Gegenwart 12 / 2005 - ausgewählte Beitträge

"Die Gegenwart" erscheint monatlich (Juli / August als Doppelnummer)

Jahresbezugspreis: 35 Euro (Abonnenten unter 21 Jahren zahlen den halben Preis).

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Inhaltsverzeichnis

Aufruf:

Dank für Solidarität

Es ist nun beinahe ein Jahr her, dass uns die Schreckensbilder des Tsunami begleitet haben. Für den DBSV und für die Blindenstiftung Deutschland war das ein wichtiger Anlass, zu Hilfe und Solidarität aufzurufen. DBSV-Geschäftsführer Andreas Bethke zieht Bilanz und ruft zur Hilfe für taubblinde Menschen auf:

Zunächst möchte ich all denen danken, die sich finanziell an unserer Hilfeleistung beteiligt haben. Wir haben rund 32.000 € als Spenden erhalten, eine großartige Summe. Wir haben das Geld, das wir nach Indonesien geben können, in drei Bereiche geteilt: Ungefähr die Hälfte des Geldes haben wir dafür ausgegeben, um die neu aufgebauten Blindenschulen und Reha-Zentren mit 34 Blindenschriftmaschinen auszustatten.

Wir haben 148 Menschen helfen können, wieder Massagepraxen zu eröffnen. Darüber hinaus haben wir 26 Waisenkindern mit einem kleinen Stipendium über dieses Jahr hinweggeholfen.

Mit unserer Hilfeleistung wollten wir Nachhaltigkeit erreichen, ich denke das ist auch gelungen. Es ist noch nicht alles Geld ausgegeben. Wir werden die Existenzgründungen weiter begleiten können und sicher auch den Waisenkindern im nächsten Jahr noch etwas helfen können.

Aufruf zur tätigen Hilfe

Wir möchten Menschen, die taubblind sind, helfen, Leistungen, die sie brauchen, auch im nächsten Jahr bekommen zu können. Blind und taub zu sein, das bedeutet mehr, als zwei einzelne Behinderungen zu haben. Taubblindheit ist eine gravierende Lebenseinschränkung, deshalb ist in besonderem Maße unsere Solidarität gefordert.

In Deutschland leben ungefähr 1.500 taubblinde Menschen, viele von ihnen in einer Einsamkeit, die ohne den Zugang zu tagesaktuellen Informationen noch verstärkt wird.

Unser Angebot sind Tagesnachrichten in Blindenschrift für taubblinde Menschen. Eine selbst blinde Redakteurin wertet hierfür täglich Nachrichtenquellen aus dem Internet aus und bearbeitet sie. Es entstehen Nachrichten in "einfacher Sprache".

Ergänzt werden die Texte durch die Erläuterung neuer, besonders schwieriger Begriffe, auch mit Aussprachehinweisen. Dadurch entsteht ein sehr eigenständiges Nachrichtenblatt, das jeweils mit einem Tag Verzögerung die Bezieher erreicht.

Diesem Nachrichtendienst soll die Hilfeleistung gelten. Wir haben im Jahr 2006 rund 275.000 Seiten mit Nachrichten zu produzieren, wofür wir 45.000 € aufbringen müssen. Wieder hilft dabei die Blindenstiftung Deutschland. Da deren Mittel aber bei weitem nicht ausreichen, bittet sie zusätzlich die Leserinnen und Leser der "Gegenwart":

Bitte helfen Sie mit Ihrer Spende an die Blindenstiftung Deutschland!

Deutsche Bank Berlin
BLZ: 100 700 00
Konto: 015803001
Verwendungszweck: Taubblindennachrichten

Wir sind sicher, dass wir auch für diesen Personenkreis Mittel erhalten werden, aus Spenden unserer Mitglieder, der Leserinnen und Leser unserer Zeitschriften, so dass wir dieses Angebot der Tagesnachrichten auch im nächsten Jahr weiter voranbringen und möglichst noch ausbauen können.

(DAISY- und Kassetten-Ausgabe Originalton)

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DBSV-Nachrichten:

Kontinuität und Blick nach vorn

Knapp ein halbes Jahr trennt uns noch vom Verbandstag des DBSV, der im Mai 2006 stattfindet; eine gute Gelegenheit, mit Verbandspräsidenten Jürgen Lubnau über die Vorbereitungen zu sprechen:

Wird es ein Verbandstag der Kontinuität sein oder gibt es völlig neue Akzente?

Jürgen Lubnau: Ich glaube, es wird beides sein - Kontinuität insoweit, dass wir die Verbandsarbeit strukturieren wollen - wie bei den letzten beiden Verbandstagen. Es wird Arbeitsgruppen geben, und die Delegierten werden sich vor dem Verbandstag entschließen, in welcher Arbeitsgruppe sie mitarbeiten wollen. Auch die Leserinnen und Leser der "Gegenwart" werden aufgerufen, Anregungen, Anstöße und Ideen einzubringen, die in den Arbeitsgruppen diskutiert werden sollen.

Aufbruch oder Akzente erwarten wir natürlich von den Ergebnissen der Arbeitsgruppen. Sie bilden ja das Rückgrat der Verbandspolitik, die nach dem Verbandstag vom Präsidium und vom Verbandstag umgesetzt werden sollen. Möglicherweise werden wir auch wieder eine Strategiekommission einsetzen.

Präsidium und Verwaltungsrat haben sich ja schon viele Gedanken gemacht über die thematischen Schwerpunkte, die beim Verbandstag behandelt werden wollen. Worum wird es gehen?

Wir haben fünf Arbeitsgruppen. Eine befasst sich mit der Mitgliedergewinnung, -haltung und -aktivierung - ein sehr spannendes und wichtiges Thema. Wir müssen schauen, dass wir genug Menschen in unseren Organisationen haben, damit wir auch die Legitimation für unsere Auftritte gegenüber Politik, Verwaltung und anderen Organisationen haben.

Eine weitere Arbeitsgruppe befasst sich mit Themen, die für sehbehinderte Menschen wichtig sind. Wir hatten auf dem Verbandstag 1998 beschlossen, dass sich der DBSV und seine Mitgliedsorganisationen intensiv mit den Themen der Sehbehinderten beschäftigen und die Interessen sehbehinderter Menschen vertreten wollen.

Eine dritte Gruppe befasst sich mit Verbandsstrukturen. Es muss darüber nachgedacht werden, ob die seit Jahrzehnten bestehenden Strukturen noch richtig sind oder ob Veränderungen vorgenommen werden müssen, um die Arbeit effektiver zu machen und noch erfolgreicher agieren zu können.

Eine vierte Arbeitsgruppe befasst sich mit der Qualitätssicherung unserer Arbeit am Beispiel der Rehabilitation zur Bewältigung des Alltags, aber das betrifft ja alle Bereiche unseres Wirkens.

Die fünfte Gruppe behandelt Barrierefreiheit und Gleichstellung. Das hat sowohl rechtliche Aspekte als auch ganz praktische, um deutlich zu machen, dass unsere Barrieren ganz andere sind als beispielsweise Barrieren für Rollstuhlfahrer. Es wird auch einen öffentlichen Teil geben. Wer dort auftreten wird, wissen wir noch nicht. Heute am 07.11. sind die Koalitionsverhandlungen noch voll im Gange, und wir wollen natürlich diejenigen einladen wollen, die in der Bundesregierung für die Bereiche zuständig sind, die für uns besonders wichtig sind.

Vor vier Jahren wurden die kooperativen Mitglieder zu korporativen Mitgliedern des DBSV. Sie haben einen neuen Status erhalten. Wird es in dieser Richtung weitere Annäherungen geben?

Ich glaube, wir müssen jetzt erst einmal sehen, dass wir den Status, den wir seit 2002 haben, auch wirklich richtig mit Leben erfüllen. Ich habe den Eindruck, dass wir auf einem guten Wege sind. Wir haben seit dem letzten Verbandstag drei korporative Vertreter im Verwaltungsrat; dort waren bis dahin nur die Landesvereine vertreten. Und die korporativen Mitglieder haben auch Rede- und Stimmrecht im Verbandstag. Das ist schon eine sehr wichtige Neuerung. Wir wollen die korporativen Mitglieder auch immer stärker einbinden. Das kommt zum Beispiel auch dadurch zum Ausdruck, dass im Wahlausschuss auch Vertreter von korporativen Mitgliedern mitarbeiten. Wir wollen mal schauen, was der kommende Verbandstag an Aktivitäten, an Beteiligungen bringen wird. Ich habe ein sehr großes Interesse daran, die korporativen Mitglieder sehr intensiv in unsere Arbeit einzubinden.

Die "Gegenwart" wird sich ja mit den genannten Schwerpunktthemen in den nächsten Ausgaben noch näher beschäftigen. Was können die Leserinnen und Leser tun, wenn sie sich aktiv in die Vorbereitung des Verbandstages einschalten wollen?

Es wird einen Aufruf geben, und die Leserinnen und Leser sind dann aufgefordert, zu den fünf Themen ihre Ideen, ihre Vorstellungen einzubringen. Die eingesandten Anregungen, Vorschläge und Ideen werden von den jeweiligen Moderatoren zusammengefasst und in den Arbeitsgruppen zur Diskussion gestellt.

Beim Verbandstag selbst sind ja dann Delegierte als Vertreter der Mitgliedschaft dabei. Wie viele Delegierte werden voraussichtlich zusammenkommen?

Das kann man jetzt noch nicht sagen, weil viele Landesverbände - auch aus finanziellen Gründen - die Stimmen bündeln. Von einer Person können bis zu vier Delegiertenstimmen wahrgenommen werden.

Das Präsidium hat neun Mitglieder; so steht es auch in der Satzung. Wie viele Kandidaten kann es für diese neun Plätze geben?

Theoretisch kann es sehr viele Kandidaten geben. In der Praxis waren es in den letzten Jahren nie sehr viele Bewerberinnen und Bewerber. Es ist schon eine erhebliche Anforderung - das muss man auch zugestehen: Präsidiumssitzungen, Verwaltungsratssitzungen, wir haben eine intensive Interessensvertretung nach außen wahrzunehmen. Obwohl die Geschäftsstelle - insbesondere in den letzten beiden Jahren - zunehmend Lobbyarbeit leistet, ist der Einsatz des Präsidiums nach wie vor wichtig. Ich wünsche mir natürlich ein sehr starkes Präsidium. Nur ein starkes Präsidium kann den vor uns liegenden Aufgaben auch wirklich gewachsen sein und die Lobbyarbeit mit dem entsprechenden Nachdruck auch durchführen.

(Das Gespräch führte Dr. Thomas Nicolai, DAISY- und Kassetten-Version Originalton.)

Beraten und beschlossen

Am 21. und 22.10. tagte der DBSV-Verwaltungsrat in Bremen. Über einige Ergebnisse sprach ich mit DBSV-Geschäftsführer Andreas Bethke:

Stichwort Finanzen: Welche Beschlüsse wurden dazu gefasst?

Andreas Bethke: Ausgiebig diskutiert und beschlossen wurde der Haushalt für das nächste Jahr. Wir haben einen Fehlbetrag von 50.000 € zu decken gehabt. Wir haben Wege gefunden, werden aber für die Zukunft darüber nachdenken müssen, ob wir dieses strukturelle Defizit in den nächsten Jahren nicht über Regelungen, die wir Jahr für Jahr neu finden müssen, decken können. Wir werden über Beitragserhöhungen oder über andere Lösungen nachdenken müssen.

Wo wurden die 50.000 € während der Sitzung gefunden?

Es gibt einen Fonds, der aus Mitteln der Landesvereine gespeist wird, der verschiedenen Zwecken zugeführt werden kann - zur Unterstützung der Landesvereine oder bestimmter Projektvorhaben usw. Aus diesem Fonds ist das Geld entnommen worden.

Der Haushalt wird zum Teil auch bestritten durch Spenden, Erbschaften. Wie ist die Tendenz eigentlich auf dieser Einnahmenseite?

Das ist eigentlich unser großes Sorgenkind, dass der Bereich der Spenden, der Nachlässe, der Bußgelder sehr eingebrochen ist in den letzten Jahren, im letzten Jahrzehnt muss man fast sagen. Wenn wir mit diesen Einnahmen nicht mehr rechnen können, müssen wir unsere regelmäßigen Einnahmen erhöhen, sonst ist die Arbeit, die der DBSV in seinem Zusammenschluss leistet, für die Zukunft nicht zu sichern.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte wurden diskutiert, die in das nächste Jahr hineinreichen?

Es war ein vollgepackter Verwaltungsrat mit vielen Gästen. Wir haben zwei ganz wichtige Entscheidungen gefasst: Zum einen wollen wir das nächste Jahr unter das Motto Bildung stellen. Der Tag des weißen Stockes 2006 wird unter dem Motto stehen "Blindheit verstehen - Lernen ohne Augenlicht" und der Sehbehindertentag: "Ich sehe so, wie du nicht siehst - Lernen mit einer Sehbehinderung".

Wir werden uns damit befassen, die sonderpädagogische Förderung, die vor allem in der schulischen Integration gewährt wird, zu verbessern; mehr Stunden herauszuholen für die jeweils Betroffenen. Es soll festgeschrieben werden, dass blinde und sehbehinderte Kinder ein bestimmtes Maß an Orientierung und Mobilität an Lebenspraktischen Fähigkeiten erlernen können und müssen. Man muss darüber nachdenken, wie das Lesen und Schreiben lernen blinder und sehbehinderter Kinder feste Regeln bekommen kann, denn solche Vorgaben gibt es bisher nicht. Und wir müssen feststellen, dass die Fähigkeit des Lesens und Schreibens, gerade von Kindern, die in der Integration beschult werden, leider immer mehr nachlässt.

Wir wollen uns damit befassen, wie es erreicht werden kann, dass die Daten von Schulbüchern so angeliefert werden können, dass unsere Einrichtungen oder die Medienzentren der Schulen diese schneller und besser zu Materialien für die Schüler umarbeiten können.

Anlass dieser Aktivitäten ist für uns das Jubiläum 200 Jahre Blindenbildung in Deutschland, das wir im Jahr 2006 dann auch mit einem Festakt und einer Fachtagung begehen werden.

Wir möchten gern viele andere Organisationen mitnehmen bei diesem Jahr der Bildung. Der Deutsche Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf und die Deutsche Blindenstudienanstalt feiern ihr 90-jähriges Jubiläum. Andere Einrichtungen haben ebenfalls Anlässe, das Thema Bildung im nächsten Jahr nach vorn zu bringen. Und wir würden gern über ein ganzes Jahr hinweg diese Aktivitäten zusammenbinden und wirklich ein erfolgreiches Jahr der Bildung daraus machen.

Wir werden überlegen, wie wir die Landesvereine aktiv mit einbinden können, denn viele dieser Aktivitäten müssen ja über die Kultusministerkonferenz und über Gespräche in den Ländern mit den Kultusministerien laufen. Der Gemeinsame Fachausschuss für Erziehung und Bildung wird dabei eine koordinierende Rolle spielen und natürlich auch das Bildungsreferat in der Berliner Geschäftsstelle.

Zum anderen wurde beschlossen, eine DBSV-Karte zu kreieren, so eine Art Mitgliedskarte. Mitglieder in unseren Landesvereinen werden diese Karte erhalten können, damit verbunden sind besondere Leistungen, die unsere Mitglieder in Anspruch nehmen können. Denn vieles bieten wir ja - gerade in der Beratung - allen an, unabhängig davon, ob sie Mitglied sind oder nicht. Aber es gibt bestimmte Vorteile, die Mitglieder haben sollen, die sind heute bereits zum Teil vorhanden - zum Beispiel Versicherungen, die man günstig haben kann. Dazu kommen sollen günstige Bedingungen für bestimmte Dienstleistungen, die gerade für blinde und sehbehinderte Menschen wichtig sind, zum Beispiel Telefontarife.

Und welche Themen behandelten die Gäste?

Dr. Rüdiger Leidner, der Tourismusbeauftragte des DBSV, berichtete über die Zielvereinbarung im Bereich Hotels und Gaststätten. (Darüber hatte die "Gegenwart" ausführlich berichtet.) Unsere Aufgabe wird es nun sein, Gaststätten und Hotels dazu zu bewegen, dass sie sich das Thema Sehbehinderung und Blindheit vornehmen und Barrierefreiheit schaffen. Wir haben angeregt, dass die Landesvereine ihrerseits Tourismusbeauftragte benennen; sie werden sich im Jahr 2006 erstmals treffen, um erste Maßnahmen festzulegen.

Zum Thema berufliche Teilhabe hatten wir Herrn Dr. Zeißig und Herrn Fehser von den Berufsförderungswerken und Berufsbildungswerken zu Gast. Sie haben uns auf recht drastische Weise aufgezeigt, wie sich die Arbeitsmarktreformen der letzten Jahre auf schwerbehinderte Menschen auswirken. Eine Kette von Maßnahmen hat dazu geführt, dass Strukturen regelrecht zerschlagen worden sind, die früher blinde und sehbehinderte Menschen zu Rehabilitationseinrichtungen verwiesen haben. Bei den Reformen sind schwerbehinderte Menschen vergessen worden, es wurde nicht bedacht, dass es sich dabei immer um Einzelfälle handelt. Bei der Dezentralisierung ist das Wissen um Rehabilitationsprozesse verloren gegangen. Wir stellen auch fest, dass Zuständigkeitswechsel zwischen den verschiedenen Trägern dazu führt, dass sich ein Träger fragt, warum soll ich eine teure mehrjährige Rehabilitation in Auftrag geben, wenn der Mensch vielleicht nach einem Jahr schon in eine andere Zuständigkeit übergegangen ist. Das sind ganz katastrophale Auswirkungen, die wir hier beobachten. Aus dem Bereich der optierenden Kommunen, also aus der kommunalen Selbstverwaltung, wo Arbeitslosengeld II-Bezieher von den Kommunen selbst betreut werden, haben wir in diesem Jahr in den Berufsförderungswerken noch keinen einzigen Menschen zu verzeichnen.

Wir müssen hier politisch weiter aktiv werden. Aber wir müssen auch Beispiele sammeln, wo Menschen durch die Maschen der Arbeitsverwaltung der Kommunen gefallen sind und es ganz schwer hatten oder gar nicht mehr geschafft haben, eine berufliche Rehabilitation zu bekommen. Ein so genanntes Schwarzbuch wollen wir in den nächsten Monaten zusammenstellen, und alle Leserinnen und Leser der "Gegenwart", die hier eigene Erfahrungen einbringen können oder Menschen kennen, die uns diese Erfahrungen vermitteln können, sind herzlich gebeten, sich beim zuständigen Referenten des DBSV, Reiner Delgado, zu melden. Ich denke, dass das persönliche Schicksal dieser Menschen, die diese Reformen betreffen, sehr zur Sensibilisierung beitragen kann.

Zu Gast war auch die Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO), Frau Verhülsdonk. Die BAGSO hat 86 Mitgliedsorganisationen, die 12 Millionen Menschen vertreten. Und der DBSV ist seit Juli 2004 Mitglied. Wir haben die Belange blinder und sehbehinderter Senioren in den Bundesaltenplan mit einbringen können und tun das noch bei der Erarbeitung des nationalen Aktionsplanes für ältere Menschen. Wir haben uns mit vielen Vorträgen in die Veranstaltungen der BAGSO eingebracht, um zu vermitteln, dass viele ältere Menschen von Blindheit und Sehbehinderung betroffen sein können. Die BAGSO unterstützt uns auch im Kampf um das Blindengeld. Nachteilsausgleiche werden von ihr als wichtig für die Teilhabe älterer Menschen anerkannt. Im nächsten Jahr werden wir uns beim Deutschen Seniorentag beteiligen, der im Mai in Köln stattfinden wird. Traditionell werden wir dort gemeinsam mit dem DVBS auftreten.

Gefreut hat uns, dass die Sozialsenatorin des Landes Bremen, Frau Röpke, eine Stunde bei uns war. Mit ihr haben wir insbesondere über das Blindengeld und über die Chancen gesprochen, ein Bundesleistungsgesetz zu erreichen.

Blieb denn überhaupt noch Zeit für so genannte Routinepunkte?

Unsere Referenten haben - wie das üblich ist - schriftliche Berichte eingereicht, zu den Bereichen Umwelt und Verkehr, Internationale Arbeit, Recht usw. Auch das Thema Medienversorgung wurde noch einmal aufgegriffen. Und am Abend sind wir natürlich zu vielen Gesprächen gekommen, die eine solche Veranstaltung ja immer noch bereichern und vielleicht genau so wichtig sind wie die Dinge, die beschlossen werden und im Plenum zur Sprache kommen.

(Das Gespräch führte Dr. Thomas Nicolai, DAISY- und Kassetten-Ausgabe im Originalton.)

DBSV-Jahrbuch 2006

In der November-Ausgabe berichtete die "Gegenwart" über die Präsentation des Jahrbuches 2006 in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar. Einen Mitschnitt dieser unterhaltsamen Talk-runde können die Abonnenten der DAISY-CD in der Dezember-Ausgabe hören.

Das Jahrbuch hat inzwischen weite Verbreitung gefunden. Noch sind aber Exemplare zu haben. Fragen Sie bei Ihrem Landesverein nach. Größere Bestellungen (Schwarzschrift ab 50 Exemplare, Einzelpreis: 1,70 € bzw. 1,15 € für DBSV-Landesvereine und deren Untergliederungen; DAISY-CD-ROM ab 5 Exemplare, Einzelpreis: 2,00 €) nimmt die DBSV-Geschäftsstelle entgegen.

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Blindengeld:

Volksbegehren in der entscheidenden Phase

Unterschriften können bis Mitte Mai gesammelt werden - Kampagne "Jeder bringt 10"

Mit 104.160 gültigen Unterschriften (Stand 28. September 2005) zum Volksbegehren/Blindengeld gehen die gesetzlichen Vertreter des Volksbegehrens/Blindengeld zusammen mit den Bündnispartnern und zahlreichen Unterstützern aus der niedersächsischen Bevölkerung in die entscheidende Phase. Nach der im Oktober nun offiziell erfolgten Beantragung des Volksbegehrens/Blindengeld zur Wiedereinführung eines einkommens- und vermögensunabhängigen Landesblindengeldes stehen jetzt mindestens sechs Monate für das weitere Gelingen zur Verfügung - voraussichtlich bis Mitte Mai 2006. "Noch wissen wir nicht, welchen Zeitraum die Landesregierung für die Prüfung des Antrages benötigt. Während der "Prüfungszeit" kann weiter gesammelt werden", betonte der Geschäftsführer des BVN, Hans-Werner Lange.

Der bisherige Verlauf des Volksbegehrens/Blindengeld ist durch zahlreiche öffentliche Aktionen, besonders auch von Seiten der Bündnispartner und ehrenamtlich engagierten Bürgern und Gruppen gekennzeichnet. Das soll auch so bleiben und noch verstärkt werden. "Wir haben bisher gut 15.000 Stimmen für das Volksbegehren sammeln können", sagte der Vorsitzende des Sozialverbandes SoVD Niedersachsen, Adolf Bauer. "Der SoVD und vergleichbare Organisationen können ebenso wie der BVN noch Veranstaltungen wie Adventsfeiern und Jahresversammlungen für die Unterschriftenlisten nutzen." Dazu wird vom BVN die Kampagne "Jeder bringt 10" ins Leben gerufen. Diese Motivationskampagne hat das Ziel, dass jeder Bürger allein schon in seinem persönlichen Umfeld zehn Unterschriften ohne Mühe sammeln kann.

Nähere Informationen beim
Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen e.V.
Harald Stegmann, Leiter Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: (05 11) 51 04-223
E-Mail: Harald.Stegmann@blindenverband.org

Nachdenken in Thüringer CDU?

DBSV-Präsident Jürgen Lubnau und BSVT-Vorsitzender Peter Och waren am 02.11. zu einem neuerlichen Gespräch zum Thema Blindengeld bei der Vorsitzenden der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag, Christine Lieberknecht, geladen. "Es war Nachdenklichkeit und gewachsene Sachkenntnis zu spüren", erklärte Peter Och. "Frau Lieberknecht und ihr Sozialexperte haben uns sehr aufmerksam zugehört und offenbar selbst feststellen müssen, dass die Staatskasse eigentlich nichts spart, wenn die Kahlschlagmethode angewandt wird", so Och.

Die Thüringer CDU schaut ihrer Landesschwester in Niedersachsen offenbar abwartend auf die Hände, und man darf gespannt sein, ob schon am 2.12., wenn BSVT und DBSV von Ministerpräsident Althaus empfangen werden, ein Ruck durch die CDU gegangen ist.

Die Thüringer werden ihre Aktionen jedenfalls unbeirrt fortsetzen, und aus einigen Kreisorganisationen ist zu hören, dass die regelmäßigen Mahnwachen vor den Wahlkreisbüros von CDU-Abgeordneten bei dem einen oder anderen "Wirkung" zeigt. Demnächst werden alle CDU-Abgeordneten einen Punktschriftbrief erhalten (aus Kulanzgründen mit Übersetzung). Und in der Vorweihnachtszeit bereitet die Herz-Kampagne "Herzliches" in Schokolade vor. Die Entscheidung im Landtag soll am 22.12. fallen.

Dr. Thomas Nicolai

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In Kürze:

5. Mord in Timmendorf

Sie haben die Wahl: Die gesamten Krimitage mit dem Hörspielworkshop beginnen am Mittwoch, dem 1.2.2006, das nun schon traditionelle Krimiwochenende am 3.2.2006, jeweils um 18.00 Uhr. Die Veranstaltung endet am 5.2.2006 mit dem Mittagessen.

Nähere Information und Anmeldung im
AURA-Hotel Timmendorfer Strand
E-Mail: timmendorfer-strand@aura-hotels.de
Tel.: (0 45 03) 6 00 20

Neuer Fotokalender von behinderten Eltern

Unter dem Motto "Kinder? - Na klar!" hat der in Hannover ansässige Bundesverband behinderter und chronisch kranker Eltern (bbe e.V.) erstmals einen Fotokalender mit Bildern von behinderten Eltern und ihren Familien herausgegeben. Mit diesem Kalender möchte der bundesweit engagierte Verein darstellen, dass es in Deutschland zahlreiche Eltern mit den unterschiedlichsten Behinderungen gibt.

Auf 13 Bildern werden verschiedene Familiensituationen von Eltern mit unterschiedlichen Behinderungen dargestellt. Der Fotokalender wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziell unterstützt.

Zu beziehen ist der Kalender beim
bbe e.V.
Am Mittelfelde 80, 30519 Hannover
Mail: bbe.indokus@gmx.de
Tel.: (05 11) 69 63 256

Angebote im AURA Zentrum Bad Meinberg


Die Hotelbroschüre mit ausführlichen Informationen kann angefordert werden.

Hotel-Residenz AURA Zentrum
Oberförster-Feige-Weg 1
Tel.: (0 52 34) 90 40
E-Mail: info@aura-zentrum.de
Internet: www.aura-zentrum.de

Jugend und Sehbehinderung

24. bis 27.2.2006 - bundesweites Jugendtreffen für Teilnehmer von 18 bis 35 Jahren; Thema: "Individuelle Bewältigung des Alltags von Blinden und Sehbehinderten". Organisiert wird die Veranstaltung, die auch ein vielseitiges Freizeitprogramm einschließt, vom Leitungsteam der Jugendgruppe aus Mecklenburg-Vorpommern.

Nähere Informationen bei
Kathrin Schwemann
Tel.: (03 95) 5 66 40 56

Anmelden bei:
AURA-Hotel "Ostseeperlen" Boltenhagen
Tel.: (03 88 25) 37 00
E-Mail: ostseeperlen@t-online.de
Anmeldeschluss: 15.1.2006

Günstige Gesundheitswoche in BaLi

Das RKH bietet auch 2006 wieder eine Gesundheitswoche zum "Kennenlernpreis" an. 5 Übernachtungen mit Vollpension, Thermalbadbesuche mit Begleitperson, Massagen, Fangobehandlung und Heilwasser sind mit inbegriffen.

Ein echtes "Schnappi-Angebot" zu günstigen Preisen gibt es im RKH außerdem über Fasching 2006. Ein überlegtes Programm bestehend aus Unterhaltung und Wellnessangeboten werden für jeden Geschmack und für jedes Alter angeboten.

Nähere Informationen unter
www.rudolf-kraemer-haus.de oder
Tel.: (0 70 52) 9 20 40

9. bis 11.12. Didgeridoo- und Trommelworkshop - der Kurs ist für Anfänger gedacht, welche die Spieltechnik erlernen möchten und einiges über die Tradition und Mystik des Didgs lernen sowie für Fortgeschrittene, welche die Anschlagtechniken der Djembe bereits beherrschen und ihre Kenntnisse in der Gruppe auffrischen möchten.

Befragung zu barrierearmem Tourismus

Die speziellen Urlaubs-Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen erkundet wieder einmal eine Umfrage. Die Agentur B&W Projekt aus Wilhelmshaven will dabei auch einiges über die Wünsche nach Serviceleistungen, das Buchungsverhalten sowie die Bewertung thematisierter Urlaubsangebote erfahren. Mit den Ergebnissen sollen mehr behindertenorientierte Angebote möglich werden.

Betroffene, die an der Erhebung teilnehmen möchten, können den Fragebogen anfordern,

Tel.: (0 44 21) 8 06 46 93
E-Mail: roth@bw-projekt.de

Noch freie Plätze im AURA-Hotel Saulgrub


Der Veranstaltungskalender 2006 kann angefordert werden unter:

AURA-Hotel Saulgrub
Kur- und Begegnungszentrum Saulgrub
Tel.: (0 88 45) 99-0
E-Mail: saulgrub@bbsb.org
Internet: www.bbsb.org

Angebote in AURA-Pension Mündersbach


Neu! In Zusammenarbeit mit einer Massagepraxis werden in der Pension auch Massagen angeboten.

Nähere Informationen und das komplette Veranstaltungsprogramm sind erhältlich bei:

AURA Pension "Haus Hubertus"
Tel.: (0 26 80) 95 10 -0
E-Mail: aura-muendersbach@bsbh.org

AURA-Hotel "Ostseeperlen" Boltenhagen


Nähere Informationen und Anmeldung bei
AURA-Hotel "Ostseeperlen" Boltenhagen
Tel.: (03 88 25) 37 00
E-Mail: ostseeperlen@t-online.de

Westkreta entdecken

Diese Wanderreise mit dem Blinden- und Sehbehindertenbund in Hessen e.V. findet vom 24.5. bis 4.6.2006 statt. Geschichte, Kultur, Mythologie, Bräuche und Sitten werden immer Thema sein, und es wird über Flora und Fauna, besonders über Kräuter gesprochen.

Anmeldeschluss: 30.12.2005.

Weitere Informationen bei:
Blinden- und Sehbehindertenbund in Hessen (BSBH)
Klaus Meyer
Tel.: (0 69) 15 05 96 72
E-Mail: k.meyer@bsbh.org

Reise nach Paris

Die Arbeitsgemeinschaft Behinderter und Senioren (ABS) e.V. erweitert ihr Angebot an Reisen für Behinderte: Blinde und Sehbehinderte erhalten jetzt die Möglichkeit, Paris kennen zu lernen.

Näheres weiß
Michelle Schaub
Schulweg 1, 54531 Meerfeld
Tel.: (0 65 72) 93 29 05
Internet: www.promotours.com

BIT-Tipp

"in puncto wissen" - das neue Wissenschaftsmagazin in Punktschrift

Herausgeber: BIT-Zentrum, BBSB e.V., München. Erscheint monatlich mit aktuellen Informationen aus Forschung und Technik; enthält Artikel aus bekannten Fachzeitschriften und der Süddeutschen Zeitung. Eine kostenlose Probeausgabe kann angefordert werden.


- Ab Januar 2006 wieder erhältlich: Hörspielprogramm des Bayerischen Rundfunks (auf Kassette mit Punktschriftbeilage) und des Südwestrundfunks (in Punktschrift).

- Dr. Demmel, Herbert/Seuß, Christian: "Information zu erbrechtlichen Fragen für Eltern mehrfachbehinderter blinder und sehbehinderter Kinder." BBSB, München, 2005

- Dr. Bassenge, Peter/Brudermüller, Gerd, Dr.: "Palandt: Bürgerliches Gesetzbuch" (CD-ROM). 64. Auflage, C.H. Beck, München, 2005

- Kostenlos: Bayerisches Staatsministerium der Finanzen: "Steuertipps für Menschen mit Behinderung." München, 2005

Nähere Informationen beim
BIT-Zentrum des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes e.V.
Arnulfstraße 22, 80335 München
Tel.: (0 89) 5 59 88 - 134
E-Mail: bit-bestellservice@bbsb.org

BU: Der bayerische Finanzminister Prof.Dr. Kurt Faltlhauser nahm sich auch Zeit für ein Gespräch mit dem Landesgeschäftsführer des BBSB, Christian Seuß.

DZB aktuell

Ab dem 1.1.2006 bietet die DZB zusätzlich zur Fernsehzeitschrift "DAISY-TV" eine Hörfunkzeitschrift "DAISY-Radio" an. Zu etwa 30 Sendern erhält man umfangreiche Programminformationen, kann wie in einer Programmillustrierten blättern oder gezielt nach Inhalten suchen.

Beide Ausgaben erscheinen wöchentlich im DAISY-Format auf CD-ROM und nutzen eine synthetische Sprachausgabe. Ein gemeinsames Abonnement als Programmpaket ist zu günstigeren Konditionen möglich.

Nähere Informationen und Bestellung unter
Tel.: (03 41) 71 13-0

VzFB aktuell

Nur noch wenige Exemplare erhältlich: "Das grüne Buch der Schönheit" von Yves Rocher, Ausgabe 2005, in Punktschrift. Kostenlos zu beziehen beim VzFB.

Nähere Informationen unter
Tel.: (05 11) 9 54 65 - 32

www.milina-radio.de für alle

Jetzt können auch alle Modem- und ISDN-Nutzer, aber auch Handy-Hörer das "total ohrsinnige Programm" von www.milina-radio.de genießen. Also weitersagen und auf Modem-ISDN-WebHandy Hörer! klicken!

Technische Rückfragen richten Sie bitte an:
redaktion@milina-radio.de

Eine Bilderreise durch Westfalen

So heißt ein Reliefkalender, den der Blinden- und Sehbehindertenverein Westfalen e.V. (BSVW) für 2006 herausgibt. Vom Rathaus in Münster (Januar) bis zur Burg Altena im Sauerland (Dezember) zeigt jedes Monatsblatt eine Sehenswürdigkeit, die auf der Rückseite in Großdruck und in Blindenschrift beschrieben ist. Der bei ROSI (Erfurt) hergestellte Kalender ist zu erwerben beim

BSVW
Tel.: (02 31) 55 75 90-0
E-Mail: info@bsvw.de

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Bildung:

Soziale Bildung - ein Erziehungsziel für Pädagogik und Selbsthilfe

Der DBSV gestaltete die Tagung des internationalen Verbandes der Blinden- und Sehbehindertenpädagogen, zu der in der Oktober-Ausgabe ein Interview mit Eberhard Fuchs veröffentlicht worden ist, mit.

Präsident Jürgen Lubnau begrüßte die Teilnehmer bei der Eröffnungsveranstaltung. Referate von Helga Neumann und Reiner Delgado waren vorgesehen und in Zusammenarbeit mit dem BSV Sachsen wurde ein Infostand unterhalten. Nachstehend Gedanken aus einem Impulsreferat von Reiner Delgado bei dieser Konferenz:

Nächstes Jahr feiern wir den 200. Geburtstag der Blindenbildung in Deutschland. Die ersten Blindenpädagogen waren aber frustriert, ihre Schüler mit guter Bildung am Ende der Schulzeit ins gesellschaftliche Aus entlassen zu müssen. So entwickelten sich bald auch weitere Angebote, wie handwerkliche Ausbildungen und Arbeitsmöglichkeiten und auch eine Grundrente.

Während sehende Zöglinge nach Ende der Schulzeit in die Selbstständigkeit entlassen wurden, achteten die Blindenpädagogen auch nach der Zeugnisausgabe auf sittlich korrektes Verhalten. Wer z.B. seinen Unterhalt durch Straßenmusik oder Betteln aufbessern wollte oder gar Kontakt zum anderen Geschlecht suchte, bekam die Blindenrente und Unterstützung für die handwerkliche Arbeit entzogen. Die Pädagogen hatten damals schon erkannt, dass Blinde auch sozial gebildet werden müssen.

Wir sind natürlich froh, dass diese Zeiten vorbei sind, aber auch heute noch braucht jeder Mensch soziale Fähigkeiten, um sich in allen Lebensbereichen integrieren zu können.

Blinde bekommen keine Rückmeldung, ob ihr äußerliches Auftreten richtig ist. Eine blinde Praktikantin legte während einem Gespräch mit einem Vertreter der Stadt den Kopf auf den Tisch. Von der Anleiterin später angesprochen, sagte sie: "So kann ich mich am besten konzentrieren." Man braucht auch die Fähigkeit, mit Sehenden auch ohne Gesten und Blicke natürlich umzugehen. Man muss lernen, auf andere zuzugehen und Informationen zu erfragen, die einem fehlen. Sehbehinderte und Blinde müssen lernen, mit ihrer Behinderung umzugehen und akzeptieren, dass für sie vieles schwieriger ist. Sie müssen lernen, sich anderen gegenüber darzustellen, und anderen erklären können, was ihre Sehbehinderung ist, wie viel sie noch sehen, was sie können und was nicht. Sie müssen richtig um Hilfe bitten und richtig Hilfe ablehnen können. Und sie müssen auch eine große Motivation entwickeln, denn all diese Aufgaben sind nicht einfach und fordern viel Kraft. Eine blinde Büroangestellte sagte mir bezüglich eines Problems: "Das brauche ich nicht zu können. Das haben wir in unserer Ausbildung nicht gelernt." Ihr war nicht bewusst, dass sie selbst die Verantwortung für ihr Können trägt und nicht ihre Ausbildungsstelle.

Das Leben fordert von Sehbehinderten und Blinden fast überall überdurchschnittliche Leistungen. Ihre Begabungen sind aber naturgemäß nicht größer als die Sehender. Deswegen ist nicht nur das schulische Lernpensum für Blinde größer sondern auch das soziale.

Pädagogen können sicher stolz sein, wenn sie junge Menschen mit Sehbehinderung erfolgreich zum Schulabschluss führen. Aber wenn ihre Schüler sich nicht außerdem sicher, schnell, sympathisch und gut aussehend durch den Straßenverkehr, am Arbeitsplatz, im Sport, in der Freizeit und im Privatleben bewegen können, hat für sie ihre Schulbildung wenig Wert.

Was wollen blinde und sehbehinderte junge Leute erreichen?

An erster Stelle steht für die meisten ein Beruf. Angesichts hoher Arbeitslosenzahlen ist dieses Ziel derzeit schwer zu erreichen und leicht gibt es Enttäuschungen. Die meisten wünschen sich, in einem Freundeskreis mit Sehenden integriert zu sein. In Gesprächen zwischen Betroffenen hört man oft: "Und, wie viele Kontakte hast du so ..." Das integriert sein im persönlichen Bereich ist für die Betroffenen ein Anzeiger ihres persönlichen Wertes. Die heutige Jugendkultur orientiert sich stark am Aussehen, Sport, Mobilität und Reisen. Auch sehbehinderte und blinde junge Leute wollen da nicht außen vor bleiben.

Was sollte Blinden- und Sehbehindertenpädagogik leisten?

Die Pädagogik steht vor dem Dilemma, nicht ausreichende Mittel für die soziale Förderung ihrer Schüler zur Verfügung gestellt zu bekommen. Dagegen bringen diese oft Defizite mit und müssen am Ende viel mehr erreicht haben als ihre sehenden Altersgenossen. Auf sehr gute Bildung der Betroffenen kann trotzdem nicht verzichtet werden. In den oben genannten Bereichen - Körpersprache, Umgang mit der Behinderung, Motivation und Rehatechniken - muss es also auch außerhalb des normalen Unterrichts Lernangebote für Blinde und Sehbehinderte geben. Darüber hinaus sollte soziale Bildung Grundprinzip des Unterrichts sein.

Was sollte die Selbsthilfe leisten?

Wir müssen uns auch soziale Lernmöglichkeiten selbst organisieren. Wichtig sind Gelegenheiten, sich untereinander auszutauschen, und auch spezielle Kursangebote, z.B. zu Outfit und Körpersprache, für Bewerbungen, zu sozialem Verhalten, Partnerschaft, Sport und Reisen. Mir ist es besonders wichtig, dass Pädagogen und die Selbsthilfe sich als Partner für gelungene Rehabilitation sehen und gemeinsam daran arbeiten.

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Jugend:

Sechs Jahre Jugendarbeit in Berlin

Alles begann mit dem Gedanken: wir wollen uns um die Jugendarbeit im ABSV Berlin kümmern.

Wir? Das sind Vicky und Ralf Kliesch sowie Maria Blacha, die sich jetzt selbst vorstellen.

"Hallo, ich bin die Vicky und habe 1999 die Leitung der Jugendgruppe mit zwei weiteren Mitgliedern übernommen. Da es nicht ganz ohne sehende Kraft ging, hat Maria als förderndes Mitglied von Anfang an mitgearbeitet."

"Ich bin die Maria und, wie Vicky immer sagt, ihr sehendes Auge. Als ich 1999 von der Wiederbelebung der Jugendgruppe im ABSV erfuhr, war ich sehr neugierig und entschied mich spontan, mitzumachen."

"Ich bin der Ralf und seit 2002 offiziell in die Leitung der Jugendgruppe gewählt worden. Inoffiziell habe ich Vicky und Maria schon seit 1999 in der Leitungsarbeit unterstützt."

Leitmotive für Vicky, Ralf und Maria waren: Arbeit mit anderen Menschen, auch mit gleichartiger Behinderung, Anregungen geben und empfangen, persönlich etwas auf die Beine stellen. Nach Kandidatur und Wahl kam der Sprung ins kalte Wasser: Wie können diese Motive in die Tat umgesetzt werden?

Es gab keine aktive Jugendgruppe im Verein und kein Konzept für die Arbeit. Also war es das Beste, sich erst einmal Zeit lassen, einen Jahresplan entwerfen, Gedankenaustausch mit Jugendgruppen aus anderen Landesvereinen des DBSV pflegen, Jugendseminare zur eignen Information besuchen.

Jetzt schritten Vicky, Maria und Ralf zur Tat: Es erfolgte ein Aufruf in den Vereinsnachrichten, Betroffene bis 35 Jahre wurden angeschrieben und angerufen. Bei einem 1. Treffen der Interessenten ging es um die Frage: was wollen wir in dieser Jugendgruppe machen? Viele suchten die Gemeinschaft mit Gleichaltrigen in der gleichen Situation und Abwechslung. Die Einbeziehung der Späterblindeten und Mehrfachbehinderten war dabei von Anfang an wichtig. Der entworfene Arbeitsplan wurde dem Verein vorgestellt und genehmigt. Von Anfang an war klar, dass neben regelmäßigen Treffen im Vereinshaus auch andere Aktivitäten ins Leben gerufen werden sollten. Das geschah auch.

Es gab eine Kegelgruppe, Besichtigungen fanden statt, z.B. Flughafen Schönefeld, Museen, Bundesbauten, Filmpark Babelsberg, um den Berliner Raum zu überschreiten, Vorträge über Drogen, Erste Hilfe, Selbstverteidigung, Ausländerfrage, also durchaus auch kritische Themen. Und es gab Reisen. Haben Sie schon einmal eine 7-tägige Reise für Blinde und Sehbehinderte organisiert?

Das war eine neue Herausforderung. Also, was gehört zu den Vorbereitungen: Ziel aussuchen, Kontakte zum Zielort herstellen, behindertengerechte Unterkunft suchen, Fahrmöglichkeiten erkunden, Begleitungen organisieren, Freizeitangebote vor Ort absprechen, Finanzierung regeln. Und während der Reise, was ist zu tun bei Krankheit, Unfällen, Panikattacken, Heimweh, Beziehungs- und Alkoholproblemen? Alle sollten zufrieden sein, alles sollte klappen, es musste ruhig und überlegt gehandelt werden.

Die Reiseziele waren u.a. Bad Meinberg, Wernigerode, Timmendorfer Strand und als krönender Abschluss und neue Herausforderung zusammen mit einer Münchener Jugendgruppe des Blinden- und Sehbehindertenbundes eine 7-tägige Griechenlandreise.

Wochenendreisen von Freitag bis Sonntag fanden auch statt und mussten organisiert werden. Dabei war das Ziel, andere Blindenvereine zu treffen, sozialen Austausch ermöglichen, mit kritischen Themen umgehen, wie in Nürnberg die Besichtigung des Reichssportfeldes. Dazu kamen noch eigene Öffentlichkeitsarbeit, um die Jugendgruppe und den Verein vorzustellen, Mitarbeit in Sachen akustische Ampeln und Leitsysteme in der Stadtentwicklung.

Sechs Jahre sind eine lange Zeit. Hat sich die Arbeit gelohnt?

Vicky Kliesch: "Diese sechs Jahre Jugendarbeit im ABSV waren für uns eine große Herausforderung. Wir sind stolz darauf, dass wir sie gemeistert haben. Wir haben diese Arbeit aus Überzeugung getan.

Während meiner vierjährigen Internatszeit als Spätbetroffene habe ich den Erfahrungsaustausch mit blinden und sehbehinderten Jugendlichen kennen und schätzen gelernt. Ich wollte mich daher für diese Gruppe besonders einsetzen. Es muss möglich sein, blinde, sehbehinderte und mehrfachbehinderte junge Menschen viel mehr in die Gesellschaft einzubinden. Auch in den Vereinen sollten sie eine starke Lobby erreichen."

Fällt der Abschied von dieser Arbeit schwer?

Vicky Kliesch antwortet: "Nach einem sehr schweren Anfang in unserem Verein und der Konzeptionslosigkeit haben wir eine starke Jugendarbeit aufgebaut. Daher fällt uns der Abschied natürlich schwer. Es bleiben ein weinendes und ein lachendes Auge zurück.

Auf keinen Fall wollen wir es versäumen, uns bei allen, die zum Erfolg unserer Arbeit beigetragen haben, herzlich zu bedanken."

Und wie geht es weiter?

Im September 2005 wurde eine neue Leitung gewählt, die aus Überzeugung und mit eigenen Akzenten diese Jugendarbeit fortsetzen wird. Der neue Leiter der Jugendgruppe heißt Adrian Kosanke. Er ist 24 Jahre alt, sehbehindert, und hat im April 2004 seine Ausbildung zum Physiotherapeuten erfolgreich in Mainz abgeschlossen. Erster Stellvertreter (gleichzeitig Kassierer) ist Jochen Dreher (28).

Die neue zweite stellvertretende Leiterin heißt Claudia Fehle (25).

Ingeburg Benthin

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Rezension:

Huainigg, Franz-Joseph/Ballhaus, Verena:

Wir verstehen uns blind

Annette Betz Verlag im Verlag Carl Ueberreuter, Wien-München 2005,
A4 gebunden, ISBN 3-219-11198-X

Franz-Joseph Huainigg, selbst körperbehindert und in der österreichischen Politik wie Behindertenselbsthilfe aktiv, hat zusammen mit der mehrfach ausgezeichneten Illustratorin Verena Ballhaus das vorliegende Bilderbuch für Kinder gestaltet. Die Handlung: Katharina hat im Trubel eines Einkaufssamstags in der Stadt ihre Eltern verloren. Niemand bemerkt das weinende Mädchen - außer Matthias, der gerade mit seinem Blindenführhund vorbeikommt und Hilfe anbietet. Katharina glaubt nicht, dass ein Blinder ihr helfen kann, die Eltern wiederzufinden, geht aber doch mit und fragt Matthias unterwegs nach allem, was ihr im Hinblick auf das Blindsein auf- und einfällt. Matthias zeigt und erklärt ihr, wie ein blinder Mensch lebt und sich orientiert. Als Katharina wieder bei ihren Eltern ist, hat sie einen Freund gefunden und erzählt begeistert, was dieser alles kann.

Die Geschichte nimmt eine alltagsnahe Situation zum Anlass, nicht nur kindertypische Fragen über das Blindsein aufzugreifen: Findet ein Blindenführhund von ganz allein den Weg? Warum ist jemand blind? Bedeutet Blindheit, gar nichts mehr machen zu können? Gehen Blinde ins Kino? Können sie sich Farben vorstellen? Wie erkennen sie Geld, wie können sie wissen, wann die Ampel "Grün" anzeigt, welchen Sport treiben sie? Können sie am Computer arbeiten? Wie erkennen sie, ob es Tag oder Nacht ist? Der blinde Matthias wird dabei durchweg als kompetent und kontaktfreudig dargestellt. Die Fragen des Mädchens ergeben sich "zufällig" aus der Handlung und wirken nicht aufgesetzt. Die Geschichte entwickelt sich logisch und zeigt auch humorvolle Züge, die durch entsprechend "verrückte" Illustrationen unterstützt werden (z.B. zum Thema Skifahren: "Und wie machst du das? Fährt Cindy auf Hundeskiern vor dir her?").

Hervorzuheben ist, dass - vermittelt durch die Figur des unbefangen fragenden Kindes - auch "heikle" Fragen aufgegriffen werden, die sich viele Sehende blinden Menschen gegenüber nicht zu stellen trauen. Problematisch erscheint, dass die klischeehafte Vorstellung vieler Sehender bedient wird, blinde Menschen besäßen in der Regel einen Führhund.

Die den Fragen des Kindes folgenden Erläuterungen sind fachlich durchweg korrekt und anschaulich. Lediglich die Aussagen zum Thema "Farben" sind missverständlich geraten: "Kann man Farben riechen?" - "Manchmal schon. Eine grüne Tomate riecht anders als eine reife rote. Und vor allem schmeckt sie anders. Die Farben von Gegenständen kann man nicht riechen, aber man kann sie fühlen. Ein weißes Auto wird in der Sonne weniger warm als ein Schwarzes." Dies entspricht wohl kaum der Wahrnehmungswelt eines Geburtsblinden wie "Matthias" und erscheint zu sehr aus der Sicht Sehender formuliert.

Nicht ganz verständlich gelungen ist auch die Darstellung der Geldscheinschablone.

Die Gestaltung des Buches ist durchweg als ungewöhnlich zu bezeichnen. Im Text werden immer wieder Worte oder Halbsätze durch erheblich größere Schrift im kleineren Fließtext optisch hervorgehoben. Die Funktion dieser absichtlichen Irritation erschließt sich nicht vollends, man bekommt aber den Eindruck, dass es sich um Schlüsselwörter handelt, anhand derer die gesamte Geschichte fragmentarisch rekonstruierbar sein soll.

Die Illustrationen von Verena Ballhaus ergänzen den Text sinnvoll und anregend. Sie tragen einen teilweise surrealen Charakter und zeigen eine "chaotische" Welt, in der sich Reales und Fiktionales vermischt. Dies erscheint nicht selten originell und amüsant. Leider hat diese künstlerisch sicherlich hochwertige Gestaltung jedoch zur Folge, dass die Bilder von sehbehinderten Kindern bis auf wenige Ausnahmen nicht entschlüsselt werden können.

Das Bilderbuch macht sehenden Kindern Mut, ohne Scheu auf blinde Menschen zuzugehen und ihnen Fragen zu stellen. Es ist geeignet zur Arbeit mit normalsichtigen Kindern ab dem Vorschulalter, die z.B. auf den Kontakt mit blinden Menschen vorbereitet werden sollen. Aufgrund des robusten Einbandes ist es auch zur Anschaffung in Kindergärten geeignet. Bei blinden Kindern könnte es als Vorlesebuch eingesetzt werden, um anhand der Geschichte die Informationsbedürfnisse Sehender zu thematisieren und Mut zur selbstbewussten Darstellung eigener Stärken zu machen. In sprachlicher Hinsicht ist zu beachten, dass beim Vorlesen des Buches bei jüngeren Kindern zur Sicherung der Verständlichkeit einige typisch österreichische Vokabeln "übersetzt" werden müssen.

Vom gleichen Autorenteam erschienen: "Meine Füße sind der Rollstuhl".

Friederike Beyer  

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Das Schaufenster:

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

in dieser Ausgabe geht es recht technisch zu; trotzdem hoffe ich, dass insbesondere der erste Beitrag über den neuartigen Videorecorder Ihr Interesse finden wird - kann man doch getrost von einer Sensation sprechen. Der zweite Artikel, der mir dankenswerterweise von Marcus Pöpping überlassen wurde, spricht eher die Minderheit der Funkamateure an, von denen sich gewiss einige unter unseren Lesern befinden.

Lothar Rehdes  

1. AMMEC - erster Videofestplattenrecorder mit Sprachausgabe

2. Sprechendes Messgerät für blinde Funkamateure

AMMEC - erster Videofestplattenrecorder mit Sprachausgabe

Seit einiger Zeit beobachten wir die Ablösung der herkömmlichen Videorecorder - die letzten Geräte werden bei den Discountern verramscht. Ersetzt werden sie durch neuartige digitale Recorder, die ihre Aufzeichnung auf DVDs oder auf eine Festplatte machen, wie wir sie vom Computer her kennen. Damit einher geht die Änderung des Bedienkonzepts; das gezielte Drücken von Funktionstasten wird ersetzt durch das Abarbeiten von Menüs und Dialogen, die auf dem Bildschirm erscheinen. Diese Verfahrensweise macht es Sehbehinderten schwer bzw. Blinden unmöglich, derartige Geräte zu verwenden.

Nun ist aber Abhilfe in Sicht. Frustriert von den geschilderten Tatsachen fand sich in Marburg eine kleine Gruppe zusammen, um einen Festplattenrecorder zu entwickeln, der auch von Blinden und Sehbehinderten genutzt werden kann. Und es gelang! Das Ergebnis heißt AMMEC (Accessible Multimedia Entertainment Center), was ein (für Blinde) zugängliches multimediales Unterhaltungszentrum meint. Das Gerät vereinigt mehrere Komponenten in einem robusten flachen Gehäuse (Abmessungen 42 * 43 * 9 cm; Gewicht keine Angaben).

Die Art des Empfängers kann abhängig von der individuellen Empfangssituation für Kabel, Satellit oder Antenne gewählt werden. Für alle Funktionen des AMMEC steht eine Sprachausgabe zur Verfügung, wie sie vielen von blindengerecht ausgestatteten Computern her bekannt ist. Die Bedienung erfolgt mittels großer Fernbedienung, auf der für diejenigen Tasten, die situationsbedingt verschiedene Funktionen haben, eine Beschreibung abgerufen werden kann. Die ausgewählten Programme können über den Fernseher angeschaut bzw. über die HiFi-Anlage angehört werden. Eine Aufzeichnung von Sendungen erfolgt auf der integrierten 160-Gigabyte-Festplatte, die bis zu 90 Stunden Video fasst. Die Möglichkeit, eine Sicherung auf DVD durchzuführen, ist auch vorgesehen.

Für die Auswahl von Programmen und Sendungen steht der elektronische Programmführer (EPG) zur Verfügung, der über bestimmte Fernsehsender immer für eine Woche im Voraus aktuell gehalten wird. Dieser Programmführer ist nicht nur hilfreich für die Entscheidung, welche Sendung die augenblicklich sehenswerteste ist, sondern er kann genauso genutzt werden, um den Recorder für die Aufnahme zu Programmieren; es müssen dann keine Daten und Uhrzeiten eingetippt werden, sondern die gewünschte Sendung wird aus einem Menü ausgewählt.

Sollte es beim Anschauen einer Sendung eine Ablenkung geben (z.B. Telefonanruf), sind Unterhaltung oder Information nicht unwiederbringlich verloren; vielmehr kann eine sog. Time-Shifting-Funktion genutzt werden. Während der Abwesenheit zeichnet der Recorder auf, und nach der Unterbrechung kann die Sendung weiter angesehen werden. Dabei muss sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu Ende sein - Aufnahme und Wiedergabe erfolgen unabhängig voneinander zeitversetzt. Werbungen können dabei übersprungen und bei der Sicherung auf DVD ausgeblendet werden. Die Sprachausgabe kann ebenfalls genutzt werden, um den Videotext abzurufen und vorzulesen.

Das DVD/CD-Laufwerk beherrscht das MP3-Format. Diverse digitale und analoge Anschlüsse stehen für die Verbindung mit anderen Geräten zur Verfügung. Dabei ist die Kopplung mit einem PC offenbar nicht vorgesehen - der AMMEC soll seine Aufgaben autonom erfüllen. Der AMMEC wird zu einem Einstiegspreis von 1398 Euro angeboten; ab 2006 soll er 1498 Euro kosten. Der Vertrieb erfolgt ausschließlich über:

Gaudio-Braille
Birkenweg 14, 35041 Marburg
Telefon: (06421) 93 35 25
E-Mail: info@gaudio-braille.de
Internet: www.gaudio-braille.de

Sprechendes Messgerät für blinde Funkamateure

Von Marcus Pöpping,

DF1DV (redaktionell bearbeitet)

Neu auf dem Markt ist jetzt das sprechende Wattmeter und Stehwellenmessgerät TW-1 von LDG Electronics für die Messung der Senderausgangsleistung und der Antennenanpassung. Das Gerät ist für alle Kurzwellenbänder vorgesehen. Die Messergebnisse gibt das TW-1 entweder per Sprachausgabe (wahlweise in Deutsch, Englisch, Spanisch) oder über einen Tongenerator aus. Letzteres ist für eine feinfühlige Antennenabstimmung besonders nützlich.

Zur Lautstärkeregelung befindet sich auf der Gerätefront links ein Poti. Daneben sind von links nach rechts drei Taster zum Abrufen der Ausgangsleistung (FWD), des Rücklaufs (REV) und des SWRs; angebracht. Über den Bedienelementen ist Platz für eine Beschriftung mit Dymoband. Auf der Rückseite des schwarzen Alublechgehäuses sind PL-Buchsen für die Antenne (links) und den Sender (Mitte) angebracht. Die Ansteuerleistung kann zwischen 1 W und 2 KW betragen.

Zur 12-V-Spannungsversorgung ist im Lieferumfang ein kurzes Kabel enthalten, an dessen einem Ende bereits ein Hohlstecker (5 mm Außen- und 2,5 mm Innendurchmesser, Masse außen) angelötet ist. Die passende Hohlbuchse befindet sich rechts auf der Rückseite. Da im Gerät eine Sicherung fehlt, sollte man eine (2 A, flink) in die Leitung mit einbauen. Der Stromverbrauch beträgt 200 mA. Das TW-1 schaltet sich selbstständig ein, sobald man HF zuführt und aus, wenn mehr als 30 Sekunden keine Messung erfolgt. Vor dem Abschalten ertönt ein kurzer, tiefer intermittierender Ton.

Das TW-1 hat im Test alle Erwartungen des Autors erfüllt. Es eignet sich für den Einsatz mit Funkgeräten unterschiedlicher Ausgangsleistung. Unter der Bezeichnung TW-2 ist auch eine Geräteversion für UKW erhältlich.

Bezugsquellen:

Difona Communication GmbH
Sprendlinger Landstr. 76, 63069 Offenbach
Tel.: (0 69) 84 65 84
Fax: (0 69) 84 64 02
Internet: www.difona.de
E-Mail: info@difona.de

Wimo Antennen und Elektronik GmbH
Am Gäxwald 14, 76863 Herxheim
Tel.: (0 72 76) 9 66 80
Fax: (0 72 76) 69 78
Internet: www.wimo.com
E-Mail: info@wimo.com

Den Autor erreichen Sie unter:
Marcus Pöpping, DF1DV
Overhoffstr. 15, 44379 Dortmund
Tel.: (0231) 61 47 84
E-Mail: df1dv@darc.de

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