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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
am 15. Oktober starteten der DBSV und der DVBS eine neue intensive Runde in der Unterschriftenaktion zum Erhalt des Blindengeldes. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten bereits über 130.000 Bürgerinnen und Bürger gegen die Abschaffungspläne in Niedersachsen mit ihrer Unterschrift eindeutig Stellung bezogen.
Jetzt geht es darum, außerhalb Niedersachsens für noch mehr Unterschriften zu sorgen. Deshalb soll jeder, dem die neuen Listen vorgelegt werden, gleich verstehen, dass das Blindengeld leider nicht nur in Niedersachsen, sondern in ganz Deutschland gefährdet ist.
"Sollen Blinde wieder zu Almosenempfängern werden?" Unter dieser Überschrift wird die Bedeutung des Blindengeldes als unverzichtbarer Nachteilsausgleich dargestellt. Weiter heißt es auf der Unterschriftenliste:
"Blinde Menschen sollen die Kosten für ihre Behinderung selbst tragen - solange, bis sie die Voraussetzungen für den Bezug von Sozialhilfe erfüllen. Wer blind ist, wird also früher oder später automatisch arm. Bitte unterstützen Sie unseren Protest gegen diese unsoziale Politik durch Ihre Unterschrift!"
Unterstützen auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, diese Aktion. Sammeln Sie Unterschriften und schicken Sie die ausgefüllten Listen bitte an den Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband e.V.:
DBSV
Rungestr. 19
10179 Berlin
Im Internet ist die Liste unter www.blindengeld-muss-bleiben.de zu finden und bei den DBSV-Landesvereinen kann man sie ebenfalls bekommen.
Ihr Dr. Thomas Nicolai
Der "9/11", wie ihn die Amerikaner nennen, ist seit diesem Jahr nicht nur ein symbolischer Tag in den USA. Seit dem 11. September 2004 ist es auch ein historisches Datum für die größte Demonstration blinder Menschen, die es jemals in Deutschland gegeben hat.
Anlass zu dieser bislang einmaligen bundesweiten Protestaktion war die Absicht der niedersächsischen Landesregierung, das bereits im letzten Jahr um 20 Prozent gekürzte Landesblindengeld jetzt vollständig zu streichen. Niedersachsen wäre damit das erste Bundesland, das den schrecklichsten sozialen Kahlschlag, den es für blinde Menschen geben kann, vollzieht. Der Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen (BVN) wehrt sich deshalb mit einer bislang beispiellosen Protest- und Pressekampagne gegen die Abschaffung des Landesblindengeldes.
Landesweit konfrontierten Mitglieder der regionalen Blindenvereine im BVN den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff, die Sozialministerin Ursula von der Leyen und viele andere Politiker mit den Folgen des von ihnen geplanten sozialen Kahlschlages. Zusammen mit dem DBSV und mit Unterstützung aller deutschen Landesblindenverbände rief dann der BVN als Höhepunkt der Protestaktionen zu einer bundesweiten Demonstration nach Hannover auf. Mit überwältigendem Erfolg: Bereits um 10 Uhr erreichten Dutzende von Bussen mit blinden und sehbehinderten Menschen unter anderem aus Bayern und Sachsen den hannoverschen Schützenplatz am Maschsee. Auch per Bahn traf unaufhörlich seit dem frühen Morgen ein unübersehbarer Strom blinder Menschen mit ihren Begleitpersonen oder Führhunden in Hannover ein. Sie alle wollten ihren Protest gegen den Angriff auf die Zukunftschancen blinder Menschen persönlich deutlich machen und damit ihren blinden Schicksalsgefährten in Niedersachsen helfen.
Dieser über lange Jahre gewachsene Familiensinn und die in der Not spontane Solidarität unter blinden Menschen in ganz Deutschland führte zu einer der größten Veranstaltungen, die die deutsche Blindenselbsthilfe je erlebt hat:
"Fünf vor 12" um 11.55 Uhr formierten sich inzwischen tausende Menschen zu einem kilometerlangen und fantasievoll gestaltenden Demonstrationszug durch Hannover. Die blinden Demonstranten trugen zahllose Spruchbänder und Transparente. Diszipliniert und ohne jede Zwischenfälle marschierten sie trotz strömenden Regens am niedersächsischen Landtag vorbei zum Platz vorm alten Rathaus. Fast alle Beteiligten hatten gelbe Baseballkappen mit den drei schwarzen Punkten aufgesetzt und riefen in Sprechchören "Hände weg vom Blindengeld". Eine Sambaband sorgte mit ihren Trommeln für beschwingte Schritte und heizte mit ihren Rhythmen die Stimmung an. Aus einem Lautsprecherwagen am Anfang des Demonstrationszuges klärte der Geschäftsführer des BVN Hans Werner Lange die Bevölkerung, die dem Demonstrationszug große Aufmerksamkeit und Sympathie entgegenbrachte, über die Situation und das Anliegen blinder Menschen auf. Beim Eintreffen zur Abschlusskundgebung auf dem Rathausplatz war der Demonstrationszug nach den offiziellen Zählungen der Polizei auf über 10.000 Menschen angeschwollen. So viele, dass mit dem Beginn der Kundgebung noch zwanzig Minuten gewartet werden musste, bis auch die letzten eingetroffen waren. Schließlich war der Rathausplatz dicht an dicht mit den die gelben Symbolkappen tragenden Menschen gefüllt. Ein historisch einmaliges Bild, das auch der Tagesschau noch am selben Abend einen Bericht wert war.
Die Kundgebung war durch eine bewegende Atmosphäre gekennzeichnet. Nach der Begrüßung der Teilnehmer durch die Vorsitzende des BVN Helga Neumann warnte der Geschäftsführer des DBSV Andreas Bethke davor, dass die Expostadt Hannover jetzt zum "blindesten sozialen Fleck Deutschlands" zu werden drohe. Doch wie die Demonstration zeige, ständen blinde Menschen bei ihrem Kampf dagegen nicht allein.
"Die Abschaffung des Landesblindengeldes in Niedersachsen ist für blinde Menschen der schrecklichste soziale Kahlschlag, den wir uns haben überhaupt vorstellen können", sagte in seiner anschließenden Rede der Geschäftsführer des BVN Hans-Werner Lange. "In den letzten 40 Jahren ist es durch das Landesblindengeld gelungen, blinde Menschen vom Rand der Gesellschaft hinwegzuholen. Das Rückdrängen blinder Menschen in die Sozialhilfe, das für uns Fürsorgestaat und Bittstellertum in der Zukunft bedeuten würde'- dagegen werden wir uns mit allen Kräften zur Wehr setzen."
"Dass so viele Menschen heute in Hannover versammelt sind, muss uns alle mit Stolz erfüllen!", so stellte der Präsident des DBSV Jürgen Lubnau fest. "Wir setzen hier ein unübersehbares Zeichen der Entschlossenheit und Solidarität. Wir lassen uns das Blindengeld nicht nehmen! Dabei erfahren wir viel Zuspruch in der Bevölkerung. Der niedersächsische Finanzminister Möllering hat die anderen Bundesländer aufgerufen die Landesblindengeldgesetze ebenfalls zu streichen. Diesen Angriff auf die Rechte blinder und sehbehinderter Menschen weisen wir auf das Entschiedenste zurück."
Die Solidarität aller Mitglieder seiner großen Organisation sagte der Präsident des Sozialverbandes Deutschland (SoVD) Adolf Bauer allen blinden Menschen zu und rief dazu auf dem Versuch, verschiedene Gruppen behinderter Menschen gegeneinander auszuspielen, entgegenzutreten.
Cornelia Rund, Vorstandsvorsitzende des Paritätischen Niedersachsen, stellte fest:
"Es geht um sehr viel mehr als die Streichung von Geld: Es geht um den symbolischen Akt, Menschen mit Behinderungen, Menschen, die die Hilfe anderer benötigen, zukünftig Unterstützung zu verweigern. Es ist ein Vertrauensbruch, der weit tiefer in die Gesellschaft hineinwirkt, als sich oberflächlich erahnen lässt."
Hannelore Loskill, stellvertretende Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte, versicherte den Demonstranten die Unterstützung aller Organisationen im Deutschen Behindertenrat.
Kurt Schorn, Vorsitzender der Pro Retina: "Wenn ich aber höre, dass ein Unternehmen wie Vodafone für den Deal mit Mannesmann 50 Mrd. Euro Steuerersparnis und damit einen gesellschaftlichen Schaden von ca. 20 Mrd. Euro in diesem Jahr verursachen wird, warum reden wir dann jetzt überhaupt über das Blindengeld? Hier stimmt etwas mit dem wirtschaftlich-sozialen Gleichgewicht in unserem Land nicht mehr!"
Als tatkräftig, entschlossen und politisch zielstrebig kennzeichnete als letzter Redner der niedersächsische Behindertenbeauftragte Karl Finke das Handeln blinder Menschen heute. "Mit der Rolltreppe abwärts im Sozialbereich muss endlich Schluss sein", so Finke, "wir blinden Menschen wollen unser Leben selbst mitgestalten und lassen uns die Mittel dazu, wie es das Blindengeld eines ist, nicht kampflos wegnehmen."
Zum Abschluss der Demonstration stiegen zu den Klängen des Beatles-Song "Let it be" Hunderte von gelben Luftballons mit den drei schwarzen Punkten und dem Aufruf zur Solidarität in alle Winde auf. Das große Interesse der Medien an dieser bislang größten Protestaktion blinder Menschen in Deutschland wurde auch in der anschließenden Pressekonferenz deutlich. Sie fand in dem eigens für die Demonstration vom BVN in Kooperation mit dem DBSV errichteten Pressezentrum statt und stieß auf lebhaftes Interesse. Die niedersächsiche Landesregierung hat bereits kurz vor der Demonstration Verhandlungsbereitschaft über das Landesblindengeld signalisiert. Endgültiges lag bei Redaktionsschluss allerdings noch nicht vor.
Doch schon jetzt hat die Demonstration bewiesen, dass "Blindenselbsthilfe" kein leeres Schlagwort ist und blinde und sehbehinderte Menschen beim Kampf um ihre Zukunftschancen nicht alleine stehen. "Wir kommen wieder", sangen die über 10.000 Menschen auf dem Nachhauseweg. Im Gegensatz zu vielen Politikern werden sie ihr Wort auch tatsächlich halten.
Jürgen Krause
Für 12.000 blinde Menschen in Niedersachsen geht es zurück ins vorige Jahrhundert. Die niedersächsische Sozialministerin will das seit 40 Jahren bewährte Landesblindengeld preisgeben und dafür eine Stiftung einsetzen, die blinden Menschen nur auf Antrag und nach Prüfung ihrer Lebenslage Zuwendungen für blindheitsbedingte Mehraufwendungen zuteil werden lassen - und das ohne Rechtsanspruch.
Mit dem Vorschlag der Einrichtung einer solchen Stiftung aus Steuergeldern zeigt die Sozialministerin, dass sich das vielgepriesene "soziale Niedersachsen" ins Gegenteil verkehrt. Aus Geldern, die normalerweise den blinden Menschen zustehen würden, einen "Topf der Mildtätigkeit" zu machen, beweist, dass sie an blinden Menschen mit aller Macht ein Exempel statuieren will. Konnten Blinde bisher mit ihrem Blindengeld eigenständig ihren blindheitsbedingten Mehraufwand abdecken, werden sie nun wie im vorigen Jahrhundert nach Gutsherrenart wieder zu Bittstellern und mit Almosen abgespeist.
Die Blindenselbsthilfe in Niedersachsen protestiert aufs Schärfste gegen diesen geplanten Paradigmenwechsel in der Sozialpolitik, der eine verfehlte Regierungspolitik im sozialen Bereich kaschieren soll und die Betroffenen wieder in Armut, Abhängigkeit, Isolation führt und obendrein die öffentlichen Haushalte am Ende wesentlich mehr belasten wird.
Wir rufen die Sozialministerin auf, sich endlich auf ihr Kerngeschäft zu besinnen, nämlich die ihrem Sozialressort anvertrauten Menschen mit ihrer Blindheit nicht allein zu lassen und sie durch die direkte Leistung des Blindengeldes in ihrer Eigenaktivität und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu unterstützen, um teure Heimaufenthalte zu verhindern oder hinauszuschieben. Wir rufen die Abgeordneten des Landtages auf, auf ihr soziales Gewissen zu hören, sozialpolitisches Augenmaß zu behalten und sich dieser zutiefst unsozialen Politik strikt zu verweigern.
(Pressemitteilung des BVN vom 5.10.2004)
Gegen die totale Abschaffung des Blindengeldes in Niedersachsen protestieren blinde Menschen ab 5.10. an jedem Dienstag mit einer Mahnwache in Hannover und vielen Regionen Niedersachsens. In jeder Woche stehen die Aktionen unter einem anderen Motto.
Die berechtigte Befürchtung von BVN-Geschäftsführer Hans-Werner Lange ist, dass dieser soziale Kahlschlag nicht nur das schwere menschliche Schicksal blind zu sein verschärft, sondern auch den Staat im Endeffekt teuer zu stehen kommen wird.
Viele blinde Menschen sind älter als 60 und können mit dem seit 40 Jahren gewährten Landesblindengeld noch völlig eigenständig ihren Lebensalltag bewältigen. Das wird ab 2005 bei vielen nicht mehr so sein können - viele werden dann einen Heimplatz benötigen! Das kostet dem Steuerzahler mehr als das bisher gezahlte Landesblindengeld von 409 Euro. Damit ist die für Blinde bewährte und für den Staat zugleich sparsame Lösung dahin!
Deshalb der Appell der Mahnwachen: Es wird teurer werden - Politiker entscheidet Euch für den Erhalt des Landesblindengeldes!
Am 16.9. hat der BSV Hamburg mit einer Pressekonferenz die Kampagne "Blind gestrichen - eine Initiative gegen unsoziale Kürzung des Blindengeldes" eröffnet. Im gesamten Stadtgebiet Hamburgs sind die Plakate "Blind - Blinder" präsent. Die Initiative prangert vor allem die Verweigerung der Auseinandersetzung der politischen Gremien mit dem Sparvorschlag des BSVH an. (O-Ton eines NDR-Reporters: "Das ist ja eine Ohrfeige für den Senat"). Außerdem will die Initiative die bisher verzerrte Wahrnehmung der Lebensrealität (Politiker kennen wohl nur blinde Millionäre) korrigieren. Aktuelles zur Kampagne ist im Internet zu finden: www.blindgestrichen.de
(Aus einer Pressemitteilung des BSVH)
Im weitesten Sinne umfasst die Forderung des DBSV nach Teilhabe alle Hilfen, die erforderlich sind, damit auch blinde und sehbehinderte Menschen ein selbstbestimmtes, eigenverantwortliches und gleichberechtigtes Leben führen können, was im Einzelnen darzustellen den Rahmen dieses Beitrages sprengen würde.
Ich beschränke mich deshalb auf die Forderung nach Barrierefreiheit, die es für den DBSV und seine Mitgliedsvereine immer wieder einzufordern gilt.
Beispielsweise im Bereich Umwelt und Verkehr, wo erst in diesem Sommer die lange bewährte Freifahrtregelung verteidigt werden musste, die blinden Bürgern angesichts für sie unbedienbarer Fahrscheinautomaten eine selbstständige Teilnahme am öffentlichen Nahverkehr überhaupt erst ermöglicht. In diesen Bereich gehören etwa auch akustische Ampeln, taktile und farblich kontrastreiche Bodenindikatoren, Ansagen in öffentlichen Verkehrsmitteln und an Haltestellen, besser lesbare Fahrpläne und andere Informationen, unentgeltliche Beförderung von Begleitperson und Führhund im öffentlichen Personenverkehr sowie akzeptable Regelungen für die Beförderung behinderter Menschen im nationalen und internationalen Luftverkehr.
Selbstverständlich dürfen blinde und sehbehinderte Menschen auch nicht wegen ihrer Behinderung in der Wahrnehmung ihrer Bürgerrechte und -pflichten beschränkt werden. Hierher gehören unsere inzwischen erfüllte Forderung nach Wahlschablonen, die auch uns eine wirklich geheime Stimmabgabe ermöglichen, aber auch die von der Justiz leider nicht überall akzeptierte Forderung nach Zulassung Blinder und Sehbehinderter zum Schöffenamt.
Ein ebenfalls wichtiges Aufgabenfeld ist die weitgehende Zugänglichmachung aller der Allgemeinheit dienenden Gebäude, Einrichtungen und Veranstaltungen. So sind angesichts des fortschreitenden Personalabbaus der Banken auch wir immer häufiger auf blinden- und sehbehindertengerechte Geldautomaten angewiesen, die zwar bereits nach DBSV-Richtlinien entwickelt, bisher aber trotz eigentlich unerheblicher Mehrkosten nur in Einzelfällen aufgestellt worden sind.
Auch Blinde mit Führhund müssen Zutritt zu allen, also auch Lebensmittel-Verkaufsstellen, Hotels und Gaststätten, Krankenhäusern und Arztpraxen, kulturellen und politischen Veranstaltungen etc. haben.
Öffentliche Gebäude sollen blinden- und sehbehindertengerecht sein, Ausstellungen sollen so gestaltet sein, dass auch unser Personenkreis die Exponate, soweit irgend möglich, erfassen kann (Betasten von Skulpturen in Original oder Kopie, Erläuterungstafeln in Braille- und auch von sehbehinderten Besuchern lesbarer Schwarzschrift u.a.m.).
Durch möglichst weit verbreitete Audiodeskription sollen Aufführungen in Fernsehen, Kino und Theater auch blinden Zuschauern erschlossen werden.
Technische Trends zur Miniaturisierung sowie weg von mechanischen und hin zu elektronischen Bauteilen führen zu immer neuen Barrieren, etwa zu Geräten, die nur noch über Display-Anzeigen und winzige Sensortasten zu steuern und damit für blinde und sehbehinderte Nutzer kaum bedienbar sind. Diesem Trend gemeinsam mit anderen betroffenen Personengruppen wie z.B. älteren Menschen gegenüber Wirtschaft, Politik und Allgemeinheit entgegen zu treten, ist deshalb ebenso wichtig wie die Förderung der Entwicklung von Hilfsmitteln, die uns die Tätigkeit in Haushalt und Beruf sowie sportliche und andere Freizeitaktivitäten erleichtern oder überhaupt erst ermöglichen.
Manche Barrieren werden sich aber nach wie vor nur durch Inanspruchnahme menschlicher Assistenz überwinden lassen, die entweder von Einrichtungen wie z.B. Bahn oder Fluggesellschaften zur Verfügung zu stellen oder aber vom Betroffenen selbst zu organisieren und zu bezahlen ist, womit wir bei der Notwendigkeit eines finanziellen Ausgleichs für behinderungsbedingte Mehraufwendungen angelangt wären bzw. beim Blindengeld.
Erwin Roth
Das DBSV-Präsidium tagte am 17.9. in Berlin. Diesmal bin ich im Gespräch mit Hans-Peter Engel:
Wo lagen die Schwerpunkte bei der Präsidiumssitzung im September?
Hans-Peter Engel: Zunächst ging es natürlich um die Auswertung der Demonstration in Hannover und um die drohende Abschaffung des Blindengeldes in Niedersachsen. Wir mussten erfahren, dass bei der Politik kein Umdenken festzustellen war, sodass wir nach wie vor mit dem Schlimmsten rechnen müssen. Es scheint inzwischen politisch gewollt zu sein, behinderte und benachteiligte Menschen zusehens auszugrenzen. Dabei geht es nicht nur um die Kürzung oder Streichung des Blindengeldes, sondern auch um die Änderung des BSHG zum SGB XII, was für behinderte und speziell auch für blinde Menschen noch einmal einen Einschnitt bedeutet, denn Vermögens- und Einkommensgrenzen werden nochmals herabgesetzt. Das bedeutet, dass viel weniger Menschen volle Blindenhilfe nach dem BSHG bekommen werden.
Der Kampf für den Erhalt des Blindengeldes geht ja weiter. Aber gibt es ein Szenario, was passiert, wenn es flächendeckend zu gravierenden Einschnitten oder gar zum Wegfall des Blindengeldes kommen sollte?
Dann werden blinde Menschen aus der Gesellschaft ausgegrenzt, weil sie sich vieles einfach nicht mehr leisten können, zunächst die häuslichen Hilfeleistungen, die sie brauchen, um ihr Leben zu meistern, manche werden ihren Arbeitsplatz verlieren, weil sie einen größeren Aufwand haben, zur Arbeitsstelle zu kommen ...
Welche Konsequenzen hätte das für Einrichtungen, für Verbände, für die Selbsthilfe?
Es gibt zwei Strömungen. Im Zusammenhang mit der Demonstration habe ich erlebt, dass wir doch einen größeren Zuspruch haben, dass wieder mehr Menschen zu uns finden - unter dem Motto: "Gemeinsam sind wir stärker". Aber es wird auch die umgekehrte Richtung geben, dass Leute meinen, sie können sich den Verein nicht mehr leisten, wenn sie kein Blindengeld mehr haben.
Wenn dieses Interview erscheint, liegt die Woche des Sehens hinter uns. Wie kann man die Woche des Sehens, ohne dass wir die Ergebnisse dieses Jahres bereits kennen, bewerten?
Sie findet zum dritten Mal statt, und die beiden vergangenen Jahre haben ja gezeigt, dass der Zuspruch recht gut ist. Öffentlichkeitsarbeit ist wichtig, nicht nur in Form von Broschüren, sondern auch das persönliche Gespräch mit Bürgern, mit Betroffenen, mit Entscheidungsträgern.
Öffentlichkeitsarbeit hat viel mit Integration zu tun. Im Bildungsbereich scheint es eine Tendenz zu geben - stärker als bisher hin zur integrativen Beschulung. Was können wir hier erwarten? Und was müssen wir tun?
Das Präsidium bleibt dabei, dass Eltern auch künftig die Möglichkeit haben sollen zu entscheiden, ob ihr Kind in eine Sonderschule gehen soll oder ob es integriert beschult wird. Ein Problem besteht inzwischen darin, dass an den Sonderschulen heute mehrfachbehinderte Schüler überwiegen.
Welche Initiativen ergreift der DBSV dazu?
Der Gemeinsame Bildungsausschuss ist wieder ins Leben gerufen worden. Dort sollen alle Fragen, die die unterschiedlichen Schulformen betreffen, besprochen werden.
Ist der Haushaltsplan für 2005 vom Präsidium so weit gesichert, dass er dem Verwaltungsrat zur Beschlussfassung zugeleitet werden konnte?
Wir gehen mit einem relativ ausgeglichenen Haushaltsplan in den Verwaltungsrat, was aber nicht bedeutet, dass wir über den Berg sind. Die Umzugskosten liegen hinter uns. Im Personalbereich wurde erheblich gespart.
Nach dem Verwaltungsrat werden wir in der Dezember-Ausgabe ausführlicher darüber informieren.
(Das Gespräch führte Dr. Thomas Nicolai am 30.9., Kassetten- und DAISY-Version Originalton.)
Die Jugendzeitschrift "Die Brücke" wird von der Arbeitsgemeinschaft Jugendschrifttum für Blinde herausgegeben. Dieser gehören der VzfB und der DBSV an. Unter der Leserschaft sind die Jugendlichen allerdings inzwischen in der Minderheit. Um die Brücke wieder dauerhaft zu einer Zeitschrift für junge Leute zu machen, soll einiges verändert werden.
Die Redaktion soll in junge Hände gelegt werden. Es werden also junge Leute gesucht, die sich bereit erklären, für mindestens ein halbes Jahr für eine bestimmte Rubrik der Zeitschrift Beiträge beizusteuern. Dies können selbst geschriebene Artikel sein oder solche, die aus anderen Jugendzeitschriften entnommen sind. Für die Bereiche Politik, Berufe und Bücher gibt es bereits Interessenten. Weitere Rubriken könnten sein: Musik, Lifestyle, Reisen ... Für die Arbeit der neuen jungen Redakteure stehen auch Honorare zur Verfügung.
Außerdem soll die Werbung für die Brücke verstärkt werden. Über Mailinglisten und vor allem unter blinden Schülern soll für das Abo der Brücke geworben werden.
Wer Interesse hat, als junge Redakteurin oder Redakteur bei der Brücke mitzuarbeiten melde sich bei:
DBSV-Sozialreferent Reiner Delgado
Tel.: (0 30) 28 53 87-24
E-Mail: r.delgado@dbsv.org
Experten des Gemeinsamen Fachausschusses für Umwelt und Verkehr (GFUV) nahmen Stellung zu einem vom Bundesministerium der Justiz übermittelten Entwurf einer Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über die Rechte und Pflichten der Fahrgäste im grenzüberschreitenden Eisenbahnverkehr.
Zur RIL 813 (Richtlinie der Deutschen Bahn AG zur Gestaltung von Bahnhöfen) hat der GFUV eine Stellungnahme erarbeitet, die Vorschläge zur Verbesserung des Leitsystems in Bahnhöfen und die Gestaltung von Bahnsteigen beinhalten.
Vom 10. bis 13.3.2005 findet in Saulgrub das nächste bundesweite Treffen der Hilfsmittelberater der DBSV-Landesvereine statt. Anmeldeschluss ist der 10.12.2004.
Anmeldungen und Programm bei der
Koordinationsstelle Fachausschüsse des DBSV
Hans-Karl Peter
Rungestr. 19, 10179 Berlin
Tel.: (030) 28 53 87-19
E-Mail: h-k.peter@dbsv.org
Es waren sehr anregende und unterhaltsame "Augenblicke für die Sinne", als Jahrbuch-Redakteur Dr. Thomas Nicolai in launiger Plauderei mit vier Autoren des DBSV-Jahrbuches das Publikum mitnahm auf eine Reise in sehr unterschiedliche Welten.
"Wie fühlt sich Japan an?" - auf diese Frage antwortete Eriko Watanabe wissend und witzig zugleich.
Thomas Abel, der im Jahrbuch darüber schreibt, was und wie blinde Menschen träumen, blieb die Antwort auf die Frage schuldig, was er denn in der Nacht zuvor geträumt hat.
Mit Begeisterung berichtete Frau Elke Zollitsch darüber, wie faszinierend für sie die Herausforderung war, zwei blinde Kinder in einer Regelschule zu unterrichten. Ihr Buch "Ich weiß wo ich bin" mit Zeichnungen blind geborener Kinder ist ein überzeugender Beleg für Kreativität.
Gern hätten die etwa 100 Gäste auch Eckhard Seltmann noch länger zugehört, der über Alltagserfahrungen und über seine literarischen Ambitionen Auskunft gab.
Gastgeber Karl Hermann Haack, der auch das Grußwort für das Jahrbuch geschrieben hat, ließ es sich nicht nehmen, nach dem offiziellen Programm noch recht ausführlich mit den Akteuren zu sprechen. Ein gelungener Abend, der auch hervorragend zur Ausstellung "Lichtpause" passte, die im September und Oktober im Kleisthaus zu erleben war.
Das DBSV-Jahrbuch 2005 wurde an diesem Abend sehr lebendig und damit in die Öffentlichkeit "entlassen".
(Kassetten- und DAISY-Version mit kurzen Originaltoneinspielungen; einen Mitschnitt der Veranstaltung veröffentlichen wir auf der "DAISY-Ausgabe" im Dezember.)
Hinweis: Das Jahrbuch 2005 gibt es in einer begrenzten Auflage auch auf CD ROM im DAISY-Format zum Hören sowie mit einer Text- und einer PDF-Datei. Es ist zu beziehen über die Geschäftsstelle des DBSV; Preis: 8 €.
Von November 2004 bis Januar 2005 läuft die Bewerbungsfrist um den Deutschen Präventionspreis 2005 "Gesund in der zweiten Lebenshälfte". Bewerben können sich um diesen mit insgesamt 50.000 Euro dotierten Preis alle, die realisierte bzw. laufende Maßnahmen der Prävention und Gesundheitsförderung für Menschen in der zweiten Lebenshälfte anbieten. Diese Maßnahmen sollen vernetzt und integriert Eigenverantwortung/-kompetenz stärken; körperliche, soziale und geistig-seelische Aktivitäten fördern; Partizipation ermöglichen und dabei Umfeld-/Umweltaspekte einbeziehen. Der Deutsche Präventionspreis steht unter der Schirmherrschaft der Bundesministerin für Gesundheit und Soziale Sicherung Ulla Schmidt und wird von der Bertelsmann Stiftung, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und dem Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung jährlich neu zu einem bestimmten Zielthema vergeben.
Weitere Informationen finden Sie auf der Website www.deutscher-praeventionspreis.de Auch die Bewerbungsunterlagen sowie weitere Hinweise zum Preisjahr 2005 sind dort zu finden.
Auch die Mitarbeiter der Geschäftsstelle des Deutschen Präventionspreises geben Auskunft unter
Tel.: (0 52 22) 93 00 83 oder per
E-Mail: kontakt@deutscher-praeventionspreis.de
Im Rahmen des Kulturprogramms 2004 des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen wird vom 1.11. bis 16.12. die Patchworkausstellung "Lebensfäden - genähte Erinnerungen" im Kleisthaus, Mauerstr. 53, Berlin-Mitte gezeigt. Die Ausstellung findet in Zusammenarbeit mit dem Berlin-Brandenburg Patchwork Treff statt. Im Rahmen der Ausstellung werden Texte zum Thema gesammelt und am 16.12. öffentlich in einer szenischen Lesung vorgestellt. Eingeladen sind alle, die direkt zum Thema Texte verfassen.
Eine DIN A4 Seite bitte nur als Mail oder Diskette zusenden. An lebensfaeden-genaehteerinnerungen@bmgs.bund.de oder Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen 10117 Berlin.
Mit Dänemark als Partnerland präsentiert sich die 15. Internationale Fachmesse für Menschen mit Behinderung und Pflegebedarf, die REHACARE 2004 vom 10. bis 13.11.
Hilfsmittel für blinde und sehbehinderte Menschen und für Menschen mit Hörschäden präsentiert die REHACARE 2004 in eigenständigen Ausstellungsbereichen und Themenparks in der Halle 5. Der DBSV ist in diesem Jahr nicht auf der Messe vertreten.
Eine Sonderschau zum Thema behindertengerechtes Planen, Bauen, Wohnen informiert in der Messehalle 4 über Konzepte und Produkte, die eine selbstständige Lebensführung mit hohem Komfort ermöglichen.
Aktuelle Informationen rund um Ausbildung und Beruf bietet der Themenpark "Behinderte Menschen und Beruf" in Halle 3. Ganz dem Behindertensport ist wieder die Halle 7 mit vielen Angeboten aus dem Breiten- und Leistungssport gewidmet.
Die REHACARE International 2004 ist vom 10. bis 12.11. von 10 bis 18 Uhr geöffnet, am 13. November von 10 bis 17 Uhr. Die Eintrittskarte kostet 11,00 Euro. Für die Begleitung Behinderter mit Ausweiskennzeichen B ist der Eintritt frei.
Aktuelle Informationen sind unter www.rehacare.de abrufbar.
Mit einer Informationsveranstaltung für Hoteliers, Gastronomen, touristische Institutionen und Behindertenverbände gaben der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA Bundesverband) und die Nationale Koordinationsstelle Tourismus für Alle e.V. (NatKo) im September den Startschuss für Seminare zum Thema touristische Angebote auch für ältere und behinderte Reisende.
Wie sieht ein Bad aus, das auch Rollstuhlfahrer problemlos nutzen können? Was brauchen blinde oder gehörlose Gäste für eine reibungslose An- und Abreise? Was ist im Service und in der Kommunikation zu beachten? Wie informieren sich behinderte oder ältere Menschen über Reiseangebote? Und was ist eigentlich barrierefreies Internet?
Nähere Informationen zu Terminen und Veranstaltungsorten und zum detaillierten
Seminarprogramm geben:
NatKo
Tel.: (0 61 31) 25 04 10
Fax: (0 61 31) 21 48 48
E-Mail: info@natko.de
Internet: www.natko.de
DEHOGA
Tel.: (0 30) 72 62 52-0
Fax: 030/72 62 52-42
E-Mail: info@dehoga.de
Internet: www.dehoga.de
Der Einsatz elektronischer Medien in der Blinden- und Sehbehindertenpädagogik ist das Thema der 11. Soester Fachtagung, die vom 12. bis 14.11. im Landesinstitut für Schule, Soest, stattfindet. Die Tagung bietet ein Forum, um die neuen Medien und ihre didaktischen Möglichkeiten praxisnah kennen zu lernen. Das Programm kann beim Berufsbildungswerk Soest, Tel.: (0 29 21) 6 84-228, angefordert werden. Es steht auch auf der Homepage des BBW Soest ( www.berufsbildungswerk-soest.de ) zum Download bereit. Dort besteht auch die Möglichkeit der Online-Anmeldung.
Weitere Infos:
Erwin Denninghaus
Tel.: (0 29 21) 6 84-223
E-Mail: Erwin.Denninghaus@lwl.org
Akademiestudien sind wissenschaftliche Weiterbildung mit individuellem Zuschnitt. Der Studierende bestimmt selbst das Studienziel, den Zeitpunkt und das Tempo der betreuten Fernkurse. Zulassungsbeschränkungen gibt es nicht. Aus dem umfangreichen Angebot der Fernuniversität in Hagen wurde eine Reihe von Kursen auch für blinde und sehbehinderte Studierende aufbereitet und können in verschiedenen medialen Formen bezogen werden.
Auskunft und Informationsbroschüren bei:
Fernuniversität in Hagen
Zentrum für Fernstudienentwicklung
Arbeitsbereich Audiotaktile Medien
58084 Hagen
Tel.: (0 23 31)9 87-42 18
Fax: (0 23 31) 68 88 96
E-Mail: at-medien@Fernuni-Hagen.de
Internet: http://www.fernuni-hagen.de/ZFE/fs/sembro.htm
In der Veranstaltungsreihe des Studienzentrums für Sehgeschädigte der Universität Karlsruhe gibt es folgende Vorträge zum Thema "Sehen":
15.11.: Vorbeugender Gesundheitsschutz durch den Verzehr von Carotinoiden - erläutert am Beispiel der Altersblindheit;
13.12.: Wie Blinde die Welt wahrnehmen;
24.1.2005: Augenlid - ein Film ausschließlich mit Blinden.
Die Veranstaltungen finden statt in der
Fakultät für Informatik
Am Fasanengarten 5, Karlsruhe
Beginn jeweils 16 Uhr.
Nähere Informationen unter Tel.: (07 21) 6 08-27 60.
Unaufdringlich, dennoch plakativ öffnet der Spot "Geräusche" des Hamburger Blinden- und Sehbehindertenvereins die Augen für die alltäglichen Probleme Blinder. "Eine radiogerechte Idee, perfekt exekutiert", urteilte zu Recht die Jury des 24. ARD Radio Kreativ Wettbewerbs 2004.
Die Weihnachtszeit, vom 28.11. bis 4.12. heißt es "In der Weihnachtsbäckerei"; Weihnachten in der AURA-Pension vom 17.12.2004 bis 8.1.2005; jetzt noch den Frühbucherrabatt bis 30.11. sichern.
Nähere Informationen und Anmeldung unter
Tel.: (0 26 80) 95 10-0
E-Mail: aura-muendersbach@bsbh.org
15. bis 19.11., am schönsten sind Märchen, wenn sie frei erzählt werden. Die Tradition der Märchenerzähler blüht wieder auf. Frau Rau gehört auch zu dieser Zunft.
Anmeldeschluss ist der 5.11. Tel.: (0 45 03) 6 00 20.
13. bis 18.1.2005 - Lebensgeschichten
Austausch und Vortrag über das Verfassen von Autobiographien. Die Hörfunkjournalistin und Biographin Christiane Zwick liest aus berühmten Lebensgeschichten, von Johann Wolfgang von Goethe bis Christa Wolf; vielseitiges Rahmenprogramm.
Anmeldeschluss: 20.12.
18. bis 21.2.2005 - Wolfgang Amadeus Mozart und seine Zeitgenossen
Ein Musikseminar zu Leben und Vermächtnis des großen Künstlers mit Rahmenprogramm.
Anmeldeschluss: 20.1.2005
22. bis 28.2.2005 - Sagen und Geschichten aus Ostholstein
Angeregt und geführt durch unterschiedlichste Geschichten wollen wir Ostholstein besuchen und erkunden.
Information und Buchung Tel.: (0 45 03) 6 00 20.
12. bis 15.11. Märchen-Arrangement
1.11. bis 20.12. Jubiläumswochen
Nähere Informationen unter
Tel.: (0 52 34) 9 04-0
E-Mail: info@aura-zentrum.de
Das AURA-Hotel Saulgrub bietet im November Sonderpreise für Schnellentschlossene. Neben den allgemeinen Urlaubsangeboten u.a. Wellness-Wochen und Zusatzleistungen bei Medizinischen Badekuren (Selbstzahler).
Aus dem Programm 2005:
7. bis 9.1.2005 - Babytragetuchkurs - speziell geeignet für blinde und sehbehinderte Eltern,
14. bis 16.1.2005 - Ruhe und Kraft - Yoga und Rückenschule,
18. bis 20.2.2005 - Aikido für Sehbehinderte.
Nähere Informationen unter Tel.: (0 88 45) 99-0.
Am 13.2.2005 beginnt im AURA-Hotel "Ostseeperlen" Boltenhagen, die erste von vier über das Jahr verteilten Kurswochen zum Erlernen der Braillevoll- und -kurzschrift. Der Kurs wird gefördert.
Anmeldung und weitere Informationen beim
AURA-Hotel "Ostseeperlen" Boltenhagen
Tel.: (03 88 25) 37 00 oder
Internet: www.ostseeperlen.de
Am 17. und 18.11. haben Blinde und Sehbehinderte wieder die Gelegenheit, eine Vielzahl elektronischer Hilfsmittel an einem Ort zu finden - bei der Hilfsmittelausstellung des Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenvereins Berlin. Der Eintritt ist frei, die Breite des Angebotes ist einmalig für Berlin.
17.11., 10 bis 18 Uhr, 18.11., 9 bis 16 Uhr.
Haus der Berliner Blinden und Sehbehinderten
Auerbacher Str. 7
Berlin-Grunewald
Das Landesbildungszentrum für Blinde, Bleekstr. 22, 30559 Hannover, veranstaltet am 12. und 13.11., jeweils von 10 bis 17 Uhr in der Aula eine Hilfsmittelausstellung für Computer, Lesegeräte, Drucker etc.
Dr. med. Derbolowsky, Jakob: "Tropho Training", erschienen beim Psychopädica Verlag, Germering 2002. So fühle ich mich wohl. "Siebenmeilenstiefel zu zielgerichteter Entspannung". Vom Autor selbst gelesen.
Elsner, Constanze: "Wie man einen Mann aufreißt", erschienen beim Heyne Verlag, München, 1990. Tricks, die Sie garantiert noch nicht kennen. In diesem Buch erfahren Sie alles über den Umgang mit Männern.
Thoma, Ludwig: "Heilige Nacht", erschienen 2002. Die "Heilige Nacht" gehört zu dem schönsten und Bekanntesten aus Ludwig Thomas umfangreichem Werk.
Alle Titel sind auf Hör-CD lieferbar.
Über weitere Produkte können Sie sich informieren beim
BIT-Team, Frau Elmer
Tel.: (0 89) 5 59 88-134
Arnulfstr. 22, 80335 München.
Grenzenlos "gGmbH bietet einen Blumenkalender, einen Lokomotivenkalender, eine Bilderreise durch Österreich sowie einen Kinderkalender über den Drachen Tabaluga und seine Freunde und andere neue Produkte.
Bestellungen, Aufträge und Anregungen unter der
Rufnummer (03 61) 7 92 09 42 oder per
Internet www.grenzenlos-ggmbh.de
(auch Online-Bestellung möglich).
In der März-Ausgabe der "Gegenwart" hatten wir aufgerufen sich am Wettbewerb für den Kunstkalender "Kleine Galerie 2005" zu beteiligen. So ist Frau Erika Kreß dem Aufruf gefolgt und so sind zwei ihrer Bilder im neuen Kunstkalender zu sehen.
Zu bestellen ist der Kunstkalender beim
Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V.
Altkrautheimer Str. 20
74238 Krautheim
Tel.: (0 62 94) 42 81 25.
Die Aktion "Der Andere Advent" lädt dazu ein, jeden Tag zwölf Minuten still zu werden. Zeit, um innezuhalten, nachzudenken und zu meditieren. Vom 28.11. bis zum 6.1.2005 begleitet ein ungewöhnlicher Adventskalender für Erwachsene diese Inseln im Alltag. Er regt an, stiller, behutsamer und bewusster mit der weihnachtlichen Festzeit umzugehen.
Nähere Informationen und Bestellung bei der
Evangelischen Blindenschriftdruckerei Wernigerode
Pulvergarten 2
38855 Wernigerode
Tel.: (0 39 43) 56 43 00
E-Mail: druckerei@ebs-deutschland.de
Nicht zum Naschen, sondern zum Zuhören lädt der "Klingende Adventskalender 2004" des Bistums Trier ein. Auf vier CD's oder vier Kassetten erwarten Sie 24 akustisch gestaltete Türchen mit kleinen Geschichten, Gedichten, Gebeten und Rezepten sowie ein Weihnachtshörspiel. Produziert wird der Kalender vom Referat "Blinde, Sehbehinderte und Trierische Tonpost" des Bistum Trier.
Bestellung bei
Bischöfliches Generalvikariat
Referat Blinde, Sehbehinderte und Trierische Tonpost
Postfach 13 40, 54203 Trier
Tel.: (06 51) 71 05-461
Fax: (06 51) 71 05-320
E-Mail: trier.tonpost@bgv-trier.de
Ab 2005 bietet die DZB folgende Hörzeitschriften im DAISY-Format an:
Nähere Informationen und Bestellung unter
Tel.: (03 41) 71 13-0
E-Mail: info@dzb.de
Wenn die Angst vor harmlosen Tieren wie Spinnen angeboren wäre, müsste auch Ekel empfinden, wer solche Tiere nie gesehen hat. Ein Forschungsteam der Universität Jena will diese Hypothese überprüfen und sucht deshalb möglichst viele blinde Menschen, die dazu Fragen beantworten möchten.
Interessenten können sich den Fragebogen zusenden lassen vom
Lehrstuhl für Biologische und Klinische Psychologie
Am Steiger 3, Haus 1
07743 Jena
Tel.: (0 36 41) 94 51 47
E-Mail: biopsy@uni-jena.de
Drei Naturlehrpfade im Wald (in Kassel, Marburg und im Nationalpark Hainich) und ihre Eignung für blinde Menschen erforscht Nicole Backhaus. Für ihre Diplomarbeit sucht sie blinde und sehbehinderte Interessenten, die diese Waldlehrpfade kennen und ihre Erfahrungen mitteilen möchten (Fragebogeninterview per Telefon-Rückruf).
Kontakt bei:
Nicole Backhaus
Kellnerweg 24/11, 37077 Göttingen
Tel.: (05 51) 3 79 18 33
E-Mail: KleinerWaldtroll@web.de
Die blinde Tibet-Expertin Sabriye Tenberken gehört für das Time Magazine zu den europäischen Helden 2004. Die Wissenschaftlerin habe eine Blindenschrift für Tibetisch entwickelt, begründet das US-Nachrichtenmagazin die Wahl. Auch Ex- Tennisstar Steffi Graf wurde als Heldin gewählt, da sie nach ihrem Rückzug aus dem Sport den Wohltätigkeitsverein "Children For Tomorrow" gegründet und finanziert habe. Insgesamt wurden 28 Menschen aus Europa, Nahost und Afrika zu "Helden" gekürt.
Für die Teilnehmer des 34. Internationalen Sportfestes für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer sollte dieser Traum in Erfüllung gehen. Der Württembergische Porsche Club e.V. und der Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. haben dies möglich gemacht. Ein schwer körperbehinderter Teilnehmer: "diese Menschen haben uns von der ersten Minute ohne Vorurteile oder Berührungsängste aufgenommen und uns für einige Kilometer an ihrer Freude am Porschefahren teilhaben lassen. Das hat mich sehr beeindruckt, weil es leider nicht selbstverständlich ist."
Die Geschäfts- und Beratungsstelle des Landesblinden- und Sehbehindertenverbandes Rheinland-Pfalz e.V. befindet sich seit dem 1.10. in
55116 Mainz, Kaiserstr. 42
Tel.: (0 61 31) 6 93 97 36
Fax: 6 93 97 45.
Die Fachzeitschrift A.P.M.-Journal gibt es jetzt auch als Tonbandzeitung. Das neue Angebot wendet sich an Physiotherapeutinnen und -therapeuten mit Interesse an der Akupunkt-Massage nach Penzel.
Kontaktaufnahme über
Andreas Mühle
Internationaler Therapeutenverband APM nach Penzel e.V.
Tel.: (0 55 33) 97 37-21.
Die Hartz Reform bringt auch die Schwerbehinderten in Bedrängnis. Sie können nicht alles annehmen und nicht mal eben umziehen. Auch die Vermittlung von Arbeitsplätzen an schwerbehinderte Menschen wird immer schwieriger. Deshalb wollen Oliver Dietrich, Sascha Hübner und Annette Sander eine Arbeitsloseninitiative ins Leben rufen, in der sich die Schwerbehinderten und Helfer gegenseitig unterstützen. Gesucht werden noch Mitglieder zur Unterstützung des Projektes und Leute, die Hilfe brauchen, um die Mitgliederzahl erhöhen zu können. Geplant ist eine Zusammenarbeit mit anderen Arbeitsloseninitiativen, Agenturen für Arbeit und Integrationsfachdiensten. Außerdem sind auch die Eltern von Schwerbehinderten willkommen, die wir wiederum über das Arbeitsrecht für schwerbehinderte Menschen informieren können.
Nähere Informationen bei
Oliver Dietrich
Tel.: (0 69) 60 32 44 22
Das Förderzentrum für Blinde und Sehbehinderte "gGmbH ist seit 1.10. in seinen neuen Büroräumen Keithstr. 16, 10787 Berlin zu finden. Die Telefonnummer (0 30) 7 90 13 69-0 ändert sich nicht sowie die Geschäftsadresse in der Rothenburgstr. 15, 12165 Berlin.
Die FAZ bietet einen Phone-Service an. Hier können große Teile der aktuellen Zeitung per Telefon abgehört werden. Vorgelesen werden die Artikel von einer Natural Voice. Das Unterbrechen der Ansagen ist jederzeit möglich und erfolgt über Spracheingabe.
Tel.: (07 21) 18 05-329 (0,12 €/Min.)
Die Deutsche Verkehrswacht Hohenlohe e.V. hat zusammen mit der Polizeidirektion Künzelsau und dem Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. jetzt eine Hinweiskarte herausgegeben, die den Autofahrer freundlich, aber nachdrücklich auf sein rücksichtsloses Halten auf dem Bürgersteig hinweist. Die Karten sollen bundesweit verteilt werden, um möglichst viele Autofahrer auf die Behinderungen durch das Gehwegparken aufmerksam zu machen. Die Karten können mittels eines Haftklebestreifens schonend am Fahrzeug angebracht werden.
Die Karten können im 10er-Block gegen Einsendung eines mit 55 Cent frankierten und adressierten Rückumschlages beim
BSK e.V.
Stichwort "Gehwegparker-Karten"
Altkrautheimer Straße 20
74238 Krautheim
angefordert werden.
Der Bayerische Rundfunk präsentiert nach dem Erfolg von "Sams in Gefahr" nun auch das zweite Kino-Abenteuer der Hexe Bibi Blocksberg als Hörfilm. Erstmals werden für dieses Projekt drei spezielle Kinokopien mit der Hörfilmfassung erstellt. Diese können von den Filmtheatern direkt beim Verleiher Constantin-Film angefordert werden und stehen wahrscheinlich ab Anfang November zur Verfügung.
Blinden- und Sehbehindertenverbände können sich nun direkt mit Kinobetreibern vor Ort in Verbindung setzen, um Vorstellungen mit Audiodeskription zu organisieren!
Die Hörfilmfassung wird ihre Premiere voraussichtlich am 10. oder 11. November im Münchner City-Kino erleben.
Sie wurde erstellt mit freundlicher Unterstützung des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes und von Kiddinx Filmproductions. Die Filmkopien entstanden mit Unterstützung der Constantin-Film und der Filmförderanstalt des Bundes.
Informationen unter Tel.: (0 89) 38 06 60 37.
Anfragen und Wünsche für ein blindengerechtes individuell konzipiertes Computertraining, zur Beratung hinsichtlich blindengerechter PC-Ausstattungen und barrierefreien Internetseiten sowie zur Realisation der Umsetzung von barrierefreien Webseiten und behinderungskonformen Informationsträgern, nimmt seit einiger Zeit der Bereich "Barrierefreie Informationstechnik - Beratung/Training/Realisation - im Gustav Heinemann Haus in Bonn auch telefonisch entgegen.
Stiftung Haus der Behinderten Bonn
Gustav Heinemann Haus
Waldenburger Ring 44, 53119 Bonn
Tel.: (02 28) 66 83-109
Fax: (02 28) 66 83-111
E-Mail: m.plarre@ghh-bonn.de
Internet: www.ghh-bonn.de
Das Sozialgericht Berlin hat mit einem inzwischen schon rechtskräftig gewordenen Urteil vom 26.4.2004 - S 87 KR 353/03 - die beklagte Krankenkasse verurteilt, den Kläger "mit dem Programm JAWS nebst Einweisung zu versorgen". Bei dem Kläger handelte es sich um einen Blinden, der im Sommer 2002 - er war zu diesem Zeitpunkt 61 Jahre alt - bei seiner Krankenkasse beantragt hatte, das ihm 1997 gewährte Blindenlesesystem mit dem Programm JAWS für Windows 9x/ME auszustatten. Darüber informiert Karl Thomas Drerup in den Mitteilungen der DBSV-Rechtsabteilung 15/2004.
Nach den Sozialgerichten Gießen und Konstanz, die jeweils dem blinden Kläger einen Anspruch auf Gewährung einer Braille-Zeile zustanden, hat nun auch das SG Leipzig in einem gleich gelagerten Fall ein positives Urteil gefällt (Urteil vom 22.4.04 - S 13 KR 92/01).
Darüber informiert Karl Thomas Drerup in den Mitteilungen der DBSV-Rechtsabteilung 14/2004.
Gemeinsamer Fachausschuss für Erziehung und Bildung trat erstmals zusammen; in konstruktiver Atmosphäre werden konkrete Aufgaben angegangen.
Der Bildungsausschuss des DBSV wurde nun in einen gemeinsamen Fachausschuss überführt. Damit ist er nicht mehr nur ein Gremium, das das DBSV-Präsidium berät, sondern eine Plattform auf der die beteiligten Organisationen ihre gemeinsame Arbeit planen.
Die Bildungssituation für blinde und sehbehinderte Kinder wird nicht einfacher: In den Spezialschulen für Blinde und Sehbehinderte gibt es immer weniger Schüler - vor allem weniger, die keine weiteren Behinderungen haben.
Die Betreuung der Kinder, die in Regelschulen gehen, ist von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich und lässt vielerorts viele Wünsche offen, und auch die Versorgung mit Unterrichtsmaterial und Hilfsmitteln klappt teilweise nicht gut.
In seiner ersten Sitzung am 16. September hat sich der Ausschuss nun mit den politischen Bestrebungen befasst, die integrative Beschulung für alle Behinderten zur Regel zu machen. Die beteiligten Verbände wollen nun das Gespräch mit der Politik suchen, um durchzusetzen, dass integrative Beschulung nur mit einer hohen Qualität der Betreuung und Medienversorgung gemacht wird. Außerdem befasste sich der Ausschuss mit der geplanten Einführung von Trimestern an baden-württembergischen pädagogischen Hochschulen, was auch den Studiengang Blinden- und Sehbehindertenpädagogik in Heidelberg betreffen würde. Hier wollen sich die Verbände dafür einsetzen, dass ein hohes Niveau der Lehrerausbildung erhalten bleibt.
Als Themen für die nächste Zukunft hat sich der Ausschuss die Elternarbeit und zentrale Abschlussprüfungen vorgenommen. Eltern sollen vor allem bei der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe Ansprechpartner finden, die ihnen bei der Förderung ihrer blinden oder sehbehinderten Kinder helfen. Ein solches Beratungsnetz muss vielerorts erst noch aufgebaut werden.
Die meisten Bundesländer sind im Begriff, an Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien zentral gestellte Abschlussprüfungen einzuführen oder haben das bereits getan. Der Ausschuss wird dafür arbeiten, dass diese Prüfungsaufgaben, die dann immer für das ganze Bundesland gelten, auch von Blinden und Sehbehinderten bearbeitet werden können.
Folgende Organisationen und Personen gehören dem Ausschuss an:
Die vier Studienorte für Blinden- und Sehbehindertenpädagogik sollen noch in die Ausschussarbeit einbezogen werden.
Der Ausschuss wird zweimal jährlich tagen; das nächste Treffen ist im März.
Reiner Delgado
Im Mittelpunkt der Sitzung des Gemeinsamen Fachausschusses für Umwelt und Verkehr (GFUV) standen die Bodenindikatoren.
Der Ausschuss hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Entwicklungen und Erfahrungen in den zurückliegenden Jahren auszuwerten und daraus Empfehlungen für die Zukunft zu gewinnen. Um uns die vorhandenen unterschiedlichen Strukturen auf verschiedenen Materialien nochmals zu vergegenwärtigen, sind wir zunächst die Teststrecke auf dem Gelände der Nikolauspflege mit verschiedenen Stockspitzen wiederholt abgegangen. Für diese einzigartige Teststrecke, die Dietmar Böhringer Anfang der 90er Jahre angelegt hat und seitdem mit großem persönlichen Einsatz und unermüdlichem Engagement ständig auf dem neuesten Entwicklungsstand hält, sind wir ihm außerordentlich dankbar. Außerdem haben wir im Stadtgebiet von Stuttgart an verschiedenen Stellen verlegte Bodenindikatoren getestet.
Die Auswertung hat zu folgendem Ergebnis geführt:
Nach dem derzeitigen Erkenntnisstand entsprechen die Bodenindikatoren mit Rippen- und Noppenstruktur am besten den Anforderungen an ein Leit- und Warnsystem für blinde und sehbehinderte Menschen. Dabei hält der Ausschuss es für unerlässlich, dass die Strukturen sowohl mit dem Langstock als auch mit den Füßen wahrnehmbar sind. Die bisher verlegten Rillenplatten mit einem Abstand von etwa 10 mm von Rillenberg zu Rillenberg genügen diesen Anforderungen nicht. Erforderlich sind breite Täler und schmale Rippen. Nach einhelliger Auffassung des Ausschusses sollten daher Rippenstrukturen unter 20 mm Abstand ohne Rücksicht auf die Materialien nicht mehr zum Einsatz kommen.
Getestet wurden Rippenstrukturen bis zu 60 mm Abstand. Die einzelne Rippe sollte oben gerundet und im unteren Ansatz - auch aus reinigungstechnischen Gründen - kehlenförmig beschaffen sein. Aufmerksamkeitsfelder sind ausschließlich durch Noppenstrukturen darzustellen. Die DIN 32 984 - Bodenindikatoren - lässt einen Abstand der Rillen bzw. Rippen bis zu 20 mm zu. Soweit breitere Rippenabstände erforderlich sind, ist eine Novellierung der Bodenindikatorennorm anzustreben.
Die Entwicklung zu dem sog. "Kasseler Rollbord" sieht der Ausschuss mit großer Besorgnis. Hierbei handelt es sich um eine Nullabsenkung des Gehweges, um insbesondere den Rollstuhlfahrern eine stufenlose Straßenüberquerung zu ermöglichen. Die vorgesehene Absicherung für blinde und sehbehinderte Fußgänger durch eine auf dem Gehweg vor dem stufenlosen Übergang zur Straße als Warnfunktion verlegte Rippenplatte ist jedoch völlig unzureichend.
Der GFUV stellt für die Verbände folgende Artikel elektronisch zur Verfügung:
1. Kriterienkatalog für eine blinden- und sehbehindertengerechte Gestaltung von Bahnanlagen und Reisezugwagen,
2. Wertlos - brauchbar - sehr gut: Über Sinn und Unsinn von Bodenindikatoren (Referat von Dietmar Böhringer mit Literaturverzeichnis und Herstelleranschriften - sowohl barrierefrei als auch bebildert),
3. Probleme blinder und sehbehinderter Fußgänger bei der Nutzung sog. "kleiner" bzw. "Mini"- Kreisverkehre (Böhringer/Schmidt-Block),
4. Bodenindikatoren an Querungs- und Einstiegsstellen (Böhringer/Schmidt- Block).
Eine aktualisierte Neuauflage des vom DBSV seinerzeit erstellten Merkblattes "Baustellenabsicherung" ist wünschenswert.
Schließlich regt der GFUV an, dass Deutschland wieder im ISO-Gremium vertreten sein sollte (ISO = Internationale Standardisierungsorganisation). In der ISO wird derzeit die Erarbeitung einer Norm für Bodenindikatoren und auch für Lichtsignalanlagen angestrebt.
Dr. Helmut Vollert
Burkhard Scherf kann zufrieden sein. Mitte Juli hat er seine Umschulung als Kaufmann im Gesundheitswesen (KIG) am Berufsförderungswerk (BFW) Würzburg erfolgreich abgeschlossen.
Der vor zwei Jahren neu eingeführte Ausbildungsberuf endet mit IHK-Abschluss und verbindet die Kenntnisse von Bürokaufleuten mit dem Wissen von Mitarbeitern im Gesundheitswesen. Mit tatkräftiger Stelle im Gesundheitswesen.
Mit rund 30 Jahren Berufserfahrung kennt der sehbehinderte Burkhard Scherf die Arbeit im Pflegebereich wie seine Hosentasche. Nach einer Ausbildung als Krankenpfleger arbeitete er jahrelang, unter anderem als Stationsleiter, an Kliniken in Berlin, Wiesbaden und Mainz. Bei seinem derzeitigen Arbeitgeber, dem Katholischen Klinikum Mainz, machte sich dann vor drei Jahren seine ausgeprägte Kurzsichtigkeit bemerkbar: "Es kam zu Unsicherheiten beim Umgang mit Patienten, daher vereinbarte ich mit meinem Arbeitgeber, den KIG anzustreben" erläutert der 48-Jährige, der in der Ferne nur noch über zehn Prozent des normalen Sehvermögens verfügt. Im Juli 2002 stieg er nach einem Rehabilitations-Vorbereitungslehrgang in den KIG-Kurs des BFW Würzburg ein.
"Kaufleute im Gesundheitswesen arbeiten kaufmännisch-verwaltend in allen Einrichtungen und Diensten des Gesundheits- und Sozialwesens" umreißt KIG-Kursleiterin Viviane Schoor das breite Einsatzfeld der ersten Absolventen. "Das fängt bei Krankenhäusern und Wellness- oder Pflegeeinrichtungen an, geht über Berufsgenossenschaften und Krankenkassen bis hin zu Arztpraxen und Rettungsdiensten."
Die Herausforderung dabei: Viele potentielle Arbeitgeber wissen noch nicht, dass es die Kaufleute im Gesundheitswesen gibt. Entsprechend finden sich bundesweit nur wenige Stellenangebote, in denen ausdrücklich nach dem "KIG" gesucht wird. Der Bedarf an Kaufleuten mit Spezialkenntnissen im Gesundheitswesen ist jedoch weitaus größer, wissen die zwölf Absolventen des BFW Würzburg aus zahlreichen Studien.
"Unser Profil schließt die Kluft zwischen reinen Bürofertigkeiten und Kenntnissen im Pflegebereich" betont Burkhard Scherf.
"Ich hoffe, einige Personalchefs lesen diesen Artikel und erfahren so vom Beruf der Kaufleute im Gesundheitswesen", wünscht sich der Vater von drei Kindern, der seine Familie während der 24 Monate andauernden Ausbildung nur alle zwei Wochen sehen konnte. "Auch mein derzeitiger Arbeitgeber konnte das Berufsbild des KIG anfangs nicht richtig deuten, das ist inzwischen anders" erklärt Scherf und kommt zu dem Schluss: "Es ist wichtig, den KIG in Deutschland noch bekannter zu machen."
Marcus Meier