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Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e. V. |
Inhaltsverzeichnis der Originalausgabe
In Kürze
Aufruf
Solidarität nicht nur zu
Weihnachten
Gute Wünsche zum Jahreswechsel
Rund 700 Teilnehmer erlebten am 15. Oktober in Hannover zwei informative und kurzweilige Stunden beim DBSV-Kongress "Sechs Richtige", der dem EXPO-Grundsatz der Nachhaltigkeit gerecht werden soll:
Nachdem die Kongressidee Anfang Juli geboren war, musste alles ziemlich schnell gehen. Und es ging. Das DBSV-EXPO-Büro, Hand in Hand mit der Geschäftsstelle des Blinden und Sehbehindertenverbandes Niedersachsen (BVN), in ständigem Kontakt mit der DBSV-Geschäftsstelle organisierte und managte die vielen Kleinigkeiten und regelte die großen Dinge, das alles unter koordinierender Einflussnahme des EXPO-Beauftragten Jürgen Krause.
1. Grußworte
Zu Beginn sei der Herr Bundeskanzler Gerhard Schröder genannt, dessen schriftliches Grußwort vom Behindertenbeauftragten des Landes Niedersachsen, Karl Finke, in seine eigene Begrüßung eingeflochten wurde. Der Bundeskanzler schrieb:
"Der Tag des weißen Stockes findet auf dem Gelände der EXPO 2000 statt. Die EXPO bietet einen außergewöhnlichen Rahmen für den Austausch von Informationen und Erfahrungen sowie als Diskussionsforum und Begegnungsstätte. Dass auch für blinde und sehbehinderte Menschen die Möglichkeit geschaffen wurde, die Weltausstellung zu besuchen, begrüße ich besonders.
Das Motto Ihres Kongresses ´Sechs Richtige´ unterstreicht die herausragende Bedeutung der Blindenschrift, die bereits vor 175 Jahren von Louis Braille entwickelt wurde. Seitdem hat die wissenschaftliche und technische Entwicklung rasante Fortschritte gemacht. Dieser Fortschritt muss noch stärker dazu genutzt werden, um sehbehinderten und blinden Menschen zu helfen, ihr Alltagsleben selbstbestimmt zu meistern. Die Bundesregierung wird auch zukünftig in ihren Bemühungen fortfahren, behinderten Menschen ein selbständiges Leben in unserer Gesellschaft zu ermöglichen.
Ihrem Kongress wünsche ich einen interessanten und erfolgreichen Verlauf."
Frau Barbara Rottmann, die Bürgermeisterin von Hannover konnte darauf verweisen, dass die niedersächsische Landeshauptstadt auch nach der EXPO einen Besuch wert ist. Sie plädierte für mehr helfendes Verständnis gegenüber behinderten Mitbürgern.
Die EXPO-Gesellschaft trat mit Herrn Bodo Steglich an das Mikrofon und bedankte sich für das Engagement des DBSV.
Frau Gertrud Kreiß von der TUI schilderte die Begeisterung der EXPO-Guides, die an den speziellen Führungen für blinde und sehbehinderte Besucher beteiligt waren. Anfangs jedoch, das gestand sie unumwunden, hatten sie keine Ahnung, was auf sie zu kam; Abenteuer Blindenführung. Kein Abenteuer soll eine Reise für zwei Personen nach Mallorca werden, die TUI als Preis für die Punktschrifträtselaktion des DBSV stiftet (bekanntlich muss herausgefunden werden, was die Punktschriftsymbole auf der Rätselkarte bedeuten, die u. a. im DBSV-Jahrbuch 2001 zu finden ist).
2. Die Themen
Familie und Projekt DBSV-Zukunft, das waren die Stichworte, zu denen DBSV-Präsident Jürgen Lubnau sprach "Familiensinn und Solidarität als Herausforderung und Chance für die Zukunft der deutschen Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe".
Mit einem neuen Marketingkonzept will der DBSV auf die gesellschaftlichen Veränderungen reagieren und so den Weg für die nächsten Jahre bestimmen. Deshalb sei zu hinterfragen, ob die Angebote des DBSV, der Landesvereine und deren Untergliederungen gebraucht und nachgefragt werden und ob andere Dienstleistungen erwartet werden. Lubnau: "Soll die Selbsthilfebewegung für die Menschen vor Ort noch attraktiver werden, müssen wir diesen Wünschen und Bedürfnissen Rechnung tragen. Zur Zeit sind wir dabei, ein Grundsatzprogramm zu formulieren, das einen Leistungskatalog enthält. Ein weiteres wichtiges Element der Marketingkonzeption ist die Verbandskultur. Wie kommunizieren die verschiedenen Ebenen - Spitzenverband, Landesverband, Ortsverein? Kommunizieren sie überhaupt? Wie ist das Verhältnis Ehrenamtlichkeit/Hauptamtlichkeit? Werden korrespondierende Mitglieder eingebunden? Sind die verbandlichen Entscheidungsprozesse noch zeitgemäß oder brauchen sie eine Verkürzung?
Die Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe ist eine große Familie. Familie bedeutet, dass die Familienmitglieder solidarisch zusammenstehen, einander helfen und unterstützen. Aber welche Familie bleibt von Familienstreitigkeiten verschont?...Wichtig ist, dass eine Streitkultur fortentwickelt wird, die sich ausschließlich an der Sache orientiert, mithin den Familienzusammenhalt und die Solidarität stärkt..."
Norbert Müller, der in seinem Vortrag auch auf seine Erfahrungen als Generalsekretär der Europäischen Blindenunion zurückgreifen konnte, würdigte aus sehr persönlicher Sicht, daher aber um so glaubwürdiger, das Jubiläum 175 Jahre Braille-Schrift. Sein Plädoyer schloss die Kritik an permanenten Versuchen ein, das Braille-Schrift-System so zu modifizieren, dass seine Einheitlichkeit leidet. Außerdem unterstrich er den Grundsatz: Alles, was mit der Punktschrift geschieht, sollten die Blinden und nicht die Blindenpädagogen entscheiden, denn es ist ihre Schrift. Die Punktschrift.
Nicht unerwähnt soll bleiben, dass die Braille-Schrift für taubblinde Menschen von elementarer Bedeutung ist, denn sie schafft eine Verbindung zur "Außenwelt".
Höhepunkt des Kongresses war die Uraufführung des Dokumentarfilmes "Mit anderen Augen" - von Hannover auf das Dach der Welt mit Audiodeskription. Zuvor hatten die Filmemacher kurz über die Entstehung des Filmes gesprochen, und die Leiterin des Projektes HÖRFILM hatte das DBSV-Engagement auf dem Gebiet der Audiodeskription gewürdigt.
Der Film erzählt von einer starken Persönlichkeit, die ihr Wissen und Können an blinde Kinder in Tibet weitergibt, damit diese ein möglichst selbständiges Leben führen können. Die erste Blindenschule in Tibet entstand, weil Sabriye Tenberken aus einer Idee Wirklichkeit machte. Als Tibetologie-Studentin entwickelte sie eine tibetische Punktschrift, ritt in abgelegene Dörfer, um blinde Kinder für "ihre" Schule zu suchen und begann, ihnen die Punktschrift beizubringen.
Der Film beeindruckt vor allem in zweierlei Hinsicht: Sabriye Tenberkens Mut, Entschlossenheit, Engagement und Ausdauer sind bewundernswert. Bild und Ton belegen, dass sie schon immer zielstrebig die Vorhaben realisiert, die sie sich in den Kopf gesetzt hat.
Sie spricht nicht von Defiziten, die die Blindheit mit sich bringt, sondern von den vielen Möglichkeiten, die jeder Mensch hat und die sie als blinde Frau voll ausschöpfen möchte.
Und da sind die blinden Kinder in einem armen Land, die zum ersten Mal erfahren, dass die Welt größer ist als ihr Dorf, in dem sie oft in völliger Isolation gelebt haben, die mit Begeisterung lesen, schreiben und rechnen lernen, die auf Entdeckungsreise gehen und dabei in "ihrer" Schule liebevoll betreut werden. Wenn sie in ihre Dörfer zurückkehren, sollen sie fit sein, um ein selbständiges Leben führen zu können. Begierig nehmen sie in der Blindenschule alles auf, was sie dort lernen und erfahren können.
3. Der Scheck
Geldmangel hat das Schulprojekt schon mehrfach kurz vor das Aus gebracht. Sabriye wird nicht müde, Sponsoren zu suchen, durch deren Hilfe ihr Projekt weiter gefördert werden kann. Inzwischen findet sie auch bei den Behörden des Landes Unterstützung und bei den Medien viel Aufmerksamkeit.
Als Zeichen der Solidarität überreichten DBSV-Präsident Jürgen Lubnau und DBSV-Geschäftsführer Hans-Dieter Später Frau Tenberken einen Scheck über 10.000 DM - Bausteine für die Schule in Lhasa und für Nahrungsmittel.
4. Moderation
Locker und mit treffenden Worten führte Hans Werner Lange, Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Niedersachsen durch das Programm, als wäre dies sein eigentlicher Beruf. Als gastgebender Landesverband hatte der BVN großen Anteil am Zustandekommen des Kongresses und neben der vielen Arbeit schließlich verdientermaßen auch reichlich öffentliches Interesse mobilisiert.
5. Die Medien
So viele Blinde sieht man nicht alle Tage, und die speziellen EXPO-Führungen waren auch etwas Besonderes. Immer wieder als Gesprächspartnerin gefragt Sabriye Tenberken. Die Medien fanden an diesem Sonntag reichlich Gelegenheit zur Berichterstattung vom Kongress. Und das Interesse war groß, der Größe der Veranstaltung angemessen.
6. Führungen danach
Vor der EXPO kamen die Erbsen im Oktoberfestzelt. Und wer schon einmal 700 Personen beköstigen durfte, wird wissen, dass auch dies gut organisiert sein muss. Dann vertrauten über 360 Personen den Guides der TUI, die sich auf diesen Ansturm natürlich auch erst einmal einstellen mussten, zumal das Weltausstellungsgelände am 15. Oktober auch ohne die Blinden und Sehbehinderten gut besucht war. EXPO zum Anfassen - für einige war es Neuland, andere wollten einfach noch mehr; sie waren im Sommer schon einmal da.
Der Kongress kann Nachwirkungen haben:
Ein Dankeschön an alle, die zum Gelingen beigetragen haben.
Familiäre Eintracht in Heidelberg; der DBSV-Verwaltungsrat tagte am 20. und 21. Oktober; ein Gespräch mit DBSV-Präsident Jürgen Lubnau:
Aus der Verwaltungsratssitzung ging eine Resolution hervor, die sich gegen Kahlschlagpolitik im sozialen Bereich wendet. Worum geht es dabei im Einzelnen?
Ein Erfolg, den die Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe zu verzeichnen hatte, - das begann ja im Jahre 1950 in Bayern - ist die Zahlung von Blindengeld an blinde Menschen, zum Teil auch an hochgradig sehbehinderte Menschen. Die Zahlung erfolgt einkommens- und vermögensunabhängig; darauf legen wir Wert. Es handelt sich dabei um einen teilweisen Ausgleich der behinderungsbedingten Nachteile.
Es ist fast kein Bundesland davon ausgeschlossen, in dem darüber nachgedacht wird, ist diese Leistung noch angemessen, kann sie reduziert werden. Das hängt natürlich mit dem Problem der "leeren Kassen" zusammen. Wir müssen darauf achten, dass dort kein Kahlschlag entsteht, sondern dass das, was wir in vielen Jahrzehnten erkämpft haben, bestehen bleibt. Und deshalb hat der Verwaltungsrat aus Anlass der konkreten Situation in Bremen eine Resolution beschlossen, um auf die Wichtigkeit hinzuweisen: Soll Integration stattfinden, ist die Zahlung dieses Nachteilsausgleiches zwingend notwendig.
Ich glaube sie geht auch so weit, dass man sagt, wenn also wirklich ernsthaft an diesen Regelungen gedreht werden sollte, wo auch immer, dann ist die Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe auch zur Stelle, also die Leute, die es eigentlich betrifft...
Richtig; wir werden allen Landesverbänden vom DBSV helfen, in denen die Gefahr besteht, dass am Blindengeld gedreht wird, reduziert wird oder wie es in Bremen im Augenblick ist, daran gedacht wird, das Gesetz fallen zu lassen. Da werden wir mit unseren Experten, wir haben ja einige Fachleute in unseren Reihen, die juristisch so gut beschlagen sind, dass sie auch die richtigen Argumente ins Feld führen können, um den Landesverbänden zu helfen.
Haushaltsplan und Stellenplan gehören zur Herbstsitzung des Verwaltungsrates. Ich möchte diesmal besonders auf die neu zu schaffende Stelle verweisen. Es soll künftig einen Mitarbeiter geben, der im Bereich Soziales, Kultur, Bildung und Sport tätig ist...
Es gibt ja das Projekt DBSV-Zukunft. Im Rahmen dieses Projektes wird auch über die Organisationsstruktur des DBSV nachgedacht werden müssen. Und das, was wir jetzt beschlossen haben, ist also kein Vorgriff, sondern wir müssen aus einer konkreten Situation heraus handeln.
Die Aufgaben des Verbandsgeschäftsführers sind deutlich mehr geworden, so dass wir für Entlastung sorgen mussten. Und der Leiter des Sozialreferates, Martin Altmaier, hat einige Aufgaben von Hans-Dieter Später, dem Verbandsgeschäftsführer übernommen. Die Bereiche Jugend, Sport, Soziales, Frauen und Rehabilitation sollen von einem neuen Mitarbeiter bearbeitet werden. Martin Altmaier bleibt Leiter des Referates. Der neue Mitarbeiter wird sich also um diese Aufgaben kümmern.
Es ist eine befristete Stelle für 18 Monate, sodass man nach dieser Zeit auch neu entscheiden kann (die Stelle ist im Anzeigenteil ausgeschrieben).
Ein Thema war auch die Jugendarbeit. Mit Erschrecken mussten wir feststellen, dass einige Landesvereine gemeldet haben: Jugendgruppe - neuerdings gleich Null...
Ja, wir stehen da immer wieder vor der Situation, dass unsere jungen Funktionäre natürlich auch älter werden und die Altersgrenze überschreiten, die bei 35 Jahren liegt. Der derzeitige Jugendsprecher Andreas Beinert ist nun mittlerweile auch in diesem Alter, sodass ein Nachfolger zu wählen ist. In einigen Landesverbänden ist gar keine Jugendgruppe mehr vorhanden. Das hat uns betroffen gemacht, aber aktuelle Lösungen gibt es nicht. Es muss versucht werden, den einen oder anderen jungen Blinden oder Sehbehinderten zu aktivieren, um die Jugendarbeit aufzubauen. Es gibt dort ein ständiges Auf und Ab. Drei Jahre haben wir eine gut funktionierende Jugendarbeit und dann gibt es wieder ein Tief. Im Augenblick stecken wir offensichtlich wieder in einem Tief und müssen sehen, dass wir mit gemeinsamen Kräften dort wieder herauskommen. Patentlösungen gibt es da - wie in vielen anderen Bereichen - natürlich auch nicht.
Die beiden wichtigen Tage im nächsten Jahr - der Sehbehindertentag und der Tag des weißen Stockes - werfen jetzt schon wieder ihre Schatten voraus, denn es wurden die Schwerpunktthemen beschlossen, was im Jahr 2001 an diesen Tagen zu geschehen hat...
Ja, der Verwaltungsrat hat sich ja vor einer ganzen Weile schon darauf verständigt, die Themen für die beiden Tage möglichst frühzeitig festzulegen, damit die Vorbereitungen auch gut durchgeführt werden können. Der 6. Juni, der Tag der Sehbehinderten, ist ja noch ein recht junger Tag. Er findet im nächsten Jahr zum dritten Mal statt. Und wir haben das Thema gewählt "Kontraste helfen schwachen Augen". Kontraste sind für Sehbehinderte das Thema, und dem wollen wir uns mit Intensität widmen.
Zum Tag des weißen Stockes am 15. Oktober wählen wir immer verschiedene Themen, um immer einen anderen Schwerpunkt zu setzen. Im nächsten Jahr wird es der weiße Stock an sich sein. Darum kann sich ja vieles gruppieren. Das Thema lautet "Immer eine Stocklänge voraus". Wir wollen damit den weißen Stock noch populärer machen. Man wundert sich ja immer wieder, wie wenig Leute den Stock und seine Funktion in unserer Umwelt kennen. Grund genug, darüber zu reden.
Die Vorbereitungen darauf können also sofort beginnen, und wir werden das auch von unserer Seite anschieben.
Ein Thema, das ganz wichtig, aber doch oftmals ein bisschen im Hintergrund war, diesmal als ein Schwerpunkt im Verwaltungsrat: Wie geht es blinden und sehbehinderten Diabetikern bzw. was kann man tun, um Menschen die von Blindheit bedroht sind, durch Diabetes zu helfen. Hierzu hat Frau Droßel doch sehr persönliche und engagierte Worte gefunden...
Frau Droßel ist die Diabetes-Beauftragte des DBSV. Sie hat dem Verwaltungsrat sehr engagiert ihre Positionen geschildert. Ich glaube, es ist allen sehr deutlich geworden, wie wichtig der Erfahrungsaustausch, die Beratung, die Unterstützung der Blinden und Sehbehinderten ist, die zusätzlich unter Diabetes leiden oder deren Blindheit oder Sehbehinderung durch Diabetes entsteht. Es gibt zum Teil recht gute Zusammenarbeit mit den Zusammenschlüssen der Diabetiker. Im Zusammenwirken werden wir sicherlich die beste Hilfe und Stütze geben können.
Im Jahr 2003 - Ende des Jahres - soll möglicherweise in Hirschgarten eine neue Einrichtung fertig sein. Nun, es sind drei Jahre bis dahin, aber es ging schon sehr konkret um die Vorbereitungen auf das neue Zentrum in Berlin. Was kann man aus heutiger Sicht schon dazu sagen?
Wir hatten im April einen neuen Bauausschuss eingesetzt, der sehr schnell gearbeitet hat und konkrete Vorstellungen, Konzeptionen und Pläne vorgelegt hat. Fakt ist, die derzeit bestehende Einrichtung - das Mobilitätszentrum Hirschgarten - wird zum 30. Juni 2001 geschlossen werden, sodass dann die Bauarbeiten beginnen können, wenn die Finanzierung bis dahin steht und auch die Baugenehmigung erteilt worden ist.
Wir hoffen, diese Hoffnung haben wir auch im Verwaltungsrat noch einmal deutlich formuliert, dass Hirschgarten Mobilitätszentrum, DBSV-Geschäftsstelle und Hotel, eine Gemeinschaftsaktion der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe wird. Wir haben in der Vergangenheit schon einige Gemeinschaftsaktionen durchgeführt - die EXPO, die bundeseinheitliche Rufnummer. Hirschgarten soll auch ein Gemeinschaftsprojekt werden. Wir werden Anfang Dezember alle Landesverbände zu einer Präsentation nach Berlin Hirschgarten einladen, Pläne vorlegen und hoffen, dass sich weitere Landesverbände engagieren werden, damit die Last auf noch mehr Schultern verteilt werden kann.
Gemeinschaftsaktion ist noch ein letztes Stichwort. Der BSSH-Fonds, also der Blinden- und Sehbehinderten-Selbsthilfe-Fonds, wächst, und er wird nächstes Jahr dadurch wachsen, dass alle Landesvereine pro Mitglied 2,50 DM über den Mitgliedsbeitrag in diesen Fonds einzahlen. Wenn man aber die Richtlinien durchliest, fragt sich vielleicht mancher, kriegt man da überhaupt wieder etwas raus oder ist das so schwierig und an konkrete Bedingungen gebunden, dass man da kaum eine Chance hat?
Nein, das ganze Gegenteil soll ja der Fall sein. Wir wollen erreichen, dass die Gelder auch möglichst gerecht verteilt werden und dass der Vorstand auch ein Stück Richtlinie hat, nach der er die Mittel verteilen kann an die notleidenden Landesverbände für konkrete Maßnahmen. Dazu gehören unter Umständen auch Gemeinschaftsaktionen, das wollen wir auch fördern, aber insbesondere sollen notleidende Landesverbände gestützt und gefördert werden. Die Richtlinien klingen erst einmal kompliziert, aber sie sollen eben dabei helfen, möglichst Ungerechtigkeiten zu vermeiden. Wir haben in der Vergangenheit ohne Richtlinien gehandelt, und es gab immer mal wieder Fragen: Ist das Geld richtig und gerecht verteilt worden? Wir haben jetzt eine Richtschnur, an der wir uns orientieren können, um möglichst gerechte Lösungen für die Hilfe zu finden.
Ja, der Fonds auch ein Stück DBSV-Zukunft, wenn man so will. Wie sieht es mit diesem Projekt aus? Wann liegen Ergebnisse auf dem Tisch, die dann auch zu entsprechenden Beschlüssen führen?
Wie bei solchen Projekten immer, geht es einem sicher viel zu
langsam voran. Wir hatten im Mai zwei Arbeitsgruppen eingesetzt, die
in Kürze ihre Ergebnisse vorlegen werden. Es ist jetzt eine
dritte Gruppe benannt worden, die sich um Öffentlichkeitsarbeit
und Fundraising kümmern wird; dazu gehören Frau
Schaafhausen, Herr Stegmann und Dr. Nicolai. Die drei werden im
November zum ersten Mal zusammenkommen mit unserem externen Berater,
Herrn Bayer. Und wir hoffen, dass wir zum Ende nächsten Jahres
die Konzeption dann tatsächlich vorlegen können und dann
entscheiden, was tatsächlich umgesetzt werden kann.
(Das Gespräch führte Dr. Thomas Nicolai; Kassetten-Ausgabe
Originalton.)
Gespräch mit dem Staatsminister
Exakt ein Jahr ist es her, dass DBSV-Präsident Jürgen Lubnau Herrn Bundeskanzler Gerhard Schröder um ein persönliches Gespräch gebeten hatte. Am 24. Oktober 2000 betrat er nun zusammen mit dem Berichterstatter das provisorische Bundeskanzleramt am Schlossplatz in Berlin.
Dass sich der Bundeskanzler durch seinen Staatsminister Hans Martin Bury vertreten lassen würde, war uns bewusst. Aber immerhin: So weit in die Schaltzentrale der Bundespolitik vorzudringen, ist nicht jedermann vergönnt.
Staatsminister Bury erschien in Begleitung des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange der Behinderten Karl Hermann Haack und dieser mit seinem Mitarbeiter Dr. Gerhard Polzin.
Aus unserem ein Jahr alten Themenkatalog konnten wir die Punkte "blinde Schöffen" und "Blinde und der kommende EURO" streichen. Hierzu berichteten wir nur über den Sachstand nach unserem Gespräch mit Bundesjustizministerin Däubler-Gmelin und über die laufenden Multiplikatoren-Seminare des DBSV in Sachen EURO, wozu wir unseren an den Bundesfinanzminister, das Bundespresseamt und die Bayerische Münzanstalt gerichteten Dank für die bisherige Unterstützung loswerden konnten.
Herr Bury lenkte das Gespräch von sich aus auf die Themen "Bedienbarkeit von technischen Geräten" und "Zugang zu Informationen". Jürgen Lubnau brachte die Problematik, über die man tagelang diskutieren könnte, mit dem Satz auf den Punkt: "Nur wer Physik studiert hat, kann seine Hif-Fi-Anlage noch programmieren!", was ungeteilte Zustimmung fand. Herr Haack stellte dazu fest, dass er die gegenwärtige Situation als unerträglich und im Hinblick auf die Bedürfnisse älterer und insbesondere behinderter Bürger als dringend einer gesetzlichen Regelung bedürftig ansieht. Bei dieser Gelegenheit berichtete Herr Haack von seiner Konferenz zum Gleichstellungsgesetz anlässlich der Düsseldorfer REHACare und versicherte, dass er alles in seiner Macht Stehende tun werde, um das Gesetz noch in dieser Legislaturperiode unter Dach und Fach zu bringen.
Bei der Erörterung des Themas "Audiodeskription", das mit der Problematik des Informationszuganges engstens verwandt ist, nahm uns Herr Bury eine Anregung ab, die uns vier Tage vorher vom DBSV-Verwaltungsrat ins Gebetbuch geschrieben worden war: Herr Bury regte einen Runden Tisch mit Vertretern aus Wirtschaft, Medien, Politik und Verbänden an und reflektierte damit auf den Kongress "Anders sehen" im Dezember 1998 in Mainz, dessen Ergebnisse ihm bestens bekannt waren.
Unser Schwerpunktthema "Elementarrehabilitation für Späterblindete" (Sehbehinderte sind immer auch gemeint) war zwei Tage vor dem Kabinettsbeschluss zum Entwurf eines Sozialgesetzbuches IX schnell "abgehandelt": Der Entwurf beinhaltet den Lohn für jahrelange Lobbyarbeit, aber, man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Gleiches gilt für die Diskussion um die Rente ab 60, die wir vor zwei Monaten noch als ausgestanden ansahen.
Nach 45 Minuten endete das Gespräch mit einem DBSV-Dank an
Bundeskanzler Gerhard Schröder für sein Grußwort zu
unserem Kongress "Sechs Richtige" am 15. Oktober auf der EXPO 2000 in
Hannover. Wir verließen das Bundeskanzleramt in dem
Bewusstsein, keine Sekunde verschenkt zu haben und - wie nach anderen
Politikergesprächen auch - mit der Erkenntnis, dass den
Politikern unsere Belange bewusster sind als wir allgemein
glauben.
Hans-Dieter Später
Fachgruppenleitertagung Industrie und Handwerk
Vom 04. bis 07. Oktober fand in Saulgrub die Fachgruppenleitertagung Industrie und Handwerk statt. Die Fachgruppenleiter der Landesvereine diskutierten im
Erfahrungsaustausch offen über die Situation auf dem Arbeitsmarkt und die Arbeit der einzelnen Fachgruppen. Alle waren sich einig, dass eine Intensivierung der Fachgruppenarbeit wünschenswert wäre, doch bedarf es bereits eines großen Engagements der Fachgruppenleitung, die Mitglieder z.B. zur Teilnahme an Veranstaltungen zu bewegen. In Berlin und Ost-Baden-Württemberg sollen neue Fachgruppen aufgebaut werden, denn bei
schwindenden Arbeitsplätzen in der Industrie und Nachwuchsproblemen im Blindenhandwerk ist die Fachgruppenarbeit wichtiger denn je.
Zwei Referate informierten über Aktivitäten zur Verbesserung der Chancen Blinder und Sehbehinderter auf dem Arbeitsmarkt. Frau Thorstensen vom
Förderzentrum für Blinde und Sehbehinderte in Berlin berichtete über ihre Arbeit der Berufsberatung, Berufsfindung und Suche nach innovativen
Beschäftigungsmöglichkeiten. Frau Schlegel berichtete über den Stand des seit März 2000 vom BMA geförderten Projekts EVASA (Erschließung von Arbeitsplätzen für sehgeschädigte Arbeitslose mit geringer fachlicher
Qualifikation), das gemeinsam vom BFW Düren, der Nikolauspflege Stuttgart und dem DBSV durchgeführt wird. Beide Ausführungen stimmten darin überein, dass standardisierte Ausbildungsgänge mit anerkannten Berufsabschlüssen oft nicht mehr ausreichen, um auf dem ersten Arbeitsmarkt zu bestehen.
Individuelle Nischenlösungen und arbeitsplatzorientierte
Lösungen scheinen indessen kein bequemer, aber notwendiger
Weg.
Ilona Schlegel
Sitzungstriathlon in Niederbachem
Vom 27. bis 29. Oktober tagten drei Fachausschüsse teils gemeinsam, teils parallel im Hotel Dahl in Niederbachem bei Bonn. Die an diesem Wochenende durch die Zeitumstellung gewonnene Stunde wurde dringend benötigt, denn das Programm war bei allen drei Gremien straff. Die gemeinsamen Fachausschüsse für Informations- und Telekommunikationssysteme (FIT), Umwelt und Verkehr (GFUV) und die Belange Sehbehinderter (FBS) begannen ihre Sitzungen am Freitagabend mit einem gemeinsamen Teil und diskutierten über Inhalte, Ziele und verschiedene Aspekte der verbandsübergreifenden Arbeit. Am Samstag teilte man sich auf und die jeweiligen Fachthemen wurden behandelt.
Der FIT verabschiedete seine GUI-Anforderungen, die Gestaltungsprinzipien benennen, welche grafische Benutzeroberflächen wie z. B. CD-ROMs erfüllen müssen, damit blinde und sehbehinderte Anwender sie nutzen können. Auch Anforderungen an Screenreader wurden zusammengestellt. Mit dem Expertengespräch zur "Qualität von EDV-Schulung" wurde ein neuer Themenkomplex eröffnet. Als Experten waren Klaus-Jürgen Schwede (BliSta), Jürgen Hüllen (BFW Düren), Peter Brass (DVBS) und Hasan Karahasan (für das DBBW) der Einladung gefolgt. Das Gespräch gab einen guten Einstieg in das Thema, dem der FIT große Bedeutung beimisst. Denn neben den programmiertechnischen Voraussetzungen, die von Internetseiten, GUIs oder Screenreader zu erfüllen sind, müssen die blinden und sehbehinderten Anwender auch gut geschult werden, um die moderne Informationstechnik bedienen zu können.
Der GFUV befasste sich in seiner Sitzung insbesondere mit der Vorbereitung des DBSV-Seminars für die Landesbeauftragten für Umwelt und Verkehr, das vom 23. bis 25. März 2001 in Berlin stattfinden wird. Das Seminar wird erstmalig auch Workshops anbieten, damit die Teilnehmer und Teilnehmerinnen sich über Themen, die in ihrer ehrenamtlichen Arbeit besonders brennend sind, informieren können. Hier soll z. B. ein Einstieg in den zumeist recht technischen Inhalt bestehender Normen gegeben werden. Weitere Themen waren Kontraste, die Nutzung der Deutschen Bahn, Berichte aus der Normungsarbeit, verschiedene Anfragen zu Umwelt- und Verkehrsfragen und die Planung der zukünftigen Ausschussarbeit.
Der Fachausschuss für die Belange Sehbehinderter hatte sich als Schwerpunktthema der in Arbeit befindlichen Norm "Optische Kontraste im öffentlichen Raum" gewidmet. Um hier eine Vorstellung von den technischen Aspekten und insbesondere den zwischen minus 1 und plus 1 liegenden Kontrastwerten zu erhalten, erklärte Frau Chmielarz von der Forschungsgemeinschaft "Auto . Sicht . Sicherheit" die physikalischen Grundlagen und stellte das Messverfahren vor. Die Messung einiger beispielhafter Schriften verdeutlichte, was sich hinter einem Kontrastwert wie "- 4,7" verbirgt. Der FBS diskutierte die für die Kontrastnormierung aus Sicht der Sehbehinderten wichtigen Aspekte und Mindestwerte. Berichte über Tagungen, Kongresse, Erfahrungen mit dem Sehbehindertentag am 6. Juni und die Sehbehindertenarbeit in den Verbänden rundeten die Sitzung ab.
Die Situation der Paralleltagung wurde von allen
Ausschussmitgliedern als interessant und informativ, aber
gleichzeitig auch als anstrengend und unruhig bewertet. Im
Zwei-Jahres-Rhythmus kann diese Form der parallelen Sitzungen mit
gemeinsamen Teilen jedoch angestrebt werden, um durch den
persönlichen Kontakt den Informationsaustausch zu
vergrößern und über den Tellerrand der eigenen
Ausschussarbeit zu schauen.
Ilona Schlegel
Nachstehend informieren wir über Fortbildungsveranstaltungen des Deutschen Blindenbildungswerkes (DBBW). Nähere Auskünfte erteilt: DBBW gGmbH, Hauptstr. 40, 79576 Weil am Rhein; Tel.: (0 76 21) 79 92 30.
31.03. bis 07.04.2001 Praktische Einführung in Windows 2000 Saulgrub
01.04. bis 07.04.2001 Reparaturen im Haushalt und kleine Werkzeugkunde Gallspach/Österreich
21.04. bis 28.04.2001 Ausbildung zum
nebenberuflichen/ehrenamtlichen Punktschriftlehrer
Saulgrub
Ende Oktober fand in Düsseldorf der Kongress "Gleichstellungsgesetze jetzt" statt, zu dem der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Behinderten, Karl Hermann Haack, eingeladen hatte.
Als Leiter des Arbeitskreises Antidiskriminierung nahm Klaus Hahn am Kongress teil und wird in der nächsten Ausgabe der "Gegenwart" darüber berichten.
Am 28. und 29.04.2001 können Blinde und Sehbehinderte auf dem Flugplatz Werneuchen wieder selbst hinter dem Lenkrad sitzen und Gas geben.
Ferner wird diesmal mittels eines Gurtschlittens demonstriert, wie
wichtig es ist, sich anzuschnallen.
Anmeldeschluss ist der 31.03.2001. Nähere Auskünfte
bei:
Dr. Detlef Friedebold; Tel.: (0 30) 3 65 53 55.
Die auch vom DBSV geförderte Fotoausstellung " Mit anderen Augen" von Ursula Hillmann wird vom 30.01. bis zum 27.02.2001 in der Kasseler Sparkasse, Wolfsschlucht 9, zu sehen sein.
Die Abteilung Blinden- und Sehbehindertensport im Behindertensportverband Nordrhein-Westfalen erhielt in diesem Jahr den Förderpreis des Deutschen Blindenhilfswerkes (DBHW). Die Preisverleihung fand im Rahmen der REHACare statt. Mit dem Preisgeld von 25.000 DM sollen Veranstaltungen organisiert werden, die noch mehr Betroffene an ein regelmäßiges Sporttreiben heranführen sollen.
Im Jahr 2001 steht der Förderpreis unter dem Motto "Blinde Menschen machen Kultur". Ausschreibungsunterlagen sind bis zum 01.02.2001 erhältlich beim DBHW, Postfach 10 03 19, 47003 Duisburg. Nähere Informationen unter Tel.: (0203) 35 53 77 oder im Internet: www.blindenhilfswerk.de.
Bodenindikatoren aus Deutschland, Österreich, Frankreich, der Schweiz, den Niederlanden - insgesamt 16 verschiedene Arten - wurden auf einer ebenen Fläche aneinandergereiht. Sie können hier miteinander verglichen und im Hinblick auf ihre Brauchbarkeit hin überprüft werden. Es wäre wünschenswert, wenn möglichst viele blinde Personen den Test durchführen würden und ihre Ergebnisse im
dazugehörenden Fragebogen protokollieren ließen. Erfahrungsgemäß ist dazu eine halbe bis eine Stunde erforderlich. Die Testphase endet am 15. Januar 2001. Die
Teststrecke ist grundsätzlich (auch noch danach) nach Anmeldung beim Empfang frei zugänglich von Montag bis Freitag 8.00 - 18.00 Uhr. Vorherige Terminabsprache unter (07 11) 65 64-133 wäre jedoch erwünscht.
Azubis auf dem Weihnachtsmarkt
Aufgrund der positiven Erfahrungen in den letzten Jahren ist das Berufsbildungswerk Soest auch im Jahr 2000 wieder auf dem Soester Weihnachtsmarkt vertreten. Bis zum 21. Dezember haben die Besucherinnen und Besucher des Soester Weihnachtsmarktes wieder Gelegenheit, am Stand des BBW Weihnachtsgestecke, weihnachtlich abgeschmecktes Gebäck und Marmeladen, Tisch- und Weihnachtsdecken, Besen und Bürsten, Kerzenständer, Nussknacker und andere von Auszubildenden selbst gefertigte Artikel zu erwerben. Darüber hinaus haben sie die Möglichkeit, sich über die Angebote und Aktivitäten des Berufsbildungswerkes Soest zu informieren.
Vielfältig ist das Veranstaltungsangebot der Ostseeperlen Boltenhagen im Jahr 2001. Neben kulinarischen und gesundheitsfördernden Veranstaltungen gibt es auch reichlich geistige Nahrung, z. B. beim III. Bücherfrühling (03. bis 07.05.) und bei den III. Tagen für akustische Medien (03. bis 07.10.).
Die internationalen Traditionen will die Erholungseinrichtung mit den Begegnungen von Vertretern der Ostseeanliegerstaaten wiederbeleben (24. bis 30.09.). Nähere Informationen sowie das gesamte Jahresprogramm sind erhältlich bei: Blinden- und Sehbehinderten-Verein Mecklenburg-Vorpommern; Tel.: (03 81) 77 89 80.
In Zusammenarbeit mit dem Justus Perthes Verlag in Gotha gibt die Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig einen neuen Europa-Atlas heraus, der von Blinden, Sehbehinderten und Sehenden gleichermaßen genutzt werden kann. Der jetzt erschienene erste Teil umfasst die politische Gesamtübersicht der Länder Europas. Die Europakarte wurde der besseren Übersicht wegen in vier Teile zerlegt.
Im Format 35 x 42 cm sind die Karten einmal als Folienreliefs zu haben, einmal als farbige Großdruckkarten und einmal als Folienreliefs mit unterlegten Großdruckkarten. Dazu gibt es Blätter mit Erläuterungen.
Als nächstes kommen die Karten der einzelnen Länder heraus. Insgesamt wird der Europa-Atlas 30 Teile haben. Nähere Informationen bei der DZB; Tel.: (03 41) 7 11 30.
Einschalten und weitersagen, das wünschen sich die Hobby-Radio-Macher des ABSV-Radios in Berlin. Jeden Samstag von 8.30 bis 11.00 Uhr gibt es auf der Berliner Kabelfrequenz 90,80 MHz Reportagen, Interviews, Informationen und viel Musik. Die blinden und sehbehinderten Redakteure, Moderatoren und Studiotechniker bieten ein unterhaltsames Programm für alle. Themen aus dem Blinden- und Sehbehindertenwesen werden in das sonst "ganz normale" Programm eingestreut. Oft "ganz nebenbei" erfahren die Hörer etwas aus der Alltagssituation von Menschen mit Sehproblemen.
Für alle Sehbehinderten und Blinden, die die Sendungen nicht direkt empfangen können, erscheint monatlich auf Kassette der ABSV-Radio-Club mit ausgewählten Beiträgen und jeweils einem Preisrätsel. Nähere Informationen und Bestellung bei: Allgemeiner Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin gegr. 1874 e. V. (ABSV), Auerbacher Str. 7, 14193 Berlin; Tel. (0 30) 8 95 88-0.
Die Bezirksgruppe Lübeck im BSVSH hat in Zusammenarbeit mit dem Projekt ROSI (Erfurt) einen taktilen Plan der Lübecker Innenstadt erarbeitet. Damit soll blinden und sehbehinderten Touristen und auch Bürgern der
Stadt die Form der Altstadt zwischen verschiedenen Wasserläufen, der Verlauf der Straßen und die Lage der berühmten Baudenkmäler in der Hansestadt fühlbar nahegebracht werden. Der Plan im Format A3 mit Ringheftung faltbar ist gegen eine Schutzgebühr erhältlich bei der Touristeninformation in Lübeck oder bei der Bezirksgruppenleiterin Birgit Below, Tel.: (0 45 09) 27 12.
Bilderreise durch Thüringen, Kinderkalender mit lustigen Tiermotiven und einen Blumenkalender - das sind die Themen der Reliefwandkalender, die das Projekt ROSI herausgibt. Die A4-großen Kalender bieten auf durchsichtiger stabiler Folie Reliefdarstellungen sowie Informationen in Punktschrift (Kalendarium und Erläuterungen zur jeweiligen Abbildung). Farbige Abbildungen sowie der Großdruck befinden sich auf einem Blatt, dass in die Folien eingelegt ist. Während sich die Reliefs, die genau über den Farbdrucken liegen, sich meist auf die Konturen des Objektes beschränken, zeigen die genau darunter liegenden Farbaufnahmen mehr Details, was die Kalender auch für Sehbehinderte und Sehende noch attraktiver macht.
Für manchen ganz praktisch, dass beim Kalendarium auch die
Zahl der jeweiligen Kalenderwoche angegeben ist.
Nähere Informationen und Bestellung unter Tel.: (03 61) 7 92 09
41.
Nachfolgende Titel können Sie beim BIT-Zentrum jeweils auf Hörkassetten käuflich erwerben:
Reich-Ranicki, Marcel/Löffler Sigrid: "und alle Fragen offen"; erschienen bei Heyne, München 2000;
Rahr, Alexander: "Der 'Deutsche' im Kreml"; erschienen bei Universitas, München, 2000;
Hupka: "Letzte Tage in Schlesien"; erschienen bei Langen, München, 1988
Nähere Angaben hierzu erfahren Sie unter Tel.: (0 89) 5 59 88-1 34.
Diese kirchliche Aktion ruft dazu auf, sich täglich 12
Minuten Zeit für Stille, Nachdenken und Meditation zu nehmen.
Begleitet wird die vom 03.12. bis 06.01. währende Aktion von
einem etwas anderen Adventskalender im Format 29 x 21 cm mit
sinnreichen _selfn. Den Kalender gibt es auch in Blindenschrift.
Nähere Informationen und Bestellung bei: Andere Zeiten e. V.;
Tel.: (0 40) 41 32 24 43.
Solidarität nicht nur zu Weihnachten
Ein Gespräch mit DBSV-Präsident Jürgen Lubnau.
Das Wort Solidarität hat man öfter, insbesondere wenn es darum geht, Solidarität innerhalb der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe zu leisten, Schwächeren Hilfe zu geben. Solidarität ist aber ein Wort, das mehr darauf gerichtet ist, wirklich Bedürftigen zu helfen. Und ich glaube, da sind wir doch in Deutschland immerhin in einer recht guten Situation, wenn man die Lage der Blinden und Sehbehinderten in ärmeren Ländern ansieht...
Solidarität und Unterstützung hat sich sicherlich bewährt in Deutschland. Die Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe ist - bei allen Abstrichen - gewiss eine starke Organisation.
Anderen Menschen in anderen Ländern, anderen Regionen, in anderen Erdteilen geht es deutlich schlechter, und die sind auf unsere Solidarität massiv angewiesen.
Wir haben des Öfteren Punktschriftmaschinen in eine Blindenschule gesendet; für uns sicherlich etwas wenig, wenn man bedenkt, dass inzwischen überall Computer herumstehen, aber für eine Blindenschule in Osteuropa, in Afrika oder Lateinamerika bedeutet dies schon ein bisschen mehr.
Auch der materielle Wert ist dort sicher ein ganz anderer. Wir wollen keine Vorzeigeprojekte initiieren. Uns geht es um die ganz praktische Hilfe. Und wenn wir bedenken, dass eine Schule überhaupt keine Blindenschriftmaschinen hat und wir stellen 10 oder 20 Stück zur Verfügung, dann wird den Schülerinnen und Schülern dort aktiv geholfen.
Der DBSV gibt für solche Hilfsmaßnahmen aus seinem Etat Geld, aber das ist ja nicht unerschöpflich. Wie kann man die finanzielle Grundlage für solche Maßnahmen verbessern?
Auch da ist Solidarität gefragt und gefordert. Das, was vom DBSV an Mitteln zur Verfügung gestellt wird, sind ja Beiträge von den Mitgliedern des DBSV - das sind die Landesverbände - oder es sind Spenden, die uns zur Verfügung gestellt werden.
Wir wollen mit praktischen Dingen helfen, nicht mit hochtechnisierten Produkten, die anfällig sind, die der Wartung bedürfen. Es geht um erprobte Geräte, die bei uns in Deutschland hergestellt werden und als solide Maschinen in die Länder der Dritten Welt geliefert werden.
Wie kann man sicherstellen, dass die Geräte (auch Stöcke und Uhren gehören ja meist dazu) auch dort ankommen, wo sie eigentlich hin sollen?
Wir sind da zum Teil auf Leute angewiesen, die vor Ort tätig sind. Wir haben in den Kosovo Punktschriftmaschinen geliefert für eine Schule, die im Bürgerkrieg zerstört worden ist, von einer Bundeswehreinheit, die dort stationiert ist, wieder aufgebaut wurde. Und der Offizier vor Ort hat die Maschinen in Deutschland abgeholt, hat sie dort hingebracht, sodass wir ganz sicher sind, dass die Maschinen dort angekommen sind, wo sie auch hin sollen.
Schwieriger ist es ja, wenn man Geld irgendwohin schickt. Wird das auch getan?
Nein, grundsätzlich nicht. Wir stellen Material zur Verfügung. Es wird ja immer wieder darüber geredet, dass Gelder irgendwo verschwinden, ohne, dass etwas an Gegenleistung dafür entstanden ist. Um da gar keine Gefahren entstehen zu lassen, haben wir uns darauf beschränkt, nur Material zu liefern.
Welche Rolle können dabei die Botschaften und die Vertretungen in den einzelnen Ländern spielen?
Die spielen schon eine große Rolle; dass der Transport gewährleistet wird, dass keine Zölle entstehen. .. Wir haben z. B. der philippinischen Botschaft Mitte des Jahres auch 10 Blindenschriftmaschinen zur Verfügung gestellt für eine Schule in Manila. Diesen Weg nutzen wir schon.
Gibt es schon konkrete Projekte oder Schwerpunkte für das nächste Jahr? Und wie ordnet sich das Ganze in Hilfen der Europäischen Blindenunion bzw. der Weltblindenunion ein?
Die EBU hat so etwa die Territorien aufgeteilt. So ist im französisch sprechenden Teil Afrikas hauptsächlich Frankreich aktiv. Es gibt andere Bereiche, da ist Großbritannien sehr aktiv und auch die spanische Blindenorganisation. Wir unterstützen sehr stark osteuropäische und asiatische Regionen.
Wie kann man diese Aktionen unterstützen? Was kann man tun, wenn man sagen will: Ich als Herr X. oder Frau Y. habe also dazu beigetragen, um Blinden in diesen Ländern das Leben ein Stück zu erleichtern?
Wir wollen ja insbesondere die Bildung junger Menschen fördern. Wenn Sie diese Aktionen unterstützen wollen - und wir sind auf Ihre Solidarität angewiesen, das muss noch einmal herausgestrichen werden -, können Sie unter dem Stichwort Entwicklungshilfe Geld überweisen. Wir wollen garantieren, dass dieses Geld auch sinnvoll angelegt wird. In die Länder, die unterstützt werden sollen, wird kein Geld überwiesen, sondern es gehen Stöcke, Uhren, Maschinen direkt dort hin und sollen dort helfen.
Also ein Aufruf, nicht nur kurz vor dem Weihnachtsfest. Aber ich
denke, gerade in dieser Zeit ist man in Gedanken ja auch oft bei
Menschen, die einem sonst nicht so nahe sind. Vielen Dank für
das Gespräch.
(Das Gespräch führte Dr. Thomas Nicolai; Kassetten-Ausgabe
Originalton.)
Ihre Spende können Sie überweisen:
Sparkasse Bonn
Konto-Nr. 200 209 39
BLZ: 380 500 00
Wie handlich sind Handys?
Von Lothar Rehdes
Das blinden- und sehbehindertengerechte Handy gibt es noch nicht.
Oft werden wir nach dem Handy mit Sprachausgabe gefragt. Leider sind Forschungen hier noch nicht zur Serienreife gediehen (Ericsson beispielsweise ließ aber gründlich testen); und viele Hersteller glauben, dass sie mit Spracheingabefunktionen schon viel für Blinde tun. Dabei ist die Steuerung über die Sprache für Blinde schwierig einzurichten und recht unzuverlässig.
Die Bedienung - insbesondere die Einstellung - eines Handys erfolgt üblicherweise über ein Menüsystem. Die Nutzung der Menüs ist für Blinde kaum oder gar nicht möglich. Auch wenn man sich die Reihenfolge der Optionen merkt, kann man dann immer noch nicht die Rückmeldungen auf dem Display verfolgen.
Einige Hersteller (z. B. Nokia und Siemens) haben die Möglichkeit vorgesehen, Funktionen, die sonst nur über das Menü erreicht werden, auch per Zahlencodes zu aktivieren, die über den Nummernblock eingegeben werden. Diese Methode eröffnet Blinden die Möglichkeit, selbständig auf bestimmte Funktionen zuzugreifen. Was nichtsehenden Benutzern bis auf weiteres verschlossen bleibt, sind die Dienste, die nicht Telefonieren im eigentlichen Sinne sind (Textnachrichten und Internetanwendungen). Die Gesellschaften bieten aber inzwischen Möglichkeiten an, Dienste wie E-Mail in Sprache auf das Mobiltelefon zu übertragen.
Um Tipps für die Anschaffung eines Mobiltelefons zu geben, haben wir vom Förderzentrum für Blinde und Sehbehinderte (FZBS) einige Modelle getestet.
Wir haben Modelle von Nokia, Siemens, Motorola, Sony und Trium (Mitsubishi) getestet, wobei letztgenanntes "Trium Astral" ähnlich wie z. B. "Siemens C 25" häufig im Paket mit Guthabenkarte angeboten wird; sie sind ergonomisch übersichtlich gestaltet, gut mit Quittungstönen ausgestattet und bieten ein auch für Sehbehinderte gut sichtbares Display.
Die neueren Siemensmodelle "C 35 I" und "S 35 I" erscheinen ergonomisch nicht mehr so gelungen wie ihre Vorgänger; der Ziffernblock ist von den Funktionstasten nicht mehr so gut abgesetzt. Die Tonqualität lässt Wünsche offen. Die Ausstattung der Modelle ist gut, wobei "S 35" zusätzlich u. a. über Modem sowie Spracheingabe und Memo verfügt. Die Bedienung der Menüfunktionen mit Zahlencodes ist möglich; eine Liste der Codes sucht man allerdings vergeblich. Beide Modelle können empfohlen werden.
Das "motorola Timeport" ist ein schlichtes, äußerlich durchdacht gestaltetes Handy. Die Bedienung der Menüs ist allerdings unnötig kompliziert und wird unter blinden Nutzern keine Freunde finden. Sehbehinderte dürften schon mit der extrem kleinen Schrift der Bedienungsanleitung erhebliche Probleme haben.
Das "Nokia 3210" ist ein edel wirkendes gefälliges Handy. Sehbehinderte werden an der großen gut lesbaren Schrift auf Tasten und Display Gefallen finden. Leider gibt es - wie auch bei Motorola - keine Quittierung des Einloggens - ein Erkennen ist aber am Klang der Tastentöne möglich. Die tief eingesenkten Tasten sind gewöhnungsbedürftig. Die Einstellungen können statt über Menü auch über Zahlencodes vorgenommen werden. Den verschiedenen Anrufern können, allerdings durch sehende Hilfe, unterschiedliche Ruftöne zugeordnet werden. Trotz fehlenden Vibrationsalarms wird dieses hübsche Handy seine Freunde finden.
Abschließend testeten wir noch das "Sony CMD-Z 5". Die kleine Tastatur unter der Klappe ist erstaunlich griffig. Das Jog-Dial-Rädchen macht da schon mehr Probleme (zuverlässiges Abzählen). Sind die Einstellungen - am besten mit sehender Hilfe - vorgenommen, kann das kleine Schmuckstück bestimmt gefallen.
Für Hinweise und Erfahrungsberichte sind wir stets dankbar.
FZBS gGmbH, Schlossstraße 92, 12163 Berlin, Tel.: (0 30) 79 01 369 - 36, Fax (030) 79 01 369 - 21, E-Mail E-Mail : rehdes@fzbs.de.
Ab 01.01.2001: Hinzuverdienstgrenzen für alle EU- und BU-Rentner
Vom 01.01.2001 an gelten für alle EU- und BU-Rentner in Deutschland Hinzuverdienstgrenzen. Einzige Ausnahme sind und bleiben die Invalidenrentner im Beitrittsgebiet, die bereits vor dem 1.1.1992 die Voraussetzungen für das DDR-Blindengeld oder -Sonderpflegegeld erfüllten. Sie können weiterhin unbegrenzt zur Rente hinzuverdienen.
Bereits seit dem 1.1.1996 galten diese Grenzen für Neurentner, die von diesem Zeitpunkt an erstmals eine EU- oder BU-Rente bekamen. Demnächst gelten sie also auch für die Altrentner. Die Grenzen sind in 4 Stufen festgelegt. Je nach der Stufe des Hinzuverdienstes wird die Rente gekürzt. Wird die oberste Stufe überschritten, so reduziert sich die Rente auf Null. Die Hinzuverdienstgrenze beträgt in der ersten Stufe 630 DM (West und Ost); wird diese Grenze überschritten, so erhält der EU-Rentner nur noch eine Rente in Höhe der vollen BU-Rente; für BU-Rentner ändert sich nichts. In den weiteren Stufen werden die Grenzen individuell errechnet.
Die nachfolgenden Zahlen gelten für den Arbeitnehmer, der vor der Rente genau das statistische Durchschnittsentgelt erzielt hat. Die Zahlen erhöhen oder mindern sich je nach dem, was der Einzelne im letzten Kalenderjahr vor dem Eintritt der Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit verdient hat, genauer: Es kommt auf die Entgeltpunkte an, die ihm die Rentenversicherung in jenem Jahr gutgeschrieben hat. Wer dann zum Beispiel im Jahr vor der Verrentung 1,5 Entgeltpunkte erreicht hat, muss die nachfolgenden Grenzwerte mit 1,5 multiplizieren.
2. Stufe: 1275,23 DM (West), 1109,33 DM (Ost); bei Unterschreiten dieser Grenze bleibt es bei einer Rente in Höhe einer vollen BU-Rente,
3. Stufe: 1700,30 DM (West), 1478,10 DM (Ost); bei Unterschreiten bleibt es bei einer Rente in Höhe von zwei Dritteln der BU-Rente,
4. Stufe: 2125,38 (West), 1848,88 DM (Ost); bei Unterschreiten bleibt es bei einer Rente in Höhe von einem Drittel der BU-Rente.Welche Einkünfte als Hinzuverdienst gelten, ist im Gesetz im Einzelnen geregelt, kurz gefasst: Arbeitsentgelt (bei Beschäftigung) und Lohnersatzleistungen und
Arbeitseinkommen (bei selbständiger Tätigkeit). Nicht als Arbeitsentgelt gelten: Das Pflegegeld, das eine Pflegeperson vom Pflegebedürftigen erhält, die Verdienste von Schwerbehinderten in anerkannten Werkstätten für Behinderte oder in anerkannten Blindenwerkstätten (auch bei Heimarbeit) und schließlich die steuerfreien Aufwandsentschädigungen und die nach § 3 Nr. 26 EStG steuerfreien Einnahmen ("Übungsleiterpauschale"). Auch das Blindengeld gehört natürlich nicht zum Hinzuverdienst. Unschädlich ist es, wenn eine Hinzuverdienstgrenze bis zu zweimal im Kalenderjahr überschritten wird, wobei der überschreitende Betrag für sich gesehen nicht noch einmal die Hinzuverdienstgrenze überschreiten darf. Endet der Hinzuverdienst, so wird auf Antrag wieder die frühere Rente gezahlt.(Grundlage: § 313 SGB VI; alle Angaben ohne Gewähr).
Bis 31.12.2000: Erleichterter Zugang schwerbehinderter Beamter zur privaten Krankenversicherung (PKV)
Das Gesundheitsreformgesetz vom 22.12.1999 hat zu Gunsten von schwerbehinderten Beamten, die wegen der nicht von der Beihilfe abgedeckten Krankheitskosten in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert sind, eine Regelung getroffen (§ 257 SGB V), die es für Unternehmen der PKV interessant macht, für diese Personen Tarife ohne Risikozuschlag anzubieten. Der Gesetzgeber geht dabei davon aus, dass die Tarife beihilfekonform sind und insoweit auch den Leistungen der GKV entsprechen. Es könnte sich also lohnen, nach solchen Tarifen zu fragen. Vor dem Wechsel von der GKV zur PKV sollte jedoch sorgfältig geprüft werden, ob die konkret angebotenen tariflichen Leistungen tatsächlich ausreichend sind. Gerade für Blinde und Sehbehinderte und insbesondere im Hinblick auf Hilfsmittelversorgung erbringen die Unternehmen der PKV oft nicht dieselben Leistungen wie die GKV.
Inge Deutschkron/Lukas Ruegenberg:
Papa Weidt
Verlag Butson & Bercker Kevelaer
ISBN 3-7666-0210-1
Ein Buch für Kinder mit einem Thema, dass alle angeht. Über den fast blinden Mann mit Zivilcourage wurde inzwischen des Öfteren berichtet. Das Kinderbuch Papa Weidt schließt eine Lücke.
In den Publikationen des DBSV begegnen wir Otto Weidt mehrfach. Das Jahrbuch 2001 berichtet im Beitrag "Otto Weidt - ein Mann mit Zivilcourage" über sein Wirken, und in der "Gegenwart" 11/1999 informierten wir über die Enthüllung einer Gedenktafel am Eingang zum Grundstück Rosenthaler Straße 39 in Berlin, wo sich Weidts Besen- und Bürstenwerkstatt befand, in der blinde und taube jüdische Arbeiter beschäftigt waren und heute das Authentizität ausstrahlende Museum "Blindes Vertrauen" eingerichtet ist.
Inge Deutschkron, während der Nazizeit als Jüdin verfolgt, hatte selbst in der Werkstatt Schutz gefunden. Als Zeitzeugin erzählt sie ihre Geschichte und die von Papa Weidt so, wie man die Ereignisse Kindern verständlich machen kann. Der Text findet auf 32 Seiten hilfreiche Anschaulichkeit durch die Illustrationen von Lukas Ruegenberg.
Neben der Erzählung in Wort und Bild erinnern ausgewählte Fakten an die systematische Ausgrenzung und Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung, bevor der eigentliche barbarische Vernichtungsfeldzug der Nazis begann, der sechs Millionen Juden das Leben kostete.
So werden wir an zahlreiche Vorschriften von Hitlers Handlangern erinnert, die damals auch denen nicht verborgen blieben, die später sagten: "Das haben wir nicht gewusst", z. B.:
Beinahe "am Rande" erfahren die jungen Leserinnen und Leser auch etwas über das Leben und Arbeiten blinder Menschen, und die glaubhafte Darstellung macht auch diese Informationen nacherlebbar:
"Inge staunte, als sie in die Blindenwerkstatt kam. Obwohl die Arbeiter blind waren, waren sie sehr geschickt. Mit welcher Geschwindigkeit sie die Borsten und Fasern durch die Löcher in den Besenhölzern zogen. Schneller, als Inge es gekonnt hätte. Dabei konnte sie doch sehen. Die blinden Besenmacher sangen sogar bei der Arbeit, oder sie erzählten sich Witze. So sicher fühlten sie sich bei Otto Weidt...."
Die Botschaft des Buches lautet: Es gab auch während der
Nazizeit aufrechte Menschen wie Otto Weidt, die durch
persönlichen Einsatz jüdischen Mitbürgern das Leben
retteten. Und: Zivilcourage ist auch heute gefragt, wenn es um das
friedliche Zusammenleben in Deutschland geht. Unsere Kinder sollen
aus der Geschichte und aus der Geschichte über "Papa" Weidt
lernen.
Thomas Nicolai
Kindermund
Von Heinrich Thyron
Seit einiger Zeit wohnt in unserer Nachbarschaft ein kleiner Junge, der sich von Anfang für meine - wahrscheinlich nicht immer sehr elegant wirkenden - Bemühungen mit dem Langstock interessiert hat.
Bei unserer ersten offiziellen Begegnung fragte er mich: "Was machst du da?" Ich antwortete wahrheitsgemäß, aber sicher auch etwas oberlehrerhaft: "Ich suche den Weg." Darauf das Kerlchen: "Man, der ist doch da!" Mir war sofort klar, dass ein Kurzvortrag über Blindheit jetzt fehl am Platze gewesen wäre. Die erste Runde war vielmehr eindeutig an den Kleinen gegangen.
Nun habe ich mir angewöhnt, meine öfter zu gehenden Wege auch nach bestimmten Festpunkten auszurichten. Einer dieser Festpunkte ist ein etwa hüfthoher Trafokasten, an den ich im Vorbeigehen mit der Stockspitze klopfe. So auch eines Tages, und schon hörte ich das Kerlchen ausrufen: "Der macht echt alles kaputt!" Diese Bemerkung trug ihm allerdings einen scharfen Verweis seiner Mutti ein. Diesmal war ich nicht der Dumme.
Meine Frau gehört natürlich grundsätzlich zu "dem mit dem weißen Stock". Als sie einmal allein daherging, lief der Kleine auf sie zu und fragte: " Wo ist er denn?" Und während er das Wort "er" ziemlich langgezogen betonte, wiesen seine Äuglein in die Richtung, in der er unsere Wohnung vermutete, und sein zur Faust geballtes Händchen machte dabei fachgerechte Pendelbewegungen.
Und dann war ihm wohl klar geworden, dass ich den Stock wirklich brauche.
Als ich neulich wieder einmal allein heimtickte, hörte ich Füßchen auf mich zulaufen, ein kleines Händchen schob sich in meine Linke, und der Kleine sagte: " Komm, ich bring dich schon nach Haus." Das tat er denn auch, und vor meiner Haustür schlossen wir endlich Frieden.
"Die Gegenwart" wünscht allen Leserinnen und Lesern, allen Hörerinnen und Hörern sowie allen Freunden der DBSV-Zeitschrift eine besinnliche und schöne Adventszeit, friedvolle Weihnachtsfeiertage und einen guten Start in das Jahr 2001.
All jenen, die im Blinden- und Sehbehindertenwesen ehrenamtlich tätig sind, wünschen wir einen besonders erfolgreichen Tag am 05. Dezember, dem Tag des Ehrenamtes, verbunden mit einem herzlichen Dankeschön für im Jahr 2000 gespendete Zeit und Kraft, angewandtes Wissen und Können, für weitergegebene Erfahrungen.
Bei der Berliner Diskussionsrunde "Aktive Bürgergesellschaft" der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag am 06. Oktober d. J. wurde dafür plädiert (und dabei lagen Spaß und Ernst dicht beeinander), den Esel zum Maskottchen der Ehrenamtler zu machen, und zwar mit folgender Begründung:
Ihre Redaktion "Die Gegenwart"
Zusammengestellt von Regina Haar
1. Weihnachtsgeschenke der Firma Art-Ines
2. Friteusen
3. Hörbuchtipps
1. Weihnachtsgeschenke der Firma Art-Ines
Die Firma Art-Ines präsentiert zu Weihnachten 2000 drei
besonders schöne Artikel aus dem Spieluhrenprogramm. Wenn
Sie ein wertvolles Geschenk suchen oder sich selbst eine
Freude machen möchten, empfehlen wir folgende Artikel:
Wunderschöne Bildlackdose mit Ballerina und Schmuckfach.
Beim Öffnen der Dose tanzt die Ballerina zur Melodie
Schwanensee von Tschaikowsky. Preis DM 186,00.
Aufwendig verarbeitetes gedrechseltes Spinnrad. Zur
Melodie "Das alte Spinnrad" drehen sich die beweglichen
Teile. Preis DM 109,00.
Leierkasten aus Massivholz mit Musikwerk. Mittels einer
Kurbel werden gestanzte Lochstreifen durch das Musikwerk
gedreht und spielen verschiedene Melodien. Im Lieferumfang
enthalten ist die Lochzange und ein Streifenset. Ein
großer Spaß für musikbegeisterte Kinder und Erwachsene.
Preis DM 189,00.
Kostenlose Prospekte können angefordert werden bei:
Art-Ines, Blumenstr. 41, 73728 Esslingen, Tel.:
(07 11) 3 70 67 52, Fax: (07 11) 3 70 67 52, E-Mail:
2. Friteusen
In vielen Küchen gehört eine Friteuse zur Ausstattung.
Von unterschiedlichen Anbietern gibt es elektrische
Geräte, die für Blinde und Sehbehinderte gut bedienbar
sind. So gehört der von außen bedienbare Lift für das
Fritiersieb bei den folgenden Geräten zur Ausstattung. Die
Gerätehülle wird nicht heiß und der Temperaturwahlschalter rastet oder kann mit wenigen Handgriffen an den Grundpositionen markiert werden.
Ausgewählte Friteusen mit unverbindlicher Preisempfehlung:
1. Rotofriteuse Plus De Longhi - 249,00 DM
2. Kennwood Super DF 550 - 229,00 DM
3. Bosch TFB 2001 - 169,95 DM
4. Moulinex Clanair - 89,90 DM
5. Friteuse Solac - 54,99 DM
Vielleicht wäre ja auch ein Buch ein willkommenes
Weihnachtsgeschenk. Nachfolgend einige Hörbuchtipps:
Karibu heißt willkommen von Stefanie Zweig, für das
Audio-Book bearbeitet von Dagmar Ponot, gelesen von
Franziska Pigulla. Der neue Afrika-Roman der
Bestsellerautorin Stefanie Zweig, deren erstes Buch
"Nirgendwo in Afrika" ein Millionenpublikum erreichte und
jetzt verfilmt wird. "Karibu heißt willkommen" ist die
Geschichte einer für Afrika einzigartigen Freundschaft.
Das Kikuyumädchen Lilly und die englische Farmerstochter
Stella wachsen auf einer Farm im Hochland Kenias auf. Als
der Kampf um Kenias Unabhängigkeit auch die Farm Karibu
erreicht, muss Stella nach London. sie beginnt ein neues
Leben - bis zu dem Augenblick, als die unstillbare
Sehnsucht nach Afrika sie wieder einholt....
Erschienen bei die Langen Müller Audio-Books, ISBN
3-7844-5034-2, unverbindliche Preisempfehlung: 48,00 DM.
Was, Sie haben noch nie Professor Dumbledore beobachtet,
wie er aus Affodill den Trank der lebenden Toten
zubereitet? Keine Ahnung von Flohpulver als Reisemittel?
Dann sind Sie definitiv ein Muggel und gehören
offensichtlich noch nicht zur wachsenden Fangemeinde des
Jungzauberers Harry Potter. Für diejenigen, die aufholen
wollen, gibt es jetzt die Möglichkeit, Harry Abenteuer als Hörstücke kennen zu lernen.
Harry Potter und der Stein der Weisen von Joanne K.
Rowling, gelesen von Rufus Beck, 6 MC, Sonderausgabe zum
Sonderpreis 39,95 DM, ISBN 3-89584-608-2
Harry Potter und die Kammer des Schreckens, 8 MC,
Sonderausgabe zum Sonderpreis von DM 49,95 DM, ISBN
3-89584-609-0, beide Der Hör-Verlag
Ein besonderes Angebot sind die Hörbücher der Firma
TK-Audiobuch, ausgewählte Satire sowie erotische Romane
auf Kassette gelesen. Die Titel sind zu erfragen bei
Tatjana Kirchner Drosselweg 5, 15751 Niederlehme, Tel.:
(0 33 75( 20 41 36, Fax: (0 33 75)2 11629.
Ich wünsche allen Lesern ein frohes Weihnachtsfest und einen gesunden Jahreswechsel in das Jahr 2001.
Regina Haar
Das kunstseidene Mädchen
Tympano Verlag GmbH
ISBN 3-933663-03-2, unverbindliche Preisempfehlung
59.80 DM
Ein gebundener Buchteil (Format 14 x 13 cm) mit hochwertigem Einband (88 Seiten) enthält zur Ergänzung des Hörerlebnisses _self, Bilder, Zitate und Informationen über Irmgard Keun, Juliane Köhler und das Berlin der 20er Jahre.
Die Hörbuchfassung des Romans von Irmgard Keun, eine CD, ca. 60 Min., wird gesprochen von Juliane Köhler.
Doris, das kunstseidene Mädchen, will ein Glanz werden. "... die kleine Sekretärin aus der Provinzstadt mit dem hellen Köpfchen und dem rasenden Erlebnishunger, aber obenauf schwimmt sie immer nur für Augenblicke, und dann geht's wieder hinunter auf der Rutschbahn des Lebens in Elend und Verzweiflung... Und so bleibt von der Jagd nach dem Glück nur das kleine schwarze Heft, in das die kecke aber ziemlich unemanzipierte Freibeuterin des leichten Lebens ihre Erfahrungen niederschreibt mit der wildwüchsigen Sprachphantasie einer scharf beobachtenden und poetisch fabulierenden Scheinnaivität".
Im Abschnitt "In dem Haus von Tilli" beschreibt Doris die Begegnung mit einem blinden Mann; ein Ausschnitt:
"In dem Haus von Tilli wohnte unten der Brenner. Der konnte nichts mehr sehen, weil sie ihn im Krieg blind geschossen hatten, und 40 war er und saß immer trübe in der Küche mit dem Blick auf die Mauer, aber die sah er ja nicht. Und so einen schönen Mund. Seine Frau war alt und hässlich und wollte ihn in ein Heim stecken, weil er nämlich keine Rente kriegte. Ich besuchte ihn manchmal, wenn die Brenner mal fort war. Der Brenner war ein sehr feiner Mann und hatte so viele Gedanken, die sagte er mir dann. Und ich sammelte dafür Sachen für ihn. Ich guckte mir alle Straßen an und Lokale und Leute und Laternen. Und dann merkte ich mir mein Sehen und brachte es ihm mit. Fragt mich der Brenner so mit blassen Händen so an einem Tage, wie ich eigentlich aussehe. Das war komisch. Ich sollte mich selber beschreiben. Also, ich habe eine sehr schöne Figur...
Da sagt mir der Brenner an einem Tage - es war ein Sonntag -, dass er übermorgen in ein Heim kommt, weil seine böse Frau mit den gelben Zähnen das nicht mehr schafft. Wenn man das nicht schafft, dann ist das mit der Liebe ja wirklich Quatsch.
Der Brenner hatte mir eine Kette aufgezogen aus Holzperlen; es sind rote und herrliche und grüne Farben, zusammengestellt mit einem Sinn. Und er ist doch blind!...
Weitere Informationen unter Tel.: (0 89) 53 81 92 50 sowie im
Internet: www.tympano.de.
(Thomas Nicolai)
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Gute Wünsche zum Jahreswechsel
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Solidarität nicht nur zu
Weihnachten
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Jubiläum:
Die Familie gratuliert einem Hundertjährigen
Interview mit Werner Schick
Rechtsauskunft:
EXPO 2000:
153 Tage in der ersten Liga
Von Jürgen Krause
Bericht:
Louis Braille lebt in Leipzig
Susanne Siems über eine Konferenz
Berliner Bauwerke:
Der Berliner Weihnachtsmarkt
Von Ingeburg Benthin
Hilfsmittel:
Wie handlich sind
Handys?
Testergebnisse von Lothar Rehdes
Satire:
Sechs auch in der Suppe
Blasius Stichling ist sechsbesessen
Rezension:
Papa Weidt
Ein Buch von Inge Deutschkron und
Lukas Ruegenberg
Stichwort: Unterwegs:
Kindermund
Von Heinrich Thyron
Aus den Ländern
Persönliches
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Bildbetrachtung:
Gabriele Münter: Häuser im Schnee
Von Christiane Heuwinkel
Beilagen:
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Zu unserem Titelbild:
Am 03. Dezember ist der Welttag der Behinderten; statt der drei
schwarzen Punkte gehen drei "Stockläufer" an den Start.