Ausgewählte Beiträge 12 / 2004
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
wie jetzt, kann man sich das auch noch aussuchen? Wir sind doch Realisten und werden täglich daran erinnert, wie die Welt aussieht, in der wir leben. Heißt das aber, dass wir in der Gesellschaft leben müssen, wie sie nun mal ist? Oder sind Visionen erlaubt?
Sie sind es, wie mir die Aktion Mensch am 28.10. bei ihrer 40-Jahrfeier ermutigend vor Augen und Ohren hielt. Rund 800 geladene Gäste erlebten in Berlin einen Rückblick nach vorn, der Kreativität und Querdenken als Erfolgsrezept der vom "Sorgenkind" zum "Mensch" emanzipierten Aktion präsentierte.
Erfreulich, dass man sich bewusst auf die Wegbereiter der Behindertenhilfe in Deutschland berief und sich in den Statements nicht auf Erreichtem ausruhte, sondern im Gegenteil viele neue Fragen stellte zu einer engagierten, solidarischen, informierten, nachdenklichen und zukunftsorientierten Gesellschaft, wie wir sie gern hätten.
So darf ich mich in Ihrem Namen, liebe Leserinnen und Leser, einreihen in die Schar der Gratulanten zum 40. der Aktion Mensch, nicht vergessend, dass eine Vielzahl von Projekten im Blinden- und Sehbehindertenwesen ohne die finanzielle Unterstützung durch die Behindertenhilfe nicht zustande gekommen wäre.
Dr. Thomas Nicolai
Wir wünschen all unseren Leserinnen und Lesern sowie all jenen, die an der Erstellung der "Gegenwart" beteiligt sind, besinnliche Weihnachtsfeiertage und einen guten Start in das Jahr 2005.
zur Zukunft des Blindengeldes und anderer Nachteilsausgleiche für behinderte Menschen
Am 11. Oktober hat der Arbeitsausschuss des Deutschen Behindertenrates dazu aufgerufen, das neue "Bündnis für Blindengeld und andere Nachteilsausgleiche" zu unterstützen. "Wir danken herzlich allen Verbänden, die die ,Gemeinsame Erklärung' des Bündnisses bereits unterzeichnet haben und laden weitere Verbände und Persönlichkeiten dazu ein", wendet sich DBSV-Präsident Jürgen Lubnau nun an die Öffentlichkeit. Das "Bündnis für Blindengeld und andere Nachteilsausgleiche" hat uns in die Lage versetzt, verstärkt bundesweit "Druck" auf die Landesregierung in Niedersachsen zu entfalten. Das Bündnis ist aber auch ein Signal an die Bundesparteien und an die anderen Landesregierungen, dass sich die behinderten Menschen in unserem Land zu solidarisieren beginnen und dass sie für den Erhalt ihrer Nachteilsausgleiche kämpfen werden. Das Bündnis wirbt um prominente Unterstützer der Erklärung, gleichgültig ob behinderte Menschen, Politiker etc. Im Internet werden wir diese stets aktuell den Erstunterstützern des Bündnisses hinzufügen.
Vor allem prominente Politiker möchte das Bündnis darüber hinaus gewinnen, sich auf der Basis der "Gemeinsamen Erklärung" öffentlich für den Erhalt des Systems der Landesblindengelder im Besonderen und zur Bedeutung der Nachteilsausgleiche für behinderte Menschen insgesamt zu äußern.
Mit einer gemeinsamen Unterschriftenaktion ruft das Bündnis alle Bürgerinnen und Bürger unseres Landes auf, sich für den Erhalt des Systems der Landesblindengelder auszusprechen. Sie erhalten die Unterschriftenlisten bei allen Geschäfts- und Beratungsstellen der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe, bei den nachfolgend aufgeführten Unterstützerverbänden und unter www.blindengeld-muss-bleiben.de . Die Rücksendeadresse und weitere Informationen finden Sie auf der Unterschriftenliste.
Die "Gemeinsame Erklärung zur Zukunft des Blindengeldes und anderer Nachteilsausgleiche für behinderte Menschen" hat folgenden Wortlaut:
Initiatoren:
Erstunterstützer:
Aus Anlass um sich greifender und immer intensiver werdender sparpolitischer Bestrebungen, Nachteilsausgleiche für behinderte Menschen zu demontieren, namentlich aus Anlass der in Niedersachsen angestrebten Abschaffung des Landesblindengeldes erklären wir:
An dem in § 10 des ersten Sozialgesetzbuches festgeschriebenen Grundsatz, dass behinderte Menschen ein Recht auf Ausgleich ihrer behinderungsbedingten Nachteile haben, darf nicht gerüttelt werden.
§ 10 SGB I lautet:
"Menschen, die körperlich, geistig oder seelisch behindert sind oder denen eine solche Behinderung droht, haben unabhängig von der Ursache der Behinderung zur Förderung ihrer Selbstbestimmung und gleichberechtigten Teilhabe ein Recht auf Hilfe, die notwendig ist, um (...) 5. Benachteiligungen auf Grund der Behinderung entgegenzuwirken."
Dieses Recht auf notwendigen Nachteilsausgleich darf nicht umgedeutet werden in ein Recht (nur noch) auf den notwendigen Unterhalt. Der Kreis der anspruchsberechtigten behinderten Menschen darf nicht eingeengt werden auf einen kleinen, durch äußerst niedrige Einkommens- und Vermögensgrenzen bestimmten Personenkreis. Eine solche Einengung (sei es auf die Hälfte der betroffenen Personengruppe oder, wie beim Blindengeld jetzt vorgesehen, auf noch deutlich weniger) mag finanz-politisch attraktiv sein, sie ist sozialpolitisch und moralisch nicht zu rechtfertigen.
Insbesondere die in Niedersachsen geplante Abschaffung des Landesblindengeldes und die Art und Weise, wie sie von politischer Seite durchgesetzt wird, gibt uns, den Verbänden und Vertretern der behinderten Menschen in Deutschland, Anlass zu großer Sorge:
Eine seit dem 1.3.1963 allen blinden Menschen in Niedersachsen gewährte und bewährte Leistung wird abgeschafft. Die Betroffenen werden auf eine Sozialhilfeleistung (Blindenhilfe nach § 72 SGB XII) verwiesen, bei der die Vermögensgrenze nicht nur wertmäßig, sondern auch nominell unter der von 1970 liegt und bei der künftig sogar Kinder für die Blindheit ihrer Eltern mit aufkommen sollen. Der Protest der Betroffenen lässt die, die ihn hören sollen, ungerührt. Anstatt vor der Entscheidung mit ihnen zu sprechen und eventuelle Alternativen und Kompromisse auszuloten, werden die Regierungen der anderen Bundesländer aufgefordert, denselben Kahlschlag vorzunehmen. Wenn dieses Vorgehen Schule macht, ist damit das Ende für die Chance auf Teilhabe der behinderten Menschen an unserer Gesellschaft eingeläutet!
Wir fordern - im Interesse der blinden Menschen in Niedersachsen und im Interesse aller von uns vertretenen behinderten Bürgerinnen und Bürger in Deutschland - und wir fordern dies von der Bundesregierung und von allen Landesregierungen:
Keine Sparpolitik mit der Brechstange, sondern eine Politik,
Das heißt heute: Den Erhalt des Systems der Landesblindengelder.
Und es heißt morgen: Bei bewährten Leistungen keine gesetzlichen Auslauffristen, sondern umgekehrt Befristung der Sparmaßnahmen.
Kein Dogma, dass steuerfinanzierte Sozialleistungen nur solchen Personen zugute kommen dürfen, die die engen Einkommens- und Vermögensgrenzen der Sozialhilfe unterschreiten.
Kein Gegeneinander-Ausspielen unterschiedlicher Betroffenengruppen oder unterschiedlicher Einkommensgruppen.
Gemeinsame Konzepte von Politik und Behindertenverbänden für die Anpassung des Sozialstaats an die wirtschaftlichen Verhältnisse und an die Bedürfnisse der behinderten Menschen.
Wir hoffen auf ein starkes Bündnis - für die nächsten Wochen, aber auch für die nächsten Jahre!
Download Unterschriftenliste und unterschreiben Online unter:
www.blindengeld-muss-bleiben.de.
Der Geschäftsführer des BVN übergab Bundespräsident Horst Köhler bei dessen Besuch in Niedersachsen am 01.11. ein Schreiben - gewissermaßen als "Hilferuf" für den Erhalt des Blindengeldes.
Die Neue Presse Hannover schreibt dazu am Tag darauf, dass Köhler mit Ministerpräsident Wulff gesprochen habe und auf eine vernünftige und tragfähige Lösung hoffe.
(Kassetten- und DAISY-Version mit Originalton des Gespräches)
Der Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen e.V. (BVN) veranstaltete am 27.10. am Kröpke in Hannover eine spektakuläre Aktion mit mehr als 50 blinden Menschen. Unter musikalischer Begleitung durch ein Jazz-Ensemble zerbrachen die Teilnehmer ihre weißen Stöcke auf denen ihr Name stand, und schilderten dabei kurz ihr persönliches Schicksal.
Vier schwarzgekleidete Tuchhalter mit Zylinder hielten ein großes Tuch auf, in das die zerbrochenen Stöcke geworfen wurden. Das Tuch mit der "zerbrochenen Würde" wurde anschließend in einem Trauermarsch zum Sozialministerium getragen und dort übergeben.
Dienstags, immer fünf vor 12 fanden in Hannover sowie in mehreren Städten Niedersachsens Mahnwachen statt, die jeweils unter einem speziellen Motto durchgeführt wurden.
30 blinde Menschen informierten am 27.10. kurz vor der Bürgerschaftssitzung mit Flugblättern Abgeordnete und Passanten über die Folgen der vom Senat geplanten drastischen Blindengeldkürzung. Außerdem hatten sich drei blinde Rollstuhlfahrer eingefunden, die wegen Pflegebedürftigkeit besonders von einer Blindengeldkürzung betroffen wären.
Mit dem geänderten Landesblindengeld werden insbesondere diejenigen um ein Mehrfaches belastet, die nicht nur blind, sondern auch noch pflegebedürftig sind! Ihnen wird das Blindengeld nicht um 23 Prozent, sondern um 30 Prozent bzw. sogar um 33 Prozent gekürzt!
Der Senat prahlt nun damit, dass minderjährige blinde Menschen nunmehr den vollen Blindengeldsatz erhalten werden. Richtig ist aber, das dafür alle anderen Blinden zusätzlich und freiwillig auf 8 € monatlich verzichten. Dies hatte die Mehrheit der Mitglieder der Blindenselbsthilfe so beschlossen, und dies wurde der Behörde so angeboten. Nun stellt sich heraus: Minderjährige Blinde mit Pflegestufe I bekommen monatlich nur 32 € mehr und wer Stufe II oder III hat, bekommt sogar 9 € weniger als bisher. Nur wenige der minderjährigen Blinden würden ab Januar 2005 448 € erhalten. Dieses blinde Streichen von Blindengeld ist ein Skandal!
(Aus einer Presseerklärung des BSV Hamburg.)
Um 30 Prozent soll im Saarland das Blindengeld gekürzt werden. Über diese Absicht wurde der Vorsitzende des BSV Saar, Herbert Reck, am 09.11. in einem Gespräch mit dem Sozialminister informiert. Nach den Vorstellungen der Landesregierung soll dies in zwei Stufen erfolgen: Kürzung um 20 Prozent ab 01.07.2005; Kürzung um weitere 10 Prozent im Jahr 2006. Nach diesem Plan würde sich das Blindengeld im Saarland von derzeit 585 auf 409 Euro verringern.
Herbert Reck betrachtet dies als unangemessene Härte. Die blinden Menschen im Saarland seien bereit, einen Sparbeitrag zur Konsolidierung des Haushalts zu erbringen, aber der dürfe nicht über den Sparbeiträgen anderer Gruppen liegen. Diese Position solle auch in weiteren Verhandlungen vertreten werden.
(Nach einer Meldung von dbsv-direkt vom 09.11.2004)
Im Freistaat Thüringen gibt es Sparpläne, die eine Blindengeldkürzung von rund 20 Prozent vorsehen. Allerdings gibt es noch Verhandlungen zwischen dem BSV Thüringen, der sich gegen weitere Kürzungen ausgesprochen hat, und der Landesregierung, die sogar schon einmal mit der völligen Streichung gedroht hatte, nun aber eher zum bundesdeutschen Durchschnittswert tendiert. Der Verband sucht das Gespräch mit Abgeordneten, um gezielt darüber zu informieren, wozu das Blindengeld notwendig ist. Der BSVT bemüht sich gemeinsam mit dem Außerparlamentarischen Bündnis für die Gleichstellung behinderter Menschen um weitere Partner .
(Aus einem Telefonat mit dem BSVT-Vorsitzenden Peter Och)
Kurz nach Inkrafttreten der Gesundheitsreform erhielt ich einen unangenehmen Anruf.
Warum, schimpfte eine reichlich aufgebrachte Frau, habe der DBSV die neuen Grausamkeiten nicht verhindert? Wofür zahle sie denn den Mitgliedsbeitrag an ihren Blindenverein? Meine Antwort, dass wir uns nicht hatten durchsetzen können, obwohl auch die Verbände der Augenärzte und der Augenoptiker dasselbe wie wir gefordert hatten, erntete nur Verachtung. Ich meine: Gewiss, die Frage nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis ist erlaubt, ja sinnvoll, und auch wir Mitarbeiter des DBSV müssen uns immer wieder der Frage stellen, ob wir die an uns gerichteten Erwartungen erfüllen. Aber Unmögliches kann man nicht verlangen. Wir leben nun mal in einer Zeit, da wir sozialpolitisch mit dem Rücken zur Wand stehen. Um das Blindengeld zu erhalten, müssen wir einen beispiellosen Verteidigungskampf führen. Das kostet Kraft und Nerven.
Aber was dabei auch nicht vergessen werden darf: Die "normale" Arbeit geht unverdrossen weiter. Und immerhin: Wir haben in den letzten Monaten durchaus Beachtliches erreicht. Wir sind erfolgreich dafür eingetreten, dass die Befreiung von den Sozialgerichtsgebühren erhalten blieb (hier war der DBSV der einzige Behindertenverband, der dies mit Nachdruck gefordert hatte). Wir haben erreicht, dass die Befreiung von den Rundfunk- und Fernsehgebühren nicht aufgehoben wurde (hier bildeten DBSV und DVBS die Speerspitze der protestierenden Verbände). Und der DBSV-Geschäftsführer Andreas Bethke hat es schließlich geschafft, mit einer höchst eindrucksvollen Rede bei der Anhörung zu den geplanten Einschnitten bei der Freifahrt die Stimmung bei den Ministeriumsvertretern umzudrehen. (In der Presseerklärung des Ministeriums ist nachzulesen, dass der Meinungsumschwung durch die Anhörung ausgelöst wurde.) Zugegeben: Diese Erfolge sind möglicherweise nur von kurzem Bestand. Sie geben uns aber Kraft, mit hohem und in Zukunft mit noch höherem Einsatz weiter zu machen. Was wir aber auch brauchen, ist der Rückhalt bei den blinden und sehbehinderten Mitgliedern an der Basis, ist ein Zusammenstehen in schwierigen Zeiten und konstruktive Kritik.
Thomas Drerup
"Woche des Sehens" hat sich als eine der bedeutendsten Informationskampagnen im Gesundheitsbereich etabliert
Mit einer zentralen Abschlussveranstaltung in Mainz endete am traditionellen Aktionstag der blinden Menschen, dem Tag des weißen Stockes, die Woche des Sehens 2004. Sieben Tage hatten die 9 Partner mit weit über 100 Veranstaltungen auf den Wert guten Sehens, die Blindheitsverhütung in der dritten Welt sowie die Belange blinder Menschen in Deutschland aufmerksam gemacht. Jürgen Lubnau, Präsident des DBSV, zog auf der Abschlusspressekonferenz eine positive Bilanz: "Die Woche des Sehens hat es geschafft, sich als eine der bedeutendsten Informationskampagnen im Gesundheitsbereich zu etablieren. Die Resonanz der Öffentlichkeit und der Medien auf die Aktionen zeigt, dass die Woche des Sehens und ihre drei verschiedenen Botschaften deutlich wahrgenommen werden."
Die Blinden- und Sehbehindertenvereine organisierten auch im dritten Jahr des Bestehens der Aktionswoche wieder einen Großteil der regionalen Veranstaltungen im gesamten Bundesgebiet. Die meisten dieser Aktionen standen deshalb unter dem Motto "Wie ist das, blind zu sein?" und thematisierten aus aktuellem Anlass zudem die Angriffe einiger Regierungen auf das Blindengeld. Die konkreten Aktionen reichten von der Aufführung eines Theaterstücks mit Audiodeskription über den Klassiker "Dunkelcafé" bis zu Hilfsmittelausstellungen, die Sehenden zeigten, mit welchen Hilfen blinde Menschen den Alltag meistern.
Auch rund 1.500 Augenoptiker beteiligten sich an der Aktionswoche und boten in den 7 Tagen kostenlose Sehtests an, die wissenschaftlich ausgewertet werden. Die Ergebnisse dieser größten Sehtestaktion in der deutschen Geschichte werden im Dezember vorliegen.
Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr in der Aktionswoche Fundraising betrieben. Etwa 10.000 € kamen zusammen und stehen nun je zur Hälfte einem Projekt in Ruanda und zur anderen Hälfte für Projekte zur Förderung der Blindenschrift zur Verfügung. Der Hauptpreis des Woche des Sehens-Gewinnspiels, eine 14-tägige Reise nach Kenia, ging an Frau Angelika M. aus Dessau. Die Kosten der Aktionswoche trugen zum überwiegenden Teil Sponsoren und Förderer. So wurde die "Woche des Sehens" von der Aktion Mensch, den Unternehmen Heidelberg Engineering, Carl Zeiss Meditec AG, Chibret und dem Verlag der Kinderzeitschrift Junior finanziell unterstützt. Eine ausführliche Dokumentation der Woche des Sehens 2004 wird ab Anfang Dezember unter der Internetadresse www.woche-des-sehens.de zu finden sein.
Für das Jahr 2005 ist die Woche des Sehens für den Zeitraum 9. bis 15. Oktober mit den regionalen Schwerpunktländern Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein geplant.
Ramona Blümke/Thomas Krieger
Am 29.10. tagte der DBSV-Verwaltungsrat im AURA-Hotel Saulgrub;
Appell des DBSV an die Konferenz der Arbeits- und Sozialminister
Einstimmig wandte sich der DBSV mit der folgenden Resolution an die Konferenz der Arbeits- und Sozialminister, die am 18./19.11. in Friedrichshafen zusammentrat:
Der DBSV beobachtet mit großer Sorge, dass das Blindengeld, der unverzichtbare Nachteilsausgleich für blinde Menschen, in den letzten Jahren in vielen Bundesländern zum Teil erheblich gekürzt worden ist und dass sich dadurch die Teilhabebedingungen der blinden Bürgerinnen und Bürger unseres Landes entsprechend verschlechtert haben. Die aktuelle, in Niedersachsen geplante Abschaffung des Landesblindengeldgesetzes lehnen wir entschieden ab, weil die dadurch eintretende Begrenzung der Leistung auf sozialhilfebedürftige Personen rund 90 Prozent der Betroffenen von der Leistung ausschließen würde. Der DBSV appelliert deshalb an die Mitglieder der Konferenz der Ministerinnen und Minister, Senatorinnen und Senatoren für Arbeit und Soziales der Länder: Sprechen Sie sich für den Erhalt des bundesweiten Systems der Landesblindengeldgesetze aus! Treten Sie dafür ein, dass das Landesblindengeldgesetz in Niedersachsen erhalten bleibt!
Initiieren Sie Gespräche mit dem DBSV auf gleicher Augenhöhe zur dauerhaften und bundesweiten Sicherung eines Nachteilsausgleichs für diejenigen Menschen in unserem Land, die ohne Augenlicht leben müssen!
Seit März verhandelt der DBSV intensiv mit dem Bundesministerium für Gesundheit und soziale Sicherung sowie mit den Krankenkassen über die Einführung kassenfinanzierter Rehabilitationsleistungen zur Bewältigung des Alltags. Damit möchte der DBSV endlich die Bestimmungen in Paragraph 26 des Sozialgesetzbuches IX umsetzen und vor allem erblindeten Senioren einen Rehabilitationsanspruch verschaffen.
Nachdem die Verhandlungen bislang keinen Durchbruch brachten, strebt der DBSV nun eine Aufnahme dieses Missstandes in den Bericht der Bundesregierung zur Situation behinderter Menschen an.
Der DBSV bietet für die Mitglieder seiner Landesvereine eine Reihe von Gruppenversicherungen an. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie gegenüber Einzeltarifen günstiger sind und bestimmte Gesundheits- und Alterseinschränkungen nicht aufweisen. Versicherungspartner des DBSV ist die Hamburg-Mannheimer Versicherungs-AG. Ihr neuer für den DBSV zuständiger Direktor, Jörg Bertz, stellte sich dem Verwaltungsrat vor und erörterte mit diesem, wie blinde und sehbehinderte Kunden künftig noch besser und vertrauensvoller informiert werden können und wie die Partnerschaft zwischen der HM und dem DBSV weiter verbessert werden kann. Als Gruppenversicherungen sind über den DBSV zurzeit erhältlich: Sterbegeldversicherung, Volks-Unfallversicherung, Pflegerenten-Risikoversicherung, Rechtsschutzversicherung.
Ein weiterer Gast des Verwaltungsrates war DBSV-Taubblindenbetreuer Andreas Schenk. Er warb engagiert dafür, dass alle Landesvereine Taubblindenbetreuer berufen und mehr Angebote für diesen Personenkreis aufbauen sollten. Zu den Angeboten des DBSV für taubblinde und hörsehbehinderte Menschen gehören seit vielen Jahren die in der DBSV-Geschäftsstelle erhältlichen "Tagesnachrichten" in Punktschrift.
Als Mottos für Aktionstage im Jahr 2005 beschloss der Verwaltungsrat: Sehbehindertentag (6. Juni): Ich sehe so wie du nicht siehst - Leben mit Sehbehinderung. Tag des weißen Stockes (15. Oktober): Blindsein, wie ist das - in einer Welt voller Farben, Graphiken und Automaten?
Nach einigen Jahren konnte der Verwaltungsrat für 2005 wieder einen ausgeglichenen Haushaltsansatz verabschieden. Damit dies gelingen konnte, brauchte es das Zusammenwirken gleich mehrerer Initiativen. Das Geschäftsstellenteam des DBSV erklärte sich bereit, die 40-Stunden-Woche einzuführen. Damit kann zum Teil aufgefangen werden, dass das Team noch einmal etwas kleiner werden muss, während gleichzeitig noch mehr Zeit als schon bisher für das Einwerben von Fördermitteln aufzubringen sein wird.
Die Landesvereine des DBSV in Nordrhein-Westfalen haben sich beim Westdeutschen Rundfunk für komplette Übertragungen der Fußballspiele bei der WM 2006 eingesetzt. Der Verwaltungsrat sprach sich dafür aus, mit entsprechenden Anliegen an alle Rundfunkanstalten heranzutreten.
Andreas Bethke
Die nächste Fortbildungsveranstaltung der Koordinierungsstelle der Fachgruppen für Büroberufe findet vom 19. bis 23.01.2005 im AURA-Hotel Saulgrub statt; Anmeldeschluss: 10.12.
Nähere Informationen beim DBSV
Tel.: (0 30) 28 53 87 19, Herr Hans-Karl Peter
E-Mail: h-k.peter@dbsv.org
Die 7. Fachtagung der Beauftragten der DBSV- Landesvereine und weiterer Experten für die Rehabilitation zur Bewältigung des Alltags neuerblindeter Menschen (vormals Elementarrehabilitation) findet vom 10. bis 13.03.2005 in der AURA-Pension Mündersbach/Westerwald statt.
Informationen zum Programm und Anmeldung bis 31.01.2005 beim DBSV,
Michael Boguslawski
Tel.: (0 30) 28 53 87-16
E-Mail: sozialreferat@dbsv.org
Aktuelle Informationen aus dem Blinden- und Sehbehindertenwesen liefert Ihnen der E-Mail-Newsletter dbsv-direkt.
Wenn Sie dbsv-direkt erhalten möchten, schreiben Sie einfach eine E-Mail ohne Betreff und Text an
Bis zum Jahresende will die Bundesagentur für Arbeit mehr als 100.000 Arbeitsgelegenheiten, besser bekannt als "Ein-Euro-Jobs", schaffen. Ein von Trägern von Pflegeeinrichtungen geplantes Einsatzfeld für Langzeitarbeitslose, die damit ihr Arbeitslosengeld II aufstocken sollen, ist der Einsatz in ihren Einrichtungen.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO), die über die ihr angeschlossenen 86 Mitgliedsverbände mehr als 12 Millionen ältere Menschen vertritt, sieht die Qualität der Pflege beim Einsatz dieser Billigst-Arbeitskräfte gefährdet. Die Pflege und Betreuung alter Menschen erfordert motivierte, fachlich qualifizierte und sozial kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die den oft belastenden Anforderungen gewachsen sind.
(Aus einer Presseerklärung der BAGSO)
Gesucht werden Teilnehmer für wissenschaftliche Studien im Fachbereich Psychologie, Arbeitsbereich Biologische Psychologie und Neuropsychologie an der Universität Hamburg. Erforscht werden soll, ob bzw. wie es blinden Menschen gelingt, mit ihrem Hör- und Tastsinn den Ausfall des Sehsystems zu kompensieren und wie sich das Gehirn an diese neuen Anforderungen anpassen kann. Die Untersuchungen sind mit keinem Risiko und auch keiner gesundheitlichen Belastung verknüpft.
Nähere Informationen über diese Wahrnehmungsstudien bei
Frau Dr. Kirsten Hötting
Tel.: (0 40) 4 28 38-26 21
E-Mail: Kirsten.Hoetting@uni-hamburg.de
Ab 1.12. will die neu gegründete Agentur auf Kundenwunsch für Waren aus den Bereichen Haushalt, Telekommunikation, HiFi, TV, Computer, Freizeit, Hobby, Sport u.v.m. den jeweils günstigsten Preis recherchieren und so dem Interessenten beim Sparen helfen. Firmeninhaber Hans-Dieter Später und sein Mitarbeiter Martin Altmaier (beide den "Gegenwart"-Lesern bekannt als ehem. Geschäftsführer und stellv. Geschäftsführer des DBSV) sprechen von erheblichen Einsparmöglichkeiten für den Kunden. Von der ersparten Summe bekommt PABS 30 Prozent für die Recherche. Die Agentur nennt dem Kunden den preiswertesten Anbieter und informiert in Punkt- oder Schwarzschrift, per Kassette oder Diskette, per E-Mail oder telefonisch. Die Bestellung löst der Kunde selbst aus.
Nähere Informationen bei:
PABS Geschäftsstelle
Tel.: (02 28) 2 07 99 35
E-Mail: pabs@gmx.de
Barrierefrei reisen zu können, ist ein besonderes Anliegen des DVBS. Deshalb will der Verein jetzt persönliche Tipps sammeln und diese möglichst vielen Gleichgesinnten zugänglich machen. Teilen Sie mit, was Sie wo in Ihrer Heimatstadt oder auch anderswo blinden Menschen zu besuchen empfehlen. Rita Schroll vom DVBS-Vorstand wird diese und andere "Sehenswürdigkeiten" sammeln, geeignet aufbereiten und ständig fortschreiben.
Zuschriften an:
DVBS e.V.
Aktion "Sehenswürdigkeiten für Blinde"
Frauenbergstr. 8, 35039 Marburg
E-Mail: schroll@onlinehome.de oder
Tel.: (0 64 21) 20 08 96
Auch für das Jahr 2005 laden wir Sie herzlich zur "Blindensitzung" des BSV Köln ein. Sie findet am 11.1.2005 im Ostermannsaal der Satorybetriebe ab 17.30 Uhr statt. Auch bei dieser Gelegenheit können Sie sich ein Stück von Kölle mitnehmen. Dieses mal haben wir die Ühleporz auf einem Sticker abgebildet, den wir dann verkaufen. Gerne senden wir Ihnen vorab einige Exemplare zu.
Unsere Anschrift lautet:
Blinden- und Sehbehindertenverein Köln e.V.
im Sionstal 29, 50678 Kölle
Tel.: (02 21) 13 56 85
E-Mail: bsv-koeln@t-online.de
Internet: www.bsv-koeln.org
31.1. bis 6.2.2005
4. Rochsburger Kabarett- und Komikerwoche
Zum Programm gehören u.a. Besuche bei führenden sächsischen Kabaretts mit anschließenden Gesprächen mit den Künstlern.
11. bis 14.2.2005
Tanzen leicht gemacht
mit der Tanzschule Köhler aus Chemnitz erleben Sie Tanzen als geselliges Spiel.
18. bis 20.2.2005
Tipps und Tricks für den Alltag
Blinde und sehbehinderte Menschen tauschen Erfahrungen darüber aus, wie sie sich den Alltag erleichtern können, und stellen ihre persönlichen Hilfsmittel vor.
21. bis 25.2.2005
Literatur zum Lauschen
21.3. bis 2.4.2005
Ostern in Rochsburg
mit Osterspaziergängen, Ostereiersuchen und Osterbräuchen aus verschiedenen deutschen Gegenden.
Nähere Informationen und Anmeldungen bei
AURA-Pension "Villa Rochsburg"
Tel.: (03 73 83) 8 34 01
E-Mail: villa-rochsburg@gmx.de
7. bis 12.3.2005, Handwerker, Kaufleute und Priester. Wie gut oder schlecht manchmal das Zusammenleben im Inneren und nach außen funktioniert hat, wie es organisiert war, wer die Macht hatte und wie um sie gerungen wurde, wollen wir beim Spaziergang durch Lübeck erfahren.
Nähere Information und Buchung unter
Tel.: (0 45 03) 60 02-0
Vom 5. bis 8.5.2005 findet eine Plattdeutsche Freizeit statt.
Informationen zum Programm bei
Mona Heynemann
Koblenzer Str. 76, 32584 Löhne
Tel.: (0 57 31) 84 21 63
Anmeldungen beim AURA-Hotel
Tel.: (0 45 03) 60 02-0.
Anmeldeschluss ist der 10.1.2005.
20. bis 24.2.2005 Fortbildungsseminar für blinde und sehbehinderte Schwerbehindertenvertrauensleute, Bildungszentrum der Arbeitskammer des Saarlandes, Kirkel (Saar); Anmeldeschluss 10.1.2005.
Nähere Informationen und Anmeldung bei
Bildung Ohne Barrieren (BOB)
Tel.: (0 76 21) 79 92 30 E-Mail: info@bob-institut.org
Anfragen und Wünsche für ein blindengerechtes individuell konzipiertes Computertraining, zur Beratung hinsichtlich blindengerechter PC-Ausstattungen und barrierefreien Internetseiten sowie zur Realisation der Umsetzung von barrierefreien Webseiten und behinderungskonformen Informationsträgern, nimmt seit einiger Zeit der Bereich "Barrierefreie Informationstechnik - Beratung/Training/Realisation - im Gustav Heinemann Haus in Bonn auch telefonisch entgegen.
Stiftung Haus der Behinderten Bonn
Gustav Heinemann Haus
Waldenburger Ring 44, 53119 Bonn
Tel.: (02 28) 66 83-109
Fax: (02 28) 66 83-111
E-Mail: m.plarre@ghh-bonn.de
Internet: www.ghh-bonn.de
Die Mitglieder des Berliner Blinden-Tanzklubs (BBTK) im "Berliner Blindensportverein" (BBSV) feiern am 16.4.2005 das 30-jährige Jubiläum.
Gibt es innerhalb oder außerhalb Berlins noch mehr Tanzbegeisterte, die mit uns feiern wollen? Auswärtige Gäste müssten sich bis zum 10. Januar 2005 anmelden, da wir vom 15. bis zum 17.4.2005 Unterkünfte besorgen und ein Programm gestalten wollen.
Im BBTK sind alle Altersgruppen vertreten, und wir tanzen Standard und Latein nach dem Welttanzprogramm und haben einen sehr kompetenten und netten Trainer. Wir tanzen einmal in der Woche in drei Kursen, entsprechend dem unterschiedlichen Leistungsstand unserer Mitglieder.
Anmeldungen und Nachfragen bei
Sabine Elsäßer
Tel.: (0 30) 7 88 18 10
Als eines der ersten industriellen Unternehmen hat Siemens Schweiz eine Web-Site für blinde und sehbehinderte Nutzer gestaltet.
Handys, Festnetztelefone und Haushaltgeräte werden präsentiert; www.siemens.ch/wai
Ab Januar 2005 gibt es das Diabetes-Journal ausschließlich als DAISY-Fassung. Auf der CD kann dann mehr Text als auf der Kassette angeboten werden. Die CD-ROM verbleibt beim Bezieher, und der Jahresbezugspreis bleibt trotz gestiegener Erstellungskosten gleich.
Zu beziehen bei der
Westdeutschen Blindenhörbücherei, Münster
Tel.: (02 51) 71 99 01
Für Freunde des Plattdeutschen gibt das Institut für niederdeutsche Sprache quartalsweise einen Kalender heraus, der Veranstaltungen "op Platt" auflistet.
Dieser Kalender ist jetzt auch in Punktschrift erhältlich beim
Blindenschriftverlag Pauline von Mallinckrodt
Andreasstr. 20, 33089 Paderborn
Tel.: (0 52 51) 6 88 88 00
Beim BIT-Zentrum in München gibt es das Monats-Magazin "Kompakt", eine Auswahl aktueller Magazinbeiträge - kompakt auf einer Audio-CD. "Kompakt" bietet einen bunten Streifzug durch die Welt der Magazine: Lifestyle, Gesundheit, Sport, Wissenschaft, Reise und noch vieles mehr, Informatives und Unterhaltsames.
Nähere Informationen und Bestellung unter
Tel.: (0 89) 5 59 88-144
"Schutz der Selbstbestimmung am Ende des Lebens - Patientenautonomie, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung" lautet der Titel eines achtseitigen Merkblattes, des DVBS. Der Autor, Dr. Hans-Eugen Schulze, beschäftigt sich seit 1997 eingehend mit diesem Thema.
Nähere Informationen bei
Dr. Hans-Eugen Schulze
Tel.: (07 21) 86 26 26 und
Michael Herbst
Tel.: (0 64 21) 9 48 88-0
E-Mail: herbst@dvbs-online.de
Internet: www.dvbs-online.de
Ein Sortiment unterschiedlicher Kalender bietet die Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig wiederum für das Jahr 2005 an:
Nähere Informationen:
Tel.: (03 41) 71 13-119
Am 28.10. startete der Hessische Rundfunk 30 Sendungen von je 25 Minuten Länge zum Thema "Liebe: Zwischen Sehnsucht und Simulation". Durch den Blick auf die gesellschaftlichen Dimensionen der Liebe, ihre kulturgeschichtliche Genese sowie biochemische Betrachtungen vor dem Hintergrund aktueller Ergebnisse der Gehirnforschung werden die Grenzen eines Gefühls ausgelotet, das für von der Liebe Getroffenen oft schier unfassbar erscheint.
Der DVBS bietet einen Mitschnittservice der Sendungen im Abonnement an (15 Hörkassetten).
Nähere Informationen und Bestellung
DVBS
Tel.: (0 64 21) 9 48 88 22
E-Mail: adw@dvbs-online.de
Dreimal im Jahr erscheint die "Kontaktlinse" - die Schulzeitung aus Neuwied. Herausgeber ist die Landesschule für Blinde und Sehbehinderte Neuwied.
Die Zeitschrift im A4-Format informiert über die vielfältige Arbeit an der Einrichtung und will so Mitarbeiter, Schüler, Eltern und weitere Interessierte ansprechen.
Erfahrungsberichte - von Schülern selbst verfasst - machen die "Kontaktlinse" authentisch. Die Zeitschrift ist kostenlos erhältlich.
Nähere Informationen unter
Tel.: (06 31) 9 70-0
Seit Mitte Oktober bietet www.blinden-portal.de einen TV-Sprachservice per Telefon an. Dort erhalten Anrufer Programm-Informationen von 32 deutschsprachigen Fernsehsendern. Neben dem Sendeplan kann man auf Wunsch eine Detail-Ansage abfragen, um z.B. bei Spielfilmen Schauspieler, Regie und Handlung zu erfahren. Die Programm-Abfrage wird über die Telefontastatur vorgenommen.
Der TV-Sprachservice wird für 25 Cent pro Minute angeboten und ist unter
Tel.: (09 00) 100 10 23 zu erreichen.
Nähere Informationen bei
Frau Planer-Regis
Tel.: (0 45 44) 80 89 90
E-Mail: info@blinden-portal.de
"Agentur für Arbeit, guten Tag" meldet sich eine gut gelaunte freundliche Stimme am Telefon. Sie gehört Metin Ter, der bei der Agentur für Arbeit in Ulm alle eingehenden Gespräche vermittelt.
Seit zweieinhalb Jahren arbeitet der gebürtige Türke als Telefonist in der schwäbischen Behörde. "Nicht selten denken die Anrufer, sie hätten sich verwählt", berichtet der 32-Jährige über seine telefonische Aufklärungsarbeit der letzten Monate. Geduldig erläutert er dann den Gesprächspartnern, dass das ehemalige "Arbeitsamt" jetzt "Agentur für Arbeit" heißt.
Dass Metin Ter seit 1981 durch eine schwere Krankheit halbseitig gelähmt und erblindet ist, merkt keiner der Anrufer. Der Schicksalsschlag war für ihn kein Grund, an seiner optimistischen Lebenseinstellung etwas zu ändern. 1994 erwirbt er seinen Abschluss als Betriebstelefonist, nach fünf Jahren erfolgloser Arbeitssuche beginnt er dann - auf Initiative des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes (BBSB) - 1999 eine Integrationsmaßnahme für Sehbehinderte und Blinde (IBS) am BFW Würzburg. Mit diesem Kurs, so ist er sich sicher, hat er den entscheidenden Schritt aus der Arbeitslosigkeit getan. Bereits während seines achtmonatigen IBS-Praktikums in der Telefonzentrale der Universität Würzburg bewies er Stehvermögen und Durchsetzungswillen.
"Am zweiten Tag kam ich bei heftigem Regen nach rund einer Stunde Busfahrt und Fußweg an meinem Arbeitsplatz an - völlig durchnässt, aber pünktlich!", erinnert er sich an die Tage, als er täglich sechzehn Kilometer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zwischen dem BFW in Veitshöchheim und der Uni in Würzburg pendeln musste.
Das hat sich in Ulm geändert. Gerade einmal zehn Minuten braucht er heute mit dem Bus von seiner Wohnung bis zu seinem Arbeitsplatz im vierten Stock der Ulmer Agentur für Arbeit. Dabei wollte er anfangs - Berufschancen hin oder her - sein gewohntes Umfeld in Aschaffenburg ungern aufgeben. "Die Argumente des BFW Würzburg und des BBSB haben mich letztendlich überzeugt", denkt Ter heute dankbar an die Entscheidung für einen Neuanfang in Ulm zurück. Elsbeth Hamberger vom Arbeitsmarktservice (AMS) des BFW Würzburg hatte die freie Stelle beim damaligen Arbeitsamt Ulm ausfindig gemacht. Unterstützt wurde sie von Andreas Lehmann vom berufsbegleitenden Dienst des BBSB. Beide ermutigten Metin Ter, den schwierigen Schritt ins Schwabenland zu tun und sicherten ihm ihre Unterstützung zu.
Andreas Lehmann begleitet ihn dann auch zum Bewerbungsgespräch nach Ulm, wo er auf Anhieb überzeugt. Anschließend leistet er Überzeugungsarbeit bei Metin Ters Familie, die den Sohn nur ungern ins ferne Ulm ziehen lässt. Weiter unterstützt er den "Neu-Neu-Ulmer" unter anderem bei der Wohnungssuche, in der Organisation der Fahrt von und zur neuen Arbeitsstelle und bei der Bewilligung des notwendigen Mobilitätstrainings.
"Die Integration des seit Jahren arbeitslosen Ratsuchenden Metin Ter ist ein gelungenes Beispiel dafür, dass durch das zielgerichtete Zusammenwirken von Kostenträgern, Bildungsträgern und Integrationsfachdiensten auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eine nachhaltige berufliche Eingliederung möglich ist" freut sich Andreas Lehmann rückblickend über Ters Werdegang.
Zuletzt organisierte der BBSB auch das Visum für Ters Ehefrau, die aus der Türkei nach Neu-Ulm übersiedelte. Dort hat Metin Ter bereits den dritten Umzug hinter sich gebracht. "Unser Zuhause ist jetzt in Ulm und um Ulm" wundert sich der im Alter von acht Jahren nach Deutschland gekommene "Neuschwabe" selbst am meisten über seine plötzliche Flexibilität.
Die abschließende Frage nach unhöflichen Anrufern in seiner Telefonzentrale beantwortet Metin Ter mit einem professionellen "Das fällt unter die Schweigepflicht ..." und schmunzelt. Angesichts der schwierigen Arbeitsmarktlage und der Diskussionen um das Arbeitslosengeld II darf man getrost davon ausgehen, dass sich einige Anrufer weniger nett geben. Das Telefon klingelt, Metin Ter bleibt freundlich: "Agentur für Arbeit, guten Tag ..."
Marcus Meier
Während meine sehenden Freundinnen Spaß bei der alltäglichen Kleiderauswahl haben, ist dies für mich immer das Gegenteil gewesen.
Es kam regelmäßig Frust auf, wenn ich vor dem Kleiderschrank stand und schon wieder nicht wusste, welche Farbe hat denn nun diese Bluse und passt sie überhaupt vom Stil zu dieser oder jener Hose. Schließlich habe ich nach einiger Zeit die Farben meiner im Kleiderschrank befindlichen Kleidungsstücke vergessen. Bei der Kleiderauswahl und beim Kauf war ich auf den mehr oder weniger guten Geschmack sehender Helfer angewiesen.
War ich nicht ganz passend gekleidet, bekam ich dies vielleicht von vertrauten Mitmenschen gesagt. Obwohl diese Hinweise sehr wichtig und hilfreich sind, empfand ich es oft als Kritik.
Bei all meinen Gedanken und Gefühlen zu diesem Thema kam mir das Angebot meiner Kollegin Ina Oertel, mit mir eine Outfitberatung durchzuführen, ganz recht. Sie ist ausgebildete Imageberaterin.
Und dann stand sie, aus Chemnitz kommend, mit ihren Utensilien vor meiner Tür. Wie so vieles, begann auch diese Beratung mit dem Ausfüllen eines Fragebogens: Einkaufsgewohnheiten, Farbvorstellungen, Kleiderauswahl und -zusammenstellung ... - wichtige Informationen für eine individuelle Beratung.
Als nächstes wurde mein Farbtyp bestimmt. Die einzelnen Farbtypen werden nach den vier Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter benannt, da ja jede Jahreszeit ihre typischen Farben hat. Es ist sehr wichtig, wie die Farbe auf das Gesicht wirkt. So war es für mich sehr interessant, mir beschreiben zu lassen, was sich durch die einzelnen Farben in meinem Gesicht verändert. Neu war für mich als Geburtsblinde, dass die Lippen anders farbig sind als die Gesichtsfarbe. Nach diesem ersten kleinen Test war klar, dass mir die Farben des Sommers gut stehen würden. Ich erhielt einen Farbpass mit den für mich geeigneten Farben. Der Farbpass besteht aus den einzelnen Farbkärtchen, die in Punktschrift beschriftet sind.
Der Farbberatung schloss sich dann die Stilberatung an. Es gibt sechs verschiedene Stilformen, in die sich jede Frau einordnen kann. Frau Oertel hatte diese reliefartig dargestellt. So konnte ich mir überlegen, ob ich eher der sportliche, natürliche oder dramatische Typ bin. Da ich ja sonst sehr sportlich bin, hätte es mich gefreut, wenn auf mich der sportliche Stil gepasst hätte. Dafür bin ich aber mit 1,60 m zu klein geraten und zähle zum natürlichen Stil. Nach einigen Hinweisen, was ich beim Kleidungskauf beachten sollte, ging es dann zu meinem Kleiderschrank. Hier ließ ich mir nicht nur die Farben und den Stil der einzelnen Kleidungstücke erklären, sondern auch, wie man diese zweckmäßig kombinieren könnte. Ich schrieb mir die wichtigsten Informationen dazu auf, damit ich später meine Kleidung selbständig auswählen kann. Ich war mit der mehr als 4-stündigen Beratung sehr zufrieden und durch die Vielzahl an Informationen sichtlich geschafft. Zu einem späteren Zeitpunkt könnte diese Beratung beispielsweise noch durch Themenschwerpunkte wie: Schmuck, Schuhe, Gürtel usw. erweitert werden.
Alle Informationen werden nach der Beratung zum nachlesen auf einer CD-ROM zusammengestellt.
Bei wem nun Interesse an einer Beratung geweckt wurde, der kann sich beim:
SFZ Berufsbildungswerk für Blinde und Sehbehinderte gGmbH
Ina Oertel
Tel.: (03 71) 3 34 42 12
E-Mail: Ina.Oertel@bbw-chemnitz.de melden.
Regina Vollbrecht
Die Bezirksgruppe Oberpfalz des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes (BBSB) ist mit ihrem neuen Beratungs- und Begegnungszentrum (BBZ) direkt im Hauptbahnhof Regensburg für alle Oberpfälzer gut erreichbar.
"Endlich können wir blinden und stark sehbehinderten Menschen sowie deren Angehörigen ein zeitgemäßes Angebot machen", freute sich Gerhard Schollwöck, der Bezirksgruppenleiter, als er am 23.9. zahlreiche Gäste zur Eröffnung begrüßte.
Das BBZ Regensburg beinhaltet mit seinen 250 Quadratmetern neben Büroräumen auch einen Hilfsmittelraum. Hier können Hilfsmittel für Haushalt und Freizeit unter Anleitung des Reha-Trainers Anton Berg ausprobiert werden. Als Low-Vision-Trainer ist er auch Ansprechpartner für vergrößernde Sehhilfen. Ein modern ausgestatteter Veranstaltungsraum lädt zu Begegnungsnachmittagen, Hörfilmvorführungen und anderen geselligen Veranstaltungen ein.
In ihrer Ansprache anlässlich der Eröffnung brachte Petra Betz, stellvertretende Bürgermeisterin, zum Ausdruck, wie wichtig ihr das verkehrsgünstig gelegene Zentrum für blinde und stark sehbehinderte Menschen sei. Judith Faltl, die Landesvorsitzende des BBSB, hob in ihrer Ansprache die gute Zusammenarbeit mit den Vertretern von Ämtern und Behörden hervor. Es gehe schließlich um Verständnis für die Bedürfnisse blinder und stark sehbehinderter Menschen und nicht zuletzt auch um finanzielle Unterstützung. Zur Realisierung des neuen Beratungs- und Begegnungszentrums haben auch Sponsoren beigetragen. Zu nennen sind der Lions Club Regensburg-Land, die Georg und Hanne Zimmermann Stiftung, die Spardabank und die Sparkasse Regensburg.
Nähere Informationen beim
BBSB, Bezirksgruppe Oberpfalz
Bahnhofstr. 18, 83047 Regensburg
Tel.: (09 41) 5 95 65-0
Fax: (09 41) 5 95 65-29
E-Mail: regensburg@bbsb.org
Internet: www.bbsb.org
Elke Runte
Vom 14. bis 28.8. fand im AURA-Hotel Saulgrub wieder die zweiwöchige "Jugendfreizeit ab 16 Jahren" statt, die alljährlich von Mitgliedern des Arbeitskreises "Jugend und Ausbildung" des BBSB organisiert wird. Nach der ausgedehnten Eröffnungsparty am Begrüßungsabend begann der erste Tag ruhig mit einem Vormittag zur freien Verfügung. Zum vielseitigen Programm der Freizeit gehörten u.a. ein Musikquiz, der praxisnahe Besuch einer Amateurfunkstation, Erlernen des Lormens, Besichtigung des Walchenseekraftwerks (leider viele Infos nur über Bilder), eine Fahrt zum Staffelsee, Besuch einer Klosterbrauerei, Sommerrodeln, Besichtigung des Ballon-Museums in Augsburg, Schießen, Hörfilm und viel Geselligkeit.
In München besichtigten wir das Bavaria Filmstudio, konnten dabei beispielsweise die Kulissen des "Traumschiff Surprise" anschauen und sogar selbst einen Film drehen. Sehr interessant war es auch in einer Feuerwehrstation. Unter anderem wurde uns die Kleidung der Feuerwehrmänner gezeigt, und wir konnten einmal in ein Feuerwehrauto steigen.
Die Abreise fiel uns allen schwer, denn wir fanden die Freizeit sehr gut. Nun freuen wir uns auf nächstes Jahr. Dann können wir hoffentlich wieder zu einer tollen Ferienfreizeit nach Saulgrub fahren.
(Aus einem Bericht von Christian Lehner und Annika Flaake.)
Die "Marburger Informationskassette für Blinde und Sehbehinderte" ist eine der vielen Lokalzeitungen auf Tonträgern. Die Sprecher arbeiten ehrenamtlich.
Anlässlich seines 50-jährigen Bestehens hatte der Rotary Club Marburg einen Ideenwettbewerb ausgeschrieben. In der Kategorie "herausragendes kulturelles oder soziales Engagement eines Vereins oder einer Gruppe" wurde das MIKs-Team mit einem Preisgeld von 1200 Euro ausgezeichnet.
Michael Preusse, Präsident des Rotary Clubs, würdigte im Rahmen eines Meetings der Clubmitglieder die ehrenamtliche Tätigkeit der 4-köpfigen Redaktion, die durch ihre Arbeit auch blinden und sehbehinderten Menschen das lokale Geschehen in Marburg näher bringe. Redaktionsmitglied Jörn Ernst bedankte sich für die schöne Anerkennung.
Neben der positiven und auch kritischen Resonanz aus der Hörerschaft freue sich das Team ganz besonders über die Bestätigung seines Tuns durch eine Einrichtung wie den Rotary Club, die zum Blindenwesen sonst keine direkte Verbindung habe.
Insgesamt lagen 100 Bewerbungen in zwei Kategorien vor, die MIKs-Redaktion war einer von 15 ausgezeichneten Kandidaten. Die Geldmittel sollen für eine künftige Digitalisierung der MIKs verwendet werden.
Diesen Preis versteht das MIKs-Team auch als Anerkennung für alle diejenigen, die diese Arbeit überall im Lande in ihrer Freizeit auf sich nehmen. Wer eine solche Kassette noch nicht bezieht und daran interessiert ist, kann sich an seinen örtlichen Blinden- und Sehbehindertenverein wenden.
Dort erfährt man, ob es eine solche akustische "Zeitung" gibt.
Auskunft erteilt auch die "Aktion Tonband-Zeitung für Blinde" in Holzminden, die in der Regel für Kopie und Versand der Kassetten zuständig ist
Tel.: (0 55 31) 71 53
E-Mail: atz@atz-blinde.de
Homepage: www.atz-blinde.de
Jörn und Ursula Ernst
www.miks93.de
Vom 1. bis 3.10. fand das 10. Tanz-Festival mit Blinden und Sehbehinderten statt.
Die Abteilung Tanz des Behindertensport-Verbandes Nordrhein-Westfalen und die Fachgruppe Sport des BSV Westfalen hatten, wie auch in den letzten Jahren, zu dieser Veranstaltung nach Langewiese eingeladen, und mit 29 Teilnehmern war das Haus fast ausgebucht.
Was unter Anleitung des Tanzlehrerehepaars Andrea und Udo Dumbeck mit einem langsamen Walzer begann, endete mit dem Tanz-Trimmabzeichen in Bronze für alle. Getanzt wurde an diesem Wochenende in zwei Gruppen, "Grundkurs" und "Fortgeschrittene". Disco-Fox, Marsch, Foxtrott, Tango, Cha Cha und Rumba sowie der Tanz des Jahres "Space Taxi" sorgten für abwechslungsreiche Schrittfolgen. Für das oben erwähnte Abzeichen musste jeder 15 Minuten lang ohne Pause tanzen, und zwar sechs verschiedene Tänze.
Alle hatten an diesem Wochenende wieder viel Spaß am Tanzen, und viele freuen sich schon auf das nächste Tanz-Festival dieser Art, das vom 26. bis 28.8.2005 im Haus Langewiese stattfinden soll.
(Aus einem Bericht von Helmut Jürgen.)
Eine gute Idee des BSV Gelsenkirchen war es im letzten Jahr offensichtlich, PC-Einsteigerkurse vor Ort für Blinde anzubieten.
Einige hat das Computerfieber so gepackt, dass sie mehr wollten. Deshalb bot der Verein im Oktober diesen Jahres wieder PC-Kurse an. Als Trainer wurde Michael Plarre von der Stiftung Haus der Behinderten Bonn, Gustav-Heinemann-Haus, engagiert. Er kannte Ulla, Dennis, Dieter und Heino vom letzten Jahr. In einem Internet-Kurs vermittelte er ihnen u.a., wie eine Web-Seite aussieht, woraus eine Internetadresse besteht, wie man sich auf einer Internetseite zurechtfindet und wie man mit Suchmaschinen umgeht.
Da er selbst blind ist und versierter Internetsurfer, legte Plarre einen Schwerpunkt darauf, wie die Software JAWS das Surfen unterstützt. Die Software nebst der Braille-Zeilen hatte die Firma Handy-Tech wieder kostenlos bereitgestellt. Die Sparkasse Gelsenkirchen zeigte erneut ihren Charakter als blindenfreundliche Einrichtung. Sie stellte für den Kurs ihr Internetcafé zur Verfügung, das in dieser Zeit für die sonstigen Besucher geschlossen blieb.
Das Internet ist bekanntlich ein erprobtes Mittel gegen Informationsdefizite. Beim Surfen kann man allerdings auch unangenehme Überraschungen erleben. Die Teilnehmer sollten auf der Internetseite von German Wings Flugrouten eingeben und mussten dabei feststellen, dass diese Gesellschaft blinde Menschen ohne sehende Begleitung nicht befördert. Pech gehabt! Da bleibt als Ausflug in die weite Welt nur das WWW im Wohnzimmer.
Margret Gajewski
Politische Akademie Biggesee ist blindenfreundliche Einrichtung
Bereits im Sommer hat der Blinden- und Sehbehindertenverein Westfalen e.V. (BSVW) der Politischen Akademie Biggesee in Attendorn das Prädikat "Blindenfreundliche Einrichtung" verliehen. Die Blinden- und Sehbehindertenvereine in NRW verleihen dieses Prädikat seit einigen Jahren unregelmäßig, aber sparsam an öffentliche oder private Einrichtungen, denen es ein besonderes Anliegen ist, die Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen an ihren Angeboten und Dienstleistungen zu gewährleisten.
Den BSVW verbindet mit der Politischen Akademie Biggesee eine mehr als 25-jährige kontinuierliche Zusammenarbeit auf dem Gebiet der politischen Bildung. Die Akademie hat jährlich ein, später zwei Wochenendseminare für unseren Personenkreis durchgeführt, außerdem meist alle zwei Jahre eine mehrtägige Bildungsreise innerhalb Deutschlands oder im europäischen Ausland ...
Seit die Seminare in den Räumlichkeiten der Akademie stattfinden, wird dort den Belangen blinder und sehbehinderter Teilnehmer zunehmend Rechnung getragen: Aufzug mit Sprachausgabe, lesbare Zimmernummern, weitere Orientierungshilfen, Beseitigung von Gefahrenstellen, angemessener Service im Speisesaal, vor allem zielgruppengerechte Seminargestaltung und Präsentation der Lehrinhalte. Das erfordert ein Hineinfühlen in die Situation blinder und sehbehinderter Menschen und einen eigenen - meist völlig anderen - Medieneinsatz.
"Auch wenn die Fachgruppe oder die BSVW-Geschäftsstelle bei der Medienerstellung mitwirken, muss an erster Stelle die Einsicht und Handlungsbereitschaft auf der anderen Seite vorhanden sein", so Klaus Hahn. "Bei der Politischen Akademie Biggesee ist das der Fall. Hierfür sprechen wir unseren Dank und unsere Anerkennung aus."
Die Arbeitsgemeinschaft der Dortmunder Blinden- und Sehbehindertenorganisationen hatte in diesem Jahr erstmals zum Sehbehindertentag eingeladen. Der BSV Dortmund und der BSV Westfalen, Pro Retina Dortmund, die Selbsthilfe Glaukom Dortmund, das katholische Blindenwerk und der evangelische Blinden- und Sehbehindertendienst, der Bund zur Förderung Sehbehinderter NRW, die westfälische Schule für Blinde und Sehbehinderte Dortmund und das Projekt ISAR der Universität Dortmund hatten gemeinsam zu dieser Veranstaltung geladen.
Schirmherrin war Bürgermeisterin Marianne Wendzinski. "Oft ist nicht die Behinderung das eigentliche Handicap, sondern die mangelhaften Rahmenbedingungen", erklärte sie, nachdem sie mit einer Simulationsbrille auf die Bühne geführt worden war, und kündigte eine enge Zusammenarbeit der Stadtverwaltung mit den Behindertenverbänden an, um eine barrierefreie Gestaltung der Umwelt sowie barrierefreie Kommunikation zu erreichen.
Mit Vorträgen über Altersbedingte Makuladegeneration, diabetische Rethinopathie, Glaukom, Kontraststeigerung durch Kantenfilter sowie vergrößernde Sehhilfen wurde ein interessantes Programm geboten. An vielen Ständen konnten Betroffene Lupen und Lesegeräte testen oder sich über die Selbsthilfeorganisationen oder die Möglichkeiten der integrierten Beschulung sehbehinderter Kinder informieren. Schlange stehen musste man zum Augendruck-Messen, und am Stand des BSVW gingen die Simulationsbrillen weg wie warme Semmeln. Rundum eine gelungene Veranstaltung, die im nächsten Jahr wieder durchgeführt werden soll.
16 Erwachsene, neun Kinder, im Alter von 3 bis 13 Jahren, und 6 Blindenführhunde nahmen an der Eltern/Kind-Freizeit des BSV Nordrhein vom 28.8. bis 4.9. in Boltenhagen teil. Auch diejenigen, die schon im Vorjahr dabei gewesen waren, lernten bei einem ersten Schnupper-Spaziergang noch neue Ecken kennen. Hafenfahrt und Marzipanland in Lübeck. Der Marzipanbäcker hielt einen Vortrag zur Herstellung dieser Leckerei, und dann konnte jeder selbst eine süße Figur formen. Als am nächsten Tag die Kinder in guter Obhut betreut wurden, war Zeit, das weitere Programm zu besprechen: Ausflug an die Steilküste mit Jagd auf Hühnergötter, Papierschöpfen, Kerzengießen, Grillabend, mit "Karolinchen" durch das Ostseebad rollen, auf einem Segelschiff mitfahren ... Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei Herrn Sager und seinem ganzen Team, das zum Gelingen der Freizeit maßgeblich beigetragen hat. Auch dem Ehepaar, das die Kinder betreute, sei hier an dieser Stelle ein Dankeschön ausgesprochen.
Es war trotz des schlechten Wetters wieder eine gelungene Freizeit, obwohl wir gegenüber den "Ostseeperlen" auch kritische Anmerkungen vorbringen können.
(Aus einem Bericht von Manuela Landsberg)
Mit 150 farbigen Luftballons haben wir die Woche des Sehens im Saarland eröffnet.
Christa Rupp hatte die Träume in Worte gefasst:
... Manchmal träume ich,
dass ich das Lächeln eines Kindes wahrnehmen und erwidern könnte -
dass ich euch mit den Augen erkennen könnte -
mit euch weit hinaus aufs Meer zu blicken -
mit euch einen Regenbogen zu teilen ...
Manchmal träume ich,
eine von euch zu sein,
und dann erwache ich und fühle,
dass es Hände gibt, die ich spüren kann,
dass es Blumen gibt, deren Duft mich berauscht,
dass liebevolle Worte mich erwärmen,
und dann weiß ich, dass unsere Welt bunt und warm sein kann, wenn wir unsere Welt miteinander teilen!
Und so sind sie dann geflogen, unsere Gedanken:
Das Nein, wenn einem gesagt wird, man werde blind;
die Angst, wenn der Sehrest immer kleiner wird;
die Hoffnung, wenn neue Erfahrungen wohl tun;
die Hilfe: dennoch zu leben!
Betroffene waren zu Wort gekommen; Ein Saxophon hatte eine ansprechende Umrahmung geliefert und ein buntes Herbstfest das ganze abgerundet. Übrigens: Drei Träume sind bis in die Pfalz geflogen.
Den Abschluss der Woche des Sehens bildete dann eine Woche später die sachliche Seite. Augenärzte und Optiker hatten das Wort. Es ging um Gründe und Vermeidung schlechten Sehens. Beratung, Tipps und Hilfsmittel wurden gern aufgenommen. Zusammen mit der Christoffel-Blindenmission waren wir dann noch auf einem Infotag am Bahnhof in Saarbrücken. Allerdings hätten wir uns dort mehr Besucher gewünscht. Ich denke, wir haben viele für die Anliegen blinder und sehbehinderter Menschen sensibilisiert, zumal Presse und Rundfunk ausführlich berichteten. Für uns selbst haben wir deutlich gemacht, die Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe ist da!
Herbert Reck
Im Jahr 2005 jährt sich der Geburtstag von Dr. Samuel Hahnemann, dem Begründer der homöopathischen Medizin, zum 250. Mal. Dies nahmen die AURA-Pension "Grünes Herz" in Georgenthal und die Fachhochschule Schmalkalden zum Anlass, ein für blinde und sehbehinderte Menschen, aber auch Personen ohne Handicap, ein 5-tägiges Urlaubsprogramm zusammenzustellen.
Mit dem Besuch des Schlosses Georgenthal, in welchem Dr. Hahnemann ein Jahr lang wirkte, wurden die Teilnehmer auf das Thema eingestimmt. Ein Homöopath, eine Kräuterfrau und ein Heilpraktiker veranschaulichten das Thema aus unterschiedlicher Sicht.
Und ein Vortrag über Einsatzmöglichkeiten und Zusammensetzung homöopathischer Präparate rundete das Programm ab. Zahlreiche mitgebrachte Präparate unterstützten anschaulich die praktischen Erläuterungen von Referent Steven Jäger, mit denen er nicht nur die blinden und sehbehinderten Teilnehmer begeisterte. Auch Einwohner aus Georgenthal waren dabei und trugen beim anschließenden Gedankenaustausch zur geselligen Atmosphäre bei.
Mit vielen neuen Informationen über das interessante Gebiet der Homöopathie und das Schaffen Dr. Samuel Hahnemanns traten die Teilnehmer am 24.9. die Heimreise mit dem Vorsatz an, ihren nächsten Urlaub wieder im Thüringer Wald verbringen zu wollen.
Nähere Informationen bei:
AURA-Pension "Grünes Herz"
Tel.: (03 62 53) 30 50
E-Mail: gruenes-herz@bsv-thueringen.de
1. DAISY-Spieler PTN1
2. Innovatives Bildschirmlesegerät LiveReader
3. Digitaler Fernsehempfang und Hörfilme
Nachdem Plextor mit seinem Rekorder Plextalk PTR1 für Aufsehen gesorgt hat (wir haben ihn an dieser Stelle bereits vorgestellt), gibt es jetzt auch ein neues Abspielgerät dieses Herstellers. Dabei ist Plextor der Produktphilosophie seines Erstlings treu geblieben, solide, gut handhabbare und vorzüglich klingende Tischgeräte anzubieten. Die Gestaltung ist pultartig, einem großen Telefon ähnlich, wie auch schon von den Victor-Readern der kanadischen Firma VisuAide bekannt. Funktionsbedingt ist die Tastaturgestaltung dem Victor Classic ähnlich: drei Tasten steuern das CD-Laufwerk, vier sog. Pfeiltasten wählen auf- und abwärts die Art der Bewegung im Buch aus bzw. gehen vorwärts oder rückwärts, und drei Tastenpaare verstellen Lautstärke, Geschwindigkeit und Klang. Zusätzlich zum Navigieren in den hierarchischen Strukturen des DAISY-Buches gibt es die Möglichkeit, direkt zum Anfang oder Ende des Titels zu springen, seiten- oder minutenweise zu Blättern und dabei in Zehnerschritten zu springen. Direkt über eine Taste wird ein Schlafmodus aktiviert. Der PTN1 hat die Abmessungen 18 x 22 x 6 cm. Es ist zu erwarten, dass sich der PTN1 einen festen Platz unter den DAISY-Abspielgeräten erobern wird. Er ist zum Preis von ca. 420 Euro erhältlich bei:
HandyTech Elektronik GmbH
Tel.: 07451 - 55 46 - 0
Marland GmbH, Tel.: 07525 - 92 05 - 0
Bildschirmlesegeräte sind in mannigfacher Größe und Ausstattung verfügbar. Zur Optimierung von Kontrast und Farbdarstellung wird auch hier verstärkt auf digitale Signalverarbeitung gesetzt.
Die dänische Firma Tagarno betritt bei ihrem System LiveReader insofern Neuland, als hier die bisher streng getrennten Technologien von Bildschirmtechnik und elektronischer Texterkennung (OCR) miteinander verbunden werden. Sehbehinderte Menschen können, wie sie es bisher von Bildschirmlesegeräten gewohnt sind, die Dokumente vergrößert am Bildschirm betrachten. Dabei gibt es vielfältige Möglichkeiten der optimierten Darstellung. Dies betrifft sowohl Kontrast und Farbe, als auch die Darstellung der Schrift selbst (die Konturen von Schriftzeichen, die sich bei starker Vergrößerung in einzelne Punkte auflösen, werden wieder zu Strichen aufgefüllt). Die flexiblen Möglichkeiten der Darstellung sollen auch Nutzern mit Gesichtsfeldeinschränkungen, wie sie z.B. durch die Augenkrankheiten RP und Makula-Degeneration verursacht werden, besonders entgegenkommen.
Aber es ist jetzt gar nicht mehr nötig, die Augen beim Lesen großer Textpassagen zu strapazieren; vielmehr können Bereiche des Dokuments durch Markieren mit dem Finger auf dem Bildschirm (Touchscreen) ausgewählt werden, um sie sich dann von einer synthetischen Stimme vorlesen zu lassen. Tagarno hat auch bei der Texterkennung selbst neue Wege beschritten; das Dokument wird nicht mehr, wie bei Vorlesegeräten bisher üblich - recht zeitaufwendig - per Scanner abgetastet, sondern verzögerungsfrei mit der Kamera erfasst, die auch die Schrift auf den Bildschirm bringt. Eine Aufnahme in den Hilfsmittelkatalog der Krankenkassen ist bisher nicht erfolgt, sodass sich der Einsatz vorläufig eher auf Arbeitsplatzausstattungen beschränken dürfte. Der LiveReader ist je nach Ausstattungsgrad (Kamera, Bildschirm) für ca.9000 Euro erhältlich. Unter der Bezeichnung VISULEX OptiRead bietet ihn an:
F.H. Papenmeier GmbH & Co. KG
Tel.: (0 23 04) 9 46 - 0
E-Mail: reha@papenmeier.de
www.papenmeier.de
Nun zählen blinde und sehbehinderte Menschen sicher nicht zu denjenigen Fernsehkonsumenten, die besonders großen Wert auf modernste Ausstattung legen; eine gewisse Grundversorgung wird für gewöhnlich akzeptiert. Es kann aber interessant sein - bei allen Herausforderungen in Sachen Handhabung, die neue Geräte so mit sich bringen - sich mit den Angeboten des digitalen Fernsehens auseinanderzusetzen.
Herkömmliches Fernsehen ist analog; Bild und Ton werden entsprechend ihrem elektrischen Spannungsverlauf dem Sender aufgeprägt (aufmoduliert). Die dafür entwickelten Verfahren haben u.a. den Nachteil, dass maximal zwei Tonkanäle einem Programm mitgegeben werden können (Stereo). Spätestens dann, wenn ein Hörfilm auf dem Programm steht - und die Gelegenheiten haben dank mannigfacher Aktivitäten zugenommen -, kommt es zu einem Interessenkonflikt. Der zusätzliche Tonkanal für die Audiodeskription kann nur übertragen werden, wenn zugunsten einer Monowiedergabe auf einen Stereoton verzichtet wird. Nicht jeder Fernsehzuschauer hat dafür Verständnis, was auf manchen Kanälen zur Verhinderung der Audiodeskription geführt hat.
Einen Ausweg aus diesem Dilemma bietet das digitale Fernsehen. Die Signale werden so verschlüsselt, dass ein Mehrfaches an Bild- und Tonkanälen über einen Sender übertragen werden kann; die technische Beschränkung auf zwei Tonkanäle für ein Programm ist aufgehoben. Jetzt kann die Audiodeskription zusätzlich zum Stereoton ausgestrahlt werden, wenn die Fernsehanstalt den zusätzlichen finanziellen Aufwand nicht scheut. Die Preise für Digitalreceiver - auch Set-Top-Box genannt - haben in den letzten Jahren beträchtlich nachgegeben und liegen jetzt - je nach Ausstattungsgrad - zwischen ca. 150 und 250 Euro. Besonders vielfältig ist das Angebot für den Satellitenempfang, während sich der Markt beim Kabel und beim terrestrischen Empfang (DVB-T - noch längst nicht flächendeckend eingeführt) erst entwickelt. Ein Überblick über das Produktangebot zeigt, dass TechniSat seinem seit Jahren eingeführten guten Namen gerecht wird; die Toneinstellungen können von Blinden selbstständig vorgenommen werden, was für das Genießen von Hörfilmen unerlässlich ist. Im DVB-T fiel auch die Firma Schwaiger angenehm auf, deren Modell Digi Zap die Toneinstellung ohne Menü, ausschließlich mit einer Umschalttaste vorsieht. Während es bei Kathrein gewisse Unsicherheiten in der Einstellung gab, ist bei den Nokiamodellen eine zunehmende Verspieltheit zu erkennen, die Blinden und Sehbehinderten nicht entgegenkommt.