"Gegenwart" 12 / 03

Hier finden Sie die "Gegenwart" mit ausgewählten Beiträgen im Internet. Es folgt das vollständige Inhaltsverzeichnis. Nur die ausgewählten Beiträge sind verlinkt.

Inhaltsverzeichnis

Editorial:
Ein Jahr wie im Fluge

Aufruf:
Solidarität mit den Blinden in den Entwicklungsländern!

DBSV-Nachrichten

In Kürze

Leserpost

Rechtsauskunft

Umwelt

Jugend
Neue Impulse für die Jugendarbeit

Elternbriefkasten
Elterntreffen, bringt das was?

Rezension
Franz-Karl Krug: Didaktik für den Unterricht mit sehbehinderten Schülern

Sport

Aus den Ländern


Persönliches
Ein Leben zum Wohle taubblinder Menschen

Unterwegs
Sensible Sensoren

Rätsel

Schmunzelecke

Serie
Der duftende Garten:
Zimmertanne (Araucaria excelsa synomym für heterophylla)

Anzeigen

Beilagen
Das Schaufenster 4 / 2003

  1. Fondue mit Markierungen
  2. Weltempfänger von Sangean
  3. Aktivbox Travel Sound von Creative Labs

Hörfilm-Forum          
Hörfilm-Sendetermine

Zu unserem Titelbild:
Weihnachtsstimmung im Haus Storchennest

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Editorial

Ein Jahr wie im Fluge

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
das Jahr 2003 neigt sich seinem Ende zu und man staunt wieder einmal, wie schnell die Tage, Wochen und Monate verflogen sind. Elf Ausgaben der "Gegenwart" haben uns begleitet, Sie alle als Leser oder Hörer, einige von Ihnen als Autoren von Beiträgen, mich als Redakteur, der es sich nie leicht machte mit der Entscheidung: Was kommt in die Zeitschrift und was bleibt draußen.

Später einmal wird man zum Jahrgang 2003 der "Gegenwart" sicher anmerken, dass unsere Zeitschrift sehr geholfen hat, DAISY nach vorn zu bringen, denn die "Gegenwart" hat weltweit als eine der ersten Zeitschriften das DAISY-Format auf CD ROM angeboten.

Und dass dieses neue Medium begeistert angenommen worden ist, zeigt die aktuelle Abonnentenzahl: 545 Bezieher hören oder lesen die "Gegenwart" bereits auf CD ROM.

Bei vielen Gesprächen habe ich auch erfreut feststellen können: "Gegenwart"-Leser wissen mehr. Und jedes Mal, wenn in einer Diskussionsrunde jemand anmerkt: "Das weißt Du nicht? Das stand doch in der 'Gegenwart'!", merke ich, wie sehr unser Magazin gebraucht und geschätzt wird.

Am Ende des Jahres möchte ich mich bei Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, liebe Hörerinnen und Hörer, ganz herzlich für Ihr waches Interesse an unserer Zeitschrift bedanken. Ich wünsche Ihnen und allen, die am Entstehen der "Gegenwart" beteiligt sind, eine besinnliche Weihnachtszeit und einen guten Start in das Jahr 2004.

Denken Sie auch im nächsten Jahr daran: Die Zukunft beginnt mit der "Gegenwart"!
Ihr Dr. Thomas Nicolai

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DBSV-Nachrichten

DBSV mit Blick nach vorn

Am 24.10. tagte der DBSV-Verwaltungsrat in Niederbachem bei Bonn. Wir sind im Gespräch mit DBSV-Präsident Jürgen Lubnau:

Wie hat der DBSV den Umzug nach Berlin verkraftet?

Der DBSV hat zum Teil eine neue Mannschaft; das muss man als sehr wichtigen Punkt vorausschicken. In Berlin bestand schon eine ganze Weile die Verbandskommunikation. Es mussten jetzt eine ganze Menge neuer Mitarbeiter gesucht und eingestellt werden. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Wir sind noch dabei.

Wir können sagen, dass wir jetzt zur geregelten Arbeit für unsere Mitglieder, für die Blinden und Sehbehinderten in Deutschland wieder zurückkehren. Es hat in den letzten Monaten gewiss Schwierigkeiten gegeben, das kann man nicht leugnen. Aber es ging nicht nur um einen Umzug der Geschäftsstelle, sondern auch darum, neue Mitarbeiter erst einmal einzuarbeiten. Wir sind zuversichtlich, dass dieser Prozess demnächst abgeschlossen sein wird und wir noch mehr konkrete Arbeit leisten können.

Eines unserer zurückliegenden Interviews hatte die Überschrift "Schieflage überwinden". Das bezog sich insbesondere auf die finanzielle Situation. Wir haben heute gehört, dass wieder etwas Wasser unter dem Kiel ist. Wie sieht die Finanzlage des DBSV aus?

Wir sind noch nicht völlig durch. Es ist noch nicht alles gesichert, aber die Linie stimmt. Wir haben die beiden Immobilien in Bonn verkaufen können, auch zu den Konditionen, die wir erhofft hatten. Es sind auch Stellenreduzierungen eingetreten. Man muss andererseits natürlich auch darauf achten: Eine Geschäftsstelle muss funktions- und arbeitsfähig sein. Wir wollen ja etwas erreichen für den Verband und für die Blinden und Sehbehinderten in Deutschland und da muss eine funktionsfähige Geschäftsstelle da sein.

Im Bereich Recht, neue Gesetze, Reformen, was uns in den Medien ja jeden Tag begegnet, eine Menge an Neuigkeiten. Was kommt hier speziell auf Blinde und Sehbehinderte zu? Wie kann der DBSV Einfluss nehmen, dass hier kein "Kahlschlag" erfolgt?

Wir sind natürlich trotz Umzug immer dabei gewesen, wenn es um Gesetzesänderungen ging. Es gab Anhörungen im Bundestag, in Ausschüssen, in der Verwaltung. Dort haben wir unsere Vorstellungen stets vorgetragen, insofern sind die Interessen Blinder und Sehbehinderter sicher nicht zu kurz gekommen, aber die Geschwindigkeit, mit der im Augenblick Gesetzesvorhaben angestoßen, durchgeführt und umgesetzt werden, hat eine solche Rasanz angenommen, dass man kaum noch folgen kann. Unter Umständen sind Dinge, zu denen wir im vorigen Monat Äußerungen abgegeben haben, in diesem Monat schon gar nicht mehr aktuell, weil die Gesetzesvorhaben verändert, neu gestaltet wurden und wir wieder neu einsteigen müssen. Genauere Dinge wird man zu vielen Bereichen sicherlich erst im nächsten Jahr sagen können. Unser Rechtsreferent Thomas Drerup ist ja ein exakter Beobachter der Entwicklungen. Er wird, wenn die Gesetzgebungsverfahren abgeschlossen sind, genauer darüber informieren.

Das Thema Blindengeld wird uns ja voraussichtlich trotz Demonstration in den nächsten Jahren begleiten. Für den Januar ist so etwas wie eine Blindengeldkonferenz geplant. Was ist das Ziel dieser Veranstaltung?

Es wird ja in vielen Ländern über die Sinnhaftigkeit von Blindengeld diskutiert. Wenn nicht gerade über Streichungen geredet wird, werden Kürzungen angestrebt, die auch bitter sind. Wir bekommen das Blindengeld ja nicht umsonst, sondern wir wollen damit unsere blindheitsbedingten Mehraufwendungen wenigstens zum Teil abdecken können. Diese Konferenz hat zum Ziel, sich einmal gründlich Gedanken darüber zu machen, welche Möglichkeiten überhaupt bestehen, in Zukunft ein Blindengeld, also einen Nachteilsausgleich für uns, zu sichern. Unter Umständen muss man über ganz neue Dinge nachdenken, vielleicht Abstand nehmen von den gesetzlichen Regelungen, die es im Moment gibt. Vielleicht kommen wir aber zu dem Ergebnis, dass das, was vorhanden ist, das Richtige ist. Wir müssen weiter daran arbeiten, diese Überzeugung in die Politik weiter zu transportieren.

Das Jahr 2004 bringt mit Sicherheit wieder den Sehbehindertentag und den Tag des weißen Stockes. Vielleicht vorab ein kurzes Resümee zur Woche des Sehens. Und bitte einen kurzen Ausblick auf die Schwerpunktthemen des nächsten Jahres.

Die Woche des Sehens war nach meiner festen Überzeugung ein deutlicher Erfolg. Die Zusammenarbeit mit den Partnern hat im Wesentlichen gut geklappt. Es gab zum Vorjahr doppelt so viele Veranstaltungen, die Optiker haben sich wesentlich stärker beteiligt, die Augenärzte auch. Wir haben, den Eindruck habe ich jedenfalls, noch besser die Öffentlichkeit erreicht. Es spricht alles dafür, auch im nächsten Jahr den Tag des weißen Stockes in die Woche des Sehens einzubetten, um unsere Positionen auch da wieder deutlich zu transportieren. Das Motto des Tages des weißen Stockes wird lauten: "Blind sein, wie ist das?" Das ist sicher eine sehr emotionale Frage. Und wir müssen schauen, dass wir diese Frage auch gut transportieren können. (Und der Sehbehindertentag soll unter dem Motto stehen: "Ich sehe so wie du nicht siehst - verschiedene Formen von Sehbehinderungen".) Beide Themen sind eine starke Herausforderung für unsere Mitgliedsverbände, für die Öffentlichkeitsarbeiter, natürlich auch für die Mitglieder, die vor Ort tatkräftig helfen.

Es gab heute auch einen Bericht der Strategiekommission. Ich möchte nur den Punkt Mitgliederwerbung einmal herausgreifen. Die Mitgliederzahlen sind leicht rückläufig. Was ist zu tun, um diesen Prozess aufzuhalten und besser noch umzukehren?

Sie ist nicht in allen Bundesländern rückläufig. Es gibt Bundesländer, in denen sie ansteigt, und es gibt Landesvereine, die deutlich Mitglieder verloren haben und immer noch verlieren. Es gibt kein Patentrezept und keinen Königsweg. Von der Projektgruppe der Strategiekommission sind Empfehlungen ausgesprochen worden, was man tun kann, um den Mitgliederrückgang aufzuhalten und den Trend wieder umzukehren. Das ist ebenso eine starke Herausforderung wie die beiden Aktionstage im nächsten Jahr. Aber wir wissen alle, wir sind nur stark, wenn wir viele Mitglieder haben, nur dann werden wir auch richtig wahrgenommen.

Ursprünglich geplant für das Jahr 2003 war die Fortbildung von ehrenamtlichen Mitarbeitern. Wann sollen die Fortbildungsmaßnahmen nun stattfinden und wer soll eigentlich daran teilnehmen?

Diese Angebote richten sich an ehrenamtliche Mitarbeiter, aber auch an Hauptamtler. Es fehlte noch an der notwendigen Finanzierungsunterstützung. Es sollen ja möglichst viele Menschen daran teilnehmen können, unabhängig davon, ob sich jemand diese Fortbildung leisten kann. Es wird jeweils ein Angebot für den Süden und für den Norden Deutschlands geben. Qualifizierung ist für die Effektivität der Arbeit unbedingt notwendig, das wissen wir alle.

Und deshalb soll es auch eine langfristige Aktion sein. Es sind alle Ebenen angesprochen, die Untergliederungen, die Landesvereine, die Geschäftsstellen; das reicht bis zur DBSV-Geschäftsstelle.

Das Gespräch führte Dr. Thomas Nicolai

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Aktuelles zum Blindengeld

(Stand: 11.11.2003)
Berlin: Über 40.000 Unterschriften gegen die Kürzungspläne des Senats lagen bei Redaktionsschluss bereits vor. Die Protestkundgebung am 15. Oktober fand ein breites Medienecho. Wenn diese Ausgabe der "Gegenwart" erscheint, hat im Abgeordnetenhaus eine Anhörung stattgefunden (geplanter Termin war der 20.11.).

Bremen: Der Koalitionsausschuss hat am 9.11. beschlossen, das Landespflegegeldgesetz bleibt erhalten; das Blindengeld wird nicht gekürzt. Diese erfreuliche Nachricht erhielten wir vom Vorsitzenden des BSV Bremen, Karl-Heinz Weiser. Die gemeinsamen Anstrengungen im Kampf um die Erhaltung des Blindengeldes in Bremen haben sich gelohnt.

Hessen: 30 Prozent Kürzung des Blindengeldes, keine Anpassung an die Rentenentwicklung mehr, die Anrechnung von Pflegesachleistungen auf das Blindengeld und die Begrenzung der Gültigkeitsdauer des Gesetzes auf 2009. Das sind die traurigen Wahrheiten in Hessen ab 1.1.2004, wenn der Gesetzentwurf der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag voraussichtlich zwischen dem 16. und 18.12.2003 in dritter Lesung endgültig verabschiedet wird.

Niedersachsen: Nachdem die Abschaffung des Landesblindengeldgesetzes verhindert werden konnte, muss die rund 19-prozentige Kürzung auf 409 Euro ab 2004 als kleineres Übel angesehen werden. Dynamisierung und Unabhängigkeit von Einkommen und Vermögen bleiben erhalten.

Nordrhein-Westfalen: Der Landschaftsverband soll seinen Antrag auf 10-prozentige Kürzung des Blindengeldes zurückgezogen haben. Ob es dennoch Kürzungspläne gibt, war bei Redaktionsschluss nicht zu ermitteln.

Aktuelle Informationen im Internet: www.augen-auf.net

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Gudrun Landgrebe war prominenteste Unterstützerin
am Tag des weißen Stockes

Mit einer Protestaktion, einer Lesung für Blinde und einer Präsentation zum Thema "Barrierefreies Internet" ist die "Woche des Sehens" in Berlin am traditionellen Aktionstag der Blinden, dem "Tag des weißen Stockes" offiziell beendet worden. Dabei stand rund um die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlins Mitte alles im Zeichen der Blindheit. Schon am Vormittag versammelten sich zahlreiche Blinde, um durch symbolisches Betteln auf ihre Lage nach der vom Berliner Senat geplanten Kürzung des Blindengeldes hinzuweisen. Auf der anschließenden Pressekonferenz verdeutlichte DBSV-Präsident Jürgen Lubnau, wie blinde Menschen Medien wie das Fernsehen, das Internet oder auch "nur" Bücher nutzen.

Mittags las die Schauspielerin Gudrun Landgrebe für blinde Hörer eine romantisch-tragische Geschichte von Oscar Wilde. Den Nachmittag prägte dann eine Veranstaltung unter dem Motto "Surfen im Internet – Können Blinde auch!?"

Den anwesenden Vertretern von Internet-Agenturen und Medien präsentierten Mitarbeiter des Projektes "Barrierefrei kommunizieren und informieren" (BIK) an fünf blinden- und sehbehindertengerechten Computerarbeitsplätzen, wie Blinde im Internet surfen, welche Probleme es dabei noch gibt und wie sie auszuräumen sind.

Jürgen Lubnau zog auf der Pressekonferenz eine positive Bilanz der "Woche des Sehens": "Die Zahl der Veranstaltungen konnte verdoppelt, die Zahl der teilnehmenden Augenoptiker auf rund 1000 gesteigert werden. Noch erfreulicher ist aber, dass es gelungen ist, die "Woche des Sehens" als Marke zu etablieren, für deren Unterstützung sich inzwischen Sponsoren interessieren und unter der alle 9 Partner ihre verschiedenen Schwerpunkte der Öffentlichkeit vermitteln können."

Sechs Tage lang hatte der DBSV zusammen mit neun weiteren Organisationen und Verbänden wie dem Zentralverband der Augenoptiker, dem Berufsverband der Augenärzte, der Christoffel-Blindenmission, dem DVBS und der Pro Retina mit bundesweit über 80 Veranstaltungen unter dem Motto "Blindheit verhüten, Blindheit verstehen" auf die Möglichkeiten zur Verhütung von Blindheit in den Entwicklungsländern und auf die Belange der Blinden in Deutschland aufmerksam gemacht. So wurden beispielsweise in Berlin kostenlose Internet-Schnupperkurse für Blinde und Sehbehinderte angeboten. Auch in München, Darmstadt, Rostock, Bad Langensalza und Kiel konnten Blinde über entsprechend ausgestattete Computer im weltweiten Netz surfen. Hörfilme als spezielles Medium für Blinde und Sehbehinderte wurden unter anderem in Husum und München vorgeführt. Und in vielen weiteren Städten und Gemeinden informierten die Blinden- und Sehbehindertenvereine neugierige Passanten an Informationsständen anhand von Punktschriftalphabeten über die Grundprinzipien dieser "geheimnisvollen" Schrift.

Prominent unterstützt wurden die Aktionen in der "Woche des Sehens" durch eine Vielzahl von bekannten Persönlichkeiten. So nahmen neben Frau Landgrebe unter anderem die Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, die Ministerpräsidenten Dieter Althaus und Wolfgang Böhmer sowie die Schauspielerin Anja Kruse aktiv an Veranstaltungen teil. Eine detaillierte Dokumentation der verschiedenen Veranstaltungen sowie eine Bilanz der "Woche des Sehens" ist ab Anfang Dezember unter www.woche-des-sehens.de abrufbar.
Thomas Krieger

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Nun doch kein Antidiskriminierungsgesetz?

DBSV und DVBS sprachen mit Bundesjustizministerin Zypries über zwei wichtige Themen.

Am 27.10. führten der Präsident des DBSV Jürgen Lubnau, der Vorsitzende des DVBS Dr. Otto Hauck und der DBSV-Rechtsreferent Thomas Drerup ein gut einstündiges Gespräch mit der Bundesministerin der Justiz Brigitte Zypries. Thema war zunächst die von der Ministerin einige Wochen zuvor verkündete Absicht, das von ihrer Amtsvorgängerin initiierte Vorhaben eines zivilrechtlichen Antidiskriminierungsgesetzes (ZAG) in dieser Form nicht mehr weiter verfolgen zu wollen. Die Ministerin ist der Ansicht, dass Behinderte bereits ausreichend geschützt sind durch das Benachteiligungsverbot des Grundgesetzes, das in zivilen Rechtsstreitigkeiten im Rahmen bestimmter Normen mittelbar Anwendung findet, sowie durch einzelne Regelungen wie z.B. § 81 SGB IX (Verbot der Benachteiligung Behinderter im Zusammenhang mit Arbeitsverhältnissen) und § 554a BGB (Anspruch des Mieters auf Duldung des behindertengerechten Umbaus der Mietwohnung). Das heißt: Die Ministerin ist bereit, weitere Einzelregelungen zugunsten Behinderter in Betracht zu ziehen, sofern diese notwendig sind, nicht aber die Regelung einer Generalklausel, die für das gesamte Zivilrecht gilt. Dagegen trugen DBSV und DVBS vor, dass die Diskriminierungsfälle äußerst vielfältig sind. Blinde und Sehbehinderte wurden und werden benachteiligt bei Versicherungsverträgen, bei der Beförderung in Bussen, Schiffen und Flugzeugen, beim Zugang zu Freizeitparks und anderen Attraktionen. Sogar die Mitgliedschaft in einem Wanderverein wurde verwehrt. All diese Fälle zu erfassen bedarf es einer gesetzlichen Generalklausel. Die Ministerin aber sah das anders: Man brauche hierfür kein Gesetz. Die Betroffenen bzw. deren Verbände könnten ja gemäß § 5 BGG mit den jeweiligen Unternehmen Zielvereinbarungen aushandeln. Diese Möglichkeit, entgegneten DBSV und DVBS, mag vielleicht in dem einen oder anderen Fall einen guten und schnellen Erfolg versprechen, begründet jedoch noch keine Ansprüche und hilft deshalb noch nicht, die Benachteiligungen aus dem Weg zu räumen. Hierzu brauchen die Betroffenen und deren Verbände vielmehr den Rückhalt durch eine im Gesetz verankerte und dort deutlich zum Ausdruck gebrachte Wertung. Das heißt: Ungerechtfertigte Benachteiligungen müssen verboten werden. Und es gilt die (widerlegbare) Vermutung, dass Benachteiligungen nicht gerechtfertigt sind. Die Ministerin blieb jedoch bei ihrem Standpunkt. Aber sie erklärte sich bereit, den Bedarf an Spezialregelungen namentlich im Versicherungsrecht in ihrem Hause prüfen zu lassen.

Das zweite Thema war die Bewertung von Blindengeld im zivilen Unterhaltsrecht. Der 1991 auf die Initiative des DBSV hin geschaffene § 1610'a BGB, das heißt die gesetzliche Vermutung, dass soziale Leistungen wie das Blindengeld im vollen Umfang ihrem Zweck gemäß ausgegeben werden und somit für den Unterhalt nicht mehr zur Verfügung stehen, hat sich zwar positiv ausgewirkt. Denn kaum jemand wird noch gezwungen, "sein" Blindengeld vorrangig für den eigenen oder den Unterhalt Dritter einzusetzen. Nach wie vor jedoch müssen die Betroffenen in den Unterhaltsprozessen um dieses Ergebnis hart kämpfen. Dabei geht es allerdings in diesen Streitigkeiten um andere Fälle als früher: Nicht mehr um das in Ehren ergraute Kriegsopfer, das sich im zweiten Frühling von der treu pflegenden Ehefrau trennt, sondern zum Beispiel um die blinde berufstätige Frau, die an ihren sehenden, aber arbeitslosen Ex-Mann Unterhalt zahlen muss. Muss sie dann auch noch das eng bemessene Blindengeld für dessen Unterhalt einsetzen? Schon die Frage erscheint absurd. Die Ministerin sagte zu, in ihrem Hause prüfen zu lassen, ob eine neue Regelung geschaffen werden kann.

Alles in allem: Es war fürwahr kein leichtes Gespräch. Die Zusagen der Ministerin lassen jedoch auf einige wichtige gesetzliche Verbesserungen hoffen.
Karl Thomas Drerup

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In Kürze

Bildung ohne Barrieren

In Fortführung der Tradition des Deutschen Blindenbildungswerkes wurde am 25.10.2003 der Verein Bildung ohne Barrieren - Bildungsinstitut für Blinde und Sehbehinderte (BOB) gegründet.
Vereinsvorsitzender ist Herr Norbert Müller, Stellvertreterin ist Frau Rose-Marie Lüthi Kreibich (Schweiz).
Erste Seminarangebote: 18. bis 22.1.2004: Seminar für blinde und sehbehinderte Schwerbehindertenvertrauensleute. Für März ist ein Kurs für ehrenamtliche Punktschriftlehrer vorgesehen.
Nähere Informationen bei:
BOB,
Hauptstr. 40, 79576 Weil am Rhein;
Tel.: (0 76 21) 79 92 30 (zurzeit Anrufbeantworter).

Hörfilme in den City-Kinos München

Jeweils am 1. Sonntag eines Monats gibt es in den City-Kinos in München, Sonnenstr. 12, eine Hörfilm-Matinee; nächste Termine:
7.12., 13.00 Uhr: "Das Piano"
4.1.2004, 13.00 Uhr: "Cinema Paradiso".
Ob sich dieses Angebot etabliert, hängt davon ab, ob die Zuschauer es nutzen.

Tag der offenen Tür

Am 13.12. ab 14.00 Uhr ist Tag der offenen Tür im Aura-Hotel Ostseeperlen Boltenhagen. Erstmals lädt der Förderverein "Ostseeperlen Boltenhagen" e.V. die Freunde der Boltenhagener Häuser des BSV Mecklenburg-Vorpommern zu seinem Jahrestreffen ein. Uraufgeführt wird das Feature "Boltenhagen - eine akustische Landnahme im November", welches Teilnehmer eines Spezialseminars unter Leitung der bekannten Autoren Heide und Rainer Schwochow gestaltet haben.
Nähere Informationen und Anmeldung bis 10.12. beim
Aura-Hotel "Ostseeperlen",
Strandpromenade 53, 23946 Boltenhagen;
Tel.: (03 88 25) 3 70 00,
Fax: 3 70 43,
E-Mail: ostseeperlen@t-online.de

Aura-Zentrum Bad Meinberg

Entspannung pur - durch Yoga und Wellness, vom 11. bis 25.1.2004, können Sie bei einem 10-tägigen Yoga-Anfängerkurs lernen.
Nähere Informationen und Anmeldung beim
Aura-Zentrum,
Oberförster-Feige-Weg 1, 32805 Horn-Bad Meinberg;
Tel.: (0 52 34) 90 40

Aura-Hotel Timmendorfer Strand

1. bis 8.3.2004, drei Nobelpreisträger und ihr Lübeck, Thomas Mann, Willy Brandt, Günter Grass; 14. bis 19.3.2004, Blütezeit der Hanse, Lübecks hohe Zeit als nordostdeutsche Handelsmetropole und Königin des Hansebundes reicht in die Zeit des 14. und 15. Jahrhunderts zurück.
Nähere Informationen und Buchung
Tel.: (04503) 600-20

Benefits-CD's

Die gemeinnützige Viersinn-Gesellschaft hat ein akustisches Märchenbuch mit 24 Märchen der Gebrüder Grimm aufgelegt. 5 CD's bzw. eine MP3-DAISY-CD. Von jeder verkauften CD gehen jeweils 4,00 Euro direkt an die Task-Force Blindengeld.
Zu bestellen Tel.: (07 51) 56 15 00.

DZB-aktuell

Ab Januar 2004 bietet die Deutsche Zentralbücherei für Blinde die Zeitschrift "DZB-Nachrichten" einschließlich Beilage "Leipziger Bücherliste" auch als DAISY-CD-ROM an.
Vormerkungen sind ab sofort möglich unter
Tel.: (03 41) 71 13 -1 20 und
E-Mail: verlag@dzb.de

Neuer Ratgeber

Der neue Ratgeber "Sehbehinderte und blinden alten Menschen professionell begegnen und helfen" von Hans-Eugen Schulze richtet sich an alle, die nicht ständig mit sehbehinderten und blinden Menschen umgehen, aber aus beruflichen Gründen zu ihnen Kontakt bekommen. Mit Hilfe des Ratgebers können sich professionell Pflegende, Auszubildende und Studierende von Pflegeberufen im Umgang mit blinden und sehbehinderten Senioren weiterbilden.
Nähere Informationen und nur schriftliche Bestellung beim
Kuratorium Deutsche Altershilfe, Versand,
An der Pauluskirche 3 in 50677 Köln;
Fax: (02 21) 9 31 84 76,
E-Mail: versand@kda.de

Ein Werkstattbuch

Angeregt durch das 1. Internationale Theatertreffen mit blinden und sehbehinderten Jugendlichen in Marburg "Punktspiele" im November 2002, haben Referenten der Fachtagung, Workshopleiter, Theaterleiter und Teilnehmer ihre Erfahrungen, Konzepte und Standpunkte niedergeschrieben.
Nähere Informationen und Bestellungen bei der
DVBS e.V.,
Frauenbergstr. 8, 35039 Marburg;
Tel.: (0 64 21) 9 48 88-0 oder
im Buchhandel unter der ISBN 3-89642-019-4.

Klingender Adventskalender

Nicht zum Naschen, sondern zum Zuhören lädt der "Klingende Adventskalender 2003" des Bistums Trier ein. Vier CD's oder vier Kassetten mit Geschichten, Liedern, Gebeten und Rezepten wollen Blinde, Sehbehinderte und alle diejenigen, die Freude an der Advents- und Weihnachtszeit haben durch diese besinnliche Periode des Jahres begleiten.
Nähere Informationen und Bestellung beim
Referat Blinde, Sehbehinderte und Trierische Tonpost, Bischöfliches Generalvikariat,
Postfach 13 40, 54203 Trier,
Tel.: (06 51) 71 05-4 61,
Fax: 71 05-3 20,
E-Mail: trier.tonpost@bgv-trier.de

Karnevalssitzung

Der BSV Köln wird am 3.2.2004 in den Satory-Betrieben in Köln um 17.30 Uhr mit bekannten und unbekannten Karnevalisten auftreten und einen heiteren Abend bereiten.
Nähere Informationen beim
BSV Köln e.V.,
Im Sionstal 29, 50678 Köln;
Tel.: (02 21) 13 56 85,
Fax: 3 48 93 85,
E-Mail: bsv-koeln@t-online.de

4. Musikwoche in Bad Liebenzell

Vom 28.2 bis 6.3.2004 wird es wieder eine Musikwoche in Bad Liebenzell geben. Teilnehmer sind herzlich willkommen, die Spaß und Freude an der Musik haben.
Nähere Informationen und Anmeldungen bei
Roland Wahl,
Tel.: (0 71 24) 10 49,
Fax: 93 15 31;
E-Mail: wahl.roland@t-online.de

"Dresden hören und erleben"

Die erste touristische Hör-CD Dresdens richtet sich vor allem an blinde und sehbehinderte Interessenten der sächsischen Hauptstadt. Damit leistet die Dresden-Werbung und Tourismus GmbH nach ihrer Broschüre "Dresden für Gäste mit Handicap" einen wertvollen Beitrag zum Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderung. In 19 Hörbildern stellt die Autorin Karla Sponar die Stadt vor und gibt dem Hörer - untermalt mit zahlreichen Klangbeispielen - einen Überblick zur Geschichte, beschreibt Museen und Sehenswürdigkeiten usw.
Nähere Informationen und Bestellung beim
Landeshilfsmittelzentrum des BSVS,
Louis-Braille-Str. 6, 01099 Dresden;
Tel.: (03 51) 8 09 06 24.

Singfreizeit in Bad Liebenzell

Vom 21.1. bis 4.2.2004 findet im Rudolf-Kraemer-Haus in Bad Liebenzell wieder eine Singfreizeit unter der Leitung von Hans Werres statt. Einstudiert werden 4- und 5-stimmige weltliche und geistliche Chorsätze, Madrigale und Lieder.
Nähere Informationen und Anmeldung im
Rudolf-Kraemer-Haus unter
Tel.: (0 70 52) 92 04-0.

Haus Storchennest lädt ein

Gartenfreunde treffen sich 2004:
  3. bis 9.5.;
  22. bis 28.6.;
  2. bis 6.9.

Der duftende Garten 2004 (für Landschaftsplaner und -gärtner und solche, die mit duftenden Pflanzen planen und gestalten wollen):
  20. bis 22.1.;
  15. bis 17.4.;
  1. bis 3.11.

Interessierte und Einsteiger 2004 (Taubblindheit und ihre Folgen):
  16. bis 18.1.;
  2. bis 4.4.;
  5. bis 7.11.

Seminar für Familien mit taubblinden Kindern:
  12. bis 17.4.


Nähere Informationen und Anmeldung bei
Taubblindendienst e.V.,
Pillnitzer Str. 71, 01454 Radeberg;
Tel.: (0 35 28) 43 97-0.

Ihre Mithilfe ist gefragt

Die "Nationale Koordinationsstelle Tourismus für Alle (NatKo)" beschäftigt sich mit Barrieren im Flugverkehr. Die NatKo möchte immer die Interessen von Menschen mit verschieden Formen von Behinderungen vertreten. Bitte teilen Sie NatKo Ihre persönlichen Erfahrungen auf Flugreisen mit. Dabei geht es nicht nur um den Flug allein, sondern auch um die Information über geeignete Flüge, über Buchung, Transfer zum und vom Flughafen, Check-In, Ausstattung von Flughäfen usw.
Vor allem folgende Fragen sind für ein Referat von Interesse: Wo gibt es positive Entwicklungen?, Wo gibt es immer noch Barrieren?, Welche Lösungen und Ideen würden Sie einer großen Fluglinie wie der Lufthansa vorschlagen? Fliegen Sie häufig, gelegentlich, selten?, Welche Form einer Behinderung haben Sie?
Senden Sie Ihre Erfahrungen und Vorschläge unter dem Stichwort "Lufthansa" bitte an:
Nationale Koordinationsstelle Tourismus für Alle e.V.,
Kötherhofstr. 4, 55116 Mainz;
Fax: (0 61 31) 21 48 48,
E-Mail: home@natko.de

Tandem-Hilfen

Dieses private Hilfsprojekt will anlässlich der Paralympics 2004 in 10 Ländern auf dem Weg von Berlin nach Athen Hilfsmittel für Sport und Freizeit sowie für Bildung und Beruf an blinde und sehbehinderte Menschen übergeben. Die Initiatoren werden mit zwei Tandems vom 8. August bis zum 17. September 2004 rund 3.500 km zurücklegen und unterwegs auf die Belange von Menschen mit Sehproblemen aufmerksam machen sowie für den Tandem-Sport werben.
Nähere Informationen im Internet:
www.tandem-hilfen.de oder bei
Jutta Balzert; Tel.: (0 23 02) 5 04 52 bzw. bei
Dr. Thomas Nicolai; Tel.: (0 30) 2 08 17 20 (nach 18.00 Uhr).

Weihnachtsoratorium und Matthäuspassion mit Sprach-CD's

Farao Classics hat die beiden Werke jetzt jeweils mit einer Sprach-CD für blinde und sehbehinderte Hörer herausgebracht, auf der über Werk und Künstler gesprochen wird. Die Sprach-CD's sollen gewissermaßen das Booklet ersetzen und werden gratis zu den CD-Boxen geliefert.
Erhältlich im Fachhandel oder bei Label Farao; Tel.: (0 89) 30 77 76 16.

Audiomagazin

Das alle zwei Monate erscheinende hörbare Magazin Liftstyle bietet einen Querschnitt aus der bunten Presse (Cosmopolitan, Petra, Spektrum der Wissenschaft, Vital, Gesundheit und Sport-Magazin Schweiz), von zwei Profisprechern gelesen und als Audio-CD vervielfältigt.
Das Abonnement in 6 Ausgaben ist zu bestellen unter
E-Mail: info@audiomagazine.de oder bei
Beate Stocker,
Gebirgsgasse 68, A-1230 Wien;
Tel.: (0043/1/) 8 89 12 17

Improvisationswochenende für Hobbymusiker

Alle Personen im Alter bis 35 Jahre, die auch ohne Noten auf einem Musikinstrument eine Melodie spielen können und Lust haben, mit anderen frei und ohne Zwang zu improvisieren, sind angesprochen.
Termin: 19. bis 21.3.2004,
Ort: Rudolf-Kraemer-Haus, Bad Liebenzell.
Nähere Informationen und Anmeldung bei
Michael Haaga; Tel.: (0 77 21) 6 46 71,
E-Mail: info@michael-haaga.de
Anmeldeschluss ist der 29.2.

Hinweis:

Das Tagebuch von Frau Ilse Enssle "Die Freude trägt mein Schicksal", das wir in der Oktober-Ausgabe vorgestellt hatten, kann bei der Autorin bestellt werden; Tel.: (0 71 51) 4 49 97.
Der Text wurde in der Süddeutschen Hörbücherei aufgesprochen und steht zur Ausleihe als Hörbuch zur Verfügung.

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Rechtsauskunft:

Gesetzgebung im Eiltempo

Im Herbst 2003 standen vor allem Gesetzgebungsverfahren auf dem Spielplan des Deutschen Bundestages. Beifall und Buh-Rufe füllten Zeitungen und Sendezeiten.

Die Reaktionszeiten für Verbände und Betroffene waren mitunter auf Null gekürzt: Was gestern festzustehen schien, war heute schon "kalter Kaffee". Deshalb war es auch unmöglich, Stellungnahmen des DBSV in der "Gegenwart" zu veröffentlichen. Nachstehend kurze Anmerkungen zu zwei Gesetzen, die in den Mitteilungen der DBSV-Rechtsabteilung 11/2003 veröffentlicht worden sind:

Gesundheitssystem-Modernisierungsgesetz (GMG)

DBSV und DVBS haben in einer gemeinsamen Stellungnahme gegen die geplante Herausnahme der Versorgung Erwachsener mit Sehhilfen aus den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung protestiert. Außerdem haben wir kritisiert, dass die geplante Ausnahmevorschrift zugunsten Personen mit schweren Sehbeeinträchtigungen nicht weit genug gefasst ist.

Auch der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands hat in seiner Stellungnahme diese Forderungen vorgetragen und ähnlich begründet. Es sieht allerdings danach aus, dass unsere Forderung nach Beibehaltung der uneingeschränkten Versorgung mit notwendigen Sehhilfen keinen Erfolg gehabt hat.

Gesetz zur Förderung der Ausbildung und Beschäftigung schwerbehinderter Menschen

Dieses Gesetz, das auch noch mit einer Verordnung zur Änderung der Ausgleichsabgabeverordnung verbunden ist, sieht eine Reihe von verwaltungs- und finanztechnischen Neuerungen vor, daneben aber auch einige materielle Verbesserungen, wie zum Beispiel die verstärkte Förderung der Integration schwerbehinderter Jugendlicher und die Förderung des Wechsels schwerbehinderter Menschen aus Werkstätten für behinderte Menschen in den allgemeinen Arbeitsmarkt. Positiv sind gewiss auch die Wiederherstellung der Vorleistungsmöglichkeit für die Integrationsämter gegenüber den Rehabilitationsträgern und die neuen Präventionsmaßnahmen bei drohendem Arbeitsplatzverlust. Umstritten ist andererseits die geplante Regelung, wonach die Zustimmung zur Kündigung als erteilt gelten soll, wenn das Integrationsamt nicht innerhalb eines Monats eine Entscheidung getroffen hat. Mit dieser Regelung sollen die Verfahren beschleunigt werden. So eine Zustimmungsfiktion gibt es nach geltendem Recht auch bereits bei den außerordentlichen Kündigungen (§ 91 Abs. 3 SGB IX). Die Integrationsämter (so die Stellungnahme der BIH) akzeptieren diese Regelung zwar noch für die Fälle des § 89 SGB IX, also vereinfacht gesagt bei betriebsbedingten Massenentlassungen, nicht aber für die Fälle, in denen der Einsatz der Integrationsämter am meisten gefragt ist, nämlich wenn bei der Frage der Weiterbeschäftigung des Behinderten dessen behinderungsbedingte Probleme im Vordergrund stehen. Die Integrationsämter wollen hier den Sachverhalt und die Lösungsmöglichkeiten je nach Bedarf in Ruhe prüfen können. Was sie ablehnen, ist die missbräuchliche Beantragung des Schwerbehindertenausweises kurz vor der drohenden Kündigung zu dem alleinigen Zweck, das Arbeitsverhältnis noch zu verlängern. Sie schlagen deshalb vor, den Schwerbehinderten-Kündigungsschutz nur noch solchen Personen zu gewähren, die im Zeitpunkt der Kündigung bereits als Schwerbehinderte anerkannt sind.

Wahrscheinlich ist das BMGS davon ausgegangen, dass der Gesetzentwurf nur wenige Angriffspunkte zur Kritik bietet. Jedenfalls hat es das Anhörungsverfahren mit einer extrem kurzen Frist und unter Beteiligung nur weniger Verbände durchgezogen. Der DBSV wurde dabei nicht berücksichtigt, was dann auch von der Vertreterin des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen in der anschließenden Ressortbesprechung (auf unseren Wunsch hin) kritisiert wurde.

Im GAK Rechtspolitik überlegen wir, ob wir anlässlich der Beratungen in den BT-Ausschüssen noch eine Stellungnahme einbringen, in der wir die Sicherstellung einer fachspezifischen Beratung Blinder und Sehbehinderter fordern.

Lesen und Schreiben gehören zusammen

Der BSV Südbaden hat für eines seiner Mitglieder ein Urteil des SG Konstanz zur Braille-Zeile erstritten, das in zweifacher Hinsicht von Bedeutung ist (Urteil vom 24.7.2003 - S 8 KR 2354/02):

Das Gericht geht ausdrücklich auf die vom Bundessozialgericht im Urteil vom 21.11.2002 gestellte Frage nach der Notwendigkeit der Braille-Zeile angesichts der technischen Fortentwicklung der Sprachausgabe ein mit einem für den Kläger positiven Ergebnis.

Zudem vertritt das Gericht die Auffassung, dass nicht nur die Informationsaufnahme, also das Lesen, sondern auch die schriftliche Kommunikation, also auch das Schreiben, ein elementares Grundbedürfnis sei und dass der Versicherte somit Anspruch auf ein insoweit notwendiges Hilfsmittel habe.

Kommentar: Das Gericht ist erkennbar davon überzeugt, dass das künstliche Vorlesen nicht zuzumuten ist, wenn die unmittelbare Schrifterfassung möglich ist. Es geht dabei nicht um einen Vergleich der jeweiligen Gerätetechnik, sondern um einen Vergleich der Funktionen. Schade nur, dass dies nicht noch deutlicher im Urteil zur Sprache gebracht worden ist.

Bekanntlich ist es ständige Rechtsprechung des Bundessozialgerichts, dass zwischen Hilfsmitteln zum Lesen und solchen zum Schreiben zu unterscheiden ist und dass nur die erstgenannten der medizinischen Rehabilitation und somit der Leistungspflicht der Krankenkasse zuzuordnen sind. Das SG Konstanz geht zwar auf diese Rechtsprechung nicht ausdrücklich ein. Tatsächlich aber schlägt es mit seinen Ausführungen eine Bresche in diese "herrschende Meinung", indem es die Absurdität dieser Unterscheidung vorführt. Wer schreibt, der muss das Geschriebene auch lesen können. Und das ist auch nicht anders zu beurteilen als das Lesen fremder Texte. Das Lesegerät mit Braille-Zeile ermöglicht deshalb sinnvoller Weise auch das Schreiben. Somit darf bei einem Antrag auf Versorgung mit einer Braille-Zeile auch auf diesen Vorteil hingewiesen werden. (Ich rate trotzdem dazu, diesen Aspekt nicht in den Vordergrund zu stellen.) Ob es darüber hinaus auch einen Anspruch auf ein Blindenschrift-Schreibgerät gibt, ist damit noch längst nicht gesagt. Hier scheint sich jedoch eine positive Entwicklung anzubahnen.
Karl Thomas Drerup  

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Umwelt

Erwartungen der Verbände

Auszüge aus einem Vortrag beim 7. Bayerischer Nahverkehrstag im Sommer 2003.

Unsere Aufgabe sehe ich darin, Ihnen zu sagen, wo die Barrieren sind. Ich kann es mir sicher ersparen, auf Details einzugehen, die bereits in Deutschen Normen geregelt sind, auch wenn deren Existenz gar oft nicht bekannt ist oder nicht beachtet wird.

Haltestellen müssen auffindbar sein

Das Haltestellenschild ist von weitem sichtbar. Wer stark sehbehindert ist, erkennt die Haltestelle am Fahrplan, der am Haltestellenmast montiert ist. Wer blind auf dem Gehweg daherkommt, braucht auf der Höhe des vorderen Einstiegs einen Auffangstreifen aus Rillenplatten nach DIN 32984 quer über den Gehsteig. Neben dem Bordstein ist ein Leitstreifen zwischen dem vorderen und dem hinteren Einstieg zu verlegen. Die Einstiege sind durch Aufmerksamkeitsfelder zu markieren. Die gesamte Anlage muss sich kontrastierend vom angrenzenden Bodenbelag abheben.

Bei sogenannten dynamischen Haltestellen der Straßenbahn sind die Markierungen auf dem Gehweg anzubringen.

Ausstattung der Haltestellen und Bahnsteige

Bodenindikatoren nach DIN 32984 (Leitstreifen, Begleitstreifen, Aufmerksamkeitsfelder) sind notwendig. Ebenfalls Lichtsignalanlagen (LSA) nach DIN 32981, wenn die Haltestellen nur durch Überquerung von Fahrbahnen erreicht werden können.

Der Fahrplan am Haltestellenmast oder im Wartehäuschen ist von Sehbehinderten selbst mit vergrößernden Sehhilfen oft nicht lesbar.

Fahrscheinautomaten mit optischer Benutzerführung und Steuerung über das Berühren von Menüpunkten können von Blinden nicht benutzt werden, von Sehbehinderten mit Einschränkungen.

Die elektronischen Anzeigen einfahrender Fahrzeuge (Fahrgastinformation) müssen kontrastreich ausgeführt werden. Für Blinde ist eine selbsttätige Ansage des jeweils einfahrenden Fahrzeugs notwendig. Darüber hinaus sollten auf Anforderung alle Anzeigen, die das System zulässt, über Lautsprecher erfolgen.

Sitzbänke, Papierkörbe und sonstige aus dem Boden ragende Elemente sollten sich farblich deutlich abheben.

Zugangsanlagen

Bei Haltestellen, Busbahnhöfen und Bahnhöfen mit mehreren Bahnsteigen sind auch die Zugangsanlagen, Eingangshallen, Verteilgeschosse, Bahnsteigunterführungen, Fest- und Fahrtreppen und Aufzüge nach DIN mit Bodenindikatoren und anderen Orientierungshilfen auszustatten und nach DIN zu beleuchten.

Tastbare und optisch besonders gestaltete Übersichtspläne erleichtern Blinden und Sehbehinderten die Orientierung. Blinde können sich mit Hilfe eines Tastplans die Struktur der gesamten Anlage einprägen und sich so besser zurechtfinden.

Außenseite der Fahrzeuge

Sehbehinderte haben Schwierigkeiten, die Fahrtzielanzeige zu lesen. Meist ist die Anzeige zu kontrastarm.

Den Blinden müssen Linie und Fahrtziel über Außenlautsprecher automatisch angesagt werden.

In Tschechien erhält der blinde Fahrgast bereits in vielen Städten Linie und Fahrtziel über ein Funksystem angesagt. Mit einem scheckkartengroßen Funkgerät kann er dem Fahrer auch seinen Einsteigewunsch übermitteln und im Fahrzeug die Ansagen abrufen.

Die Türen könnten gezielt angesteuert werden, wenn sie sich farblich abheben würden. Für Blinde wird ein akustisches Türfindesignal benötigt.

Um die Türöffnertaster leichter zu finden, sollten vom Taster aus nach oben und unten farblich kontrastierende und gut tastbare Profilleisten angebracht werden.

Im Fahrzeug

Die Stufen müssen durch eine besondere Farbgebung deutlich erkennbar sein. Das gilt auch für Stufen und Podeste im Wageninneren.

Senkrechte Haltestangen sind besser als Griffe an den Sitzlehnen. Haltestangen, an denen sich ein Haltewunschtaster oder ein Türöffner befindet, sollten sich farblich von den anderen unterscheiden.

Wenn Haltewunschtaster oder Türöffner nicht an Haltestangen neben den Türen angebracht sind, muss ihre Lage gut sichtbar und tastbar markiert sein.

Alle Taster brauchen einen Druckpunkt als Rückmeldung, dass die Eingabe erfolgt ist. Die Haltestellenanzeigen müssen gut lesbar gestaltet sein.

Eine automatische Ansage der Haltestellen, der Umsteigemöglichkeiten und der Linie, in der man sich befindet, muss Standard werden. Die Ansage muss auch die Ausstiegsseite beinhalten, wenn die Ausstiegsseite auf der betreffenden Linie wechselt.

Die Türschließzeiten dürfen nach Ankündigung der Schließung nicht kürzer als drei Sekunden sein; im Interesse behinderter und älterer Menschen eher länger.

Die den Schwerbehinderten vorbehaltenen Sitzplätze müssen besser gekennzeichnet werden. Die Innenausstattung der Fahrzeuge muss ebenfalls kontrastreich sein. das erleichtert die Orientierung.

Typenvielfalt der Fahrzeuge – wechselnde Bahnsteighöhen

Insbesondere DB Regio verfügt über eine Vielzahl von Fahrzeugtypen. Daraus ergeben sich in Verbindung mit den von Haltepunkt zu Haltepunkt wechselnden Bahnsteighöhen Probleme beim ein- und aussteigen. Die Abstände zwischen dem Bahnsteig und dem passenden Tritt sind sehr unterschiedlich. Das bereitet insbesondere älteren blinden und sehbehinderten Menschen, die mit Begleitung unterwegs sind, Schwierigkeiten.

Verkehrsführung

Die Verkehrsführung muss optimiert werden. An Umsteigestellen sind Umstiege möglichst ohne Straßenüberquerungen vorzusehen. Busse müssen so geführt werden, dass sie auf dem Straßenbahngleis halten können. In Karlsruhe benutzen Straßenbahnen DB-Gleise und DB-Bahnsteige. Die Wege zwischen den Verkehrssystemen sind möglichst kurz und stufenlos zu führen.

Barrierefreie Fahrplanauskunft

Wir sind für einen barrierefreien Zugang zu Fahrplänen im Internet. Die Web-Seiten müssen so aufgebaut sein, dass wir sie mit unseren Braille-Displays und unseren Screen-Readern lesen können.
Fahrpläne auf CD-ROM können von Blinden und Sehbehinderten genutzt werden, so sie den PC beherrschen.
Wichtig ist die Verbreitung von telefonisch nutzbaren Auskunftssystemen, wie sie der VGN und die DB anbieten.

Kundenorientiertes Fahrpersonal

Gerade der barrierefreie Umgang von Menschen ist im ÖPNV unverzichtbar.
Es gibt Fahrer,

Wir würden uns wünschen, dass solche Hilfen Standard werden.
Blinde und Sehbehinderte können nicht auf das Auto ausweichen. Deshalb treten wir für eine Verbesserung der Angebote des ÖPNV ein.

Schlussbemerkung

Sie können schon noch einiges für uns tun. Wir wissen aber auch, dass trotz aller Barrierefreiheit Blindheit und Sehbehinderung bleiben werden. Denn unsere Welt ist auf das Sehen angelegt.

Anders ist es im Land der Blinden. Dorthin verirrt sich nach einer Kurzgeschichte von H.G. Wells ein Einäugiger und er glaubt, er könnte dort König werden. Das ist ihm nicht gelungen. Die gesamte staatliche Ordnung war darauf ausgerichtet, nicht zu sehen. Die Blinden arbeiteten nachts in völliger Dunkelheit, weil es da nicht so heiß war. Der Einäugige hatte große Schwierigkeiten, barrierefrei mitzuleben. Das gelang ihm erst, als er seine Behinderung, hervorgerufen durch sein sehendes Auge, operativ beheben ließ.
Gustav Doubrava

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Jugend

Neue Impulse für die Jugendarbeit

Die Jugendvertreter aus den Landesvereinen waren bei ihrer diesjährigen Fachtagung hoch motiviert.

Die jungen Leute sind die Zukunft unseres DBSV. Trotz mancher Krisen in der Jugendarbeit lässt das Jugendseminar in Bad Meinberg hoffen. 15 Vertreter aus 10 Landesverbänden und zwei Mitarbeiter der DBSV-Geschäftsstelle tauschten sich über die Jugendarbeit in den Vereinen vor Ort aus und entwickelten Ideen für die Zukunft.

Während im Saarland gerade eine Jugendgruppe im Aufbau ist, treffen sich in Bayern bereits über 100 junge Leute zum winterlichen Snowboarden, zur Sommerfreizeit oder zu Berufsfindungsseminaren. In Berlin gibt es etwa 14-tägige Treffen, während man in Westfalen wenige größere Veranstaltungen macht.

Im DBSV geht die Jugendzeit bis zum 35. Lebensjahr. In den Jugendgruppen sind auch kaum Personen unter 18 vertreten. Das liegt sicher auch an der schulischen Situation. Die Zusammenarbeit mit den Blinden- und Sehbehindertenschulen vor Ort klappt sehr unterschiedlich. Über die Situation am Berufsbildungswerk Soest gab Hassan Gynüc, Azubi im Metallbereich, interessante Infos: Während über 70% der Absolventen einen Arbeitsplatz finden und besonders die Sehbehinderten Metaller eine sehr hochwertige Ausbildung erhalten, ist das persönliche Empfinden der Azubis oft wesentlich negativer. Einige finden beispielsweise nur geringer qualifiziertere Stellen, als es ihrer Ausbildung entsprechen würde.

Viele Verbände wollen künftig stärker zusammenarbeiten. In Bayern und Baden-Württemberg sollen Berufsfindungsseminare für Schulabgänger künftig gemeinsam geplant werden. Die saarländische Jugendgruppe ist im Juni nach Berlin eingeladen und auch in Nordrhein-Westfalen will man mehr gemeinsam machen.

Vom 19. bis 23. Mai 2004 wird eine Bundesjugendfreizeit mit dem Schwerpunkt Audiotechnik geplant. Die nächste Fachtagung im Oktober 2004 soll sich mit den Themen Mehrfachbehinderte Jugendliche und Motivation-Rhetorik-Verhandlungsführung beschäftigen.

Die Teilnehmer der Tagung waren hoch motiviert und sagten sogar ein Freizeitprogramm zugunsten der inhaltlichen Arbeit ab. Zu den bisherigen Jugendsprechern Michael Genth (Detmold) und Frank Arlia (Saarbrücken) wurde Martina Ried aus München hinzugewählt. Die neuen DBSV-Mitarbeiter Hans Karl Peter (Fachausschüsse/Fundraising) und Reiner Delgado (Sozialreferent) begleiteten die Tagung.
Reiner Delgado

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Das Schaufenster 4/2003

Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Die Winterzeit lädt ein zu behaglichen Festlichkeiten in gemütlicher Runde. Dabei erfreut sich das Fondue wachsender Beliebtheit. Dieses "Schaufenster" weist auf Fondues hin, die für unseren Personenkreis einige Vorteile bieten.

Wenn auch die Urlaubssaison für dieses Jahr vorbei ist, wird sich der eine oder die andere bestimmt über die Vorstellung von Geräten freuen, die uns auf unseren Reisen begleiten können. Deshalb bilden Weltempfänger einen Schwerpunkt dieser Ausgabe.

Unser "Schaufenster" kann und soll durch Vorschläge unserer Leser (und Hörer) bereichert werden. Im März nächsten Jahres wird das "Schaufenster" auch Thema auf der Hilfsmittelberatertagung der DBSV-Landesvereine sein. Anregungen sind deshalb besonders willkommen.
Lothar Rehdes, Tel.: (0 30) 7 90 13 69 36

  1. Fondue mit Markierungen
  2. Weltempfänger von Sangean
  3. Aktivbox Travel Sound von Creative Labs

1. Fondue mit Markierungen

Beim Fondue möchten die Teilnehmer leicht erkennen, welches die Gabeln sind, an die sie ihre Leckerbissen gesteckt haben. Nicht jeder kann bei gemütlichem Kerzenschein sehen, welche Farbe die Gabeln haben, um seine herauszufinden. Andere Markierungen wären nützlich.

Die Firma Josef Schulte-Ufer KG bietet verschiedene Fondue-Modelle an (sie sind z.B. ab ca. 80 Euro bei Karstadt erhältlich), deren Gabeln außer durch Farbe auch noch andere Markierungsmöglichkeiten bieten. Auf den Stielen befinden sich kleine Klötzchen aus Metall, mit denen die Gabeln in den gezackten Innenrand des Fondue-Topfes eingehängt werden. Diese Klötzchen sind durch umlaufende Kerbringe unterschiedlich gekennzeichnet. Wem diese Markierungen zu heiß oder ohnehin zu schlecht zu fühlen sind, der kann auch in das Loch, das sich am oberen Ende des Gabelstiels befindet, eine markante Kennzeichnung (z.B. mittels Bändchen) einbinden.

Erhitzt werden die Fondues durch Brenner, wie man ihn von der Feuerzangenbowle kennt. Das mag beim Anheizen etwas umständlich sein, bringt aber nicht die Gefahren mit sich wie ein zum Tisch verlegtes Stromkabel, das zur Stolperfalle mit fatalen Folgen werden kann.

2. Weltempfänger von Sangean

Lange Winterabende laden dazu ein, mit Muße über die Ätherwellen zu Bummeln. Obwohl Bereiche wie die Kurzwelle immer wieder totgesagt werden, erfreuen sich Weltempfänger seit Jahren wachsender Beliebtheit. Einfache Modelle sind schon für wenige Euro bei den Discountmärkten erhältlich. Allerdings ist ihr Bedienkonzept selten für Blinde und Sehbehinderte geeignet - sei es, dass auf analogen Skalen die Sender nur schwer wiedergefunden werden, sei es, dass eine digitale Einstellung durch den Suchlauf vorgenommen werden muss. Wer schlecht oder gar nicht sieht, hat dabei schlechte Karten.

Anspruchsvolle Weltempfänger (diese Geräte haben ihre Stärken im Lang-, Mittel- und Kurzwellenbereich, wo weltweiter Rundfunkempfang möglich ist) bieten die Möglichkeit, die Frequenzen der gewünschten Sender über eine Zahlentastatur einzugeben und auch in Speichern abzulegen und über die Speichernummern wiederzufinden. Auch fehlen Uhr- und Weckerfunktionen selten.

Weltempfänger werden von verschiedenen Herstellern angeboten (z.B. Sony, Grundig). Ein besonders gutes Preisleistungsverhältnis bieten die Geräte des chinesischen Herstellers Sangean. 2 Geräte sollen nachfolgend kurz vorgestellt werden.

Der Sangean ATS 818 (Preis ca. 229 Euro) - es gab ihn früher bereits als Siemens RK 670 - vereinigt im griffigen Henkelmannformat einen soliden Weltempfänger mit einem robusten, leicht bedienbaren Kassettenrekorder. Mitschnitte von Rundfunksendungen (auch von UKW) sind damit genauso möglich wie das bequeme Abspielen von Hörbüchern. Die 4 Monozellen erlauben einen stabilen Betrieb über Wochen hinweg; aber auch ein Netzteil steht zur Verfügung. Da sich die eingebaute Uhr von Blinden zwar nicht ablesen, über direkte Tasteneingabe aber - genau wie die Weckfunktion - einstellen lässt, ist dieses Gerät auch als Weckradio geeignet. Auch timergesteuerte Aufnahmen lassen sich auf diese Weise realisieren. Der Sangean ATS 818 ist das richtige Gerät, überall hingeschleppt zu werden, wo eine stationäre Versorgung nicht vorhanden ist.

Der Sangean ATS 909 (Preis ca. 199 Euro) ist ein Weltempfänger im Taschenbuchformat. Seine Stromversorgung erhält er - wenn nicht aus dem Stromnetz - von 4 Mignonzellen. Er verfügt über kein Kassettenteil, hat aber einen vergleichbaren Bedienkomfort wie das oben beschriebene Gerät. Dabei kann der Empfänger als hochwertiger gelten; das macht sich besonders vorteilhaft beim Empfang von Einseitenbandsendungen (SSB) im Amateurfunk bemerkbar. Die Handhabung der Speicher- und der Timerfunktionen ist etwas komplizierter als beim ATS 818, ist prinzipiell auch von Blinden ausführbar. Von Sehbehinderten wird die mangelhafte Lesbarkeit des Displays beklagt. Der Sangean ATS 909, der bei seiner mäßigen Größe einen auffallend guten Klang bietet, wird als komfortabler Reiseempfänger auch unter blinden und sehbehinderten Nutzern seine Freunde finden.

Erhältlich sind die Geräte z.B. bei
Conrad Electronic
Tel.: (01 80) 5 31 21 11
und mit kompetenter Beratung auch am Telefon bei
Charly Hardt
Tel.: (0 21 91) 8 05 98

3. Aktivbox Travel Sound von Creative Labs

Auf Reisen ergibt sich oft das Problem, dass mitgeführte Geräte wie Walkman oder CD-Player keinen Lautsprecher enthalten; aber wer nicht am Kopfhörer hängen oder wer mit jemand gemeinsam hören möchte, wünscht sich eine Lautsprecherwiedergabe. Eine Lautsprecherbox wird benötigt, aber da im Koffer meist Platzmangel herrscht, soll es schon eine möglichst kleine Box sein.

So eine Lösung steht jetzt mit "Travel Sound" von Creative Labs zur Verfügung. Das Kästchen - ca. 15 cm breit, 6 cm hoch und 5 cm tief - beinhaltet 2 kleine robuste Lautsprecher. Ihre Membranen sind derart stabil, dass man sich nicht die Mühe macht, sie durch eine Abdeckung zu schützen. Ein ausklappbarer Fuß verhindert, dass die Box umkippt; sie kann auch nach hinten geneigt betrieben werden.

Trotz der geringen Abmessungen ist der Klang erstaunlich rund. Die Lautstärke des Verstärkers - sie kann beträchtlich sein - wird mit 2 Tipptasten optimiert. Mit einem Schiebeschalter zwischen den Tasten wird das Weitwinkelstereo aktiviert, das eine beeindruckende Räumlichkeit der Wiedergabe bewirkt.

Die Stromversorgung erfolgt mittels 4 Mikrozellen, die angeblich 35 Stunden vorhalten sollen; aber auch die Versorgung über Netzteil ist möglich.

Diese kleine, aber leistungsfähige Box ist zum Preis von ca. 99 Euro erhältlich bei:
Marland Versand:
Tel.: (0 75 25) 9 20 50
Viersinn gGmbH:
Tel.: (07 51) 5 61 50 - 0

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