Die Gegenwart",
Magazin für blinde und sehbehinderte Menschen und ihre Freunde, Organ des DBSV;
60. Jahrgang.
Redakteur: Dr. Thomas Nicolai
Redaktion "Die Gegenwart"
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Herausgeber:
Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e. V. (DBSV)
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"Die Gegenwart" erscheint monatlich (Juli/August als Doppelnummer)
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im Internet ( ausgewählte Beiträge, www.dbsv.org)
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Redaktionsschluss und damit Anzeigenschluss ist jeweils der 1. des Vormonats
(für die Januar-Ausgabe jeweils der 20.11.).
Inhaber der DBSV-Karte erhalten die "Gegenwart" auch im Jahr 2007 für 35 Euro (sonst 40 Euro). Es ist nicht nötig, diesbezüglich den DBSV-Zeitschriftenverlag anzurufen.
Die DBSV-Karte bietet weitere Vergünstigungen:
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
wie kommt es eigentlich, dass die Weihnachtsfeiern in den Bezirksgruppen, Kreisorganisationen und Ortsvereinen der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe zu den am besten besuchten Veranstaltungen gehören? Sucht man in der Adventszeit mehr als sonst den Kontakt zu Gleichgesinnten, den Austausch, die Gemeinschaft? Oder sind es der Gänsebraten, kleine Geschenke vom Verein und das Wiederhören mit den wohlvertrauten Liedern des seit Jahren zur "Familie" zählenden Alleinunterhalters? Die Antwort wird unterschiedlich ausfallen, denn die Geschmäcker – sei es beim Mittagessen oder bezüglich der umrahmenden Kultur – sind glücklicherweise sehr verschieden.
Eines aber macht die Weihnachtsfeier darüber hinaus zu etwas Besonderem: Man kann ganz in Ruhe einmal überlegen, was das verstrichene Jahr für das eigene Leben und für das Leben des Vereins bedeutet. Was ist besser geworden? Was hat sich verschlechtert? Gehören dem Verein jetzt mehr Mitglieder an als im Vorjahr oder sind wir weniger geworden? Viele Fragen sollten gestellt werden, wenn man bei Kerzenschein zusammen sitzt. Vielleicht verhelfen manche Antworten zu einem guten Start in das nächste Jahr ...
Ihr Dr. Thomas Nicolai
Eine schöne Vorweihnachtszeit und besinnliche Feiertage wünschen wir allen Leserinnen und Lesern sowie all jenen, die am Zustandekommen unserer Zeitschrift mitwirken.
Die Redaktion "Die Gegenwart"
Der DBSV-Verwaltungsrat tagte am 27. und 28. Oktober in Hamburg.
Das Leitwort des DBSV-Verbandstages 2006 "Gemeinsam weitersehen" wird die Ausrichtung der Verbandsarbeit der nächsten Jahre bestimmen. Erstmals waren neben den 20 Landesvereinen (ordentliche Mitglieder) und den neun Mitgliedern des Präsidiums auch sechs korporative Mitglieder stimmberechtigt (bisher drei).
Gemeinsam will man die manchem noch visionär vorkommenden Ziele angehen: Die Professionalisierung der von angestellten und von ehrenamtlich tätigen Kräften zu erbringenden Leistungen und die Bündelung aller Bestrebungen in einer für 2020 angedachten Deutschen Blinden- und Sehbehindertenunion, als Dachverband und zahlenmäßig starke Selbsthilfe- und Patientenorganisation, die sich gezielt auch an Menschen mit Sehbehinderung wendet und ein Klima für eine ungehinderte Teilhabe und Mitwirkung am Leben der Gesellschaft anstrebt.
Die Neuausrichtung des DBSV kann bereits erfolgreich laufende Prozesse einbinden. So präsentierte der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg am Vorabend der Verwaltungsratssitzung sein konzeptionell (adressatengerechte Angebote), personell (14 Angestellte, 40 Ehrenamtler) und räumlich (1.250 Quadratmeter) auf Zukunft angelegtes Louis-Braille-Center als großstädtisches Blinden- und Sehbehinderten-Center.
Die Besucher kommen jetzt direkt in die ebenerdig liegenden Kernbereiche Sozialberatung (zwei Sozialpädagogenbüros) und Hilfsmittelausstellung (100 Quadratmeter) Bereiche und Funktionen sind aufsteigend auf vier Stockwerke verteilt: Mitgliedercenter, Vorstandszimmer und Bibliothek im 1. OG, große Veranstaltungsräume im 2. OG, Sonderräume für Entspannungstherapie, Blindenschriftunterricht, Sitzungszimmer und Verwaltung im 3. OG und barrierefreie Kommunikation (BLIZ – Blindenschriftdruck und BIK – barrierefreies Internet) im 4. OG. IRIS ist im Haus und ein verpachtetes Restaurant. Beste Voraussetzungen für weit gefächerte Angebote sind vorhanden. Das Logo des DBSV indes sucht man vergebens.
Nicht nur im LBC Hamburg wartet man auf eine Regelung für die Übernahme der Kosten eines Basistrainings in LPF. Nach fünfjährigen Verhandlungen mit der GKV haben deren Spitzenverbände (ohne den AOK-Bundesverband) eine Empfehlung vorgelegt, die längst nicht den Erwartungen und Wünschen des DBSV entspricht. Sobald Details geklärt sein werden, können die ersten Maßnahmen anlaufen. Der Verwaltungsrat ist entschlossen, eine weitergehende Regelung anzustreben, die jedoch nur der Gesetzgeber schaffen kann.
Die Erfolge der Arbeitsvermittlung für blinde und sehbehinderte Menschen – so wird aus allen Teilen Deutschlands berichtet – haben sich dramatisch verschlechtert. Die Problematik wurde jüngst mit dem Bundesarbeitsminister und seinen Staatssekretären erörtert. Der DBSV fordert die Wiederherstellung leistungsfähiger Strukturen, wie sie vor der Umorganisation der Bundesagentur für Arbeit bestanden.
Der Vorsitzende des BSV Thüringen, Peter Och, berichtete über die Aktivitäten zur Wiedererlangung eines Anspruchs auf Landesblindengeld ohne Einkommens- und Vermögensgrenzen. Man sei, so Och, noch lange nicht am Ziel, aber die politische Atmosphäre habe sich etwas entspannt.
Der Verwaltungsrat verabschiedete eine Resolution, in der die Wiedereinführung des einkommens- und vermögensunabhängigen Blindengeldes in Thüringen energisch gefordert wird. Der Verwaltungsrat sagte den Thüringern für die Fortführung der Aktionen volle Unterstützung zu.
Aus gegebenem Anlass wies der Gemeinsame Fachausschuss Umwelt und Verkehr (GFUV) auf die Gefahren für blinde und sehbehinderte Menschen bei einer flächendeckenden Einführung des Kasseler Rollbords hin. Dabei handelt es sich um einen Formstein, der Rollstuhl- und Rollatornutzern das Überwinden des Niveauunterschieds an Fußgängerfurten erleichtern soll. Für blinde und sehbehinderte Menschen würde beim Einbau des Kasseler Rollbords die für die Orientierung und für die Sicherheit notwendige Bordsteinkante entfallen. Der Vorsitzende des GFUV, Wolfgang Schmidt-Block, erläuterte die Problematik und stellte tastbare Modelle vor. Nach einer eingehenden Diskussion beschloss der DBSV-Verwaltungsrat folgende Stellungnahme:
Der Vollzug der Novellen zum Arzneimittelgesetz, so wurde dem Verwaltungsrat berichtet, ist darauf angelegt, dass vom 1. Nov. 2007 an alle Arzneimittel in Braille beschriftet sein müssen. Zu den Ausnahmen gehören Packungen unter 20 Gramm bzw. unter 20 Milliliter. In diese Kategorie fallen auch Augentropfen. Der DBSV erhebt bei allen sich bietenden Gelegenheiten die Forderung, auch solche Medikamente mit Braille zu kennzeichnen. An Lösungen für die Umsetzung des Beipackzettels wird noch gearbeitet. Erkennbar sind bereits positive Auswirkungen der Arzneimittelkennzeichnung auf die Kennzeichnung von Lebensmitteln.
Der Verwaltungsrat ließ sich eingehend über die Beteiligung des DBSV an nationalen und europäischen Normungsverfahren informieren.
Mit Sorge beobachtete der Verwaltungsrat die Bestrebungen der EU zur vollständigen Liberalisierung der Postmärkte bis 2009. Die EBU hat der EU ein Positionspapier zugeleitet, das den Erhalt der portofreien Blindensendung fordert und deutlich macht, dass der kostenlose Postverkehr insbesondere für die Arbeit der Bibliotheken für Braille-Schrift- und Hörbücher unabdingbare Voraussetzung für die Literaturversorgung blinder Nutzerinnen und Nutzer ist. Ein Vorschlag der EU zur Sache wird erwartet. Handlungsbedarf ist gegeben, da das Postmonopol in Deutschland bereits am 31. Dezember 2007 endet.
Der Verwaltungsrat begrüßte ausdrücklich die Bildung der Koordinationsstelle "Leben mit Sehbehinderung". Ziel ist, zukünftig den Belangen sehbehinderter Menschen mehr Raum und Inhalt im Verband zu geben.
In seinem Statusbericht würdigte DBSV-Geschäftsführer Andreas Bethke die Arbeit des scheidenden Leiters der Verbandskommunikation, Thomas Krieger.
Der Verwaltungsrat beschloss die Erhöhung der Beiträge korporativer Mitglieder, den Stellen- und den nach Jahren erstmals wieder ausgeglichenen Wirtschaftsplan für 2007. Die finanziellen und personellen Ressourcen des DBSV lassen eine Ausweitung und Intensivierung der Verbandsarbeit nicht zu. Dabei sei man zunehmend auf extern finanzierte Projekte angewiesen. Dennoch, so die DBSV-Präsidentin Renate Reymann, werde das Präsidium und die beauftragten Arbeitsgruppen zügig daran gehen, die Verbandstagsergebnisse umzusetzen. Den Verlauf und die Arbeit der Sitzung des Verwaltungsrates bewertete Renate Reymann als Erfolg. Der Geist des Verbandstages und die Entschlossenheit, auch in schwierigen Zeiten etwas zu bewegen, waren deutlich spürbar.
Gustav Doubrava
Im Festsaal des Preußischen Landtages fand am 12. Oktober der Festakt zum Jubiläum der Blindenbildung in Deutschland statt.
Rund 300 Vertreter aus Bildungseinrichtungen von Verbänden der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe sowie Persönlichkeiten des Öffentlichen Lebens erlebten eine lebendige Würdigung des Jubiläums 200 Jahre Blindenbildung mit starken Bezügen zu Möglichkeiten und Problemen bei der Bildung blinder und sehbehinderter Menschen in heutiger Zeit.
Im Grußwort des Schirmherrn Bundespräsident Horst Köhler, der selbst nicht anwesend sein konnte, heißt es u.a.: "So selbstverständlich wir es heute finden, dass blinde Menschen gute Bildungsmöglichkeiten und alle Chancen für ein selbstständiges Leben und beruflichen Erfolg haben sollen, so muss um die Voraussetzungen dafür immer wieder gerungen werden. Technische Entwicklungen – vom Hörbuch angefangen bis hin zum Internet – eröffnen blinden und sehbehinderten Menschen neue Zugänge zur Welt des Wissens und geben ihnen neue Instrumente für das Lernen. Umso wichtiger ist es, dass diese Möglichkeiten auch wirklich genutzt werden können. Gerade im World Wide Web gibt es noch immer zu viele Grenzen für blinde Menschen. Und Schranken erleben sie nicht nur in der virtuellen Welt: So mancher Weg zur Schule, in die Universität oder die Lehrwerkstatt ist für einen blinden jungen Menschen im wahrsten Sinne des Wortes ein Hindernislauf.
Barrierefreiheit – das bleibt das Ziel, für das wir uns in allen Bereichen noch mehr anstrengen müssen. Das sind wir den jungen Menschen schuldig, die trotz ihrer Sehbehinderung ihr Wissen erweitern und ihr Können schulen wollen. Dabei nehmen sie oft gewaltige Anstrengungen auf sich: Wenn in der komplexen, dynamischen Welt von heute schon für Sehende die Anforderungen an das eigene Bildungsverhalten stetig steigen, dann gilt das noch viel mehr für blinde Menschen.
Denn viele alltägliche Handgriffe und Tätigkeiten, nicht zuletzt das so außerordentlich wichtige Lesen, brauchen mehr Zeit und besonderen Aufwand. Ich wünsche mir, dass es viele Menschen gibt, die diese besonderen Leistungen blinder Menschen würdigen – zum Beispiel auch in Einstellungsgesprächen, bei denen die Belastbarkeit und das Engagement von Bewerbern doch immer eine sehr große Rolle spielt.
Erfolgreiche Bildung braucht Anerkennung, Anstrengung, aber auch Unterstützung. Was die Lehrerinnen und Lehrer in den Schulen und Bildungseinrichtungen für Sehbehinderte leisten, mit welcher Kreativität und welchem Engagement sie ihre besondere Aufgabe erfüllen, verdient unser aller Dank ..."
Denkanstöße zur Bewahrung von Bewährtem und zur Suche nach neuen Wegen im Bereich der Bildung blinder und sehbehinderter Kinder und Jugendlicher gab Frau Prof. Renate Walthes, Fakultät Rehabilitationswissenschaften, Universität Dortmund, in Ihrem Festvortrag.
Dr. Thomas Nicolai
In Göttingen konnten sich Passanten von der Leistungsfähigkeit der helfenden Vierbeiner überzeugen.
Seit 90 Jahren werden Hunde gezielt zu Blindenführhunden ausgebildet. Es begann seinerzeit in Oldenburg in der Sanitätshundestaffel des DRK, versorgt wurden zunächst nur Kriegsblinde. Dies änderte sich rund zehn Jahre später, zu dem Zeitpunkt, als der Blindenführhund seinen Siegeszug weltweit begann. Er ist nach wie vor neben der sehenden Begleitung die sicherste Mobilitätshilfe, vorausgesetzt, er entspricht den Anforderungen der Qualitätskriterien.
Mit einem bundesweiten Treffen der Führhundhalter wurde der Anlass "90 Jahre Blindenführhund" gewürdigt. Es trafen sich hierzu rund 35 Führhundhalter vom 13. bis 15. Oktober in Göttingen. Eröffnet wurde das Treffen durch Grußworte von Frau Neumann vom Präsidium des DBSV sowie Frau Schau von der regionalen Gruppe des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Niedersachsen. Zum Thema "Rund um die Führhundversorgung" wurde heftig diskutiert. Als Gesprächspartner hatten sich die DAK, der VDAK sowie mehrere Führhundschulen und natürlich die Teilnehmer als Betroffene gestellt.
Die genannten Verbände haben Vertragsentwürfe geschaffen, die erstmals eine genaue Regelung der Gewährleistung sowie Nachbetreuung der Führhundgespanne beinhalten.
Am Vormittag des 14. Oktober ging es in die Fußgängerzone von Göttingen. Dort konnten sich die Passanten an einem Info-Stand, der von der Gruppe aus Göttingen betreut wurde, über das Führhundwesen informieren. Von der Möglichkeit, einmal mit einem Führhund unter der Augenbinde zu gehen, hat leider niemand Gebrauch gemacht, allerdings wurde die Führleistung der einzelnen Gespanne, die sich frei in der für sie fremden Umgebung bewegten, bewundert.
Nachmittags referierte dann Frau Schrader zum Thema "Unerwünschtes oder Fehlverhalten des Hundes". In diesem Rahmen konnten Fragen gestellt werden, so z.B.: "Was mache ich, wenn mein Hund im Freilauf frisst und nicht zu mir zurückkommt?". Zu diesem Punkt äußerten sich dann die Führhundetrainer, doch mit recht unterschiedlichen Lösungsmöglichkeiten. Abends traf man sich zum gemütlichen Beisammensein.
Am Sonntag sprach Herr Dr. Neunzig, Tierarzt, über "Wie halte ich meinen Hund gesund". Er ist neben Schulmediziner ein Vertreter der traditionellen chinesischen Medizin. Die Denkansätze der chinesischen Medizin unterscheiden sich sehr von der Schulmedizin. Eine Verknüpfung beider Behandlungsmethoden wurde uns sehr anschaulich dargestellt.
An diesem Treffen hatten auch mehrere Führhundschulen teilgenommen, die sich aber sehr separat aufgehalten haben und sich nur zum Teil in die Diskussion einbrachten.
Sehr positiv zur Kenntnis genommen wurde von den Teilnehmern, das es bald den bundeseinheitlichen Führhundeausweis geben wird.
Insgesamt war es ein harmonisches Wochenende, das wieder einmal viel zu schnell zu Ende ging. Schade, dass diese Treffen nur alle fünf Jahre stattfinden.
Renate Kokartis
Vom 9. bis 15. Oktober 2006 fand die fünfte Woche des Sehens unter dem Motto "Blindheit verstehen – Blindheit verhüten" statt.
Vielerorts machten die Partner der WDS in regionalen Veranstaltungen auf die Belange blinder und sehbehinderter Menschen aufmerksam. In Hof lieferten sich Landrat und Oberbürgermeister im Rahmen des vom Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund organisierten Infozelts ein Wettrennen durch die Fußgängerzone mit dem Langstock unter der Augenbinde, wobei der zurückzulegende Parcours natürlich nicht ganz ohne Hindernisse zu bewältigen war. Low-Vision Stiftung, Badischer Blinden- und Sehbehindertenverein, Pro Retina und viele andere Partner boten auf der Heidelberger "Sehbühne" ein attraktives Programm mit vielen Informationen zu Augenerkrankungen und Möglichkeiten der Rehabilitation sowie ein kulturelles Rahmenprogramm. In Chemnitz stellte das Möbelhaus IKEA in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Berufsbildungswerk Produkte der Haushaltsabteilung aus, die für blinde Menschen besonders geeignet sind. Die Korbmacher, Flechtwerker und Bürstenmacher des BBW hatten über dies die Möglichkeit, ihre Produkte dort auszustellen und zu verkaufen.
In Bensheim war die Christoffel Blindenmission mit ihrem Erlebnisgang in der Fußgängerzone vor Ort. Das Highlight dieser Veranstaltung waren verschiedene Spielstationen, bei denen die Kinder riechen, tasten, balancieren oder ein Fühlmemory basteln konnten. Am Stand des örtlichen Blindenvereins konnten Besucher ihren Namen in Blindenschrift schreiben. Die Augenärzte der Region berieten außerdem Patienten zu verschiedenen Augenerkrankungen.
Auch für Kulturinteressierte bot die Woche des Sehens einiges: In Kiel erhielt das Theaterstück Hamlet eine Audiodeskription, damit auch blinde Zuhörer an Szenen teilhaben konnten, die sonst nur visuell erschlossen werden können. Auch verschiedene Museen boten Spezialführungen für blinde und sehbehinderte Besucher an: Das Grassi Museum für Völkerkunde in Leipzig bereitete Ausstellungen zu Südostasien, Südasien und Tibet speziell für blinde Besucher mit Brailleschriftinformationen und vielen Objekten zum Anfassen auf und bot blindengerechte Führungen an. Im Naturkundemuseum Erfurt konnten sehende Besucher mit Hilfe von Simulationsbrillen erleben, wie man als blinder Museumsbesucher eine Ausstellung wahrnimmt. Auch hier hatten blinde Besucher die Möglichkeit, viele Exponate zu berühren.
Zusätzlich demonstrierten viele kleine Aktionen der Öffentlichkeit, welche Hilfsmittel und Techniken es für blinde und sehbehinderte Menschen gibt, die ihnen den Alltag erleichtern. Mobilitätstrainer zeigten den Umgang mit dem Blindenlangstock, Blinden- und Sehbehindertenvereine demonstrierten die Möglichkeiten, mit denen blinde Menschen das Internet nutzen können und Blindenschulen zeigten bei Tagen der offenen Tür, welche Lehrmaterialien für blinde und sehbehinderte Schüler heutzutage existieren.
Die Beratung stand bei den regionalen Veranstaltungen ebenfalls im Fokus. In Zusammenarbeit mit der Berliner Morgenpost führte der Allgemeine Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin ein Telefonforum durch. Interessierte und betroffene konnten sich hier über verschiedene Augenkrankheiten und Hilfsmittel sowie Rehabilitationsmöglichkeiten für blinde und sehbehinderte Menschen informieren. Auch viele Augenkliniken boten ein breites Beratungsangebot zu verschiedenen Augenerkrankungen an, schwerpunktmäßig zur Diabetischen Retinopathie.
Auch zahlreiche Augenärzte und -kliniken beteiligten sich 2006 wieder an der Woche des Sehens. Dieses Jahr ging es bei der Schwerpunktberatung um die Augenkrankheit Diabetische Retinopathie. An dieser Folgeerkrankung des Diabetes Mellitus erblinden in Deutschland jährlich ungefähr 2000 Menschen. Durch eine Früherkennung könnte bei vielen dieser Personen das Augenlicht gerettet oder die Erblindung zumindest deutlich verlangsamt werden. Wie bei vielen anderen Krankheiten ist also die Vorsorge auch hier das Nonplusultra: Diabetiker sollten einmal jährlich zum Augenarzt gehen, um die Netzhaut kontrollieren zu lassen. Werden rechtzeitig Netzhautveränderungen festgestellt, können diese mit Hilfe von Laserstrahlen behandelt werden.
Schon zur guten Tradition gehört es, die Woche des Sehens mit einer Denkmalsverhüllung zu eröffnen. Dieses Jahr machten die Partner der WDS mit der Verhüllung der Louis-Spohr-Statue in Kassel auf die Ursachen vermeidbarer Blindheit in den Entwicklungsländern aufmerksam. 90 Prozent der weltweiten Blindheit tritt nämlich in der dritten Welt auf. 80 Prozent aller Augenkrankheiten könnten geheilt werden, wenn ausreichend finanzielle Mittel für die medizinische Betreuung der Patienten zur Verfügung stehen würden, um etwa den Grauen Star operieren zu können. Auf diesen Umstand macht die Kampagne "Vision 2020 – das Recht auf Augenlicht" aufmerksam, die ein fester Bestandteil der Woche des Sehens ist.
Die Woche des Sehens findet jährlich in der zweiten Oktoberwoche statt. Acht Partnerorganisationen leisten unter dem Motto "Blindheit verstehen – Blindheit verhüten" Aufklärungsarbeit über die Belange blinder und sehbehinderter Menschen in Deutschland und weltweit. Sie wird getragen vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband, der Christoffel Blindenmission, dem Berufsverband der Augenärzte, der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, dem Deutschen Verein für Blinde und Sehbehinderte in Studium und Beruf, Pro Retina Deutschland, dem Hilfswerk der Deutschen Lions sowie dem Komitee zur Verhütung von Blindheit. Gefördert wird die Woche des Sehens von der Aktion Mensch sowie den Sponsoren Hug-Verlag und Carl Zeiss Meditec AG. Informationen über die Woche des Sehens finden Sie im Internet unter www.woche-des-sehens.de .
Tobias Straub
Die blinde Entwicklungshelferin Sabriye Tenberken ermutigt als Jurymitglied die Teilnehmer des bundesweiten Braille-Lesewettbewerbs für Schüler.
Am 14. Oktober lasen elf Landessiegerinnen und -sieger im Deutschen Technikmuseum Berlin um die Wette aus Tenberkens neuem Buch: Das Siebte Jahr – von Tibet nach Indien in Punktschrift. Der DBSV hatte zum Wettbewerb als Woche-des-Sehens-Veranstaltung eingeladen. Sieben Bundesländer – DBSV-Landesvereine und Schulen für Blinde und Sehbehinderte – waren der Einladung gefolgt und haben eigene Wettbewerbe durchgeführt. In den Gruppen 5. bis 6. und 7. bis 10. Klasse nahmen schließlich neun Schülerinnen und zwei Schüler aus Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz am Bundeswettbewerb teil. Die Teilnehmer lasen fortlaufend kurze Abschnitte aus dem neuen Buch von Sabriye Tenberken, die ihnen zwei Wochen zuvor zugesandt worden waren.
Die Jury, in der Dr. Manfred Schmidt, Vorsitzender des Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenvereins Berlin, Peter Brass, Lehrer an der Johann-August-Zeune-Schule Berlin, Ronny Great, Sprecher bei der Berliner Blindenhörbücherei und Sabriye Tenberken mitwirkten, vergab Lesenoten. Die zwei Besten jeder Altersgruppe lasen im Finale weitere Abschnitte, die für sie bis dahin fremd waren.
Der Wettbewerb war nicht nur eine Vorstellung des Buches von Sabriye Tenberken, im direkten Gespräch mit der Autorin erfuhren die Teilnehmer und Gäste Interessantes über die Hintergründe des Bildungsprojektes in Tibet. Tenberken erlebte selbst, dass ihr am Ende ihrer Schulzeit immer nur dieselben Berufswege vorgeschlagen wurden, die sich für blinde Menschen bisher etabliert haben. Ihr Wunsch, in Entwicklungsländern soziale Projekte zu organisieren, wurde allenfalls belächelt. Beim Roten Kreuz riet man ihr z.B. Telefonistin zu werden. Aber sie studierte Tibetologie, entwickelte eine Blindenschrift für Tibetisch und eröffnete vor sieben Jahren in Lhasa eine Blindenschule. In ihrem Buch geht es um eine Bergtour mit sechs Schülern und über deren Lebensgeschichten. Kyila ist eines von drei blinden Kindern. Nur die älteste Schwester ist sehend. Als auch der Vater erblindet, ist die Familie in ihrem Heimatdorf sozial ausgegrenzt und extrem arm. Die drei blinden Kinder werden schließlich in die Schule in Lhasa aufgenommen. Kyila hat Chinesisch und Englisch gelernt und ist Physiotherapeutin geworden. Sie hat Englisch studiert und sich in Großbritannien über das dortige Blindenwesen informiert. Ihr Ziel: Einmal selbst die Schule in Lhasa zu leiten. Nach dem Tod der Mutter unterstützen die drei blinden Kinder nun ihren Vater.
Taschi war bettelndes Straßenkind. Nun hat er eine Physiotherapeutische Praxis in Lhasa und unterstützt seine Eltern, die ihn einst an einen Händler verkauften.
Wie ist es möglich, dass die blinden Menschen in Tibet durch die Schule vom untersten Rand der Gesellschaft weit über ihr soziales Umfeld hinaus steigen, und was können wir in Deutschland daraus lernen? Tenberken antwortet mit ihrer eigenen Geschichte: Sie gab sich nicht mit den Möglichkeiten zufrieden, die blinden jungen Leuten angeboten werden. Sie fragte nicht zuerst "Was kann ich?", sondern "Was will ich?" In der Schule in Lhasa gibt es manchmal die Traumfabrik, in der die Schüler sich ihre Zukunft erträumen sollen. "Ein Junge wollte mit acht Jahren Taxifahrer werden", so Tenberken, "mit 14 wusste er, dass das als Blinder nicht geht, aber er könne ein Taxiunternehmen leiten, und was ist besser?" Schließlich reiste er in die Niederlande, um dort zu lernen, wie man Käse herstellt. Nun betreibt er in Tibet eine Käserei.
Klaus Hahn vom DBSV-Präsidium beglückwünschte zusammen mit Sabriye Tenberken die beiden besten Leserinnen Maxi Frank, 13, aus München-Schwabing und Christin John, 16, aus Marburg. Die Leistungen aller Teilnehmer – Haupt-, Real- und Gymnasialschüler von Sonder- und Regelschulen – waren sehr gut.
Als Preise wurden vor allem Punktschriftbücher der Schweizerischen Blindenbibliothek Zürich, der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig, des Blindenschriftverlags "Pauline von Mallinckrodt" Paderborn, der Deutschen Blindenstudienanstalt Marburg und des Vereins zur Förderung der Blindenbildung Hannover vergeben. Sie wurden von den Verlagen gestiftet, die dadurch zeigten, dass sie ein sehr interessantes Angebot auch für Kinder und Jugendliche haben.
Reiner Delgado
Kein Entweder-oder bei der schulischen Bildung blinder und sehbehinderter Kinder und Jugendlicher.
Die Arbeitsergebnisse und die Atmosphäre des zweitägigen Symposiums anlässlich des Jubiläums "200 Jahre Blindenbildung in Deutschland", das am 12. und 13.10. in der Humboldt-Universität zu Berlin stattfand, lassen auf ein noch engeres Zusammenwirken von Schul- und Berufsausbildung sowie Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe hoffen. Der Wille und die Verpflichtung zur noch engeren Vernetzung und zur Nutzung der vorhandenen Kompetenzen zog sich wie ein roter Faden durch die Plenarveranstaltungen sowie durch die Diskussionen in den 12 Arbeitsgruppen.
Bezüglich der schulischen Bildung wurde einmal mehr bekräftigt, dass sowohl die integrative Beschulung als auch die Bildung in Blinden- und Sehbehindertenschulen nebeneinander Bestand haben müssen.
Zum gemeinsamen Unterricht in Regelschulen wurden erhebliche Unterschiede in den einzelnen Bundesländern festgestellt. In der Lehrerausbildung muss das Thema "Gemeinsamer Unterricht" gebührend behandelt werden. Wenn integrative Beschulung nicht gelingt, ist dies keineswegs als Scheitern des Kindes anzusehen. Insbesondere im Hinblick auf Bildungsangebote für mehrfachbehinderte sehgeschädigte Schüler wird gezielte Fortbildung von Pädagogen gefordert.
Besser geregelt sollten die Zuständigkeiten und die Finanzierung in der Frühförderung sein.
Die berufliche Ausbildung und Umschulung sieht sich angesichts der Situation auf dem Arbeitsmarkt und der gerade für schwerbehinderte Menschen unzureichenden arbeitsmarktpolitischen Regelungen großen Herausforderungen gegenüber.
Die enormen Wandlungen auf dem Arbeitsmarkt betreffen alle, für blinde und sehbehinderte Menschen wirken sie sich besonders gravierend aus. So wird beispielsweise uneingeschränkte Mobilität und Flexibilität gefordert. Es gibt weniger einfache Arbeiten. Traditionelle Berufe verschwinden. Der Öffentliche Dienst baut Personal ab. Es wird zu wenig getan, um Arbeitsplätze von Menschen, deren Sehvermögen sich im Berufsleben verschlechtert, zu erhalten. Diskutiert wurden auch Modelle, die Arbeitsplätze für behinderte Menschen durch Subventionen schaffen. Dabei wurde mehr Verantwortung für die Schaffung entsprechender Arbeitsplätze von leistungsfähigen Firmen eingefordert.
Weitere Themen in den Arbeitsgruppen waren u.a. "Lebenslanges Lernen" "Lebenspraktische Fähigkeiten" sowie "Orientierung und Mobilität". Die Selbsthilfeorganisationen sollten Betroffene über entsprechende Angebote zielgerichteter informieren und vorhandene Möglichkeiten besser vernetzen.
In ihren abschließenden Worten bekräftigten sowohl DBSV-Vizepräsident Hans-Werner Lange als auch der Vorsitzende des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf, Uwe Boysen, dass Selbsthilfe und Bildungsfachleute viel öfter an einem Tisch sitzen müssten, denn alle haben das gleiche Ziel: die bestmögliche Ausbildung und Integration blinder und sehbehinderter Menschen.
Eine Dokumentation des Symposiums wird vom Fachbereich Rehabilitationspädagogik der Humboldt-Universität erarbeitet.
Dr. Thomas Nicolai
Vor rund 300 Zuschauern und Zuhörern wurde am 12. Oktober das Musical "Stärker als die Dunkelheit" im Berliner Fichtenberggymnasium uraufgeführt.
Minutenlanger Applaus, Zugaben und ausgelassene Freude der Darsteller und aller künstlerischen und organisatorischen Helfer rundeten einen gelungenen Abend ab. Schirmherrin Katja Ebstein drückte nach der Premiere ihre Begeisterung und ihre Anerkennung für die Aufführung eines Stückes aus, das von blinden und sehenden Autoren gemeinsam geschrieben und von 14 blinden bzw. sehbehinderten Darstellern auf die Bühne gebracht worden ist.
Begeisterung spricht auch aus den Worten zweier Akteure:
Christine Weber: "Als ich erfuhr, dass ich beim Musical mitmachen kann, freute ich mich riesig. Welche Rolle mir zugedacht war, erfuhr ich aber erst, als ich das Textbuch in die Hand bekam. Zunächst fand ich es ein bisschen schade, dass die Rolle der Mutter, die ich spielen sollte, eine reine Sprechrolle war. Bald konnte ich mich aber gut in die Gefühle der Mutter hinein denken. Doch dies dann auch auf der Bühne umzusetzen war eine Herausforderung. Ich musste sehr unterschiedliche Gefühle von totaler Verzweiflung bis hin zu überschwänglicher Freude darstellen. Wenn man an einer solch emotionalen Szene dann intensiv arbeitet, ist man schon mal den Tränen nahe oder fängt an zu zittern. Aber genau so muss es ja auch sein, wenn man sich richtig in die Rolle einfühlt.
Die tolle Arbeit mit unserem Regisseur und musikalischem Leiter sowie der Zusammenhalt in der Gruppe haben letztlich den Erfolg gebracht. Wir waren wie eine Familie. Vielen Dank an alle, die zum Gelingen dieses Projektes beigetragen haben. Ich hoffe auf ein Wiedersehen mit allen Teilnehmern."
Michael Haaga: "Der Gedanke, selbst ein Musical zu schreiben war schon früher in mir erwacht, jedoch hatte ich immer auch das Gefühl, die Sache könnte eine Nummer zu groß für mich sein. So kam mir der Aufruf in der Gegenwart gerade recht. Schon nach dem ersten Treffen der Interessenten stand für mich fest, dass ich einige Balladen schreiben werde. Eine davon "Du bist sehend, ich bin blind" war zu diesem Zeitpunkt schon fast fertig. Ich machte mich mit Feuereifer an die Sache heran, merkte aber auch, dass die Ideen nicht immer so sprudeln, wie man das gerne hätte ...
Die eigenen Sachen von Anderen vorgetragen zu bekommen und zu wissen, dass die Songs einem großen Publikum zu Ohren kommen werden, das ist schon sehr erhebend. Die Aufführung war einfach Klasse und ich kann nur hoffen, dass dieses wirklich gelungene Musical noch vielen Menschen Freude bereiten wird – sei es auf einer CD, sei es bei einer erneuten Aufführung."
Gefördert wurde das Musical von der Aktion Mensch, vom Kinder- und Jugendplan des Bundes, von der Blindenstiftung Deutschland, von der Paul und Charlotte Kniese-Stiftung sowie von der Johann-August-Zeune-Schule Berlin.
Dr. Thomas Nicolai
Mit Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gemäß § 25 Abs.1 AGG die Antidiskriminierungsstelle des Bundes eingerichtet. Fälle von Diskriminierung können dort bekannt gemacht werden.
Die Antidiskriminierungsstelle befindet sich noch im Aufbau. Sie ist derzeit werktags von 9.00 Uhr bis 15.00 Uhr erreichbar;
Tel.: (0 30) 1 85 55 – 18 65
Fax: ( 0 30) 1 85 55 – 41 865
E-Mail: ads@bmfsj.bund.de
Am 20. Oktober eröffnete das Verkehrszentrum des Deutschen Museums in München seine Pforten für die Besucher. In drei Ausstellungen – "Mobilität und Technik", "Stadtverkehr" und "Reisen" – warten rund 1.000 Exponate aus 200 Jahren Verkehrsgeschichte auf das Publikum.
Zu den Ausstellungsexponaten im Verkehrszentrum gehören auch die innovativen Produkte von RTB. In Kooperation mit der Siemens AG wurde hier eine Lichtsignalanlage mit einer Akustik (Kombi-S) und einem Sensortaster (PiT, Typ X) von dem Bad Lippspringer Unternehmen blindengerecht ausgestattet.
Die mehrfache Paralympics-Siegerin Verena Bentele machte Oberbürgermeister Ude in einem spontanen Gespräch mit den technischen Details von Akustik und Taster vertraut. Die Sportlerin unterstützt die RTB GmbH & Co.KG seit Jahren in der Entwicklung und Optimierung von Akustiken für Lichtsignalanlagen.
Einen neuen Kurs für blinde und sehbehinderte Interessenten bietet die FernUniversität Hagen an. Ab Anfang Dezember 2006 können die Kursunterlagen angefordert werden.
Nähere Informationen bei:
FernUniversität Hagen
Tel.: (0 23 31) 9 87-27 20
Internet: www.FernUni-Hagen.de/zmi/at-medien/start.html
Auf der Internationalen Börse für Mineralien, Fossilien, Edelsteine und Schmuck – mineralien 2006 hamburg – gibt es vom 8. bis 10. Dezember auf dem Hamburger Messegelände wieder einen speziellen Bereich für blinde und sehbehinderte Besucher, gestaltet und betreut von Franziska und Rudolf Schwinghammer. Gruppen sollten sich anmelden unter Tel.: (0 40) 35 69 – 21 54. Die Sonderausstellung befindet sich im Foyer Ost im Eingangsbereich. Schwerbehinderte Personen und ihr Begleiter erhalten freien Eintritt, wenn im Schwerbehindertenausweis das "B" eingetragen ist.
Unter der Leitung von Hasan Karahasan finden folgende PC-Kurse im AURA-Hotel "Ostseeperlen" statt (die ersten beiden auch für Einsteiger):
Nähere Informationen beim
AURA-Hotel "Ostseeperlen" Boltenhagen
Tel. (03 88 25) 37 00
Internet: www.ostseeperlen.de
Angebot: Vom 07. bis 31.01.2007 erhalten Sie bei der Buchung von zehn Übernachtungen einen Preisnachlass von 22 Prozent auf alle Buchungskategorien.
Weitere Informationen und Anmeldungen in der AURA Pension Haus Hubertus/Mündersbach gGmbH
Tel.: (0 26 80) 95 10-0
E-Mail: aura-muendersbach@bsbh.org
Informationen und Anmeldung bei:
AURA-Pension Haus "Grünes Herz"
E-Mail: info@aura-pension-georgenthal.de
Tel.: (03 62 53) 30 50.
Die ausführliche Beschreibung in Großdruck oder per E-Mail ist beim AURA-Hotel erhältlich
Tel.: (0 45 03) 600 20
E-Mail: timmendorfer-strand@aura-hotels.de
Weitere Termine finden Sie in unserem Jahresprogramm, das wir Ihnen gerne zusenden.
AURA-Hotel Kur- und Begegnungszentrum Saulgrub
Tel.: (0 88 45) 99-0
Internet: www.-bbsb.org
E-Mail: saulgrub@bbsb.org
Das bundesweite Jugendtreffen, organisiert von der Jugendgruppe des BSV Mecklenburg-Vorpommern findet vom 23. bis 26.02.2007 im AURA-Hotel Boltenhagen statt. Im vielseitigen Programm geht es u.a um Stil- und Farbberatung, um Reiseeindrücke in Südafrika und um Angebote der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig.
Nähere Informationen bei
Katrin Schwemann
Tel.: (03 95) 5 66 40 56
Anmeldung bei:
AURA-Hotel "Ostseeperlen",
Tel.: (03 88 25) 37 00
E-Mail: ostseeperlen@t-online.de
Anmeldeschluss: 20.01.2007.
03. bis 06.05.2007, AURA-Zentrum Bad Meinberg – dieses Seminar wird angeboten für alle von Netzhautdegeneration Betroffenen, die sich mit ihrer langsamen Erblindung auseinandersetzen wollen und neue Sinnmöglichkeiten suchen.
Anmeldeschluss: 31.12.2006.
Weitere Informationen und Anmeldungen nur bei
Maria Kretschmer
Tel.: (0 81 31) 54 0 18.
FrauenOutdoor bietet im nächsten Jahr wieder interessante Programme für blinde und sehbehinderte Exkursionshungrige an:
Weitere Informationen zu Begleitern und Preisen unter
Tel.: (05 21) 1 64 00 20
Internet: www.frauenoutdoor.de/touren_fuer_blinde.html
Drei frische Fortsetzungsromane in Punktschrift
Diese Bestseller erhalten sie als Komplettausgabe oder in preisgünstigen Fortsetzungen ab dem 6., 15., bzw. 20. Dezember.
Weitere Infos und kostenlose Leseproben gibt es im
BIT-Zentrum
Tel.: (0 89) 5 59 88-134 (Frau Elmer) oder -144 (AB)
E-Mail: Bit@bbsb.org.
Weihenmayer, Erik: Ich fühlte den Himmel – Ohne Augenlicht auf die höchsten Gipfel der Welt.
Der Lebenswille des sportlichen jungen Amerikaners blieb ungebrochen. Er beginnt zu klettern und Berge zu besteigen. In seinem humorvollen, inspirierenden Buch schildert er die dabei erlebten Abenteuer; fünf Bände Blindenkurzschrift, Bestell-Nr.: 5001 826.
Nähere Informationen:
VzFB
Tel.: (05 11) 9 54 65-32.
Die DZB hat den Vertrieb der beliebten Reihe der PC-Bücher "Ohne Maus" von Doris Hippeli übernommen. Anliegen dieser Buchreihe ist es, Computerwissen leichtverständlich Benutzern zu vermitteln, die nicht mit der Maus arbeiten können. Die Titel "Windows XP ohne Maus", "Start ins Internet ohne Maus", "Weiter ins Internet ohne Maus" und "Word ohne Maus" werden jeweils in Blindenschrift, als Hörfassung, als Textdatei und als Schwarzdruck angeboten. Demnächst erscheint "Start mit Excel 2003 ohne Maus".
Bestellungen und Informationen unter
Tel.: (03 41) 71 13-119 oder per
E-Mail: verlag@dzb.de
Beim DBSV sind dazu folgende Medien erhältlich:
Informationen dazu beim DBSV-Sozialreferent
Reiner Delgado
Tel: (0 30) 28 53 87-24
r.delgado@dbsv.org.
Sonderangebot: Festschrift und CD zusammen für 30,00 Euro.
Bestellung unter
Tel.: (0 30) 28 53 87-13
gegenwart@dbsv.org
Eine klangvolle Scheibe zur Weihnachtszeit hat Reinhard Walter, der als blinder Tonmeister beim Rundfunk jahrzehntelang für ausgezeichnete Musikproduktionen sorgte, mit zahlreichen Künstlern jetzt aufgenommen. Die Zusammenstellung von Musik aus drei Jahrhunderten wird durch das Wechselspiel von Panflöte, Oboe, Orgel und Vokalbeiträgen zu einem besonderen Genuss in besinnlichen Stunden.
Mehr Informationen und Bestellung bei
Reinhard Walter
Tel.: (0 30) 5 13 81 92
E-Mail: reinhardwalter@onlinehome.de
Für den DBSV auf dem Karussell der verrückten Sinne
Mehr als 350.000 Besucher tummelten sich am 2. und 3. Oktober 2006 auf dem Bürgerfest zur deutschen Einheit, das in diesem Jahr zum 16. Mal veranstaltet wurde, diesmal ausgerichtet vom nördlichsten Bundesland. Wir können wirklich froh sein, dass diese Massen nicht alle ins Zelt des BSV Schleswig-Holstein drängten. Das Angebot an Unterhaltung und Information rund um die Kieler Hörn übertraf alles Bisherige. Dass der friedlich-fröhliche Patriotismus aus den Tagen der Fußball-WM hier nachklang, liegt zu einem guten Teil wohl auch daran, dass die federführende Produktionsfirma beim Bürgerfest dieselbe war wie auf der Fan-Meile am Brandenburger Tor.
Als wir vom BSVSH "ja" dazu sagten, ein Konzept für unseren Auftritt zu entwickeln, musste klar sein, dass da eine große Herausforderung auf uns zukommen würde, die nur zu meistern war, wenn es gelingen würde, viele Mitstreiter zu einer harmonischen Ensembleleistung zusammenzuführen.
Was wir zum Bürgerfest beisteuern wollten, musste mehr sein als ein Infostand und sollte Blindheit/Sehbehinderung nicht einfach als bewältigbares Handicap ausstellen. Unsere Überlegung war, dass diejenigen, deren Wahrnehmungsmöglichkeiten eingeschränkt sind, besondere Kompetenzen erwerben müssen, um ihr Leben zu meistern. Von solchen Kompetenzen Blinder und Sehbehinderter auf eine spielerisch-unterhaltsame Weise etwas an andere weiter zu geben, sollte doch spannend sein.
Wenn wir also zu einem originellen Gebrauch von Auge, Ohr und Hand einladen wollten, war zunächst zu erkunden, was wir selbst und unsere Partner zu bieten haben. Um es kurz zu machen – wir fanden am Ende zu folgendem Angebot, welches wir dann in unserem Veranstaltungszelt präsentierten.
Mit den Augen schreiben! Das Zentrum für barrierefreie Informationstechnologien der Fachhochschule Kiel hatte dafür genau das Richtige: eine Kopfmaus, welche motorisch Behinderten die Möglichkeit gibt, einen Computer durch Kopfbewegungen zu bedienen. Mit einem auf die Stirn geklebten Sensor konnten Interessenten Bilder malen und Spiele bewältigen. Weiter wurde demonstriert, wie groß die Möglichkeiten sind, die Bildschirmdarstellung an Sehprobleme anzupassen.
Mit den Ohren sehen! Premiere hatte, was unsere Partner vom Hörfilm e.V. einbrachten: das Film-Hör-Quiz. Die Mitspieler nahmen sich einen Kopfhörer und lauschten 16 Ausschnitten aus Filmklassikern. Der Filmton war mit Audiodeskription angereichert. Es fanden sich erstaunlich viele Film-Freaks, die auf diese Weise ihre Kenntnisse testeten.
Mit den Händen lesen! Kalle Knopf heißt der Held einer Bildergeschichte in Schachteln. Durch zehn Stationen einer einfachen Geschichte konnte der kleine Knopf verfolgt werden, wenn dazu die Hand sich dorthin wagte, wo das Auge nicht hineinsehen konnte. Die Mobilitätslehrerin Margarete Neuhaus brachte diese Attraktion ein und betreute sie mit zwei Kolleginnen. Hübsch war zu erleben, wie sich Menschen aller Generationen auf diese Herausforderung einließen. Herz erwärmend war es, wenn Eltern mit ihren Kindern auf die Tast-Abenteuerreise gingen.
Mit den Händen gewinnen! Die gastgebende Bezirksgruppe Kiel des BSVSH wartete mit einem Spiel auf, dessen Idee wir den Nachbarn in Rendsburg verdanken: Tast-Bingo. Weil sich dieses Spiel in den Bürgerfest-Tagen als überaus gesellschaftsfähig und familiensinnig erwiesen hat, sei das Prinzip kurz erklärt. Die Mitspieler sitzen gemeinsam am Tisch. Vor sich hat jeder eine größere Dose, deren Deckel er öffnen kann, sobald seine Augen mit Hilfe einer Simulationsbrille beurlaubt wurden. Der Spielleiter sagt nun Gegenstände an, die aus den Dosen zu entnehmen und in den jetzt daneben liegenden Deckel zu tun sind. Wer nun alle Radiergummis, Kerzen, Büroklammern, Kugelschreiber usw. entnommen und so seine Dose als Erster geleert hat, ruft "Bingo!" und erhält ein Zertifikat als Grabbelkönig/Grabbelkönigin, wobei der Name des Gewinners in Blindenschrift aufgedruckt wird.
Unsere Sinnesverrückungen mussten natürlich ordentlich angepriesen werden, damit sich Besucher ihnen näherten. Ansprechende Plakate wurden gemeinsam mit einer FH-Studentin entwickelt. Einige ehrenamtliche Animateure waren vor dem Zelt unterwegs, um Passanten in ihrer Neugier zu bestärken und zum Eintritt zu ermuntern.
Im Vorfeld wurde ein Szenario entwickelt, aus dem jeder erkennen konnte, was von ihm verlangt wurde. Beim Auf- und Abbau und während der zweimal zehn Stunden Aktion flossen die Beiträge aller Beteiligten dann auch ganz unaufgeregt und gelungen ineinander. Wer an so einem Werk beteiligt sein durfte, erhielt den Lohn eines starken Zusammengehörigkeitsgefühls.
Komplettiert wurde unser Stand durch den an der Müritz-Akademie Waren beheimateten Mediabus des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. In diesem mobilen Computerkabinett konnte an zehn Online-Plätzen der Gebrauch des Internets probiert werden, auch und gerade bei alters- oder behinderungsbedingten Schwellenängsten.
Wir hatten ein Internet-Tagebuch, ein sog. Weblog eingerichtet, an dem vom Bus aus öffentlich geschrieben werden konnte. Daraus sei abschließend der Kommentar einer Besucherin zitiert:
"In schöner Atmosphäre wurden meiner Tochter Bente (7) viele interessante Dinge erklärt. Sie war sehr, sehr beeindruckt und beinahe sprachlos. Mehrfach habe ich ihr erklären müssen, dass sie gerade hier unbedingt sprechen sollte. Eine sehr schöne Erfahrung, die wir beide bei Gelegenheit gerne wiederholen würden."
Dr. Jürgen Trinkus
Mein Name ist Elfi Jörger. Ich hatte einen Schlaganfall 1989. Seither ist mein linker Arm gelähmt und mein linkes Bein bereitet mir ab und zu Kopfzerbrechen.
Mehr oder weniger zufällig wurde Typ 2 Diabetes im Sommer 2004 entdeckt. Seit meinem 15. Lebensjahr bin ich blind, also die größte Zeit meines Lebens. Während des Klinikaufenthaltes nach meinem Schlaganfall hatte ich die Erfahrung gemacht, dass das Pflegepersonal mit Blinden ziemlich überfordert ist. Ich bin gewohnt, in schwierigen Lebenssituationen selbstständig klarzukommen, mit den für mich als Blinde entsprechenden Hilfsmitteln.
Blind, Schlaganfallpatientin, Diabetes: Gegen einen neuerlichen Klinikaufenthalt setzte ich mich heftig zur Wehr! Die Blutzuckereinstellung haben mein Mann und ich so gut wie möglich durch entsprechende Lektüren und die Mithilfe des Hausarztes selbst vorgenommen.
Diese Informationen gibt es allerdings nicht in Blindenschrift, so musste ich mir alles vorlesen lassen. Mein Mann verfügt über einen Sehrest, was von großer Hilfe ist! Doch ich wollte genau wissen, was ich so alles Essen darf, wo ich aufpassen muss, wie die Messwerte aussehen sollten. Dann hörte ich von der Diabetikerschulung in Bad Liebenzell.
Regine Sigl, die Diabetesbeauftragte des BSVOBW hat die Schwierigkeiten der blinden und sehbehinderten Diabetiker erkannt. Daher hat sie diese spezielle Seminarform ins Leben gerufen. So dachte ich mir: Ach, ist vielleicht doch besser, wenn ich das mal mitmache, denn da erfahre ich sicher, wie das andere so machen und die Referenten sind bestimmt geschulte Leute, die mir doch noch Einiges vermitteln können.
Mit Regines Formularen und der Mithilfe des Verbandes habe ich die Sache angeleiert und es ist nach einigem Hin und Her auch gelungen die AOK davon zu überzeugen, dass ein Kuraplan oder Ähnliches für mich keinen Zweck hat. Was fang ich mit Lichtbildern oder Gekritzel an einer Tafel an. Das haben die dann auch eingesehen und die Sache wurde genehmigt, die Kostenübernahme der gesamten Schulung zugesagt!
Die Schulung war speziell für Blinde und Sehbehinderte ausgelegt, darüber bin ich sehr froh! Ich habe viel gelernt: Nun weiß ich, wann und wie ich meine Tabletten einzunehmen habe, was ich am besten und wann esse, wie sich meine Mahlzeiten nach Möglichkeit zusammensetzen sollten; welche Speisen den Zucker schnell nach oben jagen, welche langsamer; was dick macht; was im Fall einer Unterzuckerung zu tun ist und wie man sie erkennt.
Ganz wichtig war die Einweisung zur Bedienung des Blutzuckermessgerätes für Blinde. Zudem gab es unter fachlicher Anleitung einer Physiotherapeutin Bewegungstherapie im Freien und im Gymnastiksaal auf der Matte. Auch das war sehr nützlich.
Wir waren eine nette Gruppe von sieben Diabetikern, die alle gut mitgearbeitet haben. Vergnügt trafen wir uns bereits frühmorgens um halb acht Uhr zum gemeinschaftlichen Blutzuckermessen. Vor jeder Mahlzeit wurde dieser Vorgang auf freiwilliger Basis wiederholt.
Unser aller Dank geht auch an das Personal im Speisesaal. Beim Abwiegen der Broteinheiten waren die freundlichen Damen behilflich. Abends machten wir die besondere Erfahrung, wie Meinungsaustausch und Bewegung den Blutzucker auf angenehme Weise senkt: durch tanzen und fröhliches Beisammensein im Bistro. Das Seminar hat mir Spaß gemacht und falls es gelingt eine Auffrischungs-Schulung zu machen in ein bis zwei Jahren, dann bin ich sicher wieder dabei.
An dieser Stelle möchte ich mich bei den Krankenkassen herzlich bedanken. Trotz der angespannten finanziellen Lage wurden die Kosten für die Schulung übernommen. Nur so konnte dieses spezielle Seminar für mich und alle Mitbetroffenen ermöglicht und bezahlt werden. Ich wünsche mir zu gegebener Zeit eine Wiederholungsveranstaltung.
Informationen:
Regine Sigl
Tel.: (0 71 33) 14 94 14
E-Mail: amannda@gmx.de
Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Unsere heutige Ausgabe führt uns nach längerer Zeit wieder in die Küche, was in der Advents- und Weihnachtszeit der Steigerung des Wohlbefindens dienen kann. Und vielleicht soll der Tradition ja auch mit neuer Ausstattung gedient werden; dazu können wir dann möglicherweise einen Beitrag leisten.
Lothar Rehdes
1. Kochen mit Induktion
2. Bedienbare Mikrowellen mit Grill
Dass das Essen auf dem Feuer steht, ist heute eher im übertragenen Sinne zu verstehen. Auch in der Küche greift immer mehr High Tech um sich. Nachdem vor etwa 20 Jahren die Mikrowelle ihren Siegeszug begann, macht ein anderes Garverfahren verstärkt von sich reden – das Induktionsgaren. Das Wort Induktion mag bei dem einen oder anderen verschwommene Assoziationen zum Physikunterricht wecken; in der Tat handelt es sich um einen technischen Vorgang der Energieübertragung. Zum Einsatz kommt er üblicherweise in Transformatoren, wie sie tonnenschwer in Kraftwerken Dienst tun oder in wesentlich kleinerer Ausführung, um z.B. die Geräte unserer Stereoanlage mit den passenden Betriebsspannungen zu versorgen. In jedem Falle wird Wechselstrom in eine Spule geschickt, die ein wechselndes Magnetfeld erzeugt. Aus diesem Magnetfeld lässt sich erneut mittels einer Spule elektrische Energie gewinnen, u.z. in Spannung und Strom an den Bedarf des verbrauchenden Gerätes angepasst (in Abhängigkeit vom Windungsverhältnis der beiden Spulen). Nun muss der Begriff Spule nicht immer wörtlich genommen werden; prinzipiell nimmt jeder elektrisch leitende Gegenstand, der sich in diesem Magnetfeld befindet, Energie auf und wandelt sie, wenn nicht anders verwendet, in Wärme um.
So kann der genannte elektrisch leitende Gegenstand auch der massive Boden eines Kochtopfes sein. Die Kochplatte selbst besteht dann aus einer kräftigen Magnetspule, die in das Kochfeld eingebettet ist. Sie erzeugt im Boden des Kochtopfes sog. Wirbelströme, die zu einer wirksamen Erhitzung führen. Dieses Verfahren ist besonders effektiv, da die Wärme im Topfboden selbst entsteht, und nicht erst verlustbehaftet auf diesen übertragen werden muss. Die Abwärmeverluste bleiben gering; die Kochstelle selbst erwärmt sich nur hauptsächlich durch Rückheizung vom Topfboden her.
Leider bringt eine solche neue Technologie auch entsprechend moderne Bedienkonzepte mit. Die Kochfelder sind oft mit Sensortasten ausgestattet, deren Berührung die entsprechenden Funktionen auslöst. Das ist für blinde Menschen nicht nur unpraktikabel, sondern letztlich auch gefährlich, da der Zustand des Kochfeldes nicht beurteilt werden kann.
So wurde es notwendig herauszufinden, welche Hersteller Induktionskochfelder mit herkömmlichen Bedienelementen (Drehschalter) anbieten. Leider musste dabei festgestellt werden, dass Miele derzeit keine für uns brauchbaren Induktionskochfelder auf dem Markt hat.
So bleiben als Markenhersteller Bosch und Siemens übrig, von denen Induktionskochfelder angeboten werden, die auch durch Blinde bedienbar sind. Äußerlich unterscheiden sie sich nicht von anderen Cerankochfeldern; die Position der Kochstellen kann somit nicht einfach ertastet werden. Infolge der geringeren Erwärmung könnte über eine nachträgliche tastbare Markierung der Kochstellen nachgedacht werden. Da die Einwirkung des Magnetfeldes auf den Topfboden von einer gewissen Vibration begleitet ist, kann der Topf vermutlich auch nach Gehör positioniert werden.
Die Bedienung des Kochfeldes erfolgt hier mit Drehknöpfen über das Bedienpanel des Herdes, wobei es sein kann, dass zusätzliche Einstellungen (z.B. Größe der Kochzone) mittels Sensortasten vorgenommen werden müssen. Beim Bosch NIC 605 T 01 E und beim Siemens EQ 34006 erfolgt diese Einstellung über die automatische Topferkennung. Diese Kochfelder weisen 4 Induktionskochstellen auf; besondere Töpfe sind dafür erforderlich und sind in manche Verkaufsangebote gleich einbezogen. Die Produkte Siemens EQ 34003 und EI 755501 sowie Bosch HNF 675 T01 und NIB 645 sind Kombinationen aus zwei Induktions- und zwei herkömmlichen Cerankochfeldern.
All diese Kochfelder werden üblicherweise mit einem komfortablen Backofen zu einem Einbauherd kombiniert; dabei kann es sich z.B. um den Siemens HE 200501 oder den Bosch HEN 20051 handeln. Zu Preisen können hier nur bedingt Aussagen gemacht werden, da die Modelle unterschiedlich lang auf dem Markt sind und evtl. auch im Discount angeboten werden; es kann aber von Preisen von 1.000 bis 1.500 Euro ausgegangen werden.
Wer in den letzten Jahren einmal versucht hat, eine Mikrowelle mit Grill zu beschaffen, die blind bedienbar sein soll, hat erfahren müssen, wie schwierig das sein kann. Fast alle Modelle werden gesteuert über Folien- oder Tipptasten, Drehräder ohne Anschlag (Impulsgeber) sowie über Display. Diese Technik erschließt sich Blinden kaum oder gar nicht.
Um so erfreulicher ist es, wenn gelegentlich doch ein Einfach zu bedienendes Modell auf dem Markt erscheint.
Bei den im Folgenden vorgestellten Produkten handelt es sich durchweg um kleine und eher billige, aber dadurch auch um einfach zu handhabende Geräte.
Panasonic NN-K 105 W oder NN-K 135 M, Severin MW 7823, MDA: Diese Geräte sind sich relativ ähnlich, wobei MDA billiger wirkt als die anderen (Türöffnung mit Griff, wackeliger Grillrost – dafür differenziertere Schaltung der Leistungsstufen).
Die Leistungsaufnahme beträgt 800 W für die Mikrowelle (MDA 700 W) und 1.000 W für den Grill. Der Garraum ist 17 Liter groß (Severin 20 Liter). Die Tür ist mit einem Taster zu öffnen. Der Drehteller wird bei Panasonic nur hineingesetzt und muss nicht zentriert werden. Für das Grillen gibt es einen Grillrostaufsatz für den Drehteller.
Die Zeiteinstellung erfolgt mit einem stufenlosen Drehsteller bis 60 Minuten (Panasonic), 35 Minuten (MDA) und 30 Minuten (Severin). Beim Stufenschalter für die Leistung sind die letzten Stufen mit Grill, wobei eine Stufe für den Grill allein vorgesehen ist. Der Grill ist entweder versenkt oder unter einer Lochblende angebracht – Minimierung der Verletzungsgefahr.
Der Preis beträgt ca. 100 Euro (MDA ca. 50 Euro) und kann angebotsbedingt darunter liegen. Die Geräte werden u.a. in großen Technikmärkten (Saturn, Mediamarkt) angeboten.
Wie uns Leserinnen und Leser des Öfteren mitteilen, ist das Schaufenster mit seinen Tests und Tipps für viele ein wichtiger Bestandteil der "Gegenwart" – das soll auch im Jahr 2007 so bleiben.
Deshalb wäre es hilfreich, wenn Sie der Redaktion einmal Ihre Vorstellungen und Wünsche zur Gestaltung des Schaufensters mitteilen würden. Welche Hilfsmittel interessieren Sie besonders? In welcher Weise wünschen Sie sich die Beschreibung der ausgewählten Produkte? Unser Schaufenster-Redakteur Lothar Rehdes wird Ihre Anregungen gern entgegennehmen.
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