Gegenwart 7 / 8 2006 - ausgewählte Beitträge

Die Gegenwart",
Magazin für blinde und sehbehinderte Menschen und ihre Freunde, Organ des DBSV;
60. Jahrgang.

Redakteur: Dr. Thomas Nicolai

Redaktion "Die Gegenwart"
Rungestr. 19, 10179 Berlin
Tel.: (0 30) 28 53 87-13
Fax: (0 30) 28 53 87-20
E-Mail: gegenwart@dbsv.org (auch für Anzeigen)

Herausgeber:
Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e. V. (DBSV)
Rungestr. 19, 10179 Berlin
Tel.: (0 30) 28 53 87-0
Fax: (0 30) 28 53 87-20
E-Mail: info@dbsv.org
Homepage: www.dbsv.org

Präsidentin: Renate Reimann
Geschäftsführer: Andreas Bethke

"Die Gegenwart" erscheint monatlich (Juli/August als Doppelnummer)

in Punktschrift
in Schwarzschrift
auf Kassette
auf CD ROM im DAISY-Format
im Internet  ( ausgewählte Beiträge, www.dbsv.org)

Jahresbezugspreis: 35 Euro (Abonnenten unter 21 Jahren zahlen den halben Preis).

Informationen über die Zahlungsmodalitäten gibt der DBSV-Zeitschriftenverlag
Frau Wolff
Tel.: (0 30) 28 53 87-22
E-Mail: Zeitschriftenverlag@dbsv.org

Einzugsermächtigung wird erbeten.

Bankverbindung:
Bank für Sozialwirtschaft
BLZ: 100 205 00, Sonderkonto Zeitschriftenverlag
Konto-Nr. 3273301

Anzeigenpreise:

Private Kleinanzeigen bis zu einer Länge von 180 Zeichen kosten pauschal 5 Euro.
Jedes Wort über diesen Umfang hinaus kostet zusätzlich 50 Cent.

Kommerzielle Kleinanzeigen kosten 9,00 Euro pro Druckzeile.

Für Großanzeigen und Beilagen bitte Preisliste anfordern.

Redaktionsschluss und damit Anzeigenschluss ist jeweils der 1. des Vormonats
(für die Januar-Ausgabe jeweils der 20.11.).

Inhaltsverzeichnis

Editorial:

In eigener Sache

Liebe Leserinnen und Leser,

diese Doppelnummer unserer "Gegenwart" hat es in sich, und doch kann sie nur begrenzt wiedergeben, was auf dem Verbandstag des DBSV im Mai geschah und welche Impulse von dort ausgingen. Sicher haben die Delegierten hier und da bereits berichtet. Die Fülle der Erfahrungen und Ideen passt aber nicht auf ein paar Druckseiten, und vieles bedarf auch weiterer Überlegungen. Deshalb werden Sie auch in den nächsten Heften Kerngedanken wieder finden, die weitergedacht, präzisiert oder - und darauf kommt es ja an - in praktisches Wirken umgesetzt werden sollen. Informationen über den DBSV-Verbandstag finden Sie in der Beilage zu dieser Ausgabe. Sicher findet auch der Fußball-Bericht bei etlichen Leserinnen und Lesern besonderes Interesse. Blindenfußball - das ist neu, macht Spaß und erregt in der Öffentlichkeit viel Aufmerksamkeit.

Was unsere Redaktion besonders interessiert, ist Ihre Meinung zur Weiterentwicklung der "Gegenwart". Sie finden in dieser Ausgabe einen Fragenkatalog, um dessen Beantwortung ich Sie herzlich bitte. Ihre Meinung wird uns helfen, die "Gegenwart" noch besser auf Ihre Wünsche einzustellen. Ihre Antworten richten Sie bitte direkt an die

Redaktion "Gegenwart"
Rungestraße 19, 10179 Berlin
Fax: (0 30) 28 53 87-20
E-Mail: gegenwart@dbsv.org

Vielen Dank für Ihre Mitwirkung.

Ihr Dr. Thomas Nicolai  

Liebe Leserinnen und Leser, wir möchten nochmals darauf hinweisen, dass die Kündigung der "Gegenwart" nur zum Jahresende erfolgen kann. Eine dreimonatige Kündigungsfrist ist daher einzuhalten (bis zum 30.09.). Bitte überprüfen Sie bei Einzugsermächtigungen die Kontonummern und Bankleitzahlen. Vielen Dank!

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Blindengeld:

Großer Erfolg im Kampf um das Blindengeld

Das Volksbegehren/Blindengeld hat seine Wirkung nicht verfehlt: Wiedereinführung des Landesblindengeldes gelungen!

Dem Kompromissvorschlag zwischen der Niedersächsischen Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann und dem Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Niedersachsen (BVN) Hans-Werner Lange haben die Koalitionsfraktionen von CDU und FDP am 23.06. zugestimmt.

Damit werden ab 01.01.2007 wieder alle blinden Mitbürger in Niedersachsen ein einkommens- und vermögensunabhängiges Landesblindengeld in der Höhe von monatlich 220,- Euro erhalten unter Beibehaltung der Leistung für blinde Kinder bis zum 25. Lebensjahr in Höhe von 300,- Euro.

Der BVN sieht die Rückkehr zum bewährten System als einen großen Erfolg des über ein Jahr andauernden heftigen Protestes an. "Den Bündnis-Partnern und den vielen Förderern und Unterstützern im Lande, die für das Volksbegehren/Blindengeld fleißig Unterschriften gesammelt haben, fällt ein nicht unerheblicher Anteil an diesem Erfolg zu", so Hans-Werner Lange. "Ohne dieses große und starke Bündnis hätte die Blindenselbsthilfe diesen Erfolg nicht so leicht erreichen können."

Das Land wird zusätzlich eine Million Euro in den "Blindenhilfefonds" einstellen. Das Sozialministerium wird gemeinsam mit dem Landesblindenverband neue Richtlinien zur Vergabe der Mittel erarbeiten. Über Einzelheiten wird im Detail zu befinden sein.

(Pressemitteilung des BVN vom 23.05.2006)

Ohne Kommentar

In der Nordwest-Zeitung, Osnabrück, wurde am 27.05. folgende Verlautbarung veröffentlicht: "Der Bund der Steuerzahler hat die Kehrtwende der Landesregierung beim Landesblindengeld kritisiert. Der Geschäftsführer des Verbandes in Niedersachsen/Bremen, Bernhard Zentgraf, nannte die Wiedereinführung von Pauschalbeträgen für alle Blinden angesichts der desolaten Finanzlage des Landes nicht vertretbar. Es dürfe generell nur eine Förderung strikt nach Bedürftigkeit geben, sagte Zentgraf laut einem Medienbericht."

In der Ostthüringer Zeitung war zu lesen: "Thüringen lehnt eine erneute Änderung des Blindengeld-Gesetzes ab. Thomas Schulz vom Sozialministerium sagte dem MDR, es bleibe zunächst bei der seit Anfang des Jahres gültigen Regelung, wonach nur Blinde und Sehschwache bis 27 Jahre ein pauschales Blindengeld von 300 Euro bekommen. Alle anderen Betroffenen können die vermögensabhängige Blindenhilfe beantragen. Thüringen folge damit nicht Niedersachsen, das wieder vermögensunabhängiges Blindengeld einführen will."

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DBSV-Nachrichten:

DBSV-Verwaltungsrat tagte

Am 17. Mai - einen Tag vor dem Verbandstag - kam in Berlin der DBSV-Verwaltungsrat zusammen. Über einige Ergebnisse informiert Geschäftsführer Andreas Bethke im Gespräch mit der "Gegenwart":

Andreas Bethke: Der Verwaltungsrat hat den Abschlussbericht der Strategiekommission entgegengenommen - ein dickes Werk mit vielen Projekten und Vorhaben, von denen zahlreiche bereits angepackt und teilweise umgesetzt werden konnten. Als eines der Ergebnisse ist auf den Weg gebracht, dass wir im Herbst die DBSV-Karte für alle Mitglieder in den Landesvereinen einführen werden.

Die Karte wird eine Art Familienpass werden für alle Mitglieder. Und sie soll eine "Mehrwertkarte" werden, indem damit Angebote verbunden werden, die den Mitgliedern zugute kommen. Die ersten Verhandlungen dazu sind abgeschlossen. Karteninhaber werden einen 5-Prozent-Rabatt auf alle Produkte des VzFB erhalten. Wir stehen vor der Unterzeichnung eines Rahmenvertrages, der günstiges Mobiltelefonieren bei T-Mobile ermöglichen wird. Und wir sind im Gespräch mit weiteren Hilfsmittelzentralen, um auch von dort Rabatte anbieten zu können. Wir werden das weiter auszubauen haben, sodass sich die Karte zu einem echten Familienpass, zu einer echten Mehrwertkarte entwickelt und ein guter Anreiz wird, die Mitgliedschaft in unseren Landesvereinen anzustreben.

Gab es weitere Punkte, die nicht vom Verbandstag gewissermaßen eingeholt worden sind?

Andreas Bethke: Ja, der Verwaltungsrat hat den Bericht einer internen Prüfkommission entgegengenommen. Darin wird dem DBSV bescheinigt, dass er gut gearbeitet hat in den letzten Jahren, dass mit den Geldern gut gewirtschaftet worden ist, dass der Umzug nach Berlin und die Etablierung der Geschäftsstelle gut gelaufen sind. Es ist schon wichtig, dass dem DBSV bescheinigt wird, dass er mit den ihm anvertrauten Geldern der Mitglieder und mit den Spenden so wie es sich gehört umgegangen ist.

Darüber hinaus hat der Verwaltungsrat beschlossen, die finanzielle Ausstattung des DBSV auf ein festeres Fundament zu stellen, um die DBSV-Arbeit weiter zu stärken. Ab 2007 wird sich der Beitrag, der an den DBSV pro Mitglied abgegeben wird, erhöhen, ohne dass dafür die Landesvereine zusätzlich belastet werden müssen. Mittel, die bisher in einen Fonds geflossen sind und zweckgebunden verwendet werden durften, dann grundsätzlich größtenteils an den DBSV gehen und ein kleiner Teil von 50 Cent pro Jahr und Mitglied in dem Fonds verbleiben.

(Das Gespräch führte Dr. Thomas Nicolai; Kassetten- und DAISY-Version im Originalton).

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In Kürze:

90 Jahre blista & DVBS

14.-15. September 2006 in Marburg

Die Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (blista) und der Deutsche Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. (DVBS) begehen in diesem Jahr gemeinsam ihr 90-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass laden sie u.a. am 15.9. alle, die sich den beiden Organisationen verbunden fühlen, zu einem großen Gartenfest ein. Sie wollen das Jubiläum aber auch zur Diskussion der aktuellen sozialpolitischen Herausforderungen nutzen. Dazu bietet insbesondere die Tagung "Sozialstaat unter der Augenbinde - Entwicklungen, Grenzen und Visionen" am 14. und 15.9. Gelegenheit.

Mehr Infos zum Programm und die Anmeldeunterlagen zur Tagung gibt es unter

www.blista/jubilaeum.de oder
Tel.: (0 64 21) 606 -102 bzw. kann unter
jubilaeum@blista.de

angefordert werden.

Gold für Gehwegparker-Kärtchen

Mit Platz 1 im bundesweiten Wettbewerb "mobil und sicher" der Deutschen Verkehrswacht wurde am 12.05. die Gemeinschaftsinitiative gegen Gehwegparker der Kreisverkehrswacht Hohenlohe e.V. (KVW Hohenlohe) sowie des Bundesverbandes Selbsthilfe Körperbehinderter e.V., Krautheim, (BSK) und der Polizeidirektion Künzelsau, prämiert. Unter 32 Mitkonkurrenten aus ganz Deutschland überzeugte die Aufklärungsaktion mit dem Ziel "freie Gehwege für Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen" die Auswahljury, die den "mobil-und-sicher"-Preis in Gold anlässlich ihrer Hauptversammlung den drei Vertretern Rudi Schmidt (KVW Hohenlohe), Peter Reichert (BSK) sowie Gerhard Wolpert von der Künzelsauer Verkehrspolizei als Initiator des Hinweiszettels jetzt in Hannover überreichte.

Mit selbstklebenden Hinweiszetteln, die auch von Menschen im Rollstuhl selbstständig an behindert geparkten Autos angebracht werden können, sollen Gehwegparker auf die riskante Situation aufmerksam machen, die sie mit ihrem oftmals gedankenlosen Verhalten schaffen. Der BSK versendet diese gegen die Erstattung der Portokosten (Anforderungen unter der Telefonnummer 0180 5000 314).


Bild: Die Gewinner Gerhard Wolpert, PD Künzelsau und Initiator, Rudi Schmidt, Geschäftsführer Kreisverkehrswacht Hohenlohe und Peter Reichert, Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V., Krautheim (BSK) von links in der vorderen Reihe.

Berliner Unterwelten

Das Unterweltenmuseum des "Berliner Unterwelten e.V.", das sich im Bereich des S- und U-Bahnhofes Gesundbrunnen befindet, bietet spezielle Führungen für blinde und sehbehinderte Interessenten an. Während der rund 90-minütigen Führung wird ein Bauwerk begangen, das im Zustand seiner Nutzung als Luftschutzanlage für die Zivilbevölkerung Berlins zwischen 1941 und 1945 erhalten ist.

Es wird erläutert, wie sich das Leben in und um Anlagen wie diese abgespielt hat, wie es zum Bau kam, was aus den Anlagen wurde und vieles mehr. Auch die zivile Nutzung des Berliner Untergrundes bis in die heutige Zeit hinein spielt eine Rolle.

Nähere Informationen bei
Martin Rauhut
Tel.: (0 33 81) 41 03 58
E-Mail: MartinRauhut@aol.com

Das "BIG BANG Orchestra" feiert Weltpremiere

Zu einer Weltpremiere lädt die Künstleragentur Handicap Event Management am 13.07. um 20.00 Uhr in das große Haus des Hofer Theaters ein. Klaus Kreuzeder, Saxofonist auf Weltklasse-Niveau und einer der populärsten deutschen Musiker mit Handicap, präsentiert mit einem großen Live-Konzert erstmals sein neuestes Musikprojekt - das "BIG BANG Orchestra" - der Öffentlichkeit. Karten sind im Vorverkauf direkt beim Theater Hof erhältlich.

E-Mail: kasse@theater-hof.de
Tickethotline: (0 92 81) 70 70-290


Messe Reha fair berlin

Die Messe Reha fair Berlin 2006 für Menschen mit und ohne Behinderungen mit den Schwerpunkten Prävention, Rehabilitation, Integration sowie allgemeine Gesundheit findet vom 28. bis 30.09. statt; Veranstalter BS Berlin Service GmbH.

Nähere Informationen erhalten Sie auf der Internetseite:
www.rehafairberlin.de oder
Tel.: (0 30) 26 93 40 -36

Landesgartenschau in Heidenheim

Noch bis zum 03.10. erwartet die Landesgartenschau Baden-Württemberg in Heidenheim ihre Besucher. Sie ist jeweils von 9.00 bis 20.00 Uhr geöffnet. Mit Behindertenausweis beträgt der Eintritt 11 €, Begleitpersonen frei, Blindenführhunde dürfen rein, andere Hunde nicht. Gruppen sollten sich zu Führungen anmelden.

Eine Anzahl von Gruppenbetreuern wurde im Umgang mit blinden und sehbehinderten Menschen unterwiesen. Diese Gruppenbetreuer holen auf Wunsch die Gruppe bereits am Bahnhof Heidenheim oder auch direkt auf dem Omnibusparkplatz ab. Der Abholwunsch sollte bereits bei der Anmeldung geäußert werden.

Kontakt unter
Tel.: (0 73 21) 27 34 - 0
Fax: (0 73 21) 27 34 - 20
E-Mail: lgs.gmbh@heidenheim.de

Alle Informationen im Internet unter
www.landesgartenschau-heidenheim.de

Singen, Sport und Männer-Wohlfühlwoche in Bad Liebenzell

Im Juli und August kann man im RKH in Bad Liebenzell ein "Sommer-Sonne-Urlaubs-Paket" buchen. Im Pauschalpreis sind Übernachtung, Bahnhofstransfer, Begrüßungsdrink und eine Fußreflexzonenmassage enthalten. Vom 12. bis 20.8. können bei der Sommer-Singfreizeit mehrstimmige Chorsätze und reizvolle Kompositionen einstudiert werden.

Schwerpunkte des Repertoires sind fremdsprachige und beschwingte Stücke. Die Wohlfühlwoche vom 22. bis 27.8. beinhaltet ein kompaktes Wellnesspaket für Frauen. Parallel dazu wird erstmalig eine Wohlfühlwoche für Männer angeboten (mit Brauereibesichtigung).

Für fitte und interessierte Sportskanonen ist die Sportwoche eine gute Gelegenheit, in bekannte und unbekanntere Sportarten reinzuschnuppern (Walking, Golfen, Hallenzirkeltraining, Tandemfahren und Segelfliegen).

Weitere Informationen direkt im
RKH unter
Tel.: (0 70 52) 9 20 40
Internet: www.rudolf-kraemer-haus.de

IX. Liedertage in Boltenhagen

Vom 8. bis 12.11. finden im AURA-Hotel Boltenhagen die IX. Liedertage statt. In diesem Jahr werden wir uns im Rahmen von Präsentationen, Kurzvorträgen, Hörstunden sowie Konzerten und Workshops den unterschiedlichen Musikrichtungen widmen, deren Ursprung auf den britischen Inseln zu finden ist. Die Rockmusik wird genau so Thema sein wie die irische Folk-Musik, aber auch die Punk-Bewegung und die Session-Szene in Nord-England werden näher präsentiert. Zwei Konzerte sind vorgesehen; eines mit dem Sänger und Klavierspieler Paul Millnes, der sowohl zarte Balladen als auch markigen Blues singt, sowie dem Irland-Fan Harald Jüngst, Autor, Musiker und Moderator, der mit seinen Musikern der Gruppe Sheevon eine musikalisch begleitete Lesung aus seinem Buch "Mein grünes Herz bebt" halten wird. Überraschungen bietet die Offene Bühne - von Teilnehmern und in den letzten Jahren auch von auswärtigen Gästen gestaltet - immer wieder; Tage und Nächte voller Musik, mit alten Bekannten und neuen Freunden - das sind die Liedertage.

Programm im Internet:
www.liederleute.de

Anfragen und Anmeldungen (bis 1.10.) bei:
LiederLeute e.V. c/o Thomas Vallentin
Küselstr. 5, 10409 Berlin
Tel.: (0 30) 424 97 96
E-Mail: kontakt@liederleute.de

AURA-Hotel Saulgrub


AURA-Hotel Saulgrub
Tel.: (0 88 45) 99-0
E-Mail: saulgrub@bbsb.org
Internet: www.bbsb.org

Behinderungs-ART-Festival im Juli in München

Beim diesjährigen Streetlife-Festival in München am 15. und 16.7. wird die Agentur Handicap Event Management innerhalb eines zweitägigen Event-Programms auf eigener Bühne zahlreiche von ihr betreute Künstler präsentieren.

Am 15.7. werden auf der Bühne in der Leopoldstraße die Jazz- und Soulsängerin Ute Kaiser (17.00 Uhr), die Band "Child in Time" (18.45 Uhr) und der Rockmusiker Mike Al Becker mit Band (20.15 Uhr) auftreten.

Am 16.7. um 12.45 Uhr mit der "Blind Foundation", die sich nochmals im Wechsel mit anderen Künstlern um 14.00 Uhr und um 16.00 Uhr präsentiert, um 13.00 Uhr die blinde Sängerin Andrea Eberl und Leslie Mader (blind), 15.00 Uhr sowie der ebenfalls blinde Liedermacher Robert Lütteke (17.00 Uhr). Den Höhepunkt des Behinderungs-ART-Festivals bildet um 18.15 Uhr der Auftritt von Klaus Kreuzeder - einem der populärsten deutschen Saxofonisten im Jazz- und Pop-Bereich.

Weitere Informationen und Kontakt unter
www.handicap-event-management.de und
www.streetlife-festival.de oder
Tel.: (0 92 81) 14 07 97 - 97


Kein Stress am Telefon

Kundenorientiertes Verhalten am Telefon in Standard- und Problemsituationen will das Berufsförderungswerk Düren in einem Weiterbildungsseminar vermitteln, das vom 13. bis 24.11. angeboten wird. In diesem zweiwöchigen Intensivtraining geht es von A wie Aussprache bis zu Z wie Zufriedenheit des Kunden.

In Rollenspielen mit Video-Aufzeichnung wird der richtige Umgang auch mit schwierigen Kunden eingeübt. Schwerpunkte des Seminars sind Stimm- und Sprechtechnik, erfolgsorientierte Gesprächsführung, Arbeitstechniken zur Informationsverarbeitung sowie Hilfen zur Stressbewältigung und Selbstmotivation.

Zuständiger Kostenträger für schwerbehinderte Arbeitnehmer ist das Integrationsamt. Mit der Zustimmung des Arbeitgebers kann dort eine Kostenbewilligung beantragt werden.

Nähere Auskunft erteilt beim
Berufsförderungswerk
Abteilungsleiter Helmut Stahl
Tel.: (0 24 21) 5 98 2 03 oder
E-Mail: stahl@bfw-dueren.de

Villa Rochsburg lädt ein

Zu einem Jugendtreffen vom 27. bis 30.7. lädt die Villa Rochsburg - die Erholungsstätte des BSV Sachsen - ins schöne Muldental ein. Der Besuch einer Sommerrodelbahn, Schlauchbootfahren auf der Zwickauer Mulde, Kegeln und Grillabend sind u.a. geplant. Bei schlechtem Wetter geht es in ein Freizeit- und Erlebnisbad.

Eine Musikwoche startet vom 2. bis 6.10. Sie steht unter dem Motto "Wer gern singt und musiziert". Geplant ist auch ein Besuch im kürzlich wiedereröffneten Instrumentenmuseum von Leipzig. Kurzfristig werden auch andere und zusätzliche Wünsche der Gäste vom Villa-Team individuell organisiert.

Anmeldungen und weitergehende Informationen:
Villa Rochsburg
Tel.: (03 73 83) 8 34 01

DZB aktuell

Die DZB beschriftet seit einiger Zeit ihre Zeitschriften DAISY-TV und DAISY-Radio mit Punktschrift und Großdruck. Nun wird dieser Service auf alle im DAISY-Format erscheinenden Zeitschriftenausgaben der DZB ausgedehnt. Zusätzlich zum Schwarzdruck-Label auf der CD befindet sich zu diesem Zweck auf der Rückseite der CD-Hülle ein Aufkleber in Punktschrift und Großdruck. Er enthält jeweils ein Kennzeichen für den Zeitschriftentitel und die Ausgabenummer.

Kontakt: Zeitschriften-Abo:
Tel.: 0341 7113-120

BIT-Tipp

Mankell, Dische und Camilleri

International renommierte Autoren erzählen magische Geschichten: Im Anschluss an die WM startet das BIT-Zentrum drei besondere Fortsetzungsromane in Punktschrift.

Andrea Camilleri, der "Superstar der italienischen Krimiszene" (Brigitte) präsentiert "Der falsche Liebreiz der Vergeltung", die ersten drei Fälle seines berühmten Commissario Montalbano.

Der schwedische Kultautor Henning Mankell (Kommissar Wallander) gewährt in "Das Auge des Leoparden" einen tiefen Einblick in die Seele Afrikas.

Irene Dische erteilt in "Großmama packt aus" ihrer Oma das Wort. Frisch, frech und frivol erzählt sie Ihre erstaunliche Lebensgeschichte aus dem aufregenden 20. Jahrhundert.

Diese aktuellen Bestseller erhalten sie als Komplettausgabe oder in preisgünstigen Fortsetzungen ab dem 14. Juli.

Weitere Infos und kostenlose Leseproben gibt es im
BIT-Zentrum
Tel.: (0 89) 5 59 88-134 (Frau Elmer) oder -144 (AB)
E-Mail: Bit@bbsb.org

Themenführungen im Kestner-Museum Hannover

Zu fünf verschiedenen Themenbereichen hat das Kestner-Museum in Hannover Führungen für blinde und sehbehinderte Besucher vorbereitet. Das Angebot wendet sich vor allem an Schulklassen, kann aber auch für andere Gruppen angepasst werden.

Neben den alten Griechen und Ägyptern kann man auch das Design von Alltagsgegenständen sowie Bestecke und Trinkgefäße in ihrer kulturgeschichtlichen Dimension begreifen.

Informationen gibt
Pia Drake
Kestner-Museum
Tel.: (05 11) 168 4 56 77
E-Mail: pia.drake@hannover-stadt.de

Paddeln in Neustrelitz!

Frauenoutdoor e.V. lädt alle Paddel-interessierten Blinden und Sehbehinderten vom 18. bis 20.8.06 zu einem Paddelwochenende ein. Vorkenntnisse nicht erforderlich.

Infos:
www.frauenoutdoor.de/tourenfuerblinde.html
info@frauenoutdoor.de
Tel.: (05 21) 1 64 00 20

Neues im DAISY-Format

In den Studios der WBH wurde im März 2006 eine neue Lesung der alttestamentarischen Psalmen in der Fassung der Einheitsübersetzung durch den Sprecher Günter Rohkämper-Hegel im DAISY-Format aufgenommen. Der Versand der CD-ROM erfolgt als Blindensendung, die Rechnung inkl. vorbereitetem Überweisungsträger wird über den üblichen Postweg verschickt.

Wir freuen uns, ab Juli für unsere Abonnenten die Zeitschrift "Das Beste" auch als DAISY-Version anbieten zu können. Die Belieferung kann für Abonnenten auf Wunsch problemlos umgestellt werden, eine kurze Mitteilung genügt.

Anfragen bitte an die
Westdeutsche Blindenhörbücherei e.V.
Harkortstr. 9, 48163 Münster
Tel.: (02 51) 71 99 01
Fax: (02 51) 71 28 46
E-Mail: wbh@wbh-online.de
homepage: www.wbh-online.de

Rechtsauskunft:

Rückschritt befürchtet

Der Deutsche Behindertenrat ist alarmiert. "Durch die Föderalismusreform droht ein schwerer Rückschlag für die Rechte behinderter Menschen", erklärt die Sprecher-ratsvorsitzende Brigitte Setzer-Pathe.

"Es muss dringend Änderungen bei der Föderalismusreform geben, sonst wird das Bundesgleichstellungsgesetz ausgehöhlt. Der Deutsche Behindertenrat fordert die Abgeordneten im Deutschen Bundestag nachdrücklich auf, die Föderalismusreform so zu gestalten, dass es nicht zu nachteiligen Auswirkungen für behinderte Menschen kommt."

Gravierende Auswirkungen auf die Rechte behinderter Menschen ergeben sich durch die Veränderung der Zuständigkeit in folgenden Bereichen: Gaststättengesetz, Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz, Heimrecht, Hochschulrahmenrecht sowie der Art.84 des Grundgesetzes (Verfahrensgesetz).

Das Gaststättengesetz und das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz sind für die Sicherstellung der Barrierefreiheit von herausragender Bedeutung.

Das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz hat sich in den vergangenen Jahren als das bedeutendste Instrument zur Herstellung barrierefreier Lebensverhältnisse im öffentlichen Raum erwiesen. Dies betrifft zum Beispiel den Bau von Gehwegen und Straßen sowie den Öffentlichen Nahverkehr.

Nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz ist eine möglichst weit reichende Barrierefreiheit Voraussetzung für Finanzhilfen des Bundes an die Kommunen. Der Entwurf für das Föderalismusreform-Begleitgesetz sieht zwar einen Ausgleich für den Wegfall der Finanzhilfen vor, aber die Zweckbindung an die Herstellung der Barrierefreiheit und die Beteiligung behinderter Menschen an der Planung entfällt. Die gesetzlichen Regelungen der Bundesländer zur Herstellung von Barrierefreiheit können diese Lücke nicht schließen. Keines der Gleichstellungs-, Nahverkehrs- oder Straßengesetze der Bundesländer sieht eine dem §3 Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz gleichwertige Regelung vor. Diese Regelung muss weiterhin volle Gültigkeit behalten.

Nach dem Gaststättengesetz kann die Erlaubnis zum Betrieb einer Gaststätte versagt werden, wenn die für Gäste bestimmten Räume nicht barrierefrei sind. Die Übertragung des Gaststättengesetzes auf die Bundesländer wäre daher ein schwerer Rückschlag für die gleichberechtigte und selbstbestimmte Teilhabe behinderter Menschen am Leben in unserer Gesellschaft.

Die Föderalismusreform sieht außerdem vor, dass die Bundesländer bei der Hochschulzulassung und den Hochschulabschlüssen vom Bundesrecht abweichen können. Dies betrifft auch das Hochschulrahmengesetz, das im Zuge des Behindertengleichstellungsgesetzes ergänzt wurde.

Danach tragen die Hochschulen dafür Sorge, dass behinderte Studierende in ihrem Studium nicht benachteiligt werden und die Hochschule möglichst ohne fremde Hilfe in Anspruch nehmen können. Die Prüfungsordnungen müssen die besonderen Belange behinderter Studierender zur Wahrung ihrer Chancengleichheit berücksichtigen. Künftig können die Länder diese Regelungen ändern. Der Deutsche Behindertenrat befürchtet daher, dass sich die Studienbedingungen behinderter Menschen verschlechtern.

Auch die Änderung von Art.84 Grundgesetz (Verfahrensgesetz) stößt auf schwere Bedenken des Deutschen Behindertenrats. Danach können die Länder die Einrichtung der Behörden und das Verwaltungsverfahren selbst regeln, wenn sie Bundesgesetze als eigene Angelegenheit ausführen. Der Deutsche Behindertenrat sieht die große Gefahr, dass die durch das SGB IX geschaffenen gemeinsamen Verfahrensvorschriften zur Durchführung des Gesetzes für die Träger der Sozialhilfe und der öffentlichen Jugendhilfe ins Leere laufen. Dies gilt insbesondere für die Verfahrensvorschriften zum trägerübergreifenden Persönlichen Budget. Gefährdet wäre zudem die Arbeit der gemeinsamen Servicestellen der Rehabilitationsträger, die u.a. die Integration behinderter Menschen in das Berufsleben sicherstellen sollen.

"Die Neufassung des Artikel 84 GG würde somit den wichtigen Zielen des SGB IX zur Teilhabe behinderter Menschen zuwiderlaufen", warnt die DBR-Sprecherratsvorsitzende Brigitte Setzer-Pathe. Der Deutsche Behindertenrat fordert hier eine gesetzgeberische Klarstellung, wonach das SGB IX ein Ausnahmefall im Sinne des Artikels 84 GG ist. Damit wäre gesichert, dass hier ausschließlich Bundesrecht gilt.

Schwere Bedenken hat der Deutsche Behindertenrat auch gegen die Übertragung des Heimrechts vom Bund auf die Länder. Es besteht die Gefahr, dass dies zu unterschiedlichen Qualitätsstandards in Pflegeheimen und Heimen für behinderte Menschen führt. Dies ist für den Deutschen Behindertenrat in keiner Weise akzeptabel.

(Pressemitteilung des Deutschen Behin

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Seniorenverbände fordern Gleichbehandlung

Bei einer Befragung von Banken und Versicherungen ist die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) auf Fälle von Altersdiskriminierung gestoßen. So ist der Abschluss einer privaten Zusatz-Krankenversicherung in der Regel nur bis zum Alter von 65 oder 70 Jahren möglich. Falls eine Reisekrankenversicherung überhaupt noch abgeschlossen werden kann, steigt der Beitrag ab einem bestimmten Alter um 50, 100 oder sogar 250 Prozent an. "Solche Unterschiede lassen sich nur schwerlich mit einer risikogerechten Kalkulation erklären. Man hat eher den Eindruck, es geht den betreffenden Unternehmen um Abschreckung", so die BAGSO-Vorsitzende Roswitha Verhülsdonk. Auch das Verhalten der Banken und Sparkassen wird von den Seniorenvertretern kritisiert. Insbesondere bei der Kreditvergabe spielt das Alter eine entscheidende Rolle, auch wenn es hier keine starren Altersgrenzen gibt. Die Banken berücksichtigen nicht nur die statistisch geringere Lebenserwartung älterer Menschen. Sie gehen häufig pauschal davon aus, dass die Rückzahlung des Kredits durch den Eintritt eines Pflegefalls oder durch die Verminderung der Rente im Falle der Verwitwung gefährdet ist. "Berechtigte Überlegungen, die aber im Ergebnis nicht dazu führen dürfen, dass Kredite von vornherein verwehrt werden", so Verhülsdonk. "Da müssen eben individuelle Lösungen gefunden werden, die den Interessen der Beteiligten gerecht werden."

Besonders empörend findet es die BAGSO-Vorsitzende, wenn Banken ihren langjährigen Kunden den Dispo-Kredit streichen, auch wenn der nie in Anspruch genommen wurde. Dass dies dann auch noch "zum Schutz des Kunden" geschieht, zeigt, dass etwas mit dem Altersbild in unserer Gesellschaft nicht stimmt.

Ältere Menschen haben ein Recht darauf, ebenso behandelt zu werden wie andere Kunden auch. Dies muss auch, so die Forderung des Dachverbands, der über seine Mitgliedsorganisationen mehr als 12 Mio. Seniorinnen und Senioren vertritt, im zivilrechtlichen Teil des neuen Gleichbehandlungsgesetzes zum Ausdruck kommen. Es muss verhindert werden, dass sich die Unternehmen nur die Rosinen aus dem Seniorenmarkt herauspicken und die älteren Menschen von Angeboten ausschließen, die allen anderen Kunden zur Verfügung stehen.

(Aus einer Pressemitteilung der BAGSO)

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Woche des Sehens:

Wie sieht Ihre Aktion aus?

Gut drei Monate sind es noch, dann findet zum fünften Mal die "Woche des Sehens - Blindheit verstehen, Blindheit verhüten" statt, die traditionell den Welttag des Sehens mit dem Tag des weißen Stocks verbindet. Damit ist es an der Zeit, sich Gedanken zu machen, welche Aktionen bei Ihnen vor Ort durchgeführt werden könnten.

Auch 2006 wieder drei Schwerpunkte

Wie bereits in den letzten Jahren haben die acht Veranstaltungspartner der WdS auch dieses Jahr unter dem Motto "Blindheit verstehen, Blindheit verhüten" drei Schwerpunktthemen herausgegriffen. Der DBSV würdigt das 200-jährige Jubiläum der Blindenbildung in Deutschland. Ein Höhepunkt ist hier eine zweitägige Tagung zu diesem Thema in Berlin. Aber auch vor Ort kann man durch eine Vielzahl von Aktionen das Thema aufgreifen: Ein Schnellkurs in Blindenschrift mit anschließender Schreibprüfung auf dem Marktplatz oder ein Crashkurs in O&M sind nur zwei Möglichkeiten, verschiedene Dimensionen der Blindenbildung mit entsprechenden Aktionen darzustellen.

Auch 2006 beschäftigt sich die Aktionswoche wieder mit einer speziellen Augenkrankheit: Nachdem es im letzten Jahr die altersbedingte Makula-Degeneration war, leisten Augenärzte dieses Jahr Aufklärungsarbeit zum Thema Diabetische Retinopathie: Rund vier Millionen Menschen leiden in Deutschland an Diabetes. Schätzungsweise 30.000 von ihnen haben bereits durch diese Krankheit ihr Augenlicht verloren. Eine fachgerechte Früherkennung und Behandlung könnte diese Zahl deutlich verringern. Deshalb haben es sich die Augenärzte zum Ziel gesetzt, durch Aufklärungskampagnen auf diesen Umstand hinzuweisen. Sie werden während der Woche des Sehens neben speziellen Beratungen in den Praxen Telefonforen in Zusammenarbeit mit Tageszeitungen anbieten. Die Diabetesberater der Blinden- und Sehbehindertenvereine haben die Möglichkeit, bei diesen Telefonforen als Berater teilzunehmen.

Ein drittes Ziel der WdS ist es, die Kampagne "Vision 2020, das Recht auf Augenlicht" bekannt zu machen. Diese Kampagne hat es sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 die durch vermeidbare Augenkrankheiten ausgelöste Blindheit weltweit zu überwinden. Aktionen im Rahmen dieser Kampagne werden vor allem von der Christoffel Blindenmission (CBM), dem Hilfswerk der Lions und dem Komitee zur Verhütung von Blindheit durchgeführt.

Neuer Aktionsleitfaden verfügbar

Der Kreativität sind bei der Planung von Aktionen wie immer keine Grenzen gesetzt. Allerdings ist es schon ein guter Brauch, dass das Organisationsteam der WdS einen Leitfaden herausgibt, in dem sich zahlreiche Ideen für kreative Aktionen finden. So erfahren Sie im Leitfaden, wie Sie eine Vorführung eines blindengerechten PC-Arbeitsplatzes auf dem Marktplatz organisieren, genau wie die Schritte, die Sie vornehmen müssen, um ein publikumswirksames Dunkelcafé auf die Beine zu stellen. Selbstverständlich geht der Leitfaden auch ausführlich auf die drei Schwerpunktthemen der WdS ein: Er verrät, wie man einen gelungenen Punktschriftschnellkurs organisiert und wie dieser auch bei Regen zum Erfolg wird. Sie erfahren, was Sie für die Kampagne "Vision 2020" tun und wie Sie in Zusammenarbeit mit Ihrem Augenarzt Aufklärungsarbeit zur diabetischen Retinopathie leisten können. Das einzige, was Sie noch selbst erledigen müssen, ist, den Leitfaden beim Projektkoordinator der WdS zu bestellen. Sie erhalten ihn in Schwarzschrift oder elektronisch unter Tel.: (0 30) 28 53 87 28.

Finanzielle Zuschüsse winken

Wie schon in den vergangenen Jahren, haben wir auch 2006 wieder einen Fördertopf für regionale Aktionen eingerichtet. Führen Sie Ihre Aktion mit mindestens zwei weiteren Partnern der WdS durch, winkt ein Zuschuss. Die Förderung kann beispielsweise erfolgen, wenn eine DBSV-Bezirksgruppe gemeinsam mit einem ansässigen Augenarzt und einer DVBS-Gruppe eine Aktion durchführt. Sie können sich entweder selbst um regionale Kooperationspartner bemühen, indem Sie unseren speziell dafür eingerichteten Bereich auf der WdS-Internetseite nutzen, oder Sie bitten den Projektkoordinator der Woche des Sehens um Hilfe bei der Partnersuche. Auf der Internetseite erfahren Sie auch, welche Organisationen als Partner zur Verfügung stehen.

Förderungsfähige Anträge können bis einschließlich 15. September 2006 beim Projektkoordinator der WdS eingereicht werden. Wichtig ist, dass die Aktionen eindeutig als WdS-Veranstaltung gekennzeichnet sein müssen. Eine finanzielle Unterstützung kann nur erfolgen, wenn die einzelnen Kosten für Ihre Veranstaltung im Antrag aufgeführt werden.

Ihre Ansprechpartner für die Woche des Sehens

Für Informationen, Anfragen und die Unterstützung bei der Organisation von Veranstaltungen steht ihnen der WdS-Projektkoordinator

Tobias Straub in der
DBSV-Geschäftsstelle unter der
Telefonnummer (0 30) 28 53 87-28 bzw.
E-Mail: t.straub@woche-des-sehens.de

zur Verfügung.

Alle Informationen können Sie auch auf der WdS-Internetseite www.woche-des-sehens.de abrufen.

Tobias Straub  

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Im Beruf:

Chancengleichheit herstellen

Vertreter des Arbeitskreises Bildung und Beruf des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes (BBSB) trafen sich Ende April im Berufsförderungswerk (BFW) Würzburg.

BFW-Geschäftsführer Alfred Schulz begrüßte die Gäste persönlich, unter ihnen BBSB-Landesgeschäftsführer Christian Seuß und Christian Biber, bayerischer Landesvorsitzender des Verbandes der Blinden- und Sehbehindertenpädagogen und -pädagoginnen (VBS). Die Tagungsteilnehmer informierten sich über das Leistungsspektrum des BFW.

Um die Integration in den Beruf erfolgreich zu gestalten, setzt das in Veitshöchheim ansässige Bildungszentrum unter anderem auf eLearning, den Europäischen Wirtschaftsführerschein und innovative Ausbildungsberufe. Lehrkraft Monika Weigand stellte die Inhalte der über 20 verschiedenen eLearning-Kurse vor, die den blinden und sehbehinderten BFW-Teilnehmern über das Medium Internet vermittelt werden.

"Blinde und sehbehinderte Menschen finden am BFW Würzburg neue berufliche Perspektiven", skizzierte Leiterin Qualifizierung Petra Baader die vorrangige Aufgabe der Einrichtung. "Idealerweise möchten wir auf dem Arbeitsmarkt Chancengleichheit für Blinde und Sehbehinderte herstellen." Hierzu bietet das BFW Würzburg den rund 200 Rehabilitanden eine Vielzahl an blindheits- und sehbehindertengemäßen Qualifizierungsmaßnahmen an.

Das Spektrum am BFW Würzburg umfasst über fünfzehn verschiedene Berufe, vorwiegend im kaufmännischen Umfeld und im Bürobereich. "Die jüngsten Zweige in unserem Portfolio sind die Ausbildungen zu den Informatikkaufleuten Fachrichtung Anwendungsentwicklung und zu den Kaufleuten im Gesundheitswesen", betonte Petra Baader gegenüber dem Arbeitskreis und stellte die beiden neuen Berufsbilder eingehend vor. Nähere Informationen über die Qualifizierungsmaßnahmen und die Arbeit am BFW Würzburg finden Sie im Internet unter www.bfw-wuerzburg.de .

Marcus Meier  

Vollblinde Azubis des BBW Soest schaffen die erste Hürde zum ECDL

Ein Abschlusszeugnis allein ist heute nicht mehr ausreichend, wenn es darum geht, eine Arbeitsstelle zu finden. Gefragt sind besondere Qualifikationen oder Erfahrungen.

Das Berufsbildungswerk Soest bietet insbesondere seinen kaufmännischen Auszubildenden daher die Möglichkeit, den ECDL, den Europäischen Computerführerschein, im Rahmen der Ausbildung zu erwerben.

Ein Problem bestand bisher darin, dass die online durchzuführende Abschlussprüfung nicht barrierefrei war. Doch das ändert sich nun: Am 4. April 2006 schafften die blinden Azubis Marina Flach, Dennis Zwicker und Jorgo Papasoglou im Rahmen eines Pilotprojektes auf Anhieb die Online-Prüfung im Modul Textverarbeitung (Microsoft Word 2003) des ECDL.

In Zusammenarbeit mit der Dienstleistungsgesellschaft für Informatik (DLGI) und dem Berufsbildungswerk für Blinde und Sehbehinderte in Soest wurde erstmals in einem Pilotprojekt das Word 2003 Modul barrierefrei geprüft und von den Teilnehmern begeistert aufgenommen.

Der Projektleiter Dr. Hartmut Sommer war sowohl vom Know-how als auch vom Handling der Teilnehmer begeistert. Er plant in Zusammenarbeit mit dem BBW Soest weitere Module durchzuführen. Zukünftig sollen alle blinden und sehbehinderten Menschen die Möglichkeit haben, genauso wie alle sehenden den ECDL zu erwerben. Am 06.04.2006 haben acht weitere Auszubildende des 3. Lehrjahres den ersten Schritt zum "ECDL-Start" geschafft. Stefan Pietzsch hat mit 3 mal 97 Prozent und einmal 86 Prozent ein Traumergebnis erzielt. Insgesamt war die Prüfung am 06.04.2006 ein Riesenerfolg, da fünf Teilnehmer weit über dem Durchschnitt bestanden haben. Aber nicht nur die Auszubildenden waren erfolgreich: Ralf Rickert, Ausbilder im Berufsfeld Wirtschaft und Verwaltung, hat am 28.4. erfolgreich die Prüfung zum ECDL-Advanced abgelegt. Er ist nun autorisiert, die Prüfungen zum ECDL als Prüfungsleiter in Kooperation mit dem Berufsbildungszentrum der Kreishandwerkerschaft Soest abzunehmen.

Damit sind im BBW Soest nun alle Voraussetzungen für die blinden- und sehbehindertengerechte Vorbereitung und Durchführung der Prüfungen zum ECDL gegeben.

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Hilfsmittel:

Richtige Optik und hilfreiche Elektronik

Einmal im Jahr suchen die Hilfsmittelberater der Landesvereine des DBSV den persönlichen Gedankenaustausch, und Weiterbildung ist ebenfalls sehr gefragt.

Diesmal traf man sich vom 23. bis 26.03. im AURA-Hotel Bad Meinberg. Die Tagesordnung war gut gefüllt; die Plätze dagegen nicht ganz so gut, denn nicht jeder Landesverein war vertreten, was bedauerlich ist.

Schwerpunktthema war "Low Vision" - also die Betreuung und Rehabilitation hochgradig sehbehinderter Menschen, ihre Beratung und die Versorgung mit Sehhilfen.

Einen eindrucksvollen Vortrag hielt dazu Herr Buser aus der Schweiz. Er machte in besonders eindrucksvoller und überzeugender Weise mit den Fassetten des Themas vertraut. Es wurde klar, dass Low Vision Rehabilitation mehr ist, als die Versorgung mit optischen Hilfsmitteln. Die hierzu gewonnenen Erkenntnisse können dazu dienen, berechtigte Forderungen für die Gestaltung des öffentlichen Raumes (z.B. im Verkehrswesen) geltend zu machen. Auch bei der Einrichtung der Wohnumwelt ist noch manches Umdenken erforderlich, um durch optimale Beleuchtung die Reserven des Sehvermögens zu erschließen.

Von Herrn Gerull (Pro Retina) wurden spezielle Low Vision Aspekte am Beispiel der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) beleuchtet. Die Präsentation von optischen Hilfsmitteln für den Low Vision Bereich durch Frau Nickel verhalf dem Thema zu praktischer Veranschauung.

Der Hilfsmittelversorgung und Schulung blinder Diabetiker widmete sich das Referat von Frau Droßel (Diabetesbeauftragte des DBSV). Der sehr detailreiche Vortrag wollte den Beteiligten zuerst einen grundlegenden Eindruck vermitteln, welche Konsequenzen Diabetes im Allgemeinen sowie Diabetes und Blindheit im Besonderen für die Betroffenen haben. Anschaulich wurden die Probleme bei der Beschaffung geeigneter Geräte (Blutzuckermessgeräte, aber auch Pens für das Spritzen) erläutert.

Nach wie vor gibt es großen Aufklärungsbedarf bei den Ärzten und Diabetesberaterinnen zu Diabetes und Blindheit sowie zur technischen Versorgung. Besondere Bedeutung bei der Betreuung der blinden Diabetiker kommt den Diabetesbeauftragten in den Landesvereinen zu.

In einer Präsentation stellte die Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB) ihre Produktpalette vor. Der Direktor, Herr Dr. Kahlisch, berichtete sowohl über die Pflege und kontinuierliche Entwicklung des Punktschrift- und Reliefbestandes, als auch über die Innovationen beim DAISY-Buch und bei der Notenübertragung.

Weiterhin stand das Telefon für ältere Blinde und Sehbehinderte auf der Tagesordnung. Wenn wir auch von optimalen Lösungen meist weit entfernt sind, konnte Herr Rehdes in seinem Vortrag doch einige Hinweise zur Beschaffung brauchbarer Geräte geben.

Das Programm der Tagung wurde abgerundet durch Vorstellung und Erläuterung neuer Hilfsmittel; so konnte Herr Schönfelder einen kleinen Sender zeigen, mit dessen Hilfe beim Dresdner Nahverkehr von Straßenbahnen und Bussen gesprochene Informationen abgerufen werden können.

Für die Tagung im nächsten Jahr wurde der Schwerpunkt Mobilität und Tourismus vorgeschlagen.

Lothar Rehdes  

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Medizin:

Durchbruch bei künstlichem Sehen

Zum ersten Mal werden elektronische Signale drahtlos übertragen und von einem lernfähigen Retina-Implantat empfangen und ermöglichen erblindeten Patienten mit Netzhautdegeneration, die kein Licht wahrnehmen konnten, das "Sehen" von Licht und Mustern.

"Die erzeugten visuellen Wahrnehmungen waren den Patienten zufolge erfreulich, und es war das erste Mal seit vielen Jahren, in einem Fall seit mehreren Jahrzehnten, dass sie etwas sahen. Verständlicherweise waren sie aufgrund ihrer visuellen Erfahrungen bewegt." IIP-Technologies GmbH gab bereits im April im Namen ihrer Muttergesellschaft Intelligent Medical Implants AG ("IMI"; www.intmedimplants.com ) bekannt, dass eine begrenzte klinische Studie in Bezug auf ihre laufende Versuchsreihe Early Human Trial ergab, dass das patentierte Learning Retinal Implant™ (Lernfähiges Retina Implantat) der ersten Produktgeneration von IMI Patienten sowohl das Sehen von Licht - als auch von einfachen Mustern - mittels drahtloser Übertragung von Daten und Energie ermöglicht. Es ist neu in der Entwicklungsgeschichte künstlichen Sehens, dass die vollständig drahtlose Übertragung von Daten und Energie in ein Implantat in das Auge von seit langer Zeit blinden Personen das Erkennen von Mustern ergab. Das Learning Retinal Implant wurde für bislang 13 Wochen (die erste Implantation wurde Ende November 2005 durchgeführt) in vier Patienten erfolgreich implantiert. Die anschließende klinische Studie des IMI-Implantats mit diesen Patienten begann Anfang Januar 2006 an der Medizinischen Hochschule der Universität Hamburg (Deutschland) unter der Leitung von Prüfarzt Prof. Gisbert Richard, Professor für Ophthalmologie. Jedes Implantat wurde "äußerst gut angenommen" und die Fixierung des Implantats war "stabil, ohne Entzündungen hervorzurufen", so Prof. Richard. "Keine dieser blinden Personen konnte etwas sehen, doch mit der drahtlosen Stimulation der Retina mittels dem Learning Retinal Implant konnten sie etwas 'sehen"", sagte Hans-Juergen Tiedtke, Geschäftsführender Vorsitzender von IIP-Technologies, einer Tochtergesellschaft von IMI. "Eine 65-jährige Patientin aus Marienberg, Deutschland, hatte beispielsweise seit über einem halben Jahrhundert nichts gesehen. Seit frühester Kindheit litt sie an RP, was bedeutet, dass sie seit über 60 Jahren nicht normal sehen konnte. Dennoch beschrieb sie bei ihrem ersten Mustererkennungstest Objekte, zum Beispiel Halbkreise. Ohne Zweifel ist dies ein äußerst positives Ergebnis wenn man bedenkt, dass sie fast ihr ganzes Leben lang kein Sehvermögen hatte und durch die elektrische Stimulierung dennoch sofort visuelle Wahrnehmungen empfangen konnte.

"Während weitere klinische Studien erforderlich und geplant sind, sind wir wirklich sehr erfreut über diese ersten Ergebnisse. Wir erwarten, dass in nicht allzu ferner Zukunft unser Learning Retinal Implant System, zusammen mit der Rehabilition, den Patienten das Wahrnehmen von Objekten durch das Erkennen deren Größe und Lage wie auch deren Bewegungen und Gestalt ermöglichen wird. Mit anderen Worten, es wird erwartet, dass eine blinde Person, die unser Learning Retinal Implant System nutzt, in der Lage sein wird, sich in einer unbekannten Umgebung unabhängig zu bewegen, was ihm oder ihr ermöglicht, ein selbständiges Leben zu führen. Tatsächlich ist die Entwicklung einer drahtlosen visuellen Prothese, die mit guten Ergebnissen dauerhaft implantiert werden könnte, der 'Heilige Gral" des künstlichen Sehens", merkte Tiedtke weiter an. IMI legte den Schwerpunkt bei den klinischen Indikationen auf blinde Personen mit Retinitis pigmentosa ("RP"), eine der zwei am meisten verbreiteten Ursachen für den Sehverlust bei Personen über 50 Jahren durch erblich bedingte degenerative Erkrankungen der Retina. RP gilt als irreversibel, und bislang gibt es keine Behandlung oder Heilung. Weltweit sind mehrere Millionen Menschen betroffen.

Über das Learning Retinal Implant System™

Das Learning Retinal Implant System™ von IMI ersetzt die signal-verarbeitenden Funktionen einer gesunden Retina und leitet den Input an die Nervenzellen der Retina (die Ganglionzellen), welche wiederum Input an den Sehnerv und das Gehirn liefern. Das System umfasst drei Hauptkomponenten: (1) ein Implantat, "Der Retina-Stimulator", das operativ in das Auge eines Patienten eingesetzt wird, der (2) eine Brille mit einer integrierten Minikamera und Übertragungskomponenten zur drahtlosen Signal- und Energie-Übertragung ("Das visuelle Interface") trägt. Durch ein Kabel ist die Brille mit einem (3) "Taschenprozessor" verbunden, der an der Taille des Patienten getragen wird. Dieses Gerät ersetzt die Funktion der Informationsverarbeitung der ehemals gesunden Retina.

Die Verwendung eines digitalen Hochgeschwindigkeits-Signalprozessors ermöglicht die Übertragung von "intelligenter Information" an das Implantat (und die Nervenzellen), indem modifizierbare Software angewendet wird, die so eingestellt wird, dass sie dem Informationsprozess, der normalerweise von der gesunden Retina durchgeführt wird, ähnlich ist. Der gesamte Prozess ermöglicht den Patienten, während der Lernphase ihre visuellen Wahrnehmungen zu optimieren. Tatsächlich ist die Rückmeldung der Patienten über ihre Wahrnehmungen als Input zur Einstellung des Taschenprozessors ein einzigartiges, patentgeschütztes Merkmal des Systems und stellt die "lernfähige" Leistung des Learning Retinal Implant System™ dar.

Über Retinitis pigmentosa

Weltweit leiden über eine Million Personen an der Erbkrankheit Retinitis pigmentosa (RP), bei der sich die lichtempfindlichen Zellen der Retina langsam zurückbilden und absterben. Bei etwa einem Drittel der betroffenen Personen führt diese Krankheit im Laufe einiger Jahre zur vollständigen Erblindung. Wissenschaftliche Studien haben jedoch gezeigt, dass bestimmte angrenzende Nervenzellen sogar bei erblindeten Personen intakt bleiben. Die meisten Personen mit RP entwickeln erste Symptome im Alter von 10 bis 30 Jahren. Das am meisten verbreitete erste Symptom ist das schlechte Sehen bei schwachem Licht zum Beispiel bei Nebel oder in einem schwach beleuchteten Raum. Ein zweites Symptom ist die Einschränkung des Gesichtsfelds, wobei die Sicht von den Seiten aus oder von oben und unten aus verloren wird.

Dies wird oft als Tunnelblick bezeichnet. Jeder Zustand bei RP ist fortschreitend. Es gibt zurzeit keine Behandlung, um RP zu heilen oder um den Verlauf aufzuhalten.

Über Intelligent Medical Implants ("IMI")

Die Intelligent Medical Implants AG hat ihren Hauptsitz in Zug, Schweiz, und entwickelt - mit ihren Tochtergesellschaften IIP-Technologies GmbH und Intelligent Medical Implants Ltd. (zusammen "IMI Group" genannt) - das Learning Retinal Implant System™, das erste Produkt seiner sich entwickelnden Technologie-Plattform für Neuro-Prothesen. Plattform des Unternehmens ist das Ziel, blinden Menschen hilfreiche Sehfunktion zu bieten. Die Technologie, die im ersten Produkt des Unternehmens integriert ist, wird die Entwicklung, den Vertrieb und die Lizenzierung weiterer lernfähiger Neuro-Prothesen als aktives "intelligentes" implantierbares medizinisches Gerät ermöglichen. Hauptaktionär von IMI ist Polytechnos Venture Partners in München, Deutschland.

Erklärung der Herausgeber der Pressemitteilung:

Diese Pressemitteilung kann zukunftsbezogene Aussagen, einschließlich den zukunftsbezogenen Aussagen gemäß dem United States Private Securities Litigation Reform Act aus dem Jahr 1995, enthalten. Diese zukunftsbezogenen Aussagen basieren auf aktuellen Erwartungen und Annahmen hinsichtlich erwarteter Entwicklungen und anderer Faktoren, die Einfluss auf das Unternehmen haben. Es handelt sich nicht um historische Tatsachen oder Garantien für künftige Leistung. Da diese zukunftsbezogenen Aussagen Risiken und Unsicherheiten einschließen, gibt es bedeutende Faktoren, welche bewirken könnten, dass aktuelle Ergebnisse wesentlich von den in diesen zukunftsbezogenen Aussagen geäußerten oder vorausgesetzten abweichen.

DBSV-Verbandstag 2006

Beilage zur Ausgabe 07/08/2006 der "Gegenwart"

DBSV
Rungestr. 19, 10179 Berlin
Tel.: (0 30) 28 53 87-0
Fax: (0 30) 28 53 87-20
E-Mail: info@dbsv.org
Homepage: www.dbsv.org

Gemeinsam weitersehen - blinde und sehbehinderte Menschen in Europa, in Deutschland, im DBSV

Unter diesem Motto fand vom 18. bis 20. Mai 2006 der DBSV-Verbandstag statt - zum ersten Mal in Berlin. Die "Gegenwart" verfolgt die Schwerpunktthemen auch in den nächsten Ausgaben weiter.

Frau aus dem Osten an der Spitze

Für die meisten völlig überraschend, zog Ex-Präsident Jürgen Lubnau eine Woche vor dem Verbandstag seine Kandidatur für das Amt des Präsidenten zurück. Acht Jahre lang hatte er die Geschicke des Verbandes geleitet. Nun - von einigen Entwicklungen persönlich enttäuscht - stellte er das Amt zur Verfügung.

Das hatte für Aufregung und Spannung, aber auch für Unverständnis auf der einen und Respekt auf der anderen Seite gesorgt.

Ein neuer Wahlaufruf war notwendig geworden; Ergebnis: Renate Reymann, in den zurückliegenden Jahren Vizepräsidentin, kandidierte für das höchste Amt im DBSV; Hans-Werner Lange - bisher nicht auf der Kandidatenliste - wurde Kandidat für das Vizepräsidentenamt. Und beide erhielten die erforderliche Stimmenzahl der Delegierten und nahmen ihre Ämter an.

Weiter wurden in das Präsidium gewählt:


Nicht die erforderliche Stimmenzahl erreichte Hans-Peter Engel. Auf eigenen Wunsch hatten nicht erneut für das Präsidium kandidiert Andreas Beinert, Jürgen Lubnau, Erwin Roth und Susanne Siems.

Den ausgeschiedenen Präsidiumsmitgliedern wurde für ihre ehrenamtliche Arbeit herzlich gedankt.

Immerhin: Fünf der neun Präsidiumsmitglieder sind neu in diesem Gremium, und neu ist auch, dass drei Niedersachsen vertreten sind und mit Angermann (Deutsches Taubblindenwerk, Hannover), Dr. Kahlisch (Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig) und Ullrich (Deutsche Blindenstudienanstalt, Marburg) gleich drei Einrichtungen des Blinden- und Sehbehindertenwesens gewissermaßen mit am Präsidiumstisch sitzen, auch wenn nicht Einrichtungen, sondern Personen gewählt werden. Alle drei Einrichtungen sind Korporative Mitglieder des DBSV.

Die "Korporativen" erhielten durch Satzungsänderung ganz bewusst mehr Stimme im DBSV-Verwaltungsrat. Konnten sie bisher mit drei Stimmen vertreten sein, so können künftig sechs Vertreter mit Stimmrecht teilnehmen.

Eine wesentliche Satzungsänderung geht dahin, dass sich der DBSV künftig auch als Patientenorganisation versteht. Symbolisch wurde die DBSV-Mitgliederkarte präsentiert, die ab Herbst 2006 eingeführt werden soll und jedem Mitglied günstige Konditionen für bestimmte Dienstleistungen sichert.

Beschlossen wurde zudem das Projekt 2010, das im Kern zum Ziel hat, in den nächsten 4 1/2 Jahren die Mitgliederzahl in den Landesvereinen um 10 Prozent zu erhöhen - bei derzeit sinkenden Mitgliederzahlen ein anspruchsvolles Ziel. Eine Mehrheit sprach sich auch dafür aus, ein Konzept für eine festivalähnliche Veranstaltung zu erarbeiten - eine Großveranstaltung, bei der sich blinde und sehbehinderte Menschen aus ganz Deutschland treffen - verbunden mit vielseitig-interessanten Kultur-, Kunst-, Sport- und weiteren Angeboten.

Positive Bilanz

Am Anfang stand der Bericht des bisherigen Präsidenten Jürgen Lubnau über die Arbeit der zurückliegenden vier Jahre, den wir geringfügig gekürzt nachstehend veröffentlichen.


DBSV-Präsidium und DBSV-Geschäftsführung legen in jedem Jahr einen ausführlichen Tätigkeitsbericht vor, in dem detailliert dargestellt wird, was in einem Kalenderjahr geleistet worden ist. Im Rahmen des Verbandstages kann nicht jede Einzelheit - auch wenn sie eine besondere Würdigung verdient hätte - benannt werden. Es muss notwendigerweise bei einer kleinen Auswahl bleiben.

Ich möchte gleich zu Beginn meiner Ausführungen allen ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe für ihr Engagement in Fachausschüssen, Koordinationsstellen, Arbeitskreisen, ad-hoc-Arbeitsgruppen, als Beauftragte oder in anderer Funktion herzlich danken. Ihre Arbeit ist Basis für unser gemeinsames Wirken zugunsten blinder und sehbehinderter Menschen. Zwei Koordinationsstellen sind in den letzten vier Jahren neu gebildet worden: Die KS der Hilfsmittelberater, um einen kontinuierlichen Erfahrungsaustausch zu gewährleisten, und die KS für Angelegenheiten der Sehbehinderten, um zu unterstreichen, dass die Interessenvertretung der sehbehinderten Menschen ein wichtiges Anliegen des DBSV ist. Um ein genaues Bild von der Arbeit dieser Gremien zu erhalten, empfehle ich Ihnen nachdrücklich die Lektüre der jährlichen Tätigkeitsberichte des DBSV.

Abbau des Sozialstaates

Der Berichtszeitraum war geprägt von den besonderen Herausforderungen, die der Abbau des Sozialstaates mit sich brachte. Es war ein echter Abbau, nicht bloß ein Rückbau, denn es wurden Regelungen zertrümmert, die nicht in goldenen Zeiten geschaffen wurden, sondern bereits vor mehr als vier Jahrzehnten und in einer Zeit, in der der Sozialstaat sich noch nicht viel leisten konnte. Ich nenne das Gesundheitssystem-Modernisierungsgesetz, durch das die Sehhilfen weitgehend aus den Leistungspflichten der gesetzlichen Krankenversicherung gestrichen wurden und das Gesetz zur Einordnung des Sozialhilferechts in das Sozialgesetzbuch, durch das die Sonderstellung der Blindenhilfe bei den Einkommens- und Vermögensgrenzen der Sozialhilfe abgeschafft wurde. Immerhin konnten wir durch unsere Anstrengungen verhindern: einen massiven Eingriff in die Freifahrtregelung - große Verbände waren bereits auf die Regierungslinie eingeschwenkt -, die Abschaffung der RF-Gebührenbefreiung, die Abschaffung der Gebührenbefreiung bei den Sozialgerichtsverfahren. Und schließlich kam - dank Herrn Hüppe - der Bundestag dann doch noch unseren Forderungen zur Blindenhilfe etwas entgegen und schuf eine Sonderregelung bei der Einkommensgrenze. Zu nennen ist ebenfalls die große Diskussion um das Antidiskriminierungsgesetz, bei dem wir mit unseren Forderungen schon sehr weit gekommen waren, als der Gesetzentwurf letztes Jahr auf Grund der Neuwahlen und auf Verzögerungstaktik der Opposition im Bundesrat im letzten Moment noch gekippt wurde. In das in diesen Tagen begonnene neue Gesetzgebungsverfahren zum Allgemeinen Gleichstellungsgesetz werden wir unsere Forderungen erneut einbringen.

Im Kampf um die Erhaltung des Blindengeldes, das nach wie vor der wichtigste Nachteilsausgleich für uns ist, mussten wir im Berichtszeitraum schmerzhafte Niederlagen in Niedersachsen und Thüringen hinnehmen. In beiden Bundesländern ist das Blindengeld weitgehend abgeschafft worden. Aber wir haben auch gelernt, uns neu zu organisieren und offensiv zu wehren. Interessenvertretung - speziell auch für das Blindengeld - wird heute nicht mehr nur als Ländersache betrachtet. So haben wir 2003 eine bundesweite Task Force Blindengeld gebildet, 2004 in Osterode eine Tagung zur Erarbeitung gemeinsamer Eckpunkte zur Gegenwart und Zukunft des Blindengeldes durchgeführt, 2005 den Entwurf für ein Bundesbehindertengeld vorgelegt, beeindruckende Demonstrationen in München, Hannover und Erfurt erlebt und dabei einen Schulterschluss der gesamten Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe bewerkstelligt und Bündnisse weit darüber hinaus geschmiedet, die zu einer gemeinsamen Erklärung der Behinderten- und Sozialverbände mit uns "für den Erhalt des Blindengeldes und anderer Nachteilsausgleiche" führten, zu zahlreichen unterstützenden Resolutionen und Aufrufen z.B. des Deutschen Behindertenrates und der BAGSO - letztlich bis hin zur Fähigkeit in Niedersachsen, auf der Basis eines breiten Bündnisses gleich nach der Abschaffung des Blindengeldes die Wiedereinführung mit einem Volksbegehren anstreben zu können.

Zwei Erkenntnisse nach den Blindengeldkämpfen sind aus meiner Sicht besonders wichtig:

  1. Wir haben es in Bund und Ländern mit einer neuen Politikergeneration zu tun, der ein grundlegendes Wissen um die Entstehung des Blindengeldsystems fehlt, und der es an Verständnis für die Notwendigkeit der Nachteilsausgleiche für behinderte Menschen mangelt.
    Diese Politiker werden ausschließlich von fiskalischen Überlegungen geleitet und lassen sich von unseren besseren Argumenten nicht beeindrucken.
  2. Wir brauchen Bündnispartner, um unsere Forderungen durchzusetzen oder wenigstens breit zu transportieren. Und meine Damen und Herren, es ist uns gelungen, eine breite Allianz an Unterstützern hinter uns zu versammeln: Behinderten- und Sozialverbände, Gewerkschaften, Kirchen und Parteien. Das ist ein Erfolg, der uns deutlich macht, dass wir in unserem Kampf um den Erhalt des Blindengeldes nicht allein stehen. Klar ist, wir werden gemeinsam mit allen Kräften die landesrechtlichen Blindengeldregelungen verteidigen; denn ein Bundesgesetz, für das auch unsere Selbsthilfe einen Entwurf vorgelegt hat, ist noch nicht in Sicht. Um dieses Ziel zu erreichen, sind große Anstrengungen vonnöten, für die ebenfalls starke Bündnisse erforderlich sind.

Gleichstellung und Barrierefreiheit

In der laufenden Wahlperiode erließen fast alle Bundesländer Gleichstellungsgesetze. Sie orientierten sich dabei an dem zum 1. Mai 2002 in Kraft getretenen BGG auf Bundesebene und übernahmen überall den dort definierten Begriff der Barrierefreiheit, der für blinde und sehbehinderte Menschen so wichtig ist, weil er auch die Bereiche Information und Kommunikation umfasst. Damit ist - bei allen immer noch bestehenden Unzulänglichkeiten - ein Aufbruch gelungen, Informationen von Behörden und im Internet, im Nah- und Fernverkehr, besser für uns zugänglich zu machen. Um die praktische Umsetzung im Bereich des Internet kümmert sich der DBSV auch direkt mit dem Projekt BIK.

Der DBSV ist gemeinsam mit dem DVBS und der Dias GmbH Hamburg Träger des vom BMA geförderten Projekts Barrierefrei Informieren und Kommunizieren (BIK), das 2002 begann. BIK II als Folgeprojekt läuft seit Anfang 2005. Der DBSV hat unter BIK II die Berliner Beratungsstelle übernommen ...

Die wichtigsten Arbeiten waren:


Damit durchgeführte Testreihen:


Bei der Bundestagswahl am 22. September 2002 konnten Blinde erstmals ohne fremde Hilfe unter Verwendung einer Wahlschablone ihr Wahlrecht ausüben. Dies wurde durch einen Erlass des Bundesinnenministers des Innern sozusagen im Vorgriff auf eine erst ab 2003 geltende Vorschrift des BGG und die Bereitstellung der notwendigen Mittel ermöglicht. Die DBSV-Landesverbände und der DBSV sorgten innerhalb weniger Wochen dafür, dass in jedem Wahlkreis jedem Blinden, der von seinem autonomen Wahlrecht Gebrauch machen wollte, eine Wahlschablone nebst "Gebrauchsanweisung" zur Verfügung stand. Diese Aktion stellte erneut die hohe Leistungsfähigkeit der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe und die Stellung des DBSV als Spitzenverband unter Beweis. Im Vorfeld des erstmals bundesweit möglichen Einsatzes von Wahlschablonen bei der Bundestagswahl 2002 traf der DBSV Absprachen mit dem BMI zur organisatorischen und finanziellen Abwicklung. Auch bei den Europawahlen 2004 und der vorgezogenen Bundestagswahl 2005 kamen Stimmzettelschablonen und erstmals in Dortmund einführungsweise Schablonen für Wahlautomaten zum Einsatz.

Das BGG hat das neue Instrument der Zielvereinbarung eingeführt. Es räumt Behindertenverbänden das Recht ein, Verhandlungen mit privatwirtschaftlichen Unternehmungen zur Erreichung barrierefreier Produkte verlangen zu können. 2003 begann der DBSV damit zu prüfen, welche Partner und Produkte sich aus der Perspektive blinder und sehbehinderter Verbraucher für Zielvereinbarungsverhandlungen eignen könnten. Gemeinsam mit dem DVBS schuf der DBSV dafür einen kleinen verbändeübergreifenden Lenkungsausschuss. Dieser gestaltete 2003 ein gemeinsames Seminar aller Fachausschüsse um einerseits über das Instrument der Zielvereinbarung zu informieren und andererseits Anregungen und Experten für verhandelbare Produkte zu gewinnen. Am Ende des Jahres 2005 standen 8 Zielvereinbarungen im Register auf der Homepage des BMAS. Bei vier von diesen ist der DBSV direkt beteiligt, bei einer indirekt durch Mitarbeit. Sie betreffen die barrierefreie Gestaltung des neuen Terminals des zweitgrößten Regionalflughafens Deutschlands, Baden-Airpark in Rheinmünster, die standardisierte Erfassung, Bewertung und Darstellung barrierefreier Angebote in Hotellerie und Gastronomie; die barrierefreie Gestaltung der Hornbach Baumärkte und die barrierefreie Gestaltung von Internetangeboten von Pfizer Deutschland. Durch aktive Mitarbeit ist der DBSV an der Erarbeitung des Programms der Deutschen Bahn AG beteiligt. Die genannten 4 Zielvereinbarungen wurden alle 2005 ins Register aufgenommen. Weitere Zielvereinbarungen sind angedacht. Festzustellen ist, dass von diesem Instrument Zielvereinbarung auf Bundesebene noch nicht umfassend Gebrauch gemacht wird und dass die abgeschlossenen Zielvereinbarungen auch und gerade von uns mit Leben erfüllt werden müssen. Es ist ein mühsamer und zeitaufwendiger Prozess.

Rehabilitation zur Bewältigung des Alltags muss finanziert werden

Leider ohne erhofften Erfolg blieben die über die gesamte Wahlperiode hin intensiven Bemühungen, eine Finanzierung für LPF durchzusetzen. Es ist im Grunde genommen ein Skandal, dass Menschen, die im Alter erblinden oder sehbehindert werden, eine Rehabilitation vorenthalten wird. Ich hatte eine Verhandlungsgruppe mit den Herren Dr. Demmel, Dr. Preuße, Drerup und Jochen Fischer um mich versammelt, die die Verhandlungsstrategie festlegte und die Verhandlungen mit den Spitzenverbänden der GKV führte. Auch das Eingreifen der Gesundheitsministerin Schmidt hat noch nicht zu einem endgültigen Ergebnis geführt. Es gibt zwar eine Empfehlung der Spitzenverbände der GKV (jedoch ohne die AOK), LPF zu gewähren, es sind aber noch grundlegende Fragen offen. Neben den Gesprächen mit der GKV haben wir eine gesetzliche Klarstellung im SGB V anvisiert und diesen Gedanken dem BMG vorgetragen. Die Gespräche mit dem BMG und den GKV-Spitzenverbänden sind mit Nachdruck und hoher Priorität fortzuführen.

Vernetzung

Als Ausdruck der intensiven Vernetzung unserer politischen Arbeit in den letzten Jahren ist der Eintritt des DBSV in den Verbandsrat des DPWV, den Arbeitsausschuss des DBR und den Vorstand der BAG Selbsthilfe zu nennen. Durch diese Vernetzung erhalten wir frühzeitig Kenntnis von politischen Entwicklungen, sodass die Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe rasch zu handeln vermag. Darüber hinaus sind viele Gespräche über uns bewegende Themen mit politisch Verantwortlichen geführt worden.

Verbandskommunikation

Hervorragend weiterentwickelt hat sich im Berichtszeitraum die Verbandskommunikation. Voraussetzung war, dass der DBSV-Verwaltungsrat die personelle Verstärkung beschlossen hatte. Erfolgreich Kräfte gebündelt werden auch hier in der seit 2002 durchgeführten "Woche des Sehens". Ich rufe alle Landesverbände und Untergliederungen auf, durch ihre Teilnahme die Chancen dieser Gemeinschaftskampagne zu nutzen. Informationen erhalten Sie durch unseren Projektmitarbeiter.

Das Angebot an Broschüren ist in der Breite und der Qualität sicher beispielgebend für den Selbsthilfebereich insgesamt. Die Hörfilmpreise zwei, drei und vier waren Höhepunkte der Verbandskommunikation im Berichtszeitraum, die jeweils unter der Schirmherrschaft und Teilnahme von Mario Adorf stattfanden und großes Interesse in der Öffentlichkeit fanden. Besonders erwähnenswert ist, dass es mittlerweile gelungen ist, diese wichtige Preisverleihung, die im Zusammenwirken von Verbandskommunikation und einer Eventagentur organisiert wurde, durch Fremdmittel von Stiftungen und Sponsorengeldern aus der Wirtschaft zu finanzieren. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass unsere 2001 gegründete gemeinnützige Hörfilm GmbH es geschafft hat, finanziell auf eigenen Füßen zu stehen. Frau Wiemers leistet mit ihrem kleinen Team sehr erfolgreiche Arbeit.

Im Vorfeld des Verbandstages 2002 sind Grundsatzprogramm und Leitbild des DBSV und ein einheitliches CD diskutiert worden. Grundsatzprogramm und Leitbild sind einstimmig vom Verbandstag 2002 verabschiedet worden. Ein anzustrebendes einheitliches Erscheinungsbild (CD) fußt auf diesen beiden Papieren und wurde vom DBSV-Verwaltungsrat 2002 mit großer Mehrheit beschlossen. Bedauerlicherweise wird dieser Beschluss gar nicht oder nur begrenzt - von Ausnahmen abgesehen - umgesetzt.

Familiensinn abhanden gekommen - persönliche Niederlage

Ich will mit aller Deutlichkeit dem von einigen vermittelten Eindruck entgegentreten, dass das CD den Landesverbänden durch den DBSV - DBSV meint dann ja wohl Präsidium und Geschäftsführung - aufgezwungen worden sei: Die Beschlussvorlage ist gemeinsam mit Vertretern der Länder entwickelt worden. Wenn schließlich von Funktionären der seit Jahren propagierte Familiensinn, der vor allem auf den Großdemonstrationen unter Beweis gestellt wurde, als Familienunsinn kolportiert wird, muss die Frage gestellt werden: Welches Maß an Gemeinsamkeit und Vereinheitlichung wollen wir? Und ist ein starker Spitzenverband tatsächlich gewünscht?

Zu diesen Fragen sollte im Interesse unserer Selbsthilfebewegung rasch eine eindeutige Position gefunden werden. Die Misserfolge auf den eben genannten Arbeitsfeldern werte ich als persönliche Niederlagen. Deshalb werde ich - entgegen einer zwischenzeitlichen Zusage - nicht erneut für das Amt des DBSV-Präsidenten kandidieren.

Berlin-Umzug war richtige Entscheidung

Der DBSV-Verbandstag 1998 hatte beschlossen, dass Berlin künftig Sitz des Verbandes sein soll. Es wurden 2003 Räume in Berlin-Mitte in der Rungestraße 19 angemietet und der Umzug der Geschäftsstelle von Bonn nach Berlin vollzogen. Die örtliche Umorientierung war gewiss das zentrale Ereignis im Berichtszeitraum, und meine Damen und Herren, wir sind in guter Gesellschaft, denn die meisten Sozial- oder Wirtschaftsverbände, die Lobbyarbeit betreiben, haben ihren Sitz nach Berlin in die Nähe von Parlament und Regierung verlegt oder zumindest eine Dependence in der Hauptstadt eingerichtet. Gedankt sei an dieser Stelle dem Verwaltungsrat, der in seiner Sitzung am 6. Februar 2003 die finanziellen Ressourcen für die Realisierung des Umzugs bereit stellte. Als Folge der Sitzverlegung sind heute noch 6 der ehemals 17 Beschäftigten - so war auch die Position des Verbandsgeschäftsführers neu zu besetzen, dabei, wobei das Kernteam gleichzeitig auf 13 Beschäftigte reduziert wurde. Das ist das Kernelement der begonnenen finanziellen Konsolidierung des Verbandes. Die Anschaffung moderner IT-Technologie half, diesen personellen Aderlass im Inneren und nach außen hin zu verkraften. Hinzu kommt seit 1 bis 2 Jahren eine verstärkte Projektaquise ...

Projekte der Strategiekommission

Die Strategiekommission hatte vom Präsidium den Auftrag erhalten, die auf dem Verbandstag 2002 erarbeiteten Diskussionspapiere und Resolutionen in strategische Ziele mit Arbeitsaufträgen umzusetzen. Zur Strategiekommission gehören die Moderatoren der Arbeitsgruppen des Verbandstages, der Geschäftsführer und themenbezogen Referenten der Geschäftsstelle. Geleitet wurden die regelmäßigen Arbeitstreffen von der Vizepräsidentin des DBSV. Grundlage für die Arbeit bildeten die Ergebnisse der Arbeitsgruppen, deren Schwerpunktthemen ich hier noch einmal nennen möchte: "Eigenständigkeit und Vernetzung der Verbände", "Rehabilitation zur Bewältigung des Alltags - eine neue Chance?", "Der DBSV in Europa - unsere Ziele, unser Beitrag" sowie "Erziehung und Bildung - nicht ohne uns". Die beiden vom Verbandstag verabschiedeten Resolutionen "Bildung für blinde und sehbehinderte Menschen" und "Öffnung spezieller Blinden- und Sehbehinderteneinrichtungen für Sehende" wurden in die Themenschwerpunkte einbezogen. Schließlich hat die Strategiekommission Regelungen des kurz vor dem Verbandstag im Mai 2002 in Kraft getretenen Bundesbehindertengleichstellungsgesetzes aufgegriffen und strategisch die Herstellung einer barrierefreien Umweltgestaltung durch das Instrument der Zielvereinbarung begleitet. Nach der Beschreibung und Strukturierung der in den Papieren angesprochenen Probleme sowie einer gründlichen Analyse der Entwicklungen bzw. Untersuchung der Ursachen und Folgen hat die Strategiekommission Themengruppen in Projekte gefasst. Die kritische Analyse und Bewertung der Probleme haben sich am Grundsatzprogramm und am Leitbild des DBSV orientiert. Alle Projekte wurden von Gremien des DBSV bzw. Projektgruppen bearbeitet. Die Lösungsvorschläge mit Zielen, Strategien und Aufgaben gingen schließlich als Entscheidungsvorschläge an das Präsidium mit der Empfehlung zur Umsetzung. Die Strategiekommission selbst hat als Lenkungsausschuss die Arbeitsergebnisse bewertet und das Controlling über den weiteren Entscheidungs- und Umsetzungsprozess wahrgenommen.

Die Gesamtbewertung der Arbeit der Strategiekommission kann im umfangreichen Abschlussbericht an den Verwaltungsrat nachgelesen werden. Hier möchte ich ausgewählte Projektergebnisse nennen. Auf Wunsch und Forderung des Verbandstages 2002 sollte der Spitzenverband der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe in Deutschland stärker in die europäische Behindertenpolitik eingebunden werden. Das Präsidium hat Anfang 2004 die Empfehlung der Strategiekommission angenommen und der Schaffung eines gemeinsamen Europa-Fachausschusses DBSV, DVBS, BKD, Pro Retina und VBS mit einem fest umrissenen Aufgabenprofil zugestimmt. Die Vernetzung der Gremien mit der EBU-Ebene wurde ebenso forciert, wie die Lobbyarbeit auf politischer EU-Ebene. Seit dem Verbandstag 2002 ist eine größere Präsenz des DBSV auf europäischer Ebene sowie eine Intensivierung seiner Kontakte zur EU festzustellen. Ausdruck dieses verstärkten Engagements des DBSV sind neben den genannten Maßnahmen Gespräche mit verschiedenen EU-Vertretern, die Blindengeld-Resolution des EBU-Präsidiums, die Anerkennung der Rechte taubblinder Menschen durch das EU-Parlament und die EU-Richtlinie über die Beschriftung der Medikamentenverpackungen in Blindenschrift. Das Präsidium hat mit großer Spannung die ersten Ergebnisse der Strategiekommission aus dem Projekt "Weiterentwicklung des DBSV" erwartet. Diese haben einen Diskussionsprozess auf den unterschiedlichen Ebenen des DBSV und seiner Landesvereine in Gang gesetzt. Ziel ist, nicht nur die Formulierung künftiger Angebote zu initiieren, sondern auch eine Organisationsentwicklung, mit der wir unsere Angebote qualitätsgesichert und für viele Betroffene erreichbar vorhalten wollen. In einer Interviewbefragung wurde in allen Landesvereinen der Ist-Zustand der Dienstleistungen und Beratungsangebote ermittelt. Ein greifbares Ergebnis des Projektes hat der VWR im Herbst 2005 verabschiedet - die Mitgliederkarte.

Fortbildungsoffensive

Auf Empfehlung der Strategiekommission hat das Präsidium den BBSB und den BVN gebeten die Planung für die im Projekt entwickelte Fortbildungsoffensive für haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter zu übernehmen. Der Aufbau eines differenzierten Fortbildungsangebotes, das sich an Einsteiger und Mitarbeiter mit Vorerfahrung wendet, dient dem Ziel, bundesweit ein qualitativ einheitliches Beratungsniveau sicherzustellen und die Fortbildung zu nutzen, um mittelfristig verbindliche Standards für die Beratung blinder und sehbehinderter Menschen festzulegen. Die Koordination und Fortentwicklung der Schulungsmaßnahmen wird von der DBSV-Geschäftsstelle federführend übernommen. Bislang steckt die Fortbildungsoffensive wegen fehlender Fördermittel noch in der Planungsphase. Hier muss die Geschäftsstelle verstärkt Anstrengungen unternehmen.

Mitgliederwerbung

Das Projekt "Mitgliederwerbung" liegt uns wohl allen am Herzen, dem DBSV ebenso wie seinen Landesvereinen. Die Strategiekommission legte dem Präsidium einen Leitfaden "Mitglieder gewinnen - Mitglieder halten - Mitglieder aktivieren" vor, der den Landesvereinen eine Hilfe sein soll, sinkenden oder stagnierenden Mitgliederzahlen entgegenzuwirken und Mitglieder zur Mitarbeit zu aktivieren. Den Leitfaden hat das Präsidium im Mai 2004 an den Verwaltungsrat mit der Empfehlung gegeben, dieses Papier als Arbeits- und Diskussionsgrundlage zu nutzen. Auf unserem heutigen Verbandstag legt das Präsidium auf Vorschlag der Strategiekommission eine sehr weitreichende Beschlussempfehlung zur Mitgliederwerbung der nächsten Jahre mit dem Projekt 2010 vor.

Bildung

Wir befinden uns im 200. Jahr der Blindenbildung in Deutschland und haben für dieses Jubiläum auch die beiden Aktionstage "Tag der Sehbehinderten" und "Tag des weißen Stockes" auf dieses Ereignis ausgerichtet. Folgerichtig möchte ich Sie über den Stand des Projektes "Erziehung und Bildung - nicht ohne uns" informieren. Die Strategiekommission hat einen umfangreichen Aufgabenkatalog erarbeitet und eine Neuformierung des Gemeinsamen Bildungsausschusses empfohlen.

Der neue Gemeinsame Fachausschuss für Erziehung und Bildung gründete sich 2004 und soll begleitend bildungspolitische Aktivitäten realisieren und Stellungnahmen zu bildungspolitischen Fragen fertigen. Eine erste Bilanz der Ergebnisse zeigt, dass der GFEB mit stärkerer pädagogischer Kompetenz auszustatten ist, wenn er als Plattform Bildungsthemen zielführend erörtern will. Der DBSV wird als Motor im GFEB kompetente Pädagogen für die Arbeit werben.

Die Strategiekommission hat neben den geplanten Themen auch eine Vielzahl kurzfristiger Aufträge im Zusammenhang mit der Umsetzung der Regelungen des Bundesbehindertengleichstellungsgesetzes und des SGB IX für das Präsidium erledigt und Entscheidungsvorschläge gemacht.

Die Strategiekommission begleitete die Arbeit des Lenkungsausschusses - Zielvereinbarungen. Die Umsetzung der Vorschriften zur medizinischen Rehabilitation behinderter und von Behinderung bedrohter Menschen gestaltete sich außerordentlich schwierig, weil die Kostenträger mit einem Zuständigkeitsstreit befasst waren.

Die Strategiekommission hat gemeinsam mit dem Präsidium die umfangreichen Gespräche des DBSV mit Kostenträgern ergebnisorientiert begleitet. Ich möchte an dieser Stelle allen Mitgliedern und den zur Lösung von Aufgaben hinzugezogenen Fachleuten für die umfangreiche Arbeit danken.

Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Nicht abgeschlossene Projekte werden dem neuen Präsidium zur Einordnung in das Pflichtenheft ans Herz gelegt.

Europa

Europa wächst zusammen. Unser Verbandstag 2002 hat sich mit der Europathematik befasst. Präsidium, Geschäftsführung und Strategiekommission haben diesen Aspekt unserer Arbeit intensiv diskutiert, Beschlüsse gefasst und sich in die Lobbyarbeit eingemischt. Wolfgang Angermann ist im Rahmen der Generalversammlung der EBU 2003 ins EBU-Präsidium gewählt worden. Mit ihm haben wir einen hoch kompetenten und engagierten Vertreter auf europäischer Ebene. Die sozialpolitische Dimension der Europäischen Gemeinschaft wird im Zuge dieser Entwicklung immer wichtiger. Viele nationale Gesetze, die das tägliche Leben betreffen, beruhen heute auf Entscheidungen, die in Brüssel vorbereitet und getroffen werden. Manche von ihnen haben unmittelbare Auswirkungen auch auf den Alltag behinderter Menschen. Gleichzeitig eröffnet der Amsterdamer Vertrag aus dem Jahre 1997 den Interessenverbänden die Chance, bei der Gestaltung der sozialen Dimension der Europäischen Union aktiv mitzuwirken. Mitwirkung heißt hier zunächst und vor allem die Aufgabe, die speziellen Bedürfnisse Blinder und Sehbehinderter bei den Entscheidungsträgern der EU umfassend und verständlich darzustellen und für Entwicklungen zu sorgen, die diesen Bedürfnissen entsprechen. Der DBSV ist sich der wachsenden Bedeutung der europäischen Dimension der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe bewusst. Seine Beteiligung an der Lobbyarbeit der EBU bildete deshalb im Berichtszeitraum 2002 - 2006 eine wichtige politische Kernaktivität und half, die Rechte des von uns vertretenen Personenkreises zu verbessern. Der DBSV wirkte erfolgreich insbesondere bei den folgenden sozialpolitischen Kampagnen mit:

Änderungsantrag zur Steuerpolitik der EU im Anschluss an den "Vedova-Bericht": Hier wurde erreicht, dass gemeinnützige Einrichtungen von der Mehrwertsteuer weiterhin befreit bleiben.

EU-Richtlinien über das öffentliche Beschaffungswesen: Die Vergabe öffentlicher Aufträge in der EU hat mittlerweile einen Umfang von jährlich mehr als 1.000 Milliarden Euro. Die vom DBSV unterstützte EBU-Kampagne führte zu dem Ergebnis, dass künftig bei der Auftragsvergabe die sozialen Belange, wie z.B. die verstärkte Beschäftigung Behinderter, berücksichtigt werden müssen. Außerdem können öffentliche Auftraggeber künftig auf die Einhaltung von Zugänglichkeitsstandards bei den in Auftrag gegebenen Produkten und Dienstleistungen bestehen.

Änderung der EU-Humanarzneimittelrichtlinie: Hier setzte sich der DBSV gemeinsam mit der EBU für eine weitreichende Verbesserung der Informationsrechte blinder und sehbehinderter Patienten ein. Nach dem am 17. Dezember 2003 in zweiter Lesung vom EU-Parlament angenommenen Kompromissvorschlag müssen Medikamentenverpackungen in Blindenschrift gekennzeichnet sein; die Packungsbeilage muss auf Wunsch von "Patientenorganisationen" in Formaten verfügbar sein, die für blinde und sehbehinderte Personen geeignet sind. Die Umsetzung dieser Richtlinie auf nationaler Ebene ist in vollem Gange.

Verordnung über die Rechte behinderter Flugpassagiere: Der am 15. Dezember 2005 gemeinsam von Rat und Parlament beschlossene Verordnungstext sieht wichtige Regelungen vor, die die Rechte behinderter Flugpassagiere ohne Wenn und Aber garantieren. Behinderten Menschen darf in Zukunft die Beförderung mit dem Flugzeug aufgrund ihrer Behinderung nicht mehr verwehrt werden. Gleichzeitig erhalten sie unentgeltlich die qualifizierte "nahtlose Assistenz", der sie bedürfen, um den Luftverkehr wirklich nutzen zu können. Also beim Weg von Ankunftspunkten zum Schalter und weiter zum Flugzeug. Bei der Erledigung der Abfertigung oder beim Verlassen des Flugzeugs. Für die Mitnahme des Blindenführhundes in der Kabine gibt es keine zeitliche Befristung. Die neue EU-Verordnung, zu der der DBSV durch aktive Lobbyarbeit bei den deutschen EU-Abgeordneten und im Gespräch mit EU-Kommissar Günter Verheugen beigetragen hat, verbessert aber nicht nur die Rechte behinderter Flugpassagiere. Gleichzeitig stellt sie das erste behindertenspezifische EU-Gesetz dar und bildet insoweit einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte der europäischen Behindertenbewegung.

Erklärung über die Rechte taubblinder Menschen: Erfolgreich war auch eine vom DBSV unterstützte Kampagne des Europäischen Taubblindennetzwerks zur Anerkennung von Taubblindheit als Behinderung eigener Art, mit der die deutschen EU-Abgeordneten gebeten wurden, eine Erklärung zu unterzeichnen, in der die Belange taubblinder Menschen zusammengefasst sind. Dies ist mehr als ein Achtungserfolg. Denn taubblinde Menschen und die, die sich für sie engagieren, können nun mit noch größerem Nachdruck gegenüber Politik und Verwaltung die Berücksichtigung der spezifischen Belange taubblinder Menschen bei allen relevanten Entscheidungen einfordern. Schwerpunktthema in der Erklärung ist insbesondere die Frage der persönlichen Assistenz.

Qualitätssicherung im Führhundbereich nötig

Im Blindenführhundbereich ist die Qualitätssicherung trotz Unserer Bemühungen nach wie vor unbefriedigend. Zwar hat der DBSV (damals noch DBV) bereits 1989 Richtlinien erarbeitet, aus denen sich auch heute noch aktuell, die wesentlichen Anforderungen an Führhundausbilder, Führhunde und Führhundhalter ergeben, und auf die auch die nach langwierigen Verhandlungen 1993 als Bestandteil des Hilfsmittelverzeichnisses der GKV veröffentlichten Qualitätskriterien für Blindenführhunde Bezug nehmen. Die Umsetzung dieser Qualitätskriterien lässt aber noch viel zu wünschen übrig, insbesondere soweit sie Anforderungen an die zur Kassenversorgung zuzulassenden Führhundausbilder bzw. -schulen stellen. So gibt es bis heute weder eine staatlich oder anderweit Allgemein anerkannte Ausbildung für Führhundtrainer, noch hatten bisher unsere Bemühungen um von den Spitzenverbänden der GKV zu erlassende gemeinsame Zulassungsempfehlungen Erfolg, nach denen nur solche Führhundausbilder zur Versorgung durch die Krankenkassen zugelassen werden sollen, deren Qualifikation durch eine bestimmte Ausbildung oder in anderer geeigneter Weise nachgewiesen ist. Bisher beschränken sich die Krankenkassen als Maßnahme zur Qualitätssicherung im Wesentlichen auf die in den Qualitätskriterien weiter vorgesehenen Gespannprüfungen, deren Durchführung aber noch lange nicht zufriedenstellend gehandhabt wird, insbesondere weil die Gespannprüfungen noch längst nicht flächendeckend durchgeführt werden. überdies sind sie als eine bloße Momentaufnahme zur wirklichen Qualitätssicherung bei weitem nicht ausreichend. Die unbefriedigende Situation in diesem Bereich ist letztlich auch dafür verantwortlich, dass die Zahl von öfters unkompetenten Führhundschulen zunimmt, die auf einem vermeintlich lukrativen Markt Fuß fassen wollen.

So bleibt es von höchster Wichtigkeit, dass sich der DBSV - wie erst kürzlich wieder im Rahmen von Gesprächen mit dem BMGS über Fragen der Qualitätssicherung bei der Hilfsmittelversorgung - auch weiterhin für bundesweit einheitliche hohe Qualitätsstandards im Führhundbereich einsetzt. In diesem Zusammenhang ist auch der Begriff der Barrierefreiheit zu nennen, das bedeutet u.a. das Zutrittsrecht von Blinden und Sehbehinderten mit Führhund, für das der DBSV immer wieder eingetreten ist und wird eintreten müssen, auch wenn es nicht gelungen ist, ein solches Zutrittsrecht im BGG zu verankern und zwar weder explizit noch unter dem Gesichtspunkt, dass niemand wegen des Mitführens eines benötigten Hilfsmittels benachteiligt werden darf.

Dank

Schließlich danke ich meinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern im Präsidium. Ausscheiden werden Susanne Siems und Andreas Beinert nach einer Wahlperiode sowie Erwin Roth. Lieber Erwin, wir sind beide 1990 erstmals in den damaligen DBV-Vorstand gewählt worden. Dir ein besonderes Dankeschön, auch und gerade weil wir hin und wieder heftig miteinander diskutiert haben.

Vorstand und Kuratorium der Blindenstiftung Deutschland danke ich ebenfalls für gute Zusammenarbeit. Ein Dankeswort richtet sich an Herrn Schludermann, der aus dem Kuratorium ausscheidet.

Einige Projekte - zum Beispiel die Flutopferhilfsaktion - sind bereits durchgeführt worden. Einige Nachjustierungen sind notwendig.

Dank gilt Hans-Dieter Später, der bis Februar 2004 DBSV-Geschäftsführer war, und Andreas Bethke, der seine Nachfolge antrat.

Andreas ist ein sehr politischer, hoch motivierter und belastbarer Verbandsgeschäftsführer. In den Dank schließe ich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geschäftsstelle und alle mit ein, die mich bei meiner Arbeit unterstützt haben.

Dem Verbandstag wünsche ich viel Erfolg, Impulse für die künftige Arbeit unserer Selbsthilfe und bei den Wahlen eine glückliche Hand!

Europa im Blick

Mit viel Beifall begrüßten die Delegierten den Präsidenten der Europäischen Blindenunion Collin Low (Großbritannien), der eine programmatische Rede hielt, auf die wir in der nächsten Ausgabe näher eingehen werden.

Ideen mit Hand und Fuß - und mit Visionen für Neues

Der Nachmittag gehörte den fünf Arbeitsgruppen, deren Schwerpunktthemen in den letzten Monaten auch in der "Gegenwart" für Stoff zu Stellungnahmen und Disputen boten. Die Ergebnisse der anregenden Diskussionen wurden dann am letzten Tag dem Plenum vorgetragen. Die ideenreichen Vorstellungen werden wir in den nächsten Ausgaben der "Gegenwart" ausführlich darstellen. Hier seien nur einige Stichworte genannt:

AG 1: Qualitätssicherung

Rehabilitationsleistungen zur Bewältigung des Alltags und andere Dienstleistungsangebote

Aus der breiten Palette der im Paragraph 26 SGB IX dargestellten Inhalte der RBA (Rehabilitation zur Bewältigung des Alltags) wird die Selbsthilfe bundesweit mindestens anbieten: zeitnahe und flächendeckende Beratung, die mindestens von qualifizierten betroffenen Mitwirkenden professionell durchgeführt wird, so dass blinde und sehbehinderte Menschen eine maßgeschneiderte Rehabilitation erhalten können.

Vor Aufnahme dieser Beratungstätigkeit erwerben die ehrenamtlichen Mitarbeiter mindestens eine dem Standard des Modell Bayern entsprechende vom DBSV zertifizierte Qualifikation.

Präsidium und Vorständen der Landesvereine wird empfohlen, diese Qualifizierung für ehrenamtliche Mitarbeiter unverzüglich umzusetzen sowie den damit beginnenden Qualitätssicherungsprozess koordiniert zu fördern und weiterzuführen.

AG 2: DBSV 2010/2020

Organisationsentwicklung in der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe

Vision: Im Jahr 2020 wird die Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe noch gebraucht. Der große Dachverband könnte dann als tragende Säule der Behindertenbewegung DBSU (U steht für Union) heißen. Alle im Blinden- und Sehbehindertenwesen ziehen an einem Strang. Die Vereine wirken in größeren Verwaltungseinheiten. Bildungseinrichtungen und Selbsthilfe haben ihre Kompetenzen gebündelt.

Eltern, Pädagogen, Ärzte und andere Fachleute können Mitglied in den Vereinen werden.

Barrieren: Verlustangst - Verlust an Einfluss, aber auch Verlust von erreichten Standards; fehlendes Vertrauen.

Überforderung wird empfunden, weil man nicht auf die neue Aufgabe vorbereitet ist; unterschiedliche Entscheidungsstrukturen.

Schritte: Vertrauensbildende Maßnahmen sind nötig, aufbauend auf bisheriger Kooperation, das muss wachsen - länder- und vereinsübergreifend.

Qualifizierung ist nötig, besonders für neue Aufgaben; Einsatz auf dem Gebiet, wo der Einzelne seine Stärken hat.

Auf jeden Fall muss jeder Betroffene an der Basis Rat und Hilfe finden.

AG 3: Sehbehindertenarbeit

Eine Aufgabe zum Programm machen

Gebraucht wird eine Analyse der Angebote, die es für sehbehinderte Menschen schon gibt. Es muss klar herausgestellt werden, welchen Nutzen ein Sehbehinderter hat, der sich mit einer Selbsthilfeorganisation in Verbindung setzt bzw. Mitglied wird.

Untersucht werden muss auch, ob die Internetangebote unserer Vereine bereits sehbehindertenfreundlich sind. Gefordert wird eine Sehbehindertenquote in Gremien der Vereine.

Angeregt wird, den weißen Langstock auch als Hilfsmittel für sehbehinderte Menschen anzuerkennen.

Es muss einen namhaften Nachteilsausgleich für Sehbehinderte geben, weil sie in vielen Situationen ebenfalls Assistenz brauchen.

Eine allgemeine Wahrnehmungsschulung für sehbehinderte Menschen soll finanziert werden durch Krankenkassen. Wünschenswert erscheint eine Kennzeichnungspflicht für Fahrräder, weil Radfahrer, wenn sie rücksichtslos auf Gehwegen unterwegs sind, zunehmend zu einer Gefahr für sehbehinderte Fußgänger werden. Gebraucht werden Kooperationspartner, insbesondere ein medizinischer Beirat, der in Bezug auf Augenkrankheiten als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung steht.

AG 4: Mitglieder gewinnen

Unsere "Abholdienste" für neue Mitglieder

Insbesondere sehbehinderte Menschen sollten in einer Phase "abgeholt" werden, in der sie sich noch gar nicht als "behindert" fühlen, sondern als Patienten. Diese Gruppe ist groß und hat bisher nichts mit uns zu tun. Die Gruppe braucht uns; viele stecken in einer Krise, und wir haben ihnen was zu sagen.

Gebraucht wird ein schnelles und mit Kompetenz unterfüttertes Kommunikationssystem, das es ermöglicht Auskünfte zu geben. Wir können keine ärztliche Beratung geben, aber wir können beraten, als Betroffene und mit Laienwissen. Basiswissen über Augenkrankheiten ist notwendig; das muss Bestandteil der Fortbildungsoffensive sein.

Augenärzte als Berater und Vortragende müssen enger an uns gebunden werden.

AG 5: Gleichstellung und Barrierefreiheit

Herausforderungen für die Gesellschaft und die Selbsthilfe

Selbst in einer barrierefreien und blinden- und sehbehindertenfreundlichen Welt ist ein Nachteilsausgleich unverzichtbar. Es ist festzustellen, dass wir öffentlichen Einrichtungen mehr zumuten, von ihnen eher Barrierefreiheit erwarten als von privaten.

Bestimmte Standards sollten künftig von beiden gefordert werden.

Jegliche Informationen müssen blinden und sehbehinderten Menschen zugänglich sein. Es ist jedem Unternehmen zuzumuten, Internetseiten barrierefrei zu gestalten.

Die barrierefreie Umgestaltung von Kaufhäusern wird als sehr dringlich angesehen.

Das neue Präsidium

Vor ihrer Wahl stellten sich die Kandidaten dem Auditorium vor, und Sie, liebe Leserinnen und Leser, lernen die Präsidiumsmitglieder jetzt etwas näher kennen:

Renate Reymann

Ich bin 55 Jahre alt, wohne in der Nähe von Schwerin und arbeite im Sozialministerium. Wir haben drei Kinder und erwarten in diesem Jahr das 6. Enkelkind.

Ich engagiere mich per Wahlfunktion seit 1990 in der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe, sowohl im Land Mecklenburg-Vorpommern als auch im Bund. In Mecklenburg-Vorpommern habe ich im Jahr 2001 ein sehr schweres Amt übernehmen müssen, den Vorsitz. Der Verein war durch finanzielles Missmanagement an den Rand der Insolvenz geraten. Wir mussten tiefgreifende finanzielle und verwaltungstechnische Reformen durchführen. Es ist mir gemeinsam mit dem Vorstand und mit den Untergliederungen gelungen, den Verein wieder auf solide finanzielle Füße zu stellen. Wir konnten das Geld, das wir von den Untergliederungen damals brauchten, um die Insolvenz abzuwenden, nach zwei Jahren wieder zurückzahlen. Wir mussten keine Mitarbeiter entlassen.

1990 bin ich in den DBSV-Vorstand gekommen, seit 2002 war ich Vizepräsidentin. Heute kandidiere ich für das höchste Amt im DBSV. Der Bericht über die Arbeit der letzten vier Jahre und die Erfolge in Mecklenburg-Vorpommern machen mir Mut und geben mir Kraft für die Kandidatur.

Ich möchte mit dem neuen Präsidium, mit der Geschäftsstelle und natürlich mit Ihnen das charakteristische Profil unseres Verbandes - nämlich die gemeinsame Denk- und Verhaltensweise - wie wir das im Leitbild und im Grundsatzprogramm beschrieben haben, schärfen.

In der kommenden Legislaturperiode muss es uns gelingen, den DBSV finanziell zu konsolidieren und strukturell den gesellschaftlichen Bedingungen anzupassen. Gemeinsam mit den Landesvereinen können wir das schaffen. Ich bitte deshalb um Ihr Vertrauen und um Ihre Stimme.

Hans-Werner Lange

Ich bin 49 Jahre alt, habe maßgeblich vier Kinder großgezogen und bin inzwischen Opa. Ich bin seit 1979 in der Blindenselbsthilfe, in der Jugendarbeit, dann als Landesjugendvertreter, im Arbeitsausschuss des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hannover, habe 1984/85 den Vorsitz dieses Regionalvereins mit 800 Mitgliedern übernommen.

In dieser Zeit wurde ich gefragt, ob ich hauptamtlich in der Blindenselbsthilfe arbeiten möchte, habe nicht lange überlegt und habe die Entscheidung, aus dem Öffentlichen Dienst in die Selbsthilfe zu wechseln eigentlich zu keiner Zeit bereut.

Ich habe damals einen Verein vorgefunden, der vor großen Veränderungen stand, weil er sich den Veränderungen im gesellschaftlichen Bereich anpassen musste. Heute haben wir mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen eine moderne Selbsthilfeorganisation geschaffen, die sich im sozial-wirtschaftlichen Bereich sehr erfolgreich betätigt.

Den DBSV habe ich durch meine Mitwirkung an den Verwaltungsratssitzungen kennen gelernt, bin schnell in die Verantwortung genommen worden - durch die Mitwirkung in verschiedenen Ausschüssen.

Und was mich sehr weiter gebracht hat war meine Arbeit in der internen Prüfkommission des DBSV.

Hier konnte ich mir einen Eindruck verschaffen, wie differenziert man die Arbeit unseres Bundesverbandes sehen muss.

Der DBSV steht vor großen Herausforderungen. Es sind Grundlagen geschaffen worden, auf denen man aufbauen kann. Schwerpunkt der Arbeit wird die noch engere Vernetzung mit den anderen Sozialverbänden sein. Genau so wichtig ist, dass wir zu neuen und effizienteren Entscheidungswegen kommen.

Der finanzielle Spielraum des DBSV ist derzeit sehr eng. Und entscheidend wird es sein, bei den Landesvereinen um Vertrauen zu werben.

Ich möchte mich dafür einsetzen, die Arbeit der Blindenselbsthilfe in Deutschland erfolgreich voran zu treiben und möchte Sie bitten, meine Kandidatur zum Vizepräsidenten zu unterstützen.

Wolfgang Angermann

Ich bin 58 Jahre, Mitglied einer inzwischen bis zu Enkeln reichenden Familie und von meiner Ausbildung her Jurist.

Aktiv in der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe bin ich seit den 70er Jahren. 1977 habe ich als Geschäftsführer des DVBS diese Aktivitäten dann 18 Jahre zu meinem Beruf gemacht und bin derzeit neben meiner Tätigkeit als Geschäftsführer des Deutschen Taubblindenwerks ehrenamtlich Vorsitzender des Regionalvereins Hannover im Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen.

Sowohl auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene habe ich in sehr unterschiedlichen Arbeitskreisen, Kommissionen und anderen Gremien mitgearbeitet, darunter in mehreren gemeinsamen Fachausschüssen des DBSV und seit 2002 auch in dessen Strategiekommission, in der Fachgruppe "Jura" des DVBS und seit ihrer Gründung bis zu meiner Wahl in das Präsidium der EBU 2003 seit 1985 in deren Verbindungskommission zur Europäischen Union. Falls Sie mich wählen, werde ich neben den Kenntnissen und Erfahrungen aus meiner allgemeinen Selbsthilfearbeit die Verbindung zu den Belangen hörsehbehinderter und taubblinder Menschen lebendig halten und die Inhalte der internationalen Selbsthilfeaktivitäten einbringen.

(Die Vorstellung wurde von Hans Kaltwasser verlesen, da Herr Angermann wegen einer EBU-Präsidiumssitzung nicht anwesend sein konnte.)

Gustav Doubrava

Ich bin 68 Jahre alt, verheiratet, Diplom-Verwaltungswirt und als Amtsrat mit 60 aus dem Dienst gegangen. Im Blindenwesen habe ich seit dem 22. Lebensjahr mitgearbeitet. Für uns war damals klar, dass wir es selbst packen müssen, denn wenn es keiner für uns tut, müssen wir es selber tun. Ich war 28 Jahre lang Landesvorsitzender des Bayerischen Blindenbundes, etwas länger noch Vorsitzender der Hörbücherei in München.

Ich habe meine Funktionen mit viel Freude ausgeübt. Diese Arbeit hat mein Leben sehr bestimmt. Auch die Familie hat das zu spüren bekommen, denn wenn man von einer Sache überzeugt ist, tut man es einfach.

Seit 1998 bin ich im Präsidium des DBSV. Das war eine Zeit, die auch für mich sehr gut war. Ich stehe für die weitere Arbeit gern zur Verfügung.

Helga Neumann

Ich bin Jahrgang 1940. Mein Mann ist im Januar dieses Jahres verstorben. Ich habe ein Kind und zwei Enkelkinder. In der Blindenselbsthilfe bin ich seit 1969 aktiv tätig, habe die Arbeit von der Basis an gut kennen gelernt. Im Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen bin ich seit 1977 im Vorstand, seit 1999 bin ich Vorsitzende des BVN.

Dem Präsidium des DBSV gehöre ich seit 1994 an. Die Arbeit ist mir wichtig, und sie macht mir auch viel Spaß. In erster Linie bin ich für die Frauenarbeit zuständig, dazu gehört die Redaktion der Zeitschrift RITA. Außerdem arbeite ich aktiv als Vorsitzende der Norddeutschen Blindenhörbücherei und als stellvertretende Vorsitzende der Centralbibliothek für Blinde. Da ich eine ausgesprochene Leseratte bin, macht mir diese Arbeit sehr viel Freude, und ich hoffe, dass wir mit DAISY künftig noch mehr Erfolge erreichen werden.

Im Rahmen der Europäischen Blindenunion war ich in der Frauenkommission aktiv und bin jetzt in der Kommission für Sozialpolitik tätig. Ich bin gern bereit, meine Arbeit weitere vier Jahre in den Dienst unseres Verbandes zu stellen.

Dr. Thomas Kahlisch

Ich bin 43 Jahre alt, lebe zusammen mit meiner blinden Lebensgefährtin und zwei Führhunden. Nach meinem Studium der Informatik hatte ich Gelegenheit, an der TU Dresden sieben Jahre lang an Projekten zur Unterstützung blinder und sehbehinderter Studierender zu arbeiten und habe während dieser Zeit promoviert.

Seit sieben Jahren bin ich Direktor der Deutschen Zentralbücherei für Blinde in Leipzig, eine Art Traumjob - Traditionen, gute Medienproduktion mit modernen Ideen der Computertechnik zu verbinden und neue Angebote zu gestalten.

Ich arbeite im Vorstand des Vereins MEDIBUS mit, und seit 1998 bin ich DAISY-Beauftragter des DBSV.

In Sachsen habe ich im Landesvorstand mitgewirkt. Was ich einbringen möchte ist Kompetenz aus meiner Profession, großes Interesse und Offenheit vielen neuen Themen gegenüber, ist die Bereitschaft und der Wille, sich zu engagieren für die Interessen blinder und sehbehinderter Menschen.

Auch die Vernetzung mit anderen Behindertengruppen halte ich - dort wo es sinnvoll ist - für sehr wichtig.

Hans-Joachim Krahl

Ich bin Jahrgang 1948, bin verheiratet und habe eine Tochter. Ich habe in der Wirtschaft verschiedenste Managementfunktionen ausgeübt, bin teils noch als Berater angestellt und etwas freiberuflich tätig. Im Landesverband Sachsen-Anhalt bin ich seit seiner Gründung Vorsitzender, und ich denke, unser Verband kann sich auch sehen lassen; ein Verdienst aller, die dort tätig sind.

Ich bin seit vier Jahren im Präsidium, wurde in den Bundesvorstand der BAG Selbsthilfe gewählt, was weitere Ämter nach sich zieht. So bin ich jetzt im beratenden Ausschuss der Behinderten in der Bundesagentur für Arbeit.

Ich bitte um Ihr erneutes Vertrauen.

Klaus Hahn

Ich bin 54 Jahre alt, verheiratet; wir haben drei erwachsene Kinder. Von Beruf bin ich Jurist und arbeite seit vielen Jahren in der Bezirksregierung Münster, zur Zeit bin ich verantwortlich für Organisation und Personalwesen der Polizei in unserem Bezirk, einschließlich der Dienst- und Rechtsaufsicht. Meine Schulzeit habe ich bei zunehmender Sehbehinderung in wilder Integration zugebracht, habe dann mit Beginn des Studiums eine blindentechnische Grundausbildung in Marburg absolviert. Über den DVBS kam ich an die Blindenselbsthilfe. Seit 1988 bin ich im Landesvorstand des BSV Westfalen und seit 1995 Vorsitzender. Für den DBSV war ich nach dem Verbandstag 1998 Leiter des Arbeitskreises Antidiskriminierung. Unsere hauptsächliche Aufgabe war es, die Positionen blinder und sehbehinderter Menschen beim Zustandekommen des Behindertengleichstellungsgesetzes zu formulieren. Gleichzeitig war es mir ein Anliegen, die Zusammenarbeit mit dem DVBS zu verstärken, und entstanden ist ja dann auch der Gemeinsame Arbeitskreis Rechtspolitik, in dem das Know-how unserer Organisationen zusammenfließt. In der Strategiekommission habe ich auch mitwirken können, habe mich befasst mit der Zukunft der Blindenhörbüchereien.

In den letzten Jahren musste ich mich im DBSV etwas zurückhalten, weil wir im BSVW einige größere Probleme zu bewältigen hatten. Wir haben es geschafft, den Verein in ein gutes Fahrwasser zu bringen.

Ich arbeite sehr gern im Team, insofern bin ich für viele Aufgaben offen.

Rudi Ullrich

Ich bin 46 Jahre alt, lebe und arbeite in Marburg, in der Deutschen Blindenstudienanstalt. Dass ich vorgeschlagen wurde, ist ein Zeichen dafür, dass der Familiensinn gewachsen ist. Ich arbeite bei einem Korporativen Mitglied, engagiere mich ehrenamtlich seit vielen Jahren bei einem anderen, dem DVBS, bin Mitglied in zwei Landesvereinen des DBSV.

Ich bin Diplom-Psychologe, habe aber nicht therapeutisch gearbeitet, war zunächst in der Wirtschaft tätig und bin nun seit 1992 in der Blista für Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising zuständig. Ich arbeite in der Task Force Blindengeld mit, ebenso im Arbeitskreis Nachteilsausgleiche. Ich leite seit über 10 Jahren die Fachgruppe Medien im DVBS, und mir ist in der Diskussion hier aufgefallen, dass die Vernetzung nach innen ein ganz wesentlicher Aspekt ist. Man lernt viel zu wenig voneinander. Das ist aber notwendig, damit wir stärker noch nach außen auftreten können.

Als Schwerpunkt sehe ich die Qualitätssicherung im Bereich Bildung, die Elternarbeit, die Jugendarbeit und die Öffentlichkeitsarbeit.

(Anfragen an die Kandidaten gab es nicht.)

Öffentlicher Teil

Franz Müntefering, Bundesminister für Arbeit und Soziales, der sein Kommen zugesagt hatte, wurde - wie weitere Abgeordnete durch die am gleichen Tag durch den Deutschen Bundestag verabschiedete Steuerreform - bei der es auf eine namentliche Abstimmung ankam - vom DBSV-Verbandstag fern gehalten. Seine Rede trug Abteilungsleiterin Huxold vor.

Grußworte von sozialpolitischen Sprechern mehrerer Bundestagsfraktionen sowie von Verbändevertretern bekundeten die zunehmend integrierte Stellung, die der DBSV im politischen Leben einnimmt.

Die Präsidentin hat das Wort

Renate Reymann nennt in ihrer Rede auf dem Verbandstag Aufgaben der Selbsthilfe und formuliert Forderungen an die Politik:


Die Bundesrepublik Deutschland ist in Bewegung! Es gibt kaum Bereiche in unserer Gesellschaft, ja in unserem täglichen privaten Leben, in denen wir diese Veränderungen und Bewegungen nicht wahrnehmen. Sie bereiten uns manchmal Angst, gelegentlich Sorge, objektiv betrachtet bietet Bewegung aber vor allem die Chance etwas Neues zu erreichen. Wer sich bewegt, der kommt voran! Auch der DBSV ist ein Teil dieser skizzierten Gesellschaft und kann sich damit den Einflüssen seiner Umwelt nicht entziehen, er will es aber auch gar nicht.

Ein prägendes Merkmal der Veränderung in Deutschland war der Umzug der Bundesregierung von Bonn nach Berlin. Dies war nicht einfach nur ein Umzug des Parlaments und vieler Ministerien von einer Stadt in die nächste, es war der Beginn einer neuen Ära. Aus der Beschaulichkeit der Bonner Republik wurde die pulsierende, aber ungleich unübersichtlichere Berliner Republik.

Unser Verband war eine etablierte Größe in der politischen und sozialen Szene am Rhein. Die Kontakte waren überschaubar und verlässlich. Den alten Verhältnissen trauern wir jedoch nicht nach, denn wir haben zeitnah mit der Bundesregierung den Rhein verlassen und ein neues Quartier direkt an der Spree gefunden. Besonders freut es mich, dass wir in diesem Jahr nun auch den Verbandstag - als das höchste Organ unseres Verbandes - in Berlin veranstalten. Wir setzen damit ein Zeichen: Der DBSV ist in Berlin angekommen! Doch mit einem Umzug allein ist man noch lange nicht für die neuen Herausforderungen gerüstet. Es kommt vielmehr darauf an, interne Strukturen zu optimieren und, was heute immer wichtiger wird, ein eng gestricktes Netzwerk mit der Politik, der Wirtschaft und anderen Verbänden zu knüpfen. Denn eines ist klar, der Wettbewerb um die immer knapper werdenden Ressourcen, wie Aufmerksamkeit und Geld, wird sich in den kommenden Jahren deutlich verschärfen. Der DBSV hat sich diesem Wettbewerb gestellt und wird ihn mit Erfolg bestehen ...

Die Weichen für ein erfolgreiches Bestehen des Spitzenverbandes aller blinden und sehbehinderten Menschen sind bereits gestellt, weitere Reformen und Optimierungsprozesse sind aber unausweichlich. Lassen Sie mich kurz unser Zukunftskonzept beschreiben:

Integration

Dem DBSV muss es gelingen sich vollständig in die politischen und gesellschaftlichen Entscheidungs- und Veränderungsprozesse einzubinden. Wir wollen auf ein beschlossenes Gesetz nicht reagieren, wir wollen Politik, die die Belange unserer Mitglieder betrifft, aktiv mitgestalten. Wir sind erster Ansprechpartner von Politikern, wenn es um die Interessen blinder und sehbehinderter Menschen geht. Dazu brauchen wir fundiertes Wissen, gute Kontakte und eine starke mediale Präsenz. Es muss uns gelingen eine Basis des Vertrauens zwischen dem Verband und seiner Umwelt aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft aufzubauen.

Kanalisierung

Der DBSV wird die begonnene Zusammenarbeit mit anderen Behindertenverbänden ausbauen. Nur gemeinsam haben wir die Schlagkraft, um in dem verschärften Wettbewerb um öffentliche Aufmerksamkeit erfolgreich bestehen zu können. Wir müssen unsere Kompetenzen bündeln und unsere Strategien vernetzen. Mit einer gemeinsamen Stimme werden wir nach Außen die Bedürfnisse der behinderten Menschen artikulieren und für deren Erfüllung kämpfen. Dies gilt in gleichem Maße für unser Engagement in der Europäischen Blindenunion.

Dienstleistungen

Der DBSV muss auch nach Innen für seine Mitglieder ein prägnantes Bild haben. Es muss also klar erkennbar sein, welchen Mehrwert wir unseren Mitgliedern geben. Neben der Interessenvertretung sehen wir diesen Mehrwert in einem umfangreichen Dienstleistungsangebot an unsere Mitglieder. Die Entwicklung der DBSV-Mitgliederkarte ist schon ein ganz konkretes Produkt. Wir bieten für blinde und sehbehinderte Menschen optimierten Service an. Wir werden aber auch Konzepte entwickeln, wie Dienstleistungen, die vormals vom Staat erbracht wurden, zukünftig effizienter von der Selbsthilfe übernommen werden können.

Mitglieder

Ein Verband lebt von seinen Mitgliedern. Deswegen werden wir mit dem Projekt 2010 verstärkt unser Augenmerk auf die Mitgliedergewinnung lenken. Zum einen wollen wir dies durch unser neues Dienstleistungsangebot schaffen. Wir werden eine große Plattform bieten, um mit anderen behinderten wie nichtbehinderten Menschen in der Gesellschaft in den Dialog zu treten. Völlig Barrierefrei, egal ob im Internet, im Kino oder auf einer öffentlichen Veranstaltung. Mit einem Festival der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe wollen wir das Gefühl von Gemeinsamkeit, Verbundenheit und Stärke unter den Mitgliedern fördern. Doch nicht nur wir müssen uns den globalen Veränderungen stellen. Wir erwarten von unseren Partner in Politik und Wirtschaft, dass sie ihren Teil für eine soziale Gesellschaft beitragen.

Forderungen an die Politik

So gut die Föderalismusreform in ihrem Ansatz auch ist, bleibt weiterhin großer Handlungsbedarf um die Kompetenzen zwischen Bund und Ländern nicht nur klar, sondern vor allem zweckmäßig zu verteilen. Zum Beispiel beim Thema Bildung. Ist es schon für nichtbehinderte Kinder lebensbeeinflussend, ob sie ein Zentralabitur in Sachsen ablegen, oder an einer Gesamtschule in Berlin, so wird die Situation für blinde und sehbehinderte Kinder ungleich dramatischer. Wollen wir wirklich die Integration und Ausbildung behinderter Menschen in Abhängigkeit eines Länderhaushaltes und eines einzelnen Bildungsministers geben?

Meine Bitte an Herrn Müntefering, einer der Ziehväter der Föderalismusreform, setzen Sie sich für eine breite Diskussion dieses Sachverhaltes in Ihrer Partei und der Regierungskoalition ein. Wir feiern in diesem Jahr das 200. Jubiläum der Blindenbildung in Deutschland. Anlässlich dieses Ereignisses würden wir uns besonders darüber freuen, dass weiterhin mit Hochdruck an der Integration behinderter Menschen mit dem Ziel gleicher Bildungschancen gearbeitet wird.

Neben einer guten Ausbildung, die behinderte Menschen genauso wie nichtbehinderte Menschen als Grundvoraussetzungen für ein erfolgreiches Bestehen am Arbeitsmarkt und für ihren Beitrag am gesellschaftlichen Leben benötigen, haben blinde und sehbehinderte Menschen weitere Barrieren zu überwinden. In einer auf visuelle Reize ausgerichteten Umwelt, benötigen sie ganz besondere Hilfen, um die Nachteile ihrer Behinderung ansatzweise kompensieren zu können. Dieser Nachteilsausgleich kostet Geld. Leider ist dieses Geld in allen Länderhaushalten nicht mehr vorhanden, das Blindengeld wurde flächendeckend gekürzt, und in den Ländern Niedersachen und Thüringen gestrichen. Länder müssen sparen, das ist wohl allen klar. Aber, diese Sparmaßnahmen bedeuten für uns nicht ein paar Euro weniger in der Tasche, sie bedeuten eine radikale Ausgrenzung bereits erfolgreich integrierter blinder Menschen. Das kann nicht Ziel Deutscher Behindertenpolitik sein! Wir fordern die Bundesregierung auf, sich einem Leistungsgesetz auf Bundesebene zuzuwenden, das nicht erst unterhalb der Armutsgrenze einsetzt. Wir haben einen konkreten Ansatz für ein Bundesbehindertengeldgesetz bereits formuliert und vorgelegt.

Leider haben auch blinde und sehbehinderte Menschen in hohem Maße unter der Hartz IV Reform zu leiden. Mit der Umstrukturierung der Arbeitsagenturen und der teilweisen Verlagerung der Vermittlungsaufgaben in die Kommunen, ging ein erheblicher Verlust in der blindenspezifischen Vermittlungskompetenz verloren. Statt wie angedacht Menschen flexibler beraten und damit schneller vermitteln zu können, zeigt die Praxis, dass dieses Ziel für Menschen mit einer Sehbehinderung mit der gegenwärtigen Struktur nicht erreichbar ist. Hier besteht Handlungsbedarf!

Dringender Handlungsbedarf besteht auch beim Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz. Behinderte Menschen fühlen sich mit diesem Gesetzentwurf noch nicht sicher, weil einige Länder und Wirtschaftsverbände Veränderungen fordern. "Sichern Sie uns!" lautet der gemeinsame Appell der Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung und unseres Verbandes an die Bundestagsabgeordneten von CDU/CSU und SPD sowie die Ministerpräsidenten der Länder. Wir befürchten, dass der Widerstand gegen das Gesetz zur Aufweichung wichtiger Inhalte - wie der Diskriminierungsschutz beim Abschluss privater Versicherungen - führt. In der anschließenden Podiumsdiskussion werden wir unsere Forderungen noch einmal klar formulieren.

Aber auch an die Wirtschaft hat der DBSV klare Forderungen: Die Gesellschaft hat in großen Anstrengungen für bessere Rahmenbedingungen der Unternehmen in Deutschland gesorgt. Dies war ein notwendiger Prozess. Aber, der Erfolg eines Unternehmens darf nicht ausschließlich an der Maximierung seines Gewinnes gemessen werden, sondern auch daran, in welchem Umfang es beispielsweise Non Profit Organisationen fördert, und damit wieder einen Teil an die Gesellschaft zurückführt. Man darf von sozialer Verantwortung der Unternehmen - gern als Corporate Social Responsibility propagiert - eben nicht nur reden, man muss sie tatsächlich leben. Es beginnt mit dem barrierefreien Zugang zu den Leistungen des Unternehmens und setzt sich mit der Chancengleichheit behinderter Menschen in der Beschäftigung fort.

Zu guter letzt wende ich mich an sie, liebe Mitglieder. Der DBSV kann nur erfolgreich sein, wenn die Arbeit auf breiter Front getragen wird. Ich fordere Sie auf, engagieren Sie sich und bringen Sie sich aktiv in die Verbandspolitik ein. Durch aktives, konstruktives Beteiligen an den Reformprozessen können wir den Verband nach unseren Ideen gestalten. Wir brauchen verstärkt den Familiensinn über alle Ebenen, von Berlin bis in die Untergliederungen, so wie wir ihn auf den Großdemonstrationen in Bremen, Hannover und Erfurt bewiesen und gespürt haben.

Mit Optimismus werden wir die Zukunft in Deutschland und Europa gestalten!

Ein neues Ehrenmitglied

Gustav Doubrava hielt die Laudatio für Gerda Kloske-Schindlbeck, die zum Ehrenmitglied des DBSV ernannt wurde.


Ich lernte Gerda als junger Mensch bei einem Sportfest in Landshut kennen. Bald war sie in der Selbsthilfe aktiv, in Niederbayern. Später war sie über viele Jahre Frauenreferentin in Bayern und Frauenbeauftragte des DBV als Mitglied des Vorstandes.

Alle kennen Gerda Kloskes Engagement im Deutschen Komitee zur Verhütung von Blindheit. Sie vertrat den DBV auf europäischer und auf Weltebene.

Immer hat sie sich von der Situation der Menschen und von ihrem Schicksal leiten lassen, z.B. als sie auf eigene Initiative hin nach Kenia fuhr, um blinden Frauen dort das Stricken beizubringen.

Erinnert sei an Seminare für Neuerblindete und Aktionen zur Glaukomprävention.

Sie hält Vorträge an der Universitätsaugenklinik in München über Blindheit und ihre Folgen. Alles, was Gerda Kloske-Schindlbeck tut, tut sie mit Hand, Herz und Hirn; das zeichnet sie aus. Und dass wir sie zu unserem Ehrenmitglied machen, das zeichnet uns aus ...

Ehrenmedaille verliehen

Es ist eine gute Tradition, Menschen für ihren außergewöhnlichen Einsatz bei der Verhütung von Blindheit, bei der Entwicklung von Lehr- und Arbeitsmethoden oder für sonstige persönliche Leistungen zur Förderung der Eingliederung blinder und sehbehinderter Menschen in die Gesellschaft und den Beruf mit der Ehrenmedaille des DBSV auszuzeichnen. Es können nur Personen ausgezeichnet werden, die nicht blind oder sehbehindert im Sinne der Verbandssatzung sind.

Die Auszeichnung wird durch das Präsidium des Verbandes nach Anhörung der Landesvereine zuerkannt.

In feierlicher Form wurde die DBSV-Ehrenmedaille Herrn Günter C. Althans (Laudatio Helga Neumann) und Herrn Prof. Eckhart Stofft (Laudatio Renate Reymann) überreicht. Frau Margarete Tanner, der ebenfalls die Ehrenmedaille verliehen wird, konnte nicht anwesend sein und wird die Ehrung bei anderer Gelegenheit entgegen nehmen.

Günter Conrad Althans

Herr Günter C. Althans wurde 1934 in Halle/Saale geboren. Sein beruflicher Werdegang führte ihn über die Ausbildung zum Dekorateur, eine Hochschulausbildung zum Werkerzieher und ein Studium für das Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen, bevor er nach weiteren Aufbau- und Ergänzungsstudien seine "Berufung" zunächst in der Arbeit an einer Sonderschule für sehbehinderte Kinder in Bremen und dann in der Arbeit mit hörsehbehinderten und taubblinden Kindern und Jugendlichen im Bildungszentrum des Deutschen Taubblindenwerkes in Hannover fand.

So engagiert und erfolgreich er dort agierte, so "aktiv" darf mittlerweile auch sein Ruhestand bezeichnet werden. Zahlreiche und vielfältige ehrenamtliche Tätigkeiten gehörten seit jeher und gehören immer noch zum Leben von Herrn Althans. Beispielhaft sei hier nur genannt, dass er bereits seit Jahrzehnten als Mitglied des Verwaltungsrates den Weg des Verbandes der Blinden- und Sehbehindertenpädagogen und -pädagoginnen e.V. (VBS) mitgestaltet und dass er als erster Vorsitzender des VzFB die Geschicke dieser Einrichtung lenkt.

In seinem Selbstverständnis als Christ und Humanist engagiert er sich darüber hinaus auch im Missionsrat in der Christoffel-Blindenmission, für die er zuletzt in Sri Lanka selbst half, durch Wiederaufbauarbeiten die Folgen des Tsunamis zu lindern.

Die Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe in Niedersachsen verdankt Herrn Althans ebenfalls sehr viel. Sein Herz und Engagement gehört blinden und sehbehinderten Menschen, und er ist ein unbestechlicher und kenntnisreicher Anwalt für deren Belange. Das hat sich bis hin zu einer starken Unterstützung im Kampf um die Wiedereinführung des Landesblindengeldes sowie beim Volksbegehren/Blindengeld erwiesen.

Er ist ein Vorbild für selbstlosen ehrenamtlichen Einsatz und ein hoch geschätzter Partner, der sich im Blinden- und Taubblindenbereich große Verdienste erworben hat.

Prof. Dr. med. Eckart Stofft

Das Berufsförderungswerk Mainz - früher Elisabeth-Dicke-Schule - feiert in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen.

Über die Hälfte dieser Zeit ist Prof. Dr. med. Eckart Stofft der ärztliche Direktor dieser Einrichtung, an der blinde und sehbehinderte Rehabilitanden sowie sehende Auszubildende (in früheren Jahren zunächst nur) zu Masseuren und medizinischen Bademeistern und (dann seit den 90er Jahren auch) zu Physiotherapeuten erfolgreich ausgebildet wurden und werden.

Dass der Beruf des Physiotherapeuten, so wie er im deutschen Berufsgesetz geregelt ist, überhaupt Menschen mit hochgradiger Sehbehinderung zugänglich gemacht werden konnte, war im Wesentlichen sein Verdienst.

Auf ihn zurück geht auch, dass die Angebote der Schule stets den sich ändernden Anforderungen der Ausbildungsberufe sowie der Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt und nicht zuletzt auch den individuellen Besonderheiten der Rehabilitanden gerecht wurden, was sich in einer konstant hohen Schülerzahl und einer hohen Vermittlungsquote der Schulabgänger widerspiegelt.

Doch auch den blinden und sehbehinderten Masseuren und Physiotherapeuten, die bereits im Beruf stehen, bietet die Schule durch die unter seiner Leitung konzipierten und durchgeführten "Mainzer Kongresse" besondere Möglichkeiten zu einer qualifizierten Fort- und Weiterbildung.

Podiumsdiskussion

Info-Radio-Redakteur Alfred Eichhorn ließ nicht locker, als es um die Frage ging, warum denn wohl private Versicherungen behinderte Menschen aus bestimmten Leistungen ausschließen oder mit nicht begründbaren Risikoaufschlägen versehen.

Hintergrund war die Diskussion um das Antidiskriminierungsgesetz, was jetzt als Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz zur Rechtsgrundlage werden soll.

In der etwas zähen Diskussion zeigte sich, dass vieles möglich ist, wenn alle Beteiligten aufeinander zugehen. Andererseits wurde deutlich, dass offenbar bei privaten Versicherern fest geformte Muster und Kriterien vorliegen, die zu wenig Flexibilität aufweisen, wenn es um den Einzelfall (mit Behinderung) geht.

Ein konstruktiver Vorschlag ging dahin, dass Vertreter der privaten Versicherungen einmal einen Arbeitsplatz eines blinden Mitarbeiters kennen lernen sollten, um selbst festzustellen, was der Einzelne zu leisten in der Lage ist.

Rahmenprogramm

Der Grillabend bot reichlich Gelegenheit, Küche und Bar des Hotels zu prüfen und ausführlich über all das zu sprechen, was nicht für die Allgemeinheit bestimmt sein sollte. Und: Es herrschte allgemeine Zufriedenheit, auch wenn das kleine, arme tote Schwein hart blieb, weil es zu spät auf den Grill kam.

Kleine Missgeschicke in der Versorgung glich das überaus aufmerksame und freundliche Personal des NH-Hotels Alexanderplatz locker aus. Ja, alle Mitarbeiter hatten wirkliche Freude daran, den - wie sie sagten - überraschend selbstständigen Blinden dort - wo es nötig wurde - zu helfen. Und das Hotel hatte sich wahrlich auf seine Gäste perfekt eingestellt: Der Aufzug hatte sprechen gelernt und war mit Punktschrift markiert. An Treppengeländern konnte man lesen, wo man sich befindet. Kontrastreich, groß und zusätzlich in Blindenschrift die Kennzeichnung der Zimmer und der Wegweiser auf den Fluren; markierte Stufen, unübersehbare Hinweisschilder, Speisekarten in Blindenschrift.

Aber, man muss das wiederholen, das Wichtigste waren der zuvorkommende Service und die Freundlichkeit der Mitarbeiter, die sich gern im Vorfeld auch einer Schulung im Umgang mit blinden und sehbehinderten Gästen unterzogen hatten.

Eine Infosäule bot auf Knopfdruck das Tagungsprogramm, die Speisekarte und Orientierungshinweise im Hotel.

Begleitpersonen hatten Gelegenheit zu einer Stadtrundfahrt per Bus, zu einer Schifffahrt im Zentrum Berlins mit anschließender Führung durch die Hackeschen Höfe sowie zu einer Besichtigung des Reichstagsgebäudes.

Und für alle interessant ein kleiner Markt der Möglichkeiten, auf dem einige technische Neuerungen präsentiert wurden - von DAISY-Geräten bis zu Digitalreseiver mit Sprachausgabe.

Der DBSV-Verbandstag ist Geschichte. Man darf annehmen, dass die optimistische Grundstimmung von Berlin ausstrahlt in die Landesvereine und deren Untergliederungen, dass sie die Zusammenarbeit mit den korporativen Mitgliedern beflügelt und der Politik ein deutliches Signal gibt.

(Zusammengestellt von Dr. Thomas Nicolai, Kassetten- und DAISY-Version mit vielen Originaltonpassagen).

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