Gegenwart 9 / 10 2004

Inhaltsverzeichnis

DBSV und BVN rufen auf:
Auf zum Protestmarsch nach Hannover!

Blindengeld:
Blindengeld von Abschaffung bedroht

Unser Standpunkt:
Gedanken zur "Woche des Sehens"

Woche des Sehens:
Ziel: 200 regionale Veranstaltungen und 50.000 Sehtests

 

DBSV-Nachrichten:

 

In Kürze:

 

Rechtsauskunft:

Leserpost:

Bericht:
Treffen mit Brailles Enkeln

Hilfsmittel:
Gewachsene SightCity

Umwelt:
Formen fühlen

Wissenschaft:
Blinde Menschen haben feineres Gehör

Berliner Bezirke:
Streifzug durch Spandau

Alltag:
Pizza-Duft als Geländer

Im Beruf:
Auszubildende machen ernst

Erinnerungen:
Punkt, Punkt, Komma, Strich

Urlaub:
Die Handleser unterwegs

Freizeit:
Von Zeus, einer herrlichen Insel und einem "Mythos"

Historisches:
Olympisches Museum Lausanne barrierefrei

Einrichtungen:
Blindenwohnheim in Meerbusch

Medien:
Zauberei auf dem Sender

Umwelt:
Formen fühlen

Wissenschaft:
Blinde Menschen haben feineres Gehör

Berliner Bezirke:
Streifzug durch Spandau

Alltag:
Pizza-Duft als Geländer

Im Beruf:
Auszubildende machen ernst

Erinnerungen:
Punkt, Punkt, Komma, Strich

Urlaub:
Die Handleser unterwegs

Freizeit:
Von Zeus, einer herrlichen Insel und einem "Mythos"

Historisches:
Olympisches Museum Lausanne barrierefrei

Einrichtungen:
Blindenwohnheim in Meerbusch

Medien:
Zauberei auf dem Sender

Sport:

Satire:
Wer den Schaden hat ...

Aus den Ländern:

Persönliches:

 

Nachtrag:
Kurzmeldungen

Unterwegs:
H wie Hund

Der Test
Der Holzwurm

Rätsel
Schmunzelecke

Serie:
Blinde Musikerpersönlichkeiten

BEILAGEN:

Blind sein - wie ist das?

 

Das Schaufenster 3/2004

 

Hörfilm-Forum:

 

Anzeigen:

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DBSV und BVN rufen auf:

Auf zum Protestmarsch nach Hannover!

Gegen die Abschaffung des Blindengeldes: Heute in Niedersachsen, morgen in ganz Deutschland!

Die niedersächsische Landesregierung fordert alle Bundesländer dazu auf, blinden Menschen das Blindengeld wegzunehmen. In Hannover will man mit schlechtem Beispiel vorangehen und zum 1.1.2005 das Landesblindengeld ersatzlos abschaffen.

Seien Sie gemeinsam mit uns dabei, wenn wir am 11. September mit einer machtvollen Demonstration den Verantwortlichen in Niedersachsen und ganz Deutschland zeigen, wie wichtig für uns der Erhalt des Blindengeldes ist. Denn eins ist sicher: Wird uns das Blindengeld in Niedersachsen weggenommen, ist dies der Anfang vom Ende dieses wichtigen Nachteilsausgleichs für blinde Bürgerinnen und Bürger auch in allen anderen Bundesländern. Wehren Sie sich, protestieren Sie mit. Nutzen Sie die Chance, dass blinde Menschen ab sofort nicht mehr zu "übersehen" sind.

Wir rufen alle blinden Menschen, ihre Angehörigen, Freunde und alle Mitbürger auf, sich am 11.9., ab 10.00 Uhr auf dem Schützenplatz zu versammeln. Von dort marschieren wir um 5 Minuten vor 12 zum Steintorplatz (ca. 2 km). Ab 13.00 Uhr findet dort die zentrale Kundgebung statt (Ende gegen 14.30 Uhr) geplant.

Bitte bringen Sie unbedingt Ihren weißen Blindenstock, Ihr Blindenabzeichen, Armbinden und Ihren Blindenführhund sowie Plakate und Transparente mit, auf denen Sie die Forderung nach Erhalt des Blindengeldes deutlich machen. Textvorschläge finden Sie im Internet unter www.dbsv.org/blindengeld

Als Zeichen der Solidarität für unsere gemeinsame Kampagne stellen Ihnen der BVN und der DBSV außerdem Schirmmützen und Schals mit dem Schriftzug www.blindengeld-muss-bleiben.de zur Verfügung.

An- und Abreise

Die Landesverbände und einige korporative Mitglieder des DBSV organisieren Busse oder gemeinsame Bahnfahrten zur Demonstration. Mehr dazu erfahren Sie unter der bundesweiten Telefonnummer
01805 - 666 456.

In der Bahnhofshalle in Hannover finden Sie am Aufgang zu Gleis 14 gekennzeichnete Helfer, die Sie zu den U-Bahn-Linien geleiten.

Den Schützenplatz erreichen Sie mit den U-Bahnlinien 3 und 7 (Richtung Wettbergen) und 9 (Richtung Empelde), jeweils 3 Stationen.

Zum Steintorplatz ist es mit der Linie 10 (oberirdisch vor dem Bahnhof) nur eine Station.

Anreise per Bus oder Pkw: Parkplätze stehen auf dem Schützenplatz zur Verfügung. Eine Anfahrtsbeschreibung kann beim BVN angefordert werden.

Sonstiges:

Am Schützenplatz und am Steintorplatz kann man sich mit einem kleinen Imbiss und Getränken versorgen.

Hotelreservierung:

Übernachtungsmöglichkeiten mit extra ausgehandelten Preisen bieten die nachfolgenden Hotels unter dem Buchungsstichwort "Blindenverband". Bitte melden Sie sich bei Bedarf selbst an.

Gästeresidenz Pelikan Viertel; Tel.: (05 11) 39 99-0.
Kleefelder Hof; Tel.: (05 11) 554740 0.

Informationen:

Für Rückfragen steht Ihnen der BVN zur Verfügung;
Tel.: (05 11) 51 04-0
E-Mail: info@blindenverband.org

Informationen über die aktuelle Situation erhalten Sie unter
www.dbsv.org/blindengeld und
www.blindenverband.org

Wir lassen uns das Blindengeld nicht nehmen: nicht 2001 in Bremen, nicht heute in Niedersachsen, nicht morgen in Deutschland!!!

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Blindengeld:

Blindengeld von Abschaffung bedroht

Die niedersächsische Landesregierung hat am 13. Juli angekündigt, das Landesblindengeld abschaffen zu wollen. Und sie hat gleich noch einen draufgesetzt und die Abschaffung in ganz Deutschland empfohlen.

Über die Auswirkungen einer Politik, die in ihrer Konsequenz blinde Menschen in die totale Finsternis verbannen würde, und über den aktuellen Kampf der Blinden- und Sehbehindertenorganisationen dagegen bin ich im Gespräch mit dem Präsidenten des DBSV, Jürgen Lubnau, und mit DBSV-Geschäftsführer, Andreas Bethke.

Angriffe auf das Blindengeld erleben wir ja nun schon seit Jahren, auch in Niedersachsen wurde im vergangenen Jahr schon kräftig gekürzt. Wie sieht der Präsident die aktuelle Situation?

Jürgen Lubnau: Das einkommens- und vermögensunabhängige Blindengeld ist die wichtigste Hilfe, die unsere Gesellschaft für blinde Menschen geschaffen hat. Sie hat unseren Personenkreis aus einer lebenslangen Abhängigkeit von Sozialhilfeleistungen herausgeführt. Reihum durch die Bundesländer wird das Blindengeld nun schon seit Jahren verringert. Blinde Menschen sanieren damit die Öffentlichen Haushalte ständig mit Sonderopfern. Die Grenze des Erträglichen ist hier längst erreicht. In Niedersachsen liegt das Blindengeld mit 409 Euro schon jetzt 30 Prozent unter dem Bedarf. Erst zu diesem Januar wurde es, verbunden mit der Zusicherung, dass blinde Menschen nun nicht weiter belastet würden, auf diesen Stand gekürzt. Es ist schon ein unglaublicher Vertrauensbruch, dass Hannover jetzt die komplette Abschaffung des Blindengeldes nicht nur in Niedersachsen vorbereitet. Entsprechend fordern wir bundesweit zum Widerstand gegen eine Politik ohne Maß und Erinnerungsvermögen auf.

Sind die Niedersachsenpläne nur verzweifelte Sparversuche oder steckt da System dahinter?

Andreas Bethke: In Baden-Württemberg werden noch in diesem Jahr die Landeswohlfahrtsverbände, die dort bisher für das Blindengeld zuständig waren, aufgelöst, ohne dass wir bisher wissen, wie genau es mit dem Blindengeld weitergeht. In Sachsen und in Schleswig-Holstein sind die Höhe der Blindengeldleistungen bis Ende 2004 bzw. Ende 2005 befristet. Wie es weitergeht, ist auch hier unklar. Aus Hamburg hören wir, dass eine Kürzung angekündigt und zusätzlich mit Schlimmerem gedroht wird. Wir wissen, dass sich die Sozialministerien der Länder auf allen Ebenen über das Thema Blindengeld austauschen. Wir dürfen also durchaus annehmen, dass Niedersachsen gerade ausprobiert, was auch andere Länder umsetzen wollen. Dies würde auch in den Trend passen, gesellschaftliche Solidarität nur noch gegenüber Bedürftigen zu leisten, die bereits arm sind. Entsprechend stricken einige Länder schon an Modellen für ausschließlich einkommens- und vermögensabhängige Behindertengelder, für die Anrechnung des Kindergeldes auf Leistungen nach Sozialhilferecht usw.

Wie passt eine solche Politik eigentlich zum Artikel 3 des Grundgesetzes, in dem der Satz steht "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden", und zu den Gleichstellungsgesetzen, die in den letzten Jahren verabschiedet wurden?

Jürgen Lubnau: Das passt tatsächlich nicht zusammen. Einerseits haben wir durchaus gemeinsam mit politischen Entscheidungsträgern viel erreicht - denken Sie nur an das neue Recht auf Assistenz am Arbeitsplatz oder an die Möglichkeit, künftig mit Herstellern zum Beispiel von Haushaltsgeräten über für uns besser bedienbare Geräte zu verhandeln. Auf der anderen Seite wird blinden Menschen nun aber die materielle Grundlage entzogen, diese neuen Möglichkeiten auch zu nutzen und ein einigermaßen selbstständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen. Und man kann sich dem Eindruck nicht erwehren, dass gerade bei blinden Menschen besonders harte Einschnitte vorgenommen werden, weil unsere Gruppe klein ist und die Politik hofft, dass sie das stillschweigend durchsetzen kann.

Wissen die Politiker eigentlich, wofür das Blindengeld notwendig ist?

Andreas Bethke: Wir müssen das bezweifeln, denn sonst wüssten sie, dass blinde Menschen schon ihren Alltag nur mit viel persönlicher Hilfe und mit teuren Hilfsmitteln bewältigen können: Denken Sie nur ans Kochen, Putzen, Einkaufen, Wäsche waschen, Kleidung auseinander halten, Post erledigen, Spazierengehen. Viele Wege, z.B. zur Arbeit, sind nur mit dem Taxi zu bewältigen. Bücher in Blindenschrift kosten das 10-fache eines normalen Buches. Vom Kassettenrekorder bis zum Computerhilfsmittel müssen geeignete Geräte gefunden und gekauft werden. Vom Finanzieren einer Urlaubsbegleitung will ich gar nicht reden. Hinzu kommt, dass blinde Menschen praktisch keine Hinzuverdienstmöglichkeiten haben und dass auch ihre Angehörigen dafür oft keinen Raum mehr haben. Denken wir nur an die Eltern blinder Kinder oder an die Partner späterblindeter Menschen.

Was wären die Konsequenzen, wenn das Blindengeld in Niedersachsen ab 2005 tatsächlich wegfallen würde? Die Landesregierung meint dazu, dass etwa 80 Prozent der Betroffenen dann ja Blindenhilfe nach dem BSHG bekommen würden?

Jürgen Lubnau: Das ist eine Fehleinschätzung. Das Sozialgesetzbuch XII, das ab 2005 gilt, setzt eine Vermögensgrenze von 2.600 Euro. Wer mehr hat, muss das Angesparte bis zu dieser Grenze erst verbrauchen, bevor Anspruch auf Blindenhilfe besteht. Das ist gerade für ältere Menschen, die sich eine Altersvorsorge aufgebaut haben, eine Katastrophe. Nicht einmal mehr für den eigenen Sarg dürfte man ausreichend Geld zurücklegen. Nicht 80 Prozent, sondern weit weniger als 20 Prozent wären, nach unseren Schätzungen, zunächst blindenhilfeberechtigt. Allerdings würde dieser Prozentsatz allmählich steigen, je mehr blinde Menschen ihr Vermögen aufbrauchen und in die Sozialhilfe abrutschen würden. Und eines steht fest: lebenslang behinderte Menschen, die einmal in der Sozialhilfe gelandet sind, blieben ihr Leben lang an die Sozialhilfe gebunden. Dafür ist dieses System nicht geschaffen und dagegen werden wir uns wehren.

Die Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe hat diesen Plänen also den Kampf angesagt. Was wird getan, um die Strategen der Finsternis zur Vernunft zu bringen?

Andreas Bethke: Unsere Organisationen und Einrichtungen in Niedersachsen haben sich unter der Leitung des BVN zusammengeschlossen, um gemeinsam zu handeln. Sie suchen den Austausch mit der Regierung und den Abgeordneten in Hannover und vor Ort. Sie gehen aber auch an die Öffentlichkeit, mit Pressearbeit und medienwirksamen Aktionen, und sie brauchen unsere bundesweite Unterstützung. Unsere Task Force Blindengeld koordiniert die Aktivitäten deshalb deutschlandweit. In ihr wirken als unsere Blindengeldexperten 10 Juristen, Öffentlichkeitsarbeiter und Entscheidungsträger zusammen. Ziel der Task Force ist es, die Organisationen der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe bundesweit zusammenzuschmieden, die Korporativen Mitglieder des DBSV um ihre Unterstützung zu bitten, weitere Bündnispartner unter den Verbänden und in der Politik zu gewinnen und gemeinsam den Erhalt des Blindengeldes zu betreiben. Dafür schreiben die Mitglieder der Task Force Argumentationshilfen, dafür entwickeln sie Aktionsvorschläge, dafür regen sie geeignete Gespräche an und dafür bitten sie jetzt vor allem alle Betroffenen einschließlich ihrer Angehörigen und Freunde um ihre Mithilfe.

Was kann der Einzelne tun?

Jürgen Lubnau: Unser Land muss erleben, dass blinde Menschen keine unsichtbare und stille Minderheit mehr sind. Es ist notwendig, dass wir dies im wahrsten Sinne des Wortes eindrucksvoll demonstrieren. Wir bitten alle, die das ermöglichen können, darum, an der größten Demonstration, die in Deutschland von blinden und sehbehinderten Menschen jemals organisiert wurde, teilzunehmen. Kommen Sie am 11. September nach Hannover. Treffpunkt ab 10 Uhr am Schützenplatz. Um 5 Minuten vor 12 starten wir dort unseren etwa 2 km langen Demonstrationszug durch die hannoversche Innenstadt bis zum Steintorplatz. Dort findet um 13.15 Uhr die Protestkundgebung statt. Natürlich ist auch die Teilnahme nur an dieser Kundgebung möglich. Der Steintorplatz liegt nur 10 Minuten vom Hauptbahnhof entfernt. An- und Abreise organisieren ihre Blinden- und Sehbehindertenvereine vor Ort.

Bei Ihren Vereinen erhalten Sie auch Unterschriftenlisten, mit denen wir gegen die Abschaffung des Systems der Landesblindengelder protestieren wollen.

Unterschriftenlisten, nähere Informationen zur Demonstration und zu weiteren Aktionen erfahren Sie auch auf der Internetseite www.blindengeld-muss-bleiben.de

Das System der einkommens- und vermögensunabhängigen Blindengelder ist deutschlandweit von der Abschaffung bedroht.

Es ist wichtig, dass wir uns organisieren, damit unsere Bedürfnisse in diesem Land nicht unter die Räder kommen. Treten Sie den Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfeorganisationen bei. Informieren Sie sich zum Beispiel unter der bundesweit gültigen Rufnummer 01805/666 456, Gesprächspreis pro Minute nur 12 Cents.

Klare Worte vom Präsidenten und vom Geschäftsführer des DBSV. Ich danke Jürgen Lubnau und Andreas Bethke.

(Das Gespräch führte Dr. Thomas Nicolai; Kassetten- und DAISY-Version Originalton.)

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Unser Standpunkt:

Gedanken zur "Woche des Sehens"

In diesem Jahr begehen wir zum dritten Mal die "Woche des Sehens" vom 09. bis 15.10.

Ich schreibe mit Bedacht "begehen", denn es soll nichts "durchgeführt" werden oder so ähnlich ...! - Begehen hat für mich den Charakter des "Dabeiseins", da tun nicht Andere etwas für uns, sondern wir tun selbst etwas!

Nun werden einige von Ihnen sagen: "Woche des Sehens", was ist das schon, eine neue Verpackung für einen Inhalt, der sein "Verfallsdatum" schon überschritten hat, oder was ...? Nein, es soll ein weiterer Höhepunkt zum Thema Blindheit und Sehen mit einer neuen Qualität sein, neben den schon "traditionellen" Tagen, wie dem "Sehbehindertentag" und dem "Tag des weißen Stockes". Letzterer fügt sich ja bewusst in diese Woche ein.

Wo ist nun der "alte" Inhalt zu suchen? Es bleibt dabei und fordert uns wie lange nicht mehr dazu heraus, die Aufmerksamkeit und das Verständnis der Öffentlichkeit auf unsere Probleme lenken zu müssen. Mehr denn je müssen wir der Gesellschaft deutlich machen, dass behinderte, insbesondere blinde und sehbehinderte Menschen, zunehmend ausgegrenzt werden, wenn man sie durch sozialen Kahlschlag ihrer Nachteilsausgleiche beraubt.

Andererseits ist die "Vermeidung von Blindheit" eines der vornehmsten Ziele der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe. Herauszustellen ist schließlich das Bemühen, unseren Betroffenen "Hilfe zur Selbsthilfe" zu geben.

Was macht nun die "neue Qualität" aus? Für mich ist diese Frage weniger aus den Inhalten und den Präsentationen oder Events zu beantworten, vielmehr ist es gelungen die Verbände der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe und die Verbände der für blinde und sehbehinderte Menschen Tätigen zusammenzuführen und gemeinsamen Zielen zu verpflichten.

Dabei galt es die Schatten eigener "Kirchtürme" zu verlassen und bestimmte "Befindlichkeiten" zu überwinden. Dass dies gelungen ist, zeigt der Erfolg, der im vergangenen Jahr mit den Aktionstagen erreicht wurde. Dabei waren die Ergebnisse nicht allerorts vergleichbar, aber auch hier sollte man einen stetigen Lernprozess akzeptieren und versuchen in jedem Jahr eine Verbesserung zu erreichen.

Für mich ist es noch immer ein großer Erfolg, dass sich neben dem DBSV zahlreiche Organisationen zusammengefunden haben und ihre Interessen zum Wohle der blinden und sehbehinderten Menschen in Deutschland und darüber hinaus koordinieren.

Die Entwicklung der letzten Jahre, Monate und Wochen zeigt uns doch sehr schmerzlich, dass es notwendig ist sich zum Kampf gegen weiteren "Sozialabbau" Verbündete zu suchen, gemäß dem alten Gleichnis, dass man "ein Stäbchen leicht bricht, ein ganzes Bündel aber nicht"! So soll auch die "Woche des Sehens" für uns eine Plattform sein, weitere "Verbündete" für unsere Arbeit zu finden und "ins Boot" zu bekommen.

Waren im vergangenen Jahr als Schwerpunktregion die neuen Bundesländer Träger der Aktionswoche, so ist es in diesem Jahr Südwestdeutschland. Allen aktiv an der Tournee Beteiligten und denen, die an der Organisation weiterer Events im Rahmen der "Woche des Sehens" beteiligt sind, wünsche ich das "Glück des Tüchtigen" und damit Erfolg.

Als Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe werden wir uns für die Zukunft darauf einstellen müssen, neue Wege zu beschreiten und uns von vielem "lieb Gewordenen und Gewohnten" zu trennen.

Bei all den notwendigen Auseinandersetzungen, die noch vor uns stehen, werden wir irgendwann sagen: "... es war gut, dass wir dabei waren!"

Hans-Joachim Krahl  

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Woche des Sehens:

Ziel: 200 regionale Veranstaltungen und 50.000 Sehtests

Die Kampagne Woche des Sehens will nach 2 Jahren rasantem Wachstums die Gesamtzahl und die Vielfalt der Aktionen zum Thema "Blindheit verhüten, Blindheit verstehen" noch einmal deutlich steigern

Mit einem deutlich erweiterten Informations- und Aktionsangebot findet vom 9. bis 15.10.2004 zum dritten Mal die "Woche des Sehens - Blindheit verhüten, Blindheit verstehen" statt. Nach Nordrhein im Jahr 2002 und den neuen Bundesländern im vergangenen Jahr ist nun Südwestdeutschland Schwerpunktregion der Aktionswoche. Die Tournee der Woche des Sehens startet am 11. Oktober in Stuttgart und führt über Freiburg, Mannheim und Saarbrücken nach Mainz. Dort findet am Tag des weißen Stockes die große Abschlussveranstaltung der Aktionswoche statt. Geplant sind unter anderem eine Abschlusspressekonferenz der Aktionswoche, Musikdarbietungen, ein Dunkelcafé und eine Film-Preview des Films "Blindgänger".

Begleitet wird die gesamte Tournee von dem Dunkelgang der Christoffel-Blindenmission, in dem sehende Menschen mit verbundenen Augen einen Hindernisparcours mit Hilfe eines Langstockes meistern müssen. Außerdem sind natürlich Informationsstände aller Partnerorganisationen der Woche des Sehens jeweils vor Ort.

Aktionen der Blindenverbände

Doch auch im übrigen Bundesgebiet soll während der Woche auf die Ziele der Woche des Sehens aktiv hingewiesen werden. Motto für die Aktionen der Blinden- und Sehbehindertenvereine ist "Wie ist das, blind zu sein?". Hinter dieser Frage steckt natürlich die Aufforderung an sehende Menschen, sich in die Situation blinder Menschen hineinzuversetzen. Alle Organisationen und Institutionen des Blinden- und Sehbehindertenwesens wie Blinden- und Sehbehindertenvereine, DVBS- und Pro Retina-Gruppen, Hilfsmittelhersteller, Führhundschulen, Hörbüchereien und Rehabilitationstrainer wurden aufgefordert, während der Woche geeignete Aktionen für sehende Menschen durchzuführen. Vorgeschlagen wurden unter anderem Aktionen wie die Einrichtung von Dunkelcafés, das Ertasten von Blindenschrift und viele weitere Aktionsideen, die in einem Aktionsleitfaden detailliert beschrieben sind. Natürlich sind in dem Leitfaden auch wieder die "Aktionsklassiker" wie die Vorführung von Hörfilmen oder die Präsentation, wie blinde Menschen im Internet surfen, zu finden. Ehrgeiziges Ziel ist es, bundesweit 200 solcher Veranstaltungen in den sieben Tagen im Oktober zu initiieren. Zweck dieser Veranstaltungen ist es - angesichts des aktuellen Kampfes um das Blindengeld aber nicht nur - das Leistungsvermögen von blinden Menschen zu demonstrieren, sondern auch zu zeigen, in welchen Situationen blinde Menschen noch unbedingt die Hilfe von Sehenden benötigen.

Aktionen von Augenoptikern, Augenärzten und DVBS

Auch die anderen Partnerorganisationen der Woche des Sehens sind dieses Jahr noch aktiver als in den vergangenen Jahren dabei. Die Augenoptiker wollen während der Woche des Sehens 50.000 Sehtests durchführen. Das wäre die größte Sehtestaktion, die in Deutschland jemals durchgeführt wurde. Sämtliche Augenärzte in Deutschland sind von ihrem Berufsverband aufgerufen, während der Woche Sehnerv-Checks und Glaukom-Vorsorgeberatungen durchzuführen, um auf die Gefahr dieser Augenerkrankung aufmerksam zu machen.

Der DVBS wird unter dem Motto "Null Prozent Sehleistung - 100 Prozent Leistung im Beruf" eine Kontaktbörse für Arbeitgeber und arbeitssuchende blinde Menschen ins Leben rufen.
Unter pr@dvbs-online.de oder der Telefonnummer (0 64 21) 9 48 88 - 35 können sich während der Woche interessierte Arbeitgeber und Betroffene darüber informieren, in welchen Berufen blinde Menschen mit welchen Hilfsmitteln bereits arbeiten, welche Förderungsmöglichkeiten der öffentlichen Hand es für die Anstellung behinderter Menschen gibt und wie sie am besten einen geeigneten Bewerber finden bzw. welche Wege es für den blinden und sehbehinderten Menschen gibt, einen Arbeitsplatz zu finden.

Spendenaktion

Erstmals findet im Rahmen der Aktionswoche in diesem Jahr auch eine Spendenaktion statt. Die eingenommenen Spendengelder werden zu gleichen Teilen auf zwei Projekte verteilt: Ein Projekt zur Verhütung und Heilung von Blindheit in Ruanda und die Förderung der Braille-Schrift in Deutschland. Konkrete Projektbeschreibungen, wofür die eingehenden Gelder verwendet werden sollen, sind unter

www.woche-des-sehens.de zu finden.

Aktionsmittel und finanzielle Förderung

Für die Veranstaltungen stehen neben dem Aktionsleitfaden, der Anregungen für mögliche Veranstaltungsformen, wertvolle Tipps zu deren Vorbereitung, Organisation und Durchführung liefert, eine Vielzahl von Aktionsmitteln zur Verfügung: Broschüren im Format DIN A Lang, Plakate im Format DIN A2, Flugblätter im Format DIN A4, auf deren Rückseite selbst Veranstaltungsdaten gedruckt werden können, sowie Gewinnspielkarten mit einem über die Braille-Schrift lösbaren Rätsel. Alle genannten Aktionsmittel sind kostenlos und können beim Projektkoordinator der Woche des Sehens bestellt werden. Für Außenaktionen können sich Aktionsveranstalter auch Großbanner mit dem Schriftzug "Woche des Sehens" und dem Logo der Kampagne ausleihen.

Wichtig ist den Trägerorganisationen der Aktionswoche, dass die Gemeinsamkeit der Aktion in den Vordergrund tritt. Sie erstatten deshalb für Aktionen, an denen mindestens drei Partnerorganisationen beteiligt sind, die Sachmittelkosten gegen entsprechende Nachweise. Blindenvereine, die Aktionen in der Woche durchführen wollen, sollten deshalb beispielsweise ihren örtlichen Augenarzt und Augenoptiker für eine gemeinsame Aktion gewinnen. Details zu den Voraussetzungen für die finanzielle Förderung sind ebenfalls dem Aktionsleitfaden zu entnehmen.

Sind Sie dabei?

Einen stets aktuellen Überblick über die Veranstaltungen finden Sie im Internet unter
www.woche-des-sehens.de Hier können auch eigene Veranstaltungen in der Woche bekannt gemacht und Kooperationspartner gesucht werden.

Weitere Informationen sind beim
Projektkoordinator der Aktionswoche für die regionalen Aktionen,
Herrn Roland Zimmermann unter der
Tel.: (0 30) 28 53 87-28 und der
E-Mail-Adresse: r.zimmermann@woche-des-sehens.de

zu erhalten.

Roland Zimmermann/Thomas Krieger  

Träger der Kampagne sind:

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DBSV-Nachrichten:

Online-Newsletter dbsv-direkt gestartet

Mit dem offiziellen Aufruf zur Demonstration in Hannover startete der DBSV am 02.08. einen neuen, kostenlosen Informationsservice. Der Newsletter dbsv-direkt will etwa einmal pro Woche schnell, aktuell und prägnant über Themen berichten, die blinde und sehbehinderte Menschen bundesweit betreffen. Aktuelle Themenbeispiele sind das Blindengeld, die Freifahrtregelung für behinderte Menschen, die Befreiung von GEZ-Gebühren, aber auch neue Rehabilitationsangebote und Ähnliches. "Mit dem Newsletter wollen wir auch unsere Kampagnenfähigkeit stärken", so Andreas Bethke, Geschäftsführer des DBSV. "In Zeiten, in denen Beschlüsse wie Kürzungen des Blindengeldes innerhalb von vier Wochen durch die Parlamente gepeitscht werden, müssen wir Mittel und Wege zur Verfügung haben, um genauso schnell reagieren und mobilisieren zu können. Dafür ist dbsv-direkt ein wichtiger Baustein."

Um den Newsletter zu beziehen, reicht das Absenden einer E-Mail ohne Betreff und Inhalt an die Adresse join-dbsv-direkt@kbx.de .

Alternativ ist eine Anmeldung über die DBSV-Internetseite www.dbsv.org möglich. Hier ist nur die E-Mail-Adresse einzugeben und der Button "Los!" zu betätigen. Eine Abbestellung ist jederzeit wieder möglich.

Thomas Krieger  

Unterschriftenaktion

Im Interview mit Jürgen Lubnau und Andreas Bethke zur drohenden Abschaffung des Blindengeldes wird zu einer bundesweiten Unterschriftenaktion aufgerufen. Sammeln auch Sie Unterschriften für den Erhalt des Blindengeldes! In der Schwarzdruck-Ausgabe finden Sie eine Unterschriftenliste, die Sie gern kopieren und weitergeben können. Gewinnen Sie Freunde, Bekannte, Kollegen, Nachbarn und weitere Bürger für eine Unterschrift.

Poster "Hände weg vom Blindengeld"

In der Schwarzdruck-Ausgabe liegt ein Poster bei, mit dem die "Gegenwart" den Kampf um den Erhalt des Blindengeldes unterstützen will. Bringen Sie das Poster mit zur Demonstration oder bringen Sie es dort an, wo möglichst viele Menschen die Botschaft lesen können: "Hände weg vom Blindengeld!"

Seminar für Aktive in der Jugendarbeit

Dieses DBSV-Seminar findet vom 12. bis 14.11. in Timmendorfer Strand und Hamburg statt.

Aus dem Programm:

Tagung für die Taubblindenberater der DBSV-Landesvereine und weitere Fachleute

Termin: 30.10. bis 01.11. in Osterode und Hannover.

Aus dem Programm:


Nähere Informationen und Anmeldung zu beiden Veranstaltungen beim
DBSV-Sozialreferat, Reiner Delgado
Tel.: (0 30) 28 53 87-24
E-Mail: r.delgado@dbsv.org .

DBSV-Broschüren auf Kassette

Jetzt erhältlich auf Kassette sind die beiden DBSV-Broschüren "Wenn Diabetes ins Auge geht" (1 Kassette, 2,50 Euro) und "Dein Weg geht weiter" (2 Kassetten, 5,00 Euro).

Zu beziehen bei der
DBSV-Geschäftsstelle
Rungestr. 19, 10179 Berlin
Tel.: (0 30) 28 53 87-11
Fax: (0 30) 28 53 87-20
E-Mail: publik@dbsv.org .

Jahrbuch erschienen

Das DBSV-Jahrbuch 2005 ist jetzt in Schwarzschrift sowie als CD ROM (mit Textdateien, einer PDF-Version und einer Hörfassung im DAISY-Format) erschienen. Preis 8 Euro.

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In Kürze:

Literaturwettbewerb "Punkt für Punkt die Welt erobern"

Am 19. März 2005 ist es so weit: 100 Jahre "Stiftung Centralbibliothek für Blinde" in Hamburg. Aus diesem Anlass laden wir Sie ein, sich an einem Schreibwettbewerb zu beteiligen, dessen Thema die sechs Punkte sind, die für uns die Welt bedeuten. Ob Sie uns Ihr schönstes Gedicht oder ein für Sie bedeutsames Erlebnis als Kurzgeschichte zuschicken - Hauptsache, es geht um Punktschrift und Sie schreiben in Punktschrift. Es winken attraktive Preise, über die wir Sie demnächst an dieser Stelle informieren werden.

Stiftung Centralbibliothek für Blinde
Herbert-Weichmann-Straße 44-46, 22085 Hamburg
Tel.: (0 40) 22 72 86-11
Fax: 22 72 86-20
E-Mail: cb@blindenbuecherei.de

Theaterstück mit Audiodeskription

Für den 09.10. ist im Schauspielhaus Kiel die Aufführung des Theaterstückes "Das Kätchen von Heilbronn" mit Audiodeskription vorgesehen.

Aktuelle Informationen dazu bei:
Hela Michalski
Tel.: (0 48 81) 71 72
E-Mail: hw.michalski@t-online.de

Blindheit in Liturgie und Kunst

Eine uns besonders interessierende Kooperation gibt es mit dem Künstler Gerhard Mevissen. Er gestaltet einmal Kunst für blinde Menschen, und führt darüber hinaus blinde und sehende Menschen in eine enge Kommunikation. Den Rahmen bildet die Ausstellung "Blindgänge" vom 26.09. bis 24.10. in St. Rochus, Köln-Bickendorf. In den Blindgängen aktualisiert Mevissen die Geherfahrungen blinder Menschen in der Großstadt - bislang mit den Beispielen Madrid und Berlin. In Form einer Installation mit zwei Toren, einem Inneren und einem äußeren Bereich legt er den Bildraum an.

Die Eröffnung findet am 26.09. mit einem Gottesdienst um 11.15 Uhr statt.

Die Veranstaltung "Entleuchtung" am 09.10., 20 Uhr, betrachtet die Bedeutung dieses Wortes unter gegenläufigen Begriffen: einerseits: "ärmer" werden, "Verlust erfahren", andererseits: "Konzentration", "Verinnerlichung".

Nähere Informationen sind erhältlich in der
Pfarrei St. Rochus in Köln:
www.rochuskirche.de oder bei

Deutsches Blindenhilfswerk
Lotharstr. 116, 47057 Duisburg
Tel.: (02 03) 35 53 77
E-Mail: info@blindenhilfswerk.de

Ausstellung "Lichtpause"

Vom 02.09. bis zum 18.10. ist im Berliner Kleisthaus, Mauerstr. 53, die Ausstellung "Lichtpause - fühlen um zu begreifen" in der Veranstaltungsreihe des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Karl Hermann Haack, zu erleben; Skulpturen und tastbare Bilder können mit allen Sinnen erfahren werden. Im Rahmen dieser Ausstellung wird sich auch der DBSV mit zwei Veranstaltungen präsentieren:

Eriko Watanabe, Studentin aus Japan
Thomas Abel, Psychologe
Eckhard Seltmann, Lehrbeauftragter und Autor,
Elke Zollitsch, Lehrerin im Ruhestand und Buchautorin.
Musikalische Zwischentöne: Martin Knopf.

Beginn jeweils 19.00 Uhr.

Eine vorherige Anmeldung beim Kleisthaus ist erforderlich.
E-Mail: info@behindertenbeauftragter.de
Internet: www.behindertenbeauftragter.de
Fax: 01888-527-1803

AGENDA 22 in deutscher Sprache

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedete am Ende der Internationalen Dekade der Behinderten (1982-1992) auf der Grundlage der Menschenrechte die 22 UN-Standardregeln. Die schwedische Behindertenbewegung erarbeitete auf Grundlage dieser Regeln die AGENDA 22 und machte die Umsetzung in die europäische Praxis handhabbar. Der im Oktober 2001 vorgelegte Leitfaden wurde vom European Disability Forum (EDF) autorisiert und wendet sich an Politiker, Behörden und Behindertenorganisationen, die gemeinsam als gleichberechtigte Partner eine Gesellschaft mit denselben Entfaltungsmöglichkeiten für alle Bürger gestalten.

Die AGENDA 22 mit ihrer "Toolbox" passt sehr gut zum nationalen Teilhabeplan, den Karl Hermann Haack, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, am 18.2.2004 auf der Bilanzveranstaltung zum EJMB vorstellte und forderte, dass auf allen Handlungsebenen die Einbeziehung behinderter Menschen als "Experten in eigener Sache" durchgehend sichergestellt werden müsse. Die AGENDA 22 können Sie hier herunterladen: www.dvfr.de/mediabase/documents/Agenda22deutsch.pdf

Als Broschüre ist die AGENDA 22 kostenlos erhältlich bei:
Fürst Donnersmarck-Stiftung, Berlin
Tel.: (0 30) 76 97 00-0
E-Mail: post.fdst@fdst.de

Mutter-Kind-Kuren

Das "Haus am Meer" in Zingst (Ostsee) will spezielle Kuren für blinde bzw. sehbehinderte Mütter mit ihren Kindern anbieten. Erste Erfahrungen liegen bereits vor. Auch der Blindenführhund muss nicht zu Hause bleiben.

Nähere Informationen unter
Tel.: (03 82 32) 8 20-0
E-Mail: haus-am-meer@aw-kur.de

FIT - für die Integration

Seit September 2002 unterstützt die Maßnahme FIT blinde und sehbehinderte arbeitslose Menschen bei der Integration auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. Voraussetzung für die Teilnahme ist eine berufliche Grundbildung mindestens auf dem Niveau einer berufsvorbereitenden Maßnahme. Ab 01.10. beginnt erneut eine Folgemaßnahme.

Nähere Informationen zum Ablauf und Inhalt bei der
Nikolauspflege Stuttgart, BISS
Am Kräherwald 271, 70193 Stuttgart
Tel.: (07 11) 65 64-2 49 oder -2 67
E-Mail: biss.nikolauspflege.de
Internet: www.nikolauspflege.de

IIP-Technologies in der Endausscheidung für den Deutschen Gründerpreis

Am 22.06. wurde in Berlin der deutsche Gründerpreis vergeben. Die Firma IIP-Technologies erhielt dabei eine Nominierung als eines der besten drei Unternehmen der Kategorie "Visionär"- In der Entwicklung eines Lernfähigen Retina Implants ist ein gesellschaftlich relevantes, visionäres Thema erkannt und unternehmerisch umgesetzt worden. Das Unternehmen hat sich primär auf die Entwicklung eines lernfähigen Neuroimplantats zum Einsatz bei Erblindung infolge von degenerativer Erkrankungen der Netzhaut spezialisiert.

Der Gründerpreis wird seit 2002 von den Partnern Stern, den Sparkassen, Mckinsey&Company und dem ZDF an Unternehmen in verschiedenen Entwicklungsphasen verliehen, die für beispielhafte und herausragende Leistungen prämiert werden sollen.

Kompetenz- und Referenzzentrum in Bonn

Das bisherige Multi-Media-Center Bonn (MMC Bonn) wird zum "Kompetenz- und Referenzzentrum für barrierefreie Kommunikation". Die Trainings- und Beratungsangebote für Menschen mit Behinderungen werden, wie gewohnt, aufrecht erhalten.

Leih-Tandem in Marburg

Ein ganz besonderes Gefährt haben die Stadtwerke Marburg (SWM) jüngst in ihren Fuhrpark aufgenommen: Zwischen Gelenkbussen und den Dienstwagen der Stromableser tummelt sich jetzt auch ein Tandem.

Es ist mit einer 24-Gang-Schaltung, hydraulischen Bremsen und weiteren Schikanen ausgestattet. Nicht nur blinde und sehbehinderte Menschen können das neue Tandem im Parkhaus Oberstadt am Pilgrimstein ausleihen.

Nähere Informationen unter
Tel.: (0 64 21) 20 51 51

Singwochenende in Gelsenkirchen

Unter der bewährten Leitung von Holger Kunz führt die Fachgruppe für Hauswirtschaft und Familie des BSV Westfalen e.V. vom 15. bis 17.10. im Gelsenkirchener Hotel Maritim wieder ein Singwochenende durch.

Einzelheiten können erfragt werden bei:
Margret Gajewski
Tel.: (02 09) 81 44 50 (tagsüber bis 20.00 Uhr) oder per
E-Mail: Hauswirtschaft@bsvw.de mit dem Betreff: Anfrage zum Singwochenende.

Material für Heimbeiräte

Das Netzwerk People First Deutschland e.V. hat zur Unterstützung von Heimbeiräten in Wohneinrichtungen insbesondere für behinderte Menschen eine Materialiensammlung in einem Umfang von 8 Heften entwickelt. Unter dem Gesamttitel "Wir haben auch Rechte!" werden in den Unterlagen die wichtigsten Inhalte der Heimmitwirkungsverordnung sowie viele weitere nützliche Tipps für die Arbeit von Heimbeiräten vermittelt. Dabei verwendeten die Autoren eine möglichst einfache Sprache und Darstellung, um auch die Menschen zu erreichen, die einen höheren Unterstützungsbedarf haben.

Die Materialiensammlung kann direkt beim Netzwerk People First Deutschland e.V. bezogen werden
Tel.: (05 61) 7 28 85-55
E-Mail: info@people1.de

Führungen im Schloss Eutin

Spezielle Führungen für blinde und sehbehinderte Besucher bietet das Barockschloss Eutin (Schleswig-Holstein) noch in den Monaten September und Oktober an.

Nähere Informationen und Buchung unter
Tel.: (0 45 21) 70 95-0

Sehbehindertenseminar

"Kommunikation aktiv gestalten"; zu diesem Thema findet vom 30.10. bis 02.11. in Saulgrub ein Interaktionstraining für sehbehinderte Menschen in beruflichen und alltäglichen Situationen (Sprache, Stimme, Körper) statt.

Nähere Informationen bei:
Aura-Hotel Saulgrub
Tel.: (0 88 45) 99-0
E-Mail: saulgrub@bbsb.org

Reiseangebote

Das Besondere ist, das alleinreisenden blinden und sehbehinderten Teilnehmern vor Ort kostenlos eine Begleitperson zur Verfügung gestellt werden soll.

Anmeldung (für beide Reisen) bis 30.09.

Nähere Informationen bei
Susanne Hahn
Tel.: (09 51) 2 97 10 80
E-Mail: suhahn@web.de

Rolli-Wegweiser für Mittelmosel

Der "Rolli-Wegweiser für die Region Mittelmosel" wurde jetzt vom Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter, Bereich Mittelmosel, fertig gestellt. Die kleine Broschüre informiert über barrierefreie Einrichtungen und Gebäude von Kröv bis Piesport.

Für Menschen mit Körperbehinderung ist der Rolli-Wegweiser bei der Suche nach barrierefreien Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten oder einer behindertengerechten öffentlichen Toilette eine nützliche Hilfe.

Die Angaben über die Barrierefreiheit der Gebäude wurden von Mitgliedern des BSK-Mittelmosel selbst getestet.

Zu beziehen ist die Broschüre für eine Schutzgebühr zzgl. Porto und Versand beim
BSK-Mittelmosel e.V.
In der Zehnt 3, 54472 Brauneberg
Tel.: (0 65 34) 94 00 66

Familienratgeber

Die Aktion Mensch informiert darüber, dass im Familienratgeber ein Rechts-Experte Fragen von Eltern beantwortet, wie z.B.:

Wer zahlt den Einbau eines Treppenliftes? Gibt es einen Zuschuss für eine Delfintherapie? Welche Unterstützung erhalten Eltern behinderter Kinder? Wie beantragt man eine Mutter-Kind-Kur? Der Rechtsanwalt Günther Hoffmann aus Bremen beantwortet Fragen zum Behinderten- und Sozialrecht im Forum "Pflege/Recht" des Familienratgebers; www.familienratgeber.de/dialog/forum/index.php

celtic-NEWS-online jetzt auch für sehbehinderte und blinde Menschen

Das kostenlose Irland Online-Magazin "celtic-NEWS-online", welches jeweils zum Monatsbeginn erscheint, steht ab sofort auch sehbehinderten und blinden Menschen zur Verfügung.

Die zum Download verfügbare TXT-Version ist so gestaltet, dass sie für sehbehinderte und blinde Nutzer mit Screenreader zugänglich ist.

Im Internet ist das Online-Magazin "celtic-NEWS-online" auf der Webseite www.celticnewsonline.com zu finden.

"Blindgänger" ab 28.10. in den Kinos

Der Film, der bereits auf der diesjährigen Berlinale mit zusätzlicher Beschreibung für blinde Zuschauer lief, kommt demnächst in die Kinos. Wie zu erfahren war, wird noch geprüft, ob es an einzelnen Orten möglich sein wird, den Film mit Audiodeskription vorzuführen. Im Mittelpunkt der sehenswerten Produktion steht die Situation blinder Jugendlicher in einer Blindenschule mit Internat. In der April-Ausgabe der "Gegenwart" hatten wir den Film kurz vorgestellt.

Foto: Szenenausschnitt aus dem Film "Blindgänger"

Hilfsmittelausstellungen des VzFB

Nähere Informationen unter
Tel.: (05 11) 9 54 65-0

DZB-aktuell

In der Augustausgabe der "Gegenwart" kündigte die DZB ihren jährlichen Tag der offenen Tür für den 11. September an. Wir bitten alle blinden und sehbehinderten Menschen um Verständnis, dass wir trotz des Wissens um die Demonstration in Hannover für den Erhalt der Nachteilsausgleiche diese Veranstaltung nicht verschieben können. Uns ist die Brisanz der tagespolitischen Ereignisse durchaus bewusst, da wir aber in den letzten Wochen den Tag der offenen Tür in verschiedenen Publikationen beworben haben, lässt sich eine kurzfristige Verschiebung nicht mehr organisieren.

Grünes Buch der Schönheit

Jetzt ist dieser Titel beim VzFB auch in Blindenschrift erhältlich, und zwar kostenlos. Der französische Kosmetikhersteller Yves Rocher präsentiert in diesem Buch seine Welt der pflanzlichen Schönheitspflege mit über 650 Kosmetikprodukten und hat eigens für blinde und sehbehinderte Frauen eine Schminkanleitung entwickelt, die es ihnen ermöglicht, sich ohne zu sehen selbst zu schminken.

Nähere Informationen beim
VzFB
Tel.: (05 11) 9 54 65-32
E-Mail: v.vzfb@vzfb.de

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Rechtsauskunft:

Erste Verbandsklage nach dem BGG

Behindertenverbände klagen gegen das Eisenbahn-Bundesamt

Der geplante Umbau des Bahnhofs in Oberkochen (Baden-Württemberg) widerspricht der Zielsetzung des Behindertengleichstellungsgesetzes, Lebensbereiche barrierefrei zu gestalten. Der Bundesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte hat deshalb am 11. Juni 2004 gemeinsam mit dem Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter gegen die vom Eisenbahn-Bundesamt erteilte Genehmigung des Umbaus Klage erhoben.

Zur Zeit besteht der Bahnhof in Oberkochen aus einem Haus- und einem Mittelbahnsteig. Der Zugang zum Mittelbahnsteig erfolgt über einen schienengleichen Überweg. Auch Rollstuhlfahrer haben somit derzeit die Möglichkeit, den Mittelbahnsteig durch das Überqueren der Gleise zu erreichen. Die beiden Bahnsteige sollen nun durch einen neu zu errichtenden Mittelbahnsteig ersetzt werden.

Die Deutsche Bahn Netz AG, die die Trägerin des Vorhabens ist, plant den Zugang zum Mittelbahnsteig über eine Fußgängerunterführung zu realisieren. Die Unterführung soll zwei Treppen sowie Schächte erhalten, in denen bei Bedarf Aufzüge nachgerüstet werden können. Durch diese baulichen Vorkehrungen soll gewährleistet werden, dass bei einem späteren Bedarf die Nachrüstung mit einem behindertengerechten Zugang ohne wesentliche Mehrkosten möglich ist. Einen aktuellen Bedarf für einen barrierefreien Zugang zum Mittelbahnsteig sieht die Deutsche Bahn Netz AG als nicht gegeben an, weil der Bahnhof in Oberkochen von weniger als 1000 Personen pro Tag genutzt werde.

Der Bundesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte und der Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter sind der Ansicht, dass die Plangenehmigung des Eisenbahn-Bundesamtes gegen § 2 Absatz 3 der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) verstößt. Diese Vorschrift wurde durch das Behindertengleichstellungsgesetz dahingehend geändert, dass die Eisenbahnen verpflichtet sind, Programme zur Gestaltung von Bahnanlagen und Fahrzeugen zu erstellen, mit dem Ziel, eine möglichst weit reichende Barrierefreiheit für deren Nutzung zu erreichen. Die Aufstellung der Programme erfolgt nach Anhörung der Spitzenorganisationen von Verbänden, die nach § 13 Abs. 3 des Behindertengleichstellungsgesetzes anerkannt sind.

Freifahrtregelungen bleiben unverändert

Die Diskussion um Änderungen der Freifahrtregelungen für behinderte Menschen, die im Juni und Juli geführt wurden, gingen auf Vorschläge der Ministerpräsidenten Koch und Steinbrück zurück, deren Umsetzung die Länder im Vermittlungsausschuss durchgesetzt hatten. Sofort nach dem bekannt werden dieser Pläne hatten sich DBSV und DVBS vehement gegen die Abschaffung der Freifahrtregelung für blinde und sehbehinderte Menschen gewehrt und in einer fundierten Stellungnahme Argumente vorgetragen, die offenbar Gehör fanden. In einer Presseerklärung des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung vom 26.07. heißt es dazu: "Eine Anhörung von Ländern und Verbänden dazu hat jedoch ergeben, dass es nicht möglich ist, die Regeln für Freifahrten der Schwerbehinderten zu ändern, ohne einzelne Gruppen von Schwerbehinderten zu benachteiligen. Dies widerspricht jedoch dem Ziel der Bundesregierung, die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen zu stärken."

Bundessozialministerin Ulla Schmidt: "Wir brauchen barrierefreien Personennahverkehr. Die Freifahrtregelung für behinderte Menschen werden nicht verändert. Dem Kabinett wird daher kein entsprechender Vorschlag unterbreitet."

Und weiter heißt es in der Presseerklärung: "Barrierefreiheit ist ein hohes Gut. Behinderte Menschen sollen möglichst uneingeschränkt am öffentlichen Leben teilnehmen, einer Arbeit und natürlich auch Freizeitaktivitäten nachgehen können. Der Zugang zum öffentlichen Nahverkehr ist für behinderte Menschen daher besonders wichtig. Die kostenfreie Nutzung für die berechtigten Personen und ihre Begleitpersonen bleibt deswegen uneingeschränkt erhalten. Ich fordere die Verkehrsbetriebe auf, umfassende Barrierefreiheit herzustellen."

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Hilfsmittel:

Gewachsene SightCity

Waren im letzten Jahr noch einige Kenner der Szene skeptisch, ob sich die SightCity als größte Messe zu Hilfsmitteln für blinde und sehbehinderte Menschen etablieren würde, so sprechen die Zahlen der SightCity 2004 für sich.

Insgesamt 61 Aussteller präsentierten mehr als 2600 interessierten Besuchern im Sheraton Airport Hotel in Frankfurt a.M. vom 12. bis 14.05. ihre Produkte und Dienstleistungen. Auch Firmen aus den USA und Kanada flogen für diese Messe ein.

Braille-Zeilen - drahtlos

Mit Braille-Zeile und Tastatur mal eben für ein paar Notizen ins Nebenzimmer des Kollegen gehen; und der PC bleibt im Büro? Das wird demnächst mit einigen neuen Modellen der Zeilen von Baum Retec möglich sein. Diese Braille-Zeilen verfügen neben dem mittlerweile zum Standard gewordenen USB-Anschluss auch über einen Bluetooth-Anschluss. Durch Bluetooth-Technik ist es möglich, die Ein- und Ausgabegeräte wie Monitor und Tastatur drahtlos mit dem PC zu verbinden. Allerdings ist der Stromverbrauch bei Nutzung dieser Technik noch ein wenig hoch. Die Akkulaufzeit der Modelle SuperVario und PocketVario der Firma Baum Retec wird bei Bluetooth-Betrieb z.B. mit ca. 25, bei USB-Betrieb mit ca. 100 Stunden angegeben. Die Zeilen der Firma Handy Tech Braillino und die Braillestar-Serie sind ebenfalls bluetooth-fähig. Zeilenhersteller wie die Firmen Alva, Audiodata, Freedomscientific, Papenmeier und Tieman werden mit großer Wahrscheinlichkeit auch demnächst Zeilen mit Bluetooth-Funktion im Angebot haben.

Software, die Handys zum Sprechen bringt

Die Stände der Firmen Handy Tech und IPD fand der Besucher ohne sehende Hilfe, nicht nur, weil dort ständig Handys klingelten, nein, sie sprachen auch - dank Talks. Talks ist ein Screenreader für sehgeschädigte Handynutzer, welcher die Bildschirm- bzw. Display-Informationen eines Handys ausliest (siehe auch "Das Schaufenster", Beilage dieser Ausgabe).

Die Software Mobile Accessibility 2.0 Software für Handys der Firma CareTec aus Österreich ist im Gegensatz zu Talks kein Screenreader. Diese Software verfügt über eine eigene, vom verwendeten Handy unabhängige Menüstruktur, welche die Bedienung durch sehgeschädigte Anwender vereinfachen soll. Laut Anbieter macht Mobile Accessibility 2.0 ebenfalls die wichtigsten Bedienfunktionen eines Handys zugänglich. Einsetzbar ist diese Software in den oben erwähnten Serie-60-Geräten der Firmen Nokia und Siemens. Produkte der Firma CareTec sind in Deutschland bei den Firmen Aradis und Marland zu beziehen.

Bildschirmlesegeräte auf der SightCity 2004

Eine neuere Entwicklung bei den Bildschirmlesegeräten weist hin zur Textverarbeitung per Software. Dies war zu sehen beim LiveReader der Firma Audiocharta oder auch beim myReader von pulsedata International. Beide Geräte lesen den Text auf Knopfdruck per Kamera ein, sodass dieser dann für den weiteren Gebrauch im Gerät zur Verfügung steht - ohne einen gesonderten Scanner. Anwender des LiveReader können sich dann den Text vorlesen lassen und per Touchscreen die für sie passenden Einstellungen bezüglich Vergrößerung, Farbe und Kontrast wählen. Sie können auch das Dokument mit dem Finger auf dem Bildschirm bewegen. Nach Herstellerangaben stehen für versierte Anwender so gut wie alle Funktionen auch per Tastatur zur Verfügung.

Beim myReader kann nach dem Erfassen des Textes per Kamera zwischen verschiedenen Ausgabeformen für den Text gewählt werden: die Anzeige als Spaltenlayout, als Zeilenlayout oder Wort für Wort im Wortlayout. Nach Herstellerangaben führt das System den Text in einer selbstgewählten Geschwindigkeit über den Bildschirm, was speziell für das Lesen großer Textmengen gedacht ist. Für das Arbeiten unter der Kamera, z.B. für das Schreiben per Hand, verfügt der myReader - wie auch der LiveReader - über einen Live-Modus. In Deutschland werden pulsedata-Geräte über Baum, Hedo und Handy Tech vertrieben.

Wer gleichzeitig mit einem PC und einem Bildschirmlesegerät arbeitet, konnte bisher entweder zwei Monitore nebeneinander benutzen, das Bild umstellen oder auf eine Bildschirmteilung zurückgreifen. Diese Lösung ist allerdings bei manchen Anwendern nicht sehr beliebt, da sie den durch die Vergrößerung ohnehin kleinen Bildausschnitt weiter verkleinert.

Eine Alternative dazu war bei der diesjährigen SightCity auf dem Stand der Firma Optron zu sehen, die bei ihrem Produkt OPTRON PCT NCO zwei Flachbildmonitore an einem gemeinsamen Fuß montiert hat. Die beiden Monitore können getrennt voneinander zum Betrachter geschwenkt werden. Diese Konstruktion ist etwas platzsparender als das Aufstellen zweier Monitore nebeneinander und ermöglicht gleichzeitig die Darstellung der verschiedenen Inhalte auf dem Vollbildschirm. Das OPTRON PCT III ist nach Herstellerangaben ebenfalls kombinierbar mit einem PC mit Bildschirmteilung oder mit einem Laptop. Die Kamera kann außerdem auch um 180 º geschwenkt werden und weit entfernte Objekte heranholen.

Damit greift Optron ein weiteres Thema auf, das auf der SightCity bei mehreren Anbietern eine Rolle spielte: Systeme, die mit einer Kamera gleichzeitig Nah- und Fernsicht ermöglichen. Beispiele hierfür sind der Sentry PC von der Firma Tieman, deren Farbkamera und Halterung schlank ist und sich daher auch für den Einsatz an Arbeitsplätzen mit weniger Platz eignet. Dennoch ist dieses Gerät vor allem für die Anwendung am festen Arbeitsplatz gedacht.

Einen Schritt weiter in Richtung Mobilität geht das Gerät Zoomax Portis, das in Deutschland von der Firma Novotech GmbH vertrieben wird. Auch hier ist die Kamera für das Lesegut direkt als Fernkamera zu nutzen. Die Kamera, die mit ihrer Halterung wie eine Schreibtischlampe wirkt, kann an einen Laptop angeschlossen werden und wird dann über die Tastatur bedient. Eine andere Möglichkeit ist der Anschluss an einen PC oder nur an einen schlichten Monitor, in diesem Fall gibt es in der Version Zoomax i.V. für die Bedienung ein eigenes Pult, mit dem Farben und Vergrößerung eingestellt werden können.

Ähnliches bietet auch das System IDEA-Solo vom schwedischen Hersteller Nordisk SynSupport AB, das ebenfalls eine tragbare Farbkamera bietet, die als Nah- und Fernkamera fungiert. Hier war die Halterung etwas stabiler als bei dem Zoomax, soll aber nach Herstelleraussage noch weiter verschlankt werden. Das IDEA-Solo kann ebenfalls an einen Laptop oder einen PC angeschlossen werden und erlaubt nach Herstellerangabe sowohl die Vollbilddarstellung von PC- oder Kamerabild als auch eine Bildschirmteilung.

Andere Geräte bieten nach wie vor die Möglichkeit, Fernkameras zusätzlich anzuschließen. Hierzu zählt der von der Firma Reinecker vertriebene Videomatic UNO in verschiedenen Versionen, das VEGA DUO der Firma Tagarno oder auch der MagniLink Student der Firma Low Vision International, der eine Dreiteilung des Monitorbildes für Nah- und Fernkamera und PC-Bild ermöglicht. Geräte der Firma Low Vision International sind in Deutschland bei der Firma Hedo, bei IPD oder bei FluSoft erhältlich.

Außerdem waren Vergrößerungsgeräte im Handtaschenformat, so genannte E-Lupen, wiederum ein Thema. So z.B. "Quicklook" oder "Liberty Color" von Ash Technologies (in Deutschland zu beziehen bei Baum, Deininger, Flusoft, Handy Tech, Lu Brillenschmiede oder Marland) oder auch die "MAXLUPE" Plus, die von Reinecker verkauft wird. Alle drei Geräte sind Farbgeräte. Beim Quicklook und der MAXLUPE sind Kamera und Display in einem Gehäuse untergebracht, Liberty Color hat einen kleinen 7-Zoll-TFT-Monitor und eine Mauskamera. Bedingt durch die naturgemäß kleinen Bildschirme hält sich bei diesen Geräten die mögliche Vergrößerung in Grenzen: Quicklook schafft 5,5-fach, Liberty Color 10-fach, die MAXLUPE 15-fach. Allerdings kann man nach Herstellerangaben z.B. bei dem Liberty Color-Gerät eine Kontrastverstärkung für schlechte Vorlagen einschalten und die MAXLUPE stellt Text auch in weiß-schwarz dar.

Wer suchet, der findet mit TagIT

Wenn blinde Menschen Gegenstände des alltäglichen Bedarfs nicht entsprechend kennzeichnen oder sich ihre Position, z.B. in einem Regal nicht genau merken, beginnt oft eine lange Suche. Mit dem System TagIT der Firma Dräger & Lienert Informationsmanagement aus Marburg soll das unnötige Suchen ein Ende haben. Herr Lienert selbst präsentierte uns TagIt an seinem Stand.

Wir stehen vor einem Regal. In dem Regal sind verschiedene Schachteln, die mit Tags gekennzeichnet sind. Herr Lienert greift eine Schachtel heraus und hält ein kleines Lesegerät daran: "Zubehör zur sprechenden Küchenwaage" tönt eine wohl bekannte Sprachausgabe aus dem Lautsprecher.

TagIt arbeitet mit sog. Tags, welche einen individuellen Code enthalten. Die Tags sind an den Gegenständen befestigt. Es handelt sich bei diesen Tags um kleine, briefmarkengroße Aufkleber. In den Etiketten befindet sich eine Antenne und ein kleiner Chip. Und wenn dieses Etikett in das elektromagnetische Feld eines so genannten Readers kommt, entsteht in der Spule des Etiketts Strom über Induktion. Der Chip bekommt Strom, wird als Sender aktiv und sendet eine lange Zahl, also eine Identifikationskennung.

RFID heißt die Technologie, Radiofrequenz-Identifikations-Detektion, die es blinden Menschen ermöglichen soll, einen handlichen Funkscanner an Gegenständen vorbeizuführen, um sich dann den Namen der Objekte vorlesen zu lassen.

Man kann auch gezielt nach Gegenständen suchen. Den Namen des zu suchenden Gegenstandes gibt man über die PC-Tastatur ein, führt das Lesegerät so lange an den Gegenständen im Regal vorbei, bis die Stimme aus dem Lautsprecher den Namen des Gegenstandes spricht.

Herr Lienert: "Wir können auch Filter setzen. Wir können zum Beispiel sagen: Wir wollen jetzt nur Bücher ansagen lassen. Dann ignoriert TagIt andere Dinge und sagt Ihnen nur die Bücher an. Sie können auch sagen: Ich möchte nicht nur Bücher allgemein angesagt bekommen, sondern ganz speziell Bücher zu einem bestimmten Fachgebiet, beispielsweise Naturheilkunde und so weiter. Dann würde das System eben Belletristik ignorieren."

Weitere Details erfahren Sie bei Dräger & Lienert Informationsmanagement.

Heike Gaensicke/Carsten Albrecht  

Mitarbeiter im Projekt INCOBS (Informationspool Computerhilfsmittel für Blinde und Sehbehinderte) der DIAS GmbH, Hamburg  

www.incobs.de

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Blind sein - wie ist das?

Erfahrungen, Meinungen, Ansichten und Wünsche
von "Gegenwart"-Lesern

Verzicht und Neugewinn

Blindsein bedeutet den Verzicht auf die optische Funktion des Sehens, keineswegs aber auf das Einsehen, das Vorsehen und das Nachsehen, und Ansichten haben wir blinde Menschen allemal. Das Wort Verzicht spielt sicher eine große Rolle, denn es ist ein erheblicher Unterschied, ob ein Mensch schon als Kind blind ist und erst im Laufe seines Lebens erfährt, welche Wahrnehmungsmöglichkeit ihm fehlt, oder ob jemand als Erwachsener plötzlich oder nach und nach das Augenlicht verliert. Der plötzliche Verzicht auf geliebte Tätigkeiten wie lesen, Bilder anschauen oder in die Ferne blicken kann sehr hart sein. Bei mir war es ein sehr langsamer Prozess. Am Anfang konnte ich nicht daran glauben. Richtig bewusst wurde es mir, als ich einen Vortrag hielt, den ich wegen der vielen fachlichen Einzelheiten ablesen musste. Als ich fertig war, kam der Vorsitzende aufgeregt auf mich zu und sagte: "Warum haben Sie denn so langsam gesprochen? Der ganze Zeitplan ist durcheinander gekommen!" Erst jetzt wurde mir richtig klar, welche Mühe ich hatte, die relativ große Schrift zu erkennen und vorzulesen. Nun begann die große Umstellung. Vorträge mussten vollständig aus dem Gedächtnis gesprochen werden, das Schreiben wurde nach und nach durch das Besprechen von Kassetten ersetzt, Bücher wurden gehört und schließlich begann das Erlernen der Punktschrift. Vieles ist nun wesentlich mühsamer als vorher, aber auf einige wesentliche Dinge musste ich nicht verzichten. Dazu gehört das Formulieren eigener Gedanken und das Vergnügen an vielen Gebieten der Literatur und Musik.

Dr. Detlef Thierig  

Schieben und lenken

Vor einigen Wochen bin ich in eine betreute Wohnung in einer Seniorenresidenz umgezogen. Hautnah erfahre ich ganz neu, wie es ist, blind zu sein, absolut nichts zu sehen, nicht was ich esse, nicht was ich anziehe, nicht die Menschen um mich herum, weder Licht noch Schatten erkenne ich, es ist total dunkel um mich. Im Hause außerhalb der Wohnung finde ich mich allein nicht zurecht, ich muss geführt werden um die Treppe, den Aufzug oder andere Räume zu finden. Zu den Mahlzeiten holt mich ein Tischnachbar ab. Er ist nach einem Schlaganfall linksseitig gelähmt und sitzt im Rollstuhl. Ich schiebe und er lenkt. So geht es ab in den Speisesaal, der ein Stockwerk tiefer liegt. Uns gegenseitig helfend bilden wir schon ein Team; ich finde gut den Speisesaal und sein Rollstuhl fährt leichter. Theoretisch ist es bei mir bisher schon klar gewesen, aber jetzt erlebe ich es konkret, sehende Menschen begreifen einfach nicht, dass ich beispielsweise einen Löffel suchen muss, indem ich mit der Hand auf dem Tisch herumtapse und dabei vielleicht an andere Sachen stoße, die auf dem Tisch stehen, oder dass ich den Speiseplan nicht lesen kann. Oft stoße ich mir in der neuen Wohnung den Kopf an. Sich öfter mal stoßen gehört zum Blindsein wohl dazu.

Eckardt Hinderer

Handy mit Handicap

Ich war ein 6-Monatskind und kam in einen Brutkasten, der mir dann die Netzhaut beschädigte. Diese löste sich, und seitdem bin ich blind. Jetzt bin ich 17 und mache eine Ausbildung. Klar, es gibt immer Situationen, wo ich auch - wie jeder andere blinde Mensch - Hilfe von Sehenden brauche. Aber es geht mir gut, trotz meiner Behinderung.

Die meisten Sehenden denken: "Blind, so kann man doch gar nicht leben! Man braucht doch immer nur Hilfe!" Klar, eines ist richtig: man braucht Hilfe, aber nicht immer! Man kann auch als blinder Mensch ganz gut allein klarkommen.

Ich sehe nur noch hell und dunkel. Ich kann mir aber nicht vorstellen, wie es wäre, wenn alles immer um mich herum dunkel wäre. Bei der Orientierung spielt der Lichtschein eine sehr wichtige Rolle. Außerdem ist es auch als blinder Mensch schön, im Sommer ein bisschen die Sonne zu sehen. Natürlich gibt es auch Tage, da wünsche ich mir, nicht blind zu sein, und ich fühle mich dann als Außenseiter. Doch im nächsten Moment fällt mir ein: "Hey, du bist nur blind, dich hätte es viel schlimmer treffen können!"

Mein persönliches Motto ist: "Auch als blinder Mensch ist nichts unmöglich, mach das Beste draus!!!" Es ist egal, ob man sehbehindert oder blind ist. Wenn man seine Behinderung akzeptiert, dann kommt man gut zurecht. Aber hätte ich meine Freunde nicht, würde ich auch denken, es geht nichts. Es geht alles. Man muss nur wissen wie und man muss wollen! Für das Handy beispielsweise habe ich meine eigene Methode entwickelt und alles im Kopf. Es gibt auch eine Sprachsoftware für Handys - vielleicht lege ich mir diese noch zu.

Kevin Matuszewski  

Meine Augenkrankheit

Ich bin 18 Jahre alt. Seit meiner Geburt bin ich sehbehindert. Meine Umgebung erfasse ich tagsüber mit Schmerzen. Ich bin stark lichtempfindlich. Am besten ist es für mich in dunkler Umgebung. Dann klappt es auch wieder mit dem Sehen. Am Computer kann ich nur mit großer Schrift und in Fettdruck arbeiten. Tagsüber, egal zu welcher Zeit, renne ich fast immer mit einer Sonnenbrille rum. Zum Schutz gegen die starke Blendung. Bei mir zu Hause halte ich alles etwas dunkel. Denn so fühle ich mich wohl. Die Augenkrankheit liegt bei uns in der Familie.

Als sich mein Sehvermögen verschlechterte, musste ich meine Lehre zum Zerspanungsmechaniker abbrechen. Ich werde im September eine neue Lehre beginnen. Ich mache eine Ausbildung zum Masseur.

Dominik Engelmann  

Dunkelschwarz

19 Jahre sehend, 3 Jahre blind. Der Unfall war das Ende eines Arbeitstages. Er fing sehend an und endete blind, das war vor knapp 3 Jahren. Die meisten sagen: "Werde ich blind, bringe ich mich um." Das wäre ein feiger Rückzieher. So kann man auch leben, mit viel Unterstützung von Familie und Freunden.

Bei mir ist alles dunkel und schwarz, trotzdem sehe ich doch noch irgendwie. Ich sehe die Welt mit meinen Händen und mit den Ohren. Die Umwelt hat sich verändert, man nimmt Geräusche anders war. Man achtet mehr auf die Einzelheiten. Bei Liedern achtet man mehr auf den Text ...

Seit meinem Unfall musste ich bis jetzt viel lernen: Punktschrift, Orientierungs- und Mobilitätstraining (O&M), Lebenspraktische Fähigkeiten (LPF) und das Training mit dem Hund und alles, was ein blinder Mensch können muss. Dies heißt Wiedereingliederung in das Arbeitsleben. Am schwersten ist das O&M-Training, weil das Fortbewegen im Straßenverkehr mit Stock gar nicht so leicht ist. Wenn man sich in unbekannten Gebieten bewegt, an eine Ampel kommt und die Straße überqueren will, steht man vor einem Problem: "Wie komme ich rüber?" Ich habe zwar einen Hund, aber der zeigt mir nur die Ampel. Den Rest muss ich selber machen - nach Gehör und mit äußerster Konzentration.

Die Mobilität ist sehr wichtig für den Beruf des Masseurs, den ich ab September erlernen werde.

Norman Liß  

Ein anderes Leben

Vollständig blind zu werden, ist wie Sterben und neu geboren zu werden. Ein anderes Leben beginnt. Was das heißt, kann ein Sehender nur schwer verstehen. Erblinden ist, wie noch einmal das Laufen lernen. Das Leben wird vom Riechen, Tasten und Hören bestimmt.

Da ich stark kurzsichtig zur Welt kam, konnte ich z.B. nie die Farben sehen. Ich fühle die Farbe Rot nicht wie ein sehender Mensch. Die Farbe Rot fühle ich als etwas sehr stachliges.

In Düren erhielt ich eine blindentechnische Grundausbildung. Dabei erlernte ich alltägliche Fertigkeiten. Sie waren eine solide Grundlage für meine Selbstständigkeit. Ich erlernte u.a. wie ich von Punkt A nach Punkt B gelangen kann. Schritte zählen, Bodenmerkmale und andere Merkmale wahrnehmen. Ich erlernte, den Weg nicht zu sehen, sondern zu ermessen und mit Erkennungszeichen zu bestücken, sodass ich ihn mit dem Blindenlangstock verfolgen kann. So ist ein Weg für mich beispielsweise eine halbe Stunde zu Fuß lang und soundsoviel Stocklängen weit.

Es gibt leider blinde Mitmenschen, die sehenden Menschen vermitteln, die Technik sei so weit, dass sie selber so sind wie ein sehender Mensch. Wir blinden Menschen müssen zu unserer Behinderung stehen. Wir müssen offen und ehrlich auf die sehenden Menschen zugehen, um nicht als Sonderlinge dargestellt zu werden. Wenn ich im Frühling in der Natur bin, mag ich es nicht, wenn man mir sagt: "Schade, dass du nicht sehen kannst." Ich sage dann: "Schön wäre es, wenn du mir Blüten oder Keimlinge in die Hand geben würdest. Ich könnte durch Fühlen und Riechen die Jahreszeit mit dir erleben."

Mir wurde vor ein paar Tagen gesagt: Dankeschön, ich habe die Wiese noch nie so betrachtet wie mit dir und jetzt sehe ich erst einmal was hier alles blüht. Dass die Gräser unterschiedlich riechen, habe ich nie wahrgenommen, und dass dies mir ein blinder Mensch zeigt, bedeutet für mich, dass ich mich nicht nur auf meine Augen konzentrieren darf, sondern alle meine Sinne einsetzen sollte.

Ich habe mich am Anfang meiner Blindheit von den Menschen zurückgezogen, denn ich wurde oft enttäuscht. Jetzt gehe ich offen auf die Menschen zu, stehe zu meiner Behinderung, sage es, wenn ich Hilfe benötige und werde heute lange nicht mehr so enttäuscht wie früher. Auch sehende Menschen haben Hemmungen mit blinden Menschen umzugehen, deshalb ist es wichtig, dass wir auf sie zugehen. Wenn dies doch passiert, dann tut mir dieser Mensch nur leid, er weiß nicht, was ihm selber wiederfahren könnte.

Imre Peter  

Von Sinnen

Fünf Sinne sind uns gegeben,

fünf Sinne, so wunderbar.

Die Welt, in der wir leben,

nehmen wir mit ihnen wahr.

Und geht uns einer verloren,

oder es wird einer schwach,

so haben die anderen geschworen,

zu helfen im Ungemach.

Die Sinne, die Dir geblieben,

o' Menschenkind, setze sie ein,

so kannst Du das Leben lieben

und brauchst nicht einsam zu sein.

Irene Kersting

Im Alltag zurecht finden

Ich bin 18 Jahre alt und bin blind, aber nicht von Geburt.

Bis zum 10. Lebensjahr konnte ich noch voll sehen und bin bis zur 4. Klasse in eine normale Schule gegangen. 1996 begannen die Kopfschmerzen; es folgten viele Untersuchungen, dann die Gewissheit - ein Tumor. Der Tumor hat sich auf das Sehnervkreuz gesetzt und meinen linken Sehnerv zerquetscht. Deshalb sind die Sehnervzellen abgestorben.

Deshalb muss ich viele Medikamente nehmen. Dennoch habe ich einen winzigen Sehrest. Damit kann ich noch Umrisse und Farben erkennen. Trotzdem kann man auch das Leben so meistern oder genießen. Manches Mal hat man aber auch Tiefpunkte im Leben. Denn es kommt mal vor, dass man das Leben hinschmeißen möchte. Andererseits bekommt man von anderen Menschen Hilfe. Das finde ich so gut. Manchmal hat man bei Straßenüberquerungen Probleme. Bei sehr starkem Verkehr oder wenn man in der Stadt zum Kaufhaus kommen will. Wenn es einfach zu laut ist, kann man sich nicht auf die Autos, die anfahren, konzentrieren. Darum muss ich warten, bis es ruhig ist. Wenn es gar nicht geht, brauche ich Hilfe, entweder spreche ich jemanden an oder warte, bis mir jemand Hilfe anbietet. Unterstützung brauche ich auch beim Einkaufen, wenn ich den Supermarkt nicht kenne. Im Unterricht für Lebenspraktische Fähigkeiten (LPF) habe ich schon einen Supermarkt erkundet. Von dort haben wir einen Lageplan von den Regalen gemacht, den ich mit den Fingern ertasten kann. So finde ich mich gut zurecht. Ich hoffe, dass ich später wieder durch eine Operation sehen kann.

Stefan Knoblich  

Schwierigkeiten kommen später

Von einem Blindenlehrer hörte ich einmal: "Die blinden Kinder leiden nicht an ihrer Behinderung, wenn sie unter ihresgleichen sind. Sie verhalten sich wie alle anderen Kinder: Spielen, toben usw. Dass die Sehschädigung auch Not macht, kommt erst, wenn sie erwachsen sind." Mit dieser Feststellung hat mir dieser Lehrer voll und ganz aus dem Herzen gesprochen.

Von sehenden Arbeitskollegen wird man manchmal einfach vergessen, zum Beispiel wenn es zum Mittagessen geht. Oder bei Kulturveranstaltungen, Ausstellungsbesuchen o.ä., da hat jeder mit sich selbst zu tun. Wenn wir etwas erklärt haben wollen, müssen wir darum bitten.

Christa Groth  

Ich weiß, wo ich bin

Blind geborene Kinder zeichnen, wie sie die Welt erleben. Ein bemerkenswertes Buch von Elke Zollitsch;

ISBN 3-89682-084-2.

Die Erlebnis- und Vorstellungswelt blinder Kinder wird in dem großformatigen 164-seitigen Buch lebendig. Es ist das Verdienst der Autorin, die über viele Jahre gesammelten taktilen Zeichnungen mit sensiblen Texten zu begleiten und sehr ansprechend zu präsentieren. Damit eröffnet sie eine völlig neue Sichtweise auf die Umweltbezüge blind geborener Menschen.

"Das taktile Lernen durchzieht das gesamte Lernen im Grundschulbereich. Die blinden Kinder zeichnen mit einem harten Stift auf einer dünnen Plastikfolie. Als Unterlage dient eine elastische Gummimatte. Unter den Fingern des Zeichnenden erscheinen auf der Spezialfolie gut tastbare und sichtbare Spuren. Wenn die starken Eindrücke von außen nach einem Nonverbalen Ausdruck von innen heraus verlangen, wenn sachliche Dinge bildlich zu klären sind oder wenn sich Erzählfreude und Phantasie einen neuen Weg bahnen, dann greifen auch blinde Kinder, so erlebte ich es, zur Zeichentafel (neben vielen anderen gestalterischen Möglichkeiten)." (Elke Zollitsch)

Tut doch nicht weh

Das Schlimmste am Blindsein ist, das man nichts sieht. Mit dieser ironischen Bemerkung möchte ich zum Ausdruck bringen, dass die Blindheit in den meisten Fällen ohne Schmerzen verläuft; und in vertrauter Umgebung, wie Wohnung, Arbeitsplatz usw., wird man sich ihrer oft gar nicht recht bewusst. Dadurch entsteht bei unseren sehenden Mitmenschen gelegentlich der Eindruck: So belastend kann die Blindheit doch nicht sein. Viele blinde Frauen und auch Männer bewältigen ihren Haushalt und alle übrigen Pflichten des täglichen Lebens völlig selbstständig. Zum Glück gibt es heute zahllose Hilfsmittel, die uns diese Aufgaben wesentlich erleichtern. Das ändert sich schlagartig, wenn wir in eine fremde Umgebung kommen. Da stehen wir im wahrsten Sinne des Wortes im Dunkeln. In diesen Situationen ist Hilfe unerlässlich. Doch besteht bei selbstständiger Bewegung in unbekanntem Terrain die Gefahr, an Hindernisse zu stoßen, wodurch Verletzungen und Schäden an der Kleidung, besonders an Schuhen, nicht auszuschließen sind. Nicht zuletzt ist das einer der Gründe für blindheitsbedingte Nachteilsausgleiche ein Blindengeld zu zahlen. Auch blinde Menschen möchten weitgehend am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, was ohne materielle Unterstützung nicht immer möglich ist. Blindheit bedeutet, sein Leben unter Aufwendung großer physischer und psychischer Kräfte zu meistern.

Erhard Kahnt  

Service im Restaurant

Wer in jungen Jahren erblindet oder als später Erblindeter auch dann noch Literatur lesen und nicht nur hören möchte, wird gerne die Blindenschrift lernen. Zu dieser Gruppe gehöre auch ich, verbunden mit dem Wunsch, mich auch in Gaststätten oder Hotels mit meinen Wünschen äußern zu können, ohne auf Zufallsangebote angewiesen zu sein.

Dort, wo ich regelmäßig Kunde bin, z.B. in der Werkskantine oder dem Gasthaus im näheren Wohnbereich, kenne ich auch die Mitarbeiter, die mir die Speisen und Getränke empfehlen, die ich dort als bekannter Gast genießen möchte. Ich werde auch als Kunde gern bedient, denn die Fragen fremder Gäste, die Getränke- und Speisekarten selbst lesen, sind oft für das Personal mühsamer zu beantworten, als die Hilfe, auf die ich angewiesen bin.

Bei den Hinweisen auf Getränke- und Speisekarten in Braille-Schrift wurden in meiner örtlichen Presse Preise genannt, die ich auch meiner Gaststätte nicht zumuten würde. Ich empfehle unsere gemeinnützigen Anbieter, wo gastronomische Angebote sicher in Braille-Schrift hergestellt werden können. Ich möchte aber auch meinen Vorschlag machen, verbunden mit der Bitte, diesen an Ihre Gaststätten, Kantinen, Hotels u.a. Stellen weiterzugeben: Es wäre auch für Laien kein Problem, Angebote mit Preisangabe einmal am Wochenanfang oder vielleicht am Wochenende auf Kassette zu lesen. Wenn der blinde oder sehbehinderte Gast sein Getränk bestellt, könnte ihm ein Walkman mit Kassette angeboten werden.

Fritz Schutz  

Ich fühle mich nicht blind

Blindsein bedeutet für mich:


Dies sind mittelbare Konsequenzen. Von meinem Gefühl her bin ich nicht blind, obwohl mein Verstand das weiß und es täglich mehrfach bewiesen bekommt. Ich schneide eine Tomate und "sehe" ihr Rot, ich sitze, wie jetzt, am PC und "sehe" den Lichteinfall vom Dachfenster schräg hinter mir. ...

Meine Erblindung erstreckte sich über einen Zeitraum von elf Jahren. So passierte es immer wieder, dass ich Dinge sah, die ich wirklich nicht mehr sehen konnte. Dass ich blind bin, merke ich erst, wenn ich auf die Uhr sehe und weiß, dass ich schon vor einer halben Stunde hätte Licht machen müssen.

Dann reiße ich die Augen auf und sehe nichts.

Ich könnte sagen, wenn ich genau hinsehe, merke ich, dass ich blind bin.

Ulrike Jochheim  

So lebe ich damit!

"Ich bewundere Sie ... - Nein, wenn ich blind wäre, ich glaube, ich wäre lieber tot!"

Wie oft musste ich diesen oder ähnliche Sprüche von sehenden Menschen hören! Selbstverständlich ist Blindheit oder hochgradige Sehbehinderung nicht gerade ein erstrebenswertes Ziel, aber muss man deshalb gleich sein Leben aufgeben wollen?

Aus der Beratungstätigkeit für den Blinden- und Sehbehindertenverein in Dortmund weiß ich als von Geburt an Erblindeter, dass gerade bei erstmaligem Auftreten von Sehbehinderung, und dies insbesondere bei älteren Menschen, ein gewisses Verständnis dafür da sein soll, dass der Betroffene glaubt, jetzt geht gar nichts mehr, jetzt hat mein Leben keinen Sinn. Fernsehen, Autofahren, Zeitung lesen ... das sind alles Dinge, die auf einmal gar nicht mehr oder nur sehr eingeschränkt gehen. Der Rat Suchende fühlt sich minderwertig und von seiner Umwelt oftmals nicht mehr ernst- und wahrgenommen. Dafür habe ich Verständnis. Wenn aber - wie oben geschildert - ein sehender Mensch meine Behinderung, die ich akzeptiert habe und als "normal" empfinde, als so schlimm empfindet, dass er lieber sterben möchte, fühle ich mich zutiefst verletzt, angegriffen und ausgegrenzt. Er sagt nämlich im Grunde genommen: Du bist wertlos, besser, du bist tot! Deshalb antworte ich demnächst auch auf solche Äußerungen: Lieber ein Stück Lebensqualität durch Blindheit einbüßen, als sehend und borniert meinen blinden Mitmenschen mit unqualifizierten Äußerungen auf der Seele herumzutrampeln.

Willi Kürpick  

Fast normal

Aus meiner Sicht leben wir fast normal wie jede andere Familie, wenn man die blindheitsbedingten Mehraufwendungen und bestimmte Einschränkungen nicht überbewertet; Wobei verschiedenes durch soziale Nachteilsausgleiche bis jetzt noch abgefangen wird. Ich habe das Glück durch meinen sehenden Ehemann keine Begleitungsprobleme zu haben, außer er will nicht ...

Was ich hasse, sind lange Spaghetti und in Schinken eingewickelte lange Spargelstangen; die machen mir tatsächlich Schwierigkeiten beim Essen. Am Computer habe ich nur mal geschnuppert, muss ihn aber nicht haben.

Mein Mann wird 70, ich ein bisschen weniger, und wenn wir in den eigenen vier Wänden nicht mehr klarkommen, winkt über die Straße ein Seniorenheim, welches uns dann auffängt. Mein Leben mit Blindheit ist sehr erlebnis- und erfolgreich, und ich hoffe, dass es weiterhin in Zufriedenheit gesund verläuft.

Regina Schuffenhauer  

Ein Tolles Ding

Der Kühlschrank enthält nur noch klägliche Reste. Ein Großeinkauf tut Not. Doch davor graut dem sehbehinderten Herbert. In der DDR-Zeit hatte er beim Lebensmittelkauf kaum Probleme. Vom häufigen "Ham wir nich. Kommt vielleicht nächste Woche wieder" abgesehen. Das Aussehen der meist schmucklosen Verpackungen hatte sich Herbert eingeprägt. Jetzt stehen drei, vier, fünf Sorten nebeneinander. Sind sie unterschiedlich in der Qualität? Im Preis garantiert. Doch den muss Herbert erst suchen und entziffern. Farbenfroh bedruckt locken Plastebecher, Dosen, Schachteln, Tüten in Tiefkühltruhen und Regalen zum Kauf. Was sich hinter dieser bunten Vielfalt verbirgt, kann Herbert nur selten erkennen. So entgehen ihm manche Leckerbissen oder preiswerte Angebote. Aber ehe er losgeht, will er sich noch ein wenig ausruhen und liest im Romanwälzer.

Herbert betritt die Kaufhalle. Statt häufig zu hörender Schlager- oder Bumm-Bumm-Musik, die immer wieder von Werbesprüchen unterbrochen wird, erklingt leise eine sinfonische Musik. 'Endlich mal etwas anderes', denkt er und horcht auf, als er aus dem Lautsprecher vernimmt: "Verehrte Kundinnen und Kunden, aus Anlass des heutigen 'Tages des weißen Stockes' möchten wir unseren blinden und sehbehinderten Kunden eine besondere Dienstleistung anbieten. Kommen Sie bitte an unseren Servicestand."

Das lässt sich Herbert nicht zweimal sagen. Er ist neugierig. Auf einem Tischchen liegen mehrere Geräte. Sie ähneln einer Fernbedienung für Videorekorder, sind aber wesentlich kleiner. Herbert betrachtet eines genauestens. Unterhalb einer lang gestreckten Taste im oberen Teil sieht er fünf verschiedenfarbige, unterschiedlich geformte, gut fühlbare Tasten. Seitlich ist ein Kabel mit einem winzigen Kopfhörer angebracht.

"Mit diesem Hilfsmittel wird für Sie der Einkauf ganz leicht", sagt die Beraterin und fordert Herbert auf, den Kopfhörer ins Ohr zu stecken und die oberste Taste zu betätigen. Eine angenehme Stimme erläutert nun die Bedeutung der farbigen Tasten und wünscht einen guten Einkauf. Herbert erfährt, wenn er die weiße Taste drückt, wird ihm mitgeteilt, in welchem Bereich der Kaufhalle er die jeweiligen Warengruppen, zum Beispiel Obst- und Gemüsekonserven, findet. Die daneben liegende Taste bittet ihn, in das eingebaute Mikrofon seinen konkreten Wunsch zu sprechen, und ihm wird Sekunden später die genaue Lageangabe für das Erzeugnis beschrieben. Bei Gebrauch der Grünen erfolgt die Bekanntgabe der Sorten, Abfüllmengen und Preise und bei der Blauen die Zusammensetzung des Produktes sowie spezielle Hinweise dazu. Die äußerste rote Taste löst einen Hilferuf an das Personal aus, wobei der Kunde aber gebeten wird, stehen zu bleiben und etwas Geduld aufzubringen.

"Das Ding gefällt mir", sagt Herbert und möchte wissen, wie das Ganze funktioniere. Alles sei auf Datenträgern gespeichert und mittels Computer werden die gewünschten Angaben ausgewählt, erwidert die Service-Dame und fügt hinzu, dass das Hilfsmittel in jeder Kaufhalle genutzt werden könne, denn die jeweiligen Daten wären stets den örtlichen Bedingungen entsprechend erfasst. Dann weist sie Herbert noch auf einen Unterschied zwischen den beiden Geräten hin. Seines sei für sehbehinderte Menschen bestimmt. Bei der Ausführungsvariante für blinde Käufer sei unterhalb der Knöpfchenreihe eine Zusatztaste. Wenn der blinde Kunde sie drücke und Bezeichnung sowie Preis der von ihm entnommenen Ware ins Mikrofon spreche, erhalte er eine akustische Bestätigung über die Richtigkeit. Falls er sich vergriffen habe, müsse er nochmals die quadratische, gelbe Taste betätigen. Die Blindenausführung würde bei Benutzung der runden, weißen Taste eine blindengerechte Beschreibung des Weges zu den Warengruppen und mit Hilfe der quadratischen eine spezielle Lagebeschreibung geben.

"Toll ist das. Wie viel kostet eines?", will Herbert wissen und staunt, als er vernimmt, alle blinden und sehbehinderten Interessenten bekommen es kostenlos, die sehenden müssten dafür 49 Euro zahlen, denn für die wäre es nur ein Spielzeug. "Da darf ich es also mitnehmen? Vielen Dank."

Im Eingangsbereich der Kaufhalle bleibt Herbert kurz stehen, um sich mit Hilfe der weißen Taste zu orientieren. An den verschiedensten Stellen nutzt er die Gelbe und Grüne. Jetzt macht das Einkaufen Spaß. Ihm fällt ein, dass er auch Waschpulver benötigt. Flugs betätigt er die blaue Taste, denn er will wissen, für welche Temperaturbereiche und Wäschearten es geeignet ist. Ein 3-Kilo-Paket wählt er aus. Unglücklicherweise löst sich der Henkel und das Paket fällt auf Herberts Hühneraugen. Leise schimpft er vor sich hin.

Im Moment blickt Herbert schlaftrunken um sich. Er sitzt immer noch im Sessel, und auf seinem Fuß das dicke Buch. Der Rundfunk überträgt die letzten Takte einer Sinfonie.

Dieter Rietz  

Recht auf Trauer

Versteht: ich will mein Schicksal nicht beklagen.

und fordre von euch nicht Betroffenheit.

Mir geht es gut,

doch kommt auch mal die Zeit des Trauerns,

und dann darf ich das auch sagen.

Mal blind zu werden hab ich nie gedacht,

ein Guckloch sollte bis zum Tode reichen.

Nun stellen anders sich für mich die Weichen:

der Rest verschwand, und es bleibt immer Nacht.

Vom Himmel, Wetter und den Tageszeiten

erfahre ich nur indirekt Signale,

und ähnlich formlos bleiben viele Male

die Menschen, die mich ringsherum begleiten.

Ihr tröstet mich, ich säh mit andern Sinnen doch dient dies,

wie mir selbst, nur auszuweichen,

und etwas Akzeptanz noch zu erreichen:

dem Dunkel kann ich letztlich nicht entrinnen.

Konrad Gerull

Impressum:

Beilage zur DBSV-Zeitschrift "Die Gegenwart", Magazin für Blinde, Sehbehinderte und ihre Freunde, Ausgabe 9/10/2004.

Herausgeber:
Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V.
Rungestraße 19, 10117 Berlin
Tel.: (0 30) 28 53 87-0
Fax: (0 30) 28 53 87-20
E-Mail: info@dbsv.org
Internet: www.dbsv.org.

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Das Schaufenster 3/2004

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

viele Blinde und Sehbehinderte nutzen für Notizen gern und häufig Diktiergeräte, die möglichst klein und handlich sein sollten. Neben den herkömmlichen Recordern mit Kassetten gibt es seit einigen Jahren auch digitale Geräte, die die Notizen in elektronischen Speichern festhalten. Der Miniaturisierung fällt aber allzu oft die Ergonomie zum Opfer. Ein Diktiergerät, bei dem das nicht so ist, wird in dieser Ausgabe vorgestellt.

Der zweite Teil dieses Schaufensters ist dem Thema sprechende Handys gewidmet.

Lothar Rehdes
Tel.: (0 30) 7 90 13 69 36  

1. Diktiergerät Milestone 310

2. Sprechende Handys: Mobile Accessibility und Talks

3. Mobiltelefon Siemens SX1

1. Diktiergerät Milestone 310

Die Schweizer Firma Bones GmbH hat ein Diktiergerät entwickelt, bei dem die Belange blinder und sehbehinderter Nutzer besondere Berücksichtigung fanden. Ein Produkt wurde entworfen, das kein Hilfsmittel ist, aber so gestaltet wurde, dass nahezu jeder damit umgehen kann (Design for all). "Das Gerät zeichnet sich aus durch sehr hochwertige Sprachqualität, einfache Bedienung sowie lange Aufzeichnungskapazität von 2,5 Stunden. Die eingebaute, aufladbare Batterie liefert Energie für rund 10 Stunden Dauerbetrieb." (Zitat Bedienungsanleitung)

"Das Diktiergerät Milestone 310 empfiehlt sich insbesondere für Benutzer, die Wert auf Einfachheit und Zuverlässigkeit legen, unter bewusstem Verzicht auf komplexe, selten benötigte Funktionen. Durch die Größe einer Kreditkarte und nur 11 mm Dicke liegt das Gerät optimal in der Hand." Durch die flache Gestaltung des Gehäuses kann das Diktiergerät auch auf dem Tisch liegend bedient werden (die meisten solcher Geräte müssen ständig in der Hand gehalten werden).

Der Steuerung dienen 5 große runde Tasten, die kreuzförmig angeordnet sind. Ihr Durchmesser beträgt etwa 1,5 cm. Sie sind in das Gehäuse eingelassen und farblich abgesetzt (schwarz auf gelb - uns als Signalfarben gut bekannt - oder gelb auf schwarz). Die taktile Kennzeichnung bilden gut tastbare Symbole (Pfeile, Kreuz, Kreis oder glatte Oberfläche).

Zur Kontrolle verschiedener Funktionen - z.B. Ladezustand - gibt es Quittungstöne. Der winzige eingebaute Lautsprecher erzeugt einen beeindruckend guten Klang, wie er so für Diktiergeräte eher untypisch ist.

Mit den Pfeiltasten können die Aufnahmen bequem durchgeblättert werden; ein Spulen in längeren Aufnahmen ist möglich. Für kurze Notizen wird die Aufnahmetaste festgehalten (Speicherplatz sparen); es gibt aber auch eine Schaltung für Daueraufnahmen ohne festhalten zu müssen. Bei der Aufnahme hätte es auch eine Pausenfunktion geben sollen; so führt jede Unterbrechung zu einer neuen Aufnahme, was beim Blättern und auch beim Löschen erheblichen Aufwand bedeuten kann. Obwohl für die Aufsprachen Nahbesprechen empfohlen wird, gelingen auch Aufnahmen bei großen Sprechabständen; sie sind zwar leiser, aber mit erhöhter Lautstärke abgespielt gut verständlich.

Die neuen Notizen werden nicht automatisch hinten angehängt. Im Interesse einer geordneten Reihenfolge können Aufsprachen an jedem beliebigen Platz in der Kette vorgenommen werden. Das kann aber bedeuten, dass eine Notiz gesucht werden muss, weil sie aus Versehen nicht am Ende, sondern mittendrin angelegt wurde. Die erweiterte Version 311 soll für erhöhten Speicherkomfort über Ordnermodus und Speichererweiterungsmöglichkeit verfügen.

Wenig gebrauchte Funktionen (z.B. Tastensperre) werden durch Tastenkombinationen bedient. Hier ist leider auch die Lautstärkeregelung eingeordnet, für die man sich ein separates Rädchen wünschte, damit nicht erst mit der Modustaste umgeschaltet werden muss (Pfeiltasten ändern dann die Lautstärke).

Der Vertrieb in Deutschland hat inzwischen begonnen: So ist das Gerät erhältlich bei:

Landeshilfsmittelzentrum Sachsen; Tel.: (03 51) 8 09 06 24 (209 Euro)

Verein zur Förderung der Blindenbildung; Tel.: (01 80) 2 25 83 12 (219 Euro)

Viersinn gGmbH; Tel.: (0 75 84) 92 28 0 (219 Euro)

2. Sprechende Handys: Mobile Accessibility und Talks

Diese beiden Sprachausgabeprogramme sind derzeit auf dem deutschen Markt verfügbar. Sie können verwendet werden für sog. Smartphones mit dem Betriebssystem Symbian (z.B. Nokia 3660, 6600, Siemens SX1). Hier gibt es die Möglichkeit, zusätzliche Programme auf das Handy aufzuspielen und zu betreiben. Diese Funktionalität wurde z.B. für Spiele, aber auch für Orientierungshilfen (Navigation) entwickelt. Die Möglichkeit der Ausgabe akustischer Meldungen kann für Sprachausgabeprogramme genutzt werden, die die Funktionalität des Handys weitgehend auch blinden Anwendern zugänglich machen.

Vor einem Jahr hatten wir das Programm VIAS vorgestellt, dem leider attestiert werden musste, dass es zwar ein hoffnungsvoller Ansatz, aber wenig ausgereift war. Jetzt gibt es darauf aufbauend das Programm Mobile Accessibility. Es verfolgt weiterhin den Ansatz, eine eigene, den Bedürfnissen blinder und hochgradig sehbehinderter Nutzer angepasste Programmoberfläche über die originale des Handys zu stülpen. Auf die Organisation der Funktionen - optimiert für Sehende - muss dabei keine Rücksicht genommen werden. Die Bedienung wird dadurch übersichtlich gehalten; wer es nicht so kompliziert liebt, mag sich mit diesem Konzept anfreunden.

Das Programm Talks (früher auch Talx) ist einigen Anwendern vom Nokia Communicator her bekannt. Nunmehr ist es auch für o.g. Smartphones verfügbar. Bei Talks handelt es sich um einen sog. Screenreeder, wie man ihn von Computern her kennt. Talks bildet die Bedienoberfläche des Handys möglichst adäquat akustisch ab; weitgehend alle Funktionen werden zugänglich. Das wird mit dem Nachteil erkauft, dass die Bedienung den für Sehende optimierten Bedienabläufen folgen muss. Dass die Displayanzeigen ausführlich akustisch wiedergegeben werden, wirkt mitunter allzu geschwätzig und kann nerven. Die Sprachqualität von Talks ist exzellent - unabhängig davon, ob Standardmeldungen gesprochen oder variable Texte synthetisiert werden (z.B. SMS).

Aus den beschriebenen Unterschieden wird deutlich, dass beide Systeme ihre Freunde finden werden. Wer es einfach und übersichtlich liebt, wird eher zu Mobile Accessibility greifen, wem an der Erschließung umfänglicher Funktionalität gelegen ist, wird Talks den Vorzug geben. Die Programme sind für rund 250 Euro erhältlich bei:

Mobile Accessibility: Marland GmbH; Tel.: (0 75 25) 92 05 - 0

Talks: Handytech Elektronik GmbH; Tel.: (0 74 51) 55 46 - 0

3. Mobiltelefon Siemens SX1

Ein ungewöhnlich gestaltetes Handy, bei dem die Tasten rings um den Farbbildschirm verteilt sind. Die Zifferntasten sind in 2 senkrechten Reihen links und rechts neben dem Display angeordnet; die Funktionstasten befinden sich darunter. Hat man sich erst einmal an die ungewöhnliche Tastenanordnung gewöhnt, lernt man schnell die Griffigkeit der relativ großflächigen Tasten zu schätzen.

Das Handy hat mit Sprachausgabe Talks schon manche Freunde gefunden. Das SX1 kostet mit Vertrag ca. 180 Euro.

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