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Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e. V. |
Ausgewählten Beiträgen der aktuellen "Gegenwart"
Dank und Gruß
Die Redaktion der "Gegenwart" dankt am Ende des Jahres 2001 all ihren
treuen Leserinnen und Lesern, all denen, die mit ihren Berichten,
Kritiken und Vorschlägen zur Gestaltung unseres Magazins
beigetragen haben und nicht zu letzt den Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern in den Druckereien sowie im Studio, die ihren Teil
für ein pünktliches Erscheinen beitrugen.
Wir wünschen eine schöne Weihnachtszeit und einen guten
Start in das Jahr 2002.
Die Mitarbeiter des DBSV-Referates Öffentlichkeitsarbeit
Ute Goetze, Ilona Nicolai und Dr. Thomas Nicolai
Das gesamte Inhaltsverzeichnis der
"Gegenwart" 12/01
Die "Gegenwart" bestellen
Liebe Leserinnen und Leser,
die Ereignisse vom 11. September haben die Welt in gewisser Weise verändert. Die unbeschreibliche Brutalität der Anschläge bereitet den Menschen Sorge. Die Furcht vor weiteren Anschlägen - in welcher Form auch immer - ist groß.
Ängste bestehen aber auch, welche Wirkungen die Reaktionen der USA und der sie unterstützenden Staaten haben werden. Und überall wird über verschärfte Sicherheitsmaßnahmen diskutiert.
Not und Elend, die durch kriegerische Ereignisse bzw. Naturkatastrophen hervorgerufen wurden, traten in den Hintergrund. Hilfsprojekte in der Dritten Welt geraten in Vergessenheit.
Die Menschen in Osteuropa, auf dem Balkan, in Afrika, Asien und Lateinamerika sind nach wie vor auf unsere Hilfe und Solidarität angewiesen.
Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband fördert in erster Linie Schulen und andere Einrichtungen für Blinde und Sehbehinderte, deren Arbeit uns bekannt ist. So konnte sich der Unterzeichner persönlich ein Bild von der Arbeit einer Blindenstiftung in Brasilien machen. Dieser Einrichtung werden wir in Kürze 20 Punktschriftmaschinen zur Verfügung stellen. Die Bundeswehr hat eine Blindenschule auf dem Balkan, die durch Kriegseinwirkung erheblich zerstört worden war, wieder aufgebaut. Der DBSV hat dringend benötigte Braille-Schrift-Maschinen bereitgestellt.
Um auch in Zukunft helfen zu können, benötigen wir Ihre finanzielle Unterstützung, liebe Leserinnen und Leser. Die zuvor genannten Beispiele beweisen, dass der DBSV sehr verantwortungsvoll mit den von Ihnen uns anvertrauten Mitteln umgeht.
Liebe Leserinnen und Leser, der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband wünscht Ihnen eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit sowie ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2002, das uns hoffentlich dem Ziel einer friedlicheren Welt näher bringen möge.
Jürgen Lubnau
DBSV-Präsident
Spendenkonto
Sparkasse Bonn
Konto-Nr. 200 209 39
BLZ 380 500 00
Mit der Einsetzung einer Wahlkommission hat der DBSV-Verwaltungsrat am 26. und 27. Oktober in Saarbrücken ein klares Zeichen in Richtung Verbandstag gesetzt, der vom 19. bis 22. Juni 2002 in Bonn stattfinden wird. Hat der DBSV eigentlich seine Hausaufgaben erledigt, die ihm vor 3 1/2 Jahren aufgegeben worden sind? Wir fragen den DBSV-Präsidenten Jürgen Lubnau:
Jürgen Lubnau: Ob nun alle Aufgaben erfüllt worden sind, das glaube ich nicht, aber wir sind ein großes Stück vorangekommen. Wir haben in der Vergangenheit die Kontakte, die Beziehungen untereinander - DBSV und Landesverbände - sehr gepflegt. Wir haben einen Zukunftsprozess, einen Änderungsprozess eingeleitet, der nun auf dem besten Wege ist, demnächst auch abgeschlossen zu werden. Und wir haben auch unsere Lobbyarbeit in Richtung Öffentlichkeit, in Richtung Politik und Verwaltung sehr stark intensiviert, sodass wir schon sagen können, wir haben, glaube ich, eine recht erfolgreiche Zeit hinter uns gebracht. Alle miteinander, die beteiligt waren - Vorstand, Verwaltungsrat, Geschäftsstelle - alle haben am gleichen Strang gezogen, und auch in die gleiche Richtung.
Ein Fachvortrag über Corporate Identity und Corporate Design mündete in eine rege Diskussion über die Ansprüche an ein Logo für den Spitzenverband, seine Mitgliedsorganisationen und deren Untergliederungen. Warum ist eigentlich das Bemühen um ein solches einheitliches Erscheinungsbild so wichtig?
Jürgen Lubnau: Wir stellen immer wieder fest, dass man uns
nicht so gut kennt. Und das einheitliche Erscheinungsbild der
Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe kann uns helfen, diesen Mangel
zu beseitigen. Wir müssen von den Menschen, von den
Abgeordneten, von der Politik immer wieder erkannt werden. Und das
einheitliche Erscheinungsbild kann dazu beitragen. Ausdruck dessen
ist eben auch ein einheitliches Logo; das ist ein sehr spannendes
Thema. Wir haben auf dem Verwaltungsrat sehr intensiv nach dem
Fachvortrag diskutiert. Wir haben sehr kontrovers miteinander
diskutiert, ob wir an dem Logo, das fast alle Verbände, auch der
DBSV, zur Zeit haben, dem weißen Stockmännchen festhalten
oder ob wir eine Veränderung dahingehend erreichen, dass das
Männchen verändert wird, aber an ihm festgehalten wird oder
ob wir uns völlig davon trennen und ein, sagen wir, neutrales
Logo entwickeln lassen werden.
Wir haben uns nach der wirklich kontroversen Diskussion dazu
entschlossen, mit doch relativ deutlicher Mehrheit, dass wir beide
Varianten prüfen lassen und uns von kompetenter Seite
Vorschläge unterbreiten lassen, um dann erneut darüber zu
diskutieren. Und das wird dann auch auf dem nächsten
Verwaltungsrat passieren, um möglichst für alle ein
einheitliches Logo - wie es auch ausschauen mag - zu erreichen.
Auch ein Stück Zukunftsgedanke. - In der "Gegenwart" waren ja
kürzlich auch zwei Stellen ausgeschrieben: PR-Manager und
Fundraiser. Sind das nur neue Begriffe oder ist das in der Tat eine
neue Orientierung?
Jürgen Lubnau: Das hängt auch mit unserem
Veränderungsprozess zusammen. Wir müssen stärker in
Erscheinung treten. Und dazu gehört eben auch, dass ein
hauptamtlicher Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin sich kompetent
darum kümmert, unsere Öffentlichkeitsarbeit über die
"Gegenwart" hinaus, das soll ja jetzt nicht schlecht geredet werden,
aber all das, was mit der Lobbyarbeit, mit der Präsentation auf
Messen und Ausstellungen zusammenhängt, in der
Öffentlichkeit generell PR zu betreiben, das soll verstärkt
werden. Das machen andere Sozialverbände auch, z. T. mit sehr
großem Erfolg. Und wenn wir uns behaupten wollen und auch
weiterhin gut in Erscheinung treten wollen, müssen wir dem
Rechnung tragen.
Und die zweite Stelle - Fundraiser: Öffentliche Mittel sind
knapp, das wissen alle Leserinnen und Leser. Wir werden nach neuen
Finanzierungsquellen Ausschau halten müssen, diese
erschließen, und darum muss sich jemand hauptamtlich
kümmern. Das kann nicht ehrenamtlich oder nebenher passieren.
Nur wenn wir eine ausreichend gute finanzielle Grundlage haben,
können wir erfolgreiche Arbeit leisten.
Der DBSV hat im Jahr 2001 für die beiden Aktionstage -
Sehbehindertentag und Tag des weißen Stockes - eine Menge an
Aktionsmitteln bereitgestellt, die von den Landesvereinen auch gut
angenommen und auf dem Verwaltungsrat nochmals gewürdigt wurden.
Dennoch müssen wir beobachten, dass die Schwerpunktthemen nicht
überall angenommen werden und sich in Aktionen niederschlagen.
Wie kommt das? Und was können wir hier verbessern?
Jürgen Lubnau: Das ist gewiss ein Problem unserer föderalen
Struktur, an der wir sicherlich festhalten wollen, die wir auch nicht
verändern können und auch nicht wollen. Das ist ein
bedauerlicher Punkt, über den wir ja schon länger reden. Es
ist wichtig, dass diese Schwachpunkte angesprochen werden. Es ist zu
beobachten, dass in einigen Landesverbänden sehr intensive und
sehr gute Öffentlichkeitsarbeit geleistet wird, auch mit sehr
vielen Aktionen. Und es gibt den einen oder anderen Landesverein, in
dem es nicht ganz so erfolgreich und so optimal läuft. Wir
werden immer wieder mit unseren Landesverbänden sprechen, die
diese Aktionen vor Ort durchsetzen, um sie anzuregen, ihre Arbeit
auch noch weiter zu intensivieren. Wir wissen auch aus den
Landesverbänden, dass dort dem Bereich der PR immer mehr
Bedeutung beigemessen wird. Und immer mehr Landesverbände
stellen auch Hauptamtler dafür ein, sodass wir auch hoffen, dass
über diese Schiene in den nächsten Jahren die Arbeit vor
Ort noch intensiviert wird.
Beschlossen wurden nun auch die Themen für die Aktionstage
2002. Was haben wir dort zu erwarten?
Jürgen Lubnau: Es ist sicher nicht immer ganz leicht, Themen zu
entwickeln, die auch gut umsetzbar sind, auch gut präsentiert
werden können und auch der Öffentlichkeit vermittelt werden
können.
Für den Sehbehindertentag am 06.06. haben wir Formulare in den
Vordergrund gestellt, die in aller Regel ja sehr klein gedruckte
Passagen enthalten oder generell klein gedruckt sind, sodass der
Sehbehinderte kaum eine Chance hat, richtig zu erkennen und zu lesen,
was das Formular enthält und was ausgefüllt werden
muss.
Der Tag des weißen Stockes am 15. Oktober wird unter dem
Schwerpunktthema des öffentlichen Verkehrs wieder einmal stehen.
Da haben wir immer unsere Probleme, die lassen ja auch nicht nach.
Wir werden immer wieder nachhaken müssen, neu entstehende
Hindernisse ansprechen, dass es bei der Bahn beispielsweise nicht
mehr die notwendigen Ansagen gibt, dass Bahnhöfe nicht so gut
gestaltet sind, wie wir uns das wünschen; die Palette ist breit.
Ja, und beides auch Themen, die nicht nur uns angehen, sondern
gewissermaßen dann auch alle Bürger ansprechen.
Jürgen Lubnau: Das ist unsere Chance, diese Themen auch zu
transportieren.
Bereits im März 2002 gibt es aber einen besonderen
Höhepunkt im Bereich Hörfilm...
Jürgen Lubnau: Der Hörfilm hat sich entwickelt. Aus dem
ursprünglichen dreijährigen Projekt, das zum März 2001
auslief, ist eine gemeinnützige GmbH geworden, die Deutsche
Hörfilm gGmbH. Wir hatten uns vor geraumer Zeit im Verband schon
verständigt, dass zur Förderung des Hörfilmwesens ein
Preis ausgelobt werden soll. Dazu wird auch eine Jury eingesetzt, das
haben wir auf dem Verwaltungsrat im Prinzip schon getan. Der
Vorsitzende ist Armin Kappallo. Konkreter Anlass ist, wir haben
für den Hörfilmpreis einen Schirmherrn gewonnen. Mario
Adorf - ein auch international sehr bekannter Schauspieler - hat sich
auf Vermittlung der Deutschen Bank bereit erklärt, als
Schirmherr zu fungieren. Und die Preisverleihung wird am 18.
März 2002 in Berlin stattfinden. Und wir hoffen, dass wir
dadurch dem Hörfilm auch noch einen deutlichen Schub verleihen
können.
Vorgestellt wurde ein Projekt BIBS. Was sind die wesentlichen
Aufgaben und Ziele dieses Projektes?
Jürgen Lubnau: Dieses Projekt ist entstanden nach Verabschiedung
des Reformgesetzes zum Schwerbehindertengesetz im vorigen Jahr. Dort
sind Integrationsfachdienste eingeführt worden. Und unsere
Berufsförderungs- und Berufsbildungswerke hatten die Sorge, dass
die bei ihnen vorhandene Kompetenz nicht mehr genutzt wird, und das
zum Schaden Blinder und Sehbehinderter, die einen Arbeitsplatz
suchen. Mit diesem Projekt wollen wir den Integrationsfachdiensten
unsere Kompetenz, die in den Bildungseinrichtungen vorhanden ist,
nahe bringen, ihnen unsere Hilfestellung anbieten und im
Zusammenwirken mit den Integrationsdiensten Blinden und
Sehbehinderten zu einem Arbeitsplatz verhelfen, ist eine schwierige
Aufgabe, weil ein anderes Projekt - EVASA, davon haben die Leserinnen
und Leser ja auch in der Vergangenheit gehört, deutlich gemacht
hat, wie schwierig es ist, Arbeitgebern klar zu machen, dass auch
blinde und sehbehinderte Menschen sehr gute Arbeit leisten
können.
Große Hoffnungen verbinden die Selbsthilfeorganisationen
auch mit den neuen Regelungen im Sozialgesetzbuch IX. Gibt es hier
schon Anzeichen dafür, dass verbesserte Regelungen greifen? Und
wo sind wir gefragt, um diese Möglichkeiten
auszuschöpfen?
Jürgen Lubnau: Das SGB IX ist zum 01.07. in Kraft getreten. Wir
haben im Vorfeld auch sehr heftige Lobbyarbeit geleistet, um unsere
Interessen dort unterzubringen. Das ist insbesondere im Paragrafen
26, Abs. 3 gelungen. Aber wie die praktische Wirkung sein wird, das
wissen wir noch nicht. Es hat Anfang September eine
Gesprächsrunde mit dem Behindertenbeauftragten der
Bundesregierung, Karl-Hermann Haack, stattgefunden. Es war auch ein
Vertreter der Krankenkassen beteiligt. Die Krankenkassen zieren sich
noch ein wenig, um dort mit einzusteigen und zu erkennen, dass sie
als ein wichtiger Kostenträger in Frage kommen, um
Rehabilitationsmaßnahmen zur Bewältigung des Alltags zu
finanzieren.
Der DBSV hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die alle Probleme, die
mit diesem Thema zusammenhängen, zu klären, Vorschläge
zu unterbreiten, Anregungen zu geben, wie die praktische Arbeit dann
einmal aussehen könnte. Wir werden mit den Krankenkassen reden
müssen, mit anderen Kostenträgern, zum Teil wird auch
sicherlich nach dem BSHG etwas möglich sein. Wir werden diesen
Themenkomplex noch sehr intensiv bearbeiten müssen, wissen aber
auch, dass wir nicht viel Zeit haben werden, um den Anschluss nicht
zu verlieren.
Es wird in vielen Bereichen nach und nach Servicestellen geben, und
unsere Landesverbände sind auch aufgerufen, mit ihren
Untergliederungen mitzuhelfen, dass wir an den Servicestellen
beteiligt werden als kompetente Berater. Da wird man uns nicht
fragen; wir werden uns an die Servicestellen wenden müssen,
damit unser Rat auch eingeholt wird. Das ist kein Ball, der von
selbst läuft; wir müssen dafür etwas tun, und das
wissen wir auch.
Die Servicestellen sollen ja dann für den einzelnen die
Anlaufstellen sein, um ihm viele andere Wege zu ersparen.
Jürgen Lubnau: Das ist der eigentliche Punkt, wo die Arbeit
zusammenläuft. Es wird angestrebt, dass dort die Entscheidungen
auch in kurzer Frist fallen müssen.
Die "Gegenwart"-Leser interessieren sich für den Umzugstermin
der DBSV-Geschäftsstelle von Bonn nach Berlin. Ist dieser schon
in Sicht?
Jürgen Lubnau: Für das Bauvorhaben in Berlin-Hirschgarten
liegt mittlerweile die Baugenehmigung vor. Wir werden noch intensive
Gespräche führen müssen, um die Finanzierung
endgültig zu klären. Und wir müssen auch mit einigen
anderen Organisationen noch reden, um die Voraussetzungen für
den Bau zu schaffen. Wir sind zuversichtlich, dass im Jahre 2002 der
Baubeginn sein wird, so dass etwa im Jahre 2003 zur Wende 2004 die
Geschäftsstelle des DBSV mit den Töchtern nach Berlin
ziehen wird.
Die Töchter wollen wir vielleicht noch einmal beim Namen
nennen, das ist die Deutsche Hörfilm gGmbH und das Deutsche
Blindenbildungswerk gGmbH.
Berlin ist also in Sicht. Kommen wir noch einmal auf den Verbandstag
im kommenden Jahr zurück. Zeichnen sich schon Schwerpunktthemen
ab, die dort behandelt werden? Und ist daran gedacht, Änderungen
in der Satzung des DBSV vorzunehmen?
Jürgen Lubnau: Satzungsänderungen werden gewiss wieder eine
Rolle spielen, und sie sind notwendig nach den Entscheidungen zu dem
Veränderungsprozess des DBSV. Um es noch einmal zu
erklären: Es gibt ordentliche Mitglieder des DBSV - das sind die
Landesverbände - und korrespondierende Mitglieder - das sind
Organisationen, die bundesweit agieren, zum Beispiel der DVBS, der
VBS, die Bildungswerke und andere Organisationen. Insgesamt haben wir
knapp 30 korrespondierende Mitglieder. Und wir waren im Rahmen der
Beratungen zum Veränderungsprozess der Auffassung, dass diese
Organisationen in den Willensbildungsprozess des DBSV stärker
mit eingebunden werden müssen. Das kann man nur erreichen, wenn
sie nicht nur ein Rederecht haben, sondern auch ein Abstimmungsrecht.
Das wird ein sicherlich sehr wichtiger Punkt sein, der im Rahmen der
Satzungsänderungen zu beraten ist.
Themenvorschläge gibt es auch schon: SGB IX, Blindengeld,
Arbeitsprobleme, Stand der Selbsthilfe, Fragen der Sehbehinderten...
Wir müssen eine Sichtung vornehmen und auch sehen, dass wir uns
begrenzen. Es muss eine Bündelung stattfinden. Der Vorstand wird
eine Kommission zur Vorbereitung des Verbandstages einsetzen, und ich
gehe auch davon aus, dass die Leserschaft der "Gegenwart" wieder
aufgefordert wird, bei der Vorbereitung des Verbandstages mitzuhelfen
durch Vorschläge zu den verschiedenen Themen.
Die "Gegenwart" wird den Vorbereitungsprozess natürlich begleiten. Zunächst recht vielen Dank für das Gespräch für den Ausblick und für die Einschätzung der bisherigen Arbeit.
(Das Gespräch führte Dr. Thomas Nicolai; Kassetten-Ausgabe Originalton.)
Foto: Jürgen Lubnau an seinem Arbeitsplatz im
Blindenhilfswerk Berlin.
Kurzmeldungen
Das schlichte, aber gut nutzbare Leitsystem für Blinde und
Sehbehinderte auf der REHACARE in Düsseldorf führte durch
die Hallen 5 und 6. Leider waren die Messeplaner nicht auf die
Wünsche der Aussteller zum Thema "Blind/Sehbehindert"
eingegangen, alle diesbezüglichen Stände in einer Halle zu
gruppieren. Geübten Messebesuchern schien dies aber nicht viel
auszumachen: Wer finden wollte, fand.
Jedenfalls der Stand "DBSV und Korrespondierende Mitglieder" in der
modernen Halle 6 war gut besucht.
Und das Zusammengehen mit weiteren Verbänden und Einrichtungen
erwies sich als sinnvoll und besucherfreundlich. Neben den
Alltagshilfsmitteln aus Dresden und Hannover fanden vor allem die
Kommunikationsmöglichkeiten mit taubblinden Menschen sowie
Möglichkeiten eines Blindengartens, präsentiert vom
Taubblindendienst Radeberg viel Interesse. Spezielle Fragen zur
schulischen und beruflichen Bildung konnten die Kollegen der
Berufsbildungs- und Berufsförderungswerke sowie des Verbandes
der Blinden- und Sehbehindertenpädagogen und -pädagoginnen
beantworten, während der Berufsverband der
Rehabilitationslehrer/Innen (LPF) insbesondere darüber
informierte, wie Neuerblindete ihren Alltag bewältigen
können. Außerdem stellte der Verband seine neue
Anschriften-CD-ROM vor.
Erste "Anlaufstelle" am Gemeinschaftsstand war der DBSV. Ratsuchende
erhielten von den Mitarbeitern des DBSV-Referates
Öffentlichkeitsarbeit Kontaktadressen und Informationsmaterial.
Dabei wurde erneut deutlich, dass der Bekanntheitsgrad der
Landesblinden- und Sehbehindertenvereine sowie ihrer
Untergliederungen noch nicht ausreichend ist. In vielen Fällen
konnte geholfen werden. Aufklärung gab es auch für einige
Mitarbeiter aus "Blindeneinrichtungen". Am DBSV-Stand hörten sie
zum ersten Mal etwas vom Tag des weißen Stockes, von den
Euro-Schulungen, von Hörfilmen und von der "Gegenwart".
An den vier Messetagen nahmen über 1.000 Besucher am DBSV-Stand
eine frische Mohrrübe mit, auch wenn umstritten bleibt, ob diese
wirklich gut für die Augen sind.
Der DBSV wird sich weiterhin nur im Zweijahresrhythmus an der
REHACARE in Düsseldorf beteiligen.
Foto: Der Gemeinschaftsstand des DBSV.
Fotoausstellung nach dem 6. Jahr
Nach ihrer Eröffnung Ende 1995 ist die DBSV-Fotoausstellung
"Wer nicht sieht, wird nicht geseh`n!" nunmehr seit sechs Jahren
erfolgreich in Deutschland unterwegs. In diesem Jahr war sie unter
anderem im Saarland und in Berlin zu sehen.
Großen Anklang fand die Ausstellung im Rathaus
Berlin-Zehlendorf im September. Zur Eröffnung präsentierte
der Allgemeine Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin
zusätzlich Alltagshilfsmittel, das Blindenhilfswerk Berlin
stellte Produkte aus seiner Werkstatt vor und das Berliner
Blindenmuseum machte auf historische Entwicklungen aufmerksam.
Foto: Ausstellungseröffnung im Rathaus Berlin-Zehelendorf.
Richtlinien für die Übertragung von Punktschriftmaterialien an Schulen
Auf Anregung des DVBS hat ein Expertengremium unter der
Federführung des DBSV Mindeststandards für die
Übertragung von Brailleschrift-Materialien an Schulen
entwickelt. Die Erarbeitung der Richtlinien wurde erforderlich, weil
sich gerade in letzter Zeit die Nachrichten über völlig
ungeeignete Unterrichtsvorlagen in Blindenschrift gehäuft haben.
Probleme treten insbesondere bei der computergestützten
Übertragung durch Lehrkräfte bzw. Medienzentren in der
Integration auf, sind aber auch in einigen Blinden- und
Sehbehindertenschulen festgestellt worden. Ziel der Richtlinien ist
es daher, durch die Formulierung konkreter Anforderungen an das
Text-Layout, die Fehlertoleranz u. Ä. das Qualitätsniveau
und damit die Ausbildungsbedingungen blinder und hochgradig
sehbehinderter Schüler unabhängig von der gewählten
Schulform zu verbessern.
Das unter der Leitung des Vorsitzenden der Braille-Schrift-Kommission
Richard Heuer eingesetzte Gremium bestand aus Vertretern aller
deutschen Punktschriftdruckereien, des Arbeitskreises der
Medienzentren, des Förderzentrums für Integration Blinder
und Sehbehinderter in Nordrhein-Westfalen sowie der Blinden- und
Sehbehindertenselbsthilfe.
Die Richtlinien wurden mit dem DBSV-Rundschreiben 40/2001 verbreitet.
Sie orientieren vor allem auf Fehlerfreiheit,
Qualitätskontrolle, ein einheitliches Schriftsystem, eine
angemessene Formatierung und geht auf Abbildungen und die Aufmachung
des Schrifttums ein.
Versichertenkarte gut erkennbar
Der DBSV hatte sich vor einiger Zeit an Krankenkassen mit der
Bitte gewandt, Möglichkeiten zu prüfen, die
Versichertenkarten auch für Blinde und Sehbehinderte eindeutig
identifizierbar zu machen. In mehreren Antwortschreiben wurde auf die
Schwierigkeit hingewiesen, eine entsprechende Markierung zu
erreichen, ohne die Maschinenlesbarkeit zu beeinträchtigen bzw.
einen unangemessen hohen Aufwand betreiben zu müssen.
Jetzt hat als erste die Deutsche Angestellten-Krankenkasse für
ihre blinden und sehbehinderten Mitglieder eine Lösung gefunden.
Anfang 2002 wird bundesweit ein entsprechender Aufkleber
eingeführt. In der Mitteilung der DAK heißt es dazu:
Die DAK hat in Zusammenarbeit mit
dem DBSV einen speziellen Aufkleber ent-
wickelt, mit dem die DAK-Versichertenkarte von blinden und
sehbehinderten
Menschen durch Ertasten identifiziert werden kann.
Es handelt sich um einen farblosen Aufkleber in Braille-Schrift (gut
tastbar),
der auf die Vorderseite in die obere rechte Ecke der
Versichertenkarte
aufgespendet wird. Der technische Lesevorgang bei Ärzten und
anderen
Leistungserbringern wird nicht behindert.
Ab sofort kann der Aufkleber mit einem Anschreiben in visueller und
Braille-Schrift in den DAK-Geschäftsstellen abgefordert werden.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der DAK sind gern
behilflich.
Wie viele Punkte braucht die lesende Hand?
In einem offenen Brief setzt sich das Braille-Schrift-Komitee der
deutschsprachigen Länder mit Empfehlungen des Arbeitskreises der
Leiter von Blindenbildungseinrichtungen im Verband der Blinden- und
Sehbehindertenpädagogen und -pädagoginnen e. V. (VBS)
auseinander. Nach diesen Empfehlungen vom Mai d. J. soll in allen
Blindenbildungseinrichtungen in Deutschland spätestens ab Sommer
2003 der Schrifterwerbsunterricht in der Grundschule von 6- auf
8-Punkt-Braille umgestellt werden. Dies lehnt das
Breille-Schrift-Komitee nach gründlicher Diskussion ab und gibt
in dem offenen Brief dafür in 16 Punkten eine ausführliche
Begründung.
Das Braille-Schrift-Komitee ist ein siebenköpfiger
gewählter Ausschuss der Brailleschriftkommission der
deutschsprachigen Länder, dessen Aufgabe darin besteht, als
Braille-Autorität im deutschsprachigen Bereich für die
Einhaltung der in den Systematiken zur Blindenschrift festgelegten
Regeln zu sorgen, in umstrittenen Darstellungsfällen rasch eine
Regelung herbeizuführen sowie auf neuere Tendenzen auf dem
Gebiet des Einsatzes und der Vermittlung von Punktschrift zu
reagieren. Im Braille-Schrift-Komitee vertreten sind:
- die Punktschriftdruckereien und Verlage,
- die Blinden- und Sehbehindertenlehrerinnen und -lehrer,
- die Einrichtungen zur Entwicklung von
Blindenschriftumsetzungsprogrammen und
- die Organisationen der Blindenselbsthilfe der deutschsprachigen
Länder (Schweiz, Österreich, Deutschland).
"Zusammenfassend lässt sich festhalten", heißt es abschließend im offenen Brief, der an erster Stelle vom Vorsitzenden des Braille-Schrift-Komitees, Richard Heuer, unterzeichnet ist, "dass die Frage des Einsatzes von 6-Punkt- oder 8-Punkt-Braille keinesfalls beliebig ist. Mit ihrer Beantwortung werden im Gegenteil zentrale Weichen gestellt und wichtige Entscheidungen getroffen. Es wurde dargelegt, dass das Bestreben der Punktschriftanwender, am 6-Punkt-Braille-Ssystem als Standardschrift der Blinden auch im deutschsprachigen Bereich festzuhalten, nicht nur von emotionaler Beliebtheit getragen wird, sondern sehr wohl rational begründet ist. Es wurde gezeigt, dass die Unbeliebtheit des 8-Punkt-Eurobrailles nicht sozialisationstheoretisch und auch nicht mit der Mutmaßung eines natürlichen Bestrebens der Menschen, an Bekanntem festzuhalten, zu erklären ist. Auch die Metapher eines "Religionskampfes" erweist sich als untauglicher Erklärungsansatz. Die kritische Haltung gegenüber 8-Punkt-Braille-Ssystemen basiert vielmehr auf empirisch konstatierbaren und argumentativ erfassbaren Fakten.
Das Braille-Schrift-Komitee der deutschsprachigen Länder
fordert den Arbeitskreis der Leiterinnen und Leiter der deutschen
Blindenbildungseinrichtungen auf, bei nächster Gelegenheit den
Beschluss vom 18. Mai 2001 zurückzunehmen und zur Diskussion mit
den Beteiligten zurückzukehren. Das gesamte
Braille-Schrift-Komitee erklärt sich bereit, in einem
gemeinsamen Gespräch mit den Arbeitskreismitgliedern die in
Frage stehenden Probleme auf der nächsten AK-Sitzung zu
diskutieren."
Erstmals gibt der DBSV ausgewählte Beiträge aus seinem Jahrbuch auf einer Audio-CD heraus. 71 Minuten Information und Unterhaltung, aufgelesen von Carola Ulmer und Karlheinz Gabor in der Süddeutschen Blindenhörbücherei Stuttgart.
Folgende Artikel sind auf der CD zu hören:
1. Grußwort
des Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse
2. Kontrastmittellos
Von Jürgen Friedrich
3. Ein Huhn für den Doktor
Von Elke Schweisfurth
4. Urlaubsträume
Von Ursula Patzschke
5. Ein Zug fährt durch Wiluna
Von Helmut Pätz
6. Wirklichkeiten, die kein Auge sieht
Von Paale Broder
7. Tack, tack, jetzt komme ich - Monolog eines weißen
Stockes
Von Thomas Nicolai
8. Leben und Werk des Hieronymus Lorm
Von Hartmut Mehls
9. Geschichten, die das Leben schreibt
Von verschiedenen Autoren
10. Gut sehen kann doch jeder - fast jeder
Ratschläge zum Schluss
Die Jahrbuch-CD ist (solange der Vorrat reicht) zu haben beim DBSV-Referat Öffentlichkeitsarbeit, Rungestr. 19, 10179 Berlin; Tel.: (0 30) 28 53 87-0. Sie wird für 6 DM zzgl. Versandkosten (bei Einzelversand betragen diese 4 DM) abgegeben.
Foto: Das Cover der CD.
Deutsches Fernsehen
diskriminiert Behinderte?
Von Christian Spremberg
Seit über 50 Jahren haben die Deutschen ein Gesetzeswerk, auf
das sie eigentlich stolz sein könnten.
Ich schreibe ausdrücklich "könnten", denn schließlich
nützt das beste Gesetz nichts, wenn es schon in Teilen nicht
realisiert wird.
Inwieweit das auf unser Grundgesetz und hier vor allem Art. 3 Abs. 3
Satz 2, der die Gleichbehandlung Behinderter behandelt, zutrifft, mag
ein Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung zeigen.
Seit einiger Zeit hat sich auf fast allen deutschen
Fernsehkanälen ein zwar nicht neuer, aber
einschaltquotenträchtiger Trend herausgebildet:
Die Quizsendungen.
Hier können mehr oder weniger schlaue Kandidaten zeigen, was sie
wissen (sollten).
Offenbar gibt es eine ganze Menge Zuschauer, die
regelmäßig mit den Kandidaten mitfiebern, obwohl sie ja
außer an Erfahrung nichts gewinnen können.
Auch für mich trifft das übrigens zu, wenngleich der
"Zuschauer" in meinem Fall nicht ganz wörtlich zu nehmen ist,
denn ich bin schon seit meiner Geburt vollblind.
Trotzdem bin ich aber schon lange Fernsehteilnehmer, und das nicht
erst, seitdem gelegentlich Filme mit akustischer Bildbeschreibung
ausgestrahlt werden.
Viele Fernsehsendungen lassen sich ja auch rein akustisch verfolgen,
und das gilt natürlich auch für die zahlreichen
Quiz-Shows.
Und irgendwann genügte mir das bloße Zuhören nicht
mehr, und ich versuchte, mich als Kandidat zu bewerben.
Vor kurzem startete nun auch der Sender Freies Berlin in seinem
Fernsehprogramm B1 ein "Berlin-Quiz".
Die ersten Sendungen wurden im August produziert, und die Kandidaten
dafür suchte man sich sinnigerweise über das Radio. Auch
ich meldete mich an und wurde wider Erwarten sogar zu einer der
ersten Sendungen eingeladen.
Und wie das beim sog. "Telefon-Casting" üblich ist, wurden
natürlich auch einige persönliche Fragen, unter anderem
auch zu eventuellen Krankheiten oder Behinderungen gestellt.
Als ich der Dame am anderen Ende der Leitung sagte, dass ich blind
bin, war das zunächst völlig unproblematisch.
Schließlich lese der Moderator der Show die Fragen ja vor.
Auch, dass ich auf die Bühne geführt werden müsse, sei
überhaupt kein Problem.
So freute ich mich denn auf die Teilnahme an der Show, aber nicht
allzu lange.
Noch am selben Abend, an dem ich gecastet worden bin, wurde ich
nämlich bereits wieder ausgeladen.
Begründung: Es sei aus konzeptionellen Gründen nicht
möglich, dass ein Blinder sich an der Sendung beteiligen
könne, denn hier würden den Kandidaten Bilder gezeigt, zu
denen sie dann Fragen beantworten müssten.
Dass Blinde so etwas nicht machen könnten, liegt natürlich
auf der Hand, und so war dann der Fall erledigt - sollte man
meinen.
Aber am 30.09. wurde die erste Folge dieses "Berlin-Quiz"
ausgestrahlt.
Ich konnte auch ohne optische Eindrücke sofort feststellen, dass
die Sendung nicht wesentlich anders konzipiert war als alle anderen
Sendungen dieses Genres.
Der Moderator stellte eine Frage, die der Kandidat beantworten
soll.
Bilder wurden zwar auch gezeigt, aber sie waren eigentlich nur
Umrahmung; notwendig zur Beantwortung der jeweiligen Frage waren sie
nicht.
Daraufhin bewarb ich mich nochmals telefonisch und wurde wider
Erwarten gleich am nächsten Tag erneut gecastet.
Bei der Frage, auf die hier scheinbar alles ankommt, habe ich nicht
einmal gelogen.
Ich wurde nämlich wörtlich gefragt: "Leiden Sie unter einem
körperlichen Gebrechen?", und konnte diese Frage guten Gewissens
mit "nein" beantworten.
Denn ich "leide" weniger unter dem körperlichen "Gebrechen"
meiner Blindheit als vielmehr unter gewissen Menschen, die meinen,
nur weil ich blind bin, gewisse Dinge einfach nicht tun zu
können, auch wenn es noch niemals einer probiert hat.
Nun, dieses letzte Casting verlief insgesamt ebenfalls so erfolglos
wie die vorigen.
Die Dame am Telefon teilte mir zwar mit, zwei Tage später noch
einmal anrufen zu wollen, um mir nähere Informationen zum Ablauf
der Sendung und zu meiner Teilnahme daran zu geben.
Der Anruf erfolgte aber nicht.
Man hält es also offenbar für besser, "behinderte" potentielle Teilnehmer an solchen Sendungen mit Ausreden abzuspeisen, anstatt ihnen, wie den "nichtbehinderten", die gleichen Chancen zu geben.
Und das scheint leider kein Einzelfall zu sein.
Oder haben Sie schon einmal in einer Quizshow - oder einer
ähnlichen Unterhaltungssendung einen Menschen mit Krücken,
im Rollstuhl oder mit einem weißen Blindenlangstock vor der
Kamera gesehen?
Ist andererseits die Zahl der Behinderten in Deutschland wirklich so
verschwindend gering, dass es in der ganzen Zeit, in der es diese
Sendungen gibt, nicht wenigstens einer schon geschafft haben
könnte, Kandidat zu werden?
In den vielen Talkshows, die das Fernsehen tagtäglich zeigt,
sind solche Menschen, wenn sie über ihr schweres Schicksal
jammern oder wenn herausragende Leistungen gezeigt werden sollen,
gern gesehene Gäste.
Warum nicht auch mal beim Quiz?
In Art. 3 Abs. 3 Satz 2 des Grundgesetzes heißt es, dass
niemand wegen seiner Behinderung diskriminiert werden dürfe.
Außerdem wird derzeit ein Gleichstellungsgesetz diskutiert,
dass diese Problematik detailliert behandeln soll.
Angesichts meiner geschilderten Erfahrungen fürchte ich
allerdings, dass auch dann, wenn so ein Gesetz in Kraft tritt, sich
für uns nicht allzuviel ändern wird -
zumindest nicht im deutschen Fernsehen.
Rechtzeitig zum Start des Euro-Bargelds wird der Euro-CashTest bei den DBSV-Landesvereinen und deren lokalen Beratungsstellen Anfang Dezember erhältlich sein. Der CashTest, eine Entwicklung der österreichischen Hilfsmittelfirma CareTec, ist eine Schablone, die blinden und sehbehinderten Menschen ermöglicht, die neuen Euro-Münzen und -Banknoten taktil zu erkennen. Die Handhabung des Hilfsmittels ist relativ einfach. Die Europäische Zentralbank hatte nach Verhandlungen mit der Europäischen Blindenunion (EBU) zugestimmt, 400.000 Stück zugunsten blinder und sehbehinderter Menschen in der Europäischen Währungsunion zu finanzieren. Die Abgabe des Euro-CashTests ist deshalb kostenlos, solange der Vorrat reicht.
Das Deutsche Blindenbildungswerk (DBBW) bietet das Lernprogramm
"Das Ohr am Internet für Windows ME", das blinde und
sehbehinderte Computernutzer schrittweise in die Bereiche Surfen im
World Wide Web, Versenden und Empfangen von E-Mails u. a.
einführt, an. Es wurde für das Betriebssystem Windows ME
entwickelt, kann aber auch unter Windows 9X eingesetzt werden.
Weiterhin wird der Fernkurs (in 4 Lektionen) JAWS für Windows -
Eine Einführung angeboten.
Mit weiteren Fragen oder Bestellungen wenden Sie sich an: DBBW; Tel.:
(0 76 21) 79 92 30.
Das Institut für Rehabilitation und Integration
Sehgeschädigter (IRIS) bietet vom 09. bis 28.06.2002
Intensivmaßnahmen in Lebenspraktischen Fähigkeiten
und/oder in Orientierung und Mobilität in Hamburg an. Teilnehmer
werden in der angenehmen Atmosphäre des AquaSport-Hotels in
Hamburg untergebracht.
Interessenten melden sich bitte bei: IRIS; Tel.: (0 40) 2 29 30 26.
Die REHAB, Internationale Fachmesse für Rehabilitation,
Pflege und Integration, findet vom 07. bis 10.05.2003 wieder in
Karlsruhe statt.
Das Konzept der REHAB-Fachmesse wird ergänzt durch einen
begleitenden Fachkongress.
Nähere Auskünfte unter Tel.: 02 31) 12 80 10.
Das Bundesinnenministerium bemüht darum, auch für Blinde
und Sehbehinderte die Service-Angebote zu verbessern. Daher werden
alle Informationen auf der Website www.bmi.bund.de ab sofort auch als
reine Textversion zur Verfügung gestellt. Mit dem kostenlosen
PlugIn von webSpeech kann man sich die Beiträge zudem vorlesen
lassen.
Nähere Auskünfte unter Tel.: (0 18 88) 6 81-11 02.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) hat
die Broschüre "Wegweiser - Rehabilitation und Teilhabe
behinderter Menschen" herausgegeben.
In Absprache mit der BAR können Sie die Diskette dazu auf Wunsch
kostenlos vom Referat Öffentlichkeitsarbeit des DBSV in Berlin
erhalten; Tel.: (0 30) 28 53 87-0.
Die Norddeutsche Blindenhörbücherei hat auf ihrer
Sitzung Ende September vier neue Vorstandsmitglieder
gewählt:
Renate Fraas, BSV Bremen, Iwanka Kobsch, BSV Hamburg, Helga Neumann
BSV Niedersachsen, Annegret Walter BSV Schleswig-Holstein. Des
weiteren gehören vier Vertreter der Länderregierungen zum
Vorstand.
Der Vorstand hat Frau Helga Neumann (Vorsitzende des BVN) einstimmig
zur 1. Vorsitzenden der Norddeutschen Blindenhörbücherei
gewählt. Frau Neumann ist damit auch 2. Vorsitzende der
Blindenschriftbibliothek Stiftung Centralbibliothek für Blinde;
Stellvertreterin ist Frau Schwemer-Martienßen, Direktorin der
Hamburger Öffentlichen Bücherhallen.
Angebote im AURA-Hotel Timmendorfer Strand
Zu den Angeboten des Hauses Anfang 2002 gehören:
Jahresbeginn - 02.-07.01;
Wohlfühlen mit Atem- und Entspannungsübungen -
07.-13.01;
Walfische; Sonderführung im Museum für Natur und Umwelt -
20.-23.01;
Kleine Modenschau beim Modefrühling - 14.-20.01;
Musik erleben - 15.-20.02.
Nähere Informationen unter Tel.: (0 45 03) 60 02-0.
Blinde und sehbehinderte Asthmatiker, die an einem
Gedankenaustausch oder an Hilfsmitteln interessiert sind, werden
gebeten, sich an folgende Ansprechpartnerin zu wenden: Angela
Kott-Seiler, Steige 6, 37603 Holzminden; Tel.: (0 55 31) 1 38 83,
Fax: /70 06 94.
Rund um das Thema Essen und Trinken dreht sich alles in einer
neuen Hörzeitschrift. Unter dem Titel "Das Küchenkarussell"
sind nicht nur
Kochrezepte und Informationen über Lebensmittel zu hören.
Es finden sich auch Reportagen zur kulturellen und historischen Seite
des Themas,
praktische Tipps für die heimische Küche und Hinweise auf
weiterführende Informationsquellen.
Die Null-Ausgabe kann ausgeliehen werden bei der Aktion
Tonband-Zeitung für Blinde e.V.; Tel.: (0 55 31) 71 53.
Das ist der Titel eines Kalenders, den der Verein Andere Zeiten e.
V. herausgibt und damit vom 02.12.2001 bis zum 06.01.2002 zu
Besinnlichkeit anhalten möchte. Der Kalender kann auch in
Blindenschrift erworben werden. Die tiefsinnigen Texte sprechen
durchaus auch kirchenferne Zeitgenossen an. Denkanstöße
geben u.a. Rosa Luxemburg, Hans Dieter Hüsch, Rainer Maria Rilke
und Reinhard Mey.
Nähere Informationen bei: Andere Zeiten e. V.; Tel.: 01803 - 23
83 68 (12 Pf. pro Min.).
In der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig
käuflich erhältlich:
Dr. Oetker: Weihnachtsbäckerei
Für die schönste Zeit des Jahres bietet dieses
Punktschrift-Buch eine Fülle von Rezepten für leckere
Plätzchen, köstliche Stollen, gebackenen Christbaumschmuck,
festliche Torten und viele andere Köstlichkeiten.
TRANSFER GmbH (Hrsg.): Selbstlernkurs Arbeitsorganisation:
7 Schritte zu einer guten Organisation Ihrer Aufgaben, als Kassette
oder CD.
Hier werden Möglichkeiten aufgezeigt, die persönliche
Arbeitsorganisation zu
verbessern.
Tel.: (03 41) 71 13-119.
Von Darwin zu Dolly -
Neues Funkkolleg
Am 07. Oktober startete der Hessische Rundfunk sein neues
Funkkolleg: "Von Darwin zu Dolly: Evolution und Gentechnik". Der
Aufsprachedienst im Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten
in Studium und Beruf (DVBS) bietet wieder Mitschnitte der Sendungen
und das Begleitbuch an.
Die Sendungen werden jeweils sonntags von 9.30 - 10.00 Uhr in HR 1
ausgestrahlt. Der DVBS bietet die Mitschnitte der Sendungen im
aktuellen Abonnement an. Zusätzlich kann das Begleitbuch zur
Sendereihe bestellt werden. Eine Infokassette erhalten Sie kostenlos
in der DVBS-Geschäftsstelle; Tel.: (0 64 21) 9 48 88-22.
Westerwälder Hörfilmwochenende
Vom 25. bis 27. Januar 2002 findet im Haus Hubertus, n
Mündersbach das "Westerwälder Hörfilmwochenende"
statt.
Das Programm können Sie mitbestimmen.
Es steht Ihnen eine Anzahl von Hörfilmen zur Auswahl; Oder: Sie
bringen selbst einen Hörfilm mit, den Sie gerne noch einmal mit
mehreren zusammen "anschauen" möchten; oder: Sie
äußern einen "Hörfilmwunsch, den wir - hoffentlich -
erfüllen können.
Nähere Informationen und Anmeldung bei:
Haus Hubertus, Ferien- und Tagungsstätte des Blindenbundes in
Hessen, Koblenzer Straße 23, 56271 Mündersbach; Tel.: (0
26 80) 9 51 00.
Wer an Musik in jeder Form interessiert ist und sich mal mehrere
Tage dem Schlagwerk, den Takten und verschiedenen Rhythmen widmen
möchte, ist bei der Musikwoche vom 24.02. bis 01.03.2002
herzlich willkommen. Musikalische Kenntnisse sind nicht
erforderlich.
Nähere Informationen bei Roland Wahl, Tel.: (0 71 24) 10 49.
Anmeldungen bei:
Rudolf-Kraemer-Haus, Forchenhalde 40, 75378 Bad Liebenzell;
Tel.: (0 70 51) 29 04-0.
Mit der CD "Der Schweinachtsmann" unterstützt die
Musikproduktion MUSICOM die Arbeit des Deutschen Blinden- und
Sehbehindertenverbandes e. V. (DBSV). Vom Erlös jeder verkauften
CD fließen 10 DM in DBSV-Projekte.
Die CD kostet 25 Mark (inkl. Versandkosten) und kann bei MUSICOM
unter dem Kennwort "Gegenwart" bestellt werden, Rüsterweg 22,
46147 Oberhausen; Tel.:
(01 77) 6 27 26 20, Fax: (02 51) 27 00 81.
Bedauerlicherweise ist uns in der Ausgabe 11/2001 ein Fehler
unterlaufen. In den Anzeigen des Landeshilfsmittelzentrums des BSVS
muss es richtig heißen: Sprechendes Fieberthermometer für
20,60 DM und nicht sprechendes Innen- und Außenthermometer.
Wir bitten um Entschuldigung
Von Gisela Bechler
Herta lief die Maschseepromenade entlang. Sie kam aus der Schule,
hatte die Mütze fest auf den Kopf gedrückt, denn es war ein
stürmischer, regnerischer Tag. Blätter jagten vor ihr her.
Bald lief sie mit ihnen um die Wette. "Wer zuerst an dem
nächsten Baum ist," so oder ähnlich nannte sie ihre
Spielereien.
Plötzlich mischte sich zwischen das Laub ein rechteckiges
Stück Papier. Herta beschleunigte ihr Tempo: "Dich kriege ich!",
übermütig klang ihre Stimme. Sie hatte das Gefühl, sie
hetze hinter einer ganz besonderen Beute her, die ihr der Wind aber
wegnehmen wollte. Endlich - der Sturm hatte eine ganz kurze Pause
eingelegt - beugte sie sich ganz rasch nieder und hielt eine nasse,
schmutzige Postkarte in Händen. "Pfui", kam es aus dem
Kindermund. Sie wollte die Karte schon weit von sich wegschleudern,
da fiel ihr auf, dass darauf etwas stand. Hertas Neugier war geweckt.
Sie konnte mit ihren 8 Jahren schon sehr gut lesen, und verstand
schon recht gut, was sie las.
Die Eltern hielten sie deshalb für "hoch begabt" und wollten sie
auf eine besondere Schule schicken, wo man viel mehr lernen musste,
als auf der Grundschule. Wenn man Herta fragte, hielt sie das alles
für übertrieben. Sie wollte bei den netten Freundinnen und
Lehrern bleiben und viel Zeit zum Träumen haben.
Sie begann die aufgeweichte Postkarte zu lesen:
"Liebe Tante Milli, wir bekommen am 22. Dezember Ferien. Ich freue
mich, dass Du mich zu Weihnachten eingeladen hast. Seit meine Eltern
in Scheidung leben, ist es zu Hause nicht mehr schön. Mutter und
Vater streiten dauernd, und wenn ich aus dem Internat komme,
weiß ich gar nicht, wo ich hin soll. Außerdem sind meine
Augen in letzter Zeit so schlecht geworden, dass ich nicht ohne
weißen Stock gehen kann. Vater verbietet mir das aber, weil er
sich vor den Nachbarn meinetwegen schämt. Bitte, hole mich am
22. Dezember um 16 Uhr am Hannoverschen Hauptbahnhof ab. Ich Sitze im
ICE aus Nürnberg. Deine Sina"
Die Finderin der Karte machte sich ihre Gedanken. Wer war diese Tante
Milli. Sie drehte den nassen, etwas ekeligen Fetzen auf die andere
Seite. Die Anschrift konnte man nicht mehr lesen, so verschmutzt war
sie. Nur der Text, fein säuberlich mit der Maschine geschrieben,
hatte den Regen verkraftet. Wie kam die wichtige Nachricht hier auf
den Weg?
Das Hochbegabtenhirn begann auf Tour zu kommen. Hatte Tante Milli
diese Karte überhaupt gelesen? Und was würde geschehen,
wenn Sina in 2 Tagen völlig verlassen auf dem Bahnsteig
stünde, weil Tante Milli nichts von ihrer Ankunft ahnte. Sie,
Herta, wusste, dass Sina nicht sehen konnte. Musste man da nicht
helfen?
Der 22. Dezember war übermorgen. Herta würde keine
Schularbeiten mehr machen müssen. Es gab ja Ferien, also hatte
sie um 16 Uhr frei.
Mutter wollte zwar mit ihr in die Oper, "Hänsel und Gretel" zum
Einstimmen auf Weihnachten, vielleicht konnte man eine spätere
Aufführung besuchen. Herta wusste ganz plötzlich, dass sie
zum Bahnhof gehen müsste. Dort wollte sie nach einem
Mädchen mit einem langen, weißen Stock Ausschau halten.
Wenn Tante Milli auch dort war, wollte sie nur kurz "Guten Tag!"
sagen und die Karte abgeben, wenn aber niemand Sina erwartete, wollte
sie sie zu ihrer Ferienadresse bringen. Auf jeden Fall war es ihr
Wunsch, Sina kennen zu lernen.
Herta verbarg die durchweichte Postkarte in ihrem Ranzen, straffte
die Schultern und strebte selbstbewusst ihrem Zuhause entgegen.
Die Mutter wartete schon besorgt: "Wo warst du so lange? Du bist ja
ganz nass"
Herta ging auf die Fragen nicht ein. "Mütter fragen manchmal
etwas zu viel". Sie trank widerwillig den grässlichen
Pfefferminztee und ging dann ihrerseits zum Fragen über.
"Sag mal, Mutti, wie kommt man am besten zum Bahnhof?" "Warum willst
du das wissen?" "Ach, wir haben gerade so ein lustiges Spiel
erfunden, in dem wir uns gegenseitig Aufgaben stellen, zum Beispiel:
Wie kommt man schnell zur Marktkirche? Ich hatte den Bahnhof erwischt
und sollte nun einen Plan mit der Straßenbahn angeben. Leider
fahren wir ja immer mit dem Auto, da wusste ich das nicht." Die
Mutter suchte im guten Glauben die Straßenbahnverbindungen von
ihrer Wohnung zum Bahnhof heraus. Herta merkte sich alles ganz
genau.
Dann war noch eine Hürde zu nehmen: "Müssen wir eigentlich
am 22. Dezember um 16 Uhr in die Oper?" "Herta, ich verstehe dich
nicht, du hast doch die Musik von Humperdinck so gern, aber wenn du
meinst ..."
"Ich würde viel lieber abends in die Oper gehen. Da ist es
leiser, weil nicht so viele Kinder dort sind."
Die Mutter lächelte in sich hinein. "Sieh an, ihre kleine
Tochter wollte schon ungestört Musik hören. Das musste sie
unbedingt dem Vater erzählen.
"Ich werde mich bemühen, Karten für die Abendvorstellung zu
bekommen."
"Geschafft!", Herta atmete auf. Jetzt stand ihrem Besuch auf dem
Bahnhof fast nichts mehr im Wege. Das Sparschwein musste
natürlich "geschlachtet" werden, denn sie brauchte Fahrkarten
und vielleicht könnte man Sina ja auch ein kleines Geschenk
mitbringen.
Pünktlich am 22. Dezember um 15.50 Uhr drängte sich ein
kleines Mädchen durch die Menschenmassen. "Können Sie mir
sagen, wo der ICE aus Nürnberg hält?" Herta versuchte ihrer
Stimme Festigkeit zu verleihen. Der Beamte lächelte:
"Du willst sicher die Mama abholen, Gleis 9". Herta rannte so schnell
sie ihre Füße trugen, benutzte die Rolltreppe und
hörte, dass der Zug aus Nürnberg 20 Minuten Verspätung
habe. Der Bahnsteig wimmelte vor Menschen. Konnte das da drüben
Tante Milli sein? Nein, die sah zu modern aus. Milli war sicher schon
älter, der Name hörte sich so an. Vielleicht war es die
Frau mit dem komischen Hut. Hertas Fantasie schlug
Purzelbäume.
Endlich hielt der ICE aus Nürnberg. Herta hatte Glück. Aus
dem Wagen, der unmittelbar vor ihr hielt, stieg ein junges
Mädchen mit weißem Stock. Der Schaffner reichte ihm die
Hand: "Werden Sie abgeholt?" "Ja, ich warte hier auf meine
Tante."
Das musste Sina sein. Herta, das mutige Kind, wurde ganz
schüchtern. Wie schön Sina aussah, dunkle Locken, roter
Mantel und eine hübsche Brille. Aber wo blieb die Tante. Der Zug
fuhr Richtung Hamburg weiter. Sina wurde unruhig. Tastend bewegte sie
ihren Stock. Da fasste sich Herta ein Herz: "Verzeihung, heißen
Sie Sina, und warten Sie auf Tante Milli?" "Ja, ja, aber wer bist
du?"
Herta erzählte die Geschichte vom Wind und der Karte, von der
Mutter und der Oper usw. Sina gewann allmählich ein Bild von
dem, was passiert sein könnte. Sie war immerhin 16 Jahre alt,
und so entschied sie: "Wir werden jetzt noch eine Weile auf Tante
Milli warten. Kommt sie nicht, hat sie diese Karte nie erhalten. Dann
müssen wir sie in ihrer Wohnung überraschen. Es ist so lieb
von dir, dass du mir dabei hilfst."
Herta und Sina machten sich nach geraumer Zeit auf den Weg zu Tante
Milli. Sie hatten große Mühe, mit dem schweren Koffer im
Weihnachtsverkehr zurecht zu kommen. Herta nahm alle Kraft zusammen,
fragte hier und dort, schließlich konnte eine
überglückliche Tante Milli ihre Nichte in Empfang
nehmen.
Sie hatte keine Nachricht erhalten, schon mehrfach in Sinas
Internatsschule angerufen, aber dort ging niemand mehr ans Telefon.
Es waren eben Ferien.
Die Karte musste dem Zusteller aus der schweren Tasche gerutscht
sein.
Wie gut, dass es Herta gab. Die guckte aber ziemlich entsetzt auf
ihre Armbanduhr. "Oh, meine Mutti wird schimpfen, denn wir wollten
heute noch in die Oper."
Tante Milli rief Hertas Mutter an, erzählte die ganze
Geschichte. Die Mutter war wieder einmal fasziniert von ihrem
hochbegabten Kind. Für sie zählte Intelligenz mehr als
Herz. Dennoch hatte sie eine Idee. "Ich komme gleich und hole dich,
Sina und Tante Milli ab. Wir werden versuchen, an der Abendkasse noch
Karten für die Oper hinzuzukaufen. Wie schön wird es
für Sina sein, mit uns einen Abend zu verbringen."
Als zu Weihnachten Herta und ihre Eltern mit Tante Milli und Sina in
der geschmückten Wohnstube saßen, freute man sich, dass
der Zusteller die Postkarte verloren und der Wind sie zu Herta
getragen hatte, denn neue Freundschaften wurden geknüpft.
Messebericht von
der REHACARE
Von Carsten Albrecht
Vom 02. bis 05. Oktober 2001 fand in Düsseldorf die REHACARE 2001, die Internationale Fachmesse für Menschen mit Behinderung und Pflegebedarf, statt. Rund 900 Aussteller aus 26 Ländern präsentierten ihre Produkte und Dienstleistungsangebote. Unser Berichterstatter ist Mitarbeiter im Projekt INCOBS "Informationspool Computerhilfsmittel für Blinde und Sehbehinderte" der Firma DIAS GmbH aus Hamburg.
Auf meinem Rundgang konzentrierte ich mich überwiegend auf
elektronische Hilfsmittel für blinde und sehbehinderte Menschen.
Vor dem eigentlichen Bericht hier noch ein paar
Begriffserklärungen:
Was ist eine Braille-Zeile?
Die Ausgabe in Blindenschrift erfolgt über eine Braille-Zeile.
Hierbei handelt es sich um ein einzeiliges Display mit erhabenen
Punkten, die von trainierten Nutzern mit den Fingerkuppen abgetastet
werden. Vorteil gegenüber der Sprachausgabe ist die tastbare
Ausgabe der Zeichen, mit der, im Vergleich zum "reinen" Hören,
eine größere Genauigkeit bei der Informationsverarbeitung
erreicht werden kann.
Was ist ein Screenreader?
Ein Screenreader liest sämtliche Bildschirminformationen (Text,
grafische Elemente, Struktur) ein und setzt sie in Sprache, Braille
oder Großschrift um.
Eine Software, die blinden oder stark sehbehinderten Anwendern also
die Nutzung der heute gängigen grafischen Bedienoberflächen
(Windows, Internet) ermöglicht.
Was sind Großbildsysteme?
Großbildsysteme bereiten die Bildschirminformationen eines
Computers in eine für Sehbehinderte geeignete Form auf.
Großbildsysteme ermöglichen eine pixelweise
Vergrößerung des Computerbildes und werden in der Regel
zusammen mit großen Monitoren verwendet, um den
Vergrößerungsfaktor möglichst gering einstellen zu
können. Sie verfügen häufig über spezielle Farb-
und Kontrasteinstellungen und ermöglichen dem Benutzer die
Steuerung des vergrößerten Bildausschnitts oder die
Überwachung nicht im Ausschnitt dargestellter Bereiche.
Was sind Bildschirmlesegeräte?
Bildschirmlesegeräte nehmen gedruckte Dokumente mit einer Kamera
auf und stellen sie stark vergrößert auf einem Monitor
dar.
Was sind Scanner-Lesesysteme / Lesesprechgeräte?
Lesesysteme scannen Dokumente ein und geben die Inhalte in Braille
und / oder Sprache wieder.
Vorbemerkung:
Die in diesem Artikel genannten Produkte sind nur eine kleine Auswahl
dessen, was auf dem Markt angeboten wird.
Vor der Messe haben viele Anbieter die Präsentation neuer
deutschsprachiger Versionen von Screenreadern, Braille-Zeilen etc.
angekündigt. In einigen Fällen ist es bei der
Ankündigung geblieben.
Braille-Zeilen
Die ausgestellten Braille-Zeilen waren in ihren Funktionen relativ
ausgereift. Es bleiben eigentlich kaum noch Wünsche offen. Im
Design und im Funktionsumfang der Zeilen nehmen die Hersteller immer
wieder Veränderungen vor. Der Anschluss der Zeilen an eine
USB-Schnittstelle wird zum Standard. Im Trend sind Zeilen mit einer
Breite von 40 und 70 Modulen. Die Firmen Handy Tech Elektronik GmbH
und IPD GmbH präsentierten die Braille Star 40, eine Zeile, die
für den überwiegend mobilen Einsatz konzipiert wurde. Die
Stellfläche der Zeile für einen Laptop oder eine Tastatur
kann durch einen Auszugmechanismus in ihrer Tiefe individuell
eingestellt werden. In Verbindung mit einer PC-Tastatur kann sie auch
als Notizgerät genutzt werden. Die hedo Reha-Technik GmbH wird
ihre komplette Line-Serie mit neuen Funktionen und in neuem Outfit
herausbringen. Auf der Messe konnte man die MobiLine, eine kompakte
Braille-Zeile mit Akkubetrieb und 40 Lesemodulen, in Augenschein
nehmen. Die Abdeckung dieser Zeile ist als Notebookauflage und
Schutzdeckel verwendbar. Die Firma tieman GmbH - Technische
Hilfsmittel für Blinde und Sehbehinderte - hat bereits vor der
Messe die Braille Voyager 44 auf den Markt gebracht. Nun wurde der
große Bruder, die Braille Voyager 70, präsentiert. Eine
Zeile, die genau die gleiche Breite wie eine PC-Tastatur hat.
Neues Graphic-Display (GWP)
Unter dem Namen Graphic Window Professional (GWP) präsentierten
die Firmen Handy Tech und IPD ein neues Display mit 24 x 16
Taststiften. Das GWP soll es Blinden ermöglichen, grafische
Darstellungen auf dem Bildschirm eines PCs unter Windows zu ertasten.
Mit einer Zoomfunktion kann die Darstellung so vergrößert
werden, dass ein Taststift auf der Tastfläche einen Bildpunkt
auf dem Bildschirm darstellt. Einsatzmöglichkeiten sieht man bei
Handy Tech sowohl im Ausbildungsbereich als auch in einigen
Berufssparten. Im Ausbildungsbereich soll das GWP das Konzept und den
Aufbau von grafischen Benutzeroberflächen vermitteln.
Abstrakte Begriffe in der Windowsumgebung, wie z. B. Symbole in der
Werkzeugleiste, werden wohl nun so begreifbar. Selbst echte Bilder
sollen auf dem Bildschirm mit dem GWP ertastet werden
können.
Während der Präsentation konnte ich einfache Grafiken wie
einen Kreis oder ein Dreieck ertasten. Bei komplexen Grafiken, wie z.
B. bei überlappenden Karteikarten, wurde es dann schon
schwieriger. Man muss hier wohl eine gewisse Eingewöhnungsphase
einkalkulieren. Aber ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Darstellung
von Grafiken in taktiler Form für Blinde ist mit dem GWP getan.
Screenreader
Wie bereits oben erwähnt, haben viele Anbieter neue
deutschsprachige Versionen ihrer Screenreader angekündigt. Am
Stand der Firma BAUM Retec AG wurde VIRGO 4 für das neue
Betriebssystem Windows XP, welches im Herbst 2001 in Deutschland
für den Anwender verfügbar sein soll, vorgeführt.
Frank Audiodata präsentierte Blindows 3 für Windows XP. An
ein und demselben Arbeitsplatz ist es nun möglich, mit
Sprachausgabe, Braille-Zeile und Bildschirmvergrößerung zu
arbeiten. Die aktuellen Versionen der Screenreader Jaws 4.0 und Hal
5.0 der Firmen Freedom Scientific GmbH und Dolphin Computer Access
Ltd. wurden in englischer Sprache gezeigt. Mit der neuesten deutschen
Version von Jaws darf Ende des Jahres 2001 gerechnet werden. Hal 5.0
in Deutsch wird wahrscheinlich zum gleichen Zeitpunkt auf dem Markt
sein. Mit hoher Wahrscheinlichkeit können diese Versionen unter
dem neuen Betriebssystem Windows XP genutzt werden. Herr Michael
Busboom von der österreichischen Firma Handshake
präsentierte die deutsche Version des im englischsprachigen Raum
weit verbreiteten Screenreaders Window-Eyes. Diese Entwicklung sollte
der ambitionierte Computeranwender aufmerksam beobachten.
Scanner-Lesesysteme / Lesesprechgeräte
In diesem Produktsegment sind Veränderungen nur im Detail zu
erkennen. So wurde z. B. die Handhabung der Geräte der
Lesephon-Reihe der Firma Novotech GmbH durch eine verbesserte
Menüführung noch stärker optimiert. Die OCR-Software
Fine-Reader in der Version 5.0 wird in den meisten Lesesystemen
eingesetzt. Am Rande der Messe präsentierte die Firma
Silvercreations Software AG das Lesesystem Audiocharta, welches u. a.
von der Firma AASB Seidling angeboten wird. Dieses System bietet
einige Features, die es sehbehinderten Usern erleichtern sollen,
Texte zu lesen und zu bearbeiten.
Notizgeräte
Für den mobilen und schnellen Einsatz gibt es bereits einige
Notizgeräte für den blinden Anwender. Bekannt sind hier z.
B. das Notaphon, das Braille and Speak und die Braille Lite Serie.
Freedom Scientific präsentierte die neue Generation der Braille
Lite Millennium-Serie. Diese Serie besteht aus einem 20-Zellen- und
einem 40-Zellen-Modell. Neben den bekannten Features wie
Notizfunktion, Terminkalender und Taschenrechner bieten diese Modelle
einen E-Mail-Zugang, eine leistungsstarke Dateiverwaltung, eine
Adressdatenbank und einen komfortablen Datenaustausch mit einem PC.
Die Firma F. H. Papenmeier wird noch Ende dieses Jahres das ELBA
anbieten. Das ist ein auf Linuxbasis arbeitendes Notizgerät,
welches wahlweise mit einer Braille- oder ASCII-Eingabetastatur
verfügbar sein wird. Zur Anzeige dient ein 32-stelliges
Braille-Display und eine eingebaute Sprachausgabe. Neben den schon
erwähnten Standardfunktionen eines solchen Gerätes wird das
ELBA mit einem E-Mail-Client und dem Internetbrowser Lynx
ausgestattet sein. Die Geräte der Firma Pulse Data International
BrailleNote und VoiceNote sind derzeit in englischer Sprache
lieferbar. Wer sich für diese Produkte interessiert, sollte sich
an Pulse Data International in England wenden. Die Firma fluSoft GbR
bietet die Notizgeräte Euroscope und Euroscope 20 der belgischen
Firma Sensotec an. Dieses Gerät ist meines Wissens noch nicht in
deutscher Sprache verfügbar. Im unteren Preisbereich der
Notizgeräte, die nicht über ein Braille-Display, sondern
nur über eine Sprachausgabe verfügen, sind das Galatee der
Firma Caretec und das Sigma der Mobilen Hilfsmittelzentrale Deininger
GmbH angesiedelt. Das Sigma wurde als Prototyp auf der RehaCare
gezeigt.
Produkte für sehbehinderte Anwender
Der Trend geht in diesem Bereich zum Flachbildschirm / TFT-Display.
Der Bildschirminhalt kann vom sehbehinderten Anwender an einem
TFT-Monitor präziser und ermüdungsfreier erfasst werden.
Als Nachteil dieser Geräte kann der im Vergleich zu
konventionellen Monitoren langsame Bildschirmaufbau angesehen werden.
Der Anwender sollte genau prüfen, ob ein Flachbildschirm
für ihn geeignet ist. Die Kreuztische mit ihren sog. Schlitten,
auf die das zu lesende Dokument gelegt und unter der Kamera bewegt
wird, werden häufig durch praktische, kleine Handkameras
ersetzt.
Großbildsysteme
Magic 8.0 von Freedom Scientific GmbH verfügt jetzt über
eine zusätzliche Sprachausgabe. Die Einschränkung auf
maximal 256 Farben gibt es nicht mehr, und man kann sowohl Magic als
auch Jaws an ein und dem selben System nutzen. Magic gibt es noch
nicht für Windows XP. Das weit verbreitete Programm Zoomtext,
das von vielen Händlern angeboten wird, ist derzeit in der
Version 7.06 verfügbar.
Bildschirmlesegeräte
Neben dem großen Angebot der Firma LVI aus Schweden ist die
Produktpalette der Firma Telesensory erwähnenswert. Das Aladdin
Companion ist ein sehr kompaktes Lesegerät, welches nur mit
einem einzigen Knopf bedient wird.
Fazit
Für den Anwender, der sich für Veränderungen im Detail
interessiert, war die
RehaCare 2001 durchaus interessant. Wer absolute Weltneuheiten
erwartet hatte, der suchte vergeblich.
Weitere Informationen erhält man bei den Hilfsmittelberatungsstellen der einzelnen DBSV-Landesvereine, direkt bei den Händlern oder im Internet unter www.incobs.de.
In den Mitteilungen der DBSV-Rechtsabteilung 22/2001 berichtet Karl Thomas Drerup von einer verheerenden Entscheidung des Sozialgerichts Hamburg:
Es ist diesmal kein Urteil, sondern ein sogenannter
Gerichtsbescheid, der erlassen wird, wenn ohne mündliche
Verhandlung entschieden wird. Die Wirkungen sind aber dieselben wie
bei einem Urteil, § 105 SGG. Das Sozialgericht Hamburg hat mit
Gerichtsbescheid vom 26.09.2001 - S 23 KR 672/99 entschieden: Gegen
die Krankenkasse gibt es keinen Anspruch auf Gewährung eines
Blindenführhundes, wenn der Versicherte ein
Langstocktraining absolviert hat oder noch absolvieren könnte.
Diese Entscheidung ist absolut inakzeptabel:
Das Langstocktraining ist nicht die Alternative zum
Führhundeinsatz, sondern ist praktisch Voraussetzung. In den
DBV-"Richtlinien für die Auswahl und Ausbildungen von
Führhunden, Auswahl, Einarbeitung und Nachbetreuung der
Führhundhalter" vom Dezember 1989, auf die auch das
Hilfsmittelverzeichnis der Krankenkassen - PG 99
(Qualitätskriterien für Blindenführhund) - verweist,
wird unter Punkt B II ausgeführt: "Ohne ein O&M-Training als
Basistraining zur Erlangung einer Grundsicherheit des
Bewegungsverhaltens kann sich ein Nichtsehender in der Regel nicht
einem Führhund unter den Bedingungen des modernen
Straßenverkehrs anvertrauen.
Bewegungsunsicherheit bzw. Bewegungsangst übertragen sich auf
den Hund (Phänomen der Stimmungsübertragung), sodass beide
Partner unsicher werden."
Wie ist es zu diesem Urteil gekommen?
Im Jahre 1998 beantragte eine damals 32-jährige blinde und
diabeteskranke Frau, die
gerade eine gelungene Nierentransplantation hinter sich hatte und
nicht mehr an die Dialyse musste, bei ihrer Krankenkasse die
Gewährung eines Blindenführhundes. Die
Krankenkasse legte den Antrag ihrem Medizinischen Dienst zur
Begutachtung vor. Dieser stellte fest, (nachfolgende Zitate
entstammen der vom Gericht formulierten
Entscheidungsbegründung) dass die Antragstellerin "in vollem
Umfang Langstocktechniken beherrsche". Deswegen sei "die
Kostenübernahme für einen Blindenführhund zur aus
allgemeinmedizinischen Gesichtspunkten sinnvollen Steigerung der
Eigenmobilität in das ggf. nach § 12 SGB V
eingeschränkte Ermessen" der Krankenkasse gestellt. (Kommentar:
Die Krankenkasse hat hier natürlich kein "Ermessen", sondern
muss die Erforderlichkeit und Wirtschaftlichkeit der beantragten
Leistung sachgemäß bewerten.) Auf dieses MD-Gutachten
gestützt lehnte die Krankenkasse die Leistung ab, worauf sich
die Frau mit allen Mitteln zur Wehr setzte. Sie machte geltend, "dass
die Orientierung mit dem Langstock mit Schwierigkeiten und Gefahren
verbunden und je nach Witterungsverhältnissen teilweise
unmöglich sei, während ein Blindenhund selbständig und
sicher bei Wind und Wetter und durch jeglichen Verkehr führe".
Diesen Vortrag konkretisierte sie mit ärztlichen Bescheinigungen
über die Folgen eines Sturzes, als sie mit einem in den
Straßenraum hineinragenden Metallteil kollidiert war. Ferner
machte sie - ebenfalls unterstützt durch ärztliche
Gutachten - auf ihren besonderen Bewegungsbedarf als Diabetikerin
aufmerksam.
Im Nachhinein, also in dem Land, wo man bekanntlich immer
klüger ist, stellt sich die Frage, ob die Klägerin gut
beraten war, das Thema "Diabetes" dermaßen in den Vordergrund
zu stellen. Die eigentliche Streitfrage: "Ist eine
Führhundversorgung nach Langstocktraining noch erforderlich und
wirtschaftlich" ging dadurch unter. So stellt es sich jedenfalls dar,
wenn man die Entscheidung liest. Dass man, um gesund zu bleiben,
"Bewegung" braucht, reicht für sich allein noch nicht aus, um
die Finanzierung eines Blindenführhundes zu rechtfertigen. In
diesem Punkte, so meine ich, hat das Sozialgericht durchaus
nachvollziehbar entschieden. Der Anwalt der Klägerin hätte
das grundlegende
Führhund-Urteil des Bundessozialgerichts vom 25.02.1981 - 5a/5
RKn 35/78 lesen sollen. In diesem wurde seinerzeit festgestellt, dass
durch den Führhund "der zur Verfügung
stehende Freiheitsraum hinsichtlich der Grundbedürfnisse des
Behinderten erweitert wird" (...) "weil durch den Hund die verlorene,
zur Umweltkontrolle aber erforderliche
Sehfähigkeit (...) ausgeglichen wird. In diesem Sinne
ermöglicht der Führhund allgemeine Verrichtungen des
täglichen Lebens - so insbesondere die Teilnahme des Blinden am
Straßenverkehr - und dient damit elementaren
Grundbedürfnissen."
Wichtig ist also nicht die "Bewegung" als solche (zu der man in
der Tat auch durch Schwimmen, Körpertraining und sonst was
kommt), sondern der Aspekt, dass mit Hilfe des Führhundes in
Gebäuden und draußen auf der Straße "Verrichtungen
des täglichen
Lebens" möglich werden. Zu diesen Verrichtungen kann dann
natürlich auch das
Aufsuchen einer Sportstätte gehören.
Aber auch dem Gericht muss man vorwerfen, dass es das BSG-Urteil nicht zu Rate gezogen und die sich daraus ergebenden Fragen nicht gestellt hat. Vor allem aber wäre es geboten gewesen, die Hauptfrage des Streitfalls gutachterlich klären zu lassen: Inwieweit ist der Gebrauch des Führhundes bzw. die Nutzung von dessen Augen ein notwendiges Plus gegenüber dem Langstocktraining? Dabei mag der Aspekt der Selbstgefährdung im individuellen Fall möglicherweise auch eine Rolle spielen. Aber das sollten Fachleute beurteilen. Möglicherweise liegt ja auch schon Fachliteratur zu diesem Thema vor.
Es steht zu befürchten, dass der Gerichtsbescheid des SG
Hamburg die Krankenkassen dazu veranlasst, nun reihenweise die
Versorgung mit einem Blindenführhund abzulehnen. Um dies zu
verhindern, müssen wir so bald wie möglich Gespräche
mit den
Krankenkassenverbänden führen. Die Vorbereitungen dazu sind
im Gange.
Zusammengestellt von Regina Haar
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
in diesem Schaufenster möchte ich Ihnen eine Auswahl verschiedener Diktiergeräte vorstellen. Wir haben uns bemüht, verschiedene Preislagen und verschiedene Aufnahmemöglichkeiten von Geräten der Firmen Olympus, Sony und Panasonic vorzustellen.
1.
Verschiedene Diktiergeräte
2. Schachspiel
3. Sockenfix
Olympus S701/ Euro
Farbe blau, Maße: 121x58x26 mm, Gewicht: 160 g, Zubehör:
MicroKassette, Ohrhörer und Batterien sowie ein
Euro-Taschenrechner, 2 Speeds recording und playback,
bedienungsfreundliche Tastenanordnung. Unverbindliche Preisempfehlung
für den Pearlcorder bei ProMarkt 69,99 DM - 35,79 €.
Sony M-640V
Farbe Silber, hochwertiges Diktiergerät bis zu 24 Stunden
Batteriebetrieb, Maße 62,2X121X24,3 mm, Gewicht 125 g,
Zubehör: Microkassette, Trageriemen und Tasche, Batterien,
Anschluss für Mono-Ohrhörer, Verlustfreie
Sprachaktivierung, Lautsprecherleistung: 250mW, Clear Voice-Funktion,
Bandzählwerk, unverbindliche Preisempfehlung 129,00 DM - 65,96
€.
Panasonic RN-502
Farbe schwarz, Maße ca. 62x 122x 25 mm, Diktiergerät
für Microcassetten, 2 Bandgeschwindigkeiten,
VAS-sprachgesteuerte Aufnahme, Bandzählwerk, Batterieanzeige,
Tonpegelfunktion bei der Aufnahme
Sony TCS-580V
Farbe Schwarz, Diktiergerät mit Sprachsteuerung für
Aufnahme und Wiedergabe in Stereo, Zubehör: Kopfhörer,
Fernbedienung, Tragetasche, Handschlaufe,
Mikrofon-/Ohrhörereingang; Longplay-Funktion, LC-Display,
Autoreserve, Pauseschalter, "Hold"-Taste, bedienungsfreundliche
Tasten, Maße: ca. 90x120x25mm, unverbindliche Preisempfehlung
225,00 DM - 115,04 €.
Sony ICD-47
Farbe Silber, Maße 44,2x108,9x17,5 mm, Gewicht 90 g,
mitgeliefertes Zubehör: Tragetasche, 16 MB Memory Stick, Memory
Stick Voice Editor Vers. 1, Aufnahmekapazität 131 Minuten
Tonqualität: 11 kHz, Max. 965 Sprachnotizen, sehr gute
Klangqualität, direkter Zugriff auf alle Nachrichten, Aufnahme
von Datum und Uhrzeit für jede Nachricht, Wiedergabe mit Alarm,
Wiederholungsfunktion, unverbindliche Preisempfehlung 219,00 DM
-111,97 €.
Für die Diktiergeräte mit Mikrofonausgang gibt es ein
sehr kleines handliches Mikrofon zum Anstecken, ideal für
unterwegs.
Elektrek-Kondensator-Mikrofon EM 216 der Firma Vivanco
Laviermikrofone eignen sich hervorragend besonders in solchen
Situationen, in denen man beide Hände frei haben muss oder das
Mikrofon unauffällig einsetzen möchte. Das EM 216 weist
eine Kugelcharakteristik auf, die es ermöglicht, dass alle
Geräusche rund um das Mikrofon gleichmäßig stark
aufgenommen werden. Es zeichnet sich durch eine sehr hohe
Empfindlichkeit aus, dadurch wird es Ihnen ermöglicht,
erstklassige Aufnahmen zu machen. Das Mikrofon benötigt zum
Betrieb eine Stromversorgung mittels der beigefügten Batterie
Mignon AA. Nach Gebrauch sollten Sie den integrierten ON/OFF-Schalter
in die Position OFF bringen, um unnötigen Stromverbrauch zu
vermeiden. Es besteht die zusätzliche Möglichkeit zwischen
Mono- und Stereo-Aufnahmen zu wählen. Die unverbindliche
Preisempfehlung bei ProMarkt beträgt 99, 99 DM - 51,12 €.
Das vorgestellte Handy zeichnet sich durch eine unkomplizierte
Bedienung und durch eine sehr einfache Tastenanordnung aus. Klare
Quittungstöne auch bei einzelnen Funktionen ermöglichen das
Kontrollieren der Tasten. Das Handy ist ein Gerät für
Blinde und Sehbehinderte, die "nur" telefonieren wollen.
Nokia 3310
Gewicht: 132g, Stand-by: 55-260 Stunden, Sprechzeit: 2,5- 4,5
Stunden, sprachgesteuert, SMS mit automatischer Worterkennung,
Klingeltöne und Logos per SMS, Vibrations-Alarm, 4 Spiele,
Dual-Band (900/1800 MHz). Eine Nummer kann angewählt werden,
indem Sie ein oder mehrere damit verknüpfte Wörter
"Anrufnamen" aufsprechen für 8 im Telefonbuch gespeicherte
Nummern mit einem Namen. Ohne Vertrag 380,00 DM, mit Vertrag
während der Aktionswochen 1,00 DM.
Um Ihr neues Mobiltelefon optimal zu nutzen und einzusetzen, sollten
Sie ausschließlich Nokia Original-Zubehör verwenden.
2. Schachspiel
Vielleicht eine Geschenkidee für Weihnachten:
Die Firma Special Mechatronics von Sigrid Kolleß ist
zuständig für die Umsetzung neuer Produktideen. Zurzeit
gibt es ein Angebot für ein Schachspiel in
Blindenausführung. Es handelt sich um ein handgearbeitetes,
elegantes Schachbrett in massivem Holz in drei Varianten, in den
Holzarten Esche, Eiche oder Kirsch, in der Größe 25 x 25
cm. Die schwarzen und weißen Felder sind durch unterschiedliche
Feldhöhen gekennzeichnet. Ein Verwechseln der Farbe ist durch
die exakten Konturen ausgeschlossen. Eingearbeitete Scharniere
ermöglichen ein einfaches Zusammenklappen. Das Brett ist damit
für Reisezwecke ideal geeignet. Die Figuren sind durch
abtastbare Stifte auf den schwarzen Köpfen eindeutig den
Spielfarben zugeordnet und durch die bekannte Kontur klar erkennbar.
Der Metallstift im Fuß der Figur verhindert ein Verrutschen
oder Umfallen. Diese zusätzliche Sicherheit gewährleistet
ein entspanntes Spielen. Dieses Spiel ist zum Preis von 198.- DM bzw.
228,- DM (Kirschbaum) zuzüglich Mwst. und Versandspesen zu
beziehen bei Sigrid Kolleß Am Waldfeld 2, 65812 Bad Soden,
Telefon: (01 74)5 34 60 28, Sigrid.Kolless@gmx.de
Der Sockenfix dient zum paarweisen Waschen von Socken, um die Sortierarbeit nach dem Waschen zu vermeiden. Ein Sockenfix fasst dabei den ganzen Wochenbedarf an Socken je Person. Durch leichtes Andrücken des Verschlussschneppers am Gehäuse öffnet man eine kleine Klappe. Im Gehäuse liegt eine Spezialgleitnadel, die nahtlos mit einem Miniseil verbunden ist. Diese wird durch Zug am Miniseil entnommen. Die Spezialgleitnadel ermöglicht, getragene Socken nach dem Ausziehen im Sockenband direkt paarweise aufzufädeln und auf die Minileine zu schieben. Danach ist die Nadel wieder in das Gehäuse zu schieben und zu verschließen. So fädeln Sie beispielsweise an 7 Tagen der Woche Ihre getragenen Socken täglich auf den Sockenfix und geben diesen dann in die Waschmaschine, Trockner usw. Kein Verlust von Socken mehr! Kein Sortieren! Paarweise wieder runter ziehen. Weitere Vorteile: Der Sockenfix eignet sich zum paarweisen Waschen von Wollhandschuhen und zum Bündeln von Unterwäsche. Der Sockenfix bündelt speziell ausgesuchte Wäschestücke ohne auf den Reinigungsgrad Einfluss zu nehmen. Alle Materialien sind kochfest, laugenbeständig und Trockner geeignet. Der Sockenfix kostet im Doppelpack 19,95 DM zuzüglich Fracht und Porto und ist zu bestellen bei der Firma F. Kautenburger Ringstr. 1, 50189 Elsdorf, Telefon: 02274/700522, www.Sockenfix.de
Blinde und sehbehinderte Menschen trainieren den Umgang mit dem neuen Geld
Nach Verhandlungen mit der Europäischen Blindenunion, der auch der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) als Mitglied angehört, hat die Europäische Zentralbank einen sogenannten "Euro-CashTest" finanziert. Dieser steht jetzt zur Verfügung und wird über die DBSV-Landesvereine kostenlos verteilt. Der Euro-CashTest ist eine Schablone, die das taktile Erkennen der Euro-Münzen bzw. -Geldscheine erleichtert. Bei Münzen wird der Durchmesser, bei Banknoten die Länge gemessen. Das Ablesen des Geldwerts ist wahlweise in Punktschrift oder mittels allgemeiner erhabener Symbole möglich, sodass auch Personen, die die Punktschrift nicht beherrschen, das Hilfsmittel benutzen können.
Anlässlich des Welttages der Behinderten am 3. Dezember, der
in diesem Jahr unter dem Motto "Universelles Design" steht, empfiehlt
der DBSV blinden und sehbehinderten Menschen, den Kontakt zu den
örtlichen Beratungsstellen aufzunehmen, um den Euro-CashTest zu
erhalten und seinen Gebrauch anhand von Mustergeld kennen zu lernen.
Die nächst gelegene Beratungsstelle eines DBSV-Landesvereins ist
zu erreichen unter der bundesweit einheitlichen Rufnummer
(0 18 05) 666 456.
Für Rückfragen steht Ihnen die Abteilung
Öffentlichkeitsarbeit des DBSV gerne zur Verfügung. Tel.:
(0 30) 28 53 87-0.
Berlin, den 29.11.2001
Dr. Thomas Nicolai
Abteilung Öffentlichkeitsarbeit