warnke: Wenn du uns Seiten nennst, die für dich nicht zugänglich sind, sind wir gern bereit, diese Seiten auch zu testen, auf die Anbieter zuzugehen und hoffentlich dazu beizutragen, dass sie dann für dich auch zugänglich gemacht werden.

Sind diese Dienste für die Anbieter kostenlos oder müssen sie für die Beratung bzw. für die Mithilfe bei der Umgestaltung etwas bezahlen?
Karsten Warnke: Sie müssen erst einmal nichts bezahlen. Wir hoffen, dass wir nach drei Jahren so fit sind in unseren Beratungsstellen, dass wir damit auch auf den Markt gehen können. Und dann sind diese Angebote auch kostenpflichtig.

Die Prioritätenlisten erarbeitet das Projekt-Team. Nehmt ihr auch Vorschläge von Berufsgruppen und Fachgruppen entgegen?
Karsten Warnke: Wir erwarten und bitten natürlich darum, dass die Blinden und Sehbehinderten uns auf Seiten aufmerksam machen. Auf der einen Seite werden unsere Berater aktiv Recherche betreiben, nach den vorgegebenen Prioritäten. Aber das Web ist groß, und wir sind natürlich dankbar für jeden Hinweis.

Wer ist eigentlich beim Projekt dabei?
Karsten Warnke: Das ist ein Gemeinschaftsprojekt des DBSV, des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS) und einer Projektfirma in Hamburg, die Firma DIAS. Diese Firma hat seit Jahren Erfahrungen im Bereich der Forschung in Sachen Blinden- und Sehbehindertenwesen. Da gibt es z. B. die Hilfsmitteltests im Projekt INCOBS, Gebrauchstauglichkeitsprüfungen in Zusammenarbeit mit der Stiftung Warentest. Wir wollen die vielen Vorschläge, die es zur Gestaltung von Web-Seiten gibt, zusammentragen und bündeln und hoffen, dass wir auch Einfluss nehmen können auf die Gestaltung der speziellen Hilfsmittel, die sich ja auch den Herausforderungen des Internets stellen.

Wie sieht es aus mit den Web-Seiten der Blinden- und Sehbehindertenverbände? Sind die alle schon so topp, dass man da gar nichts mehr machen muss, oder sind die auch mit unter eurer Lupe?
Karsten Warnke: Sie sind sehr unterschiedlich. Und sie sind auch nicht unbedingt konform mit den WAI-Richtlinien. Sie sind sicher immer für Blinde und Sehbehinderte zugänglich. Wir wollen anspruchsvolle, mustergültige Seiten haben, die visuell ansprechend sind, die aber gleichermaßen zugänglich sind.
Wir sind dabei, die Seiten der Blinden- und Sehbehindertenverbände zu checken, zu analysieren und mit den Landesverbänden, mit dem DBSV, mit dem DVBS Kontakt aufzunehmen, um zu beraten und zu überzeugen, dass einiges geändert werden muss.
Ich hoffe, dass wir damit eine Grundlage schaffen, um im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit die Internetpräsenz besser abstimmen zu können, dass man Doppelgleisigkeit vermeidet, sich vernünftig miteinander vernetzt und so auch ein Gesamtbild präsentiert, was unseren Vorstellungen entspricht.

Wie viele Berater sind dabei? Und wie kann man euch erreichen, wenn man Fragen, Vorschläge oder Ideen hat?
Karsten Warnke: Wir befinden uns noch im Aufbau. Wir haben eine Beratungsstelle in Marburg, eine in Berlin, in Hannover; Frankfurt, Hamburg und München werden folgen.
Es wird einmal eine bundesweit erreichbare Rufnummer geben. Derzeit sollte man das Kompetenz-Zentrum in Hamburg anrufen: (0 40) 43 18 75 13. Die Homepage ist noch im Aufbau: www.bik-online.info.
(Das Gespräch führte Dr. Thomas Nicolai; Kassetten-Ausgabe Originalton.)

Medien

Und es gibt sie doch!
Von Dr. Thomas Kahlisch

Jahrelang hörte man es munkeln, gab es Gerüchte, Visionen und sogar schon Ankündigungen über eine neue Art von Büchern: Bücher in digitalem, strukturierten Format, mittlerweile schon recht bekannt unter dem Namen 'DAISY-Buch'. Damit hat stundenlanges Suchen mit Vor- und Zurückspulen und Einlegen von zig Kassetten pro Buch (von Bandsalat und ständig schwindender Tonqualität mal ganz zu schweigen) endlich ein Ende.
Das neue DAISY-Buch ist über PC oder auf MP3-Playern und auch auf Speziallesegeräten der Firmen Visuaide und Plextor in CD-Qualität abspielbar und fast immer vollständig auf einer einzigen CD gespeichert. Schnell und unkompliziert können Abschnitte oder ganze Kapitel übersprungen oder auch bestimmte Buchteile gesucht und gefunden werden.
Und das Beste: Es ist keine Zukunftsmusik mehr - nun ist es wirklich da!
Die Norddeutsche Blindenhörbücherei und die DZB Leipzig haben bereits über zweihundert verschiedene Daisy-Bücher produziert und fast täglich kommen neue hinzu. Was jetzt noch fehlt, sind testfreudige Ausleiher, die den Neuzugang kritisch anhören und eventuelle Schwierigkeiten melden oder Verbesserungsvorschläge machen.
Jeder, der Hörer bei einer Blindenbücherei ist, ein entsprechendes Abspielgerät (also PC, MP3-Player oder Spezialabspielgerät) besitzt und daran interessiert ist, von Anfang an mit dabei zu sein, kann sich in Hamburg oder Leipzig entweder per E-Mail
(NBH info@blindenbuecherei.de), (DZB bibliothek@dzb.de) oder unter den Telefonnummern NBH (0 40) 2 27 28 60; DZB (03 41) 71 13-116 als Testhörer anmelden und bekommt dann weitere Informationen und eine Liste der zur Zeit ausleihbaren DAISY-Bücher zugesandt.

Das Schaufenster Ausgabe 3/2002

Liebe Leserinnen, liebe Leser

Die Redaktion dieser Beilage ist - nachdem Frau Haar sie über etliche Jahre wahrgenommen hat - in andere Hände übergegangen. Mit einem Wechsel verbinden sich meist zwei Wünsche: Kontinuität und schöpferischer Neubeginn; beides soll sich finden.
Ein Prinzip soll Zusammenarbeit sein. So sollten auch Sie mitwirken, indem Sie Informationen, Erfahrungen, Vorschläge an die Gemeinde der Interessierten weiterreichen. Es kann sowohl um Haushalt, Hobby, Gesundheit, als auch um Unterhaltungselektronik und Kommunikation gehen. Hilfsmittel zur Mobilität sollen ebenso wenig ausgespart sein wie Artikel, die Sehbehinderten nützlich sind. Lassen Sie also von sich hören und lesen.
Mit der Hoffnung auf ein ergiebiges Zusammenwirken übernehme ich die Gestaltung für unser „Schaufenster“:

Lothar Rehdes
Förderzentrum für Blinde und Sehbehinderte gGmbH, Schlossstraße 92
12163 Berlin; Tel.: (0 30) 7 90 13 69 36,
E-Mail: Rehdes@fzbs.de


1. Schnurlostelefon Siemens Gigaset 4015 Comfort
2. Euronat - Ein Portemonnaie mit dem Euroscheintester
3. Farberkennungsgerät ColorTest 2000 von CARETEC
4. Handytest

1. Schnurlostelefon Siemens Gigaset 4015 Comfort

Immer wieder wird nach brauchbaren Telefonen mit Anrufbeantworter gefragt. Sieht man einmal davon ab, dass die Telekom mit ihrer T-Netbox einen Anrufbeantworterdienst bereitstellt, der durch seine Hörmenüs auch für Blinde sehr gut zu bedienen ist, ist an dieser auf das Telefon Siemens Gigaset 4015 aufmerksam zu machen.
Gigaset ist eine ganze Gerätefamilie bei Siemens. Das 4015 ist ein ergonomisch sehr ansprechend gestaltetes Schnurlostelefon. Die Menüsteuerung ist durch ein System von Zahlencodes ergänzt, mit deren Hilfe auch blinde Nutzer beinahe alle Einstellungen selbst vornehmen können. Es können Datums-, Zeit- und Weckereinstellungen sowie einmalige Terminerinnerungen mit Zahlencodes aktiviert werden. Leider ist nicht immer erkennbar, ob eine Funktion eingeschaltet ist oder nicht, da die Eingabe des Kommandos lediglich eine Umschaltung vornimmt.
Für Sehbehinderte, die vermutlich lieber das Menüsystem nutzen, wird der Quittungston nützlich sein, der zwischen dem letzten und ersten Punkt erklingt.
Der integrierte Anrufbeantworter gibt seine Statusmeldungen (z. B. verbleibende Restzeit) in Sprache aus. Das Anhören und Löschen der Nachrichten ist gut möglich. Wird der Anrufbeantworter aus der Ferne abgefragt, meldet er sich beim Vorhandensein neuer Nachrichten nach weniger Ruftönen, sodass, wenn keine neuen Nachrichten eingegangen sind, aufgelegt werden kann, bevor sich das Gerät meldet: Das hilft Geld sparen.
Weitere nützliche Ausstattungsmerkmale sind u. a. Freisprechen, Sprachwahl und Memofunktion.

2. Euronat - Ein Portemonnaie mit dem Euroscheintester

Mit dem Euronat haben Sie die Möglichkeit die Euroscheine zu erkennen. Auf der Münztasche des Portemonnaies sind zwei Lederstreifen aufgenäht, die jeweils 1 cm breit sind. Sie sind im Abstand von 6,7 cm zu einander angebracht. Hiermit überprüfen Sie die Geldscheine.
Die Euroscheine haben folgende Breiten:
5 Euro – 6,2 cm
10 Euro – 6,7 cm
20 Euro – 7,2 cm
50 Euro – 7,7 cm
100, 200 und 500 Euro sind alle 8,2 cm breit

Die Geldscheine sind nun wie folgt zu messen: Legen Sie den zu prüfenden Schein mit seiner Längsseite an die Innenseite des Streifens an. Erreicht er den zweiten Lederstreifen nicht, so ist dieser Schein ein 5 Euroschein, passt der Schein genau dazwischen, dann sind es 10 Euro. Gelangt der Schein etwas über den Lederstreifen, sind es 20 Euro und wenn der Schein das Ende des zweiten Lederstreifens erreicht, sind es 50 Euro.
Die Scheine 100, 200 und 500 Euro können mit dieser Messmöglichkeit auch erkannt werden.
Der Schein muss halbiert werden und mit dem Falz an den Lederstreifen innenseitig angelegt werden. Der 100-Euroschein liegt mit dem Ende auf dem Streifen, der 200-Euroschein reicht bis ans Ende des Streifens und der 500-Euroschein reicht über den Streifen hinaus.
Neben dieser praktischen Geldscheinmessmöglichkeit hat diese Geldbörse noch ausreichend viele Fächer für Ausweise und Karten etc.
Weitere Informationen sind beim BSV Hamburg unter Tel: (0 40) 2 09 40411, oder unter (07 51) 56 15 00 zu erhalten.
Annegret Walter

3. Farberkennungsgerät ColorTest 2000 von CARETEC

Das lange angekündigte Modell des Farberkennungsgerätes von CARETEC ist jetzt lieferbar. Dazu gibt CARETEC auf seiner Homepage bekannt:
"Ein komplettes Redesign und der Einsatz neuester Technologien ermöglichte zahlreiche Verbesserungen und Erweiterungen. Beispiele
Zwei Elektronenblitze leuchten das Objekt nun voll aus (Schattenbildung nicht mehr möglich);
Unterscheidet zwischen 545 verschiedenen Farbnuancen (bisher 150);
Universelle Farbbezeichnung (z.B.: "Dunkelrot"), wie auch herkömmliche Farbbeschreibung (z.B.: "Bordeauxrot"), wahlweise abrufbar;
Konventionelle Farbanalyse (Farbton, Helligkeit, Sättigung) und
spezielle Farbanalyse (Rot?, Grün? und Blauanteil), wahlweise abrufbar
Noch weiter verbesserte Licht? und Kontrastmessung
Zusatzfunktionen: Ausgabe von Datum und Uhrzeit, Eieruhr, Stoppuhr, Thermometer, elektronischer Würfel
Ohrhöreranschluss, Schnittstelle für PC und andere elektronische Geräte
Aufsteckvorrichtung zur Aceton? und Zuckermessung im Urin,
Farberkennung von kleinen Drähten (Litzen)
Modernes Design, Trageschlaufe.
Die Gestaltung des Gerätes ist sehr handlich. Mit 3 Knöpfen auf der Oberseite wird die gesamte Bedienung realisiert.
Wer mehr zu diesem nützlichen Helfer im Haushalt erfahren möchte, der kann sich direkt an CARETEC wenden.
Angeboten wird eine kostenlose Informationskassette und Informationen in elektronischer Form und als Prospekt.
CARETEC GmbH
Stubenbastei 1
A?1010 Wien (Österreich)
Tel: (+43 1) 513 80 81?0, Fax: ?9
Servicetelefon in Deutschland: 0180 ? 523 45 81
E-mail: office@caretec.at
Internet: www.caretec.at

4. Handytest

Hier ein Hinweis auf eine Publikation: Das Förderzentrum für Blinde und Sehbehinderte gGmbH hat gemeinsam mit der Stiftung Warentest Handys verschiedener Anbieter auf ihre Eignung für Blinde und Sehbehinderte geprüft. Der Bericht dazu erscheint voraussichtlich im Septemberheft der Zeitschrift „Test“.

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