Gegenwart 09 / 2005 - ausgewählte Beitträge

"Die Gegenwart" erscheint monatlich (Juli / August als Doppelnummer)

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Inhaltsverzeichnis


Zu unserem Titelbild:
Postkartenmotive der "Herzkampagne" zum Erhalt des Blindengeldes in Thüringen.

Editorial

8. Oktober: Alle sind in Erfurt

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wer dafür ist, dass das Blindengeld, unabhängig von Einkommen und Vermögen, erhalten bleibt, kommt am 08. Oktober 2005 in die Thüringer Landeshauptstadt. Mit einer großen Demonstration zeigen blinde und sehbehinderte Menschen aus ganz Deutschland, ihre Angehörigen, Freunde und Bekannte, alle, die gegen sozialen Kahlschlag zu Lasten von blinden Menschen sind, dass sie energisch gegen "unsozialpolitische" Entscheidungen eintreten.

Am 08. Oktober geht es darum, die ab 2006 geplante Abschaffung des Blindengeldes nach dem unsäglichen "Niedersachsenmodell" zu verhindern. Denn alle Argumente für den Erhalt des Blindengeldes prallten bislang an der festgelegten Linie der Thüringer CDU-Landesregierung ab.

Es geht aber nicht nur um Thüringen, denn auf dem Rücken blinder Menschen sparen zu wollen, ist scheinbar modern geworden.

Deshalb: Kommen auch Sie nach Erfurt! Erkundigen Sie sich bei Ihrem Landesverein über Reisemöglichkeiten!

Treffpunkt am 08.10. ist der Vorplatz am Erfurter Hauptbahnhof. Fünf Minuten vor Zwölf wird sich der Demonstrationszug auf den rund 1,2 km langen Weg zur Staatskanzlei machen, wo die Kundgebung stattfinden wird. Aktuelle Informationen in Vorbereitung auf die Demo gibt es auf der DBSV-Homepage www.dbsv.org

Mit der Herzkampagne ist der Blinden- und Sehbehindertenverband Thüringen weiterhin bemüht, die Landtagsabgeordneten für die Belange blinder Menschen zu sensibilisieren, www.herz-fuer-abgeordnete.de

Ihr Dr. Thomas Nicolai  

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DBSV-Nachrichten:

Fünf Fragen

des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV) und des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS) an die Parteien und deren Kandidatinnen und Kandidaten für die Wahl zum Deutschen Bundestag 2005

In Deutschland leben ca. 6,8 Millionen Menschen mit Behinderungen, unter ihnen mindestens 650.000, die blind oder hochgradig sehbehindert sind.

Wir werben bei den blinden und sehbehinderten Bürgerinnen und Bürgern Deutschlands dafür, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen, die Zusammensetzung des Deutschen Bundestages mitzubestimmen und damit auch ihren behinderungsbedingten Belangen Geltung zu verschaffen.

In allen Bundesländern verteilen die dortigen Blinden- und Sehbehindertenvereine dafür gemäß Bundeswahlgesetz Stimmzettelschablonen mit Parteien- und Kandidatenlisten im Audioformat und in Blindenschrift.

Um den blinden und sehbehinderten Wählerinnen und Wählern eine Entscheidungshilfe zu geben, stellen wir den zur Wahl stehenden Parteien und deren Kandidatinnen und Kandidaten Fragen zu fünf Themenkreisen.

Darüber, ob und wie diese Fragen beantwortet werden, berichten wir aktuell und barrierefrei im Internet unter www.dbsv.org/bundestagswahl/ , in unseren Publikationen und in Mitteilungen an die Medien.

Das sind unsere Fragen

Frage 1 - Antidiskriminierungsgesetz

Der Bundestag hat am 17. Juni 2005 mehrheitlich einem Antidiskriminierungsgesetz (ADG) zugestimmt, das unter anderem eine für uns wichtige Forderung enthält: Behinderte und Behindertengruppen pauschal betreffende Ausschlüsse von privaten Versicherungen und von ihnen erhobene Risikozuschläge sollen, wenn ihre sachliche Berechtigung nicht nachvollziehbar ist, überprüft und notfalls untersagt werden können.

Wir fragen Sie:
Unterstützen Sie unsere Forderung und werden Sie sich, wenn das ADG geändert oder durch ein anderes Gesetz ersetzt werden sollte, für eine dementsprechende gesetzliche Regelung einsetzen?

Frage 2 - Berufliche Eingliederung blinder und sehbehinderter Menschen

Infolge des Reformprojekts Hartz IV sind im Bereich Rehabilitation und Vermittlung schwerbehinderter Menschen in das Arbeitsleben massive Probleme aufgetreten, die bereits zu einer spürbaren Erhöhung der Arbeitslosenzahlen bei diesem Personenkreis geführt haben. Insbesondere sind folgende Defizite deutlich geworden, die uns große Sorge bereiten:

a) Die Eingliederung behinderter Menschen in den Arbeitsmarkt wird verstärkt nicht mehr als gesellschaftliche Aufgabe und nach volkswirtschaftlichen Kriterien, sondern betriebswirtschaftlich bewertet, was zum Beispiel zum Nichtanbieten von Eingliederungshilfen führt, wenn die bloße Versorgung etwa bis zu einem Zuständigkeitswechsel billiger erscheint.

b) Darüber hinaus führt die Regionalisierung von Zuständigkeiten auch für behinderte Menschen dazu, dass bisher notwendigerweise überregional arbeitende Strukturen - vor allem Vermittlungsstellen der Arbeitsagentur - nicht mehr im bisherigen Umfang handeln können und schließlich abgebaut werden.

c) Berufsfördernde Maßnahmen, die bisher eine behinderungsspezifische und fundierte Umschulung/Ausbildung ermöglichten, werden durch die Arbeitsmarktreformen faktisch erheblich reduziert. Ohne Umsteuerung wird dies den Bestand der gerade für blinde und hochgradig sehbehinderte Menschen notwendigen und auf diesen Personenkreis spezialisierten Berufsbildungswerke, Berufsförderungswerke und anderen Ausbildungseinrichtungen in ihrem Bestand gefährden.

Wir fragen Sie:
Werden Sie sich dafür einsetzen, dass blinde und sehbehinderte Menschen eine gründliche und zukunftsweisende berufliche Ausbildung oder Umschulung erhalten, und dass die bewährten Ausbildungs- und Umschulungseinrichtungen, Fachdienste und Arbeitsvermittlungsstrukturen erhalten bleiben? Werden Sie gegen gegenläufige Tendenzen Schritte unternehmen?

Frage 3 - zu enge Grenzen für Sozialhilfeleistungen

Durch den immer noch ungebremsten Abbau der Landesblindengelder werden immer mehr blinde Menschen gezwungen, als Ersatz die Blindenhilfe nach SGB XII zu beantragen. Doch nur wenige der Betroffenen erhalten diese Leistung. Denn die damit verbundene Vermögensgrenze ist mit 2.600 Euro extrem niedrig. Zusätzlich belastend - sowohl bei der Blindenhilfe als auch bei anderen Sozialhilfeleistungen - wirkt sich aus, dass die Leistung gekürzt oder verweigert wird, wenn die Betroffenen in einer Wohnung leben, die als zu groß angesehen wird. So werden auch öffentlich geförderte Wohnungen, die für blinde Menschen gebaut wurden und den nach DIN 18025 Teil 2 anerkannten zusätzlichen Wohnraumbedarf blinder Menschen berücksichtigen, als "unangemessen groß" eingestuft.

Immer wieder werden auf diese Weise ältere blinde Menschen nach dem Tod ihres Ehepartners aufgefordert, sich eine kleinere Wohnung zu suchen und das für blinde Menschen so wichtige vertraute räumliche und soziale Umfeld zu verlassen.

Wir fragen Sie:
Werden Sie sich für diesbezügliche Korrekturen im Sozialhilferecht einsetzen?

Frage 4 - Bundesleistungsgesetz

Wegen der zu engen Grenzen in der Sozialhilfe gibt es schon seit langem die berechtigte Forderung nach einem bundeseinheitlichen Leistungsgesetz, das allen behinderten Menschen diejenigen Leistungen gewährt, die sie brauchen. Voraussetzung für die Schaffung eines solchen Gesetzes wäre, diesen Schritt als eine notwendige gesamtgesellschaftliche Aufgabe anzuerkennen. Außerdem müsste sich auch der Bund an den Kosten beteiligen.

Wir fragen Sie:
Wie stehen Sie zu diesen Forderungen? Welche konkreten Schritte werden Sie nach der Wahl unternehmen, um behinderungsbedingte finanzielle Nachteile auszugleichen und um im Sinne gesamtstaatlicher Verantwortung blinden Menschen zu helfen, die nach drastischen Maßnahmen in einigen Bundesländern bereits überhaupt kein Blindengeld mehr erhalten?

Frage 5 - Schulung Erblindeter in lebenspraktischen Fähigkeiten zur Bewältigung des Alltags

Die nach einer Erblindung notwendige Schulung in lebenspraktischen Fähigkeiten (LPF) ist gemäß § 26 Abs. 3 Nr. 6 SGB IX Teil der medizinischen Rehabilitation und müsste damit, wenn sie im Einzelfall ärztlich verordnet ist, eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sein. Bis heute jedoch lehnen es die Krankenkassen ab, eine Pflicht zur Leistung anzuerkennen, weil nicht das SGB IX, sondern nur das SGB V die Leistungspflichten der GKV begründen könne. Immerhin ist die große Mehrzahl der GKV-Spitzenverbände inzwischen zu einer pragmatischen Lösung und zu diesbezüglichen Verhandlungen mit unserem Verband bereit.

Wir fragen Sie:
Würden Sie, wenn keine Lösung auf dem Verhandlungswege erreicht wird, sich dafür einsetzen, dass der Gesetzgeber eine eindeutige, das SGB IX umsetzende gesetzliche Regelung im SGB V vornimmt?

Berlin/Marburg, im August 2005
gez. Jürgen Lubnau
Präsident des DBSV  

gez. Uwe Boysen
Vorsitzender des DVBS

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Woche des Sehens 2005 - Sind Sie dabei?

In den letzten Wochen haben die neun Partner der "Woche des Sehens" mehr als 18.000 Augenoptiker, Augenarztpraxen, Augenkliniken und mit dem Thema Blindheit befasste Vereine, Institutionen und Einrichtungen eingeladen, mit regionalen Aktionen an einer der größten Kampagnen im Gesundheitssektor aktiv teilzunehmen. Täglich gehen seitdem Anmeldungen aus der gesamten Republik ein. Thema der Veranstaltungen der Blinden- und Sehbehindertenvereine ist natürlich "Wie ist das, blind zu sein, in einer Welt von Farben, Grafiken und Automaten?". Diese Veranstaltungen sind vor allem am 14. Oktober mit dem Ziel der Medienberichterstattung am Tag des weißen Stockes geplant oder finden direkt am 15. Oktober statt.

Schwerpunkt der Aktionen von Augenärzten ist das Thema "Altersbedingte Makuladegeneration". Die Augenoptiker beteiligen sich wie im letzten Jahr mit einer großen Sehtestaktion. Die beteiligten Hilfswerke werden Vorträge zu Blindheitsursachen in der dritten Welt anbieten. Idee der Woche des Sehens ist es, dass sich die verschiedenen Veranstalter zu einer gemeinsamen Aktion zusammenfinden, um den Organisationsaufwand des Einzelnen zu reduzieren und das gemeinsame Ziel der Information zu den Themen "Blindheit" und "Sehen" hervorzuheben. Damit sich die Veranstalter eines Ortes unkompliziert finden, kann im Internet unter www.woche-des-sehens.de in der Rubrik "Für Veranstalter/Bestellmöglichkeiten" eine eigene Veranstaltung angemeldet, oder es können in der Rubrik "Veranstaltungsübersicht" bereits gemeldete Aktionen sortiert nach Ortsnamen gesucht werden.

Dieses Zusammenfinden von Partnern ist auch Voraussetzung für die Beantragung von Fördermitteln. Da die zur Verfügung stehenden Mittel beschränkt sind, gilt es aber außerdem, den Antrag auf Förderung frühzeitig einzureichen. Die konkreten Voraussetzungen für den Antrag auf finanzielle Förderung und der Förderantrag selbst sind im Aktionsleitfaden unter www.woche-des-sehens.de in der Rubrik "Für Veranstalter/Bestellmöglichkeiten" zu finden. Der Aktionsleitfaden ist auf Wunsch beim Projektkoordinator auch in Braille-Schrift erhältlich.

Unterstützt werden die Veranstaltungen durch umfangreiches kostenloses Werbematerial. Zur Verfügung stehen Plakate, Flugblätter, Kampagnenbroschüren sowie mehrere Präsentationen zu Augenerkrankungen und zur Woche des Sehens. Das zur Verfügung stehende Material kann auf der Internetseite unter der Rubrik "Für Veranstalter/Bestellmöglichkeiten" angesehen und bestellt werden.

Ansprechpartner für Veranstalter ist der
WdS-Projektkoordinator Dr. Roland Zimmermann, der unter der
Telefonnummer (030) 28 53 87-28 bzw. der
E-Mail-Adresse r.zimmermann@woche-des-sehens.de

erreichbar ist.

Dr. Roland Zimmermann

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Die Wahlschablone der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe

Es gibt klassische Literatur, Schulbücher, Fernsehprogramme und sogar Speisekarten in Blindenschrift. Bei der Bundestagswahl 2005 wird es nun zum dritten Mal wie bei den beiden bundesweiten Wahlen der Jahre zuvor Stimmzettelschablonen flächendeckend geben.

Die Mehrzahl der Landesvereine im DBSV wird erstmalig in diesem Jahr Stimmzettelschablonen mit einem die Handhabung erläuternden Informationsmaterial rechtzeitig und unaufgefordert an ihre Mitglieder versenden. An den Stellen, wo Kreuze für die Erst- und Zweitstimme zu machen sind, gibt es Löcher. Daneben sind Nummern in Reliefschrift (also arabische Zahlen in Prägeschrift) und in der eigentlichen Blindenschrift (Braille-Schrift, bei der Punkte ertastet werden) aufgetragen. Blinde und sehbehinderte Wählerinnen und Wähler erhalten im Vorfeld der Wahl über den jeweiligen Landesverein des DBSV auch Hintergrundinformationen zur Schablone, mit denen sie jeder Nummer jeweils eine Partei oder ein Direktmandat zuordnen können. Der blinde Wähler nimmt die Schablone mit in die Kabine, legt den Wahlzettel ein, ertastet die gestanzten Nummern entlang der Lochreihen und kann nun zielsicher seine beiden Kreuze in die Stimmfelder setzen. Auch stark sehbehinderten Bürgern bietet die Wahlschablone eine zusätzliche Hilfe. Denn die Stimmfeldlöcher sind schwarz umrahmt und die geprägten Nummern schwarz bedruckt. Dies erleichtert das Kontrastsehen. Der bundessweite Einsatz von Stimmzettelschablonen ist für die Blinden- und Sehbehindertenvereine ein wichtiger Punkt für ein selbstbestimmtes Leben. Hier bei der Ausübung des vornehmsten demokratischen Rechts - der Wahl zum Deutschen Bundestag.

Beim Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren: Die Schablonen sind für diejenigen Landesverbände entworfen, die auch einen bundesweit einheitlichen Stimmzettel in ihren Wahlkreisen haben werden, müssen dann, nachdem die Anzahl der Parteien und Direktmandate feststeht, diesmal in 4 Druckereien geprägt werden, um Zeit zu sparen, und dann an die Landesvereine des DBSV ausgegeben werden. Von dort aus geht's dann in die Verteilung an die blinden und sehbehinderten Wählerinnen und Wähler. Für die Wahlschablonen-Order gibt es eine bundesweite Hotline: 01805 - 666 456.

Der DBSV rechnet gerade bei jungen Blinden mit einer starken Nachfrage. Bei ihnen sei das Interesse, alleine in die Wahlkabine gehen zu können, besonders groß. Denn früher war ein blinder oder stark sehbehinderter Wähler immer darauf angewiesen, eine Vertrauensperson - auch aus dem Wahlvorstand - zu bitten, die Kreuzchen für ihn zu setzen.

Hans-Karl Peter

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Kurzmeldungen

Einreise in die USA für blinde Menschen auch künftig kein Problem

Blinde und sehbehinderte Menschen hatten die Besorgnis geäußert, dass durch die verschärften Sicherheitsbestimmungen bei der Einreise in die USA Blinde benachteiligt bzw. von der Einreise ausgeschlossen werden könnten (biometrische Pässe, Augenscreening).

Vom Generalkonsulat der USA in Frankfurt am Main erhielt der DBSV folgende mündliche Auskunft:

Blinde Menschen brauchen nicht zu fürchten, bei der Einreise in die USA wegen der verschärften Sicherheitsbestimmungen Schwierigkeiten zu bekommen. Bei den vorgesehenen biometrischen Kontrollen soll kein Augenscreening vorgenommen werden.

Erstens will man Reisende ohne Augen oder mit Kunstaugen nicht benachteiligen.

Zweitens ist die auf die Gesichtsform konzentrierte biometrische Kontrolle bereits ausreichend.

Ständig aktualisierte Informationen über die Einreisebedingungen gibt es im Internet unter
www.us-botschaft.de/germany-ger/visa

Jugend mit interessanten Themen

Das Seminar der Jugendvertreter der DBSV-Landesvereine und weiterer Interessierter an der Jugendarbeit findet vom 30.09. bis 03.10.2005 in Bad Meinberg statt.

Themen:


Unter allen Teilnehmern werden folgende Preise ausgelost:


Weitere Infos beim DBSV-Sozialreferenten:
Reiner Delgado
Tel.: (0 30) 28 53 87-24
E-Mail: r.delgado@dbsv.org

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In Kürze:

Weltrekordversuch

Unter dem Motto "Kinder für Kinder" startete die vivesco Apotheken-Kooperation am 15. August in Frankfurt am Main eine bundesweite Spendenaktion, die alle Kinder und Jugendlichen dazu einlädt, sich mit ihrem Handabdruck an einem Weltrekordversuch zugunsten von Kindern im Behindertensport zu beteiligen. Geknüpft werden soll die längste Händereihe der Welt. Für jeden Handabdruck, den Kinder und Jugendliche bis zum 30. September in vivesco Apotheken zu Papier bringen, spenden die Apotheker 50 Cent an den Deutschen Behindertensportverband (DBS). Mit dem Erlös werden gezielt Angebote für Kinder und Jugendliche mit Behinderung gefördert. Schirmherrin der Aktion ist Bundesfamilienministerin Renate Schmidt.

Kommunikation mit Bussen und Bahnen

Die sächsische Landeshauptstadt ist nach Angaben der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) die erste deutsche Stadt mit einem Blindeninformationssystem in Bussen und Bahnen. Mit einem Minifunksender können Sehbehinderte Lautsprecheransagen abrufen. Damit werden über Außen- oder Innenlautsprecher Liniennummer und Fahrtziel angesagt. Dem Fahrer kann auch über ein optisches und akustisches Signal mitgeteilt werden, dass ein behinderter Fahrgast ein- oder aussteigen will. Das System hat sich in Prag und zahlreichen weiteren Städten der Tschechischen Republik bereits seit einigen Jahren bewährt. Die Technik könne nach Auskunft der Verkehrsbetriebe nur in den modernen Stadtbahnwagen und neueren Dresdner Bussen montiert werden. Bis jetzt seien 20 Stadtbahnen und zehn Busse mit dem 600.000 Euro teuren System ausgerüstet. Bis Jahresende sollen es insgesamt etwa 200 sein.

Mehr Informationen gibt es im
Internet: www.dvbag.de

Spezialführungen am Tag des offenen Denkmals

Mit Führungen durch die Luftfahrt-Ausstellung im Deutschen Technikmuseum in Berlin gibt es in Kooperation mit dem Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin (ABSV) am Tag des offenen Denkmals am 11.09. erstmals ein spezielles Angebot für blinde und sehbehinderte Besucher.

Nähere Informationen und Anmeldung (bis spätestens 08.09.) unter:
Tel.: (0 30) 895 88-0
E-Mail: info@absv.de

Eltern-Kind-Kurs - "Ich bin sehbehindert"

Der Bund zur Förderung Sehbehinderter - Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V. führt in Kooperation mit dem Bundesverband (BFS e.V.) für Eltern, Kinder und Interessierte einen Wochenendkurs vom 25. bis 27.11. durch. Er findet in Geseke (Ost-Westfalen) im Gästehaus "Dicke Birken" statt und richtet sich an Eltern mit Kindern im Alter von 3 bis 12 Jahren. Die Kinder sollten gruppenfähig sein.

Information und Anmeldung bei der
BFS-NRW e.V.
Seminarleiterin: Elisabeth Krych
Waltroper Str. 9, 59379 Selm
Tel.: (0 25 92) 91 85 36
E-Mail: elisabeth.krych@bfs-nrw-ev.de
Internet: http://www.seminar.sehbehinderung.de

Angebote in Mündersbach

11. bis 16.09.: "Auf Schusters' Rappen durch den Westerwald"

11. bis 16.09.: "Nordic Walking"


Ausführliche Informationen zu diesen und weiteren Programmangeboten erhalten Sie in der AURA Pension. Bei Ausflügen stehen Begleitpersonen zur Seite. Die Begleitpersonen sind kostenfrei.

AURA Pension Haus Hubertus
Mündersbach gGmbH
Tel.: (0 26 80) 95 0-0
Fax: (0 26 80) 95 10-57
E-Mail: aura-muendersbach@bsbh.org

Urlaub und mehr in Timmendorfer Strand

Das AURA-Hotel Timmendorfer Strand bietet zwei besondere Urlaubswochen an, mit Morgengymnastik, Begleitung zum Schwimmen, Vorlesen und zwei schönen Nachmittagsausflügen; Transfer vom Hamburger Hbf.:
19. bis 24.09. und 17. bis 24.10.

Außerdem:

08. bis 15.10. Wandern für Geübte (max. 12 Teilnehmer)

31.10. bis 07.11. Wohlfühlwoche mit Massage im Haus, 2 x Wassergymnastik, Spaziergänge und Begleitung zum Schwimmen

03. bis 06.11. Tatorterlebnisse zu Dichterlesungen mit Gunter Gerlach

21. bis 27.11. Feldenkrais-Woche an der Ostsee Anmeldung unter Tel.: (0 45 03) 6 00 20

Noch freie Plätze im AURA-Hotel Saulgrub

10.09. bis 17.09. Tandemwoche

24.09. bis 01.10. Sehbehindert/Blind - so lebe ich damit

22.10. bis 25.10. Selbstverteidigung für Frauen nach Wing Chun

29.10. bis 01.11. Sehbehinderten-Seminar

29.10. bis 05.11. Saulgruber Gesundheitspackerl

01.11. bis 03.11. Harmonie- und Wellnesstage

01.11. bis 05.11. Einführung in Reiki - heilsame Lebensenergie

04.11. bis 06.11. Didgeridoo-Workshop

12.11. bis 19.11. Handwerken - Holz kennen lernen und verarbeiten


AURA-Hotel Saulgrub
Kur- und Begegnungszentrum Saulgrub
Tel.: (0 88 45) 99-0
E-Mail: saulgrub@bbsb.org
Internet: www.bbsb.org

Computerkurse und Halloween in Bad Liebenzell

Ab sofort kann man im neu eingerichteten Schulungsraum im Rudolf-Kraemer-Haus (RKH) in Bad Liebenzell PC-Kurse für Anfänger buchen. Wenn sich fünf Teilnehmer zusammenfinden, besorgt das Haus den Referenten und findet einen geeigneten Termin. Ein Schnupperwochenende für PC-Anfänger oder Kompakt-Wochenkurse können belegt werden.

Vom 28.10. bis 01.11. ist Halloween im RKH mit Walking-Tag, Halloweenprogramm und anschließender Party.

Das aktuelle Wochenprogramm des RKH ist unter der Tel.: (0 70 52) 9 20 45 00 abhörbar.

Anmeldungen und Infos direkt über die Rezeption (0 70 52) 9 20 40.

Fit für den Job

Vom 22. bis 24.09. findet in Kassel das Einstiegsseminar Fit für den Job statt. in einer Seminarreihe sollen Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt werden um erfolgreich im Arbeitsleben Fuß zu fassen. Die Workshopthemen umfassen Berufscoaching, Rechtsfragen, Vermittlung und Förderung durch ZAV, Rahmenbedingungen beim Schritt in die Selbstständigkeit, Hilfsmittel, IT-Training, Bewerber-Training sowie individuelle Weiterbildungsangebote und werden in parallel verlaufenden Workshops abgehalten.

Anmeldung und nähere Informationen bei:
DVBS-Geschäftsstelle
Andreas Wohnig
Tel.: (0 64 21) 9 48 88-23
E-Mail: wohnig@dvbs-online.de

Aktionstag

Am 15.10. findet in der Zeit von 10 bis 18 Uhr im Hause des CVJM, Gertenbachstr. 38, 42899 Remscheid der Aktionstag der drei bergischen Blindenvereine Remscheid, Solingen und Wuppertal statt.

Mehrere Hilfsmittelfirmen und Einrichtungen nehmen an der Veranstaltung teil. Highlight dieses Tages wird ein Dunkelkaffee sein.

Auskunft erhalten Sie unter der Rufnummer (0 21 91) 29 16 77.

Seminare bei BOB

23. bis 25.09. Die Deutung Ihres Geburtshoroskopes,

01.10. bis 03.10. Arbeiten mit Speckstein - eine nicht alltägliche Freizeitbeschäftigung. Beide Seminare im Rudolf-Kraemer-Haus Bad Liebenzell.

Nähere Informationen und Anmeldung bei:
Bildung ohne Barrieren
Tel.: (0 76 21) 79 92 30
E-Mail: info@bob-institut.org

Wahlprogramme der Parteien

Das Landespfarramt für Blinden- und Sehbehindertenseelsorge der Ev. Kirche im Rheinland bietet blinden und sehbehinderten Menschen für die Bundestagswahl die Wahlprogramme der Parteien als CDs im DAISY-Format (Mp3) an.

Bestellungen unter:
(02 11) 58 98 98 oder
(02 11) 1 71 11 10 (AB-Info)

Barrierefreiheit im Nürnberger Bahnhof

Nach Bremen und Hannover erhielt nun auch Nürnberg einen Bahnhofslageplan in Blindenschrift. Für blinde und sehbehinderte Reisende ist das Tastpult eine entscheidende Erleichterung, um sich selbstständig in einer unbekannten Umgebung orientieren zu können. Es ergänzt bisherige Maßnahmen wie Leitstreifen im Boden und Leittafeln in den Aufzügen.

Singleseminar

"Loslassen lernen - Zuversicht gewinnen - authentisch leben" - unter diesem Motto findet das 5. Singleseminar der Pro Retina Deutschland statt; 10. bis 13.11.

Partnerseminar der PRO Retina Deutschland e.V.

Vom 03.11. bis 06.11.: "Wie wir besser miteinander leben können"

Themenschwerpunkte sind: Trauerarbeit und Loslassen lernen, Akzeptanz und Sinnfindung, Ängste und ihre Copings sowie Partnerschaft zwischen Freiheit und Verantwortung.

Das Seminar findet im AURA-Hotel Timmendorfer Strand statt, Tel.: (0 45 03) 6 00 20.

Nähere Informationen und Anmeldungen bei:
Maria Kretschmer
Tel.: (0 81 31) 5 40 18

"Ich nehme wahr, was Du nicht siehst."

Unter diesem Motto steht ein Seminar zum Thema Wahrnehmung, das vom 21. bis 24.10. stattfindet. Es ist für stark sehbehinderte und blinde gemeinsam mit sehenden Partnern, Bekannten oder Verwandten konzipiert. Silvia Reichert de Palacio leitet das von Aktion Mensch finanziell geförderte Projekt für den Verein zur Förderung der Geomantie Hagia Chora e.V.

Nähere Informationen und Anmeldungen unter:
Tel.: (05 11) 3 88 12 84
E-Mail: Reichert.Palacio@t-online.de

"Mein Auftreten - stilvoll, sicher und überzeugend?!"

Unter diesem Titel findet das diesjährige Sehbehindertenseminar des Bayer. Blinden- und Sehbehindertenbundes vom 29.10. bis 01.11. im AURA Hotel Saulgrub statt.

Das Programm kann angefordert werden unter:
Tel.: (0 88 45) 99-0 oder
E-Mail: saulgrub@bbsb.org

Tag der offenen Tür im BFW Düren

Das Berufsförderungswerk Düren führt am 24.09. von 11 bis 16 Uhr einen Tag der offenen Tür durch. Neben interessierten Bürgern, Vertretern von Verbänden und Vereinen sind vor allem potenzielle und ehemalige Rehabilitanden eingeladen. Während des gesamten Tages stehen die Fachleute des Berufsförderungswerkes zu Gesprächen zur Verfügung und beraten über Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für blinde und sehbehinderte Menschen.

Zudem werden neue technische Entwicklungen auf dem Hilfsmittelmarkt durch die Abteilung "Elektronische Beratung und Weiterbildung" präsentiert.

Tel.: (0 24 21) 5 98-0

DZB aktuell

Die folgenden von der DZB herausgegebenen Zeitschriften erscheinen jetzt auch im DAISY-Format:


Vorbestellungen, Probeausgaben, Abonnements unter:
E-Mail: verlag@dzb.de
Tel.: (03 41) 71 13-120
Fax: (0341) 71 13-125

Einladung zum Schreiben

BLAUTOR - der "Arbeitskreis blinder und sehbehinderter Autoren" lädt zum Mitmachen ein. Schreiben auch Sie ab und zu Gedichte oder Texte? Wir pflegen alle literarischen Gattungen, wobei die Individualität des einzelnen Autors immer Priorität hat.

Besuchen Sie unsere Webseite www.blautor.de und telefonieren Sie mit der Sprecherin unseres Arbeitskreises: Ines Pape; Tel.: (0 33 61) 34 56 28.

IFA im Wohnzimmer

Diese weltweit größte Messe der Unterhaltungselektronik findet vom 02. bis 07.09. in Berlin statt. In Form von Reportagen, Firmen-Interviews und Neuheiten-Berichten vermitteln wir Ihnen einen umfassenden Überblick. Zwei Stunden IFA-Berichte, wahlweise auf einer Kassette C-120 oder auf MP3-CD. Diese MP3-CD können Sie u.a. auf fast allen tragbaren CD-Playern, auf DVD-Playern, auf DAISY-Abspielgeräten und auf Windows-PC's nutzen. Bestellen können Sie beim Verein zur Förderung der Blindenbildung in Hannover und bei der Redaktion INFOTAPE in Berlin (siehe Anzeigenteil).

VzFB aktuell

Jetzt kostenlos bei uns erhältlich: "Das grüne Buch der Schönheit" von Yves Rocher, Ausgabe 2005, in Punktschrift.

Nähere Informationen:
Tel. (05 11) 9 54 65 - 32

AMD und Ernährung

Die kürzlich erschienene Broschüre "Altersabhängige Makuladegeneration (AMD) und Ernährung" informiert darüber, was man selbst zur Vorbeugung gegen eine durch das Alter bedingte Netzhauterkrankung tun kann. In wissenschaftlichen Untersuchungen (ARED-Studie) wurde nachgewiesen, dass die Aufnahme von Mikronährstoffen wie z.B. antioxidativen Vitaminen, Spurenelementen oder Omega-3-Fettsäuren in der Vorbeugung als auch bei bestehender AMD-Erkrankung eine große Rolle spielen. Die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist eine Erkrankung des Auges, die im Spätstadium zum Verlust der Sehkraft im Fixierpunkt (Zentrum des Gesichtsfeldes) führen kann.

Eine weitere Broschüre "AMD - Was ist das?" informiert ausführlich über die altersabhängige Makuladegeneration.

Beide Titel können bestellt werden bei:
Pro Retina Deutschland e.V.
Vaalser Str. 108, 52074 Aachen
Tel.: (0241) 87 00 18
Fax: (0241) 87 39 61
E-Mail: pro-retina@t-online.de
Internet: www.pro-retina.de

Ein aktuelles DAISY-Buch

Bei der Deutschen Blindenstudienanstalt Marburg kann das Buch "Was zur Wahl steht" ausgeliehen werden. "Was zur Wahl steht darf keineswegs verwechselt werden mit dem, was zur Wahl gestellt wird, denn der Wahlzettel ist ein plumpes Instrument, welches nur die simpelsten Alternativen eröffnet." Dies meint zumindest der renommierte Soziologe Ulrich Beck. Der Autor weltbekannter Diagnosen der Risikogesellschaft, der Globalisierung und der europäischen Situation, skizziert in diesem provokanten Band seinen Eindruck der deutschen Lage und der deutschen Wahlmöglichkeiten. Seine These lautet: Die berechtigte Kritik an der Schröder-Fischer-Politik kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Pleite Deutschlands vielfältigste Ursachen hat und nicht zuletzt im Kopf beginnt.

Unter der Bestellnummer 12690 kann der Titel ausgeliehen werden.

Tel.: (0 64 21) 60 60
Fax: (0 64 21) 6 06-2 59
E-Mail: info@blista.de
Internet: www.blista.de

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Standpunkte:

Das Blindenbild in den Medien muss sich ändern

Gut sehen sie aus. Die Models der neuen Werbekampagne des Jeansherstellers Levi's. Dass sie blind und sehbehindert sind, sieht man nicht. Muss man auch nicht. Denn die abgedruckten Werbesprüche wie "Meine Beine sagen mir, dass sie gut sitzt!" sagen dem Betrachter: "Blind zu sein ist kein Problem!"

Haben wir es geschafft? Sind blinde und sehbehinderte Menschen voll integriert in einer barrierefreien Gesellschaft? Das Ziel des selbstständigen und selbstbestimmten Lebens erreicht? - Leider nicht. Denn es sind schlichte Werbebotschaften, die auf Klischees aufbauen, die mit der Wahrheit nicht viel zu tun haben.

Was soll man gegen solche Klischees in der Werbung tun? Die Medien auf den Jeanshersteller hetzen? Das wird nicht erfolgreich sein. Bemühen doch gerade die Medien sehr gerne Klischees bei ihrer Berichterstattung über Menschen ohne Augenlicht. Besonders in überregionalen Zeitungen und Zeitschriften findet sich der blinde Mensch meist nur in zwei Versionen wieder: Als der Supermann oder - verzeihen Sie - die arme Sau. Version 1 kann Gedanken lesen, springt jedes Wochenende von einem Flugzeug mit dem Fallschirm ab, läuft Marathon-Weltrekorde und bringt blinden Menschen in Tibet die Braille-Schrift bei. Version 2 sitzt apathisch Tag und Nacht zuhause hinterm Ofen und ist vollkommen auf die Hilfe der treu sorgenden Ehepartner oder Kinder angewiesen. Ich übertreibe? - Ja, leider aber nicht viel.

Was macht die Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe? Ich meine: Zu oft das Falsche. Wir bedienen Klischees. Auf Anfragen nach einem berufstätigen blinden Menschen wird nicht ein Telefonist vermittelt, sondern der blinde Abteilungsleiter in einem Bundesministerium. Wenn es um Sportarten geht, die blinde und sehbehinderte Menschen ausüben, ist der Wunsch der Medien an die Vereinsgeschäftsstellen: "Habt Ihr was besonders?". Und prompt bekommen sie statt dem älteren, Tandem fahrenden Ehepaar oder dem blinden Freizeitjogger eben die blinde Triathletin oder den blinden Speerwerfer, der bei den Paralympics die Goldmedaille geholt hat. Der blinde Mensch hinterm Ofen ist dann gefragt, wenn die Medien über Nachteilsausgleiche berichten wollen. Denn darzustellen, warum der blinde selbstständige Mensch mit Arbeitsplatz Blindengeld erhält, wäre ja deutlich anspruchsvoller und würde oft mehr Platz einnehmen, als der Chefredakteur für das Thema zugestanden hat.

Fast durchgehend wehren sich die Blinden- und Sehbehindertenvereine nicht gegen die absehbar-klischeegesteuerte Berichterstattung, sondern unterstützen sie noch durch entsprechende Wunscherfüllung. Aus durchaus verständlichen Gründen: Den Journalisten entgegenzutreten wäre verbunden mit der Gefahr, weniger Medienberichterstattung dem Vorstand und der Geschäftsführung präsentieren zu können. Können wir so weitermachen? Sicherlich nicht. Denn diese klischeehafte Darstellung je nach Sachlage zerstört langfristig die Glaubwürdigkeit der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe, irritiert die Öffentlichkeit und bereitet den Boden für die Durchsetzbarkeit von Grausamkeiten seitens der Politik gegenüber blinden Menschen.

Wir werden die Medien bestimmt nicht von heute auf morgen von Klischeebildern abbringen können. Auch weil immer das Besondere im Mittelpunkt aller Berichterstattung durch die Medien steht und nicht das Normale. Ein Schritt in die richtige Richtung wäre aber, wenn wir vermitteln, dass es zum Beispiel der blinde Abteilungsleiter im Ministerium nur zu seiner Position gebracht hat, weil er in mit öffentlichen Geldern finanzierten Rehabilitationskursen gelernt hat, mit seiner Behinderung den Anfordernissen trotz fehlenden Augenlichts zu entsprechen, Braille-Schrift zu lesen und einen Computer mit null Sehvermögen zu bedienen. Dass er nur in seinem Beruf bestehen kann, weil er einen vom Arbeitsamt mitfinanzierten Arbeitsassistenten an seiner Seite hat, der das fehlende Augenlicht ersetzen hilft. Dass er auch in seinem Privatleben so gut nur integriert ist, weil er Blindengeld erhält. Dies alles mit zu vermitteln, ist die Herausforderung, die wir gemeinsam angehen müssen.

Thomas Krieger
Pressesprecher des DBSV

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Aus aller Welt:

Lobbyarbeit in Brüssel

Die Europäische Union bekennt sich zu ihrer sozialen Verantwortung in Bezug auf die Beschäftigung behinderter Menschen und die barrierefreie Gestaltung von Produkten.

Das ist das wichtigste Ergebnis eines Gesprächs über aktuelle sozialpolitische Themen, zu dem EU-Kommissar Günter Verheugen DBSV-Präsident Jürgen Lubnau und Rodolfo Cattani von der Europäischen Blindenunion am 13.06.2005 in Brüssel empfangen hatte.

Anlass für den Dialog zwischen Blindenselbsthilfe und EU-Politik waren bedenklich stimmende Äußerungen des Präsidenten der EU-Kommission, Manuel Barroso. Der hatte in einer Pressekonferenz Anfang Februar 2005 angekündigt, die EU werde sich künftig verstärkt um die Verbesserung der Wachstumsbedingungen zu kümmern haben, um ihr ehrgeiziges Ziel zu erreichen, die Europäische Union bis zum Jahr 2010 zum weltweit innovativsten Wirtschaftsraum zu machen.

DBSV und EBU befürchten, die Konzentration auf rein wirtschaftliche Ziele könnte dazu führen, dass die Sozialpolitik, bislang unbestritten eine gleichberechtigte Säule neben der Wirtschafts- und Umweltpolitik der EU, in den Hintergrund tritt. "Ohne die Einbeziehung der Sozialpartner und Verbände", so Jürgen Lubnau bei dem einstündigen Meinungsaustausch, "sind die Ziele der Lissabon-Strategie jedoch nicht zu erreichen."

Eine Einschätzung, die Günter Verheugen, der im Barroso-Kabinett für die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit in der EU zuständig ist, erfreulicherweise teilt: "Der Abbau von Diskriminierungen und die Verbesserung des Zugangs zum Arbeitsmarkt für behinderte Menschen haben für mich absolute Priorität", stellte der EU-Kommissar fest.

Den Einwand, in vielen Programmen der EU sei nicht mehr von den sozialen Belangen behinderter Menschen die Rede, mochte er nicht gelten lassen. Seine Generaldirektion arbeite z.Z. an einer neuen Politik für kleine und mittlere Unternehmen, die viele Maßnahmen auch für die Verbesserung der Beschäftigungslage behinderter Menschen vorsehe.

Weitere Gesprächsthemen waren: die barrierefreie Gestaltung von Geräten, insbesondere von Automaten und Kommunikationsendgeräten sowie die Rechte behinderter Flugpassagiere. Auch hier sicherte Verheugen DBSV und EBU seine volle Unterstützung zu und will nachdrücklich im Kabinett für die Belange behinderter Menschen werben. Allen Bemühungen der Fluggesellschaften, sich ihrer Verantwortung für das Assistenzproblem zu entledigen, erteilte Verheugen dabei eine klare Absage: "Keine Sorge. Die Verordnung ist beschlossen und wird in Kraft treten. Die Fluggesellschaften und ihre Lobby haben bei mir keine Chance."

Gegenstand eines Gesprächs bei der Abteilung Postdienste der EU-Kommission, bei dem EBU-Präsidiumsmitglied Wolfgang Angermann die deutsche Blindenselbsthilfe vertrat, waren die Bedenken der EBU im Hinblick auf die bis 2009 geplante Liberalisierung des Postverkehrs. Diese Bedenken gehen dahin, dass im Zuge der Liberalisierung die Gebührenfreiheit des Postverkehrs für blinde Menschen - da, wo sie besteht - verloren gehen könnte.

Die EBU-Vertreter machten deutlich, dass der kostenlose Postverkehr insbesondere für die Arbeit der Bibliotheken für Braille-Schrift- und Hörbücher unabdingbare Voraussetzung für die Literaturversorgung blinder Nutzerinnen und Nutzer ist. Müssten diese Institutionen künftig für den Versand ihrer Ausleihtitel Gebühren zahlen, so würde das letztlich die blinden und sehbehinderten Leserinnen und Leser treffen. Das aber wäre eine Diskriminierung gegenüber allen, die ungehindert und kostenlos das breite Angebot öffentlicher Bibliotheken nutzen können. Deshalb - so die Forderung der EBU - muss in einer EU-Richtlinie über die Sicherstellung der allgemeinen Postversorgung den Mitgliedsstaaten verbindlich aufgegeben werden, durch geeignete Rechtsvorschriften die Betreiber von Postdiensten zu verpflichten, für blinde und sehbehinderte Postkunden bestimmte Sendungen in Blindenschrift oder zur Versorgung mit Literatur in alternativen Zugangsmedien kostenlos zu befördern. Für die Betreiber liege hierin letztlich keine spürbare wirtschaftliche Belastung, da die betroffenen Postsendungen nur einen kleinen Bruchteil vom Gesamtvolumen des Postaufkommens ausmachten.

Herr Reinbothe, Vertreter der Europäischen Union, sicherte zunächst zu, dass im Zuge der Liberalisierung des Postverkehrs von Seiten der EU Vorkehrungen getroffen werden, um eine allgemeine Versorgung der Bürgerinnen und Bürger mit Postdienstleistungen sicher zu stellen. In diesem Zusammenhang werde man selbstverständlich auch die besonderen Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Menschen zu beachten haben.

Man werde deshalb die EBU - so wie auch die übrigen Interessenverbände - am weiteren Richtlinienverfahren beteiligen. Grundsätzlich sei das Anliegen der EBU verständlich und nachvollziehbar.

Gleichwohl werde es unter Berücksichtigung des Subsidiaritätsgrundsatzes äußerst schwer sein, über eine empfehlende Regelung in der zu schaffenden Richtlinie hinauszukommen. Allerdings seien solche Empfehlungen von den Mitgliedsstaaten in der Vergangenheit nicht selten als gewissermaßen verpflichtend aufgefasst und behandelt worden.

Hans Kaltwasser und  
Wolfgang Angermann 

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Das Schaufenster 3/2005

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Die Tatsache, dass die ersten Programmzeitschriften für Blinde im DAISY-Format erschienen sind, soll zum Anlass genommen werden, in dieser Ausgabe einen Überblick über das Angebot an Publikationen zu Hörfunk- und Fernsehprogrammen zu geben.

Die jeweiligen Kontaktmöglichkeiten werden am Schluss des Artikels genannt.

Lothar Rehdes  

Punktschrift

Wie auch auf allen anderen Gebieten der Publikationen ist die Punktschrift das klassische Medium für Blinde. Wenn auch leider bei weitem nicht alle Blinden die Punktschrift beherrschen, ist doch für diejenigen, die Braille lesen können, der Zugriff unmittelbar und ohne Hilfsmittel möglich.

Als Programmzeitschriften in Punktschrift sind erhältlich:

Braille-TV vom Blindenhilfswerk Berlin (Jahresabo 36 Euro); sie erscheint wöchentlich und enthält auf 120 bis 140 Seiten das Programm von 17 Fernsehsendern.

Braille-Radio von der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB) (Jahresabo 30,68 Euro). Enthalten ist in 2 Heften von jeweils 40 Seiten das Programm der bundesweiten Sender Deutschlandradio Kultur und Deutschlandfunk sowie der Kulturkanäle der ARD-Anstalten. Kurze Begleitinformationen werden mitgeliefert.

Sowohl die Braille-TV als auch die Braille-Radio sind auch auf Diskette erhältlich. (Die Braille-TV neben Kurzschrift auch ungekürzt für Sprachausgabenutzer).

Kassette

Die Übersichtlichkeit traditioneller Hörmedien lässt insofern zu wünschen übrig, als Strukturierungen nur bedingt genutzt werden können; man behilft sich damit, dass die Abschnitte durch Indextöne gekennzeichnet werden, die mit dem Suchlauf gefunden werden müssen. Trotzdem gibt es Programmzeitschriften auf Kassette, deren Schwerpunkt allerdings eher auf der Bereitstellung begleitender Informationen zu Programmschwerpunkten liegt.

So gibt der VzFB Hörkassetten zu verschiedenen Programmen des Norddeutschen und des Westdeutschen Rundfunks heraus, die jeweils für 35 Euro pro Jahr bezogen werden können. Ein ähnliches Angebot gibt es vom Bit-Zentrum für Hörfunk und Fernsehen des Bayerischen Rundfunks zum Preis von 38 Euro pro Jahr.

DAISY

Das Manko mangelnder Übersichtlichkeit der Kassette wird durch das DAISY-Format überwunden. Die CD's sind so organisiert, dass mit einem speziellen DAISY-Abspielgerät (einfacher MP3-Player genügt nicht) jeder beliebige Abschnitt innerhalb kürzester Zeit gefunden werden kann. Mehrere hierarchische Ebenen stehen zur Verfügung. Diese Funktionalität kann für Programmzeitschriften besonders optimal genutzt werden, da in den Ebenen die Auswahl nach Datum, Programm, Tagesabschnitt und Sendung erfolgen kann. Wegen der Menge an Information, die auf einer DAISY-CD untergebracht werden kann (ca. 64 Stunden), erfolgt die Aufsprache von Programmzeitschriften durch synthetische Stimmen (Sprachausgabe).

Derzeit sind 2 DAISY-Programmzeitschriften erhältlich - DAISY-TV (DZB - 91 Euro) und das sprechende Radio- und Fernsehprogramm (VzFB - 142,80 Euro). Die Gestaltung der Zeitschriften ist ähnlich. Während die DZB möglichst viele Fernsehprogramme unterbringt, bietet der VzFB neben den öffentlich-rechtlichen (kein RBB) und den bekanntesten Privaten Fernsehprogrammen auch Hörfunkprogramme von Deutschlandfunk, Deutschlandradio, vom Südwestrundfunk, Hessischen und Bayerischen Rundfunk.

Für das Aufnehmen von Fernsehsendungen werden in der VzFB-Zeitschrift auch die ShowView Zahlen geboten.

Spezielle Programminformationen

Zuweilen besteht der Wunsch, vorrangig über bestimmte Programmangebote umfassend informiert zu werden. Dies kann sich z.B. auf Musiksendungen oder auch auf Hörspiele und Features beziehen. So stellt das Blindenhilfswerk Berlin einen Hörspielplan für die Programme Deutschlandradio, Deutschlandfunk, Radio Kultur und Berlin 88acht in Punktschrift kostenlos zur Verfügung. Vom BIT-Zentrum gibt es Hörspielpläne für den Südwestrundfunk (Punktschrift - 15 Euro) und für den Bayerischen Rundfunk (Kombination Punktschrift und Kassette - 16 Euro). Weiterhin sind Informationen zu Hörspielen, Features und anderen Kultursendungen auf Diskette direkt beim Westdeutschen Rundfunk kostenlos erhältlich.

Informationen zu Hörfilmen können aus Publikationen der Deutschen Hörfilm gGmbH entnommen werden, wie sie z.B. auch der "Gegenwart" beigelegt werden.

Auch können weitere Informationen - so zum Empfang von Hörfilmen - bei der DHG angefordert werden. Über das Hörfilm-Service-Telefon sind u.a. die aktuellen Sendetermine zu erfahren.

Telefonansagedienst

Unter der Telefonnummer 04544 - 80 89 991 kann man bei Regine Planer-Regis den TV-Sprachservice abonnieren (78 Euro im Jahr oder Abrechnung nach Zeittakt). Mittels PIN kann der Ansagedienst erreicht und die gewünschten Programminformationen mit der Telefontastatur ausgewählt werden. Beim Pauschalabonnement steht dafür täglich eine halbe Stunde zu Verfügung. Derzeit stehen 30 Programme zur Auswahl. Nach Bedarf können detaillierte Informationen zu den Sendungen abgerufen werden. Ein halbstündiger unverbindlicher Test kann vor Vertragsabschluss kostenlos in Anspruch genommen werden.

Internet

Das Internet gewinnt immer größere Bedeutung bei der Bereitstellung von Informationen aller Art. Bei entsprechender Computerausstattung können sich auch Blinde die Angaben zum aktuellen Hörfunk- und Fernsehprogramm aus dem Internet beschaffen.

Besonders gut geeignet hierfür ist das Internetangebot der Zeitschrift Hörzu, die mit ihrer textorientierten Darstellung unserem Personenkreis besonders entgegenkommt.

Webadresse: http://text.hoerzu.de/

Außer den Kosten für den Internetzugang fallen keine weiteren Kosten an.

Kontakte

Blindenhilfswerk Berlin e.V.
Telefon (030) 7 92 50 31
(Frau Hertz)

Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)
Telefon (0341) 71 13 - 120
(Frau Thormann)

Verein zur Förderung der Blindenbildung (VzFB)
Telefon (0511) 9 54 65 - 40
(Herr Dippel)

BIT-Zentrum des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes
Telefon (089) 5 59 88 - 134
(Frau Elmer)

Westdeutscher Rundfunk (WDR)
Telefon (0221) 220 - 3161
(Frau Fühlen)

Das Schaufenster wird gefördert durch die Lotterie "GlücksSpirale".

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